Trust each other

von Miaka
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
28.01.2018
09.12.2018
11
48208
9
Alle
16 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
9. Das Ende des Friedens


18. Juni 1996
Der dunkle Lord war zornig, er konnte es spüren. Lucius wusste nicht viel über das, was in der Mysteriumsabteilung des Ministeriums geschehen war, doch das was er erfahren hatte reichte aus. Das und das Kribbeln in seinem linken Unterarm.
Nur noch ein dünnes Netz feiner, weißer Narben zeugte von dem dunkel Mal, das einst dort eingebrannt gewesen war und doch schien es, als sei die Verbindung zu Voldemort immer noch nicht vollständig erloschen. Er fühlte die unbändige Wut seines ehemaligen Herren wie ein hässliches Zwicken unter der Haut. Offenbar rief er nach seinen Dienern und tobte vor Zorn.
Lucius presste die Hand auf den Arm und wünschte es würde endlich aufhören. Aber nicht nur dieses widerliche Gefühl bescherte ihm Übelkeit. Voldemort war wieder auf der Bildfläche erschienen und die Aktion ihm Ministerium war der Auftakt gewesen. Ihre Schonfrist war vorbei. Bald würden sie kommen.
Sie hatten sogar schon angefangen. Wenn er daran dachte was diese Umbridge seinem Sohn in Hogwarts angetan hatte überschattete sein Zorn sogar den des Dunklen Lords. Sollte er diese Frau jemals in die Finger bekommen würde er sie häuten!
Die Bücherregale an den Wänden seines Arbeitszimmers begannen zu wackeln und auch der wuchtige Schreibtisch aus Mahagoni erzitterte unter seiner Wut. Magie füllte den Raum, drückte gegen Boden, Decke und Wände, griff nach dem Mobiliar, ließ seine Haare wirbeln und zupfte an seiner Haut. Eine Stapel Papiere rutschte vom Schreibtisch, eine kleine goldene Briefwaage folgte. Seine zorngepeitschte Magie ließ die Kerzen verlöschen und die Dunkelheit der Nacht nahm den Raum in Besitz. Lucius atmete tief ein und aus, fing sich und beendete den Spuk. Ein Fingerschnippsen entzündete die Kerzen von neuem und goldenes Licht vertrieb das Dunkel. Wenn sich die Dunkelheit in seinem Inneren doch nur auch so leicht vertreiben ließe. Er verlor die Beherrschung zu oft in letzter Zeit. Er wusste warum, verstand seine Gefühle und dennoch ärgerte er sich über sich selbst. Es stand einem Malfoy nicht an so tief zu sinken. Aber andererseits... war er nicht schon längst am Tiefpunkt angelangt? Was machten da schon ein paar unbeherrschte Ausbrüche unkontrollierter Magie, wenn er doch ohnehin sein ganzes Leben außer Kontrolle war?
Er saß immer noch auf seinem Anwesen fest und wartete darauf, dass die Diener seines ehemaligen Herren kamen um seinen Kopf zu holen, der nur unter dem von Harry Potter und Albus Dumbledore auf Voldemorts Todesliste stand, derweil er seinen einzigen Sohn ohne Unterstützung in Hogwarts in den Fängen von Dolores Umbridge zurückgelassen hatte und Narzissa....
Dracos erschöpfte und blutverschmierte Eule war ihnen an diesem Tag im Park des Anwesens förmlich vor die Füße gestürzt. Narzissa hatte ihr fast panisch den Brief entrissen ohne auf den flatternden und fiependen Vogel zu achten. Mit zitternden Fingern hatte sie das Pergament entrollt und zu lesen begonnen, während er über ihre Schulter hinweg mitlas und sein Entsetzen mit jedem Satz größer wurde.
Kaum hatte seine Frau den Brief zu Ende gelesen, hatte sie darauf bestanden Draco abzuholen und er, er hatte sich dasselbe gewünscht. Aber es war nicht möglich. So heftig wie an jenem Tag hatten sie sich noch nie gestritten.
„Zissa, liebes wir können ihn nicht abholen! Hogwarts ist auch ohne Dumbledore immer noch sicherer als das Manor, sie warten doch nur darauf dass wir einen Fehler machen! Das war vor allem anderen eine Provokation. Hast du den Brief nicht gelesen? Das waren nicht Umbridges Fragen, das waren Voldemorts Fragen! Sie wissen....“
„Du hast gesagt Hogwarts sei ohne Dumbledore wie ein offenes Tor“ hatte sie gefaucht, die Wangen vor Aufregung gerötet. „Sieh nur was sie mit ihm machen und dabei sind die Todesser noch nicht mal einmarschiert!“
„Sie werden auch nicht einmarschieren“ hatte er wütend erwidert. „Sie sind nicht bereit und genauso wenig sind wir bereit irgendeinen Zug zu machen.“
„Aber du kannst doch nicht einfach zulassen dass sie Draco dort quälen! Er ist unser Junge, Lucius, unser einziger Junge! Mein Baby...“
Ihre Worte hatten ihm einen Stich versetzt. Ja, wie konnte ein Vater seinen Sohn an einem solchen Ort lassen? Die Antwort war einfach. Wenn es keinen besseren Ort gab.
„Dann flüchten wir!“ hatte Narzissa schließlich gesagt. „Wir flüchten, nach Frankreich, Spanien oder viel weiter weg!“
„Wir können nicht gehen“ hatte er dagegengehalten. „Jetzt nicht mehr.“
„Stellst du das alles hier etwa über deine Familie?“ Ihre Arme umfassten das Manor, mit einer Hand deutete sie auf die Zentauren, ihre Stimme bebte vor Wut.
Kurz hatte ihm der Atem gestockt, dann hatte er ihr Handgelenk gepackt.
