Schnapsideen

OneshotHumor / P12
Krampus OC (Own Character)
04.02.2018
04.02.2018
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Schnapsideen


She says she's no good with words but I'm worse
Barely stuttered out a joke of a romantic stuck to my tongue
And weighed down with words too overdramatic
Tonight it's „It can't get much worse“
Versus „No one should ever feel like ...“

Fall Out Boy – Dance, Dance





Sie hatten sich wieder einmal gestritten.
Und wie bereits unzählige male zuvor, war Mary auch dieses mal wieder abgehauen, während Krampus Stolz es ihm verbot ihr nachzueilen.
Es war stets die gleiche Leier mit ihnen. Es verging kaum eine Woche, in welcher die beiden einander nicht an die Gurgel gingen oder versuchten, sich gegenseitig die Augen auszukratzen. Ihr Verhalten erinnerte Nick an ein altes Ehepaar, welches nicht miteinander aber auch nicht ohne einander leben konnte.
Der Belznickel schüttelte verständnislos den Kopf und sah zu dem Julherrn, der sich auf einem der Stühle in der kleinen Küche niedergelassen hatte und mit störrischer Miene den Verschluss einer Weinflasche öffnete, die er zuvor in Marys Kühlschrank gefunden hatte. Krampus murmelte etwas Unverständliches vor sich hin, ehe er die Flasche ansetzte. Nick meinte, die Wortfetzen „dummes Weibsbild“, „dickköpfig“ und „unverbesserlich“ herauszuhören.

Der Belznickel schaute ratlos zu seinen beiden Freunden Peter und Luke. „Was machen wir nun mit ihm?“
Sie zuckten mit den Schultern. Peters Stirn legte sich in Falten, als er nachdachte. „Wir sollten versuchen, ihn irgendwie aufzumuntern. Hat jemand einen Vorschlag?“
Nick dachte angestrengt nach, bevor er schließlich mit einem spöttischen Grinsen auf den Lippen nickte. „Möglicherweise.“
Die drei Freunde zogen sich leise in Marys Wohnzimmer zurück, wo Nick ihnen von seiner Idee erzählte, die sie alle mit größter Wahrscheinlichkeit hinterher in Schwierigkeiten bringen würde. Doch wenn es dabei helfen würde, den Herr über die Julzeit aufzumuntern dann war es das ihrer Meinung nach alle mal wert.

Kurz darauf steckten sie ihre Köpfe in die Küche, wo der Gehörnte nach wie vor saß und weiterhin dem Alkohol fröhnte. Mithilfe des verwunschenen Sacks von Loki hatten sich offensichtlich noch weitere Flaschen zu ihm gesellt.
Krampus schien ihre Blicke zu bemerken und blaffte sie lallend an. „Was starrt ihr so dämlich?!“
Die Belznickel hatten ihn noch nie zuvor angetrunkenen oder gar betrunken erlebt, doch für alles gab es scheinbar ein allererstes Mal.
Luke trat vor. „Wir .. ähm, wir haben uns gedacht … jetzt wo Mary weg ist, wäre es vielleicht ganz abwechslungsreich, wenn wir uns alle mal ein wenig Spaß gönnen würden. Wir könnten ordentlich einen draufmachen oder so etwas.“
„Ach ja?“ Krampus musterte sie skeptisch. „Und an was genau habt ihr dabei gedacht?“
„Zunächst einmal brauchen wir noch mehr Alkohol. Sehr viel mehr Alkohol“, meinte Nick und deutete auf den nachtschwarzen Sack.

Soweit, so gut.
Etwa eine Dreiviertelstunde später waren sowohl die Belznickel als auch Krampus sternhagelvoll. Sie verdammten alle Frauen dieser Welt und jagten sie gedanklich zum Teufel, klagten einander ihr Leid, spendeten sich Trost und jammerten darüber, wie ungerecht das Leben doch war.
Krampus leerte eine weitere Flasche, räusperte sich und blickte dann erwartungsvoll in die Runde. „Also, das wäre dann wohl erledigt. Ihr habt vorhin erwähnt, dass wir einen draufmachen sollten. Was ist nun damit? Seid ihr Männer oder seid ihr Mäuse?!“

