Adel verpflichtet - Aufstieg in ein neues Leben

GeschichteDrama, Romanze / P18
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Lucius Malfoy Ronald "Ron" Weasley
31.01.2018
22.09.2019
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31.01.2018 1.281
 
„Uff!“ Hermine lies sich undamenhaft auf dem Klappstuhl nieder. Der junge, blonde Mann mit einem gepflegten Dreitagebart neben ihr beachtete sie mit einem amüsierten Grinsen. „Wohl nicht dein Tag heute, was?“ Die braunhaarige, ebenfalls noch sehr junge Frau lachte leise auf. „Wie Recht du hast. Du willst gar nicht wissen, wie schwer meine Tasche ist!“ Der Mann schmunzelte. „Trotz Magie, Mione?“ Hermine schlug den jungen Mann sanft auf den Arm. „Draco Malfoy! Manches kann Magie einfach nicht regeln!“

Den aufmerksamen Beobachter wird diese harmonische Szene zwischen den einstigen Erzfeinden sauer aufstoßen und verwirren. Dieses traute Zusammensein zweier Menschen, die aus den unterschiedlichsten Geschichten der Gesellschaft kommen, verwundert sehr. Waren sie doch zu ihren Schulzeiten Spinnefeind und ließen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig zu tratzen. Wobei die Anfeindungen wohl eher auf das Konto des Mannes gingen. Der Krieg ist zwar durch den Einsatz von Harry Potter und seinen Freunden vorbei und die meisten Todesser auf ewig in Haft. Aber die Vorurteile der reinblütigen Gesellschaft blieben bestehen. Ein ungezwungener Umgang zwischen den Schichten kam außerhalb von offiziellen Anlässen nicht vor. Die Reinblüter zogen ihresgleichen vor. Umso mehr überrascht es einen Malfoy, ein Sproß des edelsten Geschlechtes der Reinblüter, scherzend mit einer Muggelgeborenen zu sehen.

„Ich meinte ja nur, du hast doch eh schon das Notebook. So schwer kann deine Tasche doch gar nicht sein!“ erwiderte Draco lächelnd und bekam lediglich ein entnervtes Schnaufen zu hören. Er schmunzelte.

Hermine packte gerade ihr Notebook aus und suchte ihre Notizen zusammen. Sie studierte mittlerweile im fünften Semester Magisches Recht. Zusammen mit Draco Malfoy und einigen anderen Hogwartsabsolventen. Auf die Muggeltechnik konnte sie nicht verzichten. Es war viel zu verlockend, ein Notebook mit sich herum zutragen als tausende Seiten Pergament, Tinte und Federn. Natürlich machte sie sich auch nach wie vor handschriftlich Notizen, aber selbst hier war sie auf einen einfachen Füllfederhalter umgestiegen. War es doch so viel praktischer, als mit dem umständlichen Tintenfass. Die Moderne hatte Einzug gehalten in die kleine Welt der Zauberer. Viele standen den Neuerungen zwar noch skeptisch gegenüber, aber die junge Generation an Zauberern lies sich nicht beirren und führte Stück für Stück Muggelerfindungen ein. Hermine sah ausgesprochen gut aus, wie sie dort so in der Vorlesung saß und ihrem Dozenten lauschte.  Sie war in den letzten Jahren zu einer klassischen Schönheit geworden und wusste diese durch ihren eleganten Kleidungsstil wahrlich auszudrücken. Wenn man sie ansah, erblickte man eine wahrhaftige Juristin. Sie verkörperte ihren Beruf mit jeder Faser ihres Körpers. Die Schrecken des Krieges waren nicht mehr an ihr zu sehen. Und auch ihre Narbe am Unterarm trug sie als ausgefallenes Accessoire. Erinnerte sie dieses Mahnmal doch jeden Tag ein bisschen mehr daran, warum sie hier in dieser Vorlesung saß und für das Recht kämpfte.

„So ein Notebook ist eine grandiose Erfindung …“ wollte sie gerade einen ihrer berühmt-berüchtigten Monologe anfangen. „Das bezweifle ich doch gar nicht, du hast mir auch eins empfohlen“, als Draco sie unterbrach und auf sein eigenes deutete, welches vor ihm stand. „Aber du glaubst gar nicht, wie viele zusätzlichen Bücher ich noch mitschleppen musste. Dieser Übungsfall raubt mir den letzten Nerv. Ich finde keinen Präzedenzfall, obwohl die Faktenlage eindeutig ist.“ fuhr Hermine ohne auf Dracos Einwurf zu achten, fort. „Ich habe bereits in den letzten Jahrhunderten nachgesehen, aber so eine Thematik ist einfach zu neu. Das gab es damals noch nicht.“ Hermine seufzte frustriert auf.  Draco hob seine Augenbraue ungläubig ein Stück an. Damit hatte er sich noch gar nicht beschäftigt. Ihn verwunderte es zusätzlich, dass Hermine mal vor einem Übungsfall Muffensausen hatte. Normalerweise war sie immer sicher bei ihren Urteilen und juristischen Empfehlungen. „Wir setzen uns nachher einfach mal gemeinsam im Wohnzimmer bei einem guten Glas Wein hin. Dann reden wir drüber. Literarische Austausche haben noch niemanden geschadet! Und die Sicht von jemanden anderen ist bestimmt nicht verkehrt!“ Draco handelte sich mit dieser Aussage einen erneuten Boxer auf den Oberarm ein. Doch Hermine nickte zustimmend. Es war tatsächlich eine gute Idee, sich mit einer weiteren Fachperson auszutauschen. Dann könnten sie seine Meinung mit der ihren vergleichen und eventuell ihre Arbeit anpassen. Dank dem Notebook würde sie nicht ganze Seiten durchstreichen und neu schreiben müssen. Ach was war Muggeltechnik nur für eine Erleichterung. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit erneut auf den Dozenten.

