Dont you worry child

GeschichteRomanze / P18
Florian David Fitz OC (Own Character)
30.01.2018
01.09.2020
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30.01.2018 1.466
 
„Bah Florian, was hast du denn da angeschleppt?!“, rief ich fassungslos, als Florian einen Tag vor unserem Abflug nach Dubai den Schrott vom BILD-Schrottwichteln aus unserem Geschenkeberg hervorholte. Anders konnte man diesen grässlichen Kerzenhalter auch nicht beschreiben. „Ja was… Das hab ich mir halt damals rausgesucht… In den kleineren Päckchen war noch grässlicheres Zeug dabei.“, verteidigte er sich, stellte den Karton auf den Boden und nahm sich eine Tüte Plätzchen, die er von seiner Großmutter bekommen hatte. „So ist das halt beim Schrottwichteln.“ „Ich weiß, was Schrottwichteln ist… Haben Jan und ich auch früher getan. Er bekam dann aber Duftkerzen und ich irgendeinen anderen Scheiß, das haben wir uns auch geschenkt, um uns aufzuziehen. Aber wer um alles in der Welt hat das geschenkt bekommen? Die Person muss von der Beschenkten ja sehr gemocht worden sein…“ „Ist ja gut jetzt. Du kannst es ja gleich wegwerfen, wenn du magst. Weihnachten ist rum, dann kann das jetzt auch weg.“
Natürlich konnte man über sowas auch herzhaft lachen, doch da ich Weihnachten zum ersten Mal nicht mit meiner Familie, sondern mit Florians, verbracht hatte, war ich schlicht genervt. Denn seine Familie war deutlich größer als meine und anstrengender. Und überall hatte Florian noch den Status des kleinen Lausbuben inne, was mich gerade bei seiner kinderlosen Tante am zweiten Weihnachtsfeiertag ordentlich genervt hatte, da Florian das auch nur zu gerne mitnahm und sich bedienen ließ.
Weihnachten selbst war im Kreise von Florians Eltern und seiner Schwester samt Anhang noch sehr erträglich gewesen. Die Besuche die drei Tage darauf bei seinen Verwandten waren förmlich eine Abhetzerei und für mich nervend. Hinzu kam noch der abendliche Anruf von Jan, der sich meine Portion des Weihnachtsgebäcks meiner Mutter reinstopfte und mir das am Telefon auch noch deutlich machte. Nun war Weihnachten vorüber und wir wollten in den Urlaub fliegen.
Nur Florian war nicht wirklich in Aufbruchsstimmung.
Zumindest wirkte er auf mich so.

„Wieso hast du das eigentlich aus Berlin noch hierher geschleppt?“, fragte ich ihn und er zuckte kauend mit den Achseln. „Dachte, vielleicht verschenke ich es doch noch weiter.“ „An wen denn?“ „Mir ist dann auch niemand eingefallen, aber hätte ja sein können.“, nuschelte er und schluckte. Ich beobachtete Mephisto, wie er argwöhnisch am Karton schnupperte und diesen dann umwarf. „Siehst, er findet es auch scheiße.“ „Jaha…“ Florian rollte mit den Augen, „Wann wollte Jan da sein, um Loki und Mephisto abzuholen?“ „Er hat vor um sieben in München anzukommen, um halb neun würde er die Hunde abholen.“, antwortete ich ruhig und sah Florian an. „Hast du deinen Koffer schon gepackt?“ „Nö, mach ich später…“ Ich rollte mit den Augen und wandte mich an das Bügelbrett. Die frisch gewaschene Wäsche musste noch fertig gemacht werden. Irgendjemand musste ja den Haushalt schmeißen.
Florian futterte noch einige Plätzchen, dann hauchte er mir im Vorbeigehen einen Kuss ins Haar und verschwand in seinem Nebenzimmer. Ich schloss die Augen, darauf hoffend, dass er sich nicht wieder ans Klavier setzen würde, doch einige Momente später begann er zu spielen. Ich stöhnte genervt aus. Es war nicht meine beste Idee gewesen, ihm Partituren für Klavier, Saxophon und Gitarre zu schenken. Denn ich hatte vergessen, dass Florian dann wie ein Besessener die Stücke übte und lernte und folglich auch öfters mal danebengriff, da ich nicht gerade die Einsteiger-Versionen genommen hatte. Einerseits freute es mich, dass ihn das so freute und er sich gleich dran machte, andererseits waren die Nerven nach bereits vierstündigem Üben ziemlich angespannt.
Während ich T-Shirts und Pullover bügelte, konnte ich es noch einigermaßen ertragen, doch als es an die Hosen ging, stellte ich das Bügeleisen zur Seite und ging zu ihm. „Florian!“, rief ich und er unterbrach sein Spiel und sah mich mit großen Augen an. „Was’n?“ „Kannst du es für heute gut sein lassen? Ich hab das Gefühl, ich hab schon ein Loch im Kopf von deiner Spielerei. Und fast fünf Stunden üben sind wirklich ausreichend.“ Er zog eine Schnute, schielte dann aber verdächtig zu seinem Saxophon herüber. „Untersteh dich, das Saxophon anzurühren! Gleiches gilt für die Gitarre!“, warnte ich ihn und seine Schnute wurde breiter. „Och menno.“ „Du kannst dich mal nützlich machen und deinen Koffer packen. Oder mal deine Sachen im Bad zusammensuchen und einpacken.“, schlug ich vor und er schloss den Klavierdeckel. „Ich gehe mich duschen. Muss ich ja auch noch.“, brummte er im Aufstehen und ich nickte. „Tu das. Und räum dann deine Sachen zusammen!“ „Jaja…“

