The Lying Stethoscope

GeschichteFreundschaft / P16
Dr. Gregory House Dr. James Wilson
28.01.2018
28.01.2018
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4.377
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28.01.2018 4.377
 
Titel: The Lying Stethoscope
Autor: Lady Charena (September 2007)
Fandom: House, MD

Staffel: 2
Charaktere: Gregory House, James Wilson, Paula, alle anderen erwähnt
Pairing: House/Paula, Wilson
Rating: ab 16, het
Beta: T'Len
Worte: 4375

Summe: Wilson bekommt einen Einblick in House’ Leben, den er nicht wirklich wollte. After all - ignorance is actually bliss.


Paula ist canon. Genauso wie die Sache mit dem Stethoskop am Türknauf (siehe Zitat am Ende der Story). Episoden/Spoiler: 2.12 Distractions bis 2.16 Safe

Author’s Note: Wer slashige Untertöne in dieser Story findet, muss sie behalten. <g>

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




Ein Abend, allein in seinem Hotelzimmer vor dem Fernseher sitzend, war alles andere als verlockend. In das neue Apartment konnte er erst Ende der Woche einziehen und nachdem House ihn quasi vor die Tür gesetzt hatte, checkte er in ein Hotel nahe des Krankenhauses ein. Es war ja nur für ein paar Tage.

Verdammt, seit er nach Julies Geständnis die Koffer gepackt hatte und ausgezogen war, kam er sich vor wie ein Möbelstück, das niemand mehr haben wollte. Eine innere Stimme warf ihm sarkastisch vor, das er aufhören solle, sich wie ein erbärmlicher Jammerlappen zu benehmen. Sie klang wie House.

James Wilson nickte dem Sicherheitsmann am Eingang des Parkplatzes zu. Es hatte einige Fälle von Vandalismus gegeben – umgeknickte Antennen, zerkratzte Türen, Reifen aus denen die Luft abgelassen wurde – Cuddy hatte daher die Sicherheitsmaßnahmen aufgestockt. Sein Wagen war glücklicherweise verschont geblieben. Seit er im Hotel wohnte, ließ er ihn stehen und ging zu Fuß. Immerhin war er ein Abteilungsleiter und hatte somit Anspruch auf einen Parkplatz. Der Hotelparkplatz kostete hingegen eine saftige Extragebühr. Außerdem konnte ihm ein bisschen Bewegung sicher nicht schaden.

Doch heute stieg er in seinen Wagen. Unterwegs überlegte er, ob er an einem der Restaurants anhalten sollte, um Essen mitzunehmen – ein Friedensangebot, sozusagen – doch er hatte keinen Hunger und wenn House etwas wollte, konnten sie wie üblich telefonisch Pizza oder chinesisches Essen ordern.

Er war noch immer wütend auf House.

Zuviel war in den letzten Wochen passiert – zuerst die Eskalation der Stacy-Angelegenheit, dann die Sache mit Von Liebermann... Weber... korrigierte er sich sofort, der Mann hieß in Wirklichkeit Weber und war ein anerkannter Migränespezialist, den House aus Rache wegen einer mehr als zwanzig Jahre zurückliegenden Geschichte lächerlich gemacht hatte. Und es war egal, dass er am Ende recht behalten hatte und Weber tatsächlich so inkompetent war, wie House ihn darstellte...

Dann die Anrufe: zuerst Cuddy, die ihm mitteilte, dass House an einem Komapatienten herumexperimentierte und wissen wollte, ob er davon gewusst hatte. Später war es Chase, der ihn anrief, um ihm zu sagen, dass House Webers neues Migränemedikament an sich selbst getestet hatte – und das verdammte Zeug funktionierte nicht mal, was dazu führte, dass der Kopf der Diagnostikabteilung im abgedunkelten Konferenzzimmer unter dem Glastisch lag und mit seinem Team im Flüsterton diskutierte, weil jedes laute Geräusch nicht nur seine Kopfschmerzen verstärkte, sondern auch seinen Magen Samba tanzen ließ.

