Stille Wasser sind tief

von scip
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Link Zelda
04.02.2018
18.02.2019
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Nachdem ich ein halbes Jahr jeden freien Moment meiner Zeit damit verbracht habe unzähligen Let's Playern dabei zu zu sehen wie sie Link durch ein magisch verfallenes Hyrule steuerten, hat mich mein Mann zum wiederholten Male zum glücklichsten Menschen auf der Welt gemacht und mir eine Wii U und das Spiel zum Geburtstag geschenkt. Und in Kauf genommen, mich zur Beendigung kaum noch zu Gesicht zu bekommen.
Und das ist nun geschehen, so lange ich es auch hinaus gezögert habe.
Dennoch, ich wollte nicht gehen.
Seit dem ersten Blick auf die Landschaften, mit dem ersten Hören der Musik, Links Bewegungen, die Verzweiflung Zeldas, die Loyalität, die Tiefe der Gefühle, war ich gebannt. Und bin es immer noch. Und tief inspiriert. Und eigentlich möchte ich schreiben wie es weiter geht. Doch das geht nicht ohne etwas klar zu stellen.
Zelda und Link gehören zusammen.
Doch jede Geschichte braucht ihre Vorgeschichte. Und das soll diese nun werden.
Seid geduldig, meine Geschichten brauchen immer ein wenig Zeit. Zelda braucht sie auch, um ihre passive Aggressivität Link gegenüber einzustellen. Nun, das wird hier auch so sein. So ist es im Spiel. Und glaubt mir, so wird es so viel befriedigender sein, wenn sie sich für ihn öffnet. Und umgekehrt.  
Viel Spaß



Kapitel 1

Das erste Mal hörte sie von ihm an ihrem fünften Geburtstag. In einer Geschichte, die ihre Mutter ihr erzählte. Eine Geschichte von dem großen Bösen und der Prinzessin, die mit einem Helden auszog, um Hyrule zu retten.
Eine Geschichte die sie niemals je würde vergessen können.

Als sie das erste Mal von IHM hörte, durchquerte sie gerade die ehrwürdigen Gänge des ehrwürdigen Schlosses von Hyrule, das sich nach dem Tod ihrer Mutter nie wieder wie ein Zuhause angefühlt hatte.

Das Schwert dass die Dunkelheit besiegt hat seinen Meister erwählt. Ein Ritter, ein Sohn Hyrules, der beste Schwertkämpfer des Landes. Gerufen vom Schwert.

So wenige Worte und sie bedeuteten so unendlich viel. Und es erschreckte Zelda bis in die Tiefe ihrer Seele.
Das Schwert schlief nicht mehr. Ihre Hoffnung, dass die Wahrsager falsch gelegen hatten, zunichte gemacht.
Es würde geschehen. Die Verheerung Ganon würde zurückkehren. In diesem Leben. Sie hatte keine Zeit mehr.  

An diesem Abend erlaubte sich Zelda zum ersten Mal seit vielen Jahren zu weinen.
Tränen der Angst, der Verzweiflung, der Hoffnungslosigkeit.
Nach einer schlaflosen Nacht verpasste sie ihr Morgengebet.
Dann das Abendgebet.
Erst als ihr Vater, der König Hyrules, mit seiner strengen Erinnerung an die Selbstbeherrschung einer Prinzessin keinen Erfolg hatte, schickte er nach der alten Vertrauten ihrer Kindheitstage. Als diese die Prinzessin in ihre Arme schloss, brach die klammernde Starre der Angst, die Zeldas Herz umschlossen hatte. Und erst als Impa versicherte, dass der Ritter nicht mehr im Schloss weilte, dass er aufgebrochen war, um dem Schwert und Hyrule zu dienen, erhob sich die Prinzessin.
Die nächsten Tage verbrachte sie tief im Gebet versunken, mit sich, ihrem Schicksal, der Zeit und der Göttin hadernd, doch an der Situation änderte das nichts.
Das Schwert hatte seinen Helden erwählt. Es bereitete sich auf die Wiederkehr des Bösen vor, das Zeldas Albträume durchzog, die Verheerung, die diese Welt seit Jahrtausenden von Jahren heimsuchte.
Und in ihr – Zelda – der Prinzessin Hyrules, dem Gefäß der Göttin, dem Quell der Weisheit, hatte sich immer noch kein Fünkchen der Macht gezeigt die nötig wäre, um dieses Böse aufzuhalten. Die Kraft mit der sie angeblich geboren, die zu erwecken und zu verwenden ihr Schicksal war. Eine Kraft die jede Prinzessin Hyrules in sich trug.
Die Kraft des Siegels, die als einzige Macht dazu imstande war das verkörperte Böse daran zu hindern die Welt – Hyrule – in Stücke zu reißen. Die genau das verhindert hatte. Dutzende, vielleicht hunderte Male zuvor.
Die Kraft die ihre Großmutter besessen, die auch ihrer Mutter innegewohnt hatte. Und das, obwohl keine der Beiden sie je gebraucht hatte.
Die Kraft die sich in Zelda einfach nicht offenbaren wollte.

