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through time and space

von smokes
CrossoverLiebesgeschichte / P12 / Gen
Abby Maitland Captain Becker Connor Temple Jess Parker OC (Own Character) Stephen Hart
26.01.2018
17.06.2018
3
16.661
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17.06.2018 5.874
 
Ich ließ mich neben die Trage fallen und stöhnte auf.
„Alles ok mit dir? Der Prädator hat dich ziemlich heftig erwischt.“ Abby sah sich meinen Rücken an. „Das Blut kommt schon durch die Jacke. Du brauchst einen richtigen Verband.“
„Ist schon ok. Ich bin schlimmeres gewohnt.“
Abby hielt Stephens Hand und hatte immer mal wieder Tränen in den Augen. Zwar kannte ich die Akten und Becker hatte mir erzählt was alles passiert war, aber das diese Menschen so sehr aneinander hingen und sich so nahe standen…Ich beneidete sie.
„Wo ist Cutter?“, fragte er und sah sich um. Abby erschrak und sah zu mir. Ich schüttelte den Kopf. Er musste jetzt noch nicht wissen, dass Cutter tot war.
„Später, Stephen. Sie müssen erst mal richtig verarztet werden und sich dann ausruhen. Dann klären wir alles weitere.“, sagte ich.

Im ARC angekommen erwartete man uns bereits.
„Machen Sie ein MRT und Röntgen Sie ihn komplett. Teilen Sie mir die Befunde mit und ich brauche bitte eine Schwester die sich meine Wunden anguckt und versorgt.“ Das medizinische Team umfasste zwölf Schwestern und zwei weitere Ärzte. Heute Morgen waren sechs Schwestern und einer der Ärzte da.
„Doktor Hodgons, ich bin Camille. Ich werde mir Ihre Wunden ansehen.“ Abby stützte mich und Camille folgte uns.
„Nennen Sie mich Robin. Es war ein Prädator. Becker hat einen Druckverband gemacht.“
„Okay, Robin. Wir sollten uns beeilen, der Verband wird nicht mehr lange halten. Sie haben ganz schön was ausgehalten.“
„Danke.“ Wir waren in der Praxis angekommen. Stephen war grade im MRT und der OP-Saal wurde vorbereitet. „Abby, kannst du Bones holen?“
„Klar doch.“ Sie lief raus, noch bevor sich die Tür wieder schloss kam Lester herein.
„Hodgons, alles ok mit Ihnen?“ Lester lief um die Liege auf der ich saß herum und besah sich meinen Rücken. „Autsch.“
„Mir geht es wesentlich besser als Stephen. Hab schon Schlimmeres überstanden. Danke, Sir.“
„Wie geht es ihm? Ist es sehr schlimm?“, er sah an uns vorbei in den Röntgenraum.
„Er ist noch im MRT. Aber ich schätze das Mindeste sind eine Gehirnerschütterung, mehrere Knochenbrüche und Fleischwunden. Von den psychischen Schäden mal ganz abgesehen. Und er hat nach Professor Cutter gefragt, Sir.“
„Verdammt. Flicken Sie ihn erst Mal wieder zusammen. Dann werden wir sehen wie es mit ihm weiter geht.“
„Ja, Sir.“
„Gute Arbeit, die Sie geleistet haben, Hodgons.“ Lester ging wieder.
„Aaah!“, sagte ich. Camille hatte grade die Jacke von den Wunden genommen und Desinfektionsspray auf meine Wunden gesprüht.
„Entschuldigen Sie.“ Ich tat alles mit einer wegwerfenden Handbewegung ab.
„Robin, ich hab dich schreien gehört, alles ok bei dir?“ Abby kam zusammen mit Bones reingestürmt. Bones türmte sich vor Camille auf und knurrte.
„Ist schon gut. Ist meine Schuld gewesen. Ssssccchht.“, beruhigte ich ihn.
„Wow! Der ist wirklich angsteinflößend. Ich habe zwar schon von ihm gehört heute, aber…Wow!“
„Ja, das ist Bones. Camille, wie schlimm ist es?“
„Ich muss einige Stellen nähen. Ansonsten sind es nur oberflächliche Wunden. Ich hole eben eine Betäubungsspritze u…“
„Nein.“, unterbrach ich sie. „Keine Betäubung. Je schneller wir hier fertig sind, desto eher kann ich Stephen behandeln. Nähen Sie schon drauf los.“
„Okay…Wie Sie meinen, Boss.“ Camille griff zu Nadel und Faden. „Sind Sie sich wirklich sicher?“, hakte sie noch einmal nach.
„Ja, los jetzt!“
„‘tschuldige, ich kann mir das nicht mit ansehen.“, meinte Abby und drehte sich weg.
Camille setzte an und begann die Wunde zu nähen. Jeder Stich tat weh, doch es war erträglich. Bones hatte seinen Kopf in meinen Schoß gelegt. Nach einigen Minuten sprühte sie noch mal Iod auf die Wunden und verband dann alles.
„Fertig. Aber Sie wissen ja, das Sie den Verband jeden Tag wechseln müssen.“ Camille stand auf und räumte die Sachen alle weg.
„Abby, kannst du mir bitte wieder in das Shirt helfen? Es tut ziemlich weh, wenn ich die Arme hebe.“
„Klar, warte.“ Sie kam rüber und half mir in einer etwas ungeschickten Aktion in das Shirt.
„Danke. Und das alles am ersten Tag…“, grinste ich. Sie grinste zurück, doch ihr Blick schlug sofort in einen besorgten um. „Was ist mit Stephen? Sie sehen nicht besonders froh aus.“, sagte sie zu dem Arzt der grade zu uns kam.
