Verzerrtes Selbst

von Hyouka
GeschichteDrama, Romanze / P16
Aomine Daiki OC (Own Character)
26.01.2018
06.05.2020
16
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26.01.2018 1.559
 
Die Umstände in denen das Mädchen mit dem roten Haar aufwuchs, waren eigentlich nicht sonderlich schwierig gewesen. Ihre Eltern waren immer beschäftigt, ließen sie größtenteils allein und vertrauten auf ihre einzige Tochter. Erena Inoue war eigentlich in keinster Weise ein schwieriges Kind. Sie war nur regelmäßig allein gewesen.Geschwister hatte sie keine oder Verwandtschaft mit der sie sich gut verstand. Das einzige was sie hatte, waren Freunde. Die Mädchen, welche sie in der Schule kennengelernt hatte und sie regelmäßig zu Dingen gebracht hatten, die sie eigentlich nicht wollte. Wirklich darüber nachgedacht hatte sie allerdings auch nicht, als sie in der Mittelschule einer Mädchengang bei trat. Die eigentlichen Gründer dieser Mädchengang hatten schon längst die Mitelschule abgeschlossen und sie somit allein zurückgelassen. Dabei war die Shoei-Mittelschule eine strenge Schule, die ihren Fokus bewusst darauf setzte einmal begabte Sportler aus ihren Schülern zu machen. Doch über die Jahre verlor Erena dies aus den Augen. Nur noch unregelmäßig ging sie zum Training des Basketballclubs und verfiel immer mehr der Idee, sich über andere lustig zu machen und sie zu quälen. Es machte sie rasend vor Wut, schwächliche Kinder zu beobachten die immer Hilfe bei allem brauchten. In ihrem jungen Alter verstand sie einfach nicht, dass nicht jeder Mensch gleich stark sein konnte. Für sie war das Verhalten eines schwächlichen, gleichaltrigen Kindes nur der Schrei nach Aufmerksamkeit. Sie war nur leider nicht die einzige, da es auch noch andere Mitglieder ihrer Gruppe gab, die so dachten. Ihre wahre Wut galt eigentlich nicht diesen Mitschülern, die sie mobbte. Erena verstand sich einfach selbst nicht und wurde einfach wahllos wütend, ohne dass großartig etwas passierte. So kam es, dass sie in ihrer Aggression und ihrer eigenen Dummheit etwas furchtbares getan hatte. Ohne nachzudenken, hatte sie die Grenze der Vernunft überschritten und ihrer Mitschülerin mit ein paar Worten jeden Sinn zum Leben genommen.