Als sie ihn das erste Mal sah, ein Jahr nachdem er das Schwert aus seinem Sockel am Fuße des großen Baumes gezogen und es ihrem Vater zu Füßen gelegt hatte, erweckte sein Anblick glücklicherweise nicht dieselbe niederschmetternde, Nerven zusammenbrechende Reaktion wie zuvor nur die Erwähnung seiner Existenz.
Sondern nur die altbekannte Scham. Und ein wenig Neid. Und, da Zelda schon dabei war sich selbst zu analysieren, eine ganze Menge Wut.
Wie schön es doch wäre, wenn sie ihr Geburtsrecht auch erwecken könnte, in dem sie mit einem Baum sprach.
Vielleicht war auch ein wenig Bitterkeit dabei.

Er kniete vor dem König, gekleidet in eine einfache dunkelgrüne Tunika, staubige, sandfarbene Hosen und braune Stiefel. Der Schein der wandernden Nachmittagssonne verwandelte sein helles Haar in eine Fackel aus goldenem Licht. Ein Anblick, der eine Erinnerung in Zelda heraufbeschwor. Ihre Mutter, die vom Glanz Hylias erfüllt, leuchtend im Mondlicht stand.
Schmerz um den Verlust, vermischt mit der Furcht, die seit dem Tod ihrer Mutter Zeldas ständiger Begleiter war, zuckte in ihrem Herzen auf. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten, um sich wenigstens ein wenig Standhaftigkeit gegenüber dem übermächtigen Gefühl geben zu können.  
Ihr Blick fiel auf den Rücken des Jungen, auf die Umrisse des Schwertes das dort ruhte. Niemals wäre es ihr möglich gewesen nicht zu erkennen worum es sich bei dieser Waffe handelte. Das Symbol, in seiner Ganzheit auf der Scheide abgebildet und in seinem Fragment auf dem Griff, schrien ihr förmlich entgegen. Verhöhnten sie.
Das Dreieck des Triforce, das beinahe jeden Winkel des Schlosses verzierte, selbst ihren eigenen Körper, kunstvoll gestickt am Saum der königlichen Robe die sie trug und verarbeitet in einem goldenen Gürtel, der oberhalb ihrer Taille ruhte.  
Das Dreieck von dem sie einen Teil verkörpern sollte, aber einfach nicht wusste wie.
Während es diesem Jungen, der hier auf dem kalten Boden vor dem Thron ihres Vaters kniete, einfach zu geflogen war. In seinen Träumen.
Junge – in Gedanken nannte sie ihn so.
Und doch wusste sie es besser. Auch wenn Zelda ihn nicht kannte, ihm nie begegnet war, so hatte sie doch einiges über ihn in Erfahrung gebracht. Selbst wenn sie es nicht getan hätte, Klatschmäuler gab es genug, die scheinbar nichts lieber taten, als ihr all die Geschichten seiner großen Taten vorzutragen.

Sein Name war Link. Er war der Sohn eines Ritters und einer Frau aus Hateno, die am Hofe noch niemand je gesehen hatte.
Als Knappe seines Vaters war er früh mit dem Schwert ausgebildet worden und hatte außergewöhnliches Talent gezeigt. Er hatte bereits Erwachsene im Kampf besiegt, als Zelda noch selig in den Armen ihrer Mutter von der rosaroten Farbe der Welt überzeugt gewesen war.
Kurz bevor er selbst Teil der königlichen Garde geworden war, hatte das Schwert begonnen ihm Träume zu schicken. Hatte ihn zu sich zu gerufen.
Wie seltsam, dass er ohnehin in ihr Leben getreten wäre. Auch wenn sich nicht als Held Hyrules offenbart hätte.
Mit kaum siebzehn Jahren war er dem Ruf des Schwertes gefolgt und hatte es kurz danach dem König zu Füßen gelegt. Es in den Dienst Hyrules gestellt. In Zeldas Dienst.
Wie gern hätte sie darauf verzichtet.

