I hit the ground, bang, bang

OneshotDrama, Angst / P12
27.01.2018
27.01.2018
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Es hat eine kleine Ewigkeit gedauert aber hier ist der nächste OS, auf den sich einige schon sehr gefreut haben ... ich hoffe es gefällt euch wieder ... ich freue mich auf eure Reviews!
glg Mina



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Atmen.
So etwas leichtes, gar natürliches, fiel ihr in diesem Augenblick unglaublich schwer. Sie versuchte ihre Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen. Mit den Händen auf den Oberschenkeln starrte sie blicklos ins Leere. Ihr Herz schlug hart und schnell und sie hatte zeitweilig das Gefühl, dass ihr Herz aus ihrer Brust herausbrechen wollte.

Atmen. Ein und aus. Ein und aus.

Atmen war etwas, dass man als selbstverständlich erachtete und worüber sich nur sehr wenige Gedanken machten. Sie taten es einfach. Sie atmeten. Ein und aus. Ein und aus. Es gehörte zum Leben dazu und verband so Mensch und Natur. Erst wenn einem diese Fähigkeit genommen wird, wir man sich seiner eigenen Sterblichkeit und Hilflosigkeit bewusst. Dabei war es vollkommen egal ob ein äußerer Einfluss Schuld war oder … man selbst. So wie es gerade in ihrem Fall war.

Abigail Bartlet drückte die Fingernägel in ihre Oberschenkel um sich selbst wieder unter Kontrolle zu bekommen. Sie konnte jetzt auf keinen Fall in Panik verfallen. Das durfte nicht passieren. Nicht jetzt. Bitte, jetzt nicht. Sie würde nicht mehr aufhören können zu weinen. Sie biss die Zähne fest aufeinander als sie bemerkte wie die schwarze Limousine langsamer wurde und schließlich zum Stillstand kam.

Ein und aus. Ein … und aus. Jeder einzelne, noch so flache, Atemzug, der ihre Lungen füllte, schien sie in zwei reißen zu wollen.

Die Tür zu ihrer Rechten wurde geöffnet und einer der Secret Service Agenten stand abwartend neben der Wagentür. Der Name des Mannes war ihr entfallen. Alles schien aus ihrem Kopf verdrängt worden zu sein. Namen zu vergessen oder zu verwechseln war sonst das Markenzeichen ihres Ma-

Abbey entfuhr ein leises, gequältes Wimmern. Auf der ganzen Fahrt über ins Krankenhaus hatte sie es tunlichst vermieden an irgendetwas zu denken, dass mit Jed zu tun hatte. Es war kein einfaches Unterfangen gewesen, doch ihr war es tatsächlich bis zu diesem Augenblick gelungen. Doch jetzt drängte sich alles wieder in den Vordergrund und verlangte von ihr beachtet zu werden. Sie schüttelte den Kopf und machte Anstalten den Wagen zu verlassen. Nicht jetzt, nicht jetzt. Warte noch, nur nicht jetzt. Sie war etwas wacklig auf den Beinen und ergriff daher dankbar die ihr dargebotene Hand des Agents.

Wortlos nickte Abbey dem Agent zu und atmete ein letztes Mal tief durch ehe sie mit festen Schritten die schmale Gasse entlang schritt, die andere Agents für sie durch das Meer von Reportern und Schaulustigen freizuhalten versuchten. Kameras blitzen. Leute schrieen und riefen ihr Fragen zu. Es war laut. So verdammt laut. Wie sie das ganze Chaos hatte nicht bemerkten können, war ihr unbegreiflich. Doch das war jetzt nicht weiter von Bedeutung. Innerhalb kürzester Zeit hatte sie das Krankenhaus betreten und wurde von mehreren Agents in den geräumten und gesicherten Flügel gebracht. Sie musste all ihre Willenskraft aufbringen um nicht los zu rennen. Die kleine Kolonne bog um eine weitere Ecke, die in einen langen Flur mit dutzenden von Türen überging. Vor einer dieser Türen standen mehrere Stühle und eine junge, blonde Frau saß, mit dem Gesicht in den Händen vergraben da.

„Eleanor!“

„Mom!“

Die Blonde schoss von ihren Stuhl und war innerhalb Sekunden auf ihre Mutter zugestürmt. Sie schlang die Arme fest um die ältere Frau und vergrub das Gesicht in ihrem Nacken. Sie schluchzte herzzerreißend.