„Erena, lass es gut sein. Wir sollten gehen, bevor uns noch jemand erwischt.“, sprach ihre jüngere Mitschülerin Kaede mit den Sommersprossen und dem schulterlangen Haaren zu ihrer älteren Mitschülerin. Man bezeichnet Kaede auch gern als Erenas rechte Hand, doch dieses Mal ging es selbst ihr zu weit.
Das Mädchen auf welches es Erena abgesehen hatte, hieß Nana Furuda. Sie war ein Jahr jünger als Erena und ging in das zweite Jahr der Shoei-Mittelschule. Sie war immer schon recht kränklich gewesen und auf die Hilfe anderer angewiesen. Bei einer Schule wie der Shoei erwartete man eigentlich nicht, dass man auch kranke Menschen aufnehmen würde. Doch seit einigen Jahren lief dort ein Integrationsprogramm für Schüler mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen und Nana war neben einigen anderen Schülern Teil davon gewesen. Leider schien es noch immer an der Aufklärung zu mangeln, da viele Schüler genau dieses Programm nicht verstanden hatten. Das lange, schwarze Haar verdeckte Nanas Gesicht, während sie am Boden lag. Sie konnte kaum aufstehen und suchte nach Luft. Erena stand weiterhin grinsend vor ihr und wollte eigentlich schon wieder ansetzen und auf sie einhaken. Stattdessen begann sie mit etwas, das wesentlich schlimmer war als das. Nana hatte sich an diese Art von Gewalt schon so sehr gewöhnt, dass sie nur noch selten etwas so schlimmes über sich ausgesprochen gehört hatte. Mit ihren türkisen Augen schaute sie auf das Mädchen vor sich hinab. Die Narbe auf ihrer rechten Wange, die direkt unter ihrem Auge war, wirkte nun fast ein wenig düsterer.
„Suchst du nach Luft, damit du weiter atmen kannst? Ich gebe dir einen Tipp, Furuda-san. Tu uns einen Gefallen und erlöse dich selbst von deinem Leid. Wenn du es nicht selbst tun kannst, lass es jemand anderen tun. Dann wirst du nicht mehr auf die Hilfe anderer angewiesen sein und fällst auch niemandem zur Last, so wie du immer selbst sagst. Es ist doch die klügste Entscheidung, oder nicht? Bring dich einfach selbst um oder lass es jemand anderes für dich erledigen. Hier ist kein Platz für schwächliche Kinder, die immer nur auf Hilfe angewiesen sind. Wenn du das in den letzten Jahren nicht begriffen hast, dann vielleicht jetzt. Los, verschwinde endlich, oder ich überlege es mir anders.“
Völlige Stille trat ein. Weder Kaede noch eines der anderen Mädchen sagte etwas zu der gegenwärtigen Situation. Sie schauten nur zu, wie Nana aufstand und nur langsam auf die Beine kam. Niemand würde sie aufhalten wollen, im Gegenteil. Hätte Erena in diesem Moment weitergemacht, hätte eines der Mädchen sie wahrscheinlich noch aufgehalten. Aber dazu kam es nicht.
„Wahrscheinlich hast du Recht … ich habe hier wirklich nichts zu suchen.“
Noch hatte Erena nicht realisiert, was Nana da gesagt hatte. Erst einige Tage später, als die Gerüchte umgingen wurde ihr bewusst, was sie da gesagt hatte.
 
Die Mädchengang hatte sich seit dem nicht mehr getroffen. Es war mehr zur Sicherheit, aber eines war schon ziemlich sicher - sie würden Ärger bekommen. Nana kam am nächsten Schultag nicht zum Unterricht und an den folgenden Tagen auch nicht. Die Lehrer schwiegen ebenfalls und es machten die Gerüchte die Runde, dass Nana etwas passiert war. Es gab viele Gerüchte - die harmlosesten schoben alles auf ihre Krankheit. Die anderen sprachen davon, dass ihr etwas passiert war. Unter den Mädchen der Gang hieß es sogar wirklich, dass sich Nana umgebracht hatte. Als Erena und ein paar andere Mädchen schließlich einige Tage später ins Lehrerzimmer zitiert wurden, erfuhren zumindest ein paar von ihnen die Wahrheit. Doch die wahre Schuldige erfuhr nichts. Erena wurde direkt beschuldigt und dementsprechend zwei Wochen suspendiert. Mehr passierte allerdings auch nicht. Natürlich waren ihre Eltern stinksauer und schickten sie für den Rest des Jahres auf ein Internat. Auf diesem sollte sie so lang bleiben, bis sie sich zu benehmen gelernt hatte. Mit der Mädchengang hatte es ab diesem Zeitpunkt auch ein Ende gefunden. Die einzigen Personen mit denen Erena noch sprach, waren ein paar nahestehende Freunde und wenige Mädchen der früheren Gang. Nachzufragen was mit Nana passiert war, würde ihr nicht helfen. Das nahm ihr nicht die Schuld, die Worte mit denen sie diese beschimpft hatte. Es wurde für den Rest des Schuljahres ruhiger um Erena und schließlich beendete sie im darauffolgenden März die Mittelschule und wechselte auf die Tōō Akademie, um die Oberschule zu besuchen. Sie ließ einige jüngere Mitschüler zurück, die damals mit ihr auf die Mittelschule gegangen waren und jünger als sie gewesen waren. Nur Kaede und ein paar wenige Mädchen wussten, was aus Nana geworden ist. Erena hatte einfach nichts davon erfahren und das hinterließ natürlich seine Spuren.

