Mit euch im Paradies

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Elena Fisher Nathan Drake OC (Own Character) Victor Sullivan
28.01.2018
28.03.2019
22
70.025
2
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28.01.2018 4.170
 
Myra sitzt auf einem Sessel in einem Hotelzimmer.
Sie nippt an ihrem Glas Whisky und lässt es dann in ihren zierlichen Händen kreisen.
Voller Skepsis und Unsicherheit schaut sie auf den kleinen quadratischen Zettel mit einer Nachricht, der ihr soeben von einem Bediensteten des Hotels gebracht worden ist.

Sie bläst unentschlossen Luft aus ihren Wangen heraus und nimmt sich eine Zigarette aus ihrem Etui.
Während Myra sich von dem brauen Ledersessel erhebt, stellt sie ihren Whisky schroff auf dem Glastisch vor ihr ab. Ein lautes Klirren sagt ihr, dass sie Glück hatte, dass nichts gesprungen ist. Sie verspürt wenig Lust, irgendetwas zu erstatten. Dafür ist dieses Hotel zu teuer.

Sie öffnet die Tür ihres Balkons und tritt hinaus. Ein frischer Windzug weht durch ihr dunkelbraunes Haar, woraufhin sich aus ihrer komplizierten Hochsteckfrisur einige Haarsträhnen lösen. Doch es war ihr egal. Sie schaut hinab zu der großen Hauptstraße, wo sich eine Menge Menschen tummeln und die Autos ungeduldig hupen wegen des stockenden Verkehrs, der auch jetzt noch herrscht.
Man sollte meinen, dass nachts nicht soviel los sein sollte. Doch nicht in New York. Vor allem nicht am Times Square.
Myra ist noch nie in New York gewesen,  doch kann sie den Aufenthalt nicht so richtig genießen. Nicht seitdem dieser Mann in ihrem Leben wieder aufgetaucht ist.

Sie zündet ihre Zigarette an und bläst dann den Rauch aus. Normalerweise raucht sie nicht oft, weil sie den Geschmack eklig findet, und dennoch ist es für sie in machen Situationen beruhigend. In dieser Situation ist ihr die Zigarette willkommen. Sie ist noch zu aufgewühlt nach dem plötzlichen Treffen. All die Jahre und auf einmal kreuzen sich wieder ihre Wege.
Bei dem Gedanken an ihn schüttelt sie nur mit dem Kopf. Nichtsdestotrotz muss sie sich eingestehen, dass  sein Angebot verlockend für eine Schatzjägerin wie sie ist. Er hat eben schon immer gewusst, wie man mit Worten umgeht.  Und wenn sie ehrlich zu sich selbst ist, hat er sie in jenem Moment überzeugt, als er davon sprach, dass es einst der Traum von jemanden war, der Myra einmal viel bedeutet hat.

Doch sie kann nicht vergessen, dass dieser Mann die Schuld daran trägt, dass sie diesen für sie so wichtigen Jemand verloren hat.
Sie schüttelt erneut mit dem Kopf und drückt frustriert ihre Zigarette in dem silbernen Aschenbecher aus, der auf dem Balkon zur Verfügung steht.  Hastigen Schrittes geht sie wieder hinein und lässt sich verärgert auf den Sessel fallen.
Sie nimmt ihr Whisky Glas erneut in die Hand und trinkt es in einem Zug leer. Sofort spürt sie das vertraute Brennen im Hals, doch es stört sie nicht weiter. Jede Ablenkung ist willkommen, damit sie nicht an den Mann denken muss, den sie einst verlor.

Seit seinem Tod sind viele Jahre vergangen und stets hat sie es vermieden an ihn zu denken.  Denn obwohl die schrecklichen Umstände seines Todes schon über ein Jahrzehnt her sind, so bleibt der Schmerz erhalten und erinnert sie daran, was sie damals verloren hat.  Sie hat nie aufgehört ihn zu vermissen und bereut bis heute ihm versagt zu haben, was sie für ihn empfunden hat.

Was geblieben ist, ist die Erinnerung an ihn, die niemals verblasst. Sie sieht ihn noch genau vor sich, mit seinen haselnussbraunen, zurück gekämmten Haaren und seinen großen, eindrucksvollen, braunen Augen, mit grauen Sprenkeln darin, die bei jeder neuen Entdeckung vor Faszination leuchteten.

