Shalom

von Laureate
GeschichteDrama, Angst / P16
Abbey Bartlet C.J. Cregg Charlie Young Jed Bartlet Leo McGarry
03.02.2018
22.02.2019
7
27.434
3
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Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
03.02.2018 2.646
 
Es hat eine kleine Ewigkeit gedauert, aber endlich bin ich mal wieder dazu gekommen, eine der unzähligen wunderbaren Fanfictions zu übersetzen, die im Internet herumschwirren.

Ich hoffe, es gefällt euch ;) Falls ja, lasst mir doch ein Review da, ich würde mich freuen.

PS: Diese Story ist meiner Mittäterin und besseren Hälfte gewidmet: Ein Hoch auf dich, Mina!

***


Originaltitel: Shall We Bury Fathers or Sons

Autor: MAHC

Link: https://www.fanfiction.net/s/983577/1/Shall-We-Bury-Fathers-or-Sons

Charaktere: Der ganze Mitarbeiterstab, Fokus liegt aber auf Jed und Abbey

Kategorie: Angst/Drama/Romanze

Spoiler für die Folgen „Eine angemessene Antwort“, „Wir haben Yamamoto getötet“, „Posse Comitatus und „Ohne Seil und doppelten Boden“



***


Du bist noch am Leben. Du musst noch am Leben sein. Ich würde es doch spüren, wenn es nicht so wäre.

Oder?

Abigail Bartlet saß im ledergepolsterten Sitz ihres Mannes und starrte aus dem Fenster der Air Force One – oder wie auch immer das Flugzeug hieß, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten nicht an Bord war. Draußen, mehrere hundert Meter unter ihr, konnte sie sehen, wie die Wolken über den Atlantischen Ozean wirbelten. Sie berührte das Glas, und ihre zitternden Finger glitten über die Trennscheibe, die sie vor der eiskalten sauerstoffarmen Luft dahinter schützte. Sie war wie ein weiteres Hindernis zwischen ihr und ihrem Ziel. Zwischen ihr und Jed.

Habe ich dir in letzter Zeit gesagt, wie sehr ich dich liebe?  

Eine Weile versuchte sie zu lesen, aber sie merkte bald, dass sie kein Wort von dem im Gedächtnis behielt, was sie las, und so gab sie es schließlich auf und sah wieder aus dem Fenster, während der Kummer mit tonnenschwere Last auf ihre Brust drückte und ihr das Atmen zur Qual machte. Sie sah die ersten Küstenausläufer, sah den Atlantik allmählich verschwinden, sah wie Südeuropa und dann das Mittelmeer vorüberglitten und die Dunkelheit der Nacht heranrückte.

Mit der Nacht kamen die Bilder, sie schienen sich darin versteckt zu haben, um dort auf Abbey zu warten: Bilder von einem blutüberströmten Körper in elegantem Anzug, von himmelblauen Augen, weit aufgerissen, blicklos, tot … Abbey wusste, dass es Jed war, obwohl sie sein Gesicht nie richtig sehen konnte.

Verzweifelt presste sie sich die Hände auf die Augen, aber was half das schon gegen die schrecklichen Fantasien, die ihr Gehirn heraufbeschwor? Sie schluckte krampfhaft. Dann schüttelte sie den Kopf, bis die Bilder endlich verblassten und es sich nicht mehr ganz so anfühlte, als würde sie winzige Glassplitter inhalieren. Ihr medizinischer Verstand sagte ihr, dass sie kurz vor einer Panikattacke stand. Es fehlte nicht mehr viel, ein letzter Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachte, aber das konnte - das durfte - sie nicht zulassen. Nicht jetzt. Sie musste stark sein. Jed zuliebe.

Ihr Mann kämpfte in diesem Augenblick in einem israelischen Krankenhaus um sein Leben, und sie konnte nichts tun, um ihm zu helfen. Für die nächsten Stunden würde sie hier oben gefangen sein; sie würde die Stadt schon von Weitem sehen können, in der Jed vielleicht gerade im Sterben lag, und würde ihn dennoch nicht erreichen, nicht berühren können. Sie konnte bestenfalls die Augen schließen und sich vorzustellen versuchen, sie säße an seiner Seite und hielte seine Hand fest in der ihren.