Nun war er zurück gekehrt, ein Jahr war vergangen und er wohl kaum mehr ein Junge.
Er hatte das Reich bereist, hatte bei den Zoras gelebt und war von den Shiekah ausgebildet worden. Hatte mit den Kriegerinnen der Gerudo gekämpft, hatte Hyrule vor Gefahren bewahrt, zahlreiche Monster besiegt, dem Reich und dem Schwert gedient.
Nicht nur die Klatschbasen des Schlosses und Hyrule Stadts liebten ihn. Auch die Barden sangen Lieder über seine Taten. Mehr als einmal hatte Zelda die Tafel bei einer Festlichkeit verfrüht wegen solcher Gesänge verlassen, weil sie das ewige Lobpreisen nicht länger hatte ertragen können. Sie war wegen dieser weiteren Schwäche nicht stolz auf sich. Vor allem da dieses Verhalten zunehmend auffälliger wurde. Einer der Barden hatte sie forschend mit dem Blick verfolgt, während er ein Lied darüber sang, wie der Held einen Goronen vor einem Hinterhalt bewahrte und danach mit ihm Freundschaft schloss. Er hatte sie dabei beobachtet, wie sie mal wieder durch die hohen Türen aus dem Saal flüchtete. Danach hatte er nie wieder die Taten des Helden zum Thema seiner Lieder gemacht.
Doch für die anderen Darsteller war der Träger des Bannschwertes weiterhin das Lieblingsthema.
Sein Ruhm hatte das Schloss längst erreicht.
Und nun war er wieder da.
Und die Zeit in der sie ihn ignorieren konnte vorbei.

„Nun, jedenfalls bin ich froh dass du nun wieder hier bist, Held von Hyrule.“

Zelda war sich ziemlich sicher, dass sie nicht allzu lange hier gestanden und die Szenerie betrachtet hatte, in ihren eigenen bitteren Gedanken versunken. Aber wohl lange genug, um das Gefühl für Zeit und Raum fast vollständig zu verlieren. Und lange genug, um die irritierten Blicke der Leibgarde ihres Vaters auf sich zu ziehen, die in all ihrem Pomp so schweigend wie üblich neben dem Thron stand.
Der König selbst allerdings schien ihre Ankunft nicht bemerkt zu haben. Er stand auf der unteren Ebene des Thronsaals und vielleicht verbarg das Licht der tiefstehende Sonne ihre Gestalt. Sie war nicht durch den Haupteingang getreten, sondern hatte sich an den vielen Säulen die den Thronsaals zierten, vorbeigedrückt. In der Hoffnung großen Aufhebens um ihre Erscheinung zu entgehen. Immerhin war sie einige Zeit nicht am Hof gewesen und hätte mit einer offiziellen Ankündigung ihrer Wiederkehr rechnen müssen. Die Ungeduld hatte Zelda hierher geführt. Mit Reisestaub an den Stiefeln und aufgeregter Freude im Herzen. Die Suche nach den Recken Hyrules, die die nun seit einiger Zeit wiederentdeckten Titanen steuern und damit im bevorstehenden Kampf gegen die Verheerung Ganon unersetzlich sein würden, war abgeschlossen. Die Prinzessin der Zoras, Mipha, hatte Zeldas Bitte als letztes erhört und sich der Prüfung gestellt. Und hatte sich glanzvoll qualifiziert.
Nun gab es so viel zu tun.
Die Recken mussten lernen die Titanen zu steuern. Sie würden mit ihnen üben müssen, mussten lernen eins mit ihnen zu werden. Und sie, die anderen, mussten mehr über die Titanen heraus finden. Würden Tag und Nacht forschen müssen, um die Geheimnisse der vergangener Zeit alten Schriften und kaltem Stein zu entlocken.
Eine Aufgabe, die Zelda hoffte selbst erledigen zu können. Denn die Erforschung der antiken Technologien die man seit ihrer Geburt in ganz Hyrule fand, ausgrub und zu verstehen versuchte, war etwas, in dem Zelda einmal nicht versagte.
Im Gegenteil. Seit sie sich der Forschung widmete, hatten man viele Fragen klären, viele Funktionen entdecken und wieder erfolgreich einsetzen können. Ihre größte Errungenschaft war der Shiekah-Stein. Das Meisterwerk antiker Technologie, das der Schlüssel zu beinahe allen anderen war. Ihrer eigenen Forschung war es zu verdanken, dass sie den Stein hatten finden können.
Und nicht nur dass das Suchen und Untersuchen ihr Spaß bereitete, das Gefühl in etwas gut zu sein, etwas zur Sicherung des Friedens in Hyrule beisteuern zu können, das Gefühl über irgendetwas Kontrolle zu haben, gab Zelda ein wenig Seelenfrieden.