„Wie kannst du es wagen!“ hatte er geknurrt, bevor er sich besann und sie losließ. Seine Finger hatten rote Abdrücke auf ihrer hellen Haut hinterlassen.
Er hatte ihr zu erklären versucht, weshalb sie genau jetzt keine Flucht wagen konnten, doch seine Worte hatten seine Frau in ihrer Angst nicht erreicht. Stattdessen war sie noch wütender und panischer geworden, ebenso wie er selbst immer zorniger wurde und am Ende diskutierten sie, bis sie beide schrien.
„Du bist meine Frau und Draco ist mein Sohn und ihr werdet beide tun was ich euch sage!“ hatte er sie zu guter Letzt angeherrscht und Narzissa hatte ihn mit einem Ausdruck solch tiefer Verachtung in den Augen angesehen, dass es ihm das Herz zerrissen hatte. Dann hatte sie zu weinen begonnen und tagelang nicht mehr damit aufgehört und mit ihm hatte sie seitdem kaum noch gesprochen.
Sie übte auf dem Schießstand, doch ansonsten hatte sie sich in den Gästeflügel des Anwesens zurückgezogen und ließ sich nicht mehr blicken und selbst Dracos nachfolgende Briefe, in denen er ihnen versicherte, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ginge änderten nichts daran.
Der Streit mit ihr schmerzte und ihre Abwesenheit noch viel mehr. Bei allem was bis jetzt passiert war hatten sie immer einander gehabt und nun fühlte er sich so allein wie nie zuvor.
Mit einem nachlässigen Schlenker seines Zauberstabes ließ Lucius die Papiere und die Briefwaage, welche infolge seines Wutausbruchs vom Schreibtisch gerutscht waren, zurück auf den Tisch schweben. Es war bereits tief in der Nacht, doch Voldemorts Wut hatte ihn wach gehalten, das Zwicken und Kribbeln in seinem Unterarm und das schrille Kreischen seines früheren Meisters, das ihm hin und wieder in den Ohren geklingelt hatte. Er war müde und doch wollte er nicht in sein Schlafzimmer gehen und dort, wie an jedem Abend in den letzten Wochen, ein leeres Bett vorfinden. Vielleicht sollte er noch einmal zu ihr gehen? Er war sich sicher, dass auch sie nicht schlief. Mit einem leisen Seufzer lehnte er sich in seinem Sessel zurück, legte den Kopf in den Nacken und starrte an die Decke, wie so oft in den vorangegangenen Nächten. Nein, das würde nichts bringen. Er hatte schon ein einige Male versucht mit ihr zu sprechen, ihr alles zu erklären und sich zu entschuldigen und jedes mal war er an ihrem tränenerstickten Schweigen gescheitert. Narzissa war eine starke Frau, das war sie schon immer gewesen, aber die Nachricht von Draco und die Tatsache, dass er nichts für ihren Jungen tat außer ihm Briefe zu schreiben, hatte das Fass nach allem was ihnen im Laufe des letzten Jahres widerfahren war zum überlaufen gebracht. Sie wusste, dass das was er tat im Grunde das richtige war, doch als Mutter konnte sie seine Entscheidung dennoch nicht akzeptieren.
Lange silberblonde Haare rutschten über seine Schulter nach hinten, als er den Kopf zur Seite drehte und nun die Bücherregale an den Wänden anstarrte, die stumm im Halbdunkel dastanden. In zwei Wochen war das Schuljahr vorbei und er würde Draco endlich nach Hause holen und das würde hoffentlich auch Narzissa wieder glücklich machen.
Plötzlich öffnete sich die Tür zu seinem Arbeitszimmer. Ruckartig setzte Lucius sich auf und griff nach seinem Zauberstab. Narzissa stand, gekleidet in einen dünnen weißen Morgenmantel, in der Tür wie ein Gespenst. Er ließ den Stab sinken.
„Ich konnte nicht schlafen“ sagte sie. „Du hast es doch auch gehört... der Kampf in der Mysteriumsabteilung? Natürlich hast du es gehört...“ Nervös fuhr sie sich durch das lange blonde Haar, dass ihr zerzaust über die Schultern hing, ihr Gesicht war bleich wie Milch.
„Du wirst ihn doch abholen? Draco? Vom Zug meine ich.“ Ihre Stimme zitterte.
„Was?“ In seiner Überraschung ob ihres plötzlichen Erscheinens begriff er zuerst nicht wovon sie sprach, dann verstand er.
„Selbstverständlich hole ich ihn vom Zug ab! Wie kannst du nur denken ich würde unseren Sohn alleine in London umherwandern lassen? Als ich ihn trotz Dumbledores Abwesenheit und Umbridge in Hogwarts ließ hatte ich meine Gründe, aber...“
„Ich weiß es, ich weiß es doch!“ unterbrach sie ihn aufgebracht.
„Du weißt es also“ sagte er kühl.
„Lucius, ich...“ Unsicher stand sie im Türrahmen. Er musterte sie, wie sie dastand, weiß und zerbrechlich, fast durchscheinend wie ein Geist. Anfangs war er ihr böse gewesen. Zuerst weil er dachte dass sie nichts begriffen hatte und später dann, weil er wusste dass sie es verstand und ihn trotzdem mit Verachtung strafte. Als sie ihm dann eben diese Frage stellte und ihm damit, beabsichtigt oder nicht, wieder Teilnahmslosigkeit unterstellte, war erneut Ärger ihn ihm aufgewallt, doch jetzt wo er sie so ansah verblasste alle Wut. Er konnte sie ja verstehen. Draco war auch sein Sohn und er liebte ihn nicht weniger als sie es tat.
„Komm her“ befahl er.