Als Myra ihn kennengelernt hat, ist sie bei Weitem nicht so fasziniert von ihm gewesen.
Sie erinnert sich noch ganz genau an ihre erste Begegnung mit ihm und wie diese ihr ganzes Leben durcheinander gebracht hat.


Es war ein heißer Sommertag in ihrer Heimatstadt New Orleans.
Myra war im French Quarter ihrer Arbeit nachgegangen. Sie handelte ausschließlich mit Diebesgut, das sie von Touristen gestohlen hatte. So sicherte sie sich ihr Überleben,seit ihre Eltern gestorben waren als sie gerade einmal zehn Jahre alt war. Sie kam daraufhin in das Ursulinen Kloster, was gleichzeitig ein Waisenhaus war. Doch sie hielt es dort nicht aus, da die Nonnen sie immer wieder bestraften, weil sie viel lieber Geschichtsbücher las als die Bibel. Sie wollte unbedingt so werden wie ihre Eltern einst waren. Sie waren berühmte Archäologen und waren für einige Entdeckungen von berühmten Pharaonen bekannt.

Bei ihrer letzten Reise waren sie mit einem kleinen Schiff unterwegs nach Hause, doch dieses Schiff kam niemals in New Orleans an. Nach einigen Monaten der Suche wurden Schiffswrackteile in der Nähe ihrer Route gefunden und die Ermittler gingen davon aus, dass das Schiff aus unerklärlichen Gründen gesunken sei und erklärten sie und die anderen Mitglieder ihres Teams, darunter viele Freunde ihrer Eltern, für tot.

Mit einem Schlag war Myra alleine auf der Welt und für sich selbst verantwortlich. Lebende Verwandte hatte sie nicht, bis auf eine Großmutter. Doch sie war an Alzheimer erkrankt und konnte nicht für sie sorgen.
Nachdem sie aus dem Kloster abgehauen war, gingen die Nonnen davon aus, dass sie die Stadt verlassen hatte, doch dem war nicht so.  Sie wechselte nur die Flussseite des Mississippis und ging in das French Quarter.
Die Kirche St. Louis wurde daraufhin ihr Heim. Der Pastor dort war so gnädig sie dort leben zu lassen, als er von ihrem Schicksal erfuhr. Er wagte nicht, das kleine Mädchen zu verraten, denn er war der Überzeugung, dass es Gottes Plan wäre, dass sie nun hier war. Also mischte er sich nicht ein.
Als sie  an jenem Tag gegen späten Nachmittag ihre Arbeit abschloss, ging sie durch die Bourbon Street, wo bereits jetzt um diese Uhrzeit, die Straßen belebt waren von den vielen Touristen.
Sie wollte noch schnell einige Diebstähle verrichten, bevor sie heimkehrt. Ihr Handel war heute nicht so gut gelaufen. Die Menschen trugen nicht mehr so vielen kostbaren Schmuck mit sich herum, wenn sie unterwegs waren, oder hielten ihre Tasche fester bei sich, als ob sie wüssten, dass es Myra gab.

Frustriert trat Myra gegen eine leere Dose, als sie keine Möglichkeit sah an gute Ware zu kommen. Und das obwohl die Straßen überfüllt waren mit Menschen.
Die Dose rollte über den Bürgersteig und traf einen Jungen am Bein.
Dieser schaute verwundert auf die Dose herunter, die neben sein Fuß zum Stehen kam.
Er hob seinen Blick, um zu sehen, wer der Verursacher war.
Er entdeckte Myra dadurch, dass sie ihn Stirn runzelnd betrachtete. Sie hatte ihn noch nie zuvor gesehen und dass, wo sie fast jeden hier im French Quarter kannte. Myra schätzte ihn nur paar Jahre jünger als sie, und sie vermutete, dass er mit seinen Eltern hier Urlaub machte.

"Hast du mich mit der Dose abgeschossen?" , fragte der Junge direkt und schaute sie mürrisch an.

"Das war keine Absicht. Du standest einfach im Weg." , antwortete sie ebenfalls mürrisch.

