What The Future Holds

von MonaGirl
GeschichteDrama, Familie / P12
30.01.2018
29.04.2019
88
106798
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Sommer 2027

Cafeteria, Tree Hill High School


Es war ein wunderschöner Sommertag, als meine beste Freundin Sawyer und ich in der Cafeteria unserer High School saßen und gemeinsam zu Mittag aßen. Wir waren schon Freundinnen, so lange ich denken konnte, was vermutlich auch daran lag, dass auch unsere Mütter schon beste Freundinnen gewesen waren und durch die High School Zeit hinweg und auch danach, durch dick und dünn gegangen waren. Gerade, weil ich Sawyer so gut kannte, bemerkte ich sofort, dass sie heute ziemlich einsilbig war und nur in ihrem Essen herumstocherte.

“Ist etwas passiert?”, fragte ich und sah sie besorgt an. Als sie ihren Teller an die Seite schob, den sie kaum angerührt hatte, wusste ich, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

“Er verlässt Tree Hill.”

“Von wem redest du?”, fragte ich verwirrt. Doch kaum hatte ich die Frage gestellt, wusste ich, wen sie meinte. Nur mühsam konnte ich verhindern, die Augen zu rollen. Schon seit einiger Zeit beobachtete ich, wie sie als Mitglied des Cheerleader Teams einem der Trainer der 'Ravens' schöne Augen machte. Und man konnte es ihr auch nicht verdenken, denn Justin Baker war wirklich heiß. Doch genauso hätte sie sich auch in einen unserer Lehrer verlieben können, denn diese Schwärmerei von ihr war einfach nur utopisch zu nennen. Mit 21 war er fünf Jahre älter als Sawyer und ich und stand fest im Leben. Sawyer und ich steckten noch mitten in der Pupertät und hatten noch so gar keine Ahnung, was wir später mal machen wollten. Doch wieso sollte man sich auch schon jetzt festlegen, wo es noch soviel zu entdecken gab, bis man erwachsen war? Ich schaute besorgt zu Sawyer und wusste, dass sie sich wohl derzeit nichts mehr wünschte, als dass eine Fee auftauchen würde, um sie schneller altern zu lassen.

“Justin”, gestand sie seufzend. “Izzy hat mir erzählt, dass er nach L.A. gehen will, um dort Schauspieler zu werden.”

Isabella Baker, auch 'Izzy' genannt, war Justin's kleine Schwester und die jüngste Tochter von meiner Tante Brooke und ihrem Mann Julian. Sie war eineinhalb Jahre jünger als wir und in der 10 Klasse. Im Gegensatz zu mir wusste Izzy schon genau, was sie mal werden wollte, nämlich Modedesignerin wie ihre Mom. Sie hatte mit meiner Tante zusammen die Outfits für die neueste Cheerleader Saison entworfen, und ich musste neidlos gestehen, dass sie wirklich einen Blick für Mode hatte. “Du musst ihn dir aus dem Kopf schlafen”, sagte ich zu Sawyer gewandt.

“Ich kann nicht. Ich liebe ihn”, sagte sie unglücklich.

Ich verdrehte die Augen. “Was weißt du schon von Liebe? Hast du überhaupt schon einmal einen Freund gehabt?”

Sie schüttelte zaghaft den Kopf. “Man muss keine sexuellen Erfahrungen haben, um jemanden zu lieben”, sagte sie dann trotzig.

Ich spürte, wie meine Wangen vor Scham heiß wurden. Das war auf mich gemünzt, weil mein Freund und ich schon ein wenig in dieser Beziehung herumexperimentiert hatten, ohne direkt miteinander Sex zu haben. Was an ihm gelegen hatte, nicht an mir. Denn ich war mehr als bereit gewesen, meine Unschuld an ihn zu verlieren. “Du kannst das was Jude und ich miteinander haben, nicht mit deiner hirnlosen Schwärmerei vergleichen!”, sagte ich heftiger als beabsichtigt. Ich sah, wie sie leicht zusammenzuckte. “Oh Mann, Sawyer, es tut mir leid!”, sagte ich zerknirscht und schob meine Hand über den Tisch, um sie zu berühren. “Ich wollte mich nicht darüber lustig machen. Aber du weißt doch selber, wie sinnlos diese Schwärmerei ist. Wenn du mich fragst, dann hat er noch nicht einmal bemerkt, dass du überhaupt existierst. Such dir lieber jemanden in deinem Alter”, schlug ich vor.

“Und wen? Vielleicht Davis Baker?”, stieß sie augenrollend hervor.

“Wieso nicht?” Ich zuckte mit den Schultern. “Soweit ich weiß, ist er gerade wieder solo.” Als sie mir einen bösen Blick zuwarf, wusste ich, dass mein Vorschlag nicht besonders klug gewesen war. "Okay, vielleicht nicht gerade Davis”, lenkte ich ein. “Der will die Mädchen sowieso nur ins Bett kriegen und lässt sie dann wieder fallen, wie ein heiße Kartoffel. Und er ist auch noch stolz darauf.” Ich rollte mit den Augen. “Es ist mir schleierhaft, wie Zwillingsbrüder so unterschiedlich sein können.”

“Wenn es dir nur darum geht, so schnell wie möglich deine Jungfräulichkeit zu verlieren, dann könntest ja auch Davis fragen”, meinte Sawyer bissig.

