He's So Devoid Of Colors

von kweenron
KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Harry Styles Louis Tomlinson
25.01.2018
08.02.2018
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Kapitel 1


You’re dripping like a saturated sunrise
You’re spilling like an overflowing sink
You’re ripped at every edge but you’re a masterpiece



~ * ~ Gegenwart ~ * ~



„Ich will ihn“, raunte er seinem Sicherheitsmitarbeiter zu, hielt das Mikrofon weit von sich weg.

„Welchen?“

„Den Braunhaarigen mit dem Babygesicht.“ Er zeigte kurz mit dem Finger in die Menge.

„Bist du dir sicher?“

„Ja“, lautete die Antwort, bevor er wieder auf die Bühne rannte, weil das Intro des nächsten Lieds startete.

Es dauerte nur ein paar weitere Lieder, bevor Louis sich vor der Menge verbeugte, einen verstohlenen Blick auf den Jungen, welchen er für heute Nacht ausgewählt hatte und sah mit leichter Freude, dass sich einer seiner Mitarbeiter bereits zu ihm vorgearbeitet hatte.

Er winkte den tausenden Leuten zu, bevor er hinter die Bühne verschwand.

„Die Show war gut, Louis.“ Er reagierte nicht auf das Lob, schnappte sich eine Wasserflasche, sowie ein Handtuch.

Das Singen machte ihm schon längst keinen Spaß mehr.

Bevor er berühmt geworden war, hatte er nichts gehabt. Nur eine viel zu junge Mutter und ein Haus voller Schwestern, ohne Vater. Er war unglücklich gewesen, hatte sich viel aufgeregt. Was sollte er auch als einzige Mann im Haus tun? Sicherlich war er bei seinen Freunden beliebt gewesen, besonders weil seine älteste Schwerster verdammt hübsch gewesen war. Doch ansonsten hatte er im Haushalt helfen und seine kleinen Schwestern versorgen, füttern und waschen müssen. Zeit zum Ausgehen hatte er nicht gehabt und wenn er ehrlich war, war er dazu sowieso meist viel zu müde gewesen. Vor ein paar Jahren wurde er dann als Teenistar in einer Castingshow berühmt.

Danach hatte er alles.

Louis war auf große Tour gegangen, war losgekommen von seinen Verpflichtungen daheim. Er hatte eine Nanny für seine Schwestern gesucht und seine Mutter finanziell unterstützt. Sie war nie sonderlich begeistert davon gewesen, ihren Ältesten so selten zu sehen, doch das schlechte Gewissen hatte er meist verdrängt, in Alkohol versenkt. Jede Nacht war er ausgegangen, hatte nach seinen Konzerten die reichen und schönen zu Partys eingeladen und ordentlich Spaß gehabt. Er hatte sie alle haben können – Supermodels genau so wie unbekannte Schönheiten. Jungen und Mädchen, er hatte alles ausprobiert und sich irgendwann für ersteres entschieden. Er konnte machen was er wollte, sich wie ein Arschloch benehmen und sie würden ihm noch immer zu Füßen liegen.

Und das war ihm irgendwann zu viel geworden. Er hatte genug Geld verdient, dass er nicht dauernd auf Tour hätte sein müssen und nicht ständig in TV-Shows oder bei Radiosendern auftreten. Er hatte keine Lust mehr auf die verdammten Liebeslieder gehabt und auch nicht, auf schnulzige Musikvideos.

Er wollte cool sein, ein Badboy aus dem Buche. Und so begann er ein bisschen zu viel zu trinken und sich mit immer dubioseren Gestalten abzugeben, irgendwann zu rauchen und manchmal sogar Drogen zu nehmen. Leid war er es gewesen, nach den Regeln zu tanzen und allein seine Bekanntheit rettete ihm den Arsch, als eine seiner Sexpartys gestürmt wurde und er nackt und mit Handschellen auf dem Boden gehockt hatte.

Das war der Moment, in welchem er einen Schlussstrich hatte ziehen wollen – doch sein Management ließ ihn nicht. Sie sperrten ihn in einem Käfig aus Verträgen und Drohungen ein, dass er keine Chance hatte zu entkommen. Er musste es aushalten und das sicherlich noch für die nächsten Jahre.

