A tree for Crystmas

von KiraNear
GeschichteFreundschaft / P6
Amethyst Connie Maheswaran Garnet Jasper Pearl Steven Universe
29.01.2018
29.01.2018
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29.01.2018 5.177
 
Leise und sanft fielen die weißen Flocken auf die Erde hinab, verwandelten Beach City Stück für Stück in eine wunderschöne Winterlandschaft. In ein paar Wochen würden Schnee und Kälte angenehmen Frühlingstemperaturen, zarten Blümchen und fliegenden Pollen weichen. Doch davon war im Moment  noch lange nichts zu sehen. An ein paar wenigen Fenstern wuchsen einsam kleine Eisblumen, von den Dächern hingen Eiszapfen und die Natur verbarg sich unter der stillen, weißen Decke des Winters. Die Kinder und Jugendlichen der kleinen Stadt verbrachten ihre Tage damit, im Schnee herumzutollen oder mit ihren Schlitten den Berg hinunter zu rasen. Die älteren mussten dagegen ihre Zeit mit Schneeschippen verbringen, eine Tätigkeit, für die sich nicht jeder von ihnen begeistern konnte. Bis auf die üblichen Streitereien im Donut Shop war es sehr ruhig in Beach City, wie auch am Strand, an welchem sich ebenfalls ein Häuschen befand. Einer ihrer Bewohner blickte neugierig aus dem Fenster, beobachtete seine Freunde, wie sich gegenseitig mit Schneebällen bewarfen und bekam langsam Lust, selbst bei diesem Spiel mitzumachen.
Doch Steven hatte an diesem Tag andere Pläne. Seine beste Freundin Connie wollte ihn an diesem Tag besuchen und hatte dafür eine besondere Überraschung angekündigt. Allein diese zwei Tatsachen sorgten dafür, dass der Junge mit einer Mischung aus Vorfreude und Neugierde auf ihre Ankunft wartete. Immer wieder beschlug sein Atem die Fensterschreibe vor ihm, doch es war nicht kalt genug, als dass es lange genug halten würde. Anfangs hatte er noch versucht, ein paar Motive in die beschlagene Fläche zu zeichnen, doch nach ein paar gescheiterten Versuchen hatte er es aufgegeben. So lag er auf dem Sofa vor dem offenen Fenster; seine Beine wackelten in einem Takt, den nur er allein kannte und sah in die Ferne, Ausschau nach seiner Freundin haltend. Er ging seinen eigenen Gedanken nach und fragte sich, was für eine Art von Überraschung er erwarten durfte. So bekam er nicht mit, wie sich das Warpfeld aktivierte und drei Gems ins Haus hinein teleportierten.
„Hey, Rose, was machst du am Fenster? Wartest du wieder auf das kleine Menschenmädchen?“
Jasper verschränkte die Arme vor ihrer Brust und trat von dem Warpfeld herunter.
„Jasper! Garnet! Amethyst! Ihr seid wieder von eurer Mission zurück!“
Erfreut seine Freunde wieder zu sehen, rannte Steven auf sie zu. Die drei hatten mehrere Tage damit verbracht, um ein besonders schwierigen und beschädigten Gem zu finden und zu verpuffen. Daher war Steven mehr als gespannt auf ihre Erzählungen. Doch diese mussten auf sich warten lassen, denn just in diesem Moment erschien Connie in der Tür, atemlos stützte sie sich an der offenen Tür ab.

„Guten Tag Steven! Und guten Tag Amethyst, Garnet und Jasper!“, begrüßte sie die Gems, schloss die Tür und lud ihren Rucksack ab.
„Es tut mir sehr leid, dass ich zu spät gekommen bin, Steven. Aber ausgerechnet heute musste meine Mutter das Wohnzimmer umbauen und so habe ich etwas länger gebraucht, bis ich das Buch gefunden habe, dass ich dir unbedingt zeigen wollte!“
Doch Steven war zu glücklich darüber, seine beste Freundin zu sehen, dass es ihn kaum störte, dass sie sich verspätet hatte. Während sich Garnet mit ein paar freundlichen Worten in den Burning Room verabschiedete, entschieden sich Jasper und Amethyst ein weiteres Mal den Kühlschrank zu erkunden. Auch wenn sie Essen weitaus nicht so sehr mochte wie ihre kleine „Schwester“, so war sie einem kalten Stück Pizza nie ganz abgeneigt.
Connie und Steven wechselten dagegen zum anderen Sofa neben der Treppe, um sich dort besser unterhalten zu können. Und um sich ebenfalls an der Pizza beteiligen zu können.
