Alles Gute zum Geburtstag, Harvey!

von Ms J
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Donna Paulsen Harvey Specter Jessica Pearson Louis Litt Michael "Mike" Ross
18.01.2018
18.01.2018
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Mittwoch, 10:00 Uhr

Harvey Specter ging durch den Flur der Kanzlei, wobei er sich stark bemühte, die neugierigen Blicke seiner Kollegen zu übersehen. Und es gab da wirklich Einiges zu beachten! In wenigen Tagen war sein Geburtstag und es schien, als ob alle in „Pearson Hardman“ auf diesen Tag gespannt wären. Während er an Donna vorbei ging, übersah Harvey absichtlich ihren schelmischen Gesichtsausdruck. Lange hatte sie keinen so triftigen Grund zur Belustigung.

Nachdem er sich seinem Tisch genähert hatte, überflog Harvey schnell die einkommende Korrespondenz. Ein paar Briefe von den Klienten, einige von Partnern, gerichtliche Vorladungen und neue Fälle. Wie er sich aber auch bemühte, konnte sich Harvey auf die Arbeit nicht konzentrieren. In Gedanken war er schon übermorgen angekommen. Deswegen drehte er den Stuhl zum Fenster herum, ließ alles stehen und liegen und bemühte sich um eine Lösung seines Problems.

Mike war schuld. Letzte Woche haben sie schon wieder Überstunden gemacht. Der Fall war hoffnungslos und, um sich etwas abzulenken, haben die Männer Karten um Wunsch gespielt. Der kleine Bengel hat gewonnen und sich nichts Besseres ausgedacht, als Harvey seinen Geburtstag als eine Motto-Party feiern zu lassen. Harvey hielt nichts von diesem Kindergarten, musste aber zusagen. Kartenschuld ist doch Ehrensache.

Am nächsten Tag wussten alle Mitarbeiter von „Pearson Hardman“ von der bevorstehenden Feier. Schon wieder stellte Harvey fest, dass sein Schützling so was von Plaudertasche war. Besonders freute sich Louis Litt. Zwar wurde Harvey erstaunt, Litt war aber von der Idee richtig hingerissen. Er erinnerte sich immer noch an seine Auftritte im Theater und träumte heimlich davon in eine neue Rolle schlüpfen zu dürfen. Jessica war wie immer gehalten und lächelte nur. Ihre Neugier aber konnte nicht durch ihre legendäre Selbstbeherrschung getarnt werden. Alle in der Kanzlei waren mit der einzigen Frage beschäftigt: Wie würde wohl Harvey Specter seine Feier gestalten?

Die oben genannte Frage machte dem Geburtstagskind am meisten zu schaffen. Harvey zerbrach sich den Kopf daran so fleißig, dass er letzten Endes heftige Kopfschmerzen bekam. Der Mann stand auf und näherte seiner heiß geliebten Plattensammlung. Musik half ihm immer den richtigen Ausweg zu finden. Man musste sich nur die richtige Melodie aussuchen können. Und plötzlich hatte er einen Geistesblitz.

Donnerstag, 19:00 Uhr

Donna ging nach Hause und war mit sich selbst höchst unzufrieden. Zum ersten Mal war es ihr misslungen die Pläne ihres Chefs zu erraten. Sie konnte schwören, dass Harvey alles schon gestern ausgetüftelt hatte, wie sie aber es auch wendete und drehte, es gelang ihr nicht aus ihm etwas rauszubekommen. In Gedanken verloren hätte sie den sie am Eingang anscheinend wartenden Mann fast übersehen.

"Miss Paulsen?"

"Wie bitte?" Donna drehte sich um und streifte seine bunte Jacke mit einem Blick." Wie kann ich Ihnen helfen?"

"Unterschreiben Sie das hier bitte", und der Mann reichte ihr ein Blatt Papier und einen Kugelschreiber.

"Ich verstehe nicht. Es muss hier ein Irrtum vorliegen. Ich habe nichts bestellt."

"Man hat mich vor einer solchen Reaktion gewarnt",  lächelte der Bote. "Lesen Sie bitte die beigelegte Karte und Sie werden alles verstehen."

Nachdem er ihr die von ihr nicht gemachte Bestellung überreicht hatte, ging der Mann. Donna wiegte den großen Karton in den Händen. Ziemlich leicht. Was konnte wohl drin sein?

In wenigen Minuten war das Rätsel gelöst. Während sie im Wohnzimmer vor dem ausgepackten Geschenk stand, konnte Donna ihren Augen immer noch nicht trauen. Kleid, Schuhe, Schmuck – alles schien aus den 30-en Jahren zu stammen. Die beigelegte Karte berichtete, dass Donna zu einer Gangster-Geburtstagsparty morgen um 21.00 Uhr eingeladen war. Die Handschrift des Absenders kannte sie nur viel zu gut.