Das Lachen ihres Vaters holte Zelda erneut in den Thronsaal zurück. Zwischen die Säulen, wo sie stand wie ein Lauscher, immer noch gehemmt hervorzutreten und sich dem Unausweichlichen zu stellen, aber auch zu gebannt um zurück zutreten und ungesehen zu verschwinden.
Das Lachen war ihrem Vater vor dem drohenden Untergang seines Reiches und seiner wachsenden Sorge um die Unfähigkeit seiner eigenen Tochter fremd geworden.
Zelda hatte das Geräusch so lange nicht mehr gehört, dass es in ihren Ohren ganz fremd klang. Und doch fühlte sie, wie sich ihr Herz ein wenig erwärmte, als das donnernde Poltern den Thronsaal erfüllte. Sie spürte wie sie lächelte.

„Das ist gut“, hörte sie den König sagen. Hatte der Ritter gesprochen? Zelda beugte sich unbewusst ein wenig nach vorne. War sie gespannt darauf seine Stimme zu hören?
„Vielleicht kannst du mit deiner Anwesenheit ein wenig von der Kraft Hylias auf unsere Zelda abfärben.“
Noch in der Bewegung nach vorn versteifte sich Zelda. Ihr Lächeln verkümmerte und erschrockene Scham rollte in einer heißen Woge über sie hinweg. Ihr Herz krampfte sich zusammen.
Verletzt und schockiert darüber, dass ihr Vater hier vor seine Leibgarde so von ihren Verfehlungen sprach, vor IHM so von ihr sprach, wollte Zelda sich in den Schatten der Säulen zurück ziehen wie ein Schmetterling nach dem man geschlagen hatte.
Doch der Blick den einer der Gardisten ihr zu warf, hielt sie davon ab zu fliehen.  
Sie würde sich nicht verkriechen. Selbst wenn ihr Vater keinen Respekt vor ihr hatte und sie für schwach und nutzlos hielt. Sie war eine Prinzessin Hyrules. Und auch sie besaß ihren Stolz, wenn der auch so häufig geschlagen und in den Boden getrampelt worden war, dass es nicht mehr all zu viel davon gab.
Zelda atmete tief ein und trat dann, einige Kraftreserven aktivierend, die aufzuladen ihre täglichen Gebete sie lehrte, aus dem Schatten heraus in das helle Licht des Nachmittags. In die Aufmerksamkeit ihres Vaters hinein.
Er sah auf und erstaunt zogen sich seine weißen Brauen über Augen zusammen, von denen Zelda als kleines Mädchen gedacht hatte sie seien gütig.
„Zelda, Tochter, du bist zurück gekehrt“, stellte er fest und suchte augenblicklich den Raum hinter ihr nach den Rittern ab, die sie auf ihrer Reise zu den Völkern Hyrules begleitet hatten.
Nun, die würde er nicht finden, denn Zelda hatte sie in die Kaserne geschickt um allein mit ihrem Vater sprechen zu können.
Wenn dieser Plan auch offensichtlich einen Haken hatte.
Der Ritter zu des Königs Füßen hatte zu den verletzenden Worten über Zeldas Fähigkeiten geschwiegen. Doch als ihr Vater ihre Ankunft bemerkte, erhob er sich. Zelda versucht ihn zu ignorieren als sie dem König entgegen trat.

