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Krankheit und Paranoia (Sick!Skipper x Marlene)

von Sickfic
OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Marlene Skipper
17.01.2018
17.01.2018
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Sick!Skipper x Marlene Sickfic


„Sicher, dass du uns ganz alleine die Mission anvertrauen willst, Skipper?“, hinterfragte Kowalski noch einmal, während die Unsicherheit sich nur so in den blauen fragenden Pinguin Augen wiederspiegelte.
„Ja, sicher bin ich mir immer.“, sagte Skipper ernst und räusperte sich, „Kowalski, ich will ja nur deine Anführer Fertigkeiten testen.“
„Uh.“, der angesprochene Pinguin zuckte kurz zusammen, „Denkst du denn, ich bin wirklich bereit dafür?“
„Klar, bist du das.“, meinte der Anführer aufmunternd lächelnd und klopfte ihm auf die Schulter, „Du schaffst das schon.“
„Wenn du meinst…“, murmelte Kowalski geistesabwesend und starrte kurzerhand den Himmel an, als ob er dort oben eine Lösung finden würde. Jedoch war die warm scheinende Sonne nicht seine Lösung.
„Ich bin mir über 100% sicher!“, versicherte Skipper ihm und holte ihn zurück zur Realität.
„100% ist eine gute Zahl. Ich bin mir sicher, dass du das schaffst, Kowalski.“, machte Private seinem Freund Mut. Er hatte nämlich großes Vertrauen in seinen Helden.
„Gut, dann gehen wir jetzt auf Mission. Ich bin mir sicher, wir werden dich nicht enttäuschen.“, meldete Kowalski salutierend.
„Genau wie ein richtiger Anführer.“, lächelte Skipper und sah zu, wie sein Team sich auf einer Drei-Mann Mission begab. Nicht umsonst hatte er sie zum weitliegenden Hafen geschickt um frischen Fisch zu holen. Zum einen wollte er seine Männer testen, des Weiteren wollte er etwas Zeit für sich, die er auch gut gebrauchen konnte. Als er gerade lächelnd und gut gelaunt zur Sonne blickte, überkam ihm das kitzelnde Gefühl im Schnabel, welches er auch schon heute Morgen gefühlt hatte. Und plötzlich musste er niesen. Schniefend erholte er sich davon und wischte sich verwundert den Schnabel ab. Auch das war ein Grund gewesen, warum er seine Leute weggeschickt hatte: Irgendetwas war an diesem Morgen falsch mit ihm und er wollte sie nicht beunruhigen. Einmal atmete der Anführer laut und kontrolliert ein und aus, doch seine Lungen räusperten sich plötzlich und er musste husten. Im selben Moment überkam ihm eine eisige Kälte und er fühlte sich schwindelig. Verwirrt hielt er sich den Kopf und sammelte seine Gedanken. Dann verschwand der Schwindel so schnell wie er auch gekommen war. Stur schüttelte er seinen Kopf und er wusste, dass es so nicht weitergehen konnte. Er brauchte dringend Hilfe und er wusste auch genau von wem…

„Marlene! Marlene! Ich brauche dringend deine Hilfe!“
Fast schon panisch schallte Skippers Stimme durch Marlenes Eingang. Die ruhige Otterdame hatte gerade in ihrem Lieblingsmagazin geblättert, als sie den Pinguin hörte und alarmiert aufsprang. Sie war auf alles vorbereitet… Außer auf das. Dort stand sie nun und blickte auf einem leicht verwirrten, halb paranoiden Skipper, der sein Federkleid aufgeplustert hatte und leicht tränende Augen hatte.
„Was ist denn los, Skipper?“, fragte sie in einem relativ ruhigen Ton, obwohl sie sich doch etwas über das Aussehen ihres gefiederten Freundes wunderte.
„Dr. Seltsam hat mich sicherlich mit irgendetwas beschossen! Ich wurde verflucht!“, fing der Pinguin mit seiner Paranoia an.
„Aha.“, machte Marlene nur und sah ihn ungläubig an, „Und du glaubst das, warum nochmal?“
„I-Ich friere total und Pinguine sollten nicht frieren!“, sagte Skipper beunruhigt, „und meine Federn... sind so matt und glanzlos.“
„Und weiter?“, drängte ihn die Otterdame zu erzählen. Noch hielt sie es alles nur für seine übliche Paranoia… Probleme sehen, die gar nicht existieren, doch als er weitererzählte wurde sie doch etwas hellhöriger.
„Und dann hat sich die ganze Umgebung gedreht und jetzt ich bin völlig k.o.“, mit einem müden Blick beendete er seinen Satz.
