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KurzgeschichteRomanze, Angst / P18 Slash
Chuya Nakahara Osamu Dazai Ougai Mori
02.02.2018
17.10.2018
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02.02.2018 3.115
 
Eigentlich sollte ich jetzt am Schreibtisch sitzen und meinen Praktikumsbericht schreiben...
Aber meh! Stattdessen stand plötzlich diese Fanfiction in meiner Notizapp. :)
Mein Powi-Lehrer wird sich bedanken (hust hust), aber um ehrlich zu sein ist Soukoku nunmal tausend mal besser als so ein langweiliger Bericht! Also, was solls! Hier habt ihr den ersten Teil meines spontanen Schreibausbruchs. Hoffentlich gefällt er^^


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Dazais Lippen waren eine Sünde.
Chuuya hatte lange nichts so sanftes gespürt. Sie liebkosten und weckten ein Gefühl der Geborgenheit. Dazais Berührung war wie das Fell eines weichen Kaninchens.
Seine Lippen reizten und gierten und brandeten gegen Chuuyas an, als wollten sie einen Berg niederreißen. Von einem auf den anderen Moment hatte er sich in den Wolf verwandelt, der das liebevolle Kaninchen mit nur einem Haps verschlang.
Chuuyas Kehle entwich ein kehliges Brummen.
Wie konnte man nur so Küssen?
Verdammt nochmal, jede Berührung des Brünetten war im Einklang mit seiner geheimnisvollen Persönlichkeit und dunklen Seele.
Er gab sie ihm zu trinken. Die Zwietracht in ihm. Dieses Chaos aus Gefühlen. Sein Wesen, welches keiner zu ergründen vermochte.
Und Chuuya ließ sich darin ertränken.