Der Junge wendete sich beleidigt ab und verschwand in der Menschenmenge.
Myra verbannte ihn gleich wieder aus ihren Gedanken und ging weiter den Bürgersteig entlang.
Als sie an einem Café vorbei kam und einen älteren Burschen entdeckte, der etwas Goldenes in seiner Hand hielt, blieb sie neugierig stehen. Er saß auf einem Stuhl und unterhielt sich lebhaft mit ein paar jungen Frauen, doch das interessierte sie nicht. Sie schaute auf das, was er in seiner Hand hielt.
Myra erkannte, dass es sich bei dem goldenen Gegenstand um einen Ring handelte und sie vermutete, dass er viel wert sein musste.
Endlich - dachte sie sich. Sie glaubte schon, dass sie heute mit leeren Händen nach Hause gehen müsste.
Sie ging näher an das Café heran, lehnte sich unauffällig gegen die Mauer des Gebäudes und wartete geduldig auf eine Möglichkeit ihm den Ring zu stehlen.
Dabei konnte sie laut und deutlich hören, was er erzählte.

"Dieser Ring gehörte einst einem Pharaonen, der in der 18. Dynastie herrschte." , hörte Myra ihn prahlen und traute ihren Ohren nicht.
Sie sah direkt zu dem jungen Mann und versuchte festzustellen, ob er vielleicht ein berühmter Schatzsucher war oder ähnliches. Doch sie erkannte, dass er nicht alt genug war, um so etwas zu sein. Sie schätzte ihn nur paar Jahre älter als sich selbst.
Verwirrt fragte sie sich, woher er diesen Ring hatte. Seinen Worten mochte sie nicht so recht glauben. Je länger sie ihm dabei zu sah, wie er mit den Frauen flirtete, desto sicherer wurde sie, dass er nur ein Schwindler war, der versuchte seine Zuschauer zu beeindrucken.
Wie hohl doch manche Frauen sein konnten - dachte sie angewidert und verzog das Gesicht.

Myra beobachtete, wie er den Ring in seine Jackentasche steckte, um sich intensiver eine hübschen Blondine zu widmen.
Sie brauchte ein Ablenkungsmanöver, denn so würde sie nicht unbemerkt an ihn heran kommen. Suchend blickte sie sich um. Schließlich sah sie einen Kellner des Cafés herauskommen, beladen mit einem Tablett voller kalten Erfrischungen.

Das war ihre Chance, dachte sich Myra schnell.
Sie ging unauffällig näher heran und als der Kellner, seitlich von dem Typen stand, rempelte sie ihn absichtlich an. Daraufhin ließ der Kellner das voll beladene Tablett genau auf den Tisch fallen, an dem der junge Angeber saß. Die Gläser kippten um, einige zerbrachen sogar, und ihr Inhalt spritzte auf ihn und hinterließen unschöne Flecken auf seiner Kleidung.
Verärgert springt der junge Mann auf und Myra beeilte sich zu ihm zu kommen. Jetzt zählte jede Sekunde.
Während der Typ den Kellner rüde anmachte, ging sie hinter ihm. Gekonnt griff  Myra  mit ihren Zeige-und Ringfinger in seine Jackentasche und fischte den Ring heraus.
Schnell zog sie ihre Hand wieder hinaus und suchte eilig das Weite. Den Ring ließ sie in ihre Jackentasche gleiten.

Innerhalb kürzester Zeit erreichte sie die St.Louis Kirche.
Sie öffnete die Pforte des Tores und lief die Treppen hinauf, die direkt neben dem Altar erbaut wurden. Oben auf dem Dachboden, zwischen unzähligen Räumen, wo sich Kistenweise Dokumente, alte Bänke und andere Dinge befanden, war hinter einer Tür ihr Zimmer.
Myra öffnete die Tür und schloss sie sofort wieder hinter sich.
Ihre Räumlichkeit war klein und recht beengt, was unweigerlich damit zu tun hatte, dass die Dachschräge der Kirche so verdammt tief war. Ein einziges rundes Fenster, welches sich schräg an der Wand befand, spendete  ein wenig Licht. Es war mit einer bunten Glasmalerei versehen und stellte die Jungfrau Maria dar.
In Ihrem Zimmer befand sich nicht viel, was ihr gehörte.
Der Pfarrer hatte ihr ein kleines Bett aus Stangen besorgt, das sie dankbar angenommen hatte.
Unter anderem hatte er ihr auch durch Spendensammlungen Kleidung besorgt, die ordentlich verstaut in einer Kommode lagen. Myra sah zu der kleinen Kochplatte, die auf einem schmalen Tisch stand. Sie machte sich dort immer Dosenfutter warm, mehr konnte sie sich nicht leisten. Aber es genügte ihr. Es war viel besser, als ein Leben in diesem Kloster.
Ihr kostbarster Besitz jedoch befand sich gut versteckt unter ihrem Bett. Es handelte sich dabei um die Tagebücher ihrer Eltern, die darin von jeder Reise und Ausgrabung erzählten und viel Wissenswertes über jegliche Geschichten aus jeglicher Zeit festgehalten hatten.