Und als er geglaubt hätte, es könnte nicht mehr schlimmer werden, hatte er Cameron am Telefon, die aufgeregt berichtete, dass House nach dem Duschen tropfnass im Umkleideraum saß und Halluzinationen hatte, in denen er „Musik sehen“ konnte. Er war einiges von House gewohnt, aber ein LSD-Trip!

Und warum überhaupt riefen sie immer bei ihm an? Was machte sie glauben, er hätte irgendwelchen wie auch immer gearteten Einfluss auf House?

Nach Lieb... Weber... beschäftigte sich House dann damit, in seinem Privatleben herum zu stochern. Und trotzdem stand er am Ende mit gepackten Koffern vor House’ Tür, denn so lächerlich es auch klang, wenn er jetzt daran dachte – er brauchte House. Brauchte den schneidenden Sarkasmus, die Beleidigungen und das Schweigen, von dem er sich einbilden könnte, es wäre die Housesche Version von Mitgefühl. Und das, obwohl das Leben mit House sehr viel vom Leben im einem Collegewohnheim an sich hatte, wenn man sich mit einem Zimmergenossen konfrontiert sah, dessen Sinn für Anstand dem der Marx-Brüder unterlag und der die Inspiration für seine Streiche direkt aus der fünften Klasse zu beziehen schien.

Er erreichte das Ende dessen, was er zu ertragen gewillt war, als er mit einer Hand in einem Topf voll Wasser, und einem nassen Fleck auf der Couch unter sich, aufwachte. Vielleicht zum ersten Mal in ihrer Beziehung hatte er es House mit gleicher Münze zurückgezahlt und seinen Stock angesägt, während House schlief. Obwohl er sich im Nachhinein immer noch dafür schämte, denn House knallte ziemlich heftig auf den Boden. Er hätte sich verletzen können. Aber da war ein Teil von ihm, der vor allem über House idiotischen Gesichtsausdruck triumphierte...

Wilsons Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück, als House’ Apartmenthaus in Sicht war. Er fand einen Parkplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite, nur ein paar Schritte von der Haustür entfernt und schlenderte langsam dorthin, die Hände in die Taschen gesteckt.

Warum kam er trotzdem immer wieder hierher zurück? Warum überließ er House nicht einfach seinem selbstgewählten Elend? Warum konnte er sich ein Leben ohne diesen Bastard nur nicht einmal mehr vorstellen...

Er war ein netter Mensch. Er konnte andere Freunde haben, nicht wie House, der seine Säure über jeden verspritzte, der ihm zu nahe kommen könnte. ‚Du immer mit deinem hätte, könnte, sollte... mach’ es doch einfach und zur Hölle mit Konsequenzen’, hatte ihm House einmal an den Kopf geworfen, um irgendeine seiner Eskapaden zu verteidigen, die nach hinten losgegangen war.

Wilson stand vor den beiden Stufen, die zur Haustür führten und zögerte. Seine linke Hand schloss sich in der Tasche um den Schlüssel zu House’ Wohnung. Seine Rechte in der anderen umfasste das Mobiltelefon.

Sollte er vielleicht zuerst anrufen? Licht brannte und in der abendlichen Stille glaubte er sogar, irgendwoher leise Musik zu hören. Vielleicht war es auch der Fernseher.

Andererseits konnte House aus reiner Sturheit auf der Couch sitzen und nicht öffnen, während der Anrufbeantworter ansprang. Dann würde er sich wieder tagelang anhören müssen, was für ein Weichei er doch wäre, wenn er einfach wieder ging.

Und wenn er den Schlüssel benutzte...

Regen oder Traufe. Er war so oder so verdammt.

Wilson stieg die beiden Stufen hoch. Das verdammte Stethoskop hing an der Tür. Er grinste. Sicher. Das sah House ähnlich. Es fehlte nur noch der Zettel: „Lass Bier auf der Türmatte“. Zweimal fiel er nicht darauf rein.