Er tauchte ein in diese verdrehte Gefühlswelt, ohne zu wissen, was ihn am Grund erwarten würde. Chuuya spürte die kalte Wand des Aufzuges in seinem Rücken. Doch er war kälter. Denn er war der bleischwere Anker, der in die ungewisse Tiefe von Dazais Augen sank.
Im Kontrast dazu entfachte der Brünette mit seinem bloßen Knie ein Feuer in Chuuyas Lendengegend. Die Flammen züngelten seinen Brustkorb hinauf und verbrannten auf ihrem Weg die Schmetterlinge in seinem Bauch zu Asche. Jeder Flügel wurde ihnen genauso brutal ausgerissen, wie der Wolf, der unter Dazais Haut lauerte, dessen Zärtlichkeit gerissen hatte.
Die Leichtigkeit einer ausgetauschten Liebelei, das wohlige Gefühl erwiederter Liebe, das Glück unerwarteter Zuneigung- die Hitze der freigelassenen Begierde verbrannte sie alle. Sie stieg Chuuyas Hals hinauf, explodierte irgendwo zwischen seiner und Dazais umschlungenen Zunge, um sich schließlich in seinem Atem zu verflüchtigen.
Er atmete gegen Dazais Wange aus und wärmte seine Haut. Es schien Dazai daran zu erinnern, dass noch andere seiner Körperteile von ihm gewärmt werden wollten.
Die langen Finger seiner rechten Hand, mit der er ihn zwischen dem ersten und dem zweiten Stockwerk plötzlich an die Wand gepinnt hatte, fanden ihren Weg unter seine Kleidung. Sie waren unberührt von der Glut in Dazais Augen und trafen ihn wie lebendige Eiszapfen. Eine Gänsehaut breitete sich über Chuuyas Körper aus. Doch das kümmerte den größeren der beiden Männer nicht. Er packte Chuuya an seiner schmalen Taille und hob ihn an. Kurze, kräftige Beine schlangen sich um seine Hüfte. Er hätte sich durch seine eigene Muskelkraft oben halten können, doch Dazais Finger schoben den dunklen Mantel von seinen Schultern und öffneten den schwarzen Gürtel, um sich in Chuuyas Hose zu schieben. Seine Hände glitten über den wohlgeformten Hintern, entlockten ihm ein wohliges Seufzen und ließen den Mafioso auf sich sitzen.
Chuuya drückte den Rücken durch, bildete ein Hohlkreuz, um seinem Partner näher zu kommen. Immer näher und näher. Er hatte zu viele Schichten Kleidung an!
Er riss sich die Weste vom Leib, dass die Knöpfe durch den engen Raum flogen. Dazai schnalzte mit der Zunge.
Ein falsches Wort und er würde ihm zeigen, dass er sich nicht immer einfach nehmen konnte, was er wollte! Doch er hielt die Klappe, ließ seine heiße Zunge über Chuuyas Hals wandern, grub seine Zähne in das Leder seines Halsbandes und zog daran.
Es gab keinen Grund sich seinen Fängen zu entziehen. Es hatte nie einen Grund dafür gegeben, seit sie zusammen in diesen gottverdammten Fahrstuhl gestiegen waren. Nicht, wenn sein Körper ihn so vehement darum bat, sich ihm hinzugeben, dass es schon beinahe weh tat.
Aus dem Augenwinkel heraus sah er die roten Zahlen ineinander verschwimmen. Ein sanfter Ruck ging durch den Aufzug, als er zum Stehen kam. Die Türen öffneten sich. Chuuya hielt den Atem an, linste über Dazais Schulter und erweckte damit auch seine Aufmerksamkeit. Dazai ließ von seinem Hals ab und drehte den Kopf.
Jenseits seiner Schulter erstreckte sich ihre Wohnung. Helles Parkett, auf dem moderne, dunkle Möbel ruhten. Ein Chaos aus Verbänden und Zeitungen um das Sofa herum, noch am frühen Morgen liegen gelassen, als ein eilender Auftrag Dazais Morgenroutine unterbrochen hatte. Auf dem Tisch eine halbleere Flasche Wein.
Chuuya atmete erleichtert aus. Für einen Moment hatte er erwartet, in Kouyou-nees erschrockenes Antlitz zu blicken. Oder in das von Hirotsu-san. Jeder hätte sie mit einem einfachen Ruf des Aufzuges erwischen können. Selbst Dazais Protégé Akutagawa. Die Erkenntnis ließ Vernunft gedeihen.
Warum hatte er sich überhaupt von diesem wandelnden Verbandskasten an die Wand drängen lassen?
Wie hatte er eine Berührung dieser nach Schießpulver riechenden Finger gutheißen können?
Ganz besonders die des Fingers, der sich in eben diesem Moment auf die Taste der obersten Etage legte?
Die Taste, welche als einzige komplett schwarz gefärbt war.
Die Taste, die nie aufleuchtete, sondern schweigend ihren Befehl annahm, als Dazai sie mit seiner ebenfalls mafiaschwarzen Hand betätigte.
Die Türen schlossen sich nur langsam, doch Chuuya konnte vier geschlagene Sekunden lang nicht begreifen, was gerade geschah. Und als sein Gehirn sich in der Fünften auf magische Weise wieder aktivierte, da hatte sich der Fahrstuhl bereits wieder in Bewegung gesetzt.
Nun befanden sie sich auf direktem Wege zu IHM. Dem schwärzesten Mann, den die Mafia je hervorgebracht hatte.
Dem Gefährlichsten, den man in diesem Gebäude anzutreffen vermochte.
Mori Ougai.
Der Boss der Port Mafia.