„Sch, sch, alles wird gut, Ellie, alles wird gut. Ich bin ja da, Liebling“, raunte Abbey beruhigend ihrer Tochter zu während sie über ihren Rücken streichelte. Wenn sie mehr mit ihren Worten beruhigen wollte, sich oder ihre Tochter, vermochte sie nicht zu sagen. Abbey lehnte sich ein Stück nach hinten und legte eine Hand auf Ellies Wange. Braune Rehaugen voller Schmerz, Angst und Verzweiflung blickten sie an.

„Daddy, er … er ist verletzt … s-sie haben auf ihn geschossen.“ Eleanors Unterlippe zitterte und Tränen sammelten sich in ihren Augen. „Ich habe nicht … i-ich, ich ...“ Sie atmete zittrig ein. „Ich habe nicht bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Wir haben uns … gestritten und dann plötzlich hat Daddy mich gepackt und … es fielen Schüsse … i-ich … es tut mir so leid, Mom, es tut mir so leid.“

Abbey schlang die Arme fest um ihre Tochter, die anfing unkontrolliert zu schluchzen. Nichts, was sie sagen oder tun könnte, würde Ellie nun helfen. Sie musste es raus lassen. Egal wie sehr es ihr auch schmerzte. Sie war eine Mutter und eine Mutter wollte immer die eigenen Kinder vor jeglichen Gefahren und Schmerzen bewahren und beschützen. Und sie würden alles dafür tun. Mit ihrer Tochter in den Armen ging Abbey langsam zu den Stühlen hinüber und setzte sich. Ellie klammerte sich dabei an ihr als wenn ihr Leben davon abhängen würde. Sie selbst handelte als wenn jemand den Autopilot eingeschaltet hatte. Nichts als ihre Tochter nahm sie wahr und auf nichts anderes konzentrierte sie sich. Sie war so nahe dran, zu zerbrechen. Es fehlte nur noch ein klitzekleiner Schubs und sie würde vielleicht nicht mehr zurück finden.

Eine einsame Träne rann über die Wange der First Lady. Sie wollte stark sein. Ein Fels in der Brandung. Ein Leuchtturm in der Nacht. Sie wollte jemand sein, auf den ihre Familie bauen konnte. Auf den sich ihre Tochter stützen konnte. So wie sie es schon oft in der Vergangenheit gewesen war. Doch jetzt … doch jetzt konnte sie all das nicht mehr sein. Übelkeit stieg in ihr auf, so schnell und drängend dass sie augenblicklich aufsprang. Den besorgten Blick ihrer Tochter ignorierend stürmte sie den ganz entlang. Sie drückte die erstbeste Tür auf.

Die Herrentoilette.  

Egal, ihr war gerade alles egal. Sie musste … sie brauchte … Sie stürzte in die erste Kabine, fiel auf die Knie und übergab sich röchelnd. Glück für sie dass es auch hier Männer nicht so genau nahmen mit dem Schließen der Toilettenschüsseln. Nach schier endlos langen Minuten hatte sich ihr Magen wieder einigermaßen beruhigt. Mit einem leisen Seufzen lehnte Abbey sich gegen die Trennwand und schloss die Augen. Winkelte die Beine an und schlang die Arme um sie. Sie atmete flach durch ihre Nase ein und aus während sie versuchte das Gefühl der Übelkeit unter Kontrolle zu bekommen. Einige vereinzelte Tränen rannen über ihre Wangen, die sie hastig, gar schon wütend, wegwischte. Für so etwas hatte sie jetzt keine Zeit.

Schwerfällig stand Abbey wieder auf. Sie schloss die Toilette, spülte und verließ den Stall. Langsam trat sie auf eines der Waschbecken zu und vermied es das dabei sorgsam in den Spiegel zu schauen. Sie konnte sich lebhaft vorstellen wie sie aussehen musste. Mit diesem Anblick konnte sie jetzt nicht umgehen. Sie ließ kühles Wasser über ihre Hände laufen, spülte ihren Mund aus und entfernte so gut wie möglich die verlaufene Schminke. Was kein leichtes Unterfangen war, wenn man bedachte dass Abbey es tunlichst vermied in den Spiegel zu schauen.

Mit Sicherheit konnte sie nicht sagen wie viel Zeit vergangen war aber nach dem besorgten Blick ihrer Tochter zu urteilen war es länger als sie es beabsichtigt hatte.

