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Erscheinungen

von TashaAlex
GeschichteMystery / P12
18.01.2018
24.01.2018
3
6.670
 
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18.01.2018 2.462
 
Die Idee zu dieser Geschichte kam mir vor über 10 Jahren, aber erst jetzt habe ich sie niedergeschrieben. Rechtzeitig vor meinem Kanada-Urlaub.
Als Fan der 1. Staffel ist es eine meiner wenigen Geschichten mit Praeger als Ermittlungsleiter, aber die Story finde ich trotzdem toll, weil sie meinem Lieblingscharakter gewidmet ist.
Hoffe sie gefällt euch auch.

Btw. Alle Anspielungen, ob offensichtlich oder nicht, sind beabsichtigt.
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James Mason wurde durch eine laute Stimme aus seinem Schlaf geweckt. Es war 2:10 Uhr, als er auf den Wecker sah. So sehr hatte er sich darauf  gefreut mal wieder ausschlafen zu können, seitdem seine Tochter nicht mehr im Ehebett neben ihm nächtigte. Umso mehr ärgerte es ihn, dass er nun um seinen Schlaf gebracht wurde. Es dauerte einen kurzen Moment, bis Mr. Mason die Stimme seiner Tochter erkannte. Schnell stand er auf, fast zu schnell für seinen Kreislauf um diese Zeit, und begab sich in das Kinderzimmer. Es lag direkt neben dem Schlafzimmer.
Das neunjährige Mädchen saß hellwach auf dem Bett und hielt die Barbie in der Hand, die sie vor ein paar Wochen zu Weihnachten bekam.
"Lucy" James trat an das Bett seiner Tochter "Was soll das? Weißt du denn nicht wie spät es ist?" fragte James. Es ärgerte ihn sehr, dass um diese Uhrzeit die Deckenlampe noch brannte, aber Lucy beachtete ihren Papa gar nicht. Erst als er ihr an die Schulter fasste, schaute sie zu ihm. Vorher hatte Lucy wie gebannt auf den Stuhl an ihrem Schreibtisch gestarrt.
"Bitte Lucy, schlaf jetzt" sagte James, nahm ihr die Puppe aus der Hand und legte sie auf den Schreibtisch. Bevor er das Licht ausschaltete, registrierte er wohlwollend, dass seine Tochter die Augen bereits wieder geschlossen hatte.
Es war kurz nach 4 Uhr, als Mr. Mason in dieser Nacht das zweite Mal geweckt wurde. Erneut war es seine Tochter, die ihn aus dem Schlaf riss. Diesmal klang es fast so, als würde sie sich unterhalten. Aber mit wem?
Angespannt beeilte James sich in das Zimmer von Lucy zu kommen und riss die Tür auf. Im Augenwinkel konnte er eine Gestalt am Bett seiner Tochter erkennen. Noch bevor James sie fixieren konnte, verschwand sie.  Und auch wenn es sich hierbei nur um einen kurzen Moment handelte, wusste Mr. Mason, dass er vor Schreck heute Nacht kein Auge mehr zumachen könne.

