Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / Volbeat / Room 24

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Room 24

Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jon Larsen Kaspar Boye Larsen Michael Schøn Poulsen Rob Caggiano
23.01.2018
11.06.2018
22
71.996
3
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.01.2018 1.744
 
Kurze Info: Zur besseren Lesbarkeit sind wörtliche Reden, die in Dänisch gesprochen werden, kursiv geschrieben, damit deutlich wird, warum es zB. Zu Missverständnissen kommt (wenn Rob anwesend ist, sprechen die Charaktere, die ihn kennen Englisch, weil sie wissen, dass er ihre Muttersprache nicht versteht. Es kann aber auch vorkommen, dass einige Charaktere ihn ausgrenzen, indem sie absichtlich in seiner Gegenwart Dänisch sprechen.) Da ich aber von niemandem erwarten kann, diese Fremdsprachen zu beherrschen, schreibe ich alle Dialoge auf Deutsch und überlasse es der Vorstellung des Lesers, wie die Sprachen klingen.

Bei meinen Fan-Recherchen bin ich immer wieder über Interviews gestolpert, in denen Michael die Hintergrundgeschichte von 'Room 24' erzählt. Das hat mich inspiriert, mich mit dem Thema 'Schlafparalyse' genauer zu befassen, weil ich das unheimlich interessant finde, vor allem auch, weil meine beste Freundin das bereits erlebt hat. Natürlich ist das Ausmaß, in der die Paralysen auftreten in der Geschichte stark überzogen, aber es gibt Menschen, die den Zustand wirklich jede Nacht erleben.

Die Namen von Michaels Geschwistern habe ich dem Albumbooklet zu 'Guitar Gangsters and Cadillac Blood' entnommen, in dem sie in den Danksagungen Erwähnung finden - allerdings bin ich mir sicher, dass ihre Persönlichkeiten und Charakterzüge in der Realität anders aussehen, als in meiner Geschichte, da ich jemand Nahestehenden als Antagonisten brauchte ;-) .

Alle hier stattfindenden Handlungen sind frei erfunden und jegliche Ähnlichkeiten zu realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Diese Fanfiction dient ausschließlich zur Unterhaltung und ich hege damit keine Ertragsabsicht.

Kapitel 1

Es ist ein verregneter Novembermorgen, als er durch die mannshohe Fensterfront seines Wintergartens zu den benachbarten Häusern Næstveds hinaussieht. Die Tasse Kaffee in seiner Rechten dampft heiß und unablässig vor sich hin. Noch hat der Sänger und Songwriter keinen Schluck gemacht, hat nur gedankenversunken auf die Stadt hinausgestarrt, die ihm die nötige Inspiration beim Schreiben liefert. Jetzt aber, nach einem hektischen Blick auf die Uhr, nimmt er hastig sein Frühstück zu sich. Heute ist für ihn ein wichtiger Termin, in etwa 3 Stunden wird Michael sich unter die Nadel legen und seine Sammlung um ein, nicht allzu kleines Tattoo erweitern. Er stopft gerade ungeduldig das letzte Stück vom belegten Brot in seinen Mund und spült mit Kaffee nach, da klingelt auch schon sein Handy. "Hey, steht das mit der Probe um 19 Uhr noch? K." Natürlich. Kasper will, wie immer, eine Bestätigung, dass ihre Abmachungen noch aktuell sind. Er überlegt kurz und tippt gleich die Antwort: "Probe geht klar, kann nur nicht versprechen, dass ich pünktlich bin - Tagestermin. M." Große Tätowierungen sind eben so eine Sache, nicht einmal der erfahrenste Inker kann genau abschätzen, wie lange ein Kunstwerk dauern wird - dazu bräuchte man beinahe schon hellseherische Fähigkeiten. Mal spielt die Haut nicht mit, manchmal die allgemeine Verfassung, mal fuchst es bei der Technik - kennt er alles schon.

Sein Blick streift das Bild seiner Ex-Frau Lina, die Scheidung ist noch keine drei Wochen her. Es nagt an seinem Inneren, und es wird noch eine Weile dauern, bis er die Trennung verarbeitet hat. Aber es hat sich schon vor einigen Monaten eine Kollision abgezeichnet, also ist es nicht allzu überraschend gekommen, es hat eben nicht sollen sein, spukt es durch seine Gedanken. Der Tattoo-Termin wird ihn ablenken, und es gibt im Moment ohnehin viel zu tun in der Band. Die Planung der Tour, neue Merchandising-Entscheidungen und natürlich Studioarbeit und Proben werden Michael vollkommen in Beschlag nehmen.

