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Das ist das Ende mit Neugier fing es an. (Revival)

von etiaeinen
GeschichteDrama, Familie / P16 Slash
01.02.2018
30.12.2020
50
77.813
 
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01.02.2018 1.646
 
Es ist kalt und nass. Im Sommer hätte man es als Schwül empfunden doch nun im Winter ist es eine Eiskalte Mischung. Bei jedem Atemzug sieht man die ausströmende Luft. Durch die Wärme des Atems und dem Luftstau bei dem Hochgezogenem Wasser entwickelt sich Kondenswasser an der Nasenspitze.

Meine Finger fühlen sich taub an, ich weiß das wen ich rein gehen würden sie anfangen zu brennen, wegen dem Temperatur Unterschied.

Ich war an einem Punkt angekommen an dem es nur zwei Möglichkeiten gab: Selbstmord oder zur Familie zurückkriechen. Beides wäre Feige, aber was soll ich noch tun? Über einen Selbstmord wäre die Stadt Alsfeld bestimmt nicht erfreut. Vor meinem inneren Auge sah ich schon die Schlagzeile: „Drogentoter am Bahnhofsklo entdeckt. Alsfeld am Abgrund“  Wen ich aber nachhause gehe, dass erste Mal seit knapp 2 Jahren müsste ich alles erklären, mich Preisgeben und eventuell gibt es auch noch Straffrechtliche Folgen. Ich habe ja keine Ahnung von sowas. Kann ich ihnen in die Augen sehen?

Sam hab ich schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen und seitdem geht es Berg ab. Ist er mein Schutzengel? Jeder hat doch einen.

Elisabeth hatte mich rausgeworfen als Sam weg war. Ich habe gegen die Regeln verstoßen und bei ihr Konsumiert. Seit dem schlafe ich draußen. Es ist Januar und sau Kalt draußen. Ich könnte erfrieren und wäre damit vielleicht besser dran als mit einem Selbstmord. Ich hatte mich in die Erlen  zurückgezogen. Hatte es hier nicht auch angefangen? Der Park direkt an der Autobahn. Man hört hier immer die Autos und ansonsten ist Stille. Bei dem Wetter kommt hier nur selten einer vorbei. Ich setze mich auf. Mein Bauch tut weh. Gestern Nacht hatte ich mich übergeben und jetzt sah ich dass ich in meinem eigenem erbrochenem gelegen hatte. Ich würde mich ja Ekeln aber dies ist mir schon so oft passiert dass es reine Gewöhnung ist. Ich strich mir mit meinem Arm die Haare aus dem Gesicht.

Wieder war ich am überlegen. Welche Möglichkeiten hätte ich sonst noch? Weitermachen wie bisher? Goldener Schuss? Oder zurückgehen und von neu beginnen? Das Problem an der Geschichte ist das es nie mehr so werden wird wie früher. Wie denn auch? Ich habe Ewigkeiten nicht mehr normal gelebt. Meine Geschwister kennen mich wahrscheinlich nicht mehr, Meine Großeltern sind bestimmt schon Tod und ohne den Abschluss kann ich auch in keine Lehre gehen. Nicht so wie Sam der einfach eine Lehre zum Tischler angefangen hatte. Und was ist mit meinen Eltern? Wäre ich der verlorene Sohn der zurückkehrt?

Ich raffte mich auf: ein erster Schritt ist es erst mal hier weg zu gehen. Irgendwohin wo es wärmer ist. Außerdem brauch ich was zum drücken, ansonsten ist der ganze Tag für die Katz. Mit wackeligen Schritten lief ich den Weg aus dem Park heraus, an dem Schwimmbad vorbei. Zum Schrebergarten sind es etwa 3 Kilometer, zum Bahnhof nur 2. Ich entschied zum Bahnhof zu gehen, dort bin ich ungestört. Wer würde denn auch heute dahin wollen? Wäre ich die würde ich einfach daheim bleiben, da wo es warm ist… da wo die Liebsten sind. Die, die draußen sind starren mich an. Haben sie noch nie einen Menschen gesehen? Sehe ich so schlimm aus? Bin ich wirklich am Ende? Das letzte Mal sahen sie mich so an als ich Gelb war. Ich hielt mich in den Armen. Ja es ist kalt, doch ich spüre es nicht mehr wie früher. Es ist eher eine Innerliche Kälte als ob es in mir klirrend kalt wird. Meine Zähne klappern und ich Zittere. Es ist nicht wegen der Kälte. Nein. Es ist wegen mir.

