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DrabbleRomanze, Schmerz/Trost / P12
Alistair Der Wächter (weiblich)
18.01.2018
18.01.2018
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Albträume waren ihr bekannt.

Seit sie den Zirkel verlassen und zu ihrer Reise mit Duncan aufgebrochen war, litt sie immer wieder unter schrecklichen Bildern. Erst von dem, was Jowan getan hatte, später, nach ihrem Beitritt, von der Dunklen Brut.

Albträume waren ihr durchaus bekannt.

Doch die Bilder, die sie nun aus dem Schlaf schrecken ließen, hatten weder mit Krieg, noch mit Blutmagie zu tun. Und doch saß sie schwer atmend im Bett und krallt sich in ihre Decke.

Diese Bilder brachen ihr das Herz.

Verrat. Verlust. Vergessen. Seelischer Schmerz.

Neben ihr regte sich der Mann, der in jedem dieser Träume omnipräsent war. Er hatte sie, während sie schliefen im Arm gehalten, nun drehte er sich auf den Rücken.

Alistair. Die Liebe ihres Lebens.

Um ihn nicht zu wecken, ließ sie ihre gemeinsame Decke los und stand vorsichtig auf. An Schlaf war nicht mehr zu denken, dafür war sie viel zu aufgewühlt.
Sie ging von ihrem Schlafzimmer in den angrenzenden Wohnbereich. Sie war froh im Moment in Denerim, im Hause von Arl Eamon zu sein, so hatte sie ein paar Augenblicke für sich... In ihrem Lager wäre einer ihrer Gefährten als Wache am Feuer gesessen und hätte sicherlich ihren aufgewühlten Zustand bemerkt.
Sie ließ sich leise in einen Sessel vor dem Kamin fallen und zock die Knie an die Brust. Das kurze Hemd das sie zum Schlafen getragen hatte, reichte ihr kaum bis auf die Oberschenkel, doch vor dem Feuer fror sie nicht. Zumindest nicht körperlich. In ihrer Seele sah es ganz anders aus.
Sie hatte die letzten Tage viel mit dem Arl korrespondiert und sich auch mit allen anderen beteiligten beraten, doch was dabei herausgekommen war, bereitete ihrem Herzen unendliche Pein.

Sie musste Alistair gehen lassen.
Schlimmer noch, in die Arme einer anderen Frau schicken.
Wenn er zusammen mit Anora regieren würde, würde es Ferelden womöglich den Frieden bringen.

Sie war ein Grauer Wächter.
Sie tat, was für das Land das beste war.
Sie verzichtete.
Sie opferte ihr Leben dem Allgemeinwohl.

Doch allein bei dem Gedanken traten ihr Tränen in die Augen – ob aus Trauer oder Zorn vermochte sie nicht zu sagen. Sie versuchte sie zu unterdrücken und nicht aufzuschluchzen.
Sie war eine Elfe, obendrein noch eine Magierin.
Alistair hatte mit ihr keine Zukunft. Er konnte nicht König werden und sie zu seiner Königin machen, selbst wenn er wollte. Das würde einen Volksaufstand auslösen.

Die Tränen, die ihr nun doch über die Wangen liefen, waren Tränen der Ungerechtigkeit.
Sie hatte alles in ihrem Leben verloren.

Ihr Zuhause vor dem Zirkel.
Dann den Zirkel.
Nun sollte sie den Mann verlieren, der ihr alles bedeute.

Sie war tief in ihre trüben Gedanken versunken gewesen und bemerkte gar nicht, wie sich ihr jemand näherte. Erst als sich ihr sanft eine Hand auf die Schulter legte.
„Schlechte Träume?“, fragte Alistair vorsichtig.
Sie fuhr aus dem Sessel auf und wandte sich ihm zu. Er hatte sich nur eine Hose übergezogen, die ihm nun tief auf den Hüften hing. Ansonsten trug er nur den Smaragdanhänger mit elfischen Schnitzereien, den sie ihm einmal geschenkt hatte.
Als er ihre Tränen sah, verdunkelte sich sein Blick und er trat auf sie zu, um sie in seine Arme zu ziehen. „Tarja... was ist passiert?“

Sie war versucht, sich einfach an seiner Brust zu verstecken und zu weinen, zu versuchen alles zu vergessen – doch das war nicht sie. Ihre Schmerzen und Probleme würden nicht weggehen oder sich von alleine lösen, wenn sie sich zurückzog.
So lehnte sie sich in seinen Armen zurück und sah ihm in die Augen.
Sie hatte gehofft noch diese Nacht zu haben, noch einmal ruhig an seiner Seite zu schlafen.
Ihre Welt, ihr Herz, erst am nächsten Tag zu zerreißen. Doch nun, da ihr ganzes Selbst brannte und sich zu krümmen versuchte, konnte sie es auch gleich tun.