„Also gut, Connie, was für eine Überraschung hast du für mich? Du hast was von einem Buch gesagt … lass mich raten, es ist der erste Band einer neuen, tollen Serie, die du mir zeigen möchtest! Oder nein, noch besser … es ist ein Buch, dass du selbst geschrieben hast!“
Aufgeregt sah der Junge Connie an, welche leicht rot anlief.
„Nein, Steven, es ist kein Buch drin, das ich selbst geschrieben habe – noch nicht.“
Sie räusperte sich, war ihr das Thema doch zu unangenehm, um es hier und jetzt mit Steven zu besprechen. Die Arme verschränkt warf Jasper einen kurzen Blick auf das Menschenmädchen, dann auf ihren Rucksack.
„Dieses … Buch, das sind diese eckigen Dinger aus Papier, die Steven so oft liest. Du machst selbst solche Dinger?“
Mit hochroten Wangen schüttelte Connie ihren Kopf ein wenig zu schnell.
„Nein, also richtige Bücher schreibe ich nicht, es sind bisher nur ein paar Geschichten, die ich mal vor kurzem in meinem Notizbuch verfasst habe …“
Nervös strich sie sich durchs Haar, versuchte eine Strähne hinter ihr Ohr zu klemmen, doch diese rutschte immer wieder widerspenstig in ihr Gesicht zurück. Sie hatte schon Probleme damit, diese Texte allein schon Steven oder ihren neugierigen Eltern zu zeigen, bei anderen Personen erschien es ihr unmöglich. Dazu zählten auch die Gems und auch wenn sie ehrlich zu ihr sein würden (vor allem Pearl, Jasper und Peridot), so würde sie sich momentan noch zu sehr dafür schämen. So lenkte sie Stevens Aufmerksamkeit wieder auf das Thema zurück, dass sie ursprünglich mit ihm besprechen wollte.

„Nun, du hast Recht, ich bin mit einem Buch hier, das habe ich zufällig in der Schulbibliothek gefunden. Sie ist offen für jeden Schüler und wir können uns jedes Buch ausleihen, das es dort gibt“.
Dabei öffnete sie ihren Rucksack und holte ein alt aussehendes Buch heraus. Der Einband hatte ein stark verblichenes Dunkelrot und lediglich die Titel des Buches in Goldlettern darauf. Sonst war es ein schlichtes, altes Buch, welches nichts über seinen Inhalt verriet.
Steven, dem derartige Bücher noch vollkommen fremd waren, nahm es vorsichtig in die Hand und betrachtete es von allen Seiten.
„Das ist aber ein seltsames Buch – das hat ja überhaupt kein Bild vorne drauf“, sagte er leicht verwundert. Er blätterte es ein wenig hindurch und sein Blick blieb auf einem der bunten Bildern im Buch selbst hängen. Es zeigte eine Familie, die gemeinsam an einem Kamin saß und sich an der Wärme des Feuers erfreute. Eine ältere Dame saß in einem Schaukelstuhl und strickte an einem rosafarbenen Pullover. Die Kinder spielten mit Spielzeugautos und die Eltern saßen am Rande, sie tranken ein warmes Getränk aus weißen Tassen und beobachteten das freudige Spiel ihrer Kinder. Connie nahm ihm das Buch wieder aus der Hand, ließ es aber auf der Seite auf, auf welcher er es aufgeschlagen hatte und lächelte ihn an.
„Das ist eine der Geschichten, die ich in diesem Buch gefunden habe. Es ist voller wundervoller Märchen und da es mir so gut gefallen hat, dachte ich, dass es dir auch gefallen könnte. Es geht größtenteils um Kulturen, die erfundene Feste feiern und nebenbei auch noch seltsame Rituale haben. Viele davon sind recht interessant, auch wenn sie selbst nicht machen würde … ein paar andere Geschichten davon sind sehr gruselig. Meistens geht es darum, dass schlechte Menschen für ihre Taten bestraft und gute Menschen für das Gute, das sie tun, belohnt werden. Wenn du möchtest, kann ich dir etwas über eine der Geschichten erzählen.“
Stevens Augen begannen zu glänzen, dann deutete er mit dem Finger in das Buch und sah Connie erwartungsvoll an.
„Erzähl mir doch bitte etwas zu dieser Geschichte. Bitte, Connie!“, die Neugierde war ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Rasch aß Connie den Rest ihres Pizzastücks auf, dann nahm sie das Buch auf ihren Schoß und begann zu erzählen.
„Das ist die Geschichte von einer Familie, bei der die einzelnen Mitglieder nicht unterschiedlicher sein könnten. Jedes Jahr im Winter trafen sie sich, doch sie wussten nicht so recht, wie sie miteinander umgehen sollten. So bildeten sich Jahr für Jahr kleine Grüppchen, die stets unter sich blieben. Es war eine Tradition in dieser Familie, doch sie reichte so weit in die Vergangenheit zurück und hat unzählige Generationen überlebt, dass man heute nicht mehr sagen konnte, was ihr Ursprung war. Keiner wusste so recht, warum man sich überhaupt traf und man beschloss, dass dies das letzte Familientreffen sein würde. Oft endeten diese auch in Konflikten, weil einfach niemand den Grund wusste, weshalb man zusammen eine Woche gemeinsam verbringen sollte.