„Ja“, antwortete sie ohne zu lächeln, legte ihrem Vater allerdings zur Begrüßung eine Hand an den Arm.
Aus dem Augenwinkel sah Zelda, wie der Ritter sich verbeugte. Sie entschloss sich auch diese Geste zu ignorieren.
„Ja, ich bin eben eingetroffen. Ich wollte dir gleich die gute Nachricht überbringen.“
Sie sah wie die implizierte Bedeutung ihrer Worte das Gesicht ihres Vaters erneut verwandelte. Ein Abbild der alten Freundlichkeit zeigte sich in seinen Zügen und um seine Augen bildeten sich kleine Fältchen.
„Also hat Mipha offiziell angenommen?“ Ein fröhliches Glucksen durchrumpelte seine ungeübte Kehle und er lächelte nun uneingeschränkt. „Das sind in der Tat gute Nachrichten.“ Er drehte sich zu dem Ritter herum, so dass Zeldas Hand von seinem Arm rutschte. Wie symbolisch.
„Hast du gehört, Ritter Link? Mit Mipha, der Prinzessin der Zoras, sind die Recken Hyrules nun komplettiert. Aber ich vergaß, du bist mit Mipha bekannt, nicht wahr?“

Er und Mipha kannten sich? Wieso hatte Mipha nichts davon gesagt als sie Zelda danach gefragt hatte, wer der fünften Recken werden würde?
Zelda hatte Miphas Reaktion und ihr Schweigen als sie ihr die Antwort gab – der Ritter mit dem heiligen Bannschwert – nicht auffällig gefunden, sondern als Ausdruck der grazilen Beherrschtheit gesehen, die Teil des Wesens der Zora Prinzessin zu sein schien.

Da ihr Vater ein zustimmendes Geräusch verlauten ließ, hatte der Ritter wohl eine angemessene Reaktion auf die Frage gezeigt.

In einem Versuch die Aufmerksamkeit ihres Vaters zu erlangen, legte Zelda ihm erneut eine Hand auf den Arm. Die Vitalität des Königs schien durch sein königsblaues Gewand zu sickern, doch konnte sich seine Wärme nicht auf sie zu übertragen.
„Nun da ich zurück gekehrt bin, möchte ich mit euch über die Ernennungszeremonie sprechen Vater“, sagte Zelda, als er ihr den Blick zu wandte.
Je schneller die Recken offiziell zu den Piloten der Titanen ernannt wurden, desto eher konnten sie damit beginnen deren Steuerung zu erlernen. Und damit wären sie alle besser für den Kampf gegen die Verheerung Ganon gerüstet und müssten der Zukunft vielleicht nicht ganz so sorgenvoll entgegen sehen.
Natürlich müsste man der Zukunft überhaupt nicht sorgenvoll entgegen sehen, wenn man eine Prinzessin hätte, die in vollem Inbegriff ihrer Siegelkräfte wäre.
Aber war es nicht töricht darauf zu vertrauen, dass sie rechtzeitig schaffen würde, was sie in Jahren pflichtvoller Übungen und Rituale nicht geschafft hatte? Kam es dem Aufgeben gleich, wenn sie sich nach einer anderen Lösung umsah? Oder war es nicht ihre Pflicht als Prinzessin Hyrules, ihr Volk mit allen Mitteln zu beschützen? Wenn also die Hoffnung schwand, musste sie dann nicht alle Möglichkeiten in Betracht ziehen?