Du musst durchhalten. Du musst kämpfen. Ich bin bald bei dir.

Jetzt kamen die Tränen doch, sosehr Abbey auch versuchte, sie hinunterzuschlucken. Ärgerlich fuhr sie sich mit dem Handrücken über die Augen. Sie spürte, wie jemand ihren Arm berührte und wandte sich vom Fenster ab zum Sitz ihr gegenüber.

C.J. blickte sie an. Ihr Gesicht war bedrückt, voll Furcht – und Mitleid.

„Mir geht es gut“, raunte Abbey, bevor C.J. überhaupt den Mund aufmachen konnte. Es waren die ersten Worte, die sie seit ihrem Aufbruch sprach. Die hochgewachsene Pressesprecherin hatte sich wirklich alle Mühe gegeben, so unaufdringlich wie nur möglich zu sein – und Abbey war ihr für ihren Beistand unendlich dankbar – aber sie ertrug es einfach nicht mehr: all die gut gemeinten, tröstenden Worte, die mitfühlenden Blicke …

Nichts davon ließ das Flugzeug schneller landen. Sie wollte einfach nur ankommen.

„Er ist am Leben“, hatte Leo gesagt. „Er lebt.“ Noch. Und vor einigen Stunden, die entsetzlichen Bilder des Anschlags immer noch live vor Augen, war das alles gewesen, was für sie gezählt hatte. Aber nun wollte sie mehr. Sie wollte, dass Jed wieder gesund wurde, dass er aufwachte und sie in die Arme nahm, dass er … lebte. Wenigstens das. Wenn das alles war, was sie bekam, dann war das in Ordnung … viel besser als die Alternative …

Obwohl der Live-Mitschnitt des präsidialen Besuchs weltweit ausgestrahlt worden war, wusste bislang niemand, ob die Aufzeichnung geplant worden oder durch einen schrecklichen Zufall entstand war. Abbeys Verstand hatte die chaotischen Szenen zu verdrängen versucht, die auf die Explosion folgten, als die Kamera zwischen dichten Staubwolken, lodernden Flammen und zerfetzten Körpern hin und her geschwenkt war. Schau nicht hin Abbey, hatte sie sich aufgefordert, nur um festzustellen, dass das nichts half. Rein gar nichts. Aber die Augen offen zu lassen, hatte sie erst recht nicht vor den grausigen Bildern beschützt, die über den Fernsehbildschirm flimmerten. Immer wieder sah sie Jed vor sich, ein flüchtiger Blick auf eine Gestalt im dunklen Anzug, die aus den Sichtbereich der Kamera geschleudert wurde, hinein in die schreiende Menschenmenge, während Metallstücke und Steintrümmer auf sie herabregneten. Die Kamera fiel zu Boden, doch sie lief weiter und fing schräg von unten ein, wie sich der Staub legte, wie Menschen in Panik umher rannten und Polizeisirenen heulten. Dann wurde sie wieder aufgerichtet, ob nun von ihrem ursprünglichen Besitzer oder jemand anderem, der dafür sorgen wollte, dass die Berichterstattung über die Tragödie nicht abriss.

Das Filmmaterial, das innerhalb von Sekundenbruchteilen an Satelliten gesendet und von da aus seinen Weg auf die Fernsehbildschirme in der ganzen Welt fand, zeigte ein Gemetzel von unvorstellbarem Ausmaß. In all ihren Jahren als Ärztin hatte Abbey schon so einige grauenhafte Dinge gesehen: Unfallopfer, Schusswunden, einmal sogar einen bedauernswerten Teenager, den man mit einem Stahlrohr halb zu Tode geprügelt hatte – aber nie zuvor hatte sie so viele abgetrennte Gliedmaßen gesehen wie auf den gepflasterten Straßen dieser angeblich zivilisierten Stadt, so viel Blut, das Autos, Hauswände und Menschen bedeckte.