Sie hatte sie mehrmals durchgelesen, einfach weil sie ebenfalls Interesse an solchen Geschichten hatte und weil es das einzige war, das Myra von ihren Eltern geblieben war. Ihr Haus war damals versteigert worden, mit allen Möbeln und jegliche Fundsachen, die ihre Eltern jemals erworben hatten.
Aber es gelang ihr die Tagebücher einzupacken, zusammen mit ein paar anderen ihrer liebsten Geschichtsbücher, bevor man sie ins Kloster abschob.  Und sie waren auch das einzige, das sie mit Mühe in einen Rucksack stopfte, ehe sie nachts aus einem Fenster kletterte und weglief.

Myra setzte sich auf ihr Bett und holte den Ring raus.  
Sie schaute ihn sich genau an und drehte ihn mehrmals um sich selbst.
Irgendwie kam ihr dieser Ring bekannt vor, doch wusste sie nicht woher.
Er sah verdammt alt aus - stellte sie als erstes fest.
Der Durchmesser des Ringes war beachtlich dick und man erkannte deutliche Spuren, die  daraufhin wiesen, dass er viel benutzt worden war. Aber ansonsten war der Ring einwandfrei.
Myra schaute sich die Struktur des Ringes genauer an und erkannte, dass es sich dabei um echte Hieroglyphen handelte.
Erschrocken schnappte sie nach Luft und schaute noch einmal genauer hin, um herauszufinden, ob sie sich nicht getäuscht hatte und sie tatsächlich echt sind. Sie ist in der Lage Hieroglyphen zu entziffern, allerdings hatte sie das schon lange nicht mehr getan.

"Amen" , sprach sie laut das erste Zeichen aus und überlegte fieberhaft wie das andere Zeichen hieß. Doch es wollte ihr nicht einfallen.
Myra fiel ein, was der junge Mann darüber gesagt hatte. Dass dieser Ring einst einen Pharao aus der 18. Dynastie gehört hatte.
Myra sprang auf, als sie des Rätsels Lösung endlich erkannte.
"Amenophis!" , rief sie laut aus und schaute erstaunt auf den einzigartigen Ring, den sie nun zaghafter in ihrer Hand hielt.

"Nicht schlecht." , hörte sie plötzlich jemanden sagen.

Myra zuckte erschrocken zusammen und sah zu der Tür, von wo die Stimme kam.
Sie erkannte den Mann, von dem sie den einzigartigen Ring gestohlen hatte.
Myra verkrampfte sich augenblicklich und schaute misstrauisch zu den Mann hinüber, der lässig am Türrahmen lehnte.

"Nathan! Ich habe sie gefunden." , rief er plötzlich.

Myra spannte sich weiter an, als sie erkannte, dass er nicht alleine war.
Nun würde sie wohl zum ersten Mal eine ordentliche Tracht Prügel kassieren - da war sie sich sicher.
Doch neben dem Mann, tauchte ein jüngerer Junge auf, den sie sofort erkannte.

"DU?" , fragte sie erstaunt.
Es war der Junge, gegen den sie unabsichtlich die Dose getreten hatte.

"Siehst du, ich habe doch gesagt, dass ich sie hier rein laufen gesehen hab." , sprach der Jüngere zu dem älteren Jungen und ignorierte ihren Ausbruch.

Dieser nickte.
"Gut gemacht, Bruder."

Die beiden waren Brüder? Sehen sich aber nicht besonders ähnlich - dachte sich Myra.
Doch, das war es nicht, was sie beschäftigte. Der Jüngere musste Myra dabei beobachtet haben, wie sie den Ring gestohlen hatte. Sie verfluchte im Stillen den Umstand, dass sie nicht besser aufgepasst hatte. Nun würde sie den Ring wieder zurück geben müssen, dabei hatte er Kerl ihn überhaupt nicht verdient. So wie er damit umging und ihn nur benutzte um hübsche Frauen zu beeindrucken.


"Woher habt ihr den Ring?" , fragte Myra dennoch aus Neugier. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass die beiden Schatzsucher waren und auch ihre Kleidung sagte nicht aus, dass sie aus einer berühmten Familie bestehend aus Historikern oder ähnlichem stammten.
Die Klamotten waren genauso abgetragen und verblichen wie die ihren, stellte sie beim näheren Betrachten fest.