Sie betrat das Zimmer, kam um den Schreibtisch herum und er drehte sich in seinem Sessel zur Seite. Als er nach ihrer Taille griff wich sie nicht aus und so zog er sie auf seinen Schoß. Erschreckt musste er feststellen, dass sie noch dünner geworden war.
„Du wirst ihn doch abholen?“ wiederholte sie. Er drückte sie an sich, lehnte seine Stirn an die ihre und sie schlang ihm die Arme um den Hals.
„Natürlich werde ich ihn abholen, Liebste“ flüsterte er.
„Es tut mir leid“ flüsterte sie zurück.
„Ich weiß, mir auch. Ich wollte...“
„Du musstest es tun, aber ich...“
Lucius unterbrach sie mit einem Kuss. Mehr Worte waren nicht nötig. Sie erwiderte den Kuss, klammerte sich an ihn und ließ auch nicht los als er schließlich aufstand und sie aus dem Zimmer trug. Sie war leicht wie eine Feder. Er trug sie die Flure entlang bis zum Schlafzimmer, ein Schnippen mit dem Zauberstab tauchte den Raum in flackerndes Kerzenlicht. Lucius setzte sie auf dem Bett ab und ließ sie gerade lang genug los um sich seiner Kleider zu entledigen. Narzissa wand sich aus ihrem Morgenmantel und schlang die Beine um seine Hüften als er zu ihr ins Bett kam.
Später lag sie in seinen Armen, er lauschte auf ihren leisen Atem und drückte dann seine Nase in ihr Haar. Seine Lippen streifen ihr Ohr.
„Ich werde ihn schon sicher nach Hause bringen, versprochen.“

30. Juni 1996
Lucius eilte über das Gleis neundreiviertel auf den Hogwartsexpress zu, die zwei vermummten Gestalten im Rücken. Er sah sich nicht um, aber er wusste, dass ihm die Todesser mit ein paar Schritten Abstand folgten. Wer genau sie waren konnte er nicht sagen, aber er meinte aus dem Augenwinkel zumindest die schmutzig blonden Haare und die grausamen Züge von Thorfinn Rowle erkannt zu haben, einem Mann mit dem er früher im Dienste des Lords eng zusammengearbeitet hatte.
Um ihn herum standen oder liefen andere Eltern, die ebenfalls gekommen waren um ihre Kinder vom Schulzug abzuholen. Malfoy schlängelte sich so elegant wie möglich zwischen ihnen hindurch. Seine Verfolger würde er nicht abschütteln können, das wusste er, aber er konnte zumindest dafür sorgen dass die Masse an Leuten ihn verschluckte und seinen Rücken teilweise verdeckte. Noch hatte keiner der Männer hinter ihm den Versuch gemacht auf ihn zu zielen und einen Fluch abzufeuern. Lucius war sich nicht völlig sicher warum sie zögerten. Waren hier zu viele Menschen, zu viele Zeugen oder waren sie ohnehin nur geschickt worden um ihn zu verunsichern? Oder aber ihr Ziel war gar nicht er selbst sondern etwas ganz anderes? Jemand anderes?
Doch Rowle und sein Kumpan folgten ihm wie zwei Köter einem Steak und ließen ihn nicht aus den Augen.
Der Hogwartsexpress öffnete jetzt die Türen. Weißer Dampf quoll aus den Schornsteinen der Lok und hüllte das Gleis ein, Schüler strömten aus dem Zug in den umnebelten Bahnhof. Lucius fluchte leise und ging schneller, die Hand in seinem Umhang umklammerte seinen Zauberstab fester. Er konnte die ganze Länge des Zuges nicht mehr überblicken. Zu viele Leute, zu viel Gewimmel und zu viel weißer Dampf. Wo war sein Junge?
Er musste Draco finden und sofort mit ihm apparieren. Lucius war sich mittlerweile sicher, dass Rowle und sein Kumpan nicht aufgrund der Chance hier waren Potter oder jemanden des Ordens zu erwischen, nein, sie waren wegen ihm hier und wegen seinem Sohn. War Voldemorts Zorn infolge der verpatzten Aktion im Zaubereiministerium so groß, dass er nun auch in der Öffentlichkeit wild um sich schlug und seine Todesser auf jeden hetzte der sein Missfallen erregte? Um ehrlich zu sein interessierte Lucius die Antwort auf diese Frage nicht wirklich. Die Gründe des Lords waren ihm gerade herzlich egal, denn die Konsequenzen zählten. Er musste Draco finden und zwar schnell!
Malfoy beschleunigte seine Schritte, spürte immer noch seine Verfolger im Rücken. Seine Augen huschten suchend über die Menge. Durch den Dampf der Lok und die Masse an Menschen konnte er kaum etwas sehen. Kalter Schweiß lief ihm den Rücken hinab und er konnte die Spitze eines Zauberstabes förmlich im Nacken spüren.
Lucius schob ein paar Leute vor sich grob zur Seite und sah sich hektisch um. Da! Ein weißblonder Haarschopf war vor ihm in der Menge aufgetaucht. Unverkennbares Weißblond.
„Draco!“ der herrische Klang in seiner Stimme sollte die Angst verbergen die ihn mittlerweile fest gepackt hatte.
Der Junge hob den Kopf und Malfoy eilte auf ihn zu. Aus den Augenwinkeln erkannt er Rowles Gestalt, jetzt schräg neben ihm, die den rechten Arm mit dem Zauberstab hob. Lucius brauchte zwei Sekunden um zu erfassen, dass der Stab nicht auf ihn zielte. Seine Augen weiteten sich in jäher Panik. Er hatte es seit dem Übergriff durch Dolores Umbridge irgendwie geahnt. Narzissa hatte mit ihrer Angst recht gehabt. Das war also Voldemorts neuste Strafe für seinen Verrat und seinen Widerstand.