Die Bilder echoten in ihrem Kopf, immer wieder, und blankes Entsetzen bohrte sich wie ein Messer in ihr Herz. Nein. O Gott, nein …

Endlose Sekunden vergingen, in denen sie wie gelähmt dasaß, unfähig zu atmen, unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, bis es ihr irgendwie gelang, die Schockstarre zu überwinden. Quälend langsam, Zentimeter für Zentimeter, beugte sie sich näher an den Bildschirm heran, während sie die Kamera anflehte, Jed ausfindig zu machen, ihn ihr zu zeigen. Sie musste ihn sehen, auch wenn das, was sie sah, unerträglich sein sollte. Sie brauchte Gewissheit.

Aber die unscharfen Szenen gaben nichts preis.

Da! Einen Augenblick lang glaubte sie, Jed in dem Chaos entdeckt zu haben: vornüber gebeugt stehend streckte er die Hände aus und zog eine blutige Gestalt aus den Trümmern. Aber war das auch wirklich ihr Mann? Tief in ihrem Inneren wusste sie, wie unmöglich das war. Nein, sie hatte sich die vertrauten Gesichtszüge bestimmt nur eingebildet, hatte nur das gesehen, wonach sie sich so sehr sehnte. Der Secret Service hätte niemals zugelassen, dass der Präsident in der Gefahrenzone umherwanderte und den Helden spielte.

Oder?

Während ihr Gehirn verzweifelt nach einer Erklärung suchte, wackelte das Bild schwindelerregend und fokussierte eine Menschenansammlung; Männer und Frauen, die meisten von ihnen in schwarzen Anzügen oder was davon übrig war. Sie standen dicht gedrängt, und Abbey realisierte schlagartig, um wen sie sich da scharten. Als die Kamera näher kam, löste sich einer von ihnen aus der Gruppe und hob die Hand, schüttelte den Kopf und brüllte die Kamera an, zurückzuweichen. Widerwillig wurde dem Befehl Folge geleistet, und Abbey wimmerte erstickt, als ihr die ersehnten Informationen erneut verwehrt blieben. Alles sah so unecht aus, vollkommen unnatürlich wie man es nur aus Albträumen kennt. Es war falsch, das Geschehen auf CNN zu verfolgen. Sie sollte dort sein, bei Jed.

Sie haben ihn getötet, wisperte etwas in ihr. Er ist tot. Liegt blutend auf diesem Platz, auf der anderen Seite des Erdballs, o mein Gott. Was nun? Sie schluchzte auf. Nein, Abbey, keine Tränen. Was soll das? Reiß dich zusammen, nun mach schon.

Nicht mal eine Stunde zuvor hatte sie mit Jed telefoniert, hatte den Triumph in seiner Stimme gehört, das euphorische Schnurren, als er ihr von der historischen Übereinkunft erzählte, die man erzielt hatte, von dem Friedensabkommen, das in greifbare Nähe gerückt war. Seine Freude war so ansteckend gewesen: Endlich konnte das Heilige Land aufatmen. „Nur noch ein kurzer Halt, Abbey“, hatte er gesagt. Sie kannte Jed gut genug, um zu wissen, dass dieser Zwischenstopp etwas sehr persönliches für ihn war. Bethlehem. Ein besonderer, geradezu heiliger Ort. Nur ein paar Stunden, dann würde es nach Hause gehen. Verspielt hatte er sie daran erinnert, dass ihn sein Rückflug über Paris führen würde, wo er sich mit Vertretern der Europäischen Union treffen wollte.

„Wirklich zu schade, dass du mich nicht begleitet hast, Abigail. Wir hätten einen romantischen Abend unter dem Eiffelturm verbringen können.“

„Du weißt doch, dass das nicht gegangen wäre. Ich habe Termine, Jed. Wir holen das nach, okay?“, hatte sie geantwortet. Und jetzt ... jetzt ... würde es vielleicht nie mehr dazu kommen.

Lily und sie waren gerade in ihrem Büro im Ostflügel des Weißen Hauses gewesen, als das Fernsehprogramm für eine Eilmeldung unterbrochen wurde. Ihre Stabschefin hatte sofort erkannt, dass etwas Schlimmes passiert war, hatte schockiert mit ihr zusammen die unfassbaren Szenen beobachteten. Abbey konnte nicht sagen, wann C.J. den Raum betreten hatte. Jemand – vielleicht einer der Praktikanten – musste sie hereingelassen haben. Die sonst so beherrschte Pressesprecherin sah mitgenommen aus. Ihre Augen waren tränenfeucht und ihr rotbraunes Haar fiel ihr zerzaust ins Gesicht.