"Von einer alten Historikerin bekommen." , antwortete der junge Mann und grinste schelmisch.

Warum grinste er so? - fragte sich Myra. Müsste er nicht eher sauer sein?

"Warum sollte eine Historikerin euch so etwas Kostbares schenken?" , wollte Myra wissen und in ihrer Stimme hörte man nur zu deutlich ihre Verwirrung.

"Das ist eine lange Geschichte." , wich der Typ ihr aus.  Dann bohrte sich sein Blick in ihren. "Wie heißt du?"

Myra runzelte die Stirn.
Warum zur Hölle wollte er das wissen? - fragte sie sich und sah ihn voller Misstrauen an.
Ihr kam der schreckliche Verdacht, dass er sie vielleicht bei der Polizei verpfeifen wollte und deshalb ihren Namen zu erfahren versuchte.
Das wäre furchtbar, denn dann würden sie sie wieder in dieses schreckliche Waisenhaus stecken. Und dorthin wollte sie unter keinen Umständen zurück.

"Geht dich nichts an." , antwortete sie und verschränkte ablehnend die Arme vor der Brust.

Der ältere Bruder lachte leise.
"Okay Miss "Geht mich nichts an" , Was weißt du über diesen Ring?" , Seine Augen schauten Myra neugierig an. Offenbar war er erstaunt gewesen, als er gehört hatte, dass sie wusste, in wessen Besitz der Ring einst gewesen war.
Myra war überrumpelt von der plötzlichen Wendung der Ereignisse.
Sie beschloss ihm ehrlich auf seine Frage zu antworten und ihm zu verdeutlichen, wie kostbar dieser Schatz tatsächlich war.  Denn offensichtlich hatte er nicht die geringste Ahnung von seinem Wert.

"Dieser Ring gehörte einst Amenophis. Er war ein Pharao, der in der 18. Dynastie herrschte. Er lebte zwischen 1351 - 1334 vor Christus. Seine Todesursache ist unbekannt, aber man bestattete ihn in der Königsgruft von Amarna. Er war dafür bekannt, dass er die Kunst im alten Ägypten reformierte." , gab Myra ihr Wissen darüber preis, welches sie sich zweifellos  beim Lesen in den Tagebüchern ihrer Eltern angeeignet hatte.
Schließlich hatten sie ihn entdeckt.

"Wow, nicht schlecht." , meinte der jüngere Bruder, woraufhin der Größere nur beeindruckt nickt.
Ein Ausdruck von Stolz schlich sich in Myras Miene, als sie erkannte, dass es ihr gelungen war den beiden Brüdern zu imponieren.

"Allerdings hast du vergessen zu erwähnen, dass er bekannt für seine nach innen gerichtete Politik war und dass er den Gott Aton, in Gestalt der Sonnenscheibe , zum Gott über alle Götter Ägyptens erhoben hat." , fügte der größere Bruder an und grinste wieder so schelmisch.

Kaum hatte er es ausgesprochen, wusste Myra, dass er recht hatte, und dieses Mal war sie diejenige, die erstaunt zu ihm sah.

"Du weißt von solchen Dingen?" , fragte sie verblüfft.

"Wir." , betonte er und zeigte auf seinen jüngeren Bruder, der lächelnd nickte. "wissen über solche Dinge sehr viel."  

Myra war überrascht von den beiden Brüdern, die mit ihr eine große Gemeinsamkeit teilten. Sie hatte noch nie einen Menschen getroffen, dessen Interesse alten Geschichten und sagenhaften Schätzen galt.

"Mein Name ist Samuel Drake und das ist mein Bruder Nathan." , verriet der Größere ihre Namen. "Dürfen wir nun erfahren, mit wem wir unsere Bekanntschaft machen?" Erneut grinste er sie an.

Myra zögerte kurz, doch sie vertraute darauf, dass die beiden nichts Böses von ihr wollen.  Hoffentlich beging sie keinen Fehler.

"Myra Connel."

"Connel?" , hakte Nathan nach. "Die Archäologen, die so viele Pharaonen entdeckt haben?"

Myra lächelte, als ihr klar wurde, dass Nathan von ihren Eltern gehört hatte.
Niemand, der sich nicht mit solchen Dingen befasste, wusste von den Taten ihrer Eltern.

