Prisoner

GeschichteDrama, Thriller / P16
Andrew Dennies Biersack
03.02.2018
22.07.2018
24
44214
2
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Tag 31
Langsam gewöhne ich mich an das Essen. Trotzdem ist es beschissen.
Ein Monat ist schon rum.  Simon meinte ich schlage mich ganz gut.

Tag 55
Essen immer noch beschissen. Mum hat es irgendwie geschafft mir Zigaretten zu schicken.
Sollten für diese Woche reichen, vielleicht schickt sie mir jetzt regelmäßig welche. Ich hoffe es.

Tag 60
Der Nachtisch war heute akzeptabel. Zigaretten auf geraucht. Ich sterbe vor Langeweile. Hoffentlich dürfen wir heute Nachmittag ein bisschen aufs Gelände, die Sonne scheint. Glaube ich zumindest.

Tag 73
Eintöpfe sind noch beschissener als das normale Essen hier. Heute gab es eine Schlägerei. Wie jeden zweiten Tag. Mein Heft ist bald voll. Vielleicht kann Simon mir ein neues besorgen.

Tag 105
Simon hat mir ein neues Heft besorgt und einen Bleistift. Zwar kontrollieren sie mich öfter als normalerweise aber ich habe nichts zu verbergen. Ich hoffe Mum geht es gut.

Tag 132
Ich durfte mit meiner Mum telefonieren. Sie weinte. Ich erzählte ihr wie beschissen das Essen ist und bedankte mich für die Zigaretten. Sie meinte sie würde mir nun monatlich eine Stange schicken. Sie ist und bleibt die beste Mum.

Tag 166
Simon erzählte mir das seine Frau eine kleine Tochter bekommen hat. Ich freute mich für ihn, an Kinder hatte ich noch nie gedacht. Geschweige den an eine Frau. Meine Mum war immer die einzige Frau in meinem Leben.

Tag 207
Nicht mehr lange dann ist mein erstes Jahr vorbei. Gestern kam eine Frisörin und hat mir die Haare geschnitten, es fühlte sich an als würde meine Mum es machen. Sie war schon älter aber sehr gesprächig, ich erzählte ihr das sie ruhig öfter kommen dürfte. Dann lachte sie.

Tag 288
Simon meinte ich hätte Post bekommen. Das erste mal seit 288 Tagen. Mum schickte Zigaretten, mehrere Hefte und Bleistifte. Ein Brief lag dabei auf dem stand das sie mich liebt und mich vermisst, sie würde auch die Tage zählen bis ich wieder zuhause bin.
Tag 317
Ich musste zu so einer ärztlichen Untersuchung. Ich wäre zu dünn und müsse mehr essen. Unmöglich bei diesem immer noch beschissenen Essen. Und weniger Rauchen sollte ich auch. Wenn ich aber nichts anderes zu tun habe ? Simon meinte das würden sie jedem sagen.

Tag 342
ein Jahr ist bald rum. Mein Geburtstag war schon, Mums Geburtstag auch. Ich konnte ihr kein Lied singen. Ich sang in meinem Kopf für sie. Meine Gitarre fehlt mir, vielleicht beginne ich wieder zu spielen wenn ich Zuhause bin.

Tag 365
Frohes Neues ! Sozusagen. Ich weine momentan viel. Es tut weh schon so viel Zeit für nichts hier verbracht zu haben. Simon meinte er könnte mich verstehen und das verstehen was ich getan habe. Aber er kann mir nicht helfen.

Tag 385
Irgendwie hat man nach einem Jahr das Privileg einen Keks zum Kaffee zu bekommen. Ich habe mich irgendwie gefreut. Schmeckte zwar Scheiße und ein Stein wäre weicher gewesen aber besser als nichts. Vielleicht kommen jedes Jahr neue Privilegien dazu ?

Tag 402
Ich fragte Simon nach meinen Unterlagen und ob ich sie mal sehen dürfte. Er meinte er schaut was er machen kann, aber es klang nicht sehr Hoffnungsvoll. Ich erinnere mich kaum noch an den Tag als hätte ich es vollständig verdrängt. Ich möchte wissen was passiert ist. Mich erinnern.

,,Und dann sind Sie gegen 21:30 Uhr Nachhause gekommen, ist das Richtig ?´´
,, Ja.´´
,, Sie hatten die Waffe dabei ?´´
,,Ja´´
,, Ihr Vater saß laut Aussage ihrer Mutter im Wohnzimmer und schaute Football.´´
,, Ja, ich wusste er wäre zuhause.´´
,, Wo war ihre Mutter ?´´
,, Im Schlafzimmer, sie geht früh schlafen.´´
,, Sie kamen also nachhause und sahen ihren Vater im Wohnzimmer sitzend. Was passierte dann ?´´
,, Ich kam herein und sah das er wieder getrunken hatte.´´
,, Das war aber nicht der Auslöser oder ?´´
,, Nein das war nicht der Auslöser.´´
,,sondern ?´´
,, Seine Hand.´´
,, Erklären sie das Bitte Mister Biersack´´
,, Sie blutete.´´
,, Wussten Sie wovon sie blutete oder was vorgefallen sein könnte ?´´
,, Er hatte meine Mutter wieder geschlagen´´
,, Oder eine Wand ?´´
,, Nein meine Mutter.´´
,, Können Sie das bezeugen ?´´
,, Nein.´´

Tag 422
Ich habe die Unterlagen bekommen. Nicht alle aber ein paar. Ich bedankte mich bei Simon und fragte wie es seiner Tochter ging. Er meinte sie könne bald schon krabbeln.