Am Bäcker vorbei und an der Schule vorbei. Sind die Ferien schon zu Ende? Ab jetzt geht es nur Bergauf. Ich komme nur langsam voran. Irgendwann stand ich an der Fußgängerampel und in der Ferne konnte ich schon meine Kumpels sehen. Niko war weg, er war nachhause gegangen. Schon vor Monaten. Jonas und Nils waren da. Als ich bei ihnen angekommen war schlugen wir uns in die Hände. „Du siehst echt scheiße aus.“ Nils drehte sich eine Zigarette. Ich nickte: „Danke, danke ich gebe mir viel Mühe. Ich dachte es wäre schon Halloween.“

„Wo hast du gepennt?“ fragte Jonas. Seine Augen verrieten mir das er schon was genommen hatte. „Im Wald.“

Während die anderen taten was sie immer taten, ging ich rein um mir endlich einen Schuss zu setzen. Ich weiß noch beim ersten Mal hab ich mich endlich befreit gefühlt und jetzt…. Wie verlogen das Zeug doch ist. Auf dem Bahnhofsklo bin ich alleine. Die Dinger werden gemieden weil sie so Dreckig sind. Wer will auch schon freiwillig dort hin?

Ich setzte mich auf die Schüssel und nach aus meiner Bauchtasche mein Spritzbesteck. Die Prozedur ist so verinnerlicht das ich es auch mit verbundenen Augen hinbekommen würde. Das Pulver kommt mit ein paar Tropfen Zitronensäure auf den Löffel, dieser wird Erhitzt damit das Zeug flüssig wird. Die Suppe wird dann mit der Nadel eingesogen. Dann wird der Arm oder in letzter Zeit auch das Bein freigelegt und es wird in die Vene gespritzt. Man muss Tierisch aufpassen nicht zu viel zu Zittern. Der Kick wie am Anfang bleibt aus. Hat man es damals gemacht um wegzukommen, ist es heutzutage da um da zu bleiben.

Wieder die Frage „Was als nächstes?“ gehen oder bleiben? Erst einmal hier raus. Wer weiß was die anderen vorhaben. Wer weiß was schon passiert? Raus aus dem stinkendem Bahnhofsklo, oder bin ich das? Ich wage es gar nicht in den Spiegel zu schauen. Ich glaube ich würde mich gar nicht wieder erkennen. Warum sollte es dann meine Familie tun?

Draußen stehen sie immer noch. Martin war noch gekommen. Er sagte er käme gerade von der Arbeit. Natürlich. Bei Martin bin ich mir nie sicher was er macht. Er hängt ja immer bei uns ab, er drückt auch trotzdem sieht er so gepflegt aus. „War mein erster Arbeitstag bei der neuen Arbeit. Ist eigentlich ganz lässig dort. So Sachen flicken und sowas kann ja jeder und da sind Typen die sind noch abgefuckter als ihr.“ „Soll das eine Beleidigung sein?“ fragte Nils. „Wie heißt das Ding denn richtig?“ Jonas sah uns mit großen Augen an. Martin legte ihm den Arm um die Schulter: „Lieber Jonas, ich glaube du läufst täglich mindestens 10 Mal daran vorbei. Gegenüber vom Obdachlosenheim ist doch dieser Hof mit den mehreren Häusern. Genau das ist die Neue Arbeit und ja das Ding heißt wirklich so. Die reparieren Elektrogeräte und Möbel und sowas. Ich bin da in der Elektroabteilung. Schließlich hatte ich das ja mal gelernt.“ „Ist doch gut wenn du das noch kannst. Ich kann gar nichts. Hab ja nie was gelernt.“ Jonas starrte in die Leere. Und was kann ich? Ich hab wie Jonas nie was gelernt, das Praktikum damals von der Schule aus hab ich geschwänzt und die paar Tage wo ich dann mal da war durfte ich die Schrauben beim Reifen festdrehen. Heißen die überhaupt Schrauben? Ich habe keine Ahnung. Nichts von dem hat noch Bedeutung.