„Wow, also das klingt jetzt wirklich nicht so gut.“, sie kam näher zu ihm. „Hast du genug geschlafen?“,
„8 Stunden wie immer. Daran liegt’s nicht.“, informierte er sie und er merkte eine warme Pfote an seiner Stirn. Erschöpft sah er dem Otter ins Gesicht, „Marlene, was stimmt nicht mit mir?“
Sie nahm die Pfote wieder runter, „Fieber hast du keins, aber ich schätze, du bist krank.“
Skipper war mit einem Mal hellwach; „Ich? Ich und krank? Ich bitte dich! Diese beiden Wörter passen gar nicht zusammen!“
Sie sah ihn einfach nur mit einem Nicht-dein-Ernst Blick an.
„Nein, Marlene. Es muss eine andere Erklärung dafür geb-„, Skipper stoppte, da seine Nase wieder anfing zu kitzeln. Er hielt sich beide Flossen vor den Schnabel und nieste.
„Jup. Definitiv krank.“, meinte Marlene nur und versuchte es etwas sanft: „Sieh es doch ein Skipper. Du musst dich hinlegen und deine Jungs kümmern sich sicher um dich.“
„Meine Jungs habe ich auf eine Mission geschickt.“, antwortete Skipper trocken und räusperte sich, als seine Stimme heiser klang.
„Uhm… Dann muss sich jemand anderes um dich kümmern.“, sagte sie unsicher und sah ihm in seine müden, leicht tränenden Augen.
„Nein, das kommt nicht in Frage.“, meinte Skipper entschlossen, „Ich kann mich doch nicht schwach dem Feind präsentieren!“
„Wie… Wie wäre es dann, wenn ich mich kümmere?“, bot sie lächelnd und hilfsbereit an.
Für einen Moment sah der Pinguin an und er geriet ins Grübeln, „Das wäre eine Option.“
Dann spürte er plötzlich den Druck in seinen Lungen und er musste laut husten. Die Otterdame huschte zu seiner Seite und rieb ihm sanft den Rücken, „Du hörst dich wirklich nicht gut an.“
„Es… geht… schon.“, Skipper bekam kaum einen richtigen Ton heraus und er musste erneut husten, um seine Stimme in Klang zu bringen, „Zweitens, ich bin nicht krank.“
„Natürlich nicht.“, rollte Marlene nur mit den Augen und lenkte Skipper Richtung ihrem Bett, „Möchtest du dich nicht etwas hinlegen? Ich weiß, es ist nicht dein Bett, aber gemütlich ist es trotzdem.“
„Nein, danke. Aber so müde bin ich jetzt auch wieder nicht.“, lehnte er ab und fühlte sich plötzlich wieder schwindelig. Automatisch setzte er sich aufs Bett und hielt sich seinen dröhnenden Kopf. Es schrillten dort drin wie eine Sirene. Marlene sah ihn besorgt an.
„Guck mich nicht so an. Mir geht’s gut!“, krätzte Skipper und legte sich schließlich doch ins Bett. Dass er das so freiwillig tat, machte die Otterdame nur skeptischer. Sowas würde er nie im Leben tun, das wusste sie. Mit besorgten Blick setzte sie sich zu ihm und fühlte noch einmal seine Stirn.
„Was soll das ständige Betatschen der Stirn?“, forderte er eine Erklärung.
„Ich sehe nur nach, ob du Fieber hast. Komischerweise hast du nämlich keins.“, antwortete Marlene verwundert.
„W-Wie soll ich denn auch Fieber haben, wenn mir k-kalt ist?“, bibberte Skipper und umschlang sich mit den Flügeln. Seine Federn stellten sich nur noch mehr auf, sodass er nun weich und fluffig wirkte.
„Skipper, warum machst du das?“, fragte Marlene sichtlich irritiert.
„Ich weiß nicht. Das ist sicher das Werk von Dr. Seltsam!“, verteidigte sich Skipper hustend.
„Lass doch mal den verrückten Delfin aus der Sache raus.“, meinte sie seufzend.
„Dann war es halt Lars! Oder der Pfeilgiftfrosch! Der kann ja vergiften!“, fing er an und wurde immer mehr redenslustig, dass seine Stimme am Ende stark abnahm.
Das kann noch ein langer Tag werden.“, dachte sich die Otterdame und versuchte ihn zu beruhigen: „Skipper, ich bin mir sehr sicher, dass du einfach nur krank bist.“
„Ich habe aber kein Fieber, also bin ich auch nicht krank!“, schlussfolgerte er besserwisserisch.