"Ja, ganz genau." , antwortete sie voller Stolz.

"Wow. Dürfen wir sie kennenlernen?" , fragte Nathan voller Tatendrang, doch sein Bruder stupste ihn unsanft mit dem Ellbogen in die Seite.
Dieser schaute verwirrt zu seinem Bruder herauf, der ihm mit einen Kopfschütteln etwas mitteilen wollte. Sam deutete mit seinem Kopf in die Richtung von Myra. Nathan entdeckte, wie ihr Blick sich gesenkt hatte und sie mit einem Mal einen traurigen Eindruck machte.
Nathan verstand sofort und trat betroffen ein paar Schritte auf sie zu.

"Tut mir leid, das wusste ich nicht. Wir haben auch unsere Eltern verloren." , erzählte er, woraufhin Sam einen warnenden Räusper von sich gab.
Doch beide ignorierten ihn.

Myra schaute zu Nathan hinauf und sah, dass dieser sie aufmunternd anlächelte.
Sie erwiderte das Lächeln zaghaft.

"Wie alt bist du eigentlich?" , fragte Sam.

"16 und ihr?"

"Sam ist 19 und ich bin 14 Jahre alt." , antwortete Nathan.

"Was macht ihr hier in New Orleans?" , wollte Myra neugierig wissen.

"Wir sind nur auf der Durchreise. Wir bereisen das Land und halten uns hauptsächlich mit Diebstählen über Wasser, wenn Sam nicht gerade einen kurzzeitigen Job annimmt." , erklärte Nathan.
"Oh, wow." , entfuhr es Myra neidisch. Sie kamen viel herum und führten ein aufregendes Leben.  Das war auch schon immer ihr Traum gewesen.  Die beiden Brüder waren ungebunden und frei wie der Wind, reisten von Stadt zu Stadt und erlebten bestimmt tolle Sachen.

Sam räusperte sich erneut und riss sie aus ihren Gedanken. Ihn schien es zu stören, dass Nathan so offen über ihr Leben sprach.
"Nun, dürfen wir unseren Ring zurück haben?"

Myra schaute zu dem Ring in ihren Händen und seufzte einmal schwer, bevor sie auf Sam zu ging und ihm das kostbare Kleinod vorsichtig in die Hand legte. Sie hatte sich in ihm geirrt, als sie dachte, dass er davon keine Ahnung hatte. Dennoch fand sie es nach wie vor unmöglich, damit anzugeben, um Frauen zu beeindrucken. Aber sie hatte kein Recht auf den Ring. Er gehörte ihnen.

"Tut mir leid." , entschuldigte sie sich leise.

Sam musterte sie prüfend von oben nach unten und schaute sich dann in ihrem Zimmer um.

"Du lebst in einer Kirche?" , fragte er stirnrunzelnd.

Myra zuckte gleichmütig mit den Achseln.
"Hier ist es viel besser als in dem Waisenhaus, in das sie mich gesteckt haben."

"Oh, du bist abgehauen?" Nathan betrachtete sie neugierig und trat dann neben sie.

"Ja, wieso?" , hakte sie nach, weil das aus seinem Mund so überrascht klang.

"Wir sind auch abgehauen. Na ja, eher ich. Ich fand es auch schrecklich." , erklärte Nathan, woraufhin Myra ihn verwundert musterte. Was für ein ähnliches Schicksal sie doch teilten.
Nur hatte Nathan noch seinen Bruder und Myra hatte niemanden mehr.

Myra bemerkte wie Sam sie mit zusammen gekniffenen Augen musterte.
Sie wollte gerade fragen, warum er sie so anstarrte, doch da ergriff er bereits das Wort.

"Was hast du vor, wenn du älter bist?"

Myra runzelte verwirrt über diese Frage die Stirn und auch Nathan schaute seinen Bruder überrascht an.
"Wie meinst du das?"

"Na, was möchtest du in deinem Leben erreichen? Was möchtest du machen?"

Myra biss sich nachdenklich auf die Unterlippe, denn sie fürchtete sich davor ausgelacht zu werden, wenn sie von ihrem Traum erzählte.
Doch sie beschloss es zu riskieren.
"Eine brillante Historikerin und Schatzsucherin zu sein."

Sam nickte wissend,  so als ob er es geahnt hätte. Nathan schaute Myra erstaunt an.
Dann offenbarte er ihr, dass es auch ihr Traum wäre und Myras Miene spiegelte ihre Überraschung darüber wider, dass sie nicht nur die selben Schicksale teilten, sondern auch die selben Träume.