Ich sah sie entsetzt an. “Nur weil ich davon rede heißt es nicht, dass ich es mit jedem X-beliebigen tun würde! Außerdem ist er Jude's Bruder. Ich wollte meinen Freund eigentlich noch ein bisschen behalten.” Ich schaute angewidert auf mein Essen, das nun kaltgeworden war. “Wir sind aber völlig vom Thema ab. War das jetzt der Grund für deine schlechte Laune?”

Sawyer nickte. “Ich hatte überlegt, ihm ein Abschiedsgeschenk zu machen”, sagte sie zaghaft.

“Was für ein Abschiedsgeschenk?”, fragte ich stirnrunzelnd.

“Ich wollte ihm ein Gedicht schreiben”, gestand sie dann verlegen grinsend. “Denkst du, sowas würde ihm gefallen?”

“Wenn du dich zum Gespött der ganzen Schule machen willst, dann nur zu.” Ich seufzte und schob mir eine Haarsträhne meines dunkelblonden Haares aus dem Gesicht.

“Anonym”, fügte sie schnell hinzu. “Und du musst mir helfen.”

“Ich?” Verwirrt sah ich sie an. “Wie sollte ich dir dabei helfen?”

“Du bist Jamie's Schwester. Ich dachte, man könnte das Gedicht in den Spind der Umkleidekabine schmuggeln”, schlug sie vor. “Wenn ich es dir gebe, dann könnte Jamie es hineintun. Du musst ja nicht sagen, von wem es ist. Aber ich habe doch sonst keine Möglichkeit, in die Jungen-Umkleide zu kommen.”

Ich sah sie skeptisch an. “Ich weiß nicht, Sawyer. Justin scheint mir nicht der Typ zu sein, der auf so romantisches Zeug steht. Und wie gesagt, selbst wenn er dein Gedicht liest, weiß  er immer noch nicht, dass es von dir stammt.” Ich zuckte mit den Schultern. “Vielleicht wäre es einfacher, wenn du ihm sagst, was du fühlst. Ich meine, es spielt doch sowieso dann keine Rolle mehr, weil er die Stadt dann verlassen wird.”

“Es stimmt übrigens nicht, was du vorhin gesagt hast, dass er nicht weiß, dass ich existiere”, sagte sie leise. “Manchmal sieht er mich auch an, wenn wir Cheeleader-Training haben.”

“Hast du mal in den Spiegel geschaut?”, fragte ich grinsend. “Du bist ja auch nicht gerade hässlich mit deinen langen, hellblonden Locken und der schlanken Figur. Man müsste schon blind sein, um dich nicht zu bemerken.”

Sawyer lachte. “Danke für die Beschreibung, aber das trifft auf dich genauso zu.”

“Nur das ich 10 cm kleiner bin, eine Haarfarbe habe wie ein Straßenköter und zudem noch 5 kg mehr wiege als du”, meinte ich trocken.

“Dafür hast du einen Freund, um den ich dich wirklich beneide”, gab sie seufzend zu.

Hatten wir überhaupt eine andere Wahl gehabt, als uns ineinander zu verlieben? fragte ich mich. Jude und ich waren praktisch miteinander aufgewachsen. Wir hatten schon im Sandkasten zusammen gespielt und waren auch zusammen im Kindergarten gewesen. Doch dann, mit der Einschulung, waren wir kurzzeitig getrennt worden, denn immerhin waren wir ein Jahr auseinander.  Aus Freundschaft war dann irgendwann Liebe geworden. Doch die Grenzen waren irgendwie verwischt gewesen.

“Lydia?”

Ich schaute hoch. “Was?”

“Tust du mir den Gefallen und gibst Jamie mein Gedicht, damit er es in Justin's Spind legen kann?”, wiederholte sie noch einmal.

Ich nickte seufzend. “ Von mir aus. Und ich sage Jamie auch nicht, von wem es ist, okay?” Als sie aufsprang, um den Tisch herum ging und mich umarmte, musste ich lachen.

“Wir sollten jetzt zurück in die Klasse gehen”, sagte Sawyer und nahm ihr Tablett vom Tisch.

“Weißt du eigentlich, wann Justin nach L.A. geht?”, hakte ich nach.

“Ich weiß nicht so genau.” Sie zuckte mit den Schultern. “Sie wollen wohl noch eine Abschiedsparty für ihn geben. Hat zumindest Izzy gesagt. Ich denke mal, nicht vor dem nächsten Wochenende. Aber ich frage sie später nochmal. Wir wollten später zusammen Hausaufgaben machen.”

“Bei den Bakers?”

Sawyer schüttelte den Kopf. “Bei uns. Meine Mom hat Izzy's Mom zum Kaffeetrinken eingeladen. Und wir machen in der Zwischenzeit dann unsere Hausaufgaben.”

Mein Herz machte einen freudigen Sprung. “Und wo ist ihr Dad?”

“Arbeiten vermute ich mal”, meinte Sawyer stirnrunzelnd. “Soweit ich weiß, dreht er gerade wieder einen neuen Film.”

“Und Justin und Jamie wollten sich heute Nachmittag treffen, um Basketball zu spielen”, murmelte ich gedankenverloren. Eine Idee begann plötzlich in meinem Kopf zu reifen. “Danke für die Info!” Ich sprang auf und griff ebenfalls nach meinem Tablett. “Du hast Recht. Der Unterricht fängt gleich an. Wir sollten gehen.” Ich ignorierte ihren verwirrten Blick, als wir das Tablett zur Essensausgabe zurück brachten und dann weiter in unsere Klassen gingen.
Review schreiben
 
'