Am vorletzten Tag beschlossen zwei Brüder, dass sie in den Wald hinausgehen würden, sie wollten mit ein paar schönen Pflanzen für ein wenig Harmonie in der Familie sorgen. Doch leider geschah das Treffen jedes Jahr im tiefsten Winter, fast alle Pflanzen waren entweder kraftlos oder unter dem Schnee begraben. Nur ein kleiner Tannenbaum, der einen Kopf größer als sie gewachsen war, stand in der Einsamkeit des Waldes. Seine Nadeln leuchteten in einem lebendigen Grün, als wollte er gegen die Stille des Schnees und der Einsamkeit des Winters ankämpfen. Bewundernd betrachteten die Brüder den Baum, buddelten ihn aus und brachten ihn zu ihrem Zuhause. In dem gemeinsamen Familiengarten buddelten sie ihn ein, wo er auch noch Jahrzehnte später prächtig blühen sollten.
Die anderen Familienmitglieder sahen das und was sie sahen, hatte eine magische Wirkung auf sie: Gemeinsam setzten sie sich zusammen an den Baum und begannen, ihn sich gemeinsam anzusehen. Sie begannen, aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden. Als es schließlich kälter wurden, verlegten sie ihre Gespräche ins Haus, doch sie selbst redeten noch sehr lange miteinander. Viele Ideen, Hoffnungen, Gemeinsamkeiten wurden ausgetauscht und zum ersten Mal seit einer unschätzbaren langen Zeit genossen sie alle das gemeinsame Treffen. Mit dem Versprechen, das nächste Treffen unvergesslich zu machen, reisten sie ab und gingen das ganze Jahr lang ihrer Wege. Jeder einzelne von ihnen freute sich auf diese bestimmte Woche und jeder wollte sich Mühe geben, dass es wieder genauso schön sein würde, wie an diesem Tag. Als sie sich wieder trafen, hatte ein Sturm die Gegend heimgesucht. Das Haus stand und war vollkommen unbeschädigt, nur der kleine Baum stand nicht mehr dort, wo er ein Jahr vorher eingebuddelt wurde. Traurig beschloss die Familie einen neuen Baum zu holen, doch dieses Mal topften sie in einen roten Behälter und behielten in im Haus, was er ihnen mit einem frischen Grün auf den Nadeln dankte. Auch hatten sie nicht nur beschlossen, zusammen eine schöne Zeit zu verbringen, nein, sie alle hatten sich die Wünsche der anderen gemerkt und ihnen kleine Geschenke mitgebracht. Diese Wendung, die eine alte, sinnlos erscheinende Tradition damit genommen hatte, gefiel jedem von ihnen und so trafen sie sich seither jedes Jahr, um sich gegenseitig mit Geschichten und Geschenken zu erheitern… Angeblich soll der kleine Baum, der jedes Jahr in der Mitte, immer noch der gleiche sein, den sie bei ihrem ersten gemeinsamen Fest aufgestellt haben.“
Sie klappte das Buch zu und legte es auf die Seite.

„Das ist eine der vielen Sagen, die sich in diesem Buch befinden. Sie sind alle genauso toll wie sie, wobei sie eine meiner Lieblinge ist. Steven, wie hat dir die Geschichte gefallen ...?“
Connie sah ihm ins Gesicht und merkte, dass jegliche Worte überflüssig war. Tränen aus Rührung, aber auch aus Bewunderung liefen ihm über das Gesicht, doch den Jungen störte es nicht, dass sie ihn so sah. Es war eines der vielen Dinge, die sie an ihm so bewunderte: Dass er so offen mit seinen Gefühlen war und sie frei herauslassen konnte. Zumindest war sein Umgang damit freier und unbeschwerter als ihr eigener.
Lächelnd wischte er sich die Tränen weg, sehr zur Verwunderung von Jasper, die sich keinen Raum auf Stevens Gefühle machen konnte.
„Rose, warum weinst du wegen dieser Geschichte? Oder ist das so ein Menschending?“
Verwundert ließ sie von ihrer Pizza ab und trat neben den Jungen. Sie musterte ihn ein wenig, doch eine Erkenntnis gewann sie daraus nicht.
„Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es etwas damit zu tun, dass ich auch ein Mensch bin“, sagte Steven und wischte sich die letzten Tränen weg.