Er hastete mit gezücktem Zauberstab nach vorn, rempelte ein paar Menschen an, stieß sie aus dem Weg und zu Boden. Bei Merlin, nein! Nicht sein Kind!
Rowles Grinsen blitzte irgendwo auf. Lucius erreichte seinen Sohn und packte ihn mit der Linken fest ab Oberarm. Verwirrt blinzelte Draco zu ihm auf.
„Vater, was...?“
Der Lichtblitz eines Fluchs zischte über die Köpfe der umstehenden Leute hinweg. Panik erfüllte den Bahnsteig als die ersten begriffen was hier geschah. Stimmen wurden laut, und ängstliche Hektik breitete sich aus, als jeder versuchte seine Familie zu finden und dann schleunigst die Flucht zu ergreifen.
Ein weiterer Fluch flog durch die Menge und verfehlte Draco nur um einige Zentimeter. Lucius wirbelte herum ohne den Jungen loszulassen und hob den Stab.
„Protego!“ fauchte er und die unsichtbare Schutzbarriere flimmerte vor ihm und Draco auf. Rowles Fluch prallte auf seine Verteidigung, doch der Zauber war zu stark für einen einfachen, hastig errichten Protego und durchschlug den Schild an Lucius linker Seite. Reflexartig stieß er Draco von sich fort, Blut spritzte als der Fluch seinen Arm traf. Er presste einen Deprimo hervor und sprengte damit das Gleis vor seinen Füßen ohne auf die anderen Menschen zu achten, die verschreckt und in Panik zu flüchten versuchten. Staub wirbelte auf und Geröll flog umher, verdeckte die Sicht auf ihn und Draco. Ein weiterer Lichtblitz rauschte durch die Luft, einen halben Meter an Malfoy vorbei und traf einen Mann hinter ihm, der kreischend zu Boden ging. Lucius stürzte auf seinen Sohn zu, packte ihn wieder am Arm und ignorierte den brennenden Schmerz der seinen eigenen hinaufschoss. Er hörte Rowles Todesserkollegen etwas rufen, dann wurden sie durch die Apparation fortgerissen.

Sie landeten taumelnd in einem Waldstück im Rücken des Manors. Lucius ließ Draco nicht los sondern zerrte ihn und den Koffer, den der Junge immer noch umklammert hielt, über die unsichtbare Grenze auf das Gelände des Anwesens und damit hinter die Schutzbarrieren. Blut rann seinen Arm hinab, die feuchte Wärme durchtränkte seinen zerfetzten Umhang und das zerrissene Hemd darunter. Er spürte es zwischen den Fingern von wo es langsam in Dracos Schuluniform sickerte. Sein Sohn zitterte am ganzen Leib, seine Augen waren groß und angsterfüllt, als Lucius endlich stehen blieb und sich zu dem Jungen umdrehte. Hastig musterte er sein Kind von oben bis unten, suchte nach Verletzungen und fand zu seiner Erleichterung keine. Dann drückte er Draco an sich.
Sein Sohn umarmte ihn ebenfalls, so fest wie er es zuletzt als kleines Kind getan hatte.
„Du blutest, Vater“ flüsterte er immer wieder mit erstickter Stimme. „Du blutest! Vater! Du blutest...“
„Das ist nicht schlimm, Draco“ sagte er leise. Genaugenommen war es ihm völlig egal. Sie waren hier und in Sicherheit und seinem Jungen war nichts geschehen. Das war alles was in diesem Moment für ihn zählte.
„Komm schon, lass uns zum Haus gehen. Deine Mutter wird krank vor Sorge wenn wir uns verspäten und wir haben viel zu besprechen,“ er atmete tief, „sehr viel zu besprechen.“ Mit einem Wink seines Zauberstabes verkleinerte er Dracos Koffer und drückte seinem Sohn das nun streichholzschachtelgroße Gepäckstück in die Hand. Der Junge stand wie versteinert da und starrte immer noch auf die blutige Wunde. Lucius klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter.
„Komm jetzt Draco, es ist halb so schlimm“ log er. Jetzt wo Adrenalin und Anspannung nachließen spürte er den Schmerz in seinem Arm immer deutlicher und hier draußen auf der Wiese fühlte er sich absurderweise wie auf dem Präsentierteller, obwohl London fast hundert Meilen von Wiltshire entfernt war. Er ging los und Draco folgte nach kurzem Zögern.
„Vater, was war das am Bahnhof?“ fragte er und schloss zu ihm auf. „Diese Todesser waren doch nicht zufällig da oder? Haben sie wirklich auf dich gezielt?“
Lucius warf seinem Sohn einen Seitenblick zu. Nein, dachte er, sie haben auf dich gezielt um mich zu bestrafen. Aber das würde er Draco nicht sagen, nicht jetzt.
„Ja“ antwortete er deshalb und gab dem Jungen mit einer vagen Geste zu verstehen, dass er mit seinen Fragen warten sollte. Stumm schritten sie nebeneinander durch den Park des Herrenhauses.
Auf halbem Weg zum Manor wurden sie entdeckt und Arden galoppierte ihnen entgegen. Draco zuckte zusammen, als er den großen Zentauren auf sie zu rennen sah. Er griff nach Lucius unverletztem Arm, während er mit der anderen Hand nach seinem Zauberstab tastete.
„Vater, da kommt ein Zentaur!“
„Lass den Stab stecken!“ wies Lucius seinen Sohn an. „Der Zentaur gehört zu uns.“
Draco ließ seinen Arm los und bedachte ihn mit einem ungläubigen Blick.