Plötzlich schrillte das Telefon.

"Hallo", es schien so, als ob Harvey am anderen Ende der Leitung gewartet hätte. "Gefällt es dir?"

"Es ist beeindruckend, muss ich sagen."

"Ist das alles?"

Donna konnte nicht verstehen, was er noch von ihr wollte. Ja, es ist ihm gelungen sie zu überraschen. Kompliment.

"Das meine ich nicht." Harvey wurde schlagartig ernst. "Kommst du?"

"Und ob ich komme! Ich hab doch vorher noch keinen Anlass zum Feiern verpasst."

"Spaß mal beiseite, Donna. Kommst du wirklich?"

Plötzlich verstand sie, dass es ihm viel daran lag, dass sie kam. Ein glückliches Lächeln umspielte ihre Lippen und sie antwortete einfach:

"Natürlich doch."

"Ich danke dir."

Es entstand eine kurze Pause.

"Also gut", Harvey´s Stimme klang wieder fröhlich. "Dann komm um 20.00."

"Die Party beginnt aber erst um 21.00, oder?"

"Ich weiß. Wir müssen aber doch noch alles für die Gäste vorbereiten."

Donna´s Herz machte einen Sprung.

"Wir?"

"Jeder berühmte Gangster hatte doch eine Freundin an seiner Seite. Du wirst die Königin des Abends, Donna", und Harvey hängte auf.

Freitag, 22.00.

Die Feier lief auf Hochtouren. Obwohl sie am Anfang als ein böser Scherz gemeint war, entwickelte sich die Party schnell zu einem Riesenerfolg. Nicht zuletzt war es der richtigen Wahl der Epoche zu verdanken. Die Männer fühlten sich geschmeichelt, als sie den Al Capone nachahmten und den Frauen gefiel es, Abendkleider im Chicago-Stil zu demonstrieren.

Als sie vor zwei Stunden auf der Schwelle von Harvey´s Wohnung stand, konnte sich Donna überhaupt nicht vorstellen, dass der Abend bei den Gästen so gut ankommen würde. Es knackte im Schloss, die Tür ging auf und im nächsten Augenblick sah sie vor sich den Gefeierten.

"Gott, wie das Image ihm steht!", schoss es durch Donna´s Kopf.

Harvey hat sich anlässlich der Feier mächtig in Schale geworfen. Zweireiher, Hosenträger und sogar der Hut waren an Ort und Stelle.

"Guten Abend, und er küsste ihre Hand."

Donna wurde klar, dass es sich jetzt vor ihr nicht der beste Anwalt von New-York, sondern ein berühmter und gefährlicher Gangster befand.

Seit langem hatte Harvey so viele Leute auf einmal in seinem Hause nicht gesehen. Sie amüsierten sich jetzt aber richtig gut und das war im Moment das Einzige, was zählte. Es war ihnen allen wenigstens für einen Abend gelungen der täglichen Routine zu entkommen und neue Rollen anzuprobieren.

Während er die Gäste mit einem zufriedenen Blick streifte, blieb Harvey zum wiederholten Male bei Donna stehen. Das Image der Frau aus den 30-ern war für sie wie geschaffen worden. Glitzerndes Kleid, Atlasband im Haar, Handschuhe, die bis zum Ellbogen reichten und ein langer Mundstück mit einer Zigarette drin. Mit einem Lächeln erinnerte sich Harvey, wie sie vor zwei Stunden zu ihm in Jeans, T-Shirt und Sandalen kam.

"Warum hast du dein Kostüm noch nicht an?", wollte er wissen.

"Du wirst dich vielleicht wundern, ich hatte aber keine Lust, dass mich alle in der U-Bahn anstarrten."

"Wenn man aber es wert ist…", Harvey ließ den Satz absichtlich unbeendet. "Du kannst dich im Bad umziehen."

Nachdem er das gesagt hatte, drehte Harvey sich um und ging in die Küche, um seinem Besuch ein Getränk zu mixen. Einige Minuten später hörte er Stöckelabsätze auf seinem Parkettboden klopfen.

"Ich bin bereit."

Harvey drehte sich um und hätte beinahe das Glas fallen gelassen.

"Sitzt etwas schief?", beunruhigte sich Donna.

"Nein", er schüttelte mit dem Kopf. "Alles ist besser, als ich mir vorzustellen traute."

Es muss gesagt werden, dass Mike seine Niederlage würdig angenommen hatte. Nachdem er Harvey herzlich zum Geburtstag gratuliert hatte, gab er zu, dass es seinem Mentor wieder gelungen hatte den Spieß zu seinen Gunsten umzudrehen.

"Alles Übung",  gab Specter zur Antwort. "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen."

Es folgte eine freundliche Umarmung und die Männer bemerkten  nicht den an sie leise schleichenden Louis. Es war ziemlich stickig in der Wohnung und der Mann hatte bereits seine Jacke ausgezogen und seinen Hut schick ins Genick geschoben.