„Nein, mir hat einfach nur die Geschichte so gut gefallen, vor allem, da sie mich an euch, an uns Gems erinnert. Wir alle sind ebenfalls sehr unterschiedlich und doch kommen wir gut miteinander zurecht.“
Seufzend lehnte er sich an das Sofa und starrte träumend an die Decke.
„Es ist echt schade, dass Andy und Dad nicht hier sind. Und dass wir keinen solchen Baum haben. Das wäre bestimmt klasse, wie damals, als wir alle gemeinsam an einem Tisch saßen und uns gegenseitig den Kuchen gereicht haben … nun gut, so gut wie alle von uns“, schob Steven hinterher, doch Jasper zeigte keine Reaktion. Zwar hatte sie keine Ahnung, wovon der Junge gerade sprach, aber es interessierte sie auch herzlich wenig. Überhaupt waren Menschen noch ein sehr großes Rätsel für sie und es gab viele Punkte an ihnen, die Jasper nicht verstand. Noch weniger verstand sie, wie Steven gleichzeitig ein Mensch und gleichzeitig ein Gem mit Rose Quartz‘ Juwel sein konnte. Sie verstand nur eins: Dass sie ihm dankbar war, für ihre Rettung aus den Tiefen ihrer seelischen Leiden und der Korruption.

„Wir sind eine große Familie und du bist jetzt ein Teil davon“, hatte er gesagt, bevor er sich weinend an sie gedrückt hatte. Auch hatte sie längst verstanden, dass Steven und die alte Rose Quartz zwei verschiedene Wesen waren. Allein seine nicht-existente Reaktion, als sie Augenblicke vor ihrer Korruption Pink Diamond erwähnt hatte … allein das hatte schon Bände gesprochen. Als er versucht hatte, mit ihr über seine Träume zu reden und sie davon zu überzeugen, dass selbst sie Hilfe verdient hatte, spürte sie es immer mehr. Dass Steven zwar Roses Edelstein besaß, zusammen mit ihrem Schwert und ihrem Schild, doch er war nicht sie. Er war Steven, der sowohl ein Mensch als auch ein Gem war, aber auch der Junge, der das Licht in ihre Dunkelheit brachte. Dennoch fiel es ihr mehr als schwer, sich auch noch an den fremden Namen zu gewöhnen.
„Ich kann nicht mehr zurück nach Homeworld. Yellow Diamond hatte es mich schon immer spüren lassen, dass ich meinen Diamanten, Pink Diamond, nicht beschützen konnte. Dass ich nun auch mit einem anderen Gem, einem anderen als einer weiteren Jasper fusioniert war, das gleicht einem Hochverrat.“
Sie ballte die Fäuste, blickte verletzt zur Seite und überlegte ihre nächsten Worte sehr genau. Ein Verhalten, das für die sonst impulsive Kriegerin sehr ungewohnt und ungewöhnlich war. Sie kniff die Augen zusammen, seufzte und sah auf ihre Hände hinunter.
„Zuhause bewundern mich alle für das, was ich im Krieg für diesen verdammten Planeten geleistet habe. Für all die Feinde, die ich dabei vernichtet habe.
Ihr Mund verformte sich zu einem ironischen, fast schon verletzten Lächeln.
„Doch das ändert nichts daran, dass ich in meiner Mission gescheitert bin. Dass ich eine Mischfusion gemacht habe. Yellow Diamond wird es sicherlich nicht gefallen – Lapis ist doch auch hier, hast du gesagt? Kein Wunder, dass sie plötzlich nicht mehr nach Hause möchte. Wer kann es ihr verübeln?“
Abrupt hörte Jasper zu reden auf, wandte sich von dem Jungen ab. Steven betrachtete sie mit Sorge, es hatte lange gedauert, bis sich die korrupte Jasper in ihren Gedanken wieder in ihre halbwegs normale Form zurückverwandelt hatte, auf diese Weise war sie für ihre Worte zugänglicher geworden. Doch jeder emotionaler Rückschlag hatte die Korruption verschlimmert, den Zeitpunkt ihrer möglichen Heilung weiter in die Zukunft gerückt. Doch Steven wollte nicht aufgeben, das hatte er Amethyst und auch sich selbst versprochen. Vorsichtig sprach er ihren Namen aus und trat einen Schritt auf sie zu, bereit, jederzeit einen gewissen Sicherheitsabstand aufzubauen. Er merkte schnell, dass das nicht nötig war. Jasper griff ihn nicht an, stattdessen drehte sie sich zu ihm zurück und sah ihn mit gemischten Gefühlen an.
„Lass mich raten, jetzt willst du dich auch noch mit mir anfreunden. Als du mir vor kurzem angeboten hattest, dass ich hier bleiben könnte, bei euch … Crystal Gems … hast du das nur aus Mitleid gesagt?“
Steven überlegte für ein paar kurze Augenblicke, dann entschied er sich, ihr die Wahrheit zu sagen. Jetzt zu lügen wäre fatal, das erkannte selbst er.