„Ja“, sagte ihr Vater nickend. „Ja, natürlich.“ Er griff mit seinem linken Arm quer über seine Brust und tätschelte mit der Linken Zeldas Hand, die immer noch auf seinem Ärmel ruhte.
„Link“, richtete er das Wort erneut an den Ritter, der weiterhin schweigend und unbeweglich neben ihnen gestanden hatte.
„Ich nehme an du wirst zuerst mit deinem Vater sprechen und ihm von deiner Rückkehr berichten wollen.“
Aus dem Augenwinkel sah Zelda, wie der Ritter nickte. So langsam, das musste sie zugeben, kam sie sich ein wenig albern vor ihn so offensichtlich zu ignorieren. Zumal ihr Vater sich und Zeldas Arm so gedreht hatte, dass sie den Blick direkt abwenden musste, um dies zu bewerkstelligen. Und so verlief der erzielte Effekt hoheitsvoller Ignoranz leider einigermaßen im Sand.
„Da du nie offiziell in die Garde aufgenommen wurdest und du bis zur Ernennung als Recke keinerlei Verpflichtungen hast, stelle ich dich einige Tage frei, so dass du deine Angelegenheiten regeln kannst“, fuhr der König fort. Wenn der Ritter überrascht davon war, dass sein König ihn fortschickte und ihn – so wie Zelda vermutete – nach Hateno schickte (hatte nicht jemand erwähnt seine Mutter würde aus Hateno stammen?), so ließ er sich nichts davon anmerken.
Zumindest nicht verbal. Alles andere hätte Zelda mit ihrer starr-in-die-Luft Strategie ohnehin nicht bemerken können.
„Du bist entlassen“, sprach ihr Vater. Die eiserne Bemühung den Ritter mit dem Bannschwert nicht anzusehen riss wie ein gespannter Faden, als Zelda das Geräusch sich rasch entfernender Schritte wahrnahm. Der Atem, von dem sie gar nicht gewusst hatte, das sie ihn anhielt, entwich ihrer Brust in Form eines leisen Seufzens.
Nur um ihr wieder in der Kehle stecken zu bleiben, als der König den Ritter dazu brachte sich erneut umzudrehen.
„Ach und Link?“
Es ging viel zu schnell.
In einer einzigen fluiden Bewegung hatte der Ritter sich um seine eigene Achse gedreht. Blickte ihr und ihrem Vater mit unbeweglicher Miene entgegen.
Und nun war es sowieso zu spät.
Ihre Blicke trafen sich.
Zumindest traf Zeldas Blick den seinen. Wohin er blickte, mit diesen stoisch nach vorn gerichteten Augen, mochte Hylia allein zu sagen.

„Wie lange wirst du benötigen?“

Eine Weile geschah gar nichts. Ging irgendetwas vor sich hinter dieser stillen Fassade?
Es war beinahe faszinierend.
Und ließ Zelda genug Zeit ihn genauer zu betrachten.
Er war wahrlich nicht groß. Vielleicht genauso groß wie sie selbst. Er besaß denselben schlanken Körperbau der für die Hylianer so typisch war und hätte beinahe zart gewirkt, hätten sich nicht drahtige Muskulatur an seinen Unterarmen und im Nacken gespannt, dort wie seine Haut nicht von Kleidung verborgen war.
Er war unübersehbar wohl proportioniert und hübscher als so manches Mädchen. Eine Entdeckung, die Zeldas Selbstbewusstsein endgültig die Treppe hinunter stolpern ließ. Wahrscheinlich sang er morgens mit den Vögeln um die Wette, hatte nie Mundgeruch und seine Hinterlassenschaften ließen von Aussterben bedrohte Blumen sprießen. Oh wie unfair die Welt doch selbst für eine Prinzessin war.

„Nicht mehr als eine Woche, euer Majestät.“
Es hatte beachtlich lange gedauert bis er das erste Mal gesprochen hatte. Zelda ertappte sich dabei wie sie beim Klang seiner Stimme den Atem anhielt.
Sie war rauer als erwartet und nur für so kurze Zeit zu hören, dass Zelda nicht ganz sicher war, ob sie es sich eingebildet hatte.

„Dann verliere keine Zeit und mach dich auf den Weg.“ Der König gestikulierte zum Ausgang des Thronsaals, der sich keine zehn Schritte hinter dem Ritter auftat. Eine Geste des Abschieds. Und der Entlassung.
Der Ritter antwortete mit einem kurzen Nicken und einer Verbeugung, die sie ebenso einschloss wie den König. Denn drehte er sich erneut um und war mit einigen schnellen, leisen Schritten in der Lichtspiegelung verschwunden.