So fuhr sie ihm noch einmal sanft mit den Fingerspitzen über die Wange, nahm noch einmal seinen ganz eigenen Geruch in sich auf, bevor sie leise flüsterte.

„Ich denke es ist besser, wenn du König wirst.“

Seine Augen weiteten sich und sein Mund öffnete und schloss sich ein paar mal, gerade so, als suchte er nach Worten die seine Zunge nicht sprechen wollte.
Sie lächelte ihn durch ihre Tränen an, schüttelte sanft den Kopf und versuchte sich zurück zu ziehen. Doch Alistair war ein Krieger, kraftvoll und auf wenn er erst kurz wach war, so waren seine Reflexe ungetrübt. Schnell festigte sich sein Griff um ihre Hüfte und er zog sie mit Kraft an seine Brust.

„Bist du wahnsinnig geworden? Was... Was zur Hölle ist passiert?“ Die zornig hervor gestoßenen Worte klangen laut ihn ihren empfindlichen Ohren. „Liebst du mich nicht mehr? War das alles nur ein Spiel für dich??“

Tarja verfluchte diesen schwachen, verletzten Teil von ihr, der sofort die Arme um seine Mitte schlang. Sie vergrub das Gesicht an seiner Schulter und schluchzte laut auf.

„Du weißt, dass das nicht war ist! Ich liebe dich mehr als alles andere auf dieser vom Erbauer verlassenen Welt!“ Seine Arme schlossen sich noch fester um sie und sie musste schlucken, bevor sie weiter sprechen konnte. „Doch... Doch ich bin eine Elfin, eine Magierin noch obendrein. Du könntest nie mit mir an deiner Seite König werden!“ Ihre vorherigen Gedanken laut auszusprechen ließ ihre Tränen noch schneller fließen.
Ein Arm löste sich von ihrem Rücken und sie versteifte sich, doch seine Hand legte sich sanft unter ihr Kinn und er zwang sie, ihm in die Augen zu sehen.

„Tarja... Ich hätte dich für klüger gehalten.“

Das ließ sie stutzen. Sie konnte ihn nur verwirrt mit großen Augen ansehen, ehe er fortfuhr.

„Ich WILL überhaupt nicht König werden! Wie oft soll ich das denn noch sagen? Schon gar nicht, wenn es heißt, die Frau die ich liebe, zurückzulassen.“
„Aber... Aber Ferelden braucht...“, brachte sie stotternd hervor, doch er unterbrach sie einfach und seine Hand legte sich fest um ihren Nacken.
„Bei Andraste, was Ferelden braucht oder nicht ist mir egal! Soll Anora die Krone behalten! Oder Teagan heiraten! Ich gehöre zu den Wächtern! Zu dir! Ich liebe dich! Geht das jetzt in deinen sturen Magierkopf endlich rein?“

Nachdem sie ihn auf diesen Ausbruch hin nur anstarrte, küsste er sie. Tief und mit all der Leidenschaft und Liebe die sie füreinander empfanden.

Tarja wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, doch als sie sich von einander lösten, rangen beide nach Luft. Er senkte den Kopf und sah ihr tief in die Augen.
„Ich habe mein Leben lang getan, was andere von mir erwarteten. Nun lebe ich für mich. Wage nicht, mir das zu nehmen! Wage nicht, mich zu verlassen!“
Sie konnte nur ergeben nicken und er schloss sie wieder in seine Arme.
Er drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel und fuhr ihr sanft mit beiden Händen über den Rücken.

„Du bist mein Leben.“

Sie dachte nur kurz an die Welt außerhalb ihrer Gemächer, ehe sie ihm antwortete.

„Und du meines.“
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