„Ja, ich habe das aus Mitleid gesagt. Aus Mitleid, weil du wie Lapis oder Peridot nirgendwo anders hingehen kannst. Aber du kannst hier bei uns wohnen und die anderen werden sich sicherlich noch an dich gewöhnen. Klar, du bist ein großer Fiesling, aber selbst jemand wie du hat das nicht verdient. Niemand hat das verdient. In der Scheune ist sicherlich noch Platz und wenn nicht, werden wir sicherlich noch was für dich finden.“
Jasper lächelte erneut, fixierte mit ihren Augen die Handfläche, als würde sich dort die Position ihres Gems befinden.
„Ich bin nun eine Verräterin, ein Rebell … mir soll es Recht sein, Yellow Diamond ging mit ihrer Art sowieso auf die Nerven. Sie kommt noch lange nicht an die Eleganz und Lebensfreude heran, die mein Diamant hatte … ein wenig erinnerst du sie an mich, Rose, vor allem was ihre endlose Freundlichkeit angeht.“
Mit einer leichten Vorsicht streckte Steven die Hand aus, ein letztes Symbol um ihr zu zeigen: „Ich bin hier, ich möchte dir helfen.“ Ein letztes Mal begann Jasper zu lächeln, dann packte sie die kleine Hand und nickte.
„Dass du mich aber ja nicht enttäuscht“, sagte sie, bevor um ihn herum alles ins Nichts verfiel und er aufwachte.

Jasper dachte noch heute an die Gespräche, die sie mit Steven in ihren Gedanken hatte. Als er sie in seinen Träumen, wie er es nannte, besuchte und mit ihr geredet hatte. Seither hatte sie ihn als eine kleine Version Pink Diamonds betrachtet, als würde ein kleiner Splitter ihm ihn stecken und ein Teil von ihm sein. Doch das würde sie ihm  nie offenbaren, genauso wenig wie sie ihm verraten würde, dass sie ihn mittlerweile als einen Freund betrachtete. Zwar zeigte sie offen, dass sie ihn genauso beschützen würde wie die anderen Crystal Gems, nur aussprechen würde sie es nie.
Verwirrt über Stevens Gefühle, verschränkte sie die Arme und sah auf die aufgeschlagene Buchseite in Connies Händen.
„Diese Geschichte gefällt dir also, Rose? Obwohl sie dich zum Weinen bringt? Du bist seltsam …“
„Geh das mal ruhig an, Steven, das ist nur eine Geschichte“, fügte Amethyst hinzu, doch sie wusste, dass Steven nicht einfach nur traurig war. Steven war jemand, der offen mit seinen Emotionen umging und sie auch gerne zuließ, ob es nun negative oder positive waren. Vollständig verstehen konnte sie ihn deswegen leider immer noch nicht. Dieser hatte nun eine Idee, die seine Augen aufleuchten ließen.
„Leute, ich hab eine Idee. Und ich bin mir sicher, dass sie euch gefallen wird!“
Drei neugierige Augenpaare sahen den kleinen Jungen an und warteten darauf, dass er anfangen würde, von seiner Idee zu erzählen.
„Wir könnten doch einfach selbst dieses Fest feiern! Wir sind so verschieden und doch verbringen wir gerne unsere Zeit gemeinsam… da könnten wir uns doch auch einen solchen Baum holen und uns gegenseitig Geschenke machen! Und wir könnten Lapis und Peridot einladen … hey, das wäre doch cool! Aber erst einmal bräuchten wir einen Baum dafür. Nur, wo bekommen wir einen?“

Bevor Connie etwas darauf erwidern konnte, aktivierte sich das Portal mit einem hellen, geräuschvollen Lichtstrahl. Pearl und Garnet kamen von einer Mission zurück, sie hatten entgegen Amethysts und Jaspers Erwartungen lediglich ein paar alte Gem-Ruinen untersucht. Ihre Mission endete mit einem mittelmäßigem Erfolg, was sie sich so gut es ging nicht anmerken ließen. Jasper bemerkte es dennoch und war froh, dass sie sie nicht begleitet hatte. Eine Mission ohne gegen irgendwelche wildgewordenen Korruptions-Gems zu kämpfen war für sie eine langweilige Mission, wenn nicht sogar eine Verschwendung ihrer kostbaren Zeit. Diese verbrachte sie dann lieber zusammen mit ihren „Quarz-Verwandten“, wie sie sie niemals laut nennen würde, auf dem Sofa, aß mit ihnen alles Mögliche oder schaute sich mit ihnen eine von Stevens seltsamen Serien an. Vor allem verstand sie wie ihre kleine „Schwester“ den Sinn der „Crying Breakfast Friends“ – Serie nicht, Stevens Erklärungen waren ihr dafür nicht genug. Wenn sie schon die Zeit verbringen musste mit harmlosen und ungefährlichen Dingen, dann entschied sie sich lieber für diese Aktivitäten.