Dazai hatte ihn im Griff, trug ihn wie eine Trophäe über den sterilen Teppich des obersten Geschosses. Was hatte dieser verlogene Bastard nur vor?!
Chuuya wollte aufbegehren, von Dazais Hüften steigen, sich aus seinem Griff winden, ihn notfalls mithilfe seiner Beine zerquetschen.
Doch der Brünette hatte ihn wortwörtlich in seiner Hand. Er ließ Chuuyas sonst so starken Willen unter der Brandwüste seiner Lippen schmelzen. Dazai machte ihn abhängig von etwas, dass er nie zuvor gekostet hatte. Und es funktionierte.
Der Rotschopf langte instinktiv nach der Zunge seines Partners.
Ihn erreichte der unangenehme Gedanke, dass Dazai jedes einzelne Gefühl, welches er verspürte, unter seiner Kontrolle hatte.
Mit seinen rauen, trockenen Lippen den Durst.
Mit seinen tiefgelegenen Händen die Lust.
Mit seinen hallenden Schritten den Nervenkitzel.
Chuuyas eiserner Wille bog sich durch wie die Leitungen der Strommasten im Hochsommer. Und durch ihn hindurch zuckte ein Wechselstrom von überbordendem Begehren und zutiefster Abneigung. Er floss in Richtung Verständnis.
Chuuya kannte dieses Gewürz auf der Zungenspitze, die seine Geschmacksknospen reizte, und den Fingerspitzen, die um sein Gesäß griffen. Diese Wut, mit der er gegen die Wand des Aufzuges gestoßen worden war, war ihm nur zu vertraut. Doch sie war so untypisch für den berechnenden jungen Mann vor ihm, dass er sie nicht gleich hatte identifizieren können. Er sah sich selbst auf Wände, Boxsäcke und Trainingspartner einschlagen. Er sah sich laufen und verausgaben, bis die Wut, welche er aus den Sorgen, dem Druck und den Herausforderungen der Mafia züchtete, aus ihm wich. Gleichzeitig konnte er sich nicht daran erinnern, dass Dazai sich diesem Schatten, den er selbst immer wieder kurz und klein prügelte, damit er ihn nicht verschlang, jemals entgegengestellt hatte. Bisher hatte Chuuya ihn immer für herausragend selbstbewusst und beherrscht gehalten. Ein Mann, der selbst ein Schatten war und sich deshalb nicht darum kümmern brauchte, von einem anderen verschlungen zu werden.
Doch war das wirklich die Wahrheit?
Oder war es das, was sie nur alle sehen sollten?
Noch schlimmer, war das der Dazai, den der Schatten bereits eingenommen hatte?
Mit einem Mal verschwanden die Hände auf seiner Haut, welche bereits von seiner eigenen Körperwärme durchdrungen worden waren. Chuuya wurde forsch auf ein hölzernes Möbelstück gesetzt. Er öffnete die Augen, als auch der Druck auf seinen Lippen verschwand und es um ihn herum laut wurde. Dazais Hände verursachten ein heilloses Durcheinander auf dem Schreibtisch des Mafiabosses. Ein Stapel unbeschriebener Blätter, Dokumente und Briefe wirbelten zu Boden. Seine Hände stießen ein gläsernes Gefäß mit Tinte und einen Federhalter vom Rand des Tisches. Ersteres zersprang mit einem hellen Klirren und tränkte den Läufer in eine neue Farbe. In Dazais Farbe.
Tiefschwarz.
Sie breitete sich aus. Der blutrote Stoff saugte die neue Farbe auf, wie jedermann es mit Dazais Worten tat. Wie Mori Ougai es stets mit Dazais Schmeicheleien tat.
Und Dazais Schwarz vertrieb das Rot Moris wie der Mond die untergehende Sonne. In nur einem Wimpernschlag.
Hinter seinem Rücken hörte er die Stuhlbeine über den Boden scharren, als Mori abrupt aufsprang. Nach einem Moment der Stille, in dem der Boss in Windeseile seinen Schock verarbeitete und Dazai sich vor Chuuya mit den Händen auf dem polierten Mahagoni abstützte, erklang Moris geisteskrankes Lachen.

"Ein Present von meinem kleinen Liebling? Wie überaus zuvorkommend. Wenn du doch nicht immer gleich so einen Auftritt machen würdest,"

tadelte er den Brünetten, der so plötzlich und erzürnt auf die Tischplatte schlug, dass sicher nicht nur Chuuya zusammengezuckt war.

"Als ob ich dir jemals ein Geschenk machen würde, Mori-san!"

entgegnete Dazai laut und dennoch höflich, was sich allerdings mit seinen nächsten Worten ändern sollte.

"Ich habe es gehörig satt, an deiner Leine zu laufen. Mich hier und dorthin reißen und mir alles nehmen zu lassen. Wieder hast du Chuuya auf eine Einzelmission geschickt, die mehrerer Befähigter bedurft hätte und ihm beinah keinen anderen Ausweg, als Corruption gelassen!
Sag mir, hat dich der gleiche Wahnsinn befallen, wie dein Vorgänger oder tust du das nur, um mich absichtlich auf die Palme zu bringen?"