Unter ihrer Hand spürte Zelda, wie ihr Vater sich ihr zuwandte. Dafür dass sie den Ritter vorher nicht hatte ansehen wollen, ihm ihr offensichtliches Desinteresse an seiner Person zeigen wollte, weilte ihr Blick ausgesprochen lange auf dem Torbogen, durch den hinaus er verschwunden war.
Der Gedanke allein reichte aus, um sich abrupt loseisen zu können.
Sie spürte dass ihr Vater sie ansah und sie hob den Kopf um seinen Blick zu begegnen.
Von der vorher gezeigten Fröhlichkeit war nicht mehr viel in seinen Zügen auszumachen. Er betrachtete sie mit einer Version des nachdenklichen Stirnrunzelns, mit der er sie in den letzten Jahren beinahe ausschließlich angesehen hatte. Nun meinte sie einiges an Missbilligung darin lesen zu können. Wohl wegen des mangelnden Respekts seinem neuen Lieblingsuntertanen gegenüber. Oder bildete sich ihr eigenes Gewissen das nur ein?
Um sich nicht inmitten einer Diskussion darüber wieder zu finden wie sich eine Prinzessin zu benehmen und nicht zu benehmen hatte, deutete sie mit der Hand in Richtung des Treppenaufgangs.
„Wie wäre es mit einem Blick über die Stadt?“, fragte sie lächelnd und trat einen Schritt nach vorn um ihren Vater um Gehen zu bewegen, ihre Hand immer nur auf seinem Arm. Der König folgte ihrem Impuls und sie stiegen nebeneinander die Treppe hinauf, folgten dem gemauerten Weg um die hohen Säulen und traten schließlich hinaus ins Tageslicht. Zelda atmete die laue Brise ein, die an diesem sonst windstillen Tag hier oben wehte und spürte wie sie sich ein wenig beruhigte.
Der Ausblick war wunderschön. So wie an fast allen Orten Hyrules, doch irgendetwas an der funkelnden Einheit der blauen Dächer der friedlich daliegenden Stadt war besonders für Zelda.

Ob ihren Vater der Anblick ebenso berührte, war für Zelda schwer auszumachen. Er stand da, unbewegt, mit gerunzelter Stirn und sah starr auf die Stadt hinab. Dachte er daran dass all dies verloren wäre, wenn seine Tochter es nicht schaffen würde die Siegelkräfte zu erwecken?
Zelda wandte den Blick ab, betrübt über ihren eigenen Vermutungen, die vielleicht zutrafen und vielleicht nicht. Die sie selbst aber oft genug begleiteten, wenn sie auf die Ebene hinaus sah.