Pearl sah sich um und begrüßte Steven, der die beiden begrüßte. Sie hatten sich ein paar Tage lang nicht mehr gesehen. Was für sie, angesichts ihrer mehrerer 1000 Jahre langen Lebenszeit, nur ein kleiner Husten im Wind war, war für Steven eine viel längere Zeit. Sie akzeptierte dies und schloss den kleinen Jungen in die Arme, als er sich an sie drückte. Garnet bekam ebenfalls eine Umarmung von ihm.
„Pearl, Garnet, ich habe eine wundervolle Idee und ihr müsst mir dabei helfen! Bitte, das wird bestimmt so klasse werden!“
Fragend sahen sich die beiden Gems an, dann ging Garnet vor Steven auf die Hocke und streichelte ihm das lockige Haar.
„Ganz ruhig, Steven, du bist ja ganz aufgeregt. Atme tief ein und sag uns dann, was du für eine Idee hast.“
Mit Connies Hilfe, erzählte er den beiden Gems die Geschichte über die Familie und ihre winterliche Tradition. Aufmerksam hörten sie ihm zu, wenn sie auch nicht wussten, was er ihnen damit sagen wollte. Es war einer der seltenen Momente, in denen Garnet auf ihre Zukunftsvisionen verzichtete und das Ereignis lieber auf sich zukommen lassen wollte. So wusste auch sie nicht, welche Idee ihnen Steven nun unterbreiten würde. Sie wollte dem Jungen nicht verletzen, indem sie die möglichen Ausgänge seines Vorschlags bereits vorhersah.

„Deswegen dachte ich, dass wir uns doch auch so einen kleinen Baum ins Haus stellen könnten. Wir könnten dann auch Peridot und Lapis fragen, ob sie zu unserer kleinen Feier vorbei kommen wollen. Es wird bestimmt ziemlich schön für uns alle werden!“
Begeistert von seiner Idee sah er abwechselnd Pearl und Garnet an, wartete auf eine Reaktion der beiden.  Garnets Gesichtsausdruck blieb unverändert, während Pearl leichte Bedenken bezüglich der Idee zeigte.
„Ich weiß gar nicht, ob es wirklich so eine gute Idee ist, wenn wir uns einen Baum hier ins Haus hineinstellen“, meinte Pearl und sah sich demonstrativ um.
„Es wäre zwar genug Platz vorhanden, aber so ein Baum macht schon ziemlich viel Dreck, allein mit der Erde und den ganzen Nadeln … die Bäume hier auf der Erde verlieren ständig ihre Blätter und Nadeln. Und wie ich die ganze Situation einschätze, werde ich wohl am Ende diejenige sein müssen, die den ganzen Dreck auch wieder entfernt. Nein, tut mir leid, Steven, aber ich bin nicht gerade sehr begeistert dafür. Vielleicht findest du ja noch einen anderen Weg“, fügte sie noch hinzu und legte eine Hand auf seine Schulter. Allzu viel Trost gab es ihm nicht, traurig ging sein Blick gen Boden.
„Hey, Pearl, wenn Rose einen Baum in seiner Basis haben möchte, dann solltest du dich auch danach richten und ihn einen Baum haben lassen. Oder hast du dich neuerdings umorientiert?“, fragte Jasper bissig. Mit kurzen Schritten hatte sie die Distanz zwischen ihr und den dreien verkleinert und baute sich hinter Steven auf.
Mit geröteten Wangen stand Pearl auf und versuchte sich gegen Jaspers Worte zu behaupten.
„Nein, ich möchte nur nicht, dass Steven zu viel Dreck im Haus macht, den ich dann wegräumen darf, weil es sonst keiner tut. Ich habe ja nichts gegen einen solchen Baum an sich, ich hätte nur gerne eine Alternative gegenüber dem, dass er ausgerechnet im Haus stehen muss.“
Jasper rümpfte die Gegend um ihren Gem, verschränkte ein weiteres Mal die Arme und sah Pearl nahezu gleichgültig an.
„Mir geht es nur nicht in den Sinn, warum du seine Wünsche nicht beachtest … man merkt schon, du bist ein richtiger Rebel, aber immerhin noch angenehmer als Yellow Diamonds Pearl. Dass ihr Rebellen aber auch immer etwas dagegen haben müsst. Nun, unabhängig wofür Rose sich entscheidet, ich stehe hinter ihm. Und du solltest das auch lieber tun.“
Nahezu in der gleichen Sekunde verfinsterten sich ihre Blicke, trafen sich und unausgesprochene Worte wechselten zwischen ihnen hin und her. Garnet beobachtete es für eine Weile, sah Stevens verwirrte Reaktion und beschloss sich in den stummen Kampf einzumischen.