"Na na na, erst stürmst du wie ein Wirbelwind in mein Büro, setzt deinen Köter auf meinen Schreibtisch und dann beleidigst du mich auch noch mit kindischen Worten? Wie schlecht hab ich dich nur erzogen, mein Junge."

Dieses mal schlug Dazais Rechte auf den Tisch, ehe er bedrohlich leise knurrte:

"Ich bin weder dein Junge noch ist Chuuya ein Köter!"

Der Rotschopf schluckte schwer, als er dies hörte. Er verstand die Welt nicht mehr. Erst überfiel dieser Bastard ihn mit seinen Lippen, dann trug er ihn wie eine Trophäe in das viel zu riesige Büro des Bosses und jetzt verteidigte er ihn auch noch ausgerechnet vor IHM?!
Er hätte den Brünetten am liebsten mit aller Kraft von sich gestoßen, sodass er hart mit dem Hinterkopf auf dem Boden aufschlüge. Immerhin wollten seine Stiefelsohlen nun schon eine ganze Weile Dazais Visage unter sich spüren und den Dreck an seinen wilden Haaren abwetzen.
Noch dazu bettelte sein idiotisches Handeln heute noch viel mehr darum, im Schmutz gesuhlt zu werden, als an allen anderen vergangenen Tagen.
Da hatte dieser Hund doch tatsächlich in seinen Berichten geschnüffelt!
Woher sonst sollte er von seiner misslichen Lage vor weniger als zwei Tagen wissen?
Chuuyas Hände ballten sich zur Faust. Doch ehe er seinem zu neugierigen Gegenüber eine reinhauen konnte, erhob Mori seine schlangengleiche Stimme aufs neue:

"Ah ja, so ist das also. Was ist er denn dann für dich?"

Ja, was war Chuuya für den Jüngsten Mafioso, den Japan je zu Gesicht bekommen hatte?
Ein Spielzeug? Ein Mittel zum Zweck?
Es sah ganz danach aus. Die Wut, welche Dazai versucht hatte an ihm auszulassen und dann diese Demonstration von Dominanz. Alles deutete auf Chuuyas Schlussfolgerung hin.
Als Dazai ihm suchend in die Augen blickte, waren seine Meere zu Eis erstarrt. Zärtlich griff eine bleiche Hand nach einer seiner rötlichen Locken. Chuuya wich nicht zurück.

"Er… Chuuya ist…"

Dazai versuchte vergeblich die Antworten auf dem Eis in seinen Augen abzulesen. Dabei sollte er am allerbesten wissen, dass er solange mit den Hacken seiner kastanienbraunen Schlittschuhe an ihnen kratzen und so tief bohren konnte wie er wollte und trotzdem nicht hindurchzubrechen vermochte.
Umso mehr überraschte ihn Dazais Antwort, die dieser aus einem Ort bezog, von dem Chuuya nicht sicher war, ob er überhaupt existierte. Zumindest bis jetzt nicht, korrigierte er sich selbst.

"Chuuya ist meine bessere Hälfte."

Der Boss nahm dem Rotschopf das Lachen ab, für welches er selbst zu perplex war. Sein wallender Mantel erschien in Chuuyas Augenwinkel, von wo aus Mori sie beide anschließend mit in die Hüfte gestemmten Armen betrachtete.

.
Chuuya ist meine bessere Hälfte.
.

"Was für eine schnulzige Antwort. Hättest du dir nicht noch ein besseres Märchen ausdenken können?"

"Maul halten!"

fuhr Dazai ihn an. Doch sein Blick war immernoch auf Chuuya gerichtet.

.
Chuuya ist meine bessere Hälfte.
.

Nie hatte Chuuya seinen Partner derart mit seinem Ersatzvater sprechen hören. Die gesamte Szenerie war ein einziges Desaster.