Louis ließ sich davon nichts anmerken. Louis Tomlinson machte inzwischen moderne Musik und protzte ein wenig in seinen Musikvideos, mit teuren Autos und leicht bekleideten Frauen – und sie lagen ihm noch immer alle zu Füßen.

Deshalb widersprach keiner, wenn er sie fragen ließ, ob sie nach der Show ein wenig Zeit mit ihm verbringen wollten. Niemand tat das. Und wenn die Männer nicht so wollten, wie er, dann machte er sie mit Alkohol und den richtigen Worten gefügiger.

Sie lagen ihm alle zu Füßen.

Auch wenn er davon nicht viel merkte, wenn er nach der Show in sein Ankleidezimmer ging, sich die Kleider vom Leib riss und sie achtlos auf den Boden warf, bevor er mit einer Schachtel Zigaretten für einige Zeit im Bad verschwand. Heißes Wasser rannte ihm über die Haut, der Raum war mit Dampf gefüllt, mischte sich mit dem Rauch seiner Zigarette. Der Rücken tat ihm weh, ebenso so die Beine. Die Hitze linderten dass, genau so wie die Droge.

Er blies den Rauch ein letztes Mal aus, bevor er den Stummel auf den Wannenboden fallen ließ und das Wasser abstellte. Mit einem Seufzer legte er sich ein weißes Handtuch um die Hüfte, fuhr mit einem anderen kurz über seine Haare. Er machte sich gar nicht erst die Mühe, sich abzutrocknen, bald würde er sowieso von Schweiß bedeckt sein.

Ein letzter Blick in den Spiegel, bevor er sich selbst zunickte und den Raum verließ.

Sein Ankleidezimmer war klein und gemütlich, fast schon heimlich. Orangefarbenes Licht durchflutete das Zimmer, warf merkwürdige Schatten an die Wände. Seine müden Augen hatten Mühe die einzelnen Gegenstände auseinander zu halten, obwohl das in diesem Räumen immer dasselbe war.

Dann sah er ihn und seine Augen weiteten sich. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch kein Ton kam heraus. Mit einem Mal begann sein Herz zu rasen und er vergaß sogar zu Atmen. Die fast arrogante Haltung fiel von ihm ab, seine Schultern erschlafften.

Sein Gast brauchte gar nichts sagen. Schon als er sich von dem Stuhl erhob und in das spärliche Licht trat, hatte er Louis in seinem Bann. Ein Wort von ihm war genug, um das schlechte Image abzuschütteln und die Risse in seinem Herz wieder zu verschließen.

„Louis.“

Der Klang seiner Stimme jagte ihm einen Schauder über den Rücken. Sein Gehirn bekam keinen Satz zusammen, nur ein Wort brannte ihm auf der Zunge, obwohl er sich so fühlte, als hätte er nie gelernt zu sprechen.

„Harry.“

Mit einem Mal fühlte er sich falsch am Platz und verdammt falsch bekleidet. Es war ihm peinlich, nur im Handtuch vor ihm zu stehen. Schnell griff er nach einem herumliegenden Shirt und zog es sich bemüht beiläufig über den Kopf. Verdammt, warum hatte er ihn vorher nicht erkannt?

„Wir haben uns lange nicht mehr gesehen.“ Louis nickte langsam, deutete dem Braunhaarigem sich zu setzten, während er dasselbe tat. „Es ist Jahre her.“ Harry setzte sich dich neben ihn, dass sich ihre Knie fast berührten, faltete die Hände zwischen den Beinen.

„Was machst du hier Harry?“, fragte Louis, froh darüber, endlich seine Stimme wieder gefunden zu haben. „Ich dachte, du wolltest mir nie wieder unter die Augen treten und mich vergessen.“

„Das ist gar nicht so leicht, wenn du pro Tag mindestens einmal im Radio läufst.“ Harry schmunzelte und Louis sah ihn verwirrt an. „Ich hatte Sehnsucht nach dir, Louis. Nach all der Zeit bist du noch immer nicht aus meinem Kopf verschwunden und ich wollte dich wieder sehen. Ich habe irgendwie gemerkt, dass ich nicht ohne dich kann.“
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