„Doktor Hodgons. Ich bin Doktor Jones. Wir haben ihn geröntgt und einen MRT gemacht. Er hat eine schwere Gehirnerschütterung, aber die ist nicht weiter schlimm. Allerdings hat er innere Verletzungen, sämtliche Rippen sind geprellt und sein linker Fuß ist gebrochen. Von den vielen Fleischwunden mal ganz zu schweigen. Momentan ist sein Zustand kritisch. Wir müssen sofort operieren. Fühlen Sie sich Imstande dazu, Doc?“
Abby war den Tränen nahe. Dass es nicht rosig für Stephen aussah, war ihr bewusst, aber das er so viele Wunden hatte…
„Natürlich kann ich operieren. Die Schwestern sollen den OP fertig machen. Würden Sie mir bitte Assistieren?“
„Sehr gerne.“ Er ging zu den Schwestern die alles vorbereiteten und zog sich den Kittel über. Ich hatte mir noch die Bilder vom Röntgen angesehen und wollte auch grade gehen, da hielt Abby mich fest.
„Rette ihn, bitte! Ich…Wir können ihn nicht noch einmal verlieren. Bitte Robin.“
„Ich werde alles in meiner machtstehende tun um ihm zu helfen. Du solltest dich ein wenig ausruhen. Setz dich mit Bones in die Cafeteria, trink einen Tee. Ich werde euch Bescheid geben, sobald wir fertig sind. Geh bitte, du kannst hier sowieso nichts weiter machen.“ Ich musste sie rausschieben. Dann zog ich endlich meinen Kittel an, ging in den OP und wir flickten Stephen zusammen.

Vier Stunden später kam ich mit einem blutverschmierten Kittel aus dem OP. Stephen war stabil, stand aber immer noch unter Narkose damit er sich erholen konnte. Zwei Schwestern schoben Stephen in das Patientenzimmer, die Anderen räumten den OP-Saal auf. Nachdem ich den Kittel entsorgt und Stephens Akte unter dem Arm hatte, war ich auf dem Weg zu Lester und dem Team. Becker und die anderen waren auch wieder zurück und warteten alle sehnsüchtig auf das Ergebnis.
„Hodgons, wie sieht’s aus?“ Lester sah sehr besorgt aus.
„Hey Jess, kannst du bitte mal auf die Dateien aus der Praxis zugreifen und sie auf den großen Bildschirm bringen?“
„Klar doch.“ Sie tippte kurz und dann befanden sich alle Bilder auf dem Bildschirm.
„Stephens linker Fuß ist gebrochen, wir haben seine Knochen fixiert und geklammert. Von der Gehirnerschütterung wird er zwar noch ein paar Tage Kopfschmerzen und Übelkeit haben, aber sie ist das aller geringste Problem. Einige der Wunden waren recht tief, aber mit ein paar Stichen sieht er wieder fast wie neu aus. Seine Milz ist gerissen und er hat ein stumpfes Bauchtrauma. Im Großen und Ganzen hat er noch Glück gehabt, allerdings wird er nach all dem eine Reha brauchen um sich langsam wieder aufzubauen. Er muss 24 Stunden unter Beobachtung stehen damit wir ausschließen können, dass wir innere Verletzungen übersehen haben. Ich habe mein Team darauf vorbereitet, allerdings werde ich auch hierbleiben.“
„Wirklich fantastische Arbeit, Hodgons. Aber mal ehrlich: Geht es Ihnen denn auch gut? Sie haben ganz schön was abbekommen. Vielleicht sollten Sie sich auch hinlegen.“ Lester war wirklich besorgt.
„Nein, Sir. Danke. Ich brauche keinen Schlaf. Ich war im Krieg und habe Schlimmeres erlebt.“
„Wir sind hier aber nicht im Krieg. Legen Sie sich hin, ruhen Sie sich aus.“
„Wenn ich mich jetzt hinlege, lasse ich mich gehen. Ich sollte ohnehin erst den Fallbericht schreiben.“
„Hodgons, das war ein Bef…“ Lester wurde vom Klingeln seines Telefons unterbrochen. Genervt ging er ran. „Ja?“… „Aha, ich verstehe. Jess, nehmen Sie die Videoverbindung an.“ Er steckte sein Handy wieder in die Innentasche seines Jacketts und sah auf den großen Bildschirm.
„Lester, schön Sie wieder zusehen. Wir hatten heute eine außerordentlich merkwürdige Anomalie im Grand Canyon. Oh, hi Robin! Ganz vergessen, dass du jetzt in London bist!“ Der Soldat auf dem Bildschirm war im Irak ein Kamerad gewesen und arbeitete – genau wie ich – seit einigen Jahren für das PEC. So hieß das ARC bei uns in den USA. Vor einem Jahr wurde er zu uns nach Arizona versetzt.
„Hi, Luke! Was war an der Anomalie so merkwürdig?“, fragte ich.
„Unsere Geräte haben uns keine spezifische Jahreszahl ausgespuckt. Aber immerhin sind keine Tiere durch das Tor gekommen. Allerdings ist hier jemand der unbedingt mit dem ARC in London sprechen wollte. Kommen Sie.“ Luke trat einige Schritte nach hinten und außerhalb des Bildes rumpelte es. Dann trat ein Mann ins Bild. Abby und Connor konnten es beide nicht fassen und weinten. Becker schluckte schwer und sogar Lester war den Tränen nahe.