„Es stimmt schon, wenn Steven etwas möchte, dann stehen wir natürlich hinter ihm und versuchen ihm all seine Wünsche zu erfüllen, wie es nur geht. Das hat allerdings nichts mit fehlender Loyalität oder Treue zu tun. Steven ist nicht unser Anführer und auch nicht unser Diamant, hier herrschen ganz andere Verhältnisse als zuhause in der Heimatwelt. Hier ist vieles anders als zuhause, aber das wirst du noch sehen. Nur wenn ihr euch jetzt deswegen streitet, wird sich Steven keineswegs besser fühlen.“
Die beiden traten ein paar Schritte zurück, den Blickkontakt hielten sie schon lange nicht mehr aufrecht. Steven atmete auf, er hatte schon befürchtet, dass die beiden Gems ihre Waffen zücken und gegeneinander kämpfen würden. Sie alle wussten, dass Pearl in einem direkten Kampf mit der großen Quarz-Soldatin keine Chancen haben würde.

„Hey, warum nehmen wir nicht einfach den Baum und pflanzen ihn einfach bei der Scheune ein? Bei den beiden ist so viel Platz, außerdem wächst da eine Menge Grünzeug, da wird so ein nadeliger Baum gar nicht groß auffallen. Und wegen den ganzen Dreck musst du dir dann auch keine Sorge machen, P, es sei denn, du hast vor die Natur durchzukehren.“
Das letzte sprach sie lachend aus, was dafür sorgte, dass sie lachend vom Sofa fiel. Erneut errötete Pearl, widersprach ihr leise und wandte sich wieder Steven zu.
„Ja, das ist doch schon mal eine gute Alternative, die uns Amethyst überraschenderweise gebracht hat“, stichelte sie dezent zurück, doch diese tat es mit einem Schulterzucken ab.
„Das ist sogar eine viel bessere Idee, so würde die Natur den Baum auch pflegen und es müsste keiner von uns tun. Die beiden freuen sich sicherlich, wenn sie noch mehr Pflanzen an ihrer Scheune haben und ich muss mir keine Gedanken über das Haus machen!“
Begeistert klatsche sie die Hände zusammen, doch auch die anderen schienen von der Idee überzeugt zu sein. Nur ein Gem bildete dabei die Ausnahme, sie rückte ihre Brille zurecht und sah die anderen mit einem ernsten Blick an.
„Es tut mir Leid, euch enttäuschen zu müssen, aber der Baum wird dort, wo ihr ihn hinpflanzen wollt, nicht lange überleben. Ein Jahr vielleicht, oder zwei, aber mehr nicht. Egal, wo ihr ihn einpflanzt, er wird dort eingehen.“
Verwundert sahen die anderen sie an, dann erinnerten sie sich an ihre Zukunftsvisionen.
„Oh nein“, jammerte Steven betroffen. „Warum wird der Baum dort eingehen? Kannst du denn keinen Punkt sehen, an dem er es nicht tut?“
Garnet schwieg für einen Moment, dann schüttelte sie den Kopf.
„Nein“, sagte sie lediglich und fügte eine rasche Entschuldigung hinzu.
„Vermutlich … ist der Baum einfach nicht für diese Gegend gemacht. In dem Buch und auch bei uns, im echten Leben, stehen solche Bäume in einer sehr kalten Gegend. Zwar wird es bei uns auch im Winter kalt, aber die Orte, an denen solche Bäume stehen, sind oft viel Kälter. Ich vermute, dass es den Bäumen dann einfach viel zu warm ist sein könnte. Es tut mir Leid, Steven“, sagte das junge Mädchen, auch sie war ein wenig enttäuscht, dass all ihre Ideen ins Nichts verpufft sind.

„Also müssen wir den Baum doch hier reinstellen … damit ist es also beschlossen. Komm, Fusion… Garnet, wir gehen jetzt zusammen mit Rose einen Baum aussuchen, Punkt“.
Garnet erwiderte nichts, sie sah schweigend zu Pearl hinunter, welche sich erneut zum Protest erheben wollte.
„Und ich sagte, dass so ein Baum uns nicht ins Haus kommt. Du wirst ja auch sicherlich nicht um den Baum herum sauber machen“, sagte sie vorwurfsvoll, mit dem Finger auf Jasper deutend.
„Nein, natürlich nicht, aber offenbar ist das dein Job“, stichelte Jasper weiter, womit sie bei Pearl einen wunden Punkt getroffen hatte.
