Wie implementiert man eigentlich... Sklaverei?

von Robidu
GeschichteAllgemein / P12
22.01.2018
22.03.2018
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... und Wege aus dieser heraus

So vielschichtig wie die Wege in die Sklaverei sind, so ist das dennoch keine Einbahnstraße. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es für einen Sklaven auch einen Weg in die Freiheit. Dies kann aus den verschiedensten Gründen geschehen und wird im Normalfalle durch den Herrn des Sklaven betrieben.
Bei den Römern gab es hier beispielsweise die folgenden Möglichkeiten der Freilassung (lat. manumissio):

Letztwillige Verfügung des Herrn (per testamentum)
Normalerweise gehören Sklaven, wie der Rest des Vermögens auch, zur Erbmasse. Allerdings bestand die Möglichkeit, verdienten Sklaven auf diesem Wege die Freiheit zu geben, wenn ihr Herr verstarb.

Rechtsakt vor dem Magistrat (per vindictam)
Hier gibt der Herr eine Erklärung vor einem Beamten des Magistrats ab, die dem Sklaven die Freiheit gibt.

Eintragung in die Bürgerrolle (per censum)
Der Censor hatte in der Römischen Republik insbesondere die Befugnis, die römischen Bürger in Abhängigkeit von ihren Vermögensverhältnissen verschiedenen Wählerklassen zuzuweisen. Dies eröffnet somit auch die Möglichkeit, einem Sklaven auf diesem Wege die Freiheit zu geben.

Freibrief vom Herrn (per epistulam)
Der Freibrief gibt dem Sklaven augenblicklich oder zu einem im Freibrief genannten Termin die Freiheit. Ein ehemaliger Sklave sollte gerade in der Anfangszeit seinen Freibrief bei sich führen, um Probleme zu vermeiden, oder aber die Freilassung durch einen Rechtsakt bestätigen lassen, z. B. vor dem Magistrat oder durch einen Censor.

Erklärung des Herrn gegenüber Dritten (inter amicos, per mensam, per convivium)
Wichtig hierbei ist, daß diese Erklärung im Beisein von Zeugen geschieht, damit sie Rechtskraft erlangt. Im Römischen Reich galt dies als inoffizielle Freilassung, wodurch der ehemalige Sklave zwar seine Freiheit, nicht jedoch das römische Bürgerrecht, erlangt.

Freikauf
Manche Herren überließen ihren Sklaven ein gewisses Vermögen, über das diese selbständig verfügen konnten (das peculium), das es ihnen gestattete, ihre Freiheit zu erkaufen. Meist mußte der Sklave seinem Herrn seinen monetären oder Sachwert erstatten.
Eine weitere Möglichkeit ist, daß Dritte einen Sklaven kaufen und im gleichen Zuge freilassen.

Im Judentum gab es zudem diverse Regeln, die die Sklaverei regeln, was mit ihrer Befreiung aus ägyptischer Sklaverei durch ihren Gott begründet wird: So sollen die Sklaven der Israeliten ihren Herren sechs Jahre lang dienen, aber im siebten Jahr (dem Sabbatjahr) ohne Wenn und Aber freigelassen werden und zudem noch eine Mitgift von ihrem vormaligen Herrn erhalten, damit die ehemaligen Sklaven so selbst ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten.
Erklärte der Sklave hingegen, daß er bei seinem Herrn bleiben wollte, so blieb er lebenslang in dessen Besitz.

Im Islam werden ebenso Regeln für den Umgang mit Sklaven festgelegt, so beispielsweise die Freilassung eines Sklaven, entweder als wohltätiger Akt oder aber als Sühneleistung für bestimmte Vergehen. Zudem gab es hier ebenfalls einige der Möglichkeiten, die auch das römische Recht vorgesehen hatte (beispielsweise testamentarische Verfügung des Herrn oder Ausstellung eines Freibriefs).

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Allerdings gibt es natürlich auch andere Wege, um der Sklaverei zu entgehen, welche jedoch sehr schnell zu einem Problem für den Sklaven werden können, da diese mindestens als ein Vergehen, im schlimmsten Fall sogar als Verbrechen, gewertet werden, und dementsprechend drakonisch waren oftmals die Strafen, die darauf standen.

Flucht
Einer der Wege, schnell der Sklaverei zu entgehen, ist, sich seinem Herrn durch Flucht zu entziehen. Dies kann auf verschiedene Art und Weise geschehen, so beispielsweise indem der Sklave sich in eine Region absetzt, in der er nicht als unfrei gilt. Gelingt der Grenzübertritt, so hat der Sklave recht gute Chancen, sich seinem Herrn auf Dauer zu entziehen.
Eine andere Variante, dies zu bewerkstelligen, ist die Annahme einer anderen Identität. Dies bietet sich an, wenn ein Sklave sich zu weit von irgendwelchen Grenzen entfernt befindet. So könnte er versuchen sich eine neue Identität aufzubauen, so daß man in ihm keinen Sklaven mehr vermutet, oder aber er versucht so eine der Grenzen zu erreichen, um sich so abzusetzen.
Doch egal was der Sklave unternimmt, die Häscher seines Herrn werden nicht allzu lange auf sich warten lassen, sobald sein Verschwinden bemerkt wird, welche natürlich alles daran setzen, den flüchtigen Sklaven wieder einzufangen. Dies führte in diversen Gesellschaften sogar so weit, daß sich Söldnergruppen bildeten, die sich auf den Fang geflohener Sklaven spezialisiert hatten, und je dichter dieses Netzwerk von Sklavenjägern wurde, umso schwieriger wurde es für Sklaven, sich der Sklaverei zu entziehen.
Dabei war der Wiedereinfang noch das kleinste Problem: Wurde der Sklave zu seinem Herrn zurückgebracht, so drohten ihm teils drakonische Strafen, und von Auspeitschen bis hin zur Tötung war alles möglich, insbesondere um für die anderen Sklaven ein Exempel zu statuieren. Zudem machen manche Herren auch nicht davor halt, andere Sklaven ebenfalls zu züchtigen.