„Cutter. Sie sind doch tot…“ Lester fand seine Stimme als Erster wieder.
„Danke, Lester. Ich habe Sie auch vermisst. Abby, Connor…Ihr seht gut aus. Becker.“
Connor und Abby waren fassungslos.
„Erklären Sie mir bitte wieso Sie nicht mehr tot sind.“ Lester bat um Aufklärung.
„Natürlich doch, nichts lieber als das. Ich bin am anderen Ende der Welt und mir sehr wohl bewusst, dass alles um mich herum in die Luft geflogen ist. Danach – nichts mehr.“ Cutter verdrehte die Augen und sah uns alle an. Sein Blick besagte, dass ihm ein Gesicht fehlte und den Rest des Teams nicht erkannte.
„Cutter, wie ist das möglich? Ich habe Sie doch…Moment…Ich kann mich nicht mehr daran erinnern was an Ihrem Todestag passiert ist. Kann sich einer von euch erinnern?“ Connor hatte endlich seine Sprache wieder gefunden.
„Genau. Mir ging es genauso.“ Cutter sah abwartend in die Kamera.
„Ich…ich kann mich auch nicht dran erinnern…“ Abby fing wieder an zu weinen.
„Verdammt…Niemand von uns kann sich daran erinnern.“ Lester hatte es ganz richtig erkannt.
„Professor Cutter, ich bin Robin. Ich arbeite auch hier im ARC, als Ärztin. Können Sie bitte erzählen woran Sie sich genau erinnern können?“
„Natürlich. Ich weiß eigentlich nur noch, dass im ARC irgendetwas explodiert ist und Helen auf mich geschossen hat. Sie ist abgehauen und ich hatte eine ziemlich schmerzhafte Wunde. Dann tauchte eine Anomalie neben mir auf und irgendetwas hat mich hineingesogen. Offenbar wurde ich ohnmächtig, denn als ich aufwachte fand ich mich in einem Bett wieder. Das war’s…Ach Lester, wann kann ich denn wieder zurück nach London?“
„Danke, Professor. Lester? Ich müsste gleich dringend telefonieren.“
„Natürlich, Hodgons.“, er nickte mir zu, ich wartete allerdings noch, bis die Videoverbindung beendet wurde. „Ich möchte Sie hier so schnell wie möglich wieder sehen. Lassen Sie Ihre Wunden verarzten und setzen Sie sich sobald Sie sich fit genug fühlen in einen Flieger.“
„Danke. Dann werde ich morgen in London sein.“
„Schön, wir erwarten Sie hier.“
Dann ging ich in meine Praxis. Bones folgte mir und Lester klärte noch einige Dinge mit Luke. In meiner Praxis schickte ich alle meine Mitarbeiter raus und griff zu meinem Handy. Meinem Bekannten am anderen Ende der Leitung erzählte ich was alles passiert war und bat ihn darum, sich das mal durch den Kopf gehen zu lassen. Danach erkundigte er sich noch wie es bei mir so lief, ich richtete an die Anderen liebe Grüße aus und legte auf. Bones sah zum Behandlungsraum in dem Stephen lag. Ich ging rüber, öffnete die Tür aber nicht. Ohne Schutzkleidung würde ich dort nicht reingehen. Seine Wunden durften sich nicht entzünden. Wenn man ihn so ansah, könnte man denken, dass er einfach nur schlief. Ich fragte mich ob er träumte und wenn ja so hoffte ich, dass es etwas Schönes war und kein Alptraum. Immerhin würden wir Stephen jetzt nicht mehr erklären müssen, dass Cutter tot war. Aber irgendetwas störte mich an den Ereignissen ganz massiv. Hier stimmte etwas nicht. Noch einmal sah ich zu ihm. Ohne die ganzen Wunden musste er ziemlich gut aussehen. Sofort verdrängte ich den Gedanken – aus mehreren Gründen. Zum einen, weil es kein geeigneter Zeitpunkt war um daran zu denken, dass er gut aussah. Zum anderen, weil diese Art von Gefühlen nicht an den Arbeitsplatz gehörte und weil ich mir geschworen hatte, von Männern Abstand zu halten. Becker kam rein und stellte sich neben mich.
„Alles klar bei dir? Siehst ein bisschen käsig aus.“
„Passt schon…Und bei dir? Ich mein wegen Cutter…Ihr wart befreundet, oder?“, fragte ich. Er setze sich auf einen Stuhl und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Ich ging vor ihm in die Hocke und sah ihn an.
„Tut mir leid, wenn ich da einen Nerv getroffen habe. Das wollte ich nicht.“
„Ist schon gut…Es ist nur alles wie ein bescheuerter Alptraum. Ich wurde dem Team zugeteilt um es zu beschützen und ich habe versagt, nicht nur bei Cutter. Wir dachten alle er wäre tot – er war tot. Und jetzt ist er wieder am Leben…Ich weiß nicht wie ich ihm unter die Augen treten kann.“
„Du kannst nicht überall zur gleichen Zeit sein. Das ist okay. Ich habe die Fallberichte gelesen, du hättest nichts weiter tun können. Helen war einfach besessen von ihrer Idee und sie hat vor nichts zurück geschreckt. Du hast dein Bestmöglichstes getan. Du darfst dir nicht einreden Schuld an Cutters Tod zu sein und du bist genauso wenig Schuld an Sarahs Tod.“ Er sah mich erschrocken an. „Ich habe alle eure Akten und eure Fallberichte gelesen. Lester hat mich nicht nur als Notärztin angestellt. Er wollte ein psychologisches Gutachten von euch allen haben. Damit ihr auch in Zukunft die Welt retten könnt. Und du darfst dir nicht die Schuld an den Toden deiner Freunde geben. Am Ende bekommst du noch PTBS und dann darfst du nicht arbeiten…Und ich will keinen neuen Partner…“ Er grinste und richtete sich wieder auf.