Manchmal hasste er es, dass er für House so durchsichtig zu sein schien, dass er sogar vor ihm wusste, wann er sich vor House’ Tür wiederfinden würde. Er zog den Schlüssel aus der Tasche und schloss auf, nahm das Stethoskop mit und hängte es an die innere Türklinke.

Im Wohnzimmer und in der Küche brannte Licht, der Fernseher flackerte auf ‚stumm’ geschaltet vor sich hin, und nach einem Moment angestrengten Lauschen identifizierte er die Musik, die im Hintergrund lief, als eine der CDs von John-Henry Giles. Alle paar Monate tauchte ein Päckchen des Musikers auf House’ Schreibtisch im Krankenhaus auf, das neben Giles Aufnahmen auch immer CDs von anderen Künstlern enthielt, von denen Giles annahm, House könnte sich dafür interessieren. Für gewöhnlich ging Greg wortlos darüber weg, aber früher oder später fanden die CDs alle ihren Weg in seine Wohnung und die Stereoanlage. Irgendwie hatte Giles es geschafft, mehr als ein gelöstes Puzzle für House zu werden. Vielleicht war es die Musik, die sie verband.

Da das Wohnzimmer leer war, trat er zuerst in die Küche. Wilson lächelte unwillkürlich, als er das gebrauchte Geschirr herumstehen sah. „Heute bist du dran, House.“ Erst als er sich selbst hörte, wurde ihm klar, dass er den Gedanken laut ausgesprochen hatte. Blut stieg in seine Wangen und er drehte sich unwillkürlich um. Wenn House ihn gehört hatte, würde der Spott über seine vermeintlichen Selbstgespräche nie ein Ende finden. Aber hinter ihm war nur das leere Wohnzimmer.

Er ging dorthin zurück, setzte sich auf die Couch, legte die Füße auf den Tisch. Er drehte den Kopf, sah auf die beiden geschlossenen Türen von Schlaf- und Badezimmer. „House?“

Es kam keine Antwort. Ein paar Minuten starrte er unschlüssig auf den flackernden Fernseher, auf dem eine Nachrichtensendung lief, rasch wechselnde Bilder, die tonlos ohne Sinn blieben. Schließlich stand er auf und klopfte an die Badtür. Vielleicht war House gerade unter der Dusche gewesen, als er reinkam. Aber hinter der Badtür war kein Geräusch zu vernehmen, also drückte er schließlich die Klinke herunter. Der Raum war dunkel und leer.

„Okay. Ich finde das nicht witzig. Können wir aufhören, Verstecken zu spielen?”

Er trat an die Schlafzimmertür und öffnete sie. „House, was zum...“ Er brach ab. Im Schlafzimmer brannte nur die Lampe auf dem Nachttisch, das und was an Licht von draußen durch die Fenster in den Raum drang, war die einzige Beleuchtung. Als er die Tür öffnete, fiel mit ihm ein Lichtstrahl aus dem Wohnzimmer aufs Bett.

Und was er da sah... setzte sich nur langsam in seinem Kopf zu einem Gesamtbild zusammen.

Das erste, was er sah, war... oder das erste, was er bewusst erkannte, war eine Hand auf House Schulter.

Eine Frauenhand.

Auf House’ nackter Schulter.

Die zweite Hand war auf House’ Rücken. Seinem nackten Rücken. Absurderweise fiel ihm auf, dass die Nägel lang und rosafarben lackiert waren.

Er sah ein langes, schlankes Frauenbein, um House’ Bein geschlungen, ihre Ferse in seiner Kniekehle, in sicherer Entfernung von dem grauen Narbengewebe an House’ Oberschenkel.

Oh.

Oh!

Da war eine Frau.

Eine nackte Frau, um ganz genau zu sein.

Eine hübsche, nackte Frau, wie er automatisch registrierte und sie... und House... hatten Sex.

Und nicht die langsame Kuschelvariante.

House hatte SEX!

Wilson blieb wie angewurzelt im Türrahmen stehen.

Es war nicht der Sex an sich. Es war... House? Hatte? Sex?