Die Drei runzelten zeitgleich die aschgraue Stirn.
Stimmt, Krampus hatte natürlich vollkommen recht. Doch der Alkohol hatte sein Übriges getan, beeinträchtigte ihr Denkvermögen und so wollte ihnen ihre glorreiche Idee nicht mehr einfallen.
Doch Nick kam etwas anderes in den Sinn. „Sag' mal, Krampus. Gibt es nicht irgendwelche magischen Gegenstände, die du aus dem ollen Zaubersack hervorholen kannst? Eine magische Lampe, die Wünsche erfüllt? Ein Zauberspiegel oder sowas in der Art? Verdammt, ich würde zu gerne wissen, was hinter all den Ammenmärchen steckt!“
Der Gehörnte sah ihn belustigt an, ehe sich ein gerissenes Lächeln auf seine Züge stahl. „Eigentlich dient Lokis Erbstück nicht dazu, dererlei Unsinn und Firlefanz zu veranstalten. Aber zum Teufel mit der Vernunft! Immerhin bin ich Krampus - der Herr und Gebieter über die Julzeit!“
Bei seinem letzten Satz war von seinem Stuhl aufgesprungen, welcher nun krachend umfiel. Die Belznickel nickten zustimmend.
„Huch“, kicherte Krampus, sah entschuldigend zu dem Stuhl und richtete ihn umständlich wieder auf. „Verzeihung. Also, was habt ihr euch vorgestellt? Eine Bank ausrauben? Oder vielleicht ein paar gesetzestreue und unbescholtene Bürger in Angst und Schrecken versetzen?“
Die Freunde tauschten sich angeregt aus, ein jeder von ihnen schlug etwas vor – wobei der eine Einfall hirnrissiger als der andere war.
„Hör' mal, gibt es nicht irgendwo einen Ort, wo die Weiber nicht so verflucht kompliziert und anstrengend sind?“, ergriff Nick das Wort. „Ich meine, in all den alten Geschichten und Legenden ist doch immer von hübschen Nixen und heißen Nymphen die Rede, während wir uns hier mit den ganzen Problemweibern herumschlagen müssen. Das ist wirklich nicht gerecht.“

Er äffte den hohen Tonfall einer Frauenstimme nach. „Nein, ich kann heute Abend nicht mit dir ausgehen, meine Haare liegen nicht. Tut mir leid, aber ich bin müde. Blablablabla.“
Sowohl Krampus als auch Peter und Luke brachen in lautes Gelächter aus.
„Tatsächlich kannte ich einst einmal eine Art Ritual, um Kontakt mit den Dryaden von Fayrlund aufzunehmen.“ Krampus wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. „Sie sind äußerst zuvorkommend und von überaus reizvoller Gestalt, wenn ihr versteht, was ich meine.“
„Warum hast du uns niemals vorher etwas davon erzählt?“ Nicks Gesicht nahm einen gespielt vorwurfsvollen Ausdruck an, bevor er erneut grinste. „Du wolltest die Weiber wohl ganz für dich alleine haben!“
„Nun denn. Passt gut auf, dann könnt ihr vielleicht noch etwas von mir lernen“, begann Krampus. Er baute sich zu seiner vollen Größe auf und scheuchte sie in leicht lallendem Ton, aber dennoch nicht minder stolzer Miene auf. „An die Arbeit!“
„Lasst uns die Schlampen beschwören!“, verkündete Nick feierlich, erntete allgemeine Zustimmung und hielt siegessicher wie ein mächtiges Artefakt eine der vielen Flaschen empor.

Krampus holte einige merkwürdig anmutende Gegenstände aus Lokis Erbstück hervor, darunter einen angelaufenen Silberspiegel, dessen Griff mit einem kunstvoll gefertigtem Relief verziert war, ein paar bleicher Knochen, dessen Ursprung nicht erkenntlich war und den sie sich lieber nicht näher ausmalen wollten, ein Stückchen Kreide, ein silbernes Messer sowie weitere Flaschen voller Met, welche vermutlich jedoch weniger mit der anstehenden Beschwörung der Dryaden zutun hatten.
Der Herr der Julzeit malte mit Hilfe der Kreide ein kompliziertes Muster direkt auf Marys Küchentisch, wobei er mehrmals innehielt und die Zeichnung kritisch beäugte. Er nahm einen großzügigen Schluck aus einer der Metflaschen und korrigierte dann eine der Linie.
„Das müsste so richtig sein, denke ich.“ Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. Anschließend wandte er sich an seine Belznickel. „Besser bekomme ich es in meinem Zustand wohl nicht mehr hin.“