„Danke.“, ich schüttelte den Kopf. „Nein wirklich, ich danke dir von ganzem Herzen. Jemand wie du hat in unserem Team noch gefehlt.“ Er boxte mich in die Schulter.
„Jemand wie ich?“, hakte ich nach.„Jemand, der die Welt positiv sieht und uns runterholt wenn wir Probleme haben. Jemand der selbst schon so viel Leid, Elend und Tod miterlebt hat, dass er weiß, wie man damit am besten umgeht. Und jemand mit dem man sich auf Anhieb versteht.“
Jetzt war ich es die ihn in die Seite boxte. Allerdings tat es mir mehr weh als ihm. Matt kam rein und erkundigte sich nach Stephens Zustand. Dieser hatte sich jedoch nicht weiter verändert: Seine Herzfrequenz war stabil, die Blutwerte in Ordnung und er schlummerte noch immer. Zusammen verließen wir die Praxis. Zuvor hatte ich allerdings noch mein Tablet mit den Geräten synchronisiert die an Stephen hingen. Becker und ich setzten uns in die Cafeteria und schrieben unsere Fallberichte. Kurz bevor ich fertig war bat mich Lester in sein Büro. Ich tippte noch schnell die letzten Sätze und folgte ihm dann.
„Haben Sie jemanden erreicht?“
„Natürlich. Ich habe mit meinem Urgroßvater gesprochen. Er nimmt sich der Sache an. Die Daten aus Arizona hat er bereits, er braucht nur noch die Daten von unserer Anomalie. Und Sie wissen ja, wenn es in Eureka niemand herausfindet, dann findet es auch niemand sonst heraus.“
„Sehr gut. Wollen wir hoffen, dass Ihre intelligenten Freunde das Geheimnis lüften können. Haben Sie mir Ihren Fallbericht bereits geschickt?“
„Grade eben. Sir, danke, dass Sie es niemandem gesagt haben.“
„Ihr Vater war dies bezüglich sehr nachdrücklich. Und ich kann Sie verstehen.“ Damit war unser Gespräch beendet. Zurück in der Cafeteria saßen alle zusammen und gönnten sich eine Pause.
„Hey. Sag mal, was frisst Bones eigentlich? Ich habe ihm den Rest von meinem Roastbeef Sandwich gegeben, aber er leckt nicht mal dran.“ Connor war gekränkt, dass Bones sein leckeres Sandwich verschmäht hatte.
„Er frisst rohes Fleisch, Obst, Gemüse und Aas. Noch besser ist es wenn er es selbst erlegen kann.“ Matt und Becker schmunzelten und Abby leuchtete es ein. Aber Connor, Jess und Emily wurde ein wenig schlecht.
„Ist das dein ernst?“, quickte Connor.
„Denk doch mal nach, Connor. Er ist eigentlich auch sowas wie ein Saurier. Vermutlich verträgt er alles andere nicht einmal.“ Abby knuffte ihn in die Seite. Natürlich wusste ich, dass die beiden ein Paar waren, sie waren ja sogar verlobt. Aber selbst wenn ich es nicht gelesen hätte, so hätte ich es spätestens jetzt herausgefunden.
„Richtig. Grundsätzlich ist er ein Allesfresser, aber das Dosenfutter verträgt er nicht und ich finde es auch nicht besonders schmackhaft. Es ist zwar teuer so viel Fleisch einkaufen zu müssen, aber naja…“
„Wie viel frisst er denn am Tag?“ Becker war interessiert, Abby sowieso.
„Ein Kilo reines Fleisch, dazu kommen Obst oder Gemüse über den Tag verteilt als Leckerchen.“
„Also wenn ich ihm jetzt eine Möhre gebe, dann…“, setzte Jess an und nahm eine Möhre vom Rohkostteller.
„Ja. Gib sie ihm und er wird dir auf ewig dankbar sein.“
Vorsichtig hielt sie die Karotte Bones hin und er nahm sie ganz vorsichtig.
„Er ist ja ganz vorsichtig.“ Jess freute sich und kraulte Bones dann noch hinter den Ohren.
„Natürlich. Er ist im Prinzip ein Hund, nur aus einer anderen Zeit.“
Wir saßen noch einige Zeit zusammen und redeten. Ich lernte sie alle besser kennen. Dabei kam auch raus, dass Matt und Emily ebenfalls ein Pärchen waren und ich bemerkte Jess‘ sehnsüchtige Blicke immer wenn sie Becker ansah. Es war interessant zu hören wie sie sich alle zusammen gerauft hatten und wie es für Abby und Connor in der Kreidezeit war. Sie erzählten mir auch von Stephen, Cutter, Sarah und Danny. Sie hatten alle viel durchgemacht und viel erlebt. All das hatte sie zu einem richtigen Team zusammen geschweißt und verband sie eng miteinander. Mittlerweile war es fast Nachmittag und wir gingen alle in unsere Labors zurück. Connor bat mich ihn zu begleiten um die Simulation zu besprechen und zu erklären.
„Gibt’s ein Problem mit der Simulation?“, fragte ich als wir in seinem Labor waren.
