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Alte Vetteln und andere Vorurteile

von ProjektX
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Agnes Nitt Esmeralda Wetterwachs Königin Magrat Knoblauch von Lancre Nanny Ogg
06.02.2018
06.10.2019
27
54.267
9
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
06.02.2018 975
 
Hallo Ihr Lieben,

diesmal probieren wir uns an den Hexen, also
habt viel Spaß.

Hochladetag Dienstag, alle 14 Tage, das erste Kapitelchen
kommt aber schon nächste Woche :)

Knuddelige Grüsse
Euer ProjektX

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Prolog

Nebelschwaden kamen aus dem Hexenkessel und krochen wabernd und unheilvoll über den Rand des schwarzen Monstrums, welches über dem Feuer hing. Dunkle Gestalten saßen in der zugigen Hütte verteilt und starrten auf das Geschehen. Die Tür zu der kleinen Hütte flog urplötzlich auf und ein eiskalter Wind strömte ins Innere, das Feuer flackerte im Zug der Luft einmal hell auf und verlosch dann.
Stille machte sich breit, während die Gestalt, die den Türrahmen ausfüllte, schnell zu dem Kessel huschte.
„Entfacht das Feuer”, zischte der Neuankömmling und eine verängstigte junge Gestalt kam der Aufforderung mit zitternden Händen nach.
Die Gestalt nahm einen riesigen Kochlöffel und wandte sich dem Inhalt des Kessels zu, der unheilvoll brodelte und dampfte.
„Angebrannt. Kein Wunder, hier ist es dunkel wie in einer Zwergenhöhle. Warum habt ihr keine Kerzen an?”
Agnes seufzte. „Großmütterchen Kuchen wollte welche mitbringen, hat aber wegen ihrer Arthritis abgesagt.”
Nanny Ogg seufzte. Großmütterchen Kuchen war 127 Jahre alt und so blind wie ein Maulwurf. Sie war seit drei Jahren bei keinem Treffen mehr erschienen. Nur Agnes konnte noch so vertrauensselig sein und aufgrund einer Zusage vom ältesten Mitglied des Hexenzirkels die Kerzen zu Hause lassen. Und nun? War der Eintopf angebrannt. Beherzt holte Nanny den Kessel vom Feuer, nahm den zweiten Kessel und füllte um, was noch genießbar war, während Agnes sehr verlegen und errötend dabei stand.

Das heutige Treffen bestand aus Sylvia Kräuterbaum, die drüben in Dunklem Loch als Hexe tätig war, allerdings nur noch Nebenberuflich, da sie fünf Kinder auf Trab hielten, Agnes und Nanny. Oma war verhindert, da sie in Schnitte eine Zwillingsgeburt hatte. Tiffany Weh hatte sich auch entschuldigen lassen und so saßen drei der letzten sechs Hexen in der zugigen Hütte, die sie als Treffpunkt nutzten, weil sie eben von allem am besten zu erreichen war.
„Keine Kerzen, angebrannter Eintopf und wir sind nicht vollzählig. Mal ehrlich, Nanny, wir brauchen dringend Unterstützung. So geht das nicht weiter”, Sylvias Stimme, angenehm und ruhig, brachte es auf den Punkt.
Nanny seufzte - sie wussten alle, dass es mit Hexennachwuchs nicht gut aussah. Die Kandidatinnen waren vorhanden, aber spätestens, wenn sie einen Blick auf Oma geworfen hatte, flohen sie. Oder sie erkannten, dass Hexe sein eben nicht bedeutete, ein cooles Outfit zu tragen und einen Besen zu besitzen, sondern dass Arbeit und Hingabe einen großen Teil aus machte. Leider hatten in letzter Zeit viele Kandidatinnen schnell das Handtuch geworfen - und keine Hexe hatte erneut Lust, Zeit und Energie in eine Novizin zu investieren, die kein Durchhaltevermögen hatte.
„Wenn man nur wüsste, wer wirklich zur Hexe geeignet ist. Und den Beruf ein wenig interessanter gestalten könnte.”
Nanny nickte und verteilte den leicht angebrannt duftenden Eintopf, bevor sie ihren Schwestern je eine Schale reichte.
„Wir könnten Magrat als Beispiel nehmen. Immerhin, sie war Hexe und ist heute eine Königin. Man kann also nicht sagen, dass es keine Aufstiegschancen gibt.”