Dunkles, langes Haar verdeckte halb ihr Gesicht und für einen Augenblick dachte Wilson: Oh Gott, es ist Stacy! Sie ist zurück... Doch dann, als sie sich House entgegen wölbte, fiel ihr Haar zurück und er sah, dass es eine fremde, junge Frau war.

Er schien plötzlich taub geworden zu sein, denn das einzige was er hörte, war das Hämmern seines Pulses in seinen Ohren.

Und noch immer konnte er sich nicht bewegen. Himmel, es war wie in einer von House’ Soaps, wenn eine Frau ihren Mann dabei erwischte, dass er sie betrog. Sie standen dann auch immer wie angewurzelt da und Wilson war sich fast sicher, dass er den gleichen idiotischen, ungläubig-schockierten Gesichtsausdruck trug.

Genau wie eine der Akteurinnen aus einem Seifenopern-Drama konnte er nicht wegsehen. Es war allerdings nicht die Frau, die seine Aufmerksamkeit fesselte, sondern House. Es war einfach... er hatte nie gedacht, dass... Er biss sich hart genug auf die Unterlippe, dass er Blut schmecken konnte. Er starrte auf House’ Rücken, auf die blasse Haut auf der eine feine Schweißschicht glitzerte. Die angespannten Schultern- und Nackenmuskeln. Auf die Stelle an House’ Hinterkopf, wo das Haar langsam dünner wurde.

Und dann sah House ihn plötzlich an. Er drehte den Kopf und sah zur Tür, sah ihm direkt in die Augen und Wilson hob unbewusst die Hand, als könne er damit diesen stechend blauen Blick abwehren... wie einen Schlag.

Das war alles. Kein verlegenes Innehalten. Kein scharfes: „Verschwinde!“. House hielt ihn nur mit diesem eisigen Blick gebannt und er fühlte die gleiche Panik in sich aufsteigen, die ein Reh im Scheinwerferkegel eines Jägers spüren mochte. Er sah nichts anderes mehr, nicht die Frau, nicht die Bewegungen der beiden nackten Körper – seine Welt hatte sich auf ein Paar blauer Augen verengt, die sich in ihn bohrten wie chirurgische Laser.

Er griff nach dem Türrahmen, blindlings, stützte sich mit einer Hand dagegen ab. Seine Kehle schmerzte, sein Brustkorb, und ihm wurde mit einmal klar, dass er den Atem anhielt. Er holte tief Luft und die plötzliche Sauerstoffzufuhr machte ihn leicht schwindlig.

Als wäre es ein Zeichen gewesen, senkten sich langsam schwere Lider über die blauen Augen, nur halb... aber es war genug, um ihren Bann zu brechen. Er löste seine Finger, die das Holz des Türrahmens umklammerten, drehte sich auf dem Absatz um und floh förmlich aus dem Schlafzimmer. Er drückte die Tür hinter sich zu und lehnte sich einen Moment dagegen. Sein Kopf schlug gegen das Holz.

Jetzt konnte er auch wieder hören und wünschte sich sofort, es wäre nicht so.

Die Stimme der Frau, dumpf, durch das Holz der Tür gefiltert. Er konnte nicht verstehen, was sie sagte. Und dann House’ Stimme, so deutlich, als stände er direkt neben ihm. „Niemand.“

Wilson stieß sich von der Schlafzimmertür ab und ging ins Bad. Er drehte den Hahn weit auf und warf sich mit beiden Händen kaltes Wasser ins Gesicht. Langsam kehrte mit dem Kälteschock auch so etwas wie vernünftiges Denken in sein Gehirn zurück und er stützte sich mit beiden Händen am Waschbeckenrand auf, um sein eigenes Spiegelbild zu betrachten. Wasser tropfte aus seinem Haar und lief über seine Stirn, hinter der sich wie ein Unwetter Kopfschmerzen zusammenbrauten.

Okay. Wie kam er jetzt aus dieser peinlichen Situation wieder raus? Das beste war, so schnell wie möglich zu verschwinden und einfach so zu tun, als wäre er nie hier gewesen. Verdammt, aber woher hätte er denn ahnen sollen...

