Der Ball, zwei Idioten und ich

GeschichteHumor, Romanze / P16
Midorima Shintarō OC (Own Character) Takao Kazunari
26.01.2018
06.05.2020
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26.01.2018 1.057
 
Eigentlich hatte sie nie vorgehabt, jemanden zu verletzen. In ihrer Mittelschulzeit an der Shoei-Mittelschule war sie eigentlich eine von denen, die stets nur am rumhängen waren und gelegentlich den Unterricht schwänzten. Das war keine große Sache, weil jeder von ihren damaligen Freunden irgendwann einmal etwas verbrochen hatte. Die Tafeln mit Seife ein zu schmieren, Folie in die Klassentür zu hängen damit jemand darin hängen bleibt oder man ließ einfach was kleines mitgehen. Als Verbrecherin konnte man sie nun wirklich nicht bezeichnen. Wenn, dann eher als Unruhestifterin. Kaede Ono hatte nur nicht wirklich mitbekommen, als es in ihrer “Mädchengang” allmählich den Bach runter ging. Als das konnte man es nicht wirklich bezeichnen. Sie waren eher eine Ansammlung aus gelangweilten Teenagern, die nichts besseres mit ihrem Tag anzufangen wussten und lieber ordentlich auf den Putz hauen wollten. Dies funktionierte eine Weile ganz gut, bis jedoch eine aus der Gruppe zu weit gegangen war. Hätten Kaede oder eines der anderen Mitglieder besser aufgepasst, hätte man das ganze sicherlich noch verhindern können. Aber dafür hatten sie der Sache schon viel zu lang zugesehen.

Die “Anführerin” der Gang hatte es schon seit längerem auf jemanden abgesehen gehabt. Ihr Name war Erena und sie war ein Jahr älter als Kaede. Für ihre Aggressionsprobleme bekannt, hatte sie ihren Hass besonders in einer von Kaedes Mitschülerinnen gefunden die Nana hieß. Sie war alles, was Erena nicht ausstehen konnte - schwach, kränklich und dazu noch arschfreundlich. Persönlich hatte Kaede eigentlich nichts gegen dieses Mädchen, manchmal hatte sie sich sogar heimlich für diese eingesetzt und ihr hier und da geholfen. Aber wirklich etwas dagegen tun konnte sie auch nicht. Wahrscheinlich wäre Erena dann auch noch auf sie losgegangen, die damals noch größer als sie gewesen war und wahrscheinlich auch stärker.
„Erena, lass es gut sein. Wir sollten gehen, bevor uns noch jemand erwischt.“
Man bezeichnete Kaede sonst immer als Erenas linke Hand, doch das ging zu weit. Ihr Blick der Älteren gegenüber war sehr ernst und wütend. Nana lag doch schon auf dem Boden und bekam keine Luft mehr. Erena trat einen Schritt vorwärts, ignorierte Kaede neben sich und wollte gerade schon wieder ansetzen. Es war zu viel und die Jüngere war auch bereit, sie aufzuhalten. Noch länger konnte Kaede das einfach nicht mehr mit ansehen. Doch dann passierte etwas, dass eigentlich noch viel schlimmer war als das. Erena ging einen anderen Weg, Nana fertig zu machen und das war mit Worten.
„Suchst du nach Luft, damit du weiter atmen kannst? Ich gebe dir einen Tipp, Furuda-san. Tu uns einen Gefallen und erlöse dich selbst von deinem Leid. Wenn du es nicht selbst tun kannst, lass es jemand anderen tun. Dann wirst du nicht mehr auf die Hilfe anderer angewiesen sein und fällst auch niemandem zur Last, so wie du immer selbst sagst. Es ist doch die klügste Entscheidung, oder nicht? Bring dich einfach selbst um oder lass es jemand anderes für dich erledigen. Hier ist kein Platz für schwächliche Kinder, die immer nur auf Hilfe angewiesen sind. Wenn du das in den letzten Jahren nicht begriffen hast, dann vielleicht jetzt. Los, verschwinde endlich, oder ich überlege es mir anders.“
Völlige Stille trat ein. Weder Kaede noch eines der anderen Mädchen sagte etwas zu der gegenwärtigen Situation. Sie schauten nur zu, wie Nana aufstand und nur langsam auf die Beine kam. Niemand würde sie aufhalten wollen, im Gegenteil. Aber dazu kam es nicht mehr.
„Wahrscheinlich hast du Recht … ich habe hier wirklich nichts zu suchen.“