Aufstand
Dies ist ein wesentlich drastischerer Weg, um sich aus der Sklaverei zu befreien oder eines schlechten Herrn zu entledigen. Dies ging im Regelfalle von einer Gruppe Sklaven aus, selten hatten einzelne Sklaven die Möglichkeit, einen Aufstand anzuzetteln, und spielte sich oftmals in einem eng begrenzten Bereich ab. Allerdings gab es auch Fälle, in denen ein solcher Aufstand bedrohliche Ausmaße annehmen, beispielsweise während des Spartacus-Aufstandes zwischen 73 und 71 v. Chr., der die Römische Republik in ihrer Existenz gefährdet hatte.
Allerdings kam es nicht allzu oft zu solchen Aufständen, da die Sklaven meist nicht über geeignete Möglichkeiten der Kommunikation verfügten oder nicht so beweglich waren, wie sie hätten sein müssen. Diejenigen, die dafür prädestiniert waren, sich gegen ihre Herren aufzulehnen, also Sklaven, die unter unmenschlichen Umständen Schwerstarbeit zu verrichten hatten, waren oftmals durch mehr oder minder effektive Maßnahmen daran gehindert.
Zudem gab es genug Sklaven, die kein Interesse an einem Aufstand hatten, da es ihnen vergleichsweise gut ging, z. B. die Haussklaven reicher Leute oder Staatssklaven, die als Beamte einen erheblichen Einfluß gewinnen konnten.
Zudem bedurfte ein Aufstand grundsätzlich einer bestimmten kritischen Größe, damit er überhaupt eine Erfolgschance hatte: War die Gruppe der revoltierenden Sklaven zu klein, war es ein Leichtes, den Aufstand niederzuschlagen.
Der einzige jemals wirklich geglückte Sklavenaufstand hatte in der Zeit zwischen 1791 und 1804 auf Haiti stattgefunden und führte schlußendlich zur Gründung eines unabhängigen Staates.
Ging ein Sklavenaufstand fehl, so bedeutete das zwangsläufig immer den Tod der gefangenen Aufständischen. Je nach Gesellschaft gab es unterschiedliche Formen der Todesstrafe. Bei den Römern beispielsweise war hier die Kreuzigung üblich.

Auch im Vorderen Orient kam es zu derlei Erhebungen, wobei der Aufstand der Zandsch im Jahre 869 in Mesopotamien bedrohliche Ausmaße annahm. Die rebellierenden Zandsch, diejenigen Sklaven, die von ihren Herren als minderwertig angesehen wurden und die schwersten und niedrigsten Arbeiten zu verrichten hatten, zerstörten im Zuge des Aufstandes die Stadt Basra und gründeten einen eigenen Staat, der bis zur Niederschlagung des Aufstandes 14 Jahre später Bestand hatte.
Auch hier hatten sich den Sklaven unzufriedene Freie und noch weitere Sklaven anderer Gruppen angeschlossen, allerdings kam es im Verlauf des Aufstandes zu inneren Spannungen, welche diesen schwächten und so zu seinem Ende beitrugen.

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In manchen Gesellschaften nahm die Zahl der Freilassung irgendwann solch große Ausmaße an, daß die Herrscher hier Korrektive einzogen. So hatte sich beispielsweise Octavian (aka. Augustus) veranlaßt gesehen, das Mindestalter für eine Freilassung auf 30 zu setzen. Dennoch tat dies der Anzahl an Freilassungen keinen Abbruch, und selbst wenn, dann war es nur eine vorübergehende Maßnahme, da sich das Problem höchstens nach hinten verschob.
Zudem blieben die Freigelassenen auch nach ihrer Freilassung noch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem vormaligen Herrn, dem sog. Patronat. Hierbei hatte der Freigelassene als Klient seines vormaligen Herrn, dem Patron, bestimmte Verpflichtungen, beispielsweise der Unterstützung seiner Vorhaben und Anliegen, was insbesondere in der späten Römischen Republik eine zunehmende Rolle spielte. Im Gegenzug stand der Patron für seine Klienten ein und vertrat diese beispielsweise bei Rechtsstreitigkeiten. Dieses Verhältnis trat in dieser oder einer ähnlichen Form in verschiedenen Gesellschaften auf, so beispielsweise auch im arabischen Raum.
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