„Das da gehört zu uns? Aber wie...“
„Das erkläre ich dir gleich“ unterbrach er den Jungen. „Ich möchte, dass du dich ihm gegenüber höflich verhälst. Und mach den Mund zu, ein Malfoy steht nicht mit offenem Mund herum wie ein Fisch.“
Gehorsam schloss Draco den Mund und beobachtete mit eindeutiger Verwirrung wie der große Pferdemann näher kam. Lucius konnte es ihm nicht verübeln. Er hatte in seinen Briefen kein Wort über die Geschehnisse auf Malfoy Manor verloren, für den Fall dass sie abgefangen wurden und nachdem die Post der Schüler unter Dolores Umbridge offen kontrolliert worden war, hatte er es ohnehin nicht mehr tun können, selbst wenn er es gewollt hätte. Dracos Nachrichten hatten ihn immerhin hinlänglich davor gewarnt in welchem Ausmaß die Todesser das Zaubereiministerium bereits infiltriert hatten. Wenn das Ministerium erfuhr wer sich mittlerweile alles auf dem Anwesen aufhielt und was sie hier taten, so würde es auch Voldemort bald erfahren und Lucius wollte seinen ehemaligen Meister nicht dazu verleiten sie früher als nötig ins Visier zu nehmen.
„Meine Güte, Lucius, was ist passiert?“ fragte Arden entsetzt, als er Malfoys zerzauste Erscheinung und den blutverschmierten Arm sah.
„Wir wurden im Bahnhof am Hogwartsexpress von Todessern angegriffen als ich Draco abholen wollte“ erwiderte Lucius müde und gab ihm mit einem Blick zu verstehen, dass sie sie Einzelheiten später besprechen würden. Die Augen des Zentauren glitten zu dem Jungen hinüber und er streckte Draco die Hand entgegen.
„Schön dich auch endlich kennenzulernen“ sagte er freundlich.
Draco schlug etwas unsicher ein und murmelte leise eine Begrüßung. Arden nickte, wandte seine Aufmerksamkeit dann aber wieder Lucius zu.
„Wir müssen das verarzten“ bestimmte er. „Und am besten bevor Narzissa das mitbekommt und einen Herzanfall erleidet. Meine Frau und Fern kennen sich gut mit Heilkräutern aus. Komm mit und lass sie einen Blick drauf werfen.“
Der blonde Magier zuckte leicht mit den Schultern.
„Du würdest mich doch ohnehin nicht ohne Untersuchung gehen lassen“ seufzte er geschlagen. Vielleicht war es auch gar nicht so schlecht die Wunde untersuchen zu lassen. Sie blutete immer noch stark und schmerzte so sehr, dass er den Arm kaum noch belasten konnte. „Komm, Draco. Es wird Zeit, dass du ein paar Leute kennenlernst von denen ich dir in den Briefen nichts erzählen konnte.“
Auf dem Weg zu den Stallungen, in welchen die Zentauren ihr Lager aufgeschlagen hatten, berichtete Lucius seinem Sohn von den neuen Bewohnern des Anwesens und erklärte die geplante Verteidigung. Arden warf hin und wieder eine Bemerkung ein oder korrigierte seine Erzählung.
„Du siehst, mein Junge, wenn deine Mutter und ich allein geblieben wären, dann wären wir jetzt entweder verrückt oder tot oder in irgendeinem Versteck weit weg von hier“ beschloss Lucius seinen Bericht.
Draco sagte nichts, sondern ging nur still neben ihm her.
„Ich glaube das war zu viel für ihn“ murmelte Arden auf Malfoys anderer Seite leise. „Er muss das alles wohl erstmal verarbeiten.“
„Ich muss gar nichts verarbeiten“ warf Draco ärgerlich ein. Dann wandte er sich an Lucius. „Aber Vater, ich verstehe nicht wie du dich auf so etwas einlassen konntest. Hast du nicht immer gesagt Halbmenschen seien...“
„Draco!“ Lucius schnitt ihm in schneidendem Ton das Wort ab. Er wusste was der Junge hatte sagen wollen. Halbmenschen sind dumm, barbarisch und stehen nicht nicht mit einem Zauberer auf der selben Stufe. Es war auch kein Wunder, dass sein Sohn so dachte, hatte Lucius ihm solche Dinge doch höchstselbst eingetrichtert. Nur war es jetzt so, dass er selbst von seiner damaligen Überzeugung nicht mehr wirklich angetan war. Er hatte Arden und seine Herde kennengelernt und auch Heathrow und die Feen. Sie waren nicht dumm, auch nicht barbarisch oder weniger Wert, sondern höchstens anders. Und anders war nicht immer schlecht. Er würde seinem Sohn in Zukunft einige neue Dinge beibringen müssen.
Arden legte ihm die Hand auf die Schulter. „Mach dir keine Sorgen“ erklärte der Zentaur. „Ich weiß was du zumindest zu Anfang über uns gedacht hast und wir hielten dich ja auch für einen furchtbar arroganten Bastard.“ Er lachte.
„Und jetzt nicht mehr?“ erkundigte sich Lucius spöttisch. Der große Pferdemann zwinkerte. „Jetzt nur noch an schlechten Tagen, wenn du wirklich unausstehlich bist.“
Draco warf einen seltsamen Blick zwischen ihnen beiden hin und her und es war offenkundig dass er ziemlich neugierig darauf war zu erfahren, wie bei Merlin es dazu kommen konnte, dass sein Vater mit einem Zentauren herumscherzte. Dann riss der Junge die Augen auf, als er das Zentaurenlager erblickte.
Die Pferdemenschen in der Nähe kamen heran um sie zu begrüßen, doch Arden führte Lucius und Draco hastig in das Hauptgebäude der ehemaligen Stallungen damit das viele Blut keine Unruhe auslöste.
Die Zentauren hatten die lange, aus Holz und grauem Stein erbaute Halle komplett entkernt. In Pferdeboxen würden sie nicht schlafen, hatte Arden ihm bei ihrem Einzug erklärt und Lucius hatte es einfach hingenommen. Er würde ohnehin nie Pferde halten, die Innenausstattung des Gebäudes konnten ihm egal sein.