„Nein, kein Problem. Die Installation ging einfach und schnell. Aber ich dachte mir, wenn wir doch auch genaue Daten und Bilder aus den anderen Zeiten haben, könnten wir doch auch eine Art Überlebenstraining basteln, oder?“ Er war begeistert und wuselte hin und her. Bones dachte es wäre ein Fangspiel und lief ihm hinterher und haute mit der Pfote gegen Connors Beine. „Aua. Das tut weh!“.
Lachend nahm ich mein Handy aus der Tasche und notierte auf einem leeren Blatt eine Nummer. „Das ist die Nummer des Entwicklers. Sag ihm, dass ich sie dir gegeben habe und er dir helfen soll. Sein Name ist Zane Donovan.“
„Alles klar, danke. Ich dachte du hättest das Programm entwickelt…“
„Nein, von Computertechnik verstehe ich nicht allzu viel. Ich habe geholfen die Waffen zu entwickeln mit denen wir in der Simulation schießen und die Daten der Tiere und Pflanzen eingespeist, alles andere ist Zanes Werk.“
„Okay. Danke noch mal! Oh und du sollst zu Abby kommen, sie wollte mit dir über irgendwas reden.“
„Dann geh ich mal. Viel Spaß und lass dich nicht von ihm verarschen, er ist ein Scherzkeks. Grüß ihn von mir.“
Bones folgte mir zu Abby und begrüßte seinen neuen Freund Rex.
„Hey, du wolltest mich sehen?“
„Ja, komm rein!“ Sie schloss die Tür hinter uns und setzte sich hin. „Also…Du weißt ja, dass Connor und ich heiraten wollen. Und weil du ja schon jetzt zu unserem Team gehörst und einem von uns das Leben gerettet hast…Und weil ich dich mag…Wollen Connor und ich dich bei unserer Hochzeit dabei haben. Die offizielle Einladung bekommst du morgen. Du kommst doch, oder?“
„Wow! Natürlich komme ich zu eurer Hochzeit! Danke!“ Ich ging um den Tisch zwischen uns und umarmte sie. „Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet…Nicht an meinem ersten Tag.“, gab ich zu.
„Wie ich schon sagte, du hast bewiesen, dass du zu unserem Team gehörst. Außerdem hat mir Becker von eurer Unterhaltung erzählt. Du gehörst jetzt zu uns.“ Triumphierend grinste sie. Während wir noch weiter redeten – ich wollte wirklich alles über ihre Lovestory erfahren – spielten Bones und Rex fangen, wobei Rex immer gewann.
„…und ich hatte die Hoffnung wirklich schon aufgegeben, als sich die Anomalie wieder öffnete. Das war einfach wow. Und wir waren schon mal froh, dass wir zwischen Häusern rausgekommen sind. Tja, und das war’s eigentlich auch schon. Den Rest kennst du ja.“
„Das ist eine Wahnsinnsgeschichte. Bin fast ein bisschen neidisch.“
„Was ist mit dir? Hast du jemanden?“
Ich seufzte. „Es gab da jemanden…Aber ich hätte mich sehr stark für ihn verändern müssen und seine Familie ist…Anstrengend.“
„Das tut mir leid. Aber vielleicht findest du hier ja jemanden. Wer weiß, vielleicht sogar jemanden aus dem ARC.“ Sie lächelte. Die nächsten Stunden half ich ihr dabei, Proben auszuwerten. Es machte wirklich Spaß mit Abby zusammen zu arbeiten. Irgendwann kam Connor aufgeregt ins Labor gelaufen.
„Abby! Robin hat mir die Nummer von dem Entwickler der Simulation gegeben und er findet meine Idee super! Oh, hi Robin.“
„Das klingt doch super! Wieso bist du dann so aufgeregt?“ Abby umarmte Connor, sie freute sich wirklich sehr für ihn.
„Er kommt hierher. Ich mein der Typ ist wirklich ein Genie! Er will das Programm zusammen mit mir neu kalibrieren. Das ist total cool.“ Wenn Zane hierher kam, dann hatte Connor tatsächlich eine geniale Idee.
„Wow, Connor! Zane verreist nicht besonders gerne außerhalb von Amerika. Du scheinst da auf etwas gestoßen zu sein.“
„Das ist fantastisch!“
Connor war furchtbar aufgeregt und lief nervös durchs ganze ARC.
„Wer ist dieser Zane?“ Abby sah mich mit diesem vielsagenden Blick an.
„Zane…Er wohnt in meiner Heimatstadt und ich habe in dem Unternehmen in dem er Arbeitet mal ein Praktikum gemacht. Und er ist mit meiner besten Freundin verlobt.“
„Ah, ich dachte schon er wäre dieser eine Typ.“
„Nein, nein. Wir sind nur Freunde und das ist auch gut so.“ Grade als ich weiter reden wollte, piepte mein Tablet.
„Ich muss los. Stephen wacht auf. Ich melde mich sobald ich was weiß!“ Dann sprintete ich los. Bones blieb bei Abby.

„Hey, Doc. Er wacht langsam auf. Schmerzmittel stehen bereit.“
„Gut, dann wollen wir mal schauen wie es ihm geht.“
Ich zog mir die Schutzkleidung an und ging mit Tablet ins Behandlungszimmer, stellte die Dosis der Schmerzmittel ein. Noch war Stephen im Delirium, aber er würde sehr bald aufwachen. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, legte wieder einmal die Füße hoch und dachte nach. Es war Monate her, dass ich zuhause war. Seit der New-Dawn Anomalie wurde ich von der amerikanischen Regierung voll eingespannt und hatte keine Zeit mehr bei meinen Freunden und Verwandten vorbei zu schauen. Ich vermisste sie alle sehr. Am meisten vermisste ich das Essen dort.