"Wenn du meinen Köter, wie du ihn genannt hast, noch einmal ohne sein Herrchen los lässt, wird das nächste, was deinen teuren Teppichläufer verschmutzt, dein Blut sein, Mori-san,"

erklärte Chuuyas Gegenüber in einem unheilgeschwängerten Tonfall. Seine Stimme triefte nur so vor besitzergreifender Wut. Die Rastlosigkeit in den kastanienbraunen Augen erschlug ihn wie die Flut einen Wanderer bei Ebbe. Als der Brünette sich wieder vorbeugte, war er nichts anderes mehr als eine Welle, die sich selbst überschlug und mitriss. Die alles mitriss, außer dem soliden Gletscher, der eine Erwiederung des Kusses verweigerte.

.
Chuuya ist meine bessere Hälfte.
.

Shit. Shit. Shit.
Seine Augen schlossen sich plötzlich wie von selbst. Er hatte keine Kontrolle mehr über seine Wimpern, die kurz Dazais Wange striffen.
Chuuya konnte sich an keinen Zeitpunkt erinnern, zu dem sein Körper ihn jemals im Stich gelassen, ja gar verraten, hatte.
Also warum jetzt auf einmal?
Wieso zum Henker wurde er ausgerechnet gegenüber diesem schrecklichen Mann schwach?
Den untreuen Augenlidern folgten seine verräterischen Hände, die sich in Dazais Nacken stahlen. Sein erhobener Arm vermochte Mori auszublenden. Selbst, wenn er sie weiterhin so vergnügt beobachtete, wie ein kleines Kind.
Und wie ihm das auf den Sack ging!
Der Typ war noch viel schlimmer als der Junge, den er erzogen hatte. Dieser bohrende Blick, der selbst durch seinen Arm zu dringen schien… er hatte eine Abreibung verdient. Es war höchste Zeit, dass mal jemand ordentlich mit ihm abrechnete. Aber sowas von!
Für einen Moment schien es Chuuya sogar, als wäre er Dazais Beweggründen auf die Schliche gekommen.
Zumindest bis Chuuyas Hüften ihm ebenfalls den Dienst versagten, ihm strikt den Gehorsam verweigerten und ihn mit einem instinktiven Hochdrücken seines Beckens daran erinnerten, dass er gerade absolut keine Zeit hatte, über Dazais beschissene Strategien nachzudenken.
Denn unter Dazais anbrandenden Lippen war er nichts weiter als ein sinkendes Schiff. Er war ein Wrack. Ein Wrack, durch dessen Schäden jedes Gefühl, dass er sich bisher nicht eingestanden hatte, hineinfloss.
Was zwischen ihnen beiden lief, war mehr als faul. So verdorben, dass selbst Moris Schritte sich endlich entfernten.

"Ich lass euch zwei Turteltauben dann mal besser allein. Macht nicht so eine Unordnung! Und wehe, ihr seid nach meiner Verhandlung immernoch hier!
Ach ja, und Dazai?"

Angeprochener brummte ungeduldig. Obwohl es anfangs ganz danach ausgesehen hatte, als wolle er ihn vor Moris Augen auf dessen Schreibtisch vögeln und sich mehr als nur ein blaues Auge einfangen, stoppten seine Finger. Sie waren auf direktem Wege unter sein Hemd gewesen, wo Chuuyas Haut seine Berührung bereits herbeisehnte.
Er brauchte Dazai. Und Dazai brauchte auch ihn. Letzteres hatte er bereits erkannt, als Dazai vor wenigen Augenblicken versucht hatte, seinen Frust an Chuuya abzubauen.
Ersteres schlummerte in Form einer wagen Vorahnung schon eine ganze Weile in ihm. Doch jetzt war es so klar wie das Licht der Sonne, welches sich glitzernd in Dazais Augen spiegelte. Es verwandelte seine kastanienbraunen Augen in Sümpfe aus flüssigem Karamell. Chuuya blieb an ihnen kleben, während das wandernde Licht ihm eine Geschichte von Vertrautheit erzählte. Er und Dazai… konnte es sein, dass sie einander begegnet waren, um sich gegenseitig zu reparieren?
Beinah wäre ihm sein Name über die Lippen gerollt. Dunkel und rau.
Doch die Stimme des Mafiabosses rief ihn einmal mehr zurück in die Realität, in der Mori sie noch immer im Blick hatte.