"Du bist ein hervorragender Anwalt und ein guter Freund", er streckte Harvey die Hand entgegen. "Alles Gute zum Geburtstag!"

Nach solchen Worten war Specter einfach gezwungen auch Louis in seine Arme zu schließen.

Jessica hielt eine bewegende Rede. Alle Unstimmigkeiten zwischen den Partnern und Mitarbeitern waren mindestens für diesen besonderen Abend vergessen. Heute waren sie eine richtige Familie.

Freitag, 2:00

"Das war einfach riesig!" Nachdem er den letzten Gast zum Taxi gebracht hatte, kehrte Harvey zurück in die Wohnung. "Was meinst du?"

Donna wurde klar, dass Harvey Specter, der Anwalt zurück gekehrt war.

"Es war einer der besten Abende meines Lebens", gestand sie. "Es war mehr als bloß eine Party."

"Ich bin froh, dass du das sagst. Wollen wir einen Letzten trinken?"

Abgesehen davon, dass es auf der Party eine Menge Alkohol auf den Tischen herumstand, waren die beiden ziemlich nüchtern. Donna bejahte und sie kehrten in die Küche zurück, wo sich Berge schmutzigen Geschirrs türmten.

"Oh, mein Gott, wie kriege ich das alles bloß hin?", beklagte sich Harvey.

Donna verdrehte die Augen.

"Männer!", mit diesen Worten näherte sie sich der Spüle und ließ das Wasser an.

"Es war keine Andeutung."

"Ich weiß. Ich ziehe mich nur schnell um. Das Kleid ist mir zu sehr ans Herz gewachsen. Gibt es bei dir entbehrliche Hauskleidung?"

Harvey dachte schnell nach, dann holte aus dem Schrank sein längeres T-Shirt.

Während sie im Bad stand, musterte sich Donna eingehend im Spiegel. Sie hatte mal schon besser ausgesehen. Das T-Shirt reichte ihr fast bis zu den Knien, die Haare hatte sie sich zusammen gebunden und die Schminke sollte man eigentlich auch nachziehen. Aber egal. Harvey hatte sie schon während der unzähligen Überstunden in „Pearson Hardman“ in allen möglichen Verfassungen erlebt.

Einige Minuten später spülte sie einen Glas nach dem anderen, was ihr einen unerklärlichen Spaß machte. In Gedanken versunken hatte sie nicht bemerkt, wie Harvey in die Küche kam.

Auf der Schwelle stehend und schweigend sah Harvey ihr einfach zu. Diese Frau spielte in seinem Leben längst eine bedeutendere Rolle, als nur eine gute Sekretärin. Er wusste, dass sie zusammen glücklich sein könnten. Vor zehn Jahren aber gab sie ihm unmissverständlich zu verstehen, dass zwischen ihnen nie und nimmer etwas außer beruflichen Verhältnissen laufen wird. Nicht zum ersten Mal war sie bei ihm zu Gast, erst heute aber gestand sich Harvey, dass es ihm gefiel sie in seiner Küche zu sehen.

Nach einer halben Stunde war es aus mit dem Geschirr.

"Soll ich dir ein Taxi rufen?"

Schweren Herzens gelang es Donna ihre Enttäuschung zu verbergen. Immer Kavalier bleiben. Trotz allem hielt Harvey immer den Umständen gebührenden Abstand. Und sie allen war daran schuld.

"Es wäre nett von dir."

Es schien, als ob sein Blick trauriger wurde. Er unterdrückte schnell einen Seufzer und begann in dem im Zimmer herrschenden Durcheinander nach seinem Handy zu suchen.

Donna faste sich plötzlich ein Herz.

"Möchtest du, dass ich bleibe?", rief sie ihm nach.

Harvey erstarrte, dann drehte er sich langsam um. Ihre Blicke kreuzten sich.

"Was spielt das für eine Rolle?", fragte er leise. "Du gehst trotzdem weg."

Donna näherte sich ihm und legte ihre Arme um seinen Hals.

"Heute nicht."

"Heute?"

"Immer."

Harvey zögerte. Am liebsten hätte er sie in seine Arme geschlossen und nie wieder losgelassen, fürchtete sich aber davor, dass ihr Verhalten dem überflüssigen Glas Wein zu verdanken war.

"Bist du dir da sicher?"

Sie schaute ihm zärtlich in die Augen und küsste ihn leicht auf die Lippen. Harvey war plötzlich klar, dass der Alkohol hier keine Rolle spielte. Im nächsten Augenblick erwiderte er den Kuss, indem er die seit langem innig geliebte Frau fest in den Armen hielt.


P.S. Da ich, was Deutsch angeht, keine Muttersprachlerin bin, dürft ihr alle meine Fehler ruhig korrigieren.
       Ich bitte darum.
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