Als er hörte, wie die Schlafzimmertür geöffnet wurde, wurde ihm klar, dass er eventuell bereits zu lange gewartet hatte. Auf keinen Fall konnte er da jetzt rausgehen, ohne dass es noch peinlicher wurde.

Okay.

Und er konnte sich auch nicht für den Rest seines Lebens in House’ Badezimmer verstecken. Oh, er konnte immer noch hoffen, dass House beschloss ihn in Ruhe gehen zu lassen...

Dass dies keine Option war, wurde deutlich, als es ein paar Minuten später an die Tür klopfte. „Wilson. Bist du noch lange da drin?“

House.... Er klang amüsiert. Keine obszönen Anspielungen, die Wilson eigentlich erwartet hatte. Aber vielleicht würden die kommen, wenn House noch das zusätzliche Vergnügen hatte, sein Gesicht dabei zu beobachten.

Er räusperte sich. „Ähem... nein.“ Er trocknete sein Gesicht und seine Hände, zögerte es noch etwas hinaus. Starrte wieder in den Spiegel. Und was zurück starrte war die Erinnerung an House’ Augen, an den fast hypnotischen Blick.

Hinter ihm ging die Tür auf und das Erinnerungsbild in seinem Kopf überschnitt sich mit der Realität, als ihm House’ Augen im Spiegel begegneten. Abgesehen von ihnen, war der Rest seines Gesichts völlig undeutbar.

Wilson drehte sich um, lehnte sich gegen das Waschbecken und verschränkte die Arme vor der Brust.

House lehnte beiläufig am Türrahmen. Sein Hemd war nicht zugeknöpft, er trug eine Jeans und war barfuß. Er zog die Augenbrauen hoch und starrte zurück, als er Wilsons Blick auf sich spürte. „Was? Hat deine Mutter dir das mit den Bienchen und Blümchen nicht erklärt? Was machst du eigentlich hier?“

„Ich dachte...“ Wilson brach ab und schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, ich wusste nicht, dass du... Besuch hast.“

House bewegte die Schultern in einer geringschätzigen Geste. „Okay. Entschuldigung akzeptiert. Hol’ mir ein Bier, ich gehe duschen.“

„Was?“ Wilson blinzelte, er hatte das Gefühl, einen Teil ihres Gesprächs übersprungen zu haben.

House sah ihn nur mit milder Neugier an. „Du Bier Küche. Ich Dusche Bad“, sagte er überdeutlich, als spreche er mit einem geistig zurückgebliebenen Kind. „Jetzt.“ Er rümpfte die Nase, als Wilson ihn weiterhin offenbar sprachlos anstarrte, seufzte dann. „Jimmy, beweg’ deinen Arsch aus der Tür, damit ich duschen gehen kann. Du duschst doch auch nach dem Sex, oder?“ Er streckte die Hand aus, vielleicht um ihn anzustupsen und zu sehen, ob da noch Leben unter der erstarrten Oberfläche war, doch Wilson wich einen Schritt zurück. „Himmel, Wilson – du tust geradeso, als ob du deine Eltern beim Sex überrascht hättest.“ Er grinste, als James ein Erschauern nicht unterdrücken konnte.

Er riss sich endlich aus seiner Starre los und wollte sich an House vorbei aus dem Bad schieben. Doch lange Finger schlossen sich um sein Handgelenk, stoppten ihn. Seine Schulter streifte House’ Schulter. Wilson sah zuerst auf die Hand um seinen Arm, dann langsam auf, wo er erneut dem Blick der blauen Augen begegnete. Dieses Mal war der Ausdruck in ihnen fragend.

„Alles okay?“, fragte House.

Er nickte und zog seine Hand langsam zurück, aber House ließ ihn nicht los. Die langen Finger umschlossen noch immer lose sein Handgelenk. „Uh... ich gehe besser. Es ist spät und...“, begann er, doch der Blick dieser verdammten blauen Augen stoppte ihn eben noch so, bevor er verlegen zu stottern begann.