Hermine hatte nach der Großen Schlacht die Schule fertig gemacht. Der Sommer über war voll von Gerichtsverhandlungen gewesen, in denen sie als Zeugin aussagen musste. Eine dieser Verhandlungen ging auch über die Beteiligung der Familie Malfoy am Krieg. Sie hatte für ihn ausgesagt, ebenso Harry und auch Ron nach anfänglichen Zaudern. Es war richtig gewesen, der junge Malfoy hatte in der Schlacht an ihrer Seite gestanden und sie vor den schlimmsten Angriffen der Todesser geschützt. Er hatte vielen der jüngeren Schüler bei der Evakuierung geholfen. Aber dass der dunkle Lord ihn zurückgerufen hatte, musste er tatenlos mit sich geschehen lassen. Es hätte das Leben seiner Eltern gekostet, wenn er es nicht getan hätte. Hermine erinnerte sich wehmütig an ihr letztes Jahr in Hogwarts. Es war so ganz anders gewesen, als wie sie es sich in den Jahren zu vor immer vorgestellt hatte. In Gedanken versunken betrachtete sie den jungen Malfoyspross. Dieser starrte konzentriert auf den Dozenten und machte sich vereinzelt Notizen auf seinem Block. Hermine lächelte als er seine Nase rümpfte. Eine Geste, die er immer tat, wenn ihm etwas nicht passte. Draco war ihr ein guter Freund geworden. In der Schule hatten sie nach einiger Zeit viel gemeinsam unternommen. Am Anfang war es ein komisches Gefühl gewesen, zurück in Hogwarts zu sein. Sie war eigentlich alleine gewesen.  Harry und Ron waren nicht zurück nach Hogwarts gegangen. Sie hatten sich gleich in eine Aurorenausbildung gestürzt und standen jetzt dreieinhalb Jahre später kurz vor ihrer Abschlussprüfung. Ginny hingegen war zwar in der Schule gewesen, aber man merkte nun noch deutlicher, dass das letzte Jahr die Freundinnen entfremdet hatte. Zu viel hatte Hermine auf der Flucht erlebt, um unbeschwert durch die Schulgänge zu wandern. Sie war sehr einsam in der Schule gewesen. Viele waren im Krieg gefallen oder noch immer so verletzt gewesen, dass sie nicht aktiv am Unterrichtsgeschehen haben teilnehmen können. Die unteren Stufen waren stark vertreten gewesen, aber aus Dumbledore’s Army beispielsweise waren kaum noch Leute übrig. Draco und sie hatten sich gemeinsam als Schulsprecher um die Belange der Schüler gekümmert und tatsächlich eine freundschaftliche Basis gefunden. Aus einem reinen Arbeitsverhältnis war Stück für Stück eine tiefe Freundschaft gewachsen. Das lag natürlich nicht nur an der Tatsache, dass sie sich das Schuljahr über einen Turm geteilt hatten und kaum Geheimnisse vor dem anderen haben konnten. Sie hatten sich vollkommen kennengelernt. Nur in den Schlafzimmern des jeweils anderen waren sie nie. Vor Weihnachten hatten sie sich entschieden ihre Schreibtische aus den Zimmern in den Aufenthaltsraum zu verlegen. Gemeinsam hatten sie auf die Abschlussprüfungen gelernt, sich gegenseitig abgefragt, stundenlang am Schwarzen See gelegen und über alles geredet, was ihnen auf dem Herzen lag. Oft hatten die anderen ihnen romantische Gefühle unterstellt, doch Hermine und Draco hatten diese jedes Mal abgewunken. Zu absurd schien ihnen der Gedanke.

Hermine war tief in Gedanken versunken. Draco hob seinen Kopf und erwiderte ihren Blick ruhig.  Hermine sah gut aus, wie sie dort so neben ihm saß. Er war froh, dass sie sich in den letzten Jahren so gut erholt hatte. Im ersten Jahr nach dem Krieg hatten sie oft bis spät Nachts vor dem Kamin gesessen und geredet. Hermine hatte zu starke Angst vor der Dunkelheit. Er konnte sie verstehen. Aber jetzt saß neben ihm eine junge Frau, mit ausdrucksstarken braunen Haaren und einem Hosenanzug, der ihre Körperkonturen so wunderbar betonte. Hermine lächelte ihn an.

Draco Malfoy und Hermine Granger waren Freunde. Gute Freunde. Mitbewohner.
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