„Mrs. Bartlet?“, fragte C.J. leise, den eingeschalteten Fernseher mit einem Blick erfassend.

Statt zu antworten, fixierte Abbey weiterhin den Bildschirm, wo sie die Kurzmeldungen las, die am unteren Rand vorbeizogen: „Bombenanschlag in Bethlehem Zustand von Präsident Bartlet ungewiss Wird Amerika einen Vergeltungsangriff starten…“

Sie fühlte sich seltsam losgelöst von ihrem Körper. Es war das gleiche Gefühl wie nach dem Aufwachen aus einem Albtraum. Wenn man in der Dunkelheit lag, unsicher, wo die Grenze zwischen Traumwelt und Wirklichkeit war, und sich einen Augenblick so fühlte, als hätte man sie noch nicht überschritten. Als wäre man in einem eigenartigen Zwischenreich zwischen beiden. Sie schlang die Arme fest um ihren Bauch und wiegte sich leicht vor und zurück. Sie wollte das Büro nicht mehr sehen. Sie wollte gar nichts mehr sehen vom Weißen Haus, nicht einmal C.J. und Lily. Zu Hause in ihrer Farm in Manchester wollte sie sitzen, in dem großen Sessel, in dem sie so gerne las, und sehen, wie Jed seinen Kopf durch die Tür streckte und sie fragte, was das für ein Buch auf ihrem Schoß war. Aber Jed war nicht da, vielleicht war er fort für immer und die flackernden Fernsehbilder hielten sie fest und flüsterten ihr furchtbare Dinge zu …

Sie bekam kaum mit, dass Lily C.J. näher winkte.

C.J. versuchte es erneut: „Abbey?“

Wie durch Watte hindurch hörte Abbey ihren Namen, hörte den fragenden Unterton in der Stimme ihrer Freundin. Mit starrem Gesicht wandte sie sich C.J. zu, Augen und Mund schockiert aufgerissen. Doch kein Laut kam ihr über die Lippen.

C.J. blieb vor ihr stehen. Die Angst stand ihr deutlich auf die Stirn geschrieben. „Leo möchte Sie sprechen.“ Sie nickte mit dem Kinn auf das blinkende Telefon auf dem Schreibtisch der First Lady.

Abbey wurde schlecht. Voll Grauen starrte sie das Telefon an. Sosehr sie auch den Hörer abnehmen wollte, um endlich zu erfahren, was mit Jed passiert war, sosehr fürchtete sich vor den Worten, mit denen Leo ihr Schicksal besiegeln würde.

Was für ein Feigling sie doch war! Sie versuchte sich an irgendeine Heldin zu erinnern, deren Haut sie überstreifen konnte, um sich stärker, größer, furchtloser zu fühlen. Warum fielen ihr nur Geschichten über die Ermordung von John F. Kennedy ein, während Lily und C.J. sie musterten. Es fiel ihr doch sonst so leicht, den undurchdringlichen Panzer der First Lady anzulegen, warum nicht jetzt? Weil sie Angst hatte. „Weil die Angst alles tötet“, hatte Jed irgendwann mal zu ihr gesagt, „den Verstand, das Herz und die Fantasie sowieso.“

Jed …

Abbey biss sich auf die Lippen, damit sie nicht zitterten.

„Abbey?“

Ruckartig hob sie den Kopf und nickte schwach. Lily musste für sie den Hörer von der Gabel nehmen und ihn ihr reichen. Leo schrie irgendjemandem im Hintergrund etwas zu, über das Heulen der Sirenen hinweg. „Leo?“, wisperte sie, kaum lauter als ein Windhauch. Er hörte sie nicht. „Leo!“, versuchte sie es erneut, diesmal jedoch lauter.

