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Mit Zimt und Zucker zum Ziel

von KiraNear
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft / P6 / Gen
Megumi Tadokoro Satoshi Isshiki Shun Ibusaki Soma Yukihira
22.01.2018
22.01.2018
3
8.120
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22.01.2018 1.955
 
Kaum hatte die Heimleiterin den Startschuss gegeben, hatten sich die vier wieder auf ihre Zimmer verteilt. Die Jungs schienen selbstsicher und überzeugt, selbst Soma schien sich nicht an seinem Gericht zu stören. Im Gegenteil, seine Augen hatten einen fieberhaften Glanz bekommen. Offenbar wusste er schon ganz genau, was er machen würde.
Auch den beiden anderen Jungs war offenbar schon die eine oder andere Idee gekommen. Nur bei ihr selbst hakte es noch ein wenig, obwohl ihr Gericht ihr anfangs leicht erschien.
So im Nachhinein wäre das Getränk wohl mit Sicherheit das Einfachste gewesen, überlegte sie. Im nächsten Augenblick klatschte sie entschlossen die Hände zusammen.
Jetzt hilft es nicht, über verschüttete Milch zu weinen, Megumi! Du hast jetzt dieses Thema bekommen und das ist nun auch nicht so schwer, wie du dir gerade einreden willst! Wenn du dich ein wenig zusammenreißt, dann kannst du es schaffen. So, wie du bereits viele andere Aufgaben und Herausforderungen gemeistert hattest.
Sich selbst motiviert, schnappte sie sich den Papierschnipsel und ließ sich auf ihr Bett fallen. Dort dachte sie über die ganze Sache nach.
Was kann man im gemütlichen Zusammensein essen? Was würde sich dafür eignen? Auf jeden Fall sollten Zucker und Zimt vom Geschmack her mit dem Essen harmonieren. Da fällt schon einiges weg …
Auch sollte es etwas sein, dass nicht klebrig ist oder man ohne großen Aufwand essen kann. Etwas, das gut zum gemütlichen Essen in der Gruppe geeignet ist, ohne, dass man dabei auf irgendeine Art und Weise gestört wird …
Diese und andere Gedanken machte sich Megumi, wie immer dachte sie an die Menschen, die ihr Essen in einer solchen potenziellen Situation essen würden. Sie dachte fieberhaft an die Vorgaben der Leiterin, die ihr nun viel weniger einschränkend vorkamen wie in dem Moment, in dem sie sie gehört hatte.
Doch ihre Gedanken kreisten, fanden keinen festen Anhaltspunkt.
So wird das doch nichts, sagte sie sich in Gedanken und drehte sich zur Seite.
Vielleicht sollte ich die ganze Sache von einer ganz anderen Seite angehen, sie aus einem anderen Blickwinkel betrachten!

In dem Wissen, dass sie durch nichts und niemanden gestört werden würde, entspannte sie sich und ließ ihren Gedanken freien Lauf. Dachte über die Herbstwahlen nach, ihre Heimat und schließlich über sich selbst.
So ganz konnte ihr Geist das Thema nicht ruhen lassen: Immer wieder kehrten ihre Gedanken zu dem Thema zurück und umkreisten es wie hungrige Geier ein leckeres Stück Aas.
Sie begann, gedanklich bis zehn zu zählen, dabei atmete sie ruhig, fast schon meditativ, tief ein und aus. Eine Entspannungstechnik, die ihr ihre Mutter einst gezeigt hatte. Eine, mit der sie sich beruhigen und ihre Gedanken sortieren konnte. Eine, an die sie sich lange nicht mehr erinnern konnte.
Mama … Oma …
Ihre Gedanken flogen immer weiter davon, sie erinnerte sich an Momente aus ihrer Vergangenheit. Momente aus längst vergangenen Tagen. Als sie noch jünger war, hatten die drei oft ihre Stunden und Tage miteinander verbracht, besonders in den eisig kalten Wintermonaten. Oft saßen sie dabei zusammen an einem Kotatsu, haben Omas Geschichten gelauscht, Mutters Tee getrunken und …
Schlagartig riss Megumi die Augen auf. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie ein klein wenig weggedöst war. Kein tiefer Schlaf, dennoch fühlte sie sich ein wenig fitter als vorher. Langsam begann sie sich zu strecken und versuchte ihre Gedankenkette zu rekonstruieren.
Sie fand ihren Gedankenfaden und folgte ihm vorsichtig, Stück für Stück, ein weiteres Mal bis zu seinem Ende.
Natürlich, dass ich nicht gleich darauf gekommen bin! Oma wäre bestimmt stolz, wenn sie das hören würde!
Hastig verließ sie das Bett und eilte in den Flur, den sie wie das Telefon einsam und verlassen vorfand.
Perfekt!, dachte sie sich, bevor sie die Nummer ihres Zuhauses wählte.
„Mama? Ich bin es, Megumi. Sag mal, hat Oma für einen Moment Zeit? Es gibt da etwas, dass ich sie fragen müsste …“