Ein Kratzen an der Tür verriet einen weiteren Ankömmling und Nanny öffnete. Die Tür war so nett, mit einem hexenwürdigen Quietschen aufzuschwingen und die Ausgeburt der Hölle, in Form eines vernarbten schwarzen Katers namens Greebo einzulassen. Greebo erntete von Agnes einen misstrauischen Blick, Sylvia beachtete ihn gar nicht, nur Nanny strahlte, als wäre der verlorene Sohn nach Äonen in heimatliche Gefilde zurückgekehrt. Nur Nanny konnte diesem fiesen Kater Liebe entgegenbringen - und in seinen Attacken auf Gott und die Welt einen tieferen und vor allem liebenswürdigeren Sinn sehen.
„Wir brauchen wirklich wieder Nachwuchs. Aber wir müssen dieses Mal auswählen können. Wenn ich nur an die tumbe Mona denke, schüttelt es mich jetzt noch. Die war zu dumm, eine Kuh von einem Ochsen zu unterscheiden.”
Agnes nickte traurig. Hexe war der Beruf, zu dem Lehrer die dümmsten Kinder ermutigten, die keine andere Ausbildungsstelle bekamen. Das war auch der Grund, warum nur noch Mädchen wie die tumbe Mona oder die dämliche Dana aus Schnitte freiwillig bei den Hexen vorstellig wurden. Nur was das kein Material, aus dem eine Hexe gemacht wurde. Nicht mal Oma hätte aus einer der beiden einen halbwegs brauchbaren Zauber herauskitzeln können und wenn es um die - zumeist - praktischen Aufgaben einer Hexe ging, versagten die Probandinnen noch kläglicher.
„Wir sollten die Königin mit einbeziehen. Also in die Suche”, schlug sie leise vor.
„Ja, und wir werden nicht suchen. Sie werden zu uns kommen.” Nanny sagte dies mit so viel Überzeugungskraft, dass Agnes ein wenig verwundert aufsah.
„Wir machen einen Talentwettbewerb. Eine Miss-Hexe-Wahl.”
Agnes seufzte.
„Nanny, eine Wahl? Oma würde da niemals mitspielen. Und außerdem, welches Mädchen trägt schon gerne Schwarz und will von Oma traktiert werden?”

Nannys Augen funkelten amüsiert und der jungen Hexe schwante nichts Gutes. Wenn Nanny dieses Funkeln in den Augen hatte, dann gnadete nicht mal mehr Offler irgendwelchen anderen Göttern. Er nahm, wenn er clever war, die Beine in die Hand und rannte, was das Zeug hielt. In die entgegengesetzte Richtung.
„Wenn wir es Oma als Camp verkaufen, in dem sie sich die Rosinen heraussuchen kann, wird sie es toll finden. Den Mädchen müssten wir es einfach ein wenig anders erklären.”
Agnes schüttelte den Kopf, während Sylvias Aufmerksamkeit dem Eintopf galt. Als Mutter von fünf Kindern war eine ruhige Mahlzeit ein Luxus, den sie sich nicht von Hexenangelegenheiten kaputt machen liess. Wenn Nanny eine Parade vorschlagen würde, wäre Sylvia auch einverstanden. Sie fungierte als Mutter, Hebamme und Teilzeithexe und war keine große Unterstützung für die letzten drei Vollzeithexen, die noch nicht so senil waren, dass sie die Katze auf den Herd stellten und den Kessel zum Mäusefangen nach draussen jagten.
Nanny jedoch war weder von Sylvias Gleichgültigkeit noch von Agnes offensichtlicher Skepsis zu beeindrucken.
„Wir machen eine Wahl. Eine Wahl zur schönsten Jung-Hexe.”
Das würde Oma gar nicht gefallen.
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