Später, als ich meinen Koffer bereits packte, trat Florian, nackt wie Gott ihn geschaffen hatte, zu mir an den Schrank, die Haare noch tropfend. „Wo ist denn mein Lieblings-T-Shirt?“, erkundigte er sich, als er in seine Unterhose stieg und suchend in den Schrank sah. „Schau aufs Bett, da habe ich mal einen Stapel mit Klamotten hingerichtet, damit du nur noch sortieren musst, was du mitnehmen willst.“ Er drehte sich um und besah den Stapel mit Oberteilen. Ich bedachte ihn mit einem prüfenden Blick. „Willst du dich nicht noch rasieren?“ Er sah auf. „Wieso?“
„Naja, …“, begann ich, doch er unterbrach mich. „Ich hab dir nie gesagt, dass du alles kahlschlagen sollst.“, erwiderte er und stellte sich aufrecht hin. „Aha, aber hätte ich es nicht, dann wäre es auch doof.“ „Naja, trimmen sollte man schon, bei Frauen vielleicht etwas mehr…“ Ich zog die Brauen hoch. „Mach doch einfach die paar Brusthaare weg. Darum geht es mir. Ich finde immer, dass das albern aussieht. Naja und im Allgemeinen finde ich Brusthaare schrecklich.“ „Ach die paar stören dich jetzt auf einmal?“ „Ja, die waren bis vor kurzem auch noch nicht da beziehungsweise immer wegrasiert.“ Er verdrehte die Augen und fuhr sich mit der Hand durchs nasse Haar. „Das ist ein Zeichen von Männlichkeit!“ „Ich sage ja auch nicht, dass du dir die Achsel, Scham und Beine rasieren musst, nur die Brusthaare.“ „Aber die paar Haare wirst ertragen können.“ „Ich verstehe halt nicht, wieso du jetzt aufhörst, die wegzurasieren. Hast du doch bisher auch gemacht.“, entgegnete ich und mein Gegenüber zog sich ein T-Shirt über.
„Na da wollte ich dir ja auch gefallen.“ „Und jetzt nicht mehr?“ „Jetzt weiß ich es ja.“ Er zwinkerte, doch ich kräuselte die Stirn. „Gerade wenn man sich sicher ist, sollte man nicht nachlassen.“ Er zog eine genervte Grimasse und ging an mir vorbei. Für ihn hatte sich das Gespräch wohl erledigt. „Pack schon mal das ein, was du morgen Früh nicht mehr brauchst!“, rief ich ihm hinterher und hörte mal wieder ein „Jaja“.

Gegen halb neun klingelte mein bester Freund, doch da Florian gerade im Wohnzimmer mit Yoga beschäftigt war, setzten sich Jan und ich in die Küche. „Und das tut ihm nicht weh?“, fragte Jan amüsiert und ich reichte ihm ein Glas. „Diese ‚herabschauender Hund‘-Position schon. Aber die versucht er so oft es geht zu umgehen. Auch wenn das eine Grundposition ist.“, antwortete ich, während er sich etwas Saft einschenkte. „Und hat das wirklich Auswirkungen auf den Sex?“ Ich zog nachdenklich die Mundwinkel herunter. „Naja, wenn ich so aus Erfahrung sprechen soll, dann ja. Er ist halt beweglicher, das merkst halt. Und dann hast ein anderes Repertoire, was du abrufen kannst.“ „Na das reicht mir schon.“, wimmelte Jan schnell ab und trank anschließend einen Schluck.
„Und du hast mir keine Plätzchen mitgebracht?“ „Doch. Nur die sind alle in meinem Bauch. Du weißt ja, die werden dann ganz schnell nach Weihnachten schlecht. Die muss man schon gleich essen.“ Spitzbübisch grinste mein bester Freund und ich sah ihn beleidigt an. „Gemeinheit.“
„Deine Eltern waren auch sehr betrübt, dass ihr nicht gekommen seid.“, begann er. „Im Januar komme ich mal vorbei, das habe ich doch oft genug gesagt.“ „Ja, aber trotzdem. War schon ziemlich komisch. Sogar für deinen Vater.“ Ich winkte ab. „Ach, der war sicher nur beleidigt, dass Mephisto nicht da war. Aber dich hatte er ja zu genüge.“ „Es ist trotzdem nicht das Gleiche.“, wiederholte er sich und tätschelte Loki, der an seinem Knie hochgestiegen war.
„Wie feiern Anna und du ins neue Jahr?“, erkundigte ich mich und er zuckte mit den Achseln. „Ich weiß noch nicht. Vielleicht arbeitet sie an Silvester auch, was für mich hieße, Silvester in einer Schwulenbar hinter der Theke zu verbringen. Weil alle anderen sind dieses Jahr seltsamerweise Ski fahren. Oder feiern mit der Freundin. Kannst dich noch an Paul erinnern?“ „Dein Kumpel aus dem Studiengang?“ „Genau der. Der wohnt inzwischen auch in Berlin. Und ist da bei der Brandenburger Tor Party.“ „Krass, wie sich das Leben verändert.“ Jan nickte nachdenklich. „Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind unsere eigenen Konstanten.“ Er sah auf und direkt in meine Augen. „Versprich mir eins: Zieh niemals fest nach Berlin. Ich will da nicht hin und will auch kein berlinerisch verstehen müssen.“ Ich lachte. „So geht’s mir doch auch. Du musst aber auch hier bleiben.“ Er schmunzelte. „Lässt sich einrichten.“
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