Mia und Kai - das Verweilen im Nichts ( Band II )

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
06.02.2018
25.02.2020
44
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06.02.2018 1.537
 
Hallo ihr Lieben.
Herzlich willkommen zum zweiten Band von Mia und Kai "das Verweilen im Nichts".
Nach wie vor bin ich daran meinen alten Geschichten neues Leben ein zuhauchen. Ebenso wie im ersten Band, habe ich die Rohfassung vor Jahren mit der Hand geschrieben und verpasse dieser Version nun ein Facelift. Das Heißt auch hier bin ich für Ideen, Anregungen und/ oder Wünsche im Bezug auf den zweiten Band offen.
In erster Linie aber: viel Spaß beim liesen.

bis denn dann
eure Traumstunde



Kapitel 1. Zwist

Auf Ihrer Zunge breitete sich ein Geschmack aus, der mit einem überbrühten Stück Treibholz zu
vergleichen war. Klebriger Morast der von den Gezeiten angeschwemmt wurde, konnte somit nicht
einmal mehr von mehreren Stücken Würfelzucker beseitigt werden. Das ihre Kochkünste schon des
Öfteren als ungnädige Alchemie bezeichnet worden waren, verbesserte die Situation nicht im
geringsten. Dieses unangenehme Gefühl bei jedem Schluck des heißen Gebräus, verdeutlichte der
Frau nur um so mehr, wie unerwünscht sie in diesem Raum war.
Eine hochgewachsene Frau, mit schmaler Brille und einem dazu passenden ovalem Gesicht, starrte
auf sie herab. Hinter den Gläsern lagen braune Augen, deren Seiten schon leichte Falten aufwiesen.
Eine große Nase, jedoch nicht über proportioniert. Die Augenbrauen waren schwungvoll, aber nicht
zu buschig. Schmale Lippen zogen eine scharfe Linie, in diesem Gesicht. Dahinter lag eine Zunge,
welche nicht weniger Stumpf war.
So etwas störte sie zum Glück sehr wenig.
Von Natur aus hatte sie ein eher kindliches Gemüt, welches sich mehr nach einem Kakao aus Sahne,
Honig und Espresso sehnte als nach Debatten über notwendige Arbeit. Im zwischenmenschlichen
Zweikampf war sie geübt. An der gesamten Situation gefiel Raven am besten, dass das Gesicht von
Felicitas hervorragend zu lesen war.
„Es kommt nicht oft vor, dass wir uns sehen.“
Eine solche Aussage von Felicitas, der Direktorin des Centers von Falkenstein, war vollkommen
unnötig, außer man zog eine gewaltige Standpauke in Betracht. Da die Direktorin des Centers von
Venedig damit gerechnet hatte nahm sie, das Kommende sehr gelassen entgegen.
„Tokio hat mich kontaktiert und mir berichtet, dass du ohne Vorwarnung aufgetaucht bist und
Kaname Koheis Schülerin konfisziert hast. Keine Stunde später werde ich darüber informiert, dass
du den jüngsten Sohn der Familie Asato gleich mit eingepackt hast und ihn unter Quarantäne im
Haupthaus der Familie Alexis gestellt hast.“
Vor zwei Jahren hatte sich die Frau mit den rotbraunen Haaren, die Stelle der Direktorin erkämpft
und focht noch immer gegen Gegner, ihrer Wahl an. Ihre Bilanz war ausgesprochen erfolgreich.
Nichtsdestotrotz war Raven ein Mitglied dieser Organisation geblieben, weil sie den Posten in
Venedig bereits innehatte und somit sehr viele Kilometer von Falkenstein entfernt war. Kurz gesagt
beide Frauen konnten sich nicht ausstehen.
„Kannst du mir irgendeinen Grund nennen, weswegen du für eine solche Tat nicht vor den Kader
gestellt werden solltest?“
Vollkommen gelassen lud Raven ihre verbalen Waffen auf. Von einer Person wie Felicitas würde
sie, sich nicht ihre Aussicht auf einen sahnigen Kakao mit Honig und Espresso verderben lassen.