Nach der erfrischenden Dusche schlüpft er in ein paar gemütliche Klamotten, allesamt schwarz und auch etwas weit, an seinem, seit einiger Zeit in Form gebrachten Körper. Rückblickend kann er nicht glücklicher über die Entscheidung sein, gemeinsam mit Mikkel Kessler als Mentor zu trainieren. Zufrieden linst er nochmal in den Spiegel, wirft sich eine Lederjacke über, setzt eine Kappe auf und verlässt mit deutlich besserer Laune sein Haus. Die Straßen sind verhältnismäßig belebt, für so bescheidenes Wetter. Mit Mühe findet Michael einen Parkplatz, von dem aus er zwar noch einige Minuten Fußweg hat, das Auto aber bedenkenlos stehen lassen kann, ohne Parkwächter oder Ähnliches fürchten zu müssen. In die Fußgängerzone in Kopenhagen kommt nun wieder etwas Leben, jetzt, wo sich der Nebel langsam verzieht. Im Tattoostudio angekommen, kann Michael gerade noch einem fliegenden Smartphone ausweichen, bevor er entgeistert in die Richtung schaut, aus der das Ding geflogen kam. "Oh, Michael, guten Morgen. Keine Sorge, das galt nicht dir," sagt ein entnervter Schotte in sehr regionalem Englisch. Neben dem Sänger sammelt eine junge Frau mit knallig bunten Dreads und ausgefallenem Schmuck die sterblichen Überreste des Handys auf und grüßt ihn schmunzelnd. "Hej Fria, was hat Ian denn heute?" Die Tätowiererin antwortet ihm kichernd: "Schwierige Kunden, wie's aussieht. Aber müsste ich mich mit solchen Leuten rumschlagen, hätt' ich die Geduld schon früher verloren." Michael lacht nur als Antwort und grüßt den Chef des Studios mit einem brüderlichen Handschlag. "Ian, wie gehts dir?" "Bis auf das, dass ich bald freiwillig in die Irrenanstalt gehe, alles bestens. Ich sehe grade, du bist früh dran." "Im Moment bin ich froh, dass ich es überhaupt hinbekomme, Termine pünktlich wahrzunehmen." "Michael, wir kennen uns zwar doch schon ein paar Jährchen, aber deswegen kann ich noch lange keine Gedanken lesen," fängt Ian an nachzuhaken, lenkt allerdings wieder ein: "Aber, wenn ich es mir recht überlege, frage ich lieber gar nicht nach. Es geht mich zum Einen nichts an und zum Anderen wäre ich heute ein miserabler Gesprächspartner - die Intelligenzallergikerin, die ich grade am Hörer hatte, hat mich meine letzten Nerven für heute gekostet. Macht es dir etwas aus, wenn die Konturen heute Fria macht? Mit soviel Ärger im Blut, würde ich heute nur dein Tattoo ruinieren." Der Sänger grinst, während er dem schottischen Inker zuhört und zeitgleich auswendig das Formular ausfüllt. "Nicht im Geringsten, ich kenne Frias Arbeiten, da hätte ich auch nichts dagegen, wenn sie es dieses Mal im Alleingang macht. Natürlich nur, wenn du das genehmigst." Im Augenwinkel bemerkt er einen jungen Auszubildenden - er schätzt ihn auf etwa 25, Vollbart, Baseballcap, Hochwasserhosen und ein Shirt mit elendsgroßem V-Ausschnitt - der enttäuscht den Boden aufkehrt. "Sag mal Chef, wieso darf ich eigentlich nicht seine Outlines machen, ich will mich ja auf Old School spezialisieren?" Ian schießt einen Todesblick zurück: "Wenn deine Lines sauber wären, wäre das kein Problem... vielleicht nächstes Mal, Laddie." Fria hat dem Dänen unterdessen die Vorlage zu seinem Tattoo gezeigt. Ein Sensenmann mit Laterne, überwiegend schwarz, nur ein paar Rauchfäden, das Laternenlicht und die Augen sind in dezenten Farbtönen hervorgehoben. Ian hat das Design in japanischem Stil mit modernen Einschlägen gehalten, damit es zur Geisha passt, die er im Vorjahr erst fertiggestellt hat. Es soll auf die Rückseite des rechten Oberschenkels.