"Wie wäre es, wenn du uns begleitest?" , fragte Nathan plötzlich.

"Was?" , platzte es aus Myra raus und ungläubig schaute sie zu ihm.

"Ja, wieso nicht? Was sagst du, Sam? Sie hat genauso viel Ahnung wie wir und eine zusätzliche Partnerin, ist doch genial." , sprach Nathan voller Euphorie.

Myra schaut stirnrunzelnd zu dem Jungen, der grinsend seinen Bruder betrachtete.
Er spinnt doch total - dachte sie sich.

Sam verschränkte die Arme. In seinen Augen stand ein abweisender Ausdruck.
"Nathan, wir beide kommen schon selber kaum über die Runden und außerdem kennen wir sie gar nicht." , sagte er zu seinem jüngeren Bruder,  so als ob Myra überhaupt nicht da wäre.

"Hey! Wer sagt denn, dass ich überhaupt mitkommen würde." , mischte Myra sich nun eingeschnappt ein.


Sam schaute sie herausfordernd an.
"Du würdest auch keinen Tag da draußen klar kommen. Wir können kein Mädchen gebrauchen, was herumzicken würde, wenn etwas mal nicht richtig läuft."

"Da schätzt du mich aber falsch ein." , sprach sie. In ihren Augen funkelte es provokativ, als sie seinen Blick erwiderte.
Kurz fragte sie sich, warum sie überhaupt darauf einging. Sie wollte nicht mit ihnen mitgehen, oder etwa doch? Der Reiz ein anderes Leben, voller Abenteuer zu beginnen, war ohne jede Frage vorhanden.

Sam beäugte Myra skeptisch und seufzte schließlich genervt.
"Bitte." , willigte er schließlich widerstrebend ein. "Sie darf mitkommen. Sie scheint eine gute Diebin zu sein und  ist auch alt genug, um einen Job anzunehmen, falls wir irgendwo länger verweilen müssen."

"Warte. Was?" , Für Myra ging das jetzt doch ein wenig zu schnell.
Sie hatte ihn mit ihren Argumenten nicht davon überzeugen wollen, dass sie mit wollte
Sie hatte ihm nur Paroli bieten wollen, weil er sie derart falsch einschätzte, was sie ärgerte.

Ungläubig blickte sie zu Nathan, der voller Spannung auf ihre Entscheidung wartete und sie anlächelte.
Myra schaute zu Sam hoch, der sie ebenfalls musterte.

Sie drehte sich in ihrem Zimmer herum und betrachtete ihr Zuhause, das in Wahrheit nie ein richtiges Zuhause für sie gewesen war.
Sie hatte immer darauf gewartet, dass sie alt genug war, um in eine eigene Wohnung zu ziehen.
Doch nun, bot sich ihr völlig überraschend eine Möglichkeit von hier fortzugehen. Ihre Träume zu leben.
In Begleitung von zwei jungen Männern, die genau wie sie Diebe waren und genau wie sie, Schatzjäger werden wollten.
Diese Chance könnte sich, als gewinnbringend für sie alle herausstellen oder auch in einem Desaster enden.
Aber selbst wenn es schief ging, könnte sie immer zurück. Der Pfarrer würde sie jederzeit aufnehmen, in dem Glauben, dass es seine Pflicht sei.

Sie richtete ihren Blick wieder zu Sam und Nathan.

"Okay."


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Herzlich Willkommen zu meiner Fanfiktion.
Diese Geschichte läuft gegenwärtig in dem 4. Teil der Spielreihe. Ihr werdet auch sehen, dass ich zwischen durch bei Rückblenden, andere Geschehnisse der Spielreihe erwähne.
Ich freue mich über jegliche art von Review und hoffe, dass ich euch mit meiner Geschichte, genauso begeistern kann, wie ich sie schreibe. :)

Hier möchte ich einmal meine tolle Beta-Leserin YvaineLacroix danken, dass sie sich die Zeit nimmt, meine Geschichte zu korrigieren und zu perfektionieren. Was echt viel Arbeit ist - sollte ich erwähnen. ^^
Ohne sie, wäre die Geschichte nicht so leicht zu genießen. Daher, Danke liebe Yvaine! <3 :)

Weitere Kapitel folgen bald!

Ganz liebe Grüße
Eure Joanna
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