„Hallo? Ist da jemand?“ Stephen war wach und wollte sicherlich Antworten haben. Schnell ging ich zu ihm.
„Stephen, schön, dass Sie wach sind. Ich bin Robin, erinnern Sie sich?“
„Ja…Sie waren im Wald und haben den Prädatoren erschossen.“
„Genau. Sagen Sie, haben Sie Schmerzen?“
„Mein ganzer Körper tut weh.“
„Keine Sorge, die Schmerzmittel fangen gleich an zu wirken. Ich muss Sie kurz abhören und abtasten. Wenn Sie an einer bestimmten Stelle Schmerzen haben, müssen Sie mir bescheid sagen. Okay…“
Stephen nickte und richtete sich ein wenig auf. Sein Herzschlag war normal. Als ich ihn abtastete schrie er fast jedes Mal auf. Aber es war ein gutes Zeichen, dass er im Bauchbereich keine Schmerzen hatte – er hatte keine inneren Blutungen mehr.
„Schön, Ihnen geht es soweit gut. Die Schmerzen lassen gleich nach. Ich spritze Ihnen jetzt ein starkes Schmerzmittel. Unter Umständen werden Sie ein bisschen müde sein. Haben Sie Hunger, Durst kann ich Ihnen sonst etwas Gutes tun?“
„Ist das nicht normalerweise Aufgabe der Schwestern?“
„Die Schwestern haben alle Feierabend. Sie müssen schon mit mir vorlieb nehmen.“
„Kann ich Abby, Connor und Cutter sehen? Ich habe so viele Fragen.“
„Abby und Connor kann ich Ihnen gerne vorbei schicken. Cutter ist in Amerika, kommt aber morgen wieder. Soll ich Ihnen auch ein Wasser bringen?“
„Gerne. Wieso ist Cutter in Amerika?“
„Das werden Ihnen Ihre Freunde sicherlich erzählen. Ich bin gleich wieder da.“ Ich nahm einen Umweg durch die Cafeteria und gabelte Connor und Abby in der Zentrale auf.
„Stephen ist wach und möchte euch sehen.“
„Wirklich? Connor, komm schon!“
„Sollen wir die Flasche für ihn mitnehmen?“, fragte er.
„Ja, bitte. Und ich habe ihm gesagt, dass Cutter in Amerika ist, aber morgen zurückkommt. Allerdings habe ich ihm noch nichts von seinem Tod erzählt.“
„Das machen wir schon.“
Die beiden machten sich auf den Weg zu Stephen und Lester kam grade zu uns.
„Stephen ist also wieder wach. Schön. Wenigstens müssen wir ihm nicht sagen, dass Cutter tot ist. Hodgons, halten Sie es für eine gute Idee Mr. Donovan ins ARC zu lassen?“
„Ist das der Entwickler der Simulationssoftware?“, wollte Jess wissen und drehte sich zu uns um.
„Ja, genau. Zane Donovan. Sir, ich werde ihn auf Schritt und Tritt begleiten. Außerdem weiß er wie wichtig es für uns ist. Und es ist seine Software und ist sehr interessiert daran sie anzupassen und zu verbessern.“
„Ich verlasse mich auf Sie. Vielleicht sollten Sie den Anderen sagen woher er und auch Sie kommen, sonst gibt es morgen eine kleine Überraschung.“ Dann ging er. Mir schien so, als ob Lester eine Vorliebe dafür hatte etwas zu sagen und dann einfach zu verschwinden.
„Was meint Lester damit?“ Matt sah mich argwöhnisch an. Emily, Jess und Becker waren auch neugierig.
Ich holte tief Luft. „Ich komme aus einer kleinen Stadt in Oregon. Eureka wurde auf Bitten Einsteins von Präsident Truman gegründet. Zusammen mit einigen anderen Wissenschaftlern schaffte Einstein eine Forschungseinrichtung, in der die hellsten Köpfe der Welt arbeiteten und forschten. Das Ganze war als Militärbasis getarnt. Später baute man eine richtige Stadt um die Basis und Global Dynamics wurde eröffnet. Unsere Stadt existiert auf keiner Karte und ist auf keinem Radar zu finden. Wir sind unsichtbar für die Welt. Vor rund einem Jahr war Eureka noch staatliches Eigentum, wurde aber aufgrund einiger Probleme geschlossen. Fargo, der damalige Leiter von Global hat absolut alles versucht um die Stadt zu retten. Wir alle hätten auf der Straße gesessen, ohne Job ohne alles. Letzten Endes hat mein Urgroßvater die Stadt zusammen mit Global gekauft. Eine der größten Errungenschaften unserer Stadt sind die KIs.“
„KIs? Wie in künstliche Intelligenz?“, fragte Jess und sah mich mit großen Augen an.
„Ja, genauso. Unser Deputy ist ein KI. Dr. Blake, die Leiterin der medizinischen Forschungsabteilung, hat mir vor ein paar Jahren das Leben gerettet. Ich war im Irak und habe dort das erste Mal mit Prädatoren Bekanntschaft gemacht. Meine ganze Einheit wurde getötet und ich wurde schwerverletzt. Ich wurde auf Bitten einiger Leute direkt nach Eureka gebracht. Aber nicht einmal Dr. Blake konnte meinen linken Arm und meine Beine retten. Es war unser Deputy der auf die Idee kam mir KI-Bauteile einzupflanzen. Niemand war sonderlich begeistert von der Idee, denn es wurde noch nie ausprobiert. Mir war zu dem Zeitpunkt alles recht. Und es hat funktioniert. Ich bestehe zum Teil aus KI.“ Ich lächelte, weil ich mich an das Gefühl erinnern konnte endlich wieder gehen zu können. Die Anderen sahen mich ungläubig an. Matt fand als erster seine Sprache wieder.