Tag 450
Mum geht es gut, sagt sie. Sie wäre heute am Grab meines Vaters gewesen. Sie hätte geweint. Ich konnte es nicht verstehen, er war es nicht wert zu weinen.

Tag 468
Ich habe seit ein paar Tagen das Essen verweigert. Vielleicht bekomme ich dann irgendwann wieder Lust drauf. Simon meinte das wäre der falsche Weg aber ich möchte es so.

Tag 482
Ich hatte ein Gespräch mit der Gefängnisleitung, danach habe ich wieder begonnen alles zu Essen um allen Problemen aus dem Weg zu gehen. Mir wurde klar das ich so auch nicht schneller hier raus komme.

,,Laut der Kriminalpolizei, kam das Blut durch einen Schlag in eine Wand.´´
,, Ich weiß aber er hat meine Mutter trotzdem Jahre lang geschlagen.´´
,, Sie auch ?´´
,, Ja seitdem ich in die Grundschule war.´´
,, Wieso haben Sie nie etwas gemeldet ?´´
,, Ich hatte Angst das ich meine Mutter verlieren würde, dass er noch mehr ausrastet.´´
,, Sie können jedoch keine seiner Taten beweisen ?´´
,, Das ist Richtig.´´
,, Und Sie wollten sich rächen ?´´
,, Ja ich wollte das er stirbt.´´

Tag 501
Ein weiteres Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Das ist nun mein fünfzehntes Heft. Und mein dreiundvierzigster Bleistift.  Simon meint ich hätte echt ein gutes Hobby gefunden. Ich würde noch so viel mehr aufschreiben wollen aber ich habe nicht genug Hefte dafür und komme nicht schnell genug an neue.

Tag 513
Mum hat mich heute angerufen und gesagt sie läge im Krankenhaus. Sie ist gestürzt. Es geht ihr wohl bald wieder besser aber ich mache mir Sorgen.  Ich verpasse so viel in ihrem Leben.

Tag 540
Ich habe neue Kleidung bekommen. Meine alte hatte überall Löcher und war ganz ausgebleicht. Nach fast zwei Jahren ist das vermutlich auch kein Wunder. Ich kann mir ggar nicht mehr vorstellen Normale Kleidung an zu haben.

Tag 574
ein anderer Insasse erzählte beim Essen er hatte ein Gespräch mit irgendeiner Frau von der Regierung. Sie hatte angeblich gemachte Brüste und einen Hammer Körper. Ich habe nicht richtig zugehört.

,, Woher hatten Sie die Waffe Mister Biersack ?´´
,, Aus dem Dark Net.´´
,, Das ist eine weitere Straftat.´´
,, Das ist mir bewusst aber ich wusste mir nicht anders zu helfen.´´
,, Er wollte mich nur beschützen.´´
,, Ich rede gerade mit Ihrem Sohn, ich bitte Sie während der Befragung leise zu sein.´´
,, Sie wurde so oft geschlagen und vergewaltigt von diesem Arschloch. Er hatte es nicht anders verdient.´´
,, Sie können rein gar nichts davon Beweisen. Demnach ist es Mord.´´
,, Nennen sie es wie sie es wollen, er hatte es verdient.´´
,, Dann haben Sie neun Jahre Gefängnis auch verdient ? War es Ihnen das Wert ?´´
,, Ich hätte nicht gedacht das Opfer in diesem Land so wenig beistand bekommen.´´
,, Wir gehen nur nach den Beweisen. Demnach war Ihr Vater das Opfer.´´
,, Das ist nicht ihr ernst.´´
,, So ist es nun mal Mister Biersack. Sie hätten vorher schon ihren Sheriff in ihrem Stadtteil darauf aufmerksam machen können bevor Sie sich eine Waffe zu legen und Ihren Vater damit ermorden.´´
,, Sie wissen nicht wie dieses Gefühl ist.´´
,, Das Stimmt, dass weiß ich nicht. Aber ich weiß was richtig und falsch ist.´´
,, Das weiß und wusste ich auch.´´
,, Mord ist sicherlich nicht das Richtige.´´
,, Meine Mutter zu beschützen und zu verteidigen, dass ist das richtige.´´

Tag 599
Bald sechshundert Tage in dieser Zelle. Simon fragte mich wie es mir geht. Ich sagte gut. Das war gelogen, dass wusste er genauso gut. Aber es half zu reden, Wörter zu wechseln. Ich tat es viel zu selten. Ich habe Angst das ich die Wörter vergesse. Das ich meine Mum vergesse.