Lange Vorhänge aus gewebtem Stoff trennten nun einzelne Bereiche ab und in der Mitte war eine große Feuerstelle in den Steinboden gehauen worden. Die Wände waren teilweise mit kunstvollen Zeichnungen und Sternbildern bemalt und getrocknete Kräuter hingen von der Decke. Trotz der sommerlichen Hitze draußen war es im Gebäude angenehm kühl.
Arden hielt auf den hinteren Teil der Halle zu von wo ihnen bereits eine schlanke Zentaurin mit dunklen Augen und schwarzen Haaren entgegenkam.
„Das ist meine Frau Dayna“ erklärte er Draco und man konnte ihm seinen Stolz deutlich ansehen. Nach menschlichen Maßstäben hatten alle Pferdemenschen zu breite Gesichter und zu flache Nasen um als attraktiv zu gelten, doch Lucius war bereits aufgefallen, dass Dayna mit ihren feineren Gesichtszügen für eine Zentaurin außergewöhnlich hübsch war. Ebenso hübsch wie stolz.
„Sei höflich“ ermahnte er seinen Sohn noch einmal.
Die Zentaurin kam lächelnd auf sie zu, doch ihr Lächeln verblasste, als sie das Blut und die zerfetzte Kleidung bemerkte. Lucius überließ Arden die Erklärung und schließlich winkte Dayna sie in eine kleinere Nische zwischen zwei bunt bemalten Vorhängen, in welcher sich verschieden Tiegel und kleine Tongefäße stapelten.
„Setzen Sie sich bitte, Mr. Malfoy“ forderte sie ihn auf, während sie sich ihm gegenüber niederließ. Dann griff sie vorsichtig nach seinem Arm, zupfte die Reste seines Umhangs und seines Hemds beiseite und inspizierte die Wunde.
Die Verletzung an seinem Arm entpuppte sich als hässlich tiefe Schnittwunde. Dayna wusch sie aus, derweil der Zentaurenhäuptlig Draco dankenswerterweise ein wenig ablenkte indem er ihm lang und breit alle übrigen Zentauren vorstellte, die sich mittlerweile neugierig am Eingang der Nische versammelt hatten. Lucius besuchte das Lager der Zentauren nicht oft und so wunderte ihn der Andrang wenig und noch weniger ob seines desolaten Aufzugs. Der alte Fern kam herbei und trug ein kleines Schälchen mit einer dunkelgrünen Paste die ebenso widerlich roch wie sie aussah. Der Zauberer rümpfte die Nase doch der Zentaur lächelte nur.
„Ich weiß wie es aussieht, doch es wird helfen, glauben Sie mir. Es beugt einer Entzündung vor und verbessert die Heilung und wenn Sie in ein paar Tagen einen Heilzauber anwenden wird fast nichts mehr von der Wunde übrig sein.“
„Wenn mir der Arm abfault wird das Konsequenzen haben“ erwiderte Lucius nur halb im Scherz, steckte aber trotz seines Widerwillens den Arm aus. Als Fern die Paste auf der Wunde verstrich wurde aus dem vormals pochenden Schmerz ein heftiges Brennen. Tränen traten ihm in die Augen, doch er biss die Zähne zusammen um sich vor den Zentauren keine Blöße zu geben.
„Diese Kräutermischung brennt ein wenig“ informierte Dayna ihn reichlich spät und ignorierte den bösen Blick den er ihr daraufhin zuwarf geflissentlich. Nachdem Fern seine Arbeit beendet hatte wickelte die Zentaurin einen Verband um seinen Arm.
„Lassen Sie ihn bis morgen früh dran, danach machen wir Ihnen einen neuen.“
„Danke für eure Hilfe.“ Lucius wirkte einen Reparo auf seine zerrissene Kleidung und ließ anschließend die Blutflecken verschwinden, bevor er alles sorgsam über dem Verband zurechtzog.
„Fällt gar nicht auf“ kommentierte Arden nach einem prüfenden Blick.
„Spätestens heute Abend wird sie es merken.“
„Sie wird es sofort merken wenn wir das Haus betreten“ warf Draco trocken ein und sollte damit recht behalten.

Sie betraten das Haus über die Terrasse und kaum das die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war stürzte Narzissa auch schon in den Salon und auf Draco zu. Sie umarmte ihn lange und so heftig, dass er keuchte. Doch als sie sich schließlich von ihm löste und Lucius ansah wurde sie blass.
„Was ist passiert?“ wollte sie wissen, kam auf ihn zu und musterte ihn prüfend von Kopf bis Fuß. Ihre blauen Augen blieben an seinem linken Arm hängen. Lucius war klar, dass er sie nicht anlügen konnte. Mit knappen Worten beschrieb er, was am Bahnhof geschehen war. Narzissa wurde noch blasser. Ihr Blick zuckte zu Draco.
„Mama...“ begann dieser, doch Malfoy unterbrach ihn schnell.
„Ihm fehlt nichts, Liebling“ versicherte er seiner Frau. „Ich habe dir doch gesagt dass ich ihn sicher nach Hause bringen werde.“
„Sie haben dich getroffen“ stellte sie besorgt fest und er ließ zu, dass sie nach seinem Arm griff und den Ärmel hochschob.
„Die Zentauren waren so freundlich sich darum zu kümmern“ erklärte er den Verband und sie nickte, obwohl er ihr ansehen konnte, dass sie nicht zufrieden war. Sie würden sich später unterhalten.
„Ich werde es mir morgen früh ansehen“ bestimmte Narzissa, dann wurde ihr Blick düster. „Das bedeutet dann wohl, dass wir uns nun auf etwas gefasst machen können, nicht wahr?“
Lucius nickte unglücklich.