Etwa zehn Minuten später begab sie sich frohen Mutes in Richtung Heimküche. Glücklicherweise hatte ihre Oma sehr viel Zeit für ihre Enkelin und konnte ihr sowohl all ihre Fragen beantworten, als auch ihr nützliche Tipps geben. Das alles auf ihrem kleinen Notizzettel vermerkt, faltete sie ihn zusammen und nahm ihn mit in die Küche.
Wie weit die anderen wohl gekommen sind?, frage sie sich. Umso mehr traf sie der Schlag, als sie die drei seelenruhig beim Kartenspielen traf.
„Wie bitte?! Seid ihr drei etwa alle schon fertig geworden?“, stotterte das Mädchen herum. Das Blut war ihr aus dem Gesicht gewichen.
Bin ich etwa wirklich so langsam? … Das kann doch nicht sein!
Soma legte eine Karte auf den Haufen.
„Nein, nein, ich bin noch lange nicht fertig. Es ist nur so, dass mein Reis noch etwa rund eine Stunde im Wasser bleiben muss“, meinte er und deutete auf den Eimer neben der Spüle.
„Und wie beide haben noch gar nicht damit angefangen“, fügte Satoshi mit ruhiger Miene hinzu. Dann warf er ebenfalls eine Karte ab.
Megumi traf stattdessen der Blitz, noch mehr vor Momente vorher. Dass Soma die Zeit irgendwie noch totschlagen musste, sah sie ja noch ein. Doch dass die beiden anderen anstatt zu kochen lieber Karten spielten, das ging völlig an ihrem Verständnis vorbei. Wie konnten sie nur so seelenruhig bleiben? Hatten sie etwa noch ein Ass im Ärmel? Oder waren sie doch bereits fertig und machten sich einen Spaß daraus, das arme Mädchen zu necken? Megumi konnte sich daraus keinen Reim machen.
„Mach dir mal keinen Kopf, du siehst aus, als hätte man dich gerade von der Schule suspendiert“, sagte Satoshi zu ihr.
„Es ist nur so, dass sowohl mein Gericht, als auch das von Ibusaki ein weitaus kleinerer Zeitaufwand als der von Yukihira ist, der braucht die vollen drei Stunden. Auch wenn ihm die Leiterin eigentlich vier angeboten hat, bin ich doch froh, dass wir nicht so lange warten müssen.
Jedenfalls haben wir zwei noch genug Zeit dafür und wollen es so warm wie möglich bei der Bewertung haben. Damit Yukihira nicht so langweilig beim Warten ist, leisten wir ihm Gesellschaft und vertreiben uns ein wenig mit ihm die Zeit. Es sei denn, du fühlst dich durch unsere Anwesenheit gestört.“
Megumi ruderte wild mit den Händen.
„Achwas, auf keinen Fall, ihr stört mich überhaupt nicht! Ihr könnt ruhig sitzen bleiben, wo ihr jetzt seid!“, sagte sie eine Spur zu hektisch.
„Na dann, viel Erfolg, Tadokoro-chan!“
„Ja, ich bin auch schon jetzt neugierig, was du machen wirst!“, stimmte Soma zu. Shun nickte lediglich, ließ seinen Blick jedoch nicht von den Karten in seiner Hand.
Megumi ballte entschlossen die Faust.
„Ich werde mir viel Mühe geben. Und auf euer Essen freue ich mich ebenfalls, also müsst ihr euch auch Mühe geben, versprochen?“
Satoshi lächelte sie so an, dass sie sofort rot im Gesicht anlief.
„Natürlich werden wir das, darauf kannst du zählen!“, sagten sie alle drei synchron. Wenn auch mit drei verschiedenen Tonarten. Satoshi auf eine brüderliche Art, Soma grinste dabei und Shun klang so ruhig wie eh und je.
„Wäre ja eine wahre Schande, wenn wir als Köche uns bei unseren Gerichten keine Mühe geben würden“, meinte Soma schließlich, bevor er sich wieder in das Kartenspiel vertiefte.

Megumi dagegen wand sich von ihnen ab, sie hatte im Gegensatz zu den Jungs nicht so viel Zeit, die sie jetzt gemütlich verbringen konnte. Noch nicht. Erst musste sie ihr Gericht vorbereiten und machen.
Aus ihrer Hosentasche kramte sie den Notizzettel hervor, las ihn sich nochmal durch und holte aus der Vorratskammer alle Zutaten, sie die sie für ihr Gericht benötigte. Zu ihrem Glück war alles bereits vorhanden, besonders die Spezialzutaten gab es in besonders großen Mengen.
Über mehrere Anläufe trug sie alles, was sie brauchte, zur Arbeitsfläche und begann, sie alle in eine große Schüssel zu geben. Erst vorsichtig, dann kräftig, knete sie die Zutaten zu einem Teig zusammen. Bis eine geschmeidige, unförmige Kugel war. Sie deckte die Schüssel mit Frischhaltefolie ab und stellte diese in den Kühlschrank.
Jetzt heißt es wohl warten, dachte sie sich, als sie sich kräftig unter fließendem Wasser die Hände schrubbte. Kaum hatte sie sie abgetrocknet, setzte sie sich zu den Jungs und spielte nun ebenfalls bei ihrem unterhaltsamen Kartenspiel mit.