„Ich hatte überlegt ob ich Nachhause gehen sollte. Das alles führt ja eh zu nichts.“ Ich schaute zu dem Busanleger. Da stand die 390 „Bad Hersfeld Busbahnhof“. Der Bus in Richtung Heimat. 3,30 sollte ich auch haben. Ich kramte in meiner Hosentasche. Nichts. „Martin, magst du mir dreidreißig geben damit ich heim fahren kann?“

Martin sah mich an mit diesem Blick als ob er es mir nicht glauben will: „Willst du wirklich von hier weg?... nagut.“ Er holte seinen Geldbeutel heraus und gab mir das Geld. „Hier hast du es. Grüß die Welt von mir.“ Ich umarmte ihn und erst im Nachhinein fiel mir auf das ich ja erbrochenes an meiner Kleidung hab und ihn jetzt dreckig gemacht hab. Ich verabschiedete mich auch von Nils und Jonas. Dann ging ich zum Bus. Dort drinnen saß so gut wie keiner. Vielleicht ist das besser so. Vielleicht ist es die bessere Entscheidung.

Der Bus fuhr los und in meinem Magen rumpelte es. Ich hatte noch nichts gegessen. Wozu auch? In letzter Zeit tue ich nichts mehr vertragen. Eine Stunde dauert die Fahrt, zu mindestens war das früher so. Früher als ich noch Zuhause gelebt hab bin ich mehrmals täglich mit dem Bus von zuhause nach Alsfeld und zurück gefahren. Zum Schluss bin ich da geblieben.



Mein Heimatdorf. Für mich ist dies die Endstation. Draußen ist es schon Dunkel. Winter. Während es im Bus schön warm war ist es draußen echt Kalt. Meine löchrige Jeans und mein Pullover halten da nicht wirklich warm. Wie hab ich das die letzten Nächte bloß ausgehalten draußen zu schlafen? Ich laufe die Hauptstraße entlang, am Ende dieser Straße ist das Haus meiner Eltern. Im Sommer kann es echt schön sein. Jetzt muss man aufpassen dass man nicht auf den zugefrorenen Pfützen ausrutscht.

Ich steh vor dem Haus. Es ist kein Licht zusehen. Wohnen sie noch dort? Ich drücke das Gartentürchen auf und laufe über den Steinweg zur Haustür. „Familie Sitzlau.“ Also doch. Sie wohnen noch hier. Ich klingele. Vielleicht ist doch jemand da. Ich hab keinen Schlüssel. Es macht keiner auf. Ich setze mich auf die Stufe bei der Treppe. Meine Zähne klapperten und ich zitterte. Hab ich noch was? Wie lange war das letzte Mal her? Ist es schon soweit? Mir bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Während ich da saß, den Kopf am Türrahmen gelehnt und zitternd vor Kälte und dem schleichendem entweichen des Heroins, sah ich Nachbarn durch ihre Fenster schauen. Starren sie mich an? Ich schlug die Hände über den Kopf zusammen und neigte meinen Kopf zu den Knien. Ich muss mir was spritzen. Ein bisschen was habe ich ja noch und danach ist Schluss. Im Dunkeln sich selbst zu spritzen kann gefährlich sein. Man kann die Vene verfehlen und sich ein Ei schießen, aber es klappte und wieder war ich dem Turkey entkommen. Wie oft noch?
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