Nach dem Wechsel auf die Oberschule hätte die damals sechzehnjährige eigentlich das Internat verlassen können und wieder von Zuhause aus zur Schule gehen können. Doch sie hatte sich an diese Situation gewöhnt und dort war auch immer jemand, mit dem sie reden konnte. Daheim wäre sowieso niemand gewesen, also konnte sie auch genauso gut im Internat bleiben. Bis nach Hause war es nicht weit, darum konnte sie auch jederzeit nach Haus gehen, wenn ihr danach war. Doch der Wechsel und diese Sache lagen schon einige Zeit hinter ihr. Seit dem Vorfall mit Nana Furuda waren zwei Jahre vergangen und nun war Erena im letzten Jahr der Oberschule. Von ihren Aggressionen waren nicht mehr viel übrig geblieben. Nun ja, zumindest nicht mehr so offensichtlich. In der Schule spielte sie die gutmütige und hilfsbereite Mitschülerin, um nicht weiter aufzufallen. Innerlich war es ihr absolut peinlich sich so zu benehmen, aber es ging nicht anders. Mit so einem Verhalten würde niemand darauf kommen, dass sie sich in ihrer Mittelschulzeit völlig daneben benommen hatte. Selbst wenn jemand von ihrem Verhalten erzählt hätte, der sie damals gekannt hätte. Niemand hätte es geglaubt, weil sie sich so freundlich und nett gab. Zumindest war das der Plan hinter der ganzen Sache. Es war besser so, auch wenn sie sich dabei oft selbst nicht erkannte. Diese Fassade und Persönlichkeit hatte sie sich über die vergangenen zwei Jahre gründlich aufgebaut und einstudiert. Wenn es zu dummen Fragen oder merkwürdigen Situationen kam, hatte sie immer eine passende Antwort um dieser auszuweichen. Doch es gab noch immer Dinge, über die sie sich ärgerte. Ihre Probleme waren nicht so schlimm und ihr Ärger ebenso. Um sich darüber aufzuregen, reichte es aber dennoch. Denn ihre einzige, sinnvolle Beschäftigung aus der Mittelschule, dem Basketball spielen, war das einzige bei dem sie ihre Wut noch rauslassen konnte. Ihre Teamkameraden schienen es zu verstehen, obwohl sie als Kapitän eigentlich eine Vorbildfunktion hatte. Ihr Grund wütend zu werden war eine bestimmte Person, die sie auf den Tod nicht ausstehen konnte. Der gegenwärtige Kapitän des Basketball-Jungen-Team und zu allem Übel auch noch ihr Nachbar, der im Internatszimmer gegenüber wohnte.
„Wenn ich diese Fresse schon sehe, könnt ich kotzen. Bildet sich ein, dass er sonst was ist und die Trainingshalle hinterlassen kann, wie es ihm passt. Sobald der mir über den Weg läuft, kann er was erleben.“, fauchte Erena während dem Training, als sie einen Ball in den Korb versenkte und dabei nicht gerade zart damit umging. Die reine Erinnerung, die bloße Vorstellung an diesen Jungen, machte sie rasend vor Wut.
„Imayoshi Shouichi. Lauf mir einmal über den Weg und ich mach dich alle. Dich und dein Team, dass noch nie was von Teamplay gehört hat. Wie ihr jedes Jahr so weit kommt, ist mir immer noch ein Rätsel.“
Das neue Schuljahr war noch jung, es wartete einiges auf sie. Vieles, das sie versäumt hatte und auch neue Dinge. Nur war nicht alles davon so ideal, wie sie es erhofft hatte.
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