Zartbitter (Oneshootsammlung)

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12
Alice Der Märzhase Der Verrückte Hutmacher Die Grinsekatze Die Rote Königin Haselmaus
23.01.2018
15.02.2018
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Du fühlst dich befreit. Träger treibst du in die Dunkelheit. Das Wasser wird kälter und du siehst, wie die Luft deinen Lungen in kleinen Bläschen entweicht. Langsam schließt du die Augen.
Das Rauschen der Leere fühlt deine Gedanken. Da spürst du plötzlich etwas Warmes.
Arme, die dich halten. Sie umgreifen dich fester, die Finger bohren sich krampfhaft in deine Rippen und
du fühlst, wie sie dich tragen.

Du durchbrichst die Wasseroberfläche. Schnappst nach Luft. Das Wasser fließt an dir vorbei. Jemand zieht dich in seichtere Gewässer.
Als sich deine Augen öffnen, siehst du erst verschwommen. Das Salzwasser brennt in deinen Augen. Langsam wird deine Sicht klarer.
Blaue Augen, die dich besorgt mustern. „Alice? Geht es dir gut?“.
"Ja. Wieso?“. Du bist verwundert. Seine Augen blicken immer noch zweifelnd.
„Lass mich bitte runter, Joker. Ich kann selbst gehen.“ „Na gut.“
Er setzt dich ab und schweigend lauft ihr bis zum steinigen Strand, wo du dich niederlässt.
Joker setzt sich neben dich, seine Ellbogen auf seinen angewinkelten Beinen,
den Blick wieder auf dich gerichtet. Er ist komplett durchnässt.
Aus seinem weißen Hemd und den dunkelblonden Haaren tropft das Wasser.
„Was hast du dort in dem See gemacht?“, fragt Joker dich.
„Nichts.“, du legst dich auf den Rücken und spürst die von der Sonne gewärmten Steine.
Die Wolken am Himmel nehmen sonderbare Formen an.
Grinsende Katzen, die sich sofort auflösen, um sich an anderer Stelle wieder neuzuformieren.
Plötzlich ist Jokers Gesicht über deinen.
„He, ich wollte die Wolken...“, protestierst du, aber Joker fällt dir ins Wort. „Ich glaube dir nicht.“, seine Augen sind zu misstrauischen Schlitzen verengt und das Blau in ihnen blitzt wie Eiskristalle.
„Was? Das ich Wolken ansehen möchte?“.  Seine Augen werden noch schmaler. „Das meinte ich nicht.
Ich meinte, dass du „nichts“ im See getan hast. Du bist niemand, der einfach so etwas tut.“ „Ach ja?
Woher willst du wissen, wer ich bin?“, gibst du zurück, aber er hat dich bereits durchschaut.
„Du wolltest aus dieser Welt verschwinden.“.
Seine Stimme gibt keine Emotion Preis, als er in die Wolken schaut.
„Ja.“, du stützt dich auf deinen Ellbogen und wartest seine Reaktion ab.
Dennoch bist du von seiner hitzigen Antwort überrascht:
„Hast du vielleicht daran gedacht, wie es mir dabei gehen könnte?“
„Was?“, du bist vollkommen perplex.
„Dir? Aber dir kann das doch egal sein. Du hast hier deinen festen Platz im Wunderland. Du bist der Zauberer im Herztheater.
Die Leute bewundern und bejubeln dich. Du wirst auf die Teepartys des Hutmachers eingeladen und hast dort Spaß. Alle mögen dich, besonders der Märzhase und die Herzkönigin.
Du hast ein nettes Häuschen mit schönem Garten und…“.
„Aber du bist mir nicht egal, Alice.“, seine Augen blicken mich aufmerksam an.  
Er wartet nun auf deine Reaktion. Sein Kiefer spannt sich an, als du beginnst zu reden:
„Aber ich habe hier doch gar keinen Platz. Ich bin eine Fremde aus einer anderen Welt jenseits des Kaninchenlochs. Ich habe hier keine Freunde, keine Aufgabe.
Ich lebe einfach nur vor mich hin. Ich bin ganz langweilig und gewöhnlich.
Es macht gar keinen Unterschied, ob ich im Wunderland bin oder nicht.“.
„Das stimmt nicht, Alice. Du bist sehr neugierig und starrköpfig.
Du bist ebenfalls ein gern gesehener Gast auf der Teeparty und
auch beim Croquet.“, seine Hand umfasst plötzlich deine Wange.
„Und wenn du unbedingt eine Aufgabe in dieser Welt brauchst, dann sei doch einfach meine Liebste.“.
Ein verschmitztes Lächeln legt sich auf seine Lippen, als du ihn sprachlos vor Überraschung ansiehst.
„Das nehme ich als Ja.“, sein Gesicht nähert sich dem deinen, und als er seine Lippen auf deine legt, schmeckst du Salz.
Salz und Hoffnung.
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