„Abbey! Abbey, Gott sei Dank. Hören Sie, Jed ist am Leben!” Leo atmete schwer, als bereitete ihm selbst das Sprechen Schwierigkeiten.

Einen Herzschlag lang fühlte sie sich fast gut. Jed lebte. Er war nicht tot. Wenigsten das.

„Ich komme“, sagte sie mit fester Stimme, die keinen Widerspruch duldete.

„Was! Ausgeschlossen, Sie können nicht-“

„Und wie ich kann! Teufel noch mal, Leo, haben Sie allen Ernstes geglaubt, ich würde hier bleiben und abwarten?! Ich komme zu Ihnen, also leiten Sie alles nötige in die Wege.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte für einen kurzen Moment Schweigen. Offensichtlich war Leo zu der Einsicht gelangt, dass es für alle Beteiligten das Beste wäre, keinen Streit mit der verängstigten First Lady anzufangen. „In Ordnung“, gab er schließlich nach. „Ich lasse die 29000 für Sie betanken.”

„Die 29000?“

„Die andere Air Force One.“

Abbey atmete erleichtert auf. Dann fragte sie leise: „Wie geht es ihm?“ Sie musste sich regelrecht zu der Frage zwingen. Bitte, mach dass es ihm gut geht. Bitte.

„Er … Gott, Abbey, ich bin kein Arzt. Ich weiß es nicht. Die sagen sein Zustand sei kritisch, aber-“

Kritisch. Der Hoffnungsschwimmer, der Abbey für einen Moment das Herz gewärmt hatte, verschwand ebenso abrupt, wie er gekommen war. Sie ließ den Kopf sinken, als hätte Leo ihr das Genick gebrochen, mit nichts als ein paar leisen Worten. Als sie wieder aufblickte, nistete die Angst in ihren grünen Augen.

„Leo, wie schwer ist er verletzt?“

Statische Interferenzen unterbrachen Leos Stimme und als er wieder zu hören war, befürchtete sie, dass ihr wertvolle Informationen entgangen waren. „… aber kann das jetzt nicht sagen … Leitung nicht sicher … ins Shaare Zedek Medical gebracht … versuchen ihn zu stabilisieren … dann … vielleicht Verlegung nach…“

Das Gespräch riss abrupt ab. Abbey saß wie versteinert da und starrte auf einen Punkt an der gegenüberliegenden Wand, den Telefonhörer noch in der Hand.

Lily nahm ihn ihr schließlich sachte ab und legte auf. C.J. blickte sie an. Ihre Augen verrieten sie. Sie fürchtete sich vor den Neuigkeiten, die Leo überbracht hatte. Tief durchatmend wandte Abbey sich den beiden Frauen zu, straffte ihre Schultern und richtet sich kerzengerade auf.

„Ich werde nach Israel fliegen. Und Gnade Ihnen Gott, falls Sie versuchen, mich aufzuhalten.“ Abbeys Stimme erstickte fast an ihrer hilflosen Wut. Manchmal wollte man nach der ganzen Welt schlagen, aber es nützte nichts, überhaupt nichts. Der Kummer blieb.

Das laute Dröhnen der Flugzeugturbinen holte sie in die Gegenwart zurück. Matt lehnte sie sich zurück und rieb sich die müden Augen. Sie fühlte sich schwindelig und benommen vom Ansturm der Erinnerungen. Hätte ich ihn doch nur aufgehalten. Ich hätte niemals zulassen dürfen, dass er für ein politisches Amt kandidiert, erst recht nicht für das Amt des Präsidenten. Was, wenn es das war? Die Vollendung des Schicksals, dem Jed in jener Nacht in Rosslyn nur um Haaresbreite entgangen war …

Während sie hinaus in die nachtschwarze Monotonie starrte, schob sie zum hundertsten Mal die Fragen fort, die sich immer wieder in ihren Kopf drängten:

War Jed bei Bewusstsein? Hatte er starke Schmerzen? Hatte er Angst?

Würde sie ihn jemals lebend wiedersehen?

Abbey horchte in sich hinein, als könnte sie dort die Antwort finden, aber Angst war das Einzige, wovon ihr Herzschlag erzählte. Angst und Sorge.



ENDE Kapitel 1
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