Dafür war der Interkontinentalflug viel zulange gewesen und ihre Abneigung gegen den japanischen
grünen Tee einfach zu groß.
"Pass auf, Felicitas. Ich werde nicht bestreiten, das du deinen Job als Direktorin des Centers von
Falkenstein nicht beherrschst, du bist eine der letzten Feuermagierin Islands und kennst das Feuer
Europas wie kein anderer. Du hast als Feuermagierin einiges Zustande gebracht, von dem mancher
nur träumen kann. Du stehst einigen Familienoberhäuptern in nichts nach aber, und das meine Liebe
wirst du nicht bestreiten können, was Emphaten angeht hast du keine Ahnung.
Die Kinder sind kurz vor dem Krepieren oder davor, ihren Verstand zu verlieren."
Beide Frauen sahen sich offen in die Augen. Raven entspannt, die nun kalte Teetasse in der Hand.
Felicitas aufmerksam und aufrecht sitzend, hinter ihrem Schreibtisch.
"Japan ist eine Schamgesellschaft. Solange nicht herauskommt was für einen Bockmist du verzapft
hast, kannst du so einiges anstellen. Das Schulsystem Japans gehört zu den strengsten Weltweit. Es
ist an manchen Schulen untersagt einer Person seine Liebe zugestehen, nur damit seine
Schuleigenleistungen durch unnötige Ablenkungen nicht verschlechtert werden. Individualität wird
nicht gerne gesehen. Wer auffällt, wird ausgeschlossen. Glaubst du allen Ernstes, das zwei
hochsensible Europäer in so einem Umfeld überleben können? Hierbei handelt es sich nicht um
einfache Jugendliche, die sich einen Schüleraustausch vorgenommen haben“, beendete Raven ihren
Vortrag, zuverlässig mit der Gewissheit mehr, als nur einen vernünftigen Grund für ihr Verhalten
vorgetragen zu haben.
„Dein Handeln war dennoch überstürzt“, schellte sie Felicitas an, welche nicht ganz Unrecht hatte.
„Empathen sind für die Welt von uns Magier zu wertvoll als, dass man mit ihnen Fang den Hut
spielen kann“, kam sofort der Konter.
„Das ist mir sehr bewusst. Ebenso bewusst ist mir, wie empfindlich das Gleichgewicht der Magie
geworden ist seit Beginn der Globalisierung und des Medienzeitalters. Zwei Europäer in Japan
ausbilden zulassen, noch dazu in einer der größten Magier und Dämonenjägerfamilien des gesamten
Shintoismus, war eine enorme Chance für mehr Transparenz zwischen den magischen
Kulturkreisen.“
„So nennst du also Humanexperimente“, frotzelte Raven und kassierte dafür eine scharfe Rüge:
„Könntest du dich bitte wie eine erwachsene, vernünftige Frau verhalten?! Wenn du es so siehst,
dann könnte ich dir auch deinen Handel mit der Aqua Laguna vorwerfen und dich für das
verschachern deiner Schülerin an Venedig vor den Kader ziehen.“
Der Schlag saß tief, aber er kam mit Vorausberechnung.
„In dieser Sache ist noch nichts entschieden. Meine Schülerin ist erst seit vier Jahren in meiner
Obhut. In ein paar Jahren werden wir wissen, ob der Handel zustande kommt. Zudem habe ich das
Siegel Venedig, das Blut ihres Vaters, den letzten Willen ihrer Mutter und den Eid, welchen ich
geschworen habe als sie meine Schülerin wurde. Genügend Absicherung, findest du nicht? Ich
könnte auch noch den Segen des Grafenhauses von Falkenstein darauf legen. Immerhin bestehen
familiäre Beziehungen zur Lagunenstadt.“
Selbst wenn Felicitas vollkommen ruhig hinter ihrem Schreibtisch saß, sagten ihre Augen nur eines:
Miststück.
„Du scheinst nachgedacht zu haben. Nun gut, aber was hast du vor?“
„Zuallererst müssen die Kinder entgiftet und geerdet werden. Qentins ältere Schwester Run, wird
aus Portugal anreisen und entscheiden was danach mit ihm passiert. Ich musste nämlich erfahren,
