My Diamond

von KiraNear
GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Amethyst Garnet Jasper Pearl Steven Universe
29.01.2018
29.01.2018
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„Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee sein wird, aber ich muss es zumindest versuchen! Klar ist sie ein böser Gem, aber selbst jemand wie sie verdient es nicht, dass sowas mit ihr passiert! Garnet sagte, dass es weniger eine Verletzung ihres Körpers ist, es ist eine Verletzung ihres Verstands. Und wenn ich es nicht schaffe, mit ihr normal zu reden, dann … kann ich es wenigstens im Traum versuchen. So wie ich mit Lapis geredet habe, als sie Malachite war. Bitte, ich muss es tun, das fühle ich!“
Die Gems hatten sich lange angesehen, erst nachdem sie ein paar Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatten, ließen sie Jaspers Gem aus ihrer Blase. Sofort begann das kleine Juwel zu leuchten und erhob sich in die Lüfte. Für einen kurzen Moment konnte man Jaspers Umrisse erkennen, von ihrer Form, bevor die Fäulnis sie verschlungen hatte. Mit mehreren, äußerst stabilen Seilen wurde sie an einen Felsen gebunden, zu ihrer Überraschung verhielt sie sich sehr ruhig, nachdem sie sich minutenlang vergeblich zu befreien versuchte. Dennoch traute sich Steven nicht ihr zu nähern, er wollte kein weiteres Mal Bekanntschaft mit Jaspers Kralle machen. Zur Sicherheit fixierten die Gems das Jasper-Wesen mit ihren Körpern, jederzeit bereit zu Alexandrite zu fusionieren und sie so aufzuhalten.
„Steven, vergiss nicht, atme ruhig und entspannt. Stresse dich nicht und versuche keine Angst zu haben. Sie ist zwar unser Feind, aber du willst ihr trotzdem helfen. Rose wäre sehr stolz auf dich“, sagte Garnet in ihrem warmen, mütterlichen Ton. Pearl und Amethyst stimmten ihr mit einem leichten Nicken zu.
„Aber du solltest jetzt gehen. Denk daran, erwarte nicht zu viel, konzentriere dich auf das Wesentliche und dann wirst du es schaffen.“
Immer noch unsicher rang sich Steven zu einem Lächeln durch, wenn Garnet das sagte, dann musste ein Funken Wahrheit hinter ihren Worten stecken. Seine Unsicherheit nahm es ihm trotzdem nicht. Nervös zog er die Decke bis zur Nase hoch, als wäre sie eine Art Schild, welches sie vor der korrumpierten Jasper beschützen könnte. Ein letzter Griff zu seinem Handy, schon startete es eine kleine Gute-Nacht-Geschichte und schickte den Jungen innerhalb weniger Minuten ins Reich der Träume.
Dunkelheit umhüllte ihn, er kannte das Gefühl nur all zu gut. Er hatte es gespürt, als er versucht hatte mit Lapis Geist Kontakt aufzunehmen, als er Kiki vor ihren immerwährenden Albträumen rettete oder wie er durch Blue Diamonds Augen trauerte. Allmählich gewöhnte er sich das Gefühl. Sein Geist schwebte in einer unendlichen Dunkelheit, durch einen luftleeren Raum. Und gleichzeitig hatte er das Gefühl, immer tiefer und tiefer in einen warmen Ozean zu gleiten.
Er wusste, wohin sein Weg ihn führen sollte, doch er wusste nicht, ob er dieses Ziel auch je erreichen würde. Entschlossen fokussierte er seine Gedanken auf die eine Gem, die er treffen wollte. Die eine Gem, von der er sich Antworten auf so manche seiner Fragen erhoffte.

Es war nicht leicht. Ob sich Jasper in dieser Form instinktiv gegen sein Eindringen wehrte oder ob sie es gar wissentlich tat, war für Steven nicht erkennbar. Für ihn war nur erkennbar, dass er sich ihr näherte, aber von einer dicken, unsichtbaren Mauer umgeben war. Auf der anderen Seite, in einem hellen Licht, kauerte Jasper mit dem Rücken zu ihm. Sie so zu sehen weckte sein Mitleid.
Augenblicklich dachte er an ihren allerletzten Gesichtsausdruck, den sie hatte, bevor ihre Transformation vollendet war. Dieser Blick, Schmerz gemischt mit Überraschung, hatte Steven sehr lange verfolgt. In seinen Gedanken, in seinen Träumen. Selbst als Stevonnie konnte er seine Gedanken und Gefühle weder leugnen noch zurückhalten.