Etwas über eine Stunde später klinkte Soma sich aus, sein Reis war nun lange genug im Wasser gelegen.
Er begann, das Wasser aus der Reisschüssel zu schütten. Anschließend setzte er einen Topf (Mit einer Prise Salz) zum Kochen auf und gab dem blubbernden Wasser den Reis hinzu.
In der Zwischenzeit holte Megumi ihren Teig aus dem Kühlschrank und verteilte großzügig Mehl auf der Arbeitsfläche. Das Nudelholz in Frischhaltefolie gewickelt, rollte sie den Teig stückchenweise zu mehreren runden Plattformen aus.
Vorsichtig stach und schnitt Megumi verschiedene Formen aus dem Teig, den übrigen Teig verwendete sie dann weiter. Dies ging so lange, bis nur noch ein minimaler Rest übrig war. Diesen konnte sie unmöglich verarbeiten, also vernaschte sie ihn selbst.
Wow, schmeckt der gut“, lobte sie sich selbst und konnte es jetzt noch weniger erwarten, bis sie die fertigen Resultate essen konnte.
Nachdem sie den Ofen in der ganzen Zeit hatte vorheizen lassen, belegte sie mehrere Backbleche mit Backpapier und Plätzchen.
„Yukihira-kun, brauchst du den Ofen für dein Gericht?“, doch Soma schüttelte mit dem Kopf. Er hatte gerade den Reis zusammen mit ein wenig Zucker in einen weiteren Topf gefüllt, ein süßer Geruch erfüllte den Raum.
Sorgfältig verfrachtete Megumi das letzte Blech im Ofen, dann sah sie sich um, wie sich die anderen so machten.

Was sie und Soma kaum bis gar nicht bemerkt hatten, war, dass Satoshi und Shun ebenfalls mit der Zubereitung ihrer Gerichte angefangen hatten. Satoshi goss Cidre zusammen mit ein paar anderen Zutaten in einen Topf; in welchem er alles erhitzte. Shun dagegen mische alles mit einem Mixer zusammen.
Verschiedene, lecker riechende Gerüche lagen überall in der Küche und Luft. Und das, was sich hier und da bereits jetzt zeigte, konnte sich sehen lassen.
Präzise schnitt Shun den leuchtend roten Apfel in Scheiben und gab diese dem Teig hinzu. Diesen Mix backte er nun in der Pfanne aus, bis die Scheiben auf beiden Seiten eine goldbraune Farbe hatten. Danach legte er einen Teil davon auf einen Teller, garnierte sein Gericht mit Puderzucker, Zimt, Waldbeeren und Minzblättern, bevor er es auf dem Esstisch platzierte.

In der gleichen Zeit hatte Satoshi sein Getränk in Ruhe ziehen lassen, damit die Zutaten ihre vielen Aromen entfalten konnten. Er füllte eine Tasse mit Punsch ab, verzierte diese mit einer kleinen Zimtstange und konnte ebenfalls sein Werk auf den Tisch stellen.
Nun war der Raum zum größten Teil nur noch vom Geruch aus Somas Topf gefüllt. Den süßen und leicht angekrusteten Reis gab er sachte auf einen Teller, dann konnte er ebenfalls servieren.
Megumi war die letzte. Nachdem ihre Plätzchen recht schnell gebacken waren, konnte sie sie in der Zeit abkühlen lassen.
Liebevoll verzierte sie die letzten Paar mit Schokolade, bunten Streuseln und Nüssen. Sie kontrollierte, ob die ersten bereits trocken waren, dann legte sie diese auf einen schönen Teller. Kaum hatte sie ihn auf den Tisch gestellt, begann ein sehr lauter Wecker aus einer Ecke des Raumes zu klingen. Frau Daimido kam herein und schaltete ihn aus. Dann warf sie einen Blick auf den Tisch und nickte zufrieden.

„Wie ich sehe, habe ich mich nicht in euch getäuscht. Ihr habt es alle innerhalb der begrenzten Zeit geschafft. Daran hatte ich auch gar keine Zweifel. Müsste ich jetzt nur allein von der Optik und den Gerüchen ausgehen …“
Sie nahm eine paar tiefe Atemzüge.
„Dann wäre ich jetzt schon hellauf begeistert. Jedes Gericht von euch sieht fantastisch aus; und lässt mir gierig das Wasser im Mund zusammenlaufen!“
Unter den neugierigen Blicken ihrer Schützlinge, setzte sich die Heimleiterin an den Tisch und sah alle freundlich, aber bestimmt an.
„Dann wollen wir doch mal sehen, ob eure kulinarischen Meisterwerke auch geschmacklich überzeugen und meinen Erwartungen gerecht werden können.“
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