Axon, Donner, Dr. Hendricks und Dr. Davison waren bereits am Hause der Familie Mason in Whistler, B.C., angekommen, als ein Auto die verschneite Auffahrt hochfuhr. Der Einsatzleiter Matt Praeger hatte sich verspätet. Die Gepäckausgabe am Flughafen hatte aus unbekannten Gründen bei ihm länger gedauert. So musste Matt mit einem eigenen Fahrzeug zum Einsatzort gelangen. Lässig wie immer stieg Praeger aus dem Auto. Er liebte seinen Beruf als Wissenschaftler. Die Förmlichkeit und Steifheit, die der Beruf jedoch manchmal mit sich brachte, hasste er. Etikette gab es deshalb bei ihm nicht. Seine Teammitglieder wussten das und dennoch konnte er sie mit seinem Auftreten immer wieder überraschen.
Praeger griff nach der Sonnenbrille, die er trug. "Ich hab keine Schneebrille, da dachte ich eine Sonnenbrille tut es auch." Alle lachten. Sie mochten Matts charismatische Art, auch wenn sie sich zunächst daran gewöhnen mussten. Praeger checkte kurz die Gegend und war überwältigt von der Schönheit der Natur. Das Haus der Masons stand am Rande eines dichten Waldes. Die Bäume waren mit Schnee bedeckt und glänzten wunderschön in der Sonne. "Ich liebe diese Gegend". Während Matt sprach versuchte er viel von der klaren Luft in sich aufzusaugen. Axon konnte dem Ort allerdings nicht viel positives abgewinnen. "Ich bin in so einer Gegend aufgewachsen" entgegnete Peter kurz. "Da werden doch Kindheitserinnerungen wach". Matt bemerkte Axons mürrischen Blick, der auf seine Aussage folgte. "Und dabei wollte ich sie gerade fragen, ob sie mir Ski fahren beibringen." Alle sahen leicht überrascht, leicht geschockt zu Praeger, der ein Lächeln aufsetzte. "Wenn der Fall zu Ende ist" rechtfertigte er sich.
Es war keine weitere Zeit für Erklärungen und Unterhaltungen, da die Haustür der Masons geöffnet wurde. Eine dunkelhaarige Frau trat heraus und stellte sich dem Team als Amy Moore vor. In ihrer weißen Bluse und hübschen Hose wirkte sie fast fremd in dieser rauhen Umgebung. Die Mitglieder des OSIR hatten sich für feste Winterkleidung, dicke Jacken und Pullover entschieden. Es war eisig kalt. Umso lieber ließ sich das Team von Mrs. Moore in das Haus führen. Sie waren gespannt, was sie hier erwartete.
Das Team war überrascht, als sie das Haus betraten. Im Inneren hatte dieses nichts mehr von dem rustikalen Charakter, den es von außen ausstrahlte. Es war sehr modern eingerichtet, hell und freundlich.
"Sieht nicht gerade wie ein Geisterhaus aus" stellte Matt fest, als sie im Erdgeschoss den Weg vom geräumigen Wohnzimmer in die offene Küche fortsetzten. Er war sich nicht sicher, ob Mrs. Moore seine Bemerkung hörte. Sie lief ein paar Schritte vor den Anderen, als sie dem Team das Haus zeigte.
In der Küche sollten sie auch endlich den Hausherren kennenlernen. Er saß am Esstisch. Sein Äußeres entsprach schon eher dem Bild, was die Allgemeinheit von den hier lebenden Menschen hatte. Es war ein kantiger Typ mit dunkelblonden Haaren und 3-Tage-Bart. Der Mann, der sich ihnen als James Mason vorstellte, trug eine einfache Jeans und ein kariertes Hemd. Nachdem er das Team zögernd begrüßt hatte, zog James Amy zur Seite. Er wollte in Ruhe mit ihr Reden.
"Warum hast du die denn gerufen?" wollte James wissen. Amy war die Verärgerung in James Stimme nicht entgangen. Sie kannte ihren Bruder gut. "Was sollte ich denn tun, nachdem du mir von vorgestern Nacht erzählt hast" rechtfertigte Amy sich. "Ich mache mir Sorgen um Lucy". Ihre Stimme klang vorwurfsvoller, als beabsichtigt. Sie wusste genau, dass auch für James das Wohlergehen seiner Tochter wichtiger war, als alles andere. Und er fand es super, dass seine Tochter und seine Schwester sich bestens verstanden. Amy war eine große Hilfe, nachdem er so plötzlich zum alleinerziehenden Vater wurde. Sie kam so oft wie möglich vorbei, wenn er sie brauchte. Umso mehr erschütterte es ihn, dass sie ihre weitere Anwesenheit davon abhängig machte, ob er den Ermittlungen des OSIR zustimmte. Schließlich willigte er ein.
Sie setzten sich alle zusammen an den Tisch. James begann die Ergebnisse zu schildern, die sich vor 2 Tagen nachts hier zugetragen hatten.
"Nachdem meine Frau vor einen halben Jahr verstorben ist, höre ich öfter, dass Lucy Selbstgespräche führt. Zuerst habe ich das auf den Verlust ihrer Mama geschoben" James stockte einen Moment, bevor er ergänzte "aber als ich die Gestalt am Bett meiner Tochter sah, hab ich wirklich Angst bekommen." Während Amy aufstand, um für alle Kaffee zu kochen, wurde James mit vielen Fragen der Ermittler konfrontiert. Wer war die Gestalt? Woher kam sie und was wollte sie? Mr. Mason hatte darauf keine Antwort. "Was glauben sie was es gewesen ist" fragte Anton Amy, nachdem er sich für den gebrachten Kaffee bedankte. Sie wusste nicht, ob sie sich äußern sollte, aber das freundliche Lächeln des Doktors ermutigte sie. "Ich hab gelesen, dass Kinder Geister rufen können. Es heißt sie seien übersinnlich". "Amy bitte" James brachte seine Schwester zum schweigen. "Erzählen sie mir nicht, dass es in meinem Haus spukt. Das kaufe ich ihnen nicht ab". Mit diesen Worten ging James die Treppe zur 2. Etage hinauf. Matt deutete Anton an James zu folgen. Dr. Davison sollte währenddessen mit Lucy reden. Das Team brauchte weitere Informationen über das Haus und Lisa Mason.