„Nun da sich vier geeignete Piloten gefunden und qualifiziert haben, finde ich, dass wir so schnell wie möglich mit deren Einweisung beginnen sollten“, begann Zelda, um die deprimierenden Gedanken abzuschütteln. „Also sollte auch die Ernennungszeremonie so schnell wie möglich stattfinden. So schnell wie es die Vorbereitungen zulassen.“
Sie schwieg um ihrem Vater Zeit für seine eigenen Schlüsse zu lassen.
Im Augenwinkel sah sie wie er langsam nickte, dann hörte sie sein tiefes Seufzen. „Zelda“, begann er schließlich nach einem Moment und wandte sich ihr zu. Er klang zur Abwechslung einmal nicht ungeduldig oder angespannt, unterdrückte keine harschen Worte und Gesten.
Aus seiner Stimme hörte sie Sorge und Zuneigung und eine tiefe Trauer, die ihr beinahe das Herz brach.
Zelda ballte die Hände zu Fäusten, griff in sich hinein nach den geistigen Reserven die ihre Gebete ihr verschafften und setzte ein strahlendes Lächeln auf.
Sie wandte den Blick ab von Hyrule Stadt und sah ihren Vater an. Blendete ihn mit der Fröhlichkeit ihres Lächelns. Eine Fröhlichkeit die sie nicht empfand, aber dennoch gut genug imitieren konnte, dass es ihn irritierte. Ausreichend, um ihn am Weitersprechen zu hindern.  
„Weißt du, ich finde wir sollten sie alle mit einem Symbol versehen. Etwas das sie auch aus der Ferne als Recken Hyrules ausmacht. Etwas das sie mit Stolz tragen können.“
Ihr Vater öffnete den Mund, vielleicht um zu antworten, vielleicht auch nur um sein Erstaunen darüber auszudrücken, dass ihm die Idee gefiel. Denn dass sie das tat, da war sich Zelda sicher. Der König liebte große Symbole. Nicht nur Symbole, die groß waren.
Nicht umsonst musste sie selbst seit dem Tod ihrer Mutter all das tun, was ihr Vater jemals seine Königin hatte tun sehen. Die Gebete, die rituellen Reinigungen in den heiligen Quellen.
Er liebte die Uniformen seiner Leibgarde und der Ritter Hyrules. Und Zelda hatte ihn schon unzählige Mal dabei beobachtet, wie er die Insignien des Triforce betrachtete, die überall im Schloss zu sehen waren. Die in beinahe lächerlich großer Ausführung über seinem eigenen Thron prangte.  
Sie wandte ihren Blick ab und sah wieder in die Ferne über die Ebene hinaus. Konnte die Schönheit dessen was vor ihr lag jedoch kaum noch wahrnehmen. War zu sehr auf die Reaktion ihres Vaters konzentriert.
„Ich dachte daran, sie mit dem königlichen Blau Hyrules auszustatten. In Gewänder die sie als Verbindung zwischen den Völkern Hyrules und des königlichen Blutes auszeichnen.“
Sie selbst trug ein solches blaues Gewand, ebenso ihr Vater. Selbst die robustere, bequeme Tunika, die Zelda auf ihren Reisen trug, war von demselben durchdringenden Blau, das sie als Mitglied der Königsfamilie auszeichnete. Ein Symbol für das blaue Blut im Zyklus der Auferstehung.
Zelda spürte den Blick des Königs auf ihr ruhen. Gespannt fühlte sie ihren eigenen Herzschlag, schneller als sonst und versuchte gleichmäßig zu atmen.
„Und vielleicht“, begann sie nach einem kurzem Moment erneut, „Wäre es klug diese Gewänder mit dem Zeichen des jeweiligen Titanen zu versehen, zu dem der Recke von dem Tage der Zeremonie an offiziell zugehörig sein wird“, sagte sie und ließ es dabei so klingen, als würde ihr der Einfall jetzt gerade kommen und als hätte sie nicht bereits seit Monaten darüber nachgedacht. Als hätte sie nicht bereits in ihren Gedanken an den Entwürfen für solche Gewänder gearbeitet.
„Was hältst du davon?“ fragte sie ihren Vater, um die Grazie und stille Teilnahme bemüht, die ihr Vater so gerne an ihr sah. Nun da sie allein waren, sprach sie ihn als Vater, nicht als König an. Verbannte die Euphorie,  die der König nicht all zu sehr schätzte, da er der Meinung war, dass einzig und allein ihre Gebete zur Göttin diese Art der Aufregung verdienten, aus ihrer Stimme.
Zeigte Zelda zu viel Interesse an der Ernennungszeremonie, der Ausstattung der Recken und den Titanen im Allgemeinen, würde ihr Vater diese Aufgabe sicherlich jemand anderem übertragen. Purah oder Robelo vielleicht, die seit Jahren an der Ausgrabung und Erforschung der antiken Technologien beteiligt waren.
Das konnte sie nicht zu lassen.
Zumal weder Purah noch Robelo sich allzu sehr für die antiken Relikte interessierten. Purah legte all ihren Enthusiasmus in die Erforschung des Leitsteins und antiker Energieversorgung, während Robelo sich fast ausschließlich auf die Wächter und Verteilungsmechanismen konzentrierte, die sie mit der Zeit freigelegt hatten.

Und so lächelte sie ein zartes Lächeln ohne zu viel Begeisterung, als würde sie einfach nur ihren Pflichten nachkommen, was sie, als pflichtbewusste Prinzessin Hyrules, natürlich gern tat.
Ob ihr Vater Verdacht schöpfte, konnte Zelda nicht mit Sicherheit ausschließen. Er betrachtete sie mit einem schwer lesbaren Blick.
Doch Zelda ließ es darauf beruhen. Wenn sie nicht wollte, dass er sie ohne etwas zur Ernennungszeremonie beitragen zu dürfen in ihr Gemach schickte, dann durfte sie nichts mehr sagen.
„Also gut“, sagte der König schließlich und Zelda musste ein kleines Geräusch des Triumphes hinunter schlucken.
„Kümmere du dich darum. Die Zeremonie wird ein vierzehn Tagen stattfinden.“
Es war Zelda ziemlich egal wann die Zeremonie stattfand, so lange es nur bald war.
„Ich werde mich mit der Hofschneiderin beraten“, teilte sie ihrem Vater wohl ein wenig zu begeistert mit, denn der bedachte sie daraufhin mit einem missbilligenden Blick.
„Morgen“, beeilte sie sich deswegen zu sagen. „Nachdem ich mich von der Reise gereinigt und die Nacht im Geben verbracht habe.“
Das Stirnrunzeln verschwand vom Gesicht ihres Vaters. Doch bevor Zelda sehen konnte, womit es ersetzt worden war, hatte sie schon eine Verbeugung in des Königs Richtung angedeutet und war zwischen den Säulen verschwunden, auf dem Weg zu ihrem Studierzimmer.
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