„Du gehst nicht weiter als bis zur Couch“, erwiderte House. „Ich will verdammt nochmal wissen, was mit dir los ist.“

Ein letztes Mal taxierten ihn die blauen Augen, dann ließ House seine Hand los und trat an ihm vorbei ins Bad, die Tür hinter sich schließend. Und wie programmiert und unfähig, etwas anderes zu tun, als diesem Programm zu folgen, ging Wilson ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch.

Und da saß er dann auch noch immer, als das Wasserrauschen der Dusche wieder stoppte. Die CD war irgendwann in den Minuten davor zu Ende gewesen und John-Henry Giles schwieg mit ihm. Obwohl die Stille ihn entnervte, griff er nicht zur Fernbedienung, um den Ton am Fernseher anzustellen. Er wartete und starrte auf die stummen Bilder, die über den Schirm flackerten.

Er hatte nicht bemerkt, dass House zurück war – erst als eine kühle Bierflasche sein Gesicht berührte und er aus seinen Gedanken hochschreckte. Automatisch griff er danach und hielt die Flasche zwischen den Hände. Die Couch senkte sich, als House neben ihm Platz nahm, aber er sah nicht auf. „Ich dachte, es würde dich mehr stören. Ich dachte, du hast...“ Er unterbrach sich selbst, zum zweiten Mal an diesem Abend die unangenehme Erfahrung machend, dass er etwas, dass er nur hatte denken wollen, doch tatsächlich laut aussprach.

„Du dachtest was? Was würde mich mehr stören?“, fragte House. Er beugte sich vor, und stellte seine Bierflasche ab, dann streckte er die Beine aus, auf den Couchtisch gelegt und ließ sich in die Couch zurücksinken. Seine Lider senkten sich wieder halb über die Augen, gaben Wilson aus ihrem Bann frei. Fast frei.

„Dein Bein.“ Ohne hinzusehen deutete er mit dem Kinn in Richtung von House’ Oberschenkel. „Ich dachte... Vergiss’ es. Das geht mich nichts an.“

„Spuck’ es aus, Jimmy.“ In House’ Stimme lag etwas gefährliches, seidenes, etwas das er nicht oft zu hören bekam, und wenn dann war es in der Regel an jemand anderen gerichtet. „Was dachtest du? Dass Stacy mich damals verlassen hat, weil der Krüppel es nicht mehr im Bett brachte? Das war das einzige, was noch zwischen uns funktionierte, alles andere darum herum war kaputt gegangen.“

Wilson spürte wieder Blut in seine Wangen steigen. Und wieder war sein Mund schneller als sein Verstand. „Aber warum hast du dann wieder etwas mit ihr angefangen?“

„Weil ich dumm genug war, zu glauben, ich könnte die Zeit zurückdrehen.“ House hob die Hand und kämmte sich durch sein feuchtes Haar, das wie üblich in alle Richtungen ab stand. „Müssen wir über Stacy reden? Mich würde viel eher interessieren, warum du hier bist. Hast du das Stethoskop nicht gesehen?“

„Ich dachte...“ Er biss sich auf die Unterlippe, als er seinen eigenen Tonfall hörte.

House starrte ihn an. „Okay. Lass’ mich das ganze abkürzen“, meinte er spöttisch. „Überspring’ den Teil, bei dem du zu erklären versuchst, was du dachtest und komm’ gleich auf den Punkt.“

„Ich dachte, es wäre ein Scherz“, entgegnete Wilson leise und starrte auf die Bierflasche in seinen Händen. „Ich dachte immer, es wäre nur ein Scherz, wenn du über Huren und Stripperinnen sprichst und über deine „Geschäftsbeziehungen“ mit ihnen. Ich dachte, du machst das, um Cuddy zu schocken und um zu sehen, wie Cameron entsetzt die Augen aufreißt, Chase grinst und Foreman sich gelangweilt gibt.“ Er hob den Kopf und House starrte ihn mit einem Ausdruck an, den er schon oft gesehen hatte, wenn er eine MRI-Aufnahme studierte oder auf das Whiteboard starrte, dass sich weigerte, ihm Informationen zu liefern. Als er wäre er nur eins von House’ Puzzle. Es war... beunruhigend... diese Konzentration auf sich gerichtet zu fühlen. Und er sah wieder weg.