Tag 623
Es wurden mehrere Typen in den Todestrakt verlegt. Die meisten davon weil sie sich ständig prügelten und Wärter bespuckten und anschrien. Ich hätte nicht gedacht das es so schnell gehen kann. Was wenn einer einfach nur verrückt geworden ist und nicht wusste was er da macht ? Warum beschäftige ich mich mit anderen Menschen ich habe genug eigene Probleme.

Tag 645
Eigentlich habe ich gar keine Probleme. Doch ich sehe meine Mum nicht und sehe vermutlich aus wie der wandelnde Tod aber an sich habe ich alles. Ein Dach über den Kopf, Gesellschaft durch Simon, beschissenes Essen. Zigaretten und selten Ausgang. Aber reicht das zum Leben ?

Tag 663
Es ist momentan so laut hier. Alle neuen Insassen kommen in meine Abteilung und schreien den ganzen Tag durch das Gebäude. Davon kommen sie nicht schneller raus aber sie lassen ihren Frust ab. Ich habe keinen Frust oder doch ? Ich kann Gefühle nicht mehr unterscheiden oder zu ordnen.

Tag 683
In Ordnung. In den letzten Tagen habe ich oft über meine Gefühle nachgedacht. Aber ich kann es verdammt nochmal nicht zu ordnen. Ich weiß nur das ich Simon echt gern habe und er mir immer zuhört auch wenn das nicht seine Aufgabe ist. Er ist ein guter Freund. Mein einziger hier. Aber er lässt mich auch nicht eher raus.

Tag 700
Heute ist wieder jemand abgeführt worden zu einem Verhör oder ähnlichem. Ich hatte in den ganzen Tagen nicht ein mal so ein Gespräch. Ich frage mich was sie besprechen. Vielleicht sehen sie dort ihre liebsten wieder. Simon weiß auch nichts. Ich würde Mum auch gerne wiedersehen.

,,Wenn Sie sich gut verhalten könnten wir die Strafe auf sechs Jahre mildern.´´
,, Ich weiß was ich getan habe.´´
,, Das wissen wir auch Mister Biersack. Wir möchten Sie nur über die Möglichkeiten aufklären.´´
,, Erfolgt dann erneut eine Anhörung ?´´
,, Selbstverständlich, wir werden uns all ihre Führungsunterlagen anschauen und dann entscheiden ob Sie eher entlassen werden oder nicht.´´
,, Kann ich meine Mutter denn dort sehen ?´´
,, Per Telefon, ja.´´
,, Ich meinte sie sehen.´´
,, Erstmal nicht, je nachdem wie Sie sich verhalten.´´
,, Aber er ist mein Sohn.´´
,, Ich sage es zum letzten Mal, dass ist die Anhörung ihres Sohnes. Seien sie bitte ruhig.´´
,, Mum lass gut sein. Ich weiß was ich getan habe.´´
,, Aber er wollte mir nur helfen !´´
,, Und er brachte dabei einen Menschen um. Das ist definitiv die falsche Hilfe.´´

Tag 704
Simon war heute nicht da. Vielleicht ist irgendetwas mit seiner Tochter. Ich werde ihn morgen fragen was passiert ist. Der andere Wärter ist komisch, er redet kaum und lächeln kann er anscheint auch nicht. Essen ist nach über siebenhundert Tagen immer noch beschissen. Ich wünsche mir jemanden zum Reden.

Tag 729
Morgen sind es zwei verdammte Jahre. Ich realisiere das überhaupt nicht. Ich erkenne mich auch kaum noch im Spiegel wieder. Gestern habe ich mich seit langem wieder rasiert. Jetzt sehe ich noch kränker aus. Simon war auf einer Fortbildung oder ähnlichem. Er hat mir neue Hefte mitgebracht, dieses mal größere. Er meinte es wäre ein zwei-Jahres-Insassen-Geschenk. Jetzt kann ich endlich mehr aufschreiben und brauche nicht mehr so sparsam sein. Ich musste unglaublich lächeln als er sie mir überreichte.

Tag 730
Frohes Neues erneut. Noch weitere sieben Neujahre in dieser Zelle und ich habe es geschafft. Außer ich komme wegen guter Führung eher heraus. Bald ist meine Anhörung. In vier Jahren. Ich versuche mich echt mit jedem Scheiß aufzuheitern. Simon meinte das ich nach zwei Jahren ein Privileg dazu bekommen würde und zwar das ich jeden Nachmittag für zwei Stunden auf den ,, Spielplatz´´ kann. Ein Platz zum Fußball und Basketball spielen. Also zum Rauchen und reden mit anderen Insassen die ebenfalls schon so lange da sind wie ich oder noch länger. Ich habe Angst davor irgendwie. Ich hatte so lange keine richtigen Sozialkontakte mehr.
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