„Grundsätzlich glaube ich dir. Ich habe gesehen, dass es möglich sein wird, Menschen zu klonen. Aber ich möchte einen Beweis sehen.“
„Kann ich verstehen. Becker, gib mir dein Messer.“
„Woher weißt du…Ach was soll‘s…Hier.“
Ich nahm das Messer und stach mir mit voller Wucht in den Arm. Jess schrie auf und Emily war dabei mich aufzuhalten.
„Du blutest gar nicht.“, sagte Emily und hielt in ihrer Bewegung inne.
Ich zog das Messer heraus. Zum Vorschein kamen ein Haufen Drähte und künstliche Knochen die von einer künstlichen Haut – die sich aber Stellenweise durch den Stich ablöste – überzogen war.
„Das ist faszinierend. Darf ich?“, fragte Matt.
„Klar.“
Er schob den Stoff beiseite um sich alles besser ansehen zu können. Seine Berührung kitzelte und ich musste anfangen zu lachen.
„Du hast Gefühl in deinen Beinen? Aber du hast eben nicht geschrien…“
„Schmerz wurde abgestellt. Alles andere kann ich fühlen. Wenn ihr Fragen dazu habt, müsstet ihr bis morgen warten. Ich verstehe nicht allzu viel davon. Nur wie es mit den Nervenbahnen verankert ist und wie es mit meinem Gehirn verbunden ist.“
„Okay…Ich glaube wir müssen das erst Mal alle verdauen.“, meinte Becker und rieb sich die Schläfen. „Aber ich verstehe nicht, warum du uns das jetzt sagen durftest, wenn die Stadt doch eigentlich geheim ist und so.“
„Weil Zane morgen kommt. Außerdem gibt es in jedem PEC eine mobile Versorgungseinheit aus Eureka, bestehend aus KI-Drohnen. Cutter hat Dinge gesehen, für die die meisten Wissenschaftler töten würden. Er wird es nicht für sich behalten wollen. Und ich mag es nicht sonderlich Geheimnisse zu haben.“ Wieder boxte mich Becker in die Seite, wofür ich böse Blicke von Jess erntete.
„Das war wirklich ein ereignisreicher erster Tag für dich, Robin. Wie gut, dass er bald vorbei ist.“ Emily war wirklich ein Goldstück. Sie war immer zuversichtlich und kümmerte sich.
„Apropos. Ich werde hier schlafen um Stephens Werte zu überwachen. Ich bräuchte nur meine Sachen aus deinem Auto, Becker.“
„Klar, ich lasse sie in deine Praxisräume bringen. Aber bist du dir wirklich sicher? Bequem sind Krankenhausbetten ja nicht grade.“
„Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Und so kann ich wenigstens auch endlich mal schlafen.“
„Wie du meinst.“ Becker telefonierte mit seinen Leuten und bat sie meine Sachen hochzubringen.
„Robin, ich finde das wirklich toll wie du dich heute für uns eingesetzt hast. Du hast dein Leben für jemanden riskiert den du gar nicht kennst. Und mir ist aufgefallen, dass ich dich noch gar nicht offiziell im Team willkommen geheißen habe. Willkommen im Team!“ Matt umarmte mich in typischer Soldaten Manier.„Wir freuen uns, dass du hier bist.“, sagte Emily.
„Deine Sachen werden in die Praxis gebacht.“
„Danke. Ich denke ich sollte dann auch mal nach Stephen sehen. Und Abby und Connor muss ich ja auch noch aufklären.“
"Dann viel Glück. Wir haben ja alle gleich Feierabend. Wir sehen uns morgen! Gute Nacht, Robin.“ Emily, Matt und Becker gingen zu unseren Spinten. Auf dem Weg zu Stephen holte ich Bones aus Abbys Labor. Als ich in die Praxis kam hörte ich Abby, Connor und Stephen reden.

„Scheint als hätte ich eine Menge verpasst. Es ist schön euch wieder zu sehen. Und ihr seid wirklich verlobt? Man Connor, lass diese Frau niemals wieder gehen!“
„Habe ich auch nicht vor.“, lächelnd umarmte er Abby. Stephen sah zur Tür und entdeckte mich. Seine Wunden waren nicht mehr septisch, also nahm ich Bones mit rein.
„Doc, Abby und Connor haben mir grade von Ihnen erzählt. Und ich wollte mich bei Ihnen bedanken. Sie haben mein Leben gerettet. Danke.“, sagte Stephen und machte Anstalten sich weiter aufzurichten.
„Das ist mein Job, Leben zu retten. Und da ich hier alle Duze, fänd‘ ich es gut, wenn wir uns auch Duzen.“
„Okay, alles klar. Ist denn alles in Ordnung, oder warum standst du vor der Tür?“
„Alles in bester Ordnung. Ich wollte euch nur auf morgen vorbereiten. Den Andern habe ich es schon erklärt…“
„Das klingt gar nicht gut…Was ist los?“ Abby nahm Connors Hand.