„Das bedeutete es. Aber lass uns morgen darüber sprechen, ja? Mit den anderen. Ich finde wir alle hatten für heute schon genug Aufregung. Ich für meinen Teil hätte jetzt gern einen guten Rotwein und ein vernünftiges Abendessen.“ Er warf Draco einen Blick zu.
„Ich habe auch Hunger“ meinte dieser und das lenkte Narzissa erfolgreich ab.
„Gut!“ sagte sie und klatschte in die Hände. „Dann geht euch umziehen, ich werde die Hauselfen gleich an den Herd schicken.“

Lucius verließ, gefolgt von seinem Sohn, den Salon.
„Zieh dir etwas ordentliches an“ wies er Draco an. Er duldete keine Schlampigkeit, egal wie die Dinge standen. Ein Malfoy hatte immer gut gekleidet zu sein und erst Recht beim Abendessen, selbst wenn dieses nur im Rahmen der Familie stattfand. Lucius zog den Zauberstab hervor und ließ Dracos Koffer wieder auf seine ursprüngliche Größe anwachsen, bevor den Jungen vor dessen Zimmertür im ersten Stock zurückließ. Dann machte er sich auf den Weg zu seinen eigenen Räumlichkeiten.
Im Bad zog er sich aus und ließ seine Kleidung achtlos auf den Boden fallen. Reparo hin oder her, er würde die Hauselfen anweisen die Sachen zu entsorgen. Dann präparierte er den Verband an seinem Arm mit einem wasserabweisenden Zauber und stieg unter die Dusche. Er ließ sich Zeit, während er vorsichtig die letzten Reste getrockneten Blutes von seiner Haut wusch und blieb länger unter dem heißen Wasserstrahl stehen als nötig.
Das warme Wasser entspannte ihn und als er nach der Dusche probeweise den verletzten Arm bewegte, stellte er fest, dass es sich schon viel besser anfühlte. Die Kräuterpaste der Zentauren schien zu wirken. Nur mit einem Handtuch um die Hüften durchquerte er das angrenzende Schlafzimmer und betrat den begehbaren Kleiderschrank. Angesichts des warmen Sommerabends ignorierte er die langen Roben und Umhänge und wählte lediglich eine dunkle Stoffhose und ein weißes Hemd.
Als er kurz darauf wieder im unteren Teil des Hauses ankam wehte ihm bereits der Duft des Abendessens entgegen. Narzissa hatte den Speisesaal vorbereiten lassen, wie sie es früher immer getan hatte und wartete am gedeckten Tisch auf ihren Mann und ihren Sohn. Sie hatte sich ebenfalls zum Essen umgezogen und trug nun ein Kleid aus dunkler slytheringrüner Seide, das am Saum und an den Ärmeln mit silbernen Rankenmustern verziert war. An ihrem Hals glitzerte ein schmales Diamantcollier. Obwohl es draußen noch hell war, brannten alle Kerzen im Saal und ließen ihre blonden Locken wie flüssiges Gold schimmern. Bei seinem Eintritt schenkte sie ihm ein strahlendes Lächeln.
„Draco wird gleich hier sein“ erklärte er bevor sie fragen konnte, drückte ihr im vorbeigehen einen sanften Kuss aufs Haar und setzte sich an seinen gewohnten Platz am Kopfende der Tafel.
„Du siehst wunderschön aus“ bemerkte er und leichte Röte breitete sich auf den Wangen seiner Frau aus.
„Nun ja, ich dachte es gibt einen Anlass“ erklärte sie. Dann griff sie über den Tisch hinweg nach seiner Hand. Ihre Finger strichen sachte über seinen Handrücken.
„Schmerzt es sehr?“ Lucius schüttelte den Kopf.
„Nein, mach dir keine Sorgen. Womit mich die Zentauren auch immer behandelt haben, es wirkt.“ Narzissa atmete erleichtert aus.
„Ich hätte dich begleiten sollen“ sagte sie dann.
„Nein!“ erwiderte er prompt und schärfer als beabsichtigt. „Nein, Zissa, bitte. Ich bin so froh dass du nicht dabei warst. Wenn sie dir etwas angetan hätten...“
„Stattdessen haben sie dir etwas angetan, während ich hier im Manor gewartet und nichts getan habe um dir zu helfen“ unterbrach sie ihn.
„Besser ich als du!“ beschied er und bedeutete ihr mit einem Blick, dass die Diskussion nun beendet war. „Ich dachte wir wollten heute Abend nicht mehr über derartige Themen sprechen“ erinnerte er seine Frau und sie stimmte halb lächelnd, halb seufzend zu. Lucius schnippte mit den Fingern und Hauself eilte mit einer Flasche Rotwein herbei um sie ihm zu präsentieren. Der Zauberer studierte mit einem kurzen Blick auf das Etikett Rebsorte und Jahrgang und gab dem Elfen dann mit einem Nicken zu verstehen, dass er ihnen einschenken durfte. Kaum, dass ihre Gläser gefüllt waren betrat Draco den Saal und setzte sich zu Lucius linker, gegenüber seiner Mutter. Malfoy betrachtete seinen Sohn kurz, dann wies er den Hauselfen an auch Draco ein Glas Wein einzuschenken. Narzissa bedachte ihn mit einem missbilligenden Blick.
„Er ist langsam alt genug und außerdem haben wir heute einen Todesserangriff überlebt. Das sollte Grund genug für ein Glas Wein sein“ sagte er.
„Lucius!“ Sie seufzte. „Haben wir uns nicht eben darauf geeinigt heute nicht mehr davon zu sprechen? Wenigstens diesen einen Abend?“ Er lächelte entschuldigend.