Mr. Mason stand am Nachttisch und hatte ein Bild in der Hand, als Dr. Hendricks das Schlafzimmer betrat. Der Raum war stilvoll eingerichtet und strahlte eine unheimliche Ruhe aus. Zum Wohlfühlen. Wie wohl sich Mr. Mason hier jedoch fühlte, seitdem seine Frau nicht mehr da war, mochte Anton nicht zu beurteilen. Er trat an James heran. Erst jetzt war es ihm möglich das Motiv des Bildes zu erkennen, das Mr. Mason immer noch festhielt.
"Unser letztes Familienfoto" kommentierte James. Der traurige Ton in seiner Stimme war nicht zu überhören. Dr. Hendricks wartete, bis Mr. Mason das Foto zurück an seinen Platz stellte. Dann entschied er sich das Gespräch auf eine persönlichere Ebene zu bringen.
"Wie ist ihre Frau gestorben?" fragte Anton und legte die Hand auf James Schulter. "Sie wollte im Wald Pilze sammeln" begann James die tragischen Erlebnisse von damals wiederzugeben. "Der Wald liegt an der Straße. Als Lisa wieder aus dem Wald heraus trat, muss sie wohl von einem Autofahrer übersehen worden sein". Es schmerzte ihn, als er ergänzte, dass seine Frau überfahren wurde. James schüttelte den Kopf und wandte sich an Anton "Warum musste sie denn von einen der wenigen Autos überfahren werden, die hier vorbei kommen?"
Natürlich wusste Anton, dass James hierauf keine Antwort erwartete. Er hätte sowieso nicht gewusst, was er sagen sollte. Er entschied sich noch ein bisschen im Zimmer zu bleiben und James Trost zu spenden.

Im daneben liegenden Zimmer versuchte Claire ein Gespräch mit Lucy zu führen. Allerdings blieb es bei dem Versuch, da die Kleine nicht mit Dr. Davison reden wollte. Sie saß auf dem Boden und spielte mit ihrem Barbie-Haus. Die Fragen der Doktorin ignorierte sie total.

Peter war dabei ein paar Instrumente im Erdgeschoss des Hauses zu installieren, als Mrs. Moore zu ihm trat. Etwas missmutig inspizierte sie die elektronischen Geräte und Kameras, die sich nun im Wohnzimmer befanden. "Was wollen sie mit den vielen Überwachungsgeräten?" fragte Amy und trat an Peter heran. Axon nahm sich viel Zeit die geplanten Untersuchungen zu erläutern. "Die Geräte sind mit unserem mobilen Labor verbunden" ließ er Amy wissen. "Sollte sich in dem Haus etwas bewegen, dann wissen wir das sofort". Amy schätzte Peters offene Art, teilte ihm jedoch mit, dass ihr Bruder von so viel Technik im Haus bestimmt nicht begeistert wäre.
"Mrs. Moore, wenn ihr Bruder wissen will,  was hier vor sich geht, dann sollte er unsere Methoden akzeptieren".  Während Peter sprach war er gerade dabei die letzte Kamera im Erdgeschoss zu befestigen. Die Verkabelung des Obergeschosses war ebenfalls geplant, außerdem wollte das Team den Schlaf der drei Familienmitglieder überwachen.
Da Donner die weitere Ausstattung der Wohnung übernahm, verließ Axon das Haus und erkundigte zusammen mit Amy die Umgebung.
Es wurde Nachmittag und Beide wollten vor Einbruch der Dunkelheit zurück sein.