„Interessant.“ House Stimme war völlig neutral. „Was dachtest du noch? Dass ich es mir durch die Rippen ausschwitze? Dass es immer genug ist, sich unter der Dusche oder vor dem Fernseher einen runter zu holen? Dass Krüppel keine...“

„Nein!“, unterbrach Wilson ihn. „Nein“, wiederholte er, leiser diesmal. „Das hat nichts mit deinem Bein zu tun. Aber du bist so... rational. So ablehnend allem gegenüber, was mit Emotionen und... Körperlichem zu tun hat. Seit dem Infarkt gab es für dich nur noch deinen Verstand. Dein Bein war nicht mehr okay, also hast du gleich deinen ganzen Körper als nutzlos verdammt.“

„Wieso denkst du das?“ Wieder war nur diese milde Neugier aus seinen Worten heraus zu hören.

„Wieso nicht. Ich sehe es daran, wie du mit dir umgehst. Vicodin, Fastfood, Alkohol... und das verdammte Motorrad obendrauf.“ Wilson stellte angewidert die Flasche weg, die sich zwischen seinen Händen erwärmt hatte. „Drogen...“ Er wartete, ließ das Wort in der Luft hängen, doch House erwiderte nichts. „Deine Affäre mit Stacy, war das auch nur...“ Er wusste nicht, warum er unbedingt auf diesem Thema herumreiten musste, wenn House doch deutlich gemacht hatte, dass er nicht darüber reden wollte. Er sah aus den Augenwinkeln, wie House’ Haltung etwas steifer wurde, er saß nicht mehr entspannt gegen die Couch gelehnt. Sein ganzer Körper strahlte eine stumme Warnung aus. Deshalb war er überrascht, als er eine Antwort erhielt.

„Nein. Meine...“, kurze Pause, “...Affäre mit Stacy hatte nichts mit Sex zu tun. Nicht nur.“ House griff nach der Fernbedienung und schaltete den Ton an.

Es war so deutlich wie ein Warnschild, dass damit das Thema für ihn erledigt war. Wilson hob den Kopf und musterte ihn. Doch House’ Gesicht konnte zu einer Maske werden, wenn er nicht wollte, dass man ihm ansah, was er dachte. Und jetzt wollte er das offenbar. Während er durch die Kanäle zappte, warf der Bildschirm abwechselnd bunte Lichter auf seine Züge und mit ihnen änderten sich auch die Augen.

Und dann drehte House den Kopf plötzlich und erwischte ihn beim Starren. Nun, vielleicht war ‚erwischte’ nicht das richtige Wort. Wilson war sich sicher, dass House ihn die ganze Zeit ebenfalls beobachtet hatte.

„Was ist noch?“, fragte House.

„Ich denke nicht, dass du eine Frau für Sex bezahlen musst.“

House grinste. „Danke für das Angebot, Jimmy. Du bist nicht ganz mein Typ, aber vielleicht komme ich irgendwann einmal darauf zurück, wenn mir das Geld ausgeht.“

Wilson spürte zum x-ten Male, wie ihm das Blut in den Kopf stieg. „Ich meinte... wenn du dir ein wenig Mühe gibst, siehst du gut aus. Viele Frauen stehen auf… Augen wie deine.” Er zuckte innerlich beim Ton dieser Worte zusammen. „Zum Beispiel.“ Augen. Verdammt, woher kam plötzlich diese Besessenheit mit House’ Augen. Er konnte schon nicht mehr an irgendetwas anderes denken.

„Auf irgendeine Weise muss man für Sex immer bezahlen. Weißt du, welche Art von Frauen ich in einer Bar aufreißen könnte?“, erwiderte House ironisch.