"Sei so freundlich und lass meinen Schreibtisch ersetzen, wenn ihr mit ihm fertig seid."

Sein Lächeln war aalglatt. Nur dank Dazai, der ihn immernoch einkesselte, lagen Chuuyas Hände noch nicht um seinen Hals. Wenn er den morgigen Tag erleben wollte, sollte er sich schleunigst verziehen. Chuuya wusste, dass seine Gedanken verrückt spielten. Aber das taten sie doch immer, wenn er sich in Dazais Nähe befand, bemerkte er nun.
Heute war es bloß besonders schlimm. So schlimm, dass er dabei half, den Anführer der gefürchtesten Organisation ganz Yokohamas aus seinem eigenen Büro zu scheuchen. Ganz zu schweigen von den Sünden, die Dazai noch plante in diesem Raum zu begehen. Wohl bemerkt mit offenen Karten. Es sollte das gefährlichste Spiel werden, dass Chuuya jemals gespielt hatte.
Er hätte sich auch genauso gut selbst die Kugel geben können.

Der Aufzug kündigte sich an.
Die Türen öffneten sich.
Kurz darauf war ein kurzes Scharren von Schuhen zu vernehmen. Mori kehrte vergnügt summend Chuuyas Kleidung aus dem Fahrstuhl.
Scham ergriff ihn. Sie stieg ihm heiß und kribbelnd über die Wangen bis zu den Ohren hinauf.
Doch Mori war ein genauso erbarmungsloser Gefühlskontrolleur wie Dazai. Er benötigte nur einen einzigen verdammten Satz, um ihn mit Vollkaracho wieder auf 180 zu bringen:

"Apropos, wenn ich euch so sehe, wäre 'Sexbuddies' eine viel passendere Bezeichnung.
Also wirklich… wie kam ich nur darauf, euch beide 'Turteltauben' zu nennen?"

Ein heftiger Stoß gegen Dazais Brust und er torkelte rückwärts. Chuuya richtete sich auf. Der Zorn stand ihm ins Gesicht geschrieben. Diese Bezeichnung… er konnte sie einfach nicht mit seinen Gefühlen vereinbaren.
Scheiß drauf! Er würde ihm jetzt an die Gurgel gehen. Und wenn es das letzte war, dass er tat!

Er kam einen Schritt weit.
Dann wurde er am Handgelenk gepackt und herumgerissen. Seinen Lungen, die von der Schreibtischkante zerquetscht wurden, entwich ein überraschtes Keuchen.
Was zum Teufel?! Er konnte sich nicht rühren. Dazai drückte seinen verdrehten Arm wie ein Cop auf seinen Rücken und wartete. Als er versuchte, sich aus dem eisernen Griff zu winden, pulsierte der Schmerz bis zu seiner Schulter hinauf. Er fluchte derb gegen die Holzplatte direkt vor seinem Gesicht. Sein Partner hätte ihm mit einem einfachen Ruck die Stirn blutig schlagen können. Und Chuuya zweifelte nicht daran, dass der Mafioso in seinem Rücken auch nur einen Moment zögerte, wenn er unter ihm aufmucken würde.
Erst, als die Tür des Aufzuges sich mit einem unscheinbaren Pling schloss und den Boss der Port Mafia verschluckte, gab Dazai seinen Partner wieder frei.

"Verdammt,"
spuckte der Rotschopf auf die polierte Schreibtischfläche,
"warum hast du mich ihn nicht zu Kleinholz verarbeiten lassen?!"

Der Jüngere seufzte, ehe er um den Schreibtisch herumstreunerte und sich auf Moris Chefsessel fallen ließ. Breitbeinig, als wäre es sein Eigentum, fläzte er sich auf dem roten Leder.

"Chuuya,"
er hob den Arm mit der Handfläche nach oben und krümmte den Zeigefinger in stummem Befehl zu sich hin,
“du willst ihn nicht als Feind haben, glaub mir.”
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