„Was erlaubst du dir? Ich habe nicht tausende Jahre um meine Freiheit gekämpft, nur, um mich dann als Sklave oder Hilfskraft bezeichnen zu lassen. Nicht von einer wie dir – hier auf der Erde gibt es diese Rollen nicht. Es wäre also nur von Vorteil, wenn du diese Rollenbilder ablegen würdest!“
Jasper beobachtete sie, was jedoch in ihrem eigenen Kopf vorging, das wusste nur Jasper selbst.
„Und was ist, wenn ich mich weigere? Was wirst du dann tun, Pearl?“
Grummelnd beobachtete Steven den Streit zwischen seinen zwei Freunden. Er verstand nicht, warum sie immer wieder auf diese Themengebiete zurückkommen mussten, die auch immer wieder auf die gleiche Art und Weise endete. Connie klopfte ihm tröstend auf die Schulter, wofür er sich mit einem Lächeln bedankte.
„So ist es leider, Steven. Leider ist die Welt gefüllt mit festen Gesetzen, denen wir uns beugen müssen. Es ist nicht so, als könnten wir sie uns zurecht formen, wie wir wollen. Sei nicht traurig … wir finden sicherlich einen anderen Weg … Steven, ist alles in Ordnung mit dir?“
Verwundert sah sie ihren Freund an, doch dieser sagte für ein paar Augenblicke lang nichts. Dann, mitten aus dem Nichts, packte er Connie an den Schultern und fing an, sich lauthals bei ihr zu bedanken.
„Das ist es! Wir müssen ihn uns einfach formen! Danke dir, Connie, ohne dich wäre ich niemals auf diese Idee gekommen!“
Rasch nahm er sie an die Hand und ging auf die streitenden Gems zu. Garnet bemerkte dies und brachte mit einem Handzeichen die beiden anderen zum Schweigen.
„Steven möchte uns etwas erzählen“, sagte sie auf ihre stoische Art.
„Wir sollten uns anhören, was er uns zu sagen hat.“

„Danke dir, Garnet“, sagte Steven und räusperte übertrieben vor sich hin. Dann sah er kurz zu Connie, die ihn immer noch verwirrt, aber lächelnd ansah.
„Connie hat mich auf eine Idee gebracht, wie wir den Baum haben und dabei noch im Haus bleiben können! Es ist ganz einfach!“
Sachte ließ er ihre kleine Hand los, bevor er zur der Tempeltür rannte.
„Leute, wir könnten auch einfach in meinen Raum gehen! Dort kann ich alles aus Wolken bauen, was mir in den Sinn kommt. Warum also gehen wir nicht einfach, wenn es soweit ist, in den Raum meiner Mutter und ich baue dort einen Baum? Ich könnte ihn so groß oder so bunt geschmückt machen, wie wir wollen! Somit machen wir keinen Dreck und der Baum geht nicht ein, da wir ihn jedes Jahr neu bauen könnten!“
Abwartend sah er die anderen an, in der Hoffnung, dass nun alle von dieser Idee überzeugt wären. Diese sahen sich an, dann stimmten sie ihn zu.
„Das ist nahezu perfekt“, sagte Pearl beschwingt und auch Jasper war von der Idee nicht abgeneigt. Nur Amethyst äußerte ihre Meinung dazu nicht, sie hatte sich von der Szene abgewendet und ins Land der Träume zurückgezogen. Seit Steven ihr von dieser menschlichen Aktivität erzählt hatte, hatte sie dafür eine kleine Schwäche gefunden.
„Damit hätten wir wohl das Problem mit dem Baum und seinen perfekten Aufenthaltsort geklärt“, meinte Garnet ruhig und rückte ihre Brille ein weiteres Mal zurecht.
„Hast du das etwa vorhergesehen?“, möchte Pearl wissen, doch Garnet entschied sich, ihr diese Antwort offen zu bleiben. Stattdessen sprang sie in Stevens Zimmer, zog eine Jacke heraus und brachte sie dem Jungen.
„Hier, die wirst du brauchen. Ohne sie wirst du nur frieren“, sagte sie und Steven nahm sie dankend an.
„Du wirst sicherlich sofort zu deinen Freunden gehen und ihnen von deiner Idee mit dem Baum erzählen“, sagte Garnet, was Steven mit einem erstaunten „Zukunftsvision“ kommentierte. Sie lächelte ihn an, dann schob sie ihn in die Richtung des Portals. Connie schnappte sich schnell ihr Märchenbuch und stellte sich, ebenfalls warm in ihrer Jacke eingepackt, neben ihn auf die Teleporationsfläche.
„Beeile dich aber, es wird dunkel und wir wollen doch nicht, dass Pearl wieder ein Panik ausbricht“, fügte Garnet noch hinzu, bevor die beiden im Strahl des Portals verschwanden.
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