Der Mond ist silbern. Ich liebe Silber!

von ell
GeschichteAllgemein / P12
Cleo Sertori Emma Gilbert Rikki Chadwick
31.01.2018
24.04.2018
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Der Mond ist silbern. Ich liebe Silber!


Der Vollmond war aufgegangen, tauchte die Wipfel der Mangrovenbäume in ein silbriges Grau. Tausende, Abertausende Sterne funkelten am Firmament. Der Kegel eines Vulkans erhob sich majestätisch in der Mitte der Insel. Auch er war in den Schein des Lichtes gehüllt. Nur den Boden berührte das helle Licht des Mondes nicht. Hier herrschte tiefste Finsternis. Weit und breit war kein einziges Wesen zu sehen. Weder an Land noch im Wasser. Es herrschte eine gespenstige Ruhe. Selbst der Wind und die Wellen schwiegen. Die Insel schien in einem tiefen Dornröschenschlaf zu liegen. Doch da. Ein leises Rascheln. Schritte waren zu hören. Und mit einem Mal erwachte das Fleckchen Erde. Der Wind erhob sich. Das Plätschern eines Baches ertönte in der Ferne. Die Ruhe, die noch wenigen Augenblicken über allem lag, wich dem Gesang des Windes und der Wellen. Im Bruchteil eines Wimpernschlages breitete sich der Klang über die Insel aus. Erfasst jeden Lebewesen, jede Pflanze, sogar jedes Staubkorn.

Es waren die Schritte einer jungen Frau. Geistesabwesend wandelte sie durch das Dickicht. Verharrte. Blickte nach oben. Starrte abwesend den hell leuchtenden Himmelkörper an. Ihre weizenblonden, gelockten Haare wehten dabei leicht im Wind hin und her. Sie könnte die ganze Nacht dort stehen. Es gab für sie nichts Schöneres als das Auge des Mondes zu betrachten. Das Auge des Vollmondes.

Der Mond ist silbern. Ich liebe Silber.

Das hysterische Kichern der jungen Frau wurde fast vollständig vom Rauschen des Windes geschluckt. Und doch schien es sich in alle Himmelrichtungen zu verbreiten. Hallte von den Felswänden wieder. Verfing sich im Kegel des längst erloschenen Vulkans. Schwoll an, klang wieder ab, schwoll erneut an, um dann endgültig zu verstummen.
Die Himmelskörper zogen ihre Bahnen. Langsam wanderten die Schatten. Vertrieben die Dunkelheit. Konturen formten sich. Details wurden sichtbar. Doch das Herz der Insel blieb  Uneingeweihten verborgen. Es war die Aufgabe der jungen Frau dafür Sorge zu tragen, dass dies auch so blieb.  

Drei war die Zahl der Vollkommenheit. Bisher. Doch das hatte sich nun geändert. Vieles hatte sich seit dem letzten Vollmond verändert. Seufzend betrachtete sie den Mond. Erhoffte sich Antworten und bekam doch keine. Frustriert wandte sie sich ab. Und erstarrte.

Die Augen eines Fremden musterten sie. Erschrocken wich sie ein paar Schritte zurück. Musterte den Mann nun ihrerseits. Verlor aber alsbald das Interesse und starrte wieder in den sternenklaren Himmel. Der Wind war abgeflaut. Verstummte schlussendlich ganz. Aufs Neue war Ruhe eingekehrt. Eine trügerische Ruhe.
Als plötzlich Bewegung in die Frau kam, erhob sich der Wind erneut. Wurde mit jeder Bewegung der Frau stärker. Langsam streckte diese ihre Hand nach dem Fremden aus. Fast wirkte es so als wolle sie ihn vorsichtig im Gesicht berühren, doch ihr Blick lies eher auf das Gegenteil schließen. Mit kalten, ausdruckslosen Augen schaute sie auf den Mann herab. Ebenso langsam wie die Hand gehoben hatte, schloss sie diese zu einer Faust, aber nicht um den Fremden damit zu schlagen. Das war auch gar nicht nötig. Diesmal war er es der erschrocken zurück wich und entsetzt nach oben in den mittlerweile nicht mehr wolkenlosen Nachthimmel starrte. Dunkle Wolken türmten sich auf. Regen setzte ein. Erst nur ein sachtes Nieseln, das sich in eine wahre Sintflut verwandelte. Der Mond war hinter den Wolken verschwunden. Langsam kam die Dunkelheit aus den Ritzen hervorgekrochen. Verschlang alles. Ein einziger Blitz zuckte über dem Himmel. Schritte entfernten sich. Ein Plätschern.

Stille.

Der Vollmond stand hoch am Himmel, tauchte die Wipfel der Mangrovenbäume in ein silbriges Grau. Tausende, Abertausende Sterne funkelten am Firmament. Es herrschte eine gespenstige Ruhe. Kein Laut war zu hören. Selbst der Wind schwieg.


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Vielleicht wird es  mehr als ein OS. Bin mir aber noch nicht sicher...
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