dass es einen Machtwechsel innerhalb der Familie Asato gegeben hat. Seine Eltern sind beide dieses
Jahr verstorben. Hast du davon gewusst? Für einen Empathen ist es die Hölle, wenn man ihm nicht
bei seiner Trauer unterstützt.“
Diese Frage stellte Felicitas auf die Probe. Als Direktorin von Falkenstein musste sie so etwas
Brisantes wissen, ihr Vorgänger hätte es sofort getan.
„Die Familie Asato ist von den fünf großen Magierfamilien, die Verschwiegenste“, wich sie
geschickt aus und nur mit sehr genauer Beobachtung, erkannte Raven die Lüge in ihrem Gesicht.
Jedoch war nicht die Wahrheit ihr Ziel, sondern die Sicherheit der Kinder: „Das Mädchen Kaiko ist
schlimmer dran. Kaname hat sie ohne weiteres hervorragend gefördert. In einem solchen Maß, dass
dieses Kind nie wieder ein einfaches Leben unter Menschen führen kann und unter den Magiern das
Zeug zur Legende hat. Natürlich nur wenn wir in Betracht ziehen, sie spätestens mit Dreißig an die
schulmedizinische Psychiatrie zu verlieren.“
Eine völlig ausdruckslose Mine erläuterte Raven den Grund, weswegen ihr Gegenüber keine Kinder
besaß und lediglich eine Fernbeziehung zu ihrem Lebensgefährten pflegte.
„Raven, erinnert dich dieses Mädchen vielleicht an dich und dein Kind? Deiner Ausführung zu
folgen sieht es nicht so aus, als würdest du sie gerne als deine Schülerin aufnehmen.“
In der Tat war dies keine Option, welche sich die Direktorin von Venedig zurechtgelegt hatte. Ihr
war es in erster Linie um Schadensbegrenzung gegangen, in dem Augenblick in dem sie über
verschiedene Ecken von den beiden Kindern erfahren hatte.
„Felicitas, Vorsicht du lehnst dich etwas zu weit aus dem Fenster“, drohte Raven mit hellwachen
Sinnen und ihrer bekannten kindlichen Haltung.
„Ich kann sie nicht zu meiner Schülerin machen, weil Kaname sich weigert den Packt zu lösen
welcher Kaiko zu seiner Schülerin macht. Mit dem Segen des Hauses von Falkenstein, könnte ich
eine Lehrpause aushandeln. Vielleicht schaffen wir es Kaiko soweit zu stabilisieren, dass sie zurück
nach Japan oder ihre Lehre an der Aureus Schule fortführen kann.“
Was völlig ausgeschlossen war. Der japanische Hexenmeister wollte das Mädchen loswerden, weil
er um seine Geheimnisse fürchtete, welche die kleine Empathin wohl in geraumer Zeit aufgedeckt
hätte. Er hatte sie so gut ausgebildet innerhalb weniger Wochen, dass der Tod des Mädchens eine
sehr gute Alternative darstellte, damit er seine blütenreine Weste behalten konnte. Am liebsten wäre
Raven dem Kerl an den Kragen gesprungen, als sie diese Absichten in seinem Verhalten gelesen
hatte.
"Es ist erstaunlich, was du doch für ein Kindskopf bist. Mir kann es egal sein, wie tief du sinken
wirst, deine Arbeit in Venedig ist tadellos. Doch die fünf Familien werden bald zur großen Prüfung
gerufen und du als Ausgestoßene, einer dieser Familien verschwendest zu viel Energie, auf die
Sorge um andere Kinder. Was wird wohl mit deinem Kind geschehen, solltest du zu unachtsam
werden?"
Felicitas war nicht an Raven und ihrem Handeln interessiert. Mit dieser Aussage war deutlich
geworden, welche der beiden Direktorinnen höher im Rang stand.
Falkenstein konnte man als magisches Epizentrum betrachten, aufgrund des mächtigen
Grafenhauses, der Magierschule Stella Aureus und des Haupthauses, einer der fünf mächtigsten
Familien Europas. Venedig hingegen kämpfte seit Jahrhunderten, um sein überleben und das
wussten die beiden Frauen nur zu gut