„Ihr müsst wissen, dass Waldnymphen furchtbar scheue Wesen sind. Das bedeutet, dass einer von euch die Ehre hat sich den Dryaden im Spiegel zu zeigen, während ich den Rest erledige. Das Reden überlasst ihr besser mir. Ich würde mich ja liebend gerne aufopfern, aber meine letzte Zusammenkunft mit den holden Damen verlief gelinde gesagt ein wenig problematisch.“ Krampus grinste spitzbübisch. „Loki und ich sind ihnen an Beltane nachgestiegen.“
„Ich finde, dass Luke das übernehmen sollte. Er ist der Jüngste und hatte bisher nicht sonderlich viel Glück bei den Frauen. Außerdem … wer könnte diesem Schnuckelchen schon widerstehen, hm?“, schlug Nick mit Unschuldsmiene vor. Luke öffnete den Mund und wollte ihm bereits widersprechen, doch Nick schnitt ihm grinsend das Wort ab. „Wir sollten abstimmen. Wer ist dafür?“
Er hob die Hand und Krampus und Peter taten es ihm feixend gleich.
„Sehr schön, mein Freund.“ Krampus schlug Luke wohlwollend auf den Rücken. „Wir stehen alle direkt hinter dir. Mach dir keine Sorgen und nur keine falsche Scheu. Überzeuge sie einfach mit deinem natürlichen Charme und deiner Ausstrahlung oder so. Den Rest kannst du getrost mir überlassen.“
Luke rollte mit den Augen und zog eine Grimasse, als der Teufel ihm den Spiegel in die Hand drückte. „War ja mal wieder klar, dass ich die ganze Arbeit machen muss.“

Die Bande versammlte sich um Luke, während Krampus sich selbst in die linke Handfläche schnitt und ein paar Tropfen seines Blutes auf die Kreidezeichnung auf dem Tisch tropfen ließ. „Cáed'mil, bloede dh'oine … Hokuspokus … Abrakadabra … Arse blathanna ...“
Das innere des Spiegels begann sich zu verändern. Ein rauchiger Nebel erschien auf der Spiegelfläche und versperrte ihnen die Sicht. Eine geschlagene Minute lang tat sich überhaupt nichts und Krampus klopfte mehrmals gegen das Glas, ehe ein kleiner, untersetzter Satyr zum Vorschein kam. Das Wesen saß auf einem Holzschemel und blickte sich misstrauisch um.
„Wer da?!“, fragte der Satyr und stemmte grimmig dreinblickend die Hände in die pummeligen Hüften.
„Wir suchen … äh ... eigentlich die Dryaden von Fayrlund“, erklärte Krampus und musste offenbar stark an sich halten, um nicht loszuprusten.
Peter und Nick hingegen hielten es nicht länger aus und gackerten los, als der Satyr anfing zu meckern. „Sehe ich für Euch etwa wie eine verfickte Waldnymphe aus?!“
„Nein“, gab Krampus lachend zurück. „Eher wie eine fette Ziege auf zwei Beinen.“
Der Satyr runzelte die mit gebogenen Hörnern besetzte Stirn und kniff die Augen zusammen. „Krampus? Bist das etwa du?!“
„Nein, nein, nein. Hier ist Baldr. Liebe Grüße an Odin und die werte Gattin Frigga!“ Krampus hielt sich mittlerweile den Bauch vor lauter Lachen und verwischte mit einer schnellen Handbewegung die Kreidezeichnung. Der Satyr verschwand. „Das war knapp!“
„Ihr kennt euch?“, fragte Luke neugierig.
„Naja, sagen wir mal so … mein Ruf ist mir womöglich vorausgeeilt. Es ist eine lange Geschichte.“ Der Jullord winkte ab. „Vielleicht erzähle ich sie euch ein anderes mal.“

Die Vier brachen erneut in schallendes Gelächter aus und stießen auf diesen gelungenen Abend an, wobei sie nicht mitbekamen, dass die Wohnungstüre aufgeschlossen wurde.
Sie bemerkten Marys Anwesenheit erst, als die Dunkelhaarige bereits mit verschränkten Armen im Türrahmen stand und auf das heillose Durcheinander in ihrer Küche blickte. Sie deutete mit dem Zeigefinger auf ihren beschmierten Tisch. „Ich hätte wirklich gerne eine Erklärung dafür. Und zwar eine sehr Gute, bitte.“
„Oho, Mama ist zurück“, flüsterte Nick augenscheinlich nicht ganz so leise, wie er es wohl gerne getan hätte, denn Mary strafte ihn mit einem bitterbösen Blick.
Krampus setzte eine halb ernste, halb zerknirschte Miene auf, die jedoch den Anflug seines schelmischen Grinsens nicht komplett verbergen konnte. „Hallo Kätzchen.“
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