„Natürlich, liebes.“
„Dann solltet ihr mich auch besser nicht fragen wie es in der Schule war“ bemerkte Draco trocken und sah zu, wie die Hauselfen ihnen eine klare Rinderconsomme in feinen Porzellansuppenschalen servierten. „Ich bin wirklich froh, dass wir Umbridge losgeworden sind.“ Plötzlich lachte er auf. „Potter und Granger haben es irgendwie fertiggebracht sie in den verbotenen Wald zu locken, wo sie von der Zentaurenherde dort entführt wurde. Schade nur, dass ich keine Gelegenheit mehr bekam es ihr auch heimzuzahlen.“ Er nahm seinen Löffel zur Hand und griff mit der Linken nach dem Brotkorb. Lucius bemerkte nicht ohne Ärger die tiefe Narbe, die auf dem Handrücken der linken Hand seines Sohnes zu sehen war.
„Ich habe mittlerweile ein wenig Erfahrung mit Zentauren und ich kann dir versichern, dass sie keine angenehme Zeit hatte. Und sie wird auch keine angenehme Zeit haben, sollte sie mir jemals über den Weg laufen“ sagte er böse.
„Auf Entführung, Folter und Mord steht ein Aufenthalt in Askaban, Liebling“ warf Narzissa lächelnd ein. Lucius bedachte sie mit einer hochgezogenen Braue. Sie zuckte die Achseln und tunkte ein Stück Brot in ihre Suppe. „Ich habe schon kapituliert. Finde bitte ein Gesprächsthema in dem es nicht um den Krieg geht, ich bin mir sicher darüber verfügen wir schon gar nicht mehr.“
„Was hast du mit Umbridge vor?“ fragte Draco seinen Vater neugierig.
„Falls Voldemort besiegt wird und wir bis dahin überlebt haben lasse ich mir etwas einfallen“ erwiderte Lucius. „Etwas, das weder Entführung oder Mord oder Folter beinhaltet“ fügte er mit einem kurzen Seitenblick auf seine Frau hinzu. „Dabei hatte ich schon überlegt ob sich Constantin nicht über eine Mitbewohnerin freuen würde.“
Narzissa versuchte sich noch einen Augenblick lang an einer vorwurfsvollen Miene, lachte dann aber.
„Wer ist Constantin?“ wollte Draco wissen. „Der Vampir, der in unserem Keller wohnt“ erklärte Lucius und beobachtete amüsiert wie sich sein Sohn beinahe an seinem Wein verschluckte.
„Vater,“ begann er dann langsam, „kann es sein, dass ich ziemlich viel verpasst habe?“ Malfoy lachte leise und auch Narzissa kicherte.
„Nun ja, wir haben festgestellt, dass wir nicht die einzigen sind, die sich quasi auf der Flucht vor dem Dunklen Lord befinden und haben daher einige Leute eingeladen die uns beim Flüchten Gesellschaft leisten, das ist schon fast alles.“
Draco verdrehte die Augen, dann lachte auch er.
„Und ich dachte schon, dass es gar nicht mehr verrückter werden könnte.“
„Warts ab“ prophezeite Lucius. „Schlimmer geht es immer, wie wir alle erst kürzlich gelernt haben und verrückter auch.“
Die Hauselfen räumten die leeren Suppenschalen ab und trugen dann eine schwere Silberplatte mit in Butter gebratenem Lachs, sowie diversen Beilagen heran. Narzissas Wangen waren mittlerweile vom Wein leicht gerötet und sie lachte über eine Anekdote aus Hogwarts, welche Draco ihr gerade erzählte. Während ihm einer der Elfen ein Stück Fisch auf den Teller legte, ließ sich Malfoy Rotwein nachschenken und freute sich an der Normalität dieses Abends, selbst wenn es nur für heute war. Seine Frau und seinen Sohn entspannt und fröhlich zu sehen war mehr, als er sich erhofft hatte. Für einen Moment war die Bedrohung draußen fast vergessen.
„Luuuuuuuucy!“ Die Stimme hallte magisch verstärkt und leicht verzerrt über das Anwesen und doch hätte er sie überall und jederzeit erkannt.
Er sprang von seinem Stuhl auf, das Besteck fiel klappernd zu Boden. Narzissa und Draco starrten ihn entsetzt an.
Gefolgt von seiner Frau und seinem Sohn hastete er an ein Fenster im ersten Stock, von welchem aus er die Einfahrt hinunter bis zum Tor sehen konnte. Vor den Eisengittern erkannte er nur eine kleine schwarze Gestalt, doch er brauchte sie nicht genau zu sehen. Die Stimme reichte.
„Luuuuuuuuucy! Und du auch Zissa, du kleine Schlampe von einer Schwester! Der dunkle Lord kommt euch holen ihr Verräterschweine!“ Schrilles Gelächter begleitete ihre Drohungen. „In London seid ihr uns entwischt, Lucius, aber das wird euch wenig nützen. Wir kommen euch holen und dann werde ich dir höchstpersönlich die Haut abziehen, Zissa! Der dunkle Lord hat mir versprochen dass ich dich haben kann.“
„Lucius!“ Narzissas Finger krallten sich in seinen unverletzten Arm, derweil ihre Schwester draußen weiter kreischte und dabei hysterisch lachte.
„Vater!“ Draco starrte aus dem Fenster. Der Junge hatte die Augen weit aufgerissen. „Tante Bella, sie...“
„Macht euch keine Sorgen. Sie ist allein, sie kann hier nicht hereinkommen!“
Narzissa fasste seinen Arm fester.
„Sie wird aber nicht allein bleiben.“




                                                                                     
Auftritt, Bellatrix Lestrange.... und es wird nicht der letzte sein.
Lg Miaka
Review schreiben