Im Eingriffsbereich hat Fria ihren Arbeitsplatz schon vorbereitet - Einweggüter, Maschinen, Farben und Desinfektionsmittel liegen hier sorgsam und ordentlich aufgereiht. Sein Puls geht etwas nach oben, es ist lange her, dass er sich Zeit für eine Tätowierung genommen hat. Der Geruch von alkoholischem Desinfektionsmittel steigt ihm in die Nase, er hat es vermisst. "Und? Was tut sich im Leben unseres Lieblingsstars?" neckt Fria ihn. "Ach, nicht viel. Neues Album, nächstes Jahr eine neue Tour, Scheidung... das Übliche..." feixt Michael als Antwort. "Was?! Du und Scheidung? Hätte ich mir nicht gedacht, wie gehts dir jetzt damit?" "Alles Bestens, wirklich... Ich hab nur im Moment die Nase voll." Die Tätowiererin hat routiniert ihre Maschinen startbereit gemacht und die Farben ausgewählt. Innerhalb von Minuten ist die Hautstelle präpariert, die Vorlage angebracht und kontrolliert. Während der Abdruck des Bildes trocknet, bohrt Fria neugierig weiter: "Wie ist es denn dazu gekommen?" Der Sänger seufzt, so breittreten will er es gar nicht. Genaugenommen, ist es ihm nur rausgerutscht: "Ich weiß es nicht genau, ich vermute mal, dass die ganzen Touren und das ständige Reisen zu viel gewesen sind. Wir haben uns wahrscheinlich einfach voneinander entfernt..." Zu seiner Erleichterung nickt die Tätowiererin das einfach so ab, und sie fahren mit dem üblichen Procedere der Hautmalerei fort. Er legt sich bauchlings auf die mit Folie bedeckte Massageliege und Fria verschwindet unter Mundschutz, Einwegschürze und Latexhandschuhen. "Kann es losgehen?" Der Däne gibt ihr mit nach oben gestrecktem Daumen Bescheid. Etwas unerwartet dringt der Schmerz von den ersten gezogenen Linien zu ihm, das Surren der Maschine und das stechende Brennen der Nadeln, die mehrmals pro Sekunde Farbe in seine Haut pumpen.

Als Michael schon in einer meditativen Entspannungsphase angekommen ist, beginnt Fria wieder ein Gespräch: "Was hast du dann jetzt vor?" Michael holt tief Luft und legt seinen Kopf mit der Stirn auf dem Unterarm ab, hoffentlich hat die Fragerei bald ein Ende. So gern er Fria auch hat, eine Tätowiersitzung soll keiner Therapiesitzung gleichkommen. "Ich werde es auf alle Fälle langsam angehen, ich gehe also nicht gleich wieder auf die Suche. Ehrlich gesagt, interessiert es mich im Moment gar nicht, mir eine neue Partnerin zuzulegen, ich möchte erst abschließen. Es wird mir vermutlich gut tun, mich ein wenig mehr auf das neue Album zu konzentrieren. Was hältst du eigentlich von eurem neuen Lehrling? Er war ja nicht gerade beigeistert, dass Ian ihn nicht an mir arbeiten hat lassen." "Ach, Ole? Er ist von seinem Hipsterlifestyle so eingenommen, dass er vergisst, wie wichtig ein Tattoo für den Kunden sein kann. Da reicht es nicht, einfach mal so zwei Designs pro Woche zu zeichnen und zwei, drei Leute die Woche zu tätowieren. Er muss mehr üben, wenn er besser werden will. Und er muss seine Arbeit ernstnehmen." Themenwechsel erfolgreich durchgeführt.

Die restliche Sitzung verläuft ruhig und schweigsam. Nach insgesamt sechseinhalb Stunden sind auch die letzten Farben in die Haut gestochen, mit Weiß werden noch ein paar schöne Effekte gemacht, damit zum Beispiel die glühenden Augen des Reapers zur Geltung kommen. Michael hat bereits eine Idee für den Rücken, die er in der nächsten Sitzung im kommenden Monat in Angriff nehmen möchte. Er möchte ausnutzen, dass er noch in Dänemark arbeitet, er geht nicht gern in fremde Studios, deren Arbeitsmethoden und Hygienebestimmungen er nicht kennt. Mit einem zufriedenen, verschmitzen Grinsen wischt Fria die überschüssige Farbe von der irritierten Haut und trägt eine Heilsalbe auf, danach deckt sie das Tattoo mit Folie ab. Der Kreislauf von Michael schlägt ihm ein Schnippchen, dass er auf die Pause verzichtet hat, rächt sich jetzt.
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