Kaede hatte alles gegeben, um ihre frühere Mitschülerin zu unterstützen. Ab diesem Moment war alles so schnell eskaliert. Sie bekamen die Konsequenzen erst am nächsten Tag zu spüren und am meisten natürlich Erena. Diese wurde suspendiert und viele der Mädchen aus der Gang wurden noch einmal von der Schulleitung angehört. Dennoch kehrte Nana nicht mehr zurück an die Shoei-Mittelschule - nur noch ein letztes Mal um ihre Sachen zu holen. Nana und Kaede hatten damals noch E-Mail Adressen ausgetauscht und schrieben sich seit dem täglich. Doch ganz vergessen konnte Kaede das ganze nie, auch wenn Nana nicht wütend auf Erena gewesen war. Nach dem letztere später wiederkehrte, war es vorbei mit der Mädchengang und deren Taten. Kaede redete zwar noch mit Erena, aber ihr Verhältnis war in der ersten Zeit sehr frostig. Erst als das Schuljahr vorbei ging, wurde dies allmählich besser. Erena ging von der Schule und Kaede hatte nicht mehr die Möglichkeit, mit ihr über die Sache mit Nana zu reden.
So fühlte sich das letzte Schuljahr an der Mittelschule doch etwas leerer an, nach dem Erena abgegangen war. Doch es nützte nichts - Kaede musste weitermachen und trat schließlich selbst ihr letztes Schuljahr an. Nach dem Vorfall mit Nana stand sie nicht mehr ganz so günstig bei ihren Eltern da und diese waren auch bis zum Ende des Schuljahres ziemlich nachtragend.
„Warum muss ich unbedingt an die Shutoku gehen? Das ist doch so eine Schule, wo nur verzogene Snobs hingehen.“, beschwerte sie sich während des Gespräches bei ihren Eltern.
„Shutoku ist eine sehr strenge und traditionelle Schule. Uns ist nur wichtig, dass sich die Dinge aus der Mittelschule nicht wiederholen. Damit haben wir einfach etwas Sicherheit.“, erklärten diese und Kaede seufzte.
„Ihr seid echt ganz schön nachtragend, wisst ihr das? Ich habe seit dem alles gegeben, damit so etwas nicht wieder passiert. Warum also das ganze … ich raff’s nicht.“, schimpfte Kaede und sah auf die Schulanmeldung, die auf dem Tisch lag.
„Diese Schule ist wirklich nicht schlecht. Etwas viel Besseres bekommt man in Tokio mittlerweile fast nicht mehr.“
In diesem Moment platzte Kaedes kleine Schwester herein und setzte sich neben ihre Schwester.
„Oh, ist irgendwas passiert?“, fragte die Grundschülerin und ihre Eltern fingen an zu erklären.
„Kaede geht bald an eine neue Schule, aber sie ist unzufrieden damit. Wir wollen eigentlich nur das Beste für sie.“
Die Kleine schaute auf zu ihrer Schwester und dann wieder zu ihren Eltern.
„Hm, dann ist sie im neuen Jahr nicht mehr an derselben Schule wie ich? Das ist doof. Aber Onee-chan kriegt das schon hin, da bin ich ziemlich sicher.“
So sicher war sich Kaede damit nicht. Nach einer so düsteren Vorgeschichte, die sie in der Mittelschule hingelegt hatte erwartete sie das schlimmste und jede Menge Ärger an der neuen Schule. Doch dieser Gedanke war nicht wirklich richtig. Es würde alles … wesentlich einfacher werden, als sie gedacht hatte.
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