„Äh... du hast mir gesagt, du hättest Stacy in einem Stripladen getroffen...“

House brachte eine gute Imitation von Wilsons üblichem Augenrollen zustande. Eine erschreckend gute Imitation. Der wütende Ausbruch, den er halb und halb erwartet hatte, blieb aus. „Das war nur ein Witz zwischen ihr und mir. Hat sie dir nie die wirkliche, langweilige Geschichte unserer ersten Begegnung bei einem eurer... Frauengespräche erzählt?“

Wilson presste die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen und sah wieder weg. Dann schluckte er. „Also, welche Art von Frauen lernst du in einer Bar kennen?“ Ohne den Kopf zu heben beobachtete er House’ Reaktion aus den Augenwinkeln.

„Camerons. Scharen von Camerons hängen dort herum, wartend wie die Aasgeier, bis der nächste einsame Krüppel auf der Suche nach einem Mitleidsfick hereinkommt.“

„Und Mitleid ist ein schlechterer Grund als Geld?“

„Du bist ein Idiot, Jimmy.“ House’ Stimme klang fast verblüfft, dass diese schwachsinnige Bemerkung ausgerechnet von einem Mann kam, der ihn eigentlich besser kennen sollte.

Wilson hob verlegen den Kopf, sah ihn an – und zuckte fast vor der Intensität zurück, mit der sich die blauen Augen wieder in seine bohrten. Er musste hier raus. Als er ungeschickt aufstand, stieß er gegen den Couchtisch und seine Bierflasche fiel um.

„Verdammt, Wilson. Sieh’ dir diese Schweinerei an.“ House nahm angewiderte die Beine vom Tisch, bevor sie die sich rasch ausbreitende Bierlache erreichen konnte. Er stand ebenfalls auf, benutzte die Couch als Ersatz für seinen Stock, der nicht in Sicht war. Wieder versuchten seine Augen ihren Hypnosetrick.

„Tut mir leid.“ Wilson rieb sich über die Stirn. „Ich... ich muss jetzt wirklich gehen. Wir... sehen uns dann morgen im Krankenhaus.“

„Warte...“

Aber er wartete nicht. Nicht darauf, was House noch sagen oder tun oder erklären mochte. Er ging einfach nur. Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, stoppte er einen Moment unschlüssig, um zu überlegen. Er war so darauf konzentriert gewesen, der angespannten Atmosphäre zu entkommen, dass er kaum weitergedacht hatte. Sein Blick fiel glücklicherweise auf sein Auto und irgendwie kam sein Gehirn endlich wieder in die Gänge. Er holte tief Luft und ging die beiden Stufen hinunter. Er würde jetzt in sein Hotel fahren, lange und sehr heiß duschen, noch etwas trinken und dann schlafen gehen.

Und wenn sie sich morgen im Krankenhaus begegneten, würden sie so tun, als wäre dieser Abend nie passiert. Darin waren sie gut.

Auf dem Weg zum Wagen tauchte dann plötzlich ein Gedanke auf, den er nicht so einfach abschütteln konnte. Warum zum Teufel hatte House dann überhaupt dieses verdammte Stethoskop an die Tür gehängt, wenn er offenbar nicht mit seinem Auftauchen gerechnet hatte?

Ende

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Dr. James Wilson: [enters House's apartment after waiting for hours outside his door] Where's... the hooker, I assume?
Dr. Gregory House: [points at his own head] Right up here, buddy.
Dr. James Wilson: You said... you'd hang the stethoscope if you were having sex.
Dr. Gregory House: I didn't say it had to be with another person.
[Wilson makes totally grossed-out face]
Dr. Gregory House: Can you think of anything that would tie together anaphylaxis and heart failure?
Dr. James Wilson: No… I was waiting out there - for hours!
Dr. Gregory House: Well, I need a lot of foreplay. And then there's the cuddling afterwards…

Zitat Quelle: IMDB.com /House MD /2.15 Safe /Quotes
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