Peter, Lindsay, Claire und Anton saßen bereits am Tisch des mobilen Labors, als Matt sich ebenfalls setzte. Er nahm einen Schluck aus dem Glas, das er in der Hand hatte. "Gletschereis, die beste Erfrischung überhaupt". Praegers Worte verursachten einen Stich in Donners Herz.
"Was?" Sie sah ihren Teamleiter mit weit aufgerissenen Augen an.
"Ich sagte, dass Cola mit Eis viel besser schmeckt" antwortete Matt. Ihm war Donners Blick nicht entgangen, konnte ihn aber nicht interpretieren. So entschied er sich diesen zu ignorieren.
Zunächst wollte Matt alle Fakten wissen, die bisher während der Untersuchungen gesammelt werden konnten. Peter berichtete von der Umgebung, die er erkundigte. Dr. Davison und Dr. Hendricks erzählten von den psychologischen Gesprächen, die sie mit Lucy und James führten. "Aus dem Mädchen war allerdings nicht viel rauszubekommen" fasste Claire die kurze Unterhaltung zusammen. "Na gut, dann möchte ich, dass sie zukünftig die Gespräche mit Lucy führen" sagte Praeger und sah zu Lindsay.
"Natürlich war auch ich nicht untätig". Matt schaltete den Beamer ein, um seinen Vortrag zu beginnen. "Das OSIR wurde mehrmals angefordert, als es um Geistererscheinungen ging." Auf dem Bildschirm erschien ein Haus in Warburton County. "In diesem Fall ging es um eine alte Frau, die dachte, dass ihre Ehemann von den Toten auferstanden ist." Matt merkte nicht, dass Donners Gedanken während seiner Ausführungen abschweiften und sie sich geistig wieder am Ort des damaligen Geschehens befand. "Ich erinnere mich. Es war ihr Sohn, der ihr übel mitspielte und die Geistererscheinungen und Geräusche inszenierte" stellte Lindsay fest. Matt sah sie ungläubig an.
"Das können wir diesmal wohl ausschließlichen."
Schon erschien das nächste Foto auf dem Bildschirm und Matt berichtete über den Fall, den es damals zu untersuchen gab. Ein kleines Mädchen begegnete in ihrem Elternhaus ein Geist, mit dem sie sich anfreundete. Auch hieran erinnerte Lindsay sich gut. Sie hatte den Geist damals selbst gesehen. Jedoch handelte es sich auch hierbei nicht um die Gestalt einer Verstorbenen, sondern um einen Astralkörper, den eine Frau im Koma erzeugte. "Dies trifft diesmal wohl nicht zu" schlussfolgerte Anton und die anderen Teammitglieder stimmten zu.
"Einen Fall hab ich noch" sagte Matt. Er hielt ihn für den interessantesten Fall. Eine Frau erschien in einem Flugzeug, das vom Blitz getroffen wurde, und bewahrte es vor dem Absturz. "Zumindest hatten die Zeugen das damals so berichtet" sagte Praeger. Auch diesmal bemerkte er die geistige Abwesenheit von Lindsay nicht und war umso erstaunter, als Donner aufsprang und blitzschnell den Wagen verließ. Peter folgte ihr.
Überrumpelt von den Ereignissen sah Matt abwechselnd zu Anton und Claire und wartete auf eine Erklärung. Beide schwiegen.
"Anton, was war das gerade?" wollte Matt wissen und sah dem Doktor dabei tief in die Augen. Dieser hielt seinem Blick stand, ohne etwas zu sagen. "Was ist los, fangen wir jetzt wieder an Dinge zu verheimlichen. So haben sie sich nicht mehr benommen, seitdem ich das Team übernommen habe." Matt las noch einmal den Ermittlungsbericht und erstarrte.
Peter sah Lindsay vor dem mobilen Labor stehen. Es fröstelte ihn und er konnte sich nicht vorstellen, dass es Donner anders ging. Schließlich waren Beide nur mit einem Pullover bekleidet, als der Wind eisig pfiff.
Axon schüttelte sich einen Moment, bevor er das Wort ergriff.
"Sie wussten, dass es sein Fall war?" Und auch wenn er die Antwort schon kannte, war er gespannt auf Lindsays Aussage. Stille. Ein paar Minuten sagte keiner was,  Peter kam es wie eine Ewigkeit vor. Peter wollte sich wieder zurück ins Warme begeben, als Donner doch zu sprechen begann. "Er hat mir davon erzählt. Wir haben über so vieles geredet, wenn es mal wieder spät im Büro wurde."
Axon war Donners brüchige Stimme nicht entgangen. Weinte sie?
Er konnte es nicht sehen, da sie mit dem Rücken zu ihm stand.
"Es ist lange her. Ich dachte sie hätten es überwunden." Bei seinen Worten trat Peter näher an Lindsay heran, aber sie wich seinem Blick immer noch aus.
"Haben sie es überwunden?" Noch bevor Peter etwas sagen konnte, verschwand Donner wieder im Büro. So konnte sie auch nicht hören, dass er ihre Frage mit einem Nein beantwortete.
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