Vorsichtig legte er eine Hand auf die gläserne Mauer, zu seiner Überraschung strahlte sie eine seltsame Wärme aus. Eine Wärme, die er sich nicht erklären konnte. Doch er durfte sich nicht verunsichern lassen, er musste seinen Plan zu Ende bringen. Das war er sich selbst und dem kriegerischen, gebrochenen Gem vor sich schuldig.
„Jasper? Ich bin es … Steven. Ich … würde gerne mit dir … über Pink Diamond reden.“
Hatte sie ihn bisher nicht wahrgenommen oder bewusst ignoriert, drehte sie sich nun in die Richtung seiner Stimme um. Zorn, aber auch verletzter Stolz lag ihn ihrem Blick.
„Du! … Arrrrgh!“
Unter Stöhnen hielt sie ihren Kopf fest, selbst ihr Geist-Ich begann langsam sich in das Monster zu verwandeln.
„Nein, Jasper, nein! Du musst dagegen ankämpfen! Ich kann dir helfen … ich … komme nur nicht an dich heran!“
Die Hand noch immer an der Stirn, drehte sich Jasper ein weiteres Mal zu ihm um. Ein Lächeln lag nun auf ihren Lippen. Steven wusste, dass es keins von der freundlichen Sorte war.
„Du willst mir helfen? Das glaubst du doch selbst nicht.“
Sie überlegte für ein paar Sekunden, dann zuckte sie mit ihren Schultern.
„Andererseits, sieh mich an, ich bin am Boden. Was soll mir schon groß passieren, das Schlimmste habe ich bereits hinter mir. Also gut, versuche es doch! Versuch mich doch zu heilen! Du wirst keinen Erfolg haben.“
Krachend verschwand ein kleines Stück der Wand im dunklen Boden, kaum hatte Steven ihn passiert, verschloss er die Mauer wieder. Mit sorgsamen Schritten näherte er sich Jasper, befeuchtete seine Handfläche und legte sie auf ihre Schulter. Sofort begann der Körper der Kämpferin zu leuchten, ihre Verformungen verschwanden, bis nur noch wenige Flecken und Hörner auf ihren Schultern zu sehen waren. Beeindruckt sah Jasper an sich herunter, was sie jedoch gegenüber dem seltsamen Wesen, das sich Steven nannte, nie zugeben würde.
„Erwarte keine Dankbarkeit von mir“, sagte sie in ihrem üblichen, ruppigen Ton.
„Aber ich kann dir gerne was über Pink Diamond erzählen, besonders die Details, die die Crystal Gems womöglich immer weggelassen haben. Du hast Rose Quartz Schild, du hast ihre Kräfte und bist trotzdem nicht sie. Man könnte fast glauben, du bist eine organische Rose Quartz … genug von diesem unsinnigen Thema. Was willst du über sie wissen?“
Dabei starrte sie in die Ferne, sie wollte ihm nicht die Gelegenheit geben und sich noch weiter die Blöße geben. Steven dagegen achtete nicht auf solche Dinge. Stattdessen setzte er sich neben sie auf den hellen Boden und folgte ihrem Blick in die Ferne.
„Die Gems haben mir gar nichts über Pink Diamond erzählt. Deswegen bin ich hier. Weil ich ihre Geschichte von dir hören möchte. Das klingt jetzt fies gegenüber den Gems, aber ich bin mir sicher, dass du mir eine andere Sicht auf das Ganze zeigen wirst und … mir vermutlich mehr als sie erzählen.“
Mit hochgezogener Augenbraue sah sie Steven an, bevor sie ihren Blick wieder auf ihr unsichtbares Ziel in der Ferne fixierte. Amüsiert begann sie zu schnauben.
„Es wundert mich nicht, dass die Crystal Gems nur eine beschönigte Version der Geschichte wahrgeben würden. Die Geschichte wird wohl in diesem Fall von den Verlieren geschrieben.“
Sie lachte kurz auf, dann fing sie sich wieder und begann tief einzuatmen.
„Also gut, Steven Quartz, oder was auch immer du bist, dann werde ich dir nun alles erzählen. Über mich, den Krieg, dein … früheres Ich und über Pink Diamond.“
Obwohl ihre Stimme fest klang, wie man es von ihr gewohnt war, entging Steven nicht, wie bei der Erwähnung ihres ehemaligen Diamanten kurzzeitig ihre Lippen bebten. Er macht es sich noch gemütlicher zu machen, ebenso wie er auch versuchte, sich auf die kommenden Minuten vorzubereiten. Es gelang ihm beides mehr schlecht als recht.
„Danke, Jasper“, sagte er, verschränkte seine Arme und begann, den Worten der Kriegerin zu lauschen.
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