„Also, Zane Donovan kommt ja morgen zusammen mit Cutter aus Amerika. Er weiß alles über Cutter, oder?“, fragte ich und sah zu Stephen. Nachdem er nickte, fuhr ich fort. „Gut. Also Zane kommt, genauso wie ich, aus Eureka.“ Ich betete meine Geschichte ein weiteres Mal runter. „Ich fand nur, dass ihr das wissen solltet, weil mich Zane morgen untersuchen muss und mir einen Scanner mitbringt. Irgendetwas stimmt nicht mit meinem Schultergelenk.“
Stille. Ich hatte ja damit gerechnet, dass sie es – ebenso wie die Andern – nicht sofort verstanden, aber dass minutenlange Stille herrschte, war dann doch etwas komisch. „Ich kann’s euch beweisen…“ Ich zeigte den Dreien meinen Arm. Sie schauten es sich an, sagten jedoch nichts.
„Könntet ihr vielleicht irgendetwas sagen? Egal was…Oder schreien. Aber irgendeine  Reaktion bitte. Sonst fühl ich mich wie ein Freak.“
„Du bist ein Roboter…“ Connor zeigte auf meinen Arm.
„Wie kann das sein? Ich mein…Roboter gibt es doch gar nicht.“, meinte Abby.
„Doch, bei uns schon. Wartet kurz…“ Ich schob die Haut beisete. Connor würgte, doch als er dann das Innere sah – bestehend aus Drähten und Schläuchen – hörte er auf und runzelte die Stirn.
„Das ist total abgefahren.“ Stephen sah mich an.
„Ja, das ist es. Bitte hört auf mich so anzusehen. Ich bin nicht wie die Roboter aus Terminator oder so…Es ist mehr wie in…I, Robot. Der gute Roboter mit der Seele und dem freien Willen. Ich mein unser Deputy ist ein KI, aber er ist mit einem anderen KI verheiratet. Es ist ein enormer Fortschritt in der Chirurgie, denkt nur daran wie viele Menschen wir mit dieser Technik retten können. Mal abgesehen von Organtransplantationen.“ Wieder Schweigen. Abby fand ihre Sprache am schnellsten wieder.
„Das ist eine ziemlich irre Geschichte. Aber ich glaube dir, auch wenn es mir sehr schwer fällt. Ich bin froh, dass du überlebt hast und dass du hier bei uns bist. Ohne dich hätte Stephen nicht überlebt.“
„Darf ich mal anfassen?“ Überrascht sah ich Stephen an.
„Ähm…klar.“ Ich hielt ihm meinen Arm hin. Seine Finger fuhren die künstlichen Knochen nach. Es fühlte sich…gut an. Nicht wie bei Matt, bei ihm hatte es gekitzelt. Doch bei Stephen überkam mich dieses Gefühl. So abwesend wie ich grade war, bemerkte ich die Blicke nicht.
"Was ist das?“, fragte Stephen und zeigte auf ein Leuchten in den Schläuchen.
„Oh…Das sind die künstlichen Nervenbahnen. Sie übermitteln mir das Gefühl deiner Berührung.“
„Das heißt, du spürst eigentlich überhaupt nichts?“
„Das ist so nicht ganz richtig. Ich kann Druck spüren, aber ohne die künstlichen Nervenbahnen könnte ich Berührungen, Kälte und Wärme, kitzeln nicht spüren. Die einzige Empfindung die ich nicht spüren kann ist Schmerz. Dr. Blake hat dieses Gefühl nicht eingespeichert.“
„Wow! Das ist wirklich bemerkenswert.“ Abby strich über die Ränder der Haut.
„Okay, ich finde das auch super interessant, aber bitte zieh dir nie wieder die Haut vor meinen Augen ab.“
„Ja Connor. Ich denke, damit kann ich leben. Und ich will jetzt wirklich nicht ungemütlich werden, aber es ist spät. Du brauchst deine Ruhe, Stephen und ich ehrlich gesagt auch.“
„Bleibst du hier?“, wollte Abby wissen.
„Ja, es ist besser wenn Stephen unter Beobachtung bleibt.“
„Okay, dann lassen wir euch mal schlafen. Gute Nacht. Ich bin so froh, dass du wieder da bist!“ Beide umarmten Stephen noch einmal und verließen dann die Praxis.
„Abby und Connor haben mir von dir und deinem "Haustier" erzählt. Hätte nicht gedacht, dass er wirklich zahm ist. Aber ich hatte ihn direkt nachdem ihr reingekommen seid, vergessen.“ Er lockte Bones zu sich und Bones kam dieser Bitte nur zu gern nach. „Er ist ziemlich verschmust. Irgendwie ist das doch komisch…Die neuste Technik trifft auf ein prähistorisches Tier.“
Diesen Gedanken hatte ich auch schon oft gehabt. Ich entschuldigte mich bei Stephen, ging raus und holte meine Taschen rein um mich umzuziehen. Meine Tasche legte ich auf ein Krankenbett, zog den Vorhang zu und schlüpfte in meine Schlafsachen. Bones ließ sich noch weiter von Stephen kraulen und knurrte genüsslich. Ich richtete mein Bett ein wenig gemütlicher ein, dann zog ich den Vorhang wieder auf und ließ mich in das Bett fallen.
„Brauchst du noch was?“, fragte ich Stephen.
„Danke, nein. Wasser hab ich noch hier. Gute Nacht.“
„Nacht.“ Dann machte ich das Licht aus. Jetzt drang nur noch das spärliche Licht aus der Praxis zu uns. Schon lange war ich nicht mehr so müde, aber ich konnte nicht einschlafen. Irgendwann kam Bones zu mir gekrochen und kuschelte sich mit mir ins Bett. Wenig später konnte ich endlich einschlafen.
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