„Mom.“ Eleanor sprang sofort auf als sie ihre Mutter sah und eilte auf sie zu. Sie schlang die Arme fest um die ältere Bartlet. Vergrub das Gesicht in deren Nacken. Es bedurfte keiner Worte zwischen den beiden Frauen. Sie hielten einander und spendeten sich in dieser schwierigen Zeit Trost.

Ein leises Räuspern riss die beiden Frauen aus ihren Gedanken.

Die First Lady wurde, wenn dies überhaupt noch möglich war, noch blasser um die Nase herum während ihre Tochter neben sie trat und die Hand ihrer Mutter wie ein Schraubstock umklammerte.

Der Mann, der zu ihnen getreten war, war groß, fast schon hager und hatte schütteres, schwarz graues Haar. Seine Augen glichen deren eines Adlers, scharf und unnachgiebig. Doch sein Blick … der Blick mit den er die First Lady bedachte war sanft, geradezu bedauernd. Abbeys Herz zog sich schmerzhaft zusammen und einige Sekunden lang hatte sie das Gefühl, das ihr Herz zu versagen drohte. Sie kannte diesen Blick. Sie kannte diesen Blick nur zu gut. Sie selbst beherrschte ihn und hatte ihn schon unzählige Male bei den Verwandten oder Hinterbliebenen eines Patienten benutzt. Und … oh Gott, ihr wurde wieder schlecht … Wäre Eleanor nicht gewesen, hätte sie sich hier und jetzt ein weiteres Mal übergeben müssen.

„Ma’am, ich bin Dr. Patton, der behandelnde Arzt ihres Mannes.“ Abbey fiel auf, dass er sie zwar mit ‚Ma’am‘ ansprach, jedoch Jed nicht als Präsidenten bezeichnete. Das machte es nicht leichter, nein, aber es war dadurch irgendwie … ja, doch, leichter. „Ich weiß nicht in wie weit Sie informiert wurden, aber ihr Mann wurde zweimal mitten in die Brust getroffen.“

Eleanor stieß einen Laut aus, der einem verwundeten Tier ähnelte. Fest klammerte sie sich an ihrer Mutter fest wobei Tränen unaufhörlich über ihre Wangen rannen.

„… wir haben es geschafft, die Kugeln zu entfernen und die Blutung zu stoppen aber … aber es steht nicht gut um ihren Mann, Ma’am …“ Dr. Patton räusperte sich und straffte die Schultern. Es schien ihm nicht gerade zu behagen, der First Lady seines Landes zu sagen dass der Präsident höchstwahrscheinlich sterben würde. Wer konnte ihm das verübeln. „Seine Vitalzeichen sind schwach. Er spricht kaum auf äußere Reize an …“ Er brach ab und übergab wortlos Abbey die Krankenblätter. Er tat ihr diesen Gefallen. Von einem Arzt zum anderen.

Während Dr. Patton sich unauffällig etwas zurückzog, durchblätterte Abigail die Krankenblätter. Sie kam sich vor als würde sie dies auf Autopilot tun. Die Zeilen verschwammen vor ihren Augen und erst als ihre Tochter ihr das Klemmbrett aus den Händen nahm, bemerkte sie dass ihre Hände zitterten. Erst als sie wieder auf dem harten Plastikstuhl saß, ließ sie ihren Tränen freien Lauf.

Danach war alles nur noch wie in einem dichten Nebel gehüllt. Die Secret Service Agenten wechselten sich in regelmäßigen Abständen ab. Ärzte und Krankenschwestern huschten über die Flure, gefolgt von den Mitarbeitern des Weißen Hauses. So viele Leute sprachen mit ihr und doch zählte nur die Hand ihrer Tochter, die sie fest umschlungen hielt. Nichts anderes zählte. Ihre Tochter war in Sicherheit. Ihr Mann hatte sie beschützt. Er hatte eines seiner kleinen Mädchen beschützt. Wie er es geschworen hatte zu tun. Wie er es oft aus Scherz gesagt und in ernsten Situationen getan hatte. Er hatte sie beschützt.

Ein lautes Piepen hallte durch die Flure wieder.

Hektisches Treiben und Rufe folgten.

Ihr Herz brach in tausende und abertausende Teile.

Abigail Bartlet drückte die Hand ihrer Tochter fester.

Eleanor Bartlet schluchzte herzzerreißend und rief nach ihrem Vater.

Und Josiah Bartlet … der bekam von all diesem Chaos und Schmerz nichts mit …
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