„Nur weil du kein Fieber hast, heißt das noch lange nicht, dass du irgendwie verflucht wurdest oder so!“, meinte sie und deckte ihn langsam zu. Er atmete tief durch: „Und wenn schon-„ Sein Husten brach ihn ab. Jedoch versuchte er nicht mehr zu reden, sondern kuschelte sich einfach in die Decke hinein. Sie war so weich und flauschig. Marlene musste schmunzeln bei diesem süßen Anblick und musste sich zwingen, kein Awww aus ihrem Mund zu lassen.
Dann schüttelts sie den Kopf, um wieder zurück zur Realität zu kommen. Ihr Freund war krank und er brauchte Hilfe!
„Skipper, uh, wie wäre es, wenn du etwas schläfst?“, bot Marlene ihn mit ruhiger und liebevoller Stimme an.
„Schlafen?“, Skipper setzte sich abrupt auf.
„Uhm… Ja?“, machte sie nur verwirrt.
„Ich soll schlafen?“, Er sah sie mit einem Nicht-Dein-Ernst Blick an, „Schlafen, wenn der Feind jeden Moment aus dem Gebüsch springen könnte und uns angreifen würde!“
Nun war es Marlene, die skeptisch eine Augenbraue hob und ihm einen Nicht-Dein-Ernst Blick schenkte.
„Marlene! Verstehe mich doch endlich! Hör auf mich!“, flehte der Pinguin und betete mit seinen Flossen, „Dr. Seltsam hat mir das angetan! Jetzt bin ich völlig schwach und hilflos!“
Marlene seufzte, wie sollte sie Skipper nur klar machen, dass er ‚nur‘ krank war? Sie überlegte und dann hatte sie plötzlich einen Plan. Wieso spielte sie nicht einfach bei Skippers Paranoia mit?
„Oke, oke, ich glaube dir ja.“, beruhigte sie ihn und wollte ihn wieder zurück legen, jedoch fuchtelte er mit den Flosse rum.
„Wir müssen sofort los!“, rief er so laut, dass er davon husten musste. Er wollte aufspringen, aber die Otterdame hielt ihn mit beiden Pfoten zurück, was eigentlich gar nicht schwer war, da Skipper nicht gerade im besten Zustand war.
„Wow, warte doch Skipper. Wie wäre es, wenn wir warten, bis dein Team zurückkehrt? Dann haben wir doch bessere Chancen!“, schlug sie vor und seufzte innerlich. Sie fragte sich wirklich, warum sie dieses Spiel überhaupt mit ihm spielte. Natürlich war er nur krank und Dr. Seltsam, dieser blöde Delfin, hatte sicher nichts damit zu tun.
„Nein, Marlene. Wir müssen jetzt los, bevor es zu spät ist!“, entgegnete der Pinguin und kämpfte gegen sie an. Letztendlich war er aber zu schwach und sie konnte ihn leicht unter Kontrolle halten.
„Wofür zu spät?“, wunderte sich Marlene.
„Was ist, wenn ich sterbe?“, piepste Skipper nun leise und wurde danach stumm. Auch wehrte er sich nicht mehr gegen sie. Nun schien die Otterdame es verstanden zu haben und lächelte warm. Sie setzte sich neben ihm, legte aufmunternd einen Arm auf seine Schulter und redete beruhigend: „Skipper, schau, du wirst nicht sterben. Dafür sorge ich dich. Aber wenn du jetzt zu Dr.Seltsam gehst, dann wird dein Zustand nur schlechter und dann kann es wirklich passieren, dass du, nun ja…“, sie schluckte. Der Gedanke machte ihr wirklich Angst, „stirbst.“
Man konnte sehen, dass Skipper Angst vor dem Tod hatte und mit zugekniffenen Augen legte er seinen Kopf auf Marlenes weiches Fell. Er murmelte heiser und ängstlich: „Ich will nicht sterben.“
„Dass wirst du auch nicht.“, sagte sie sanft und streichelte ihm beruhigend den Kopf, „Ich bin doch bei dir.“
„Danke.“, flüsterte Skipper und kuschelte sich zitternd an seine pelzige Freundin. Ihm war eisig kalt, seine Lunge brannte ihm, der Hals tat vom Sprechen weh und er fühlte sich wie K.O geschlagen. Marlene versteckte hinter ihrem sanften Lächeln, die Sorge, die sie um ihn hatte. Mit so wenig Bewegungen wie möglich angelte sie sich ihre Decke und umwickelte Skipper sanft darin, da sie seinen Drang nach Wärme nur nachkommen wollte. Was sie nur die ganze Zeit beschäftigte, war, dass Skipper kein Fieber hatte, obwohl er so fiebrig wirkte: Seine Gefühle spielten verrückt – er war viel dramatischer als sonst (was vielleicht auch an seiner Paranoia lag) -, er hatte kalt und neben dem ständigen Schwindel, wirkte er auch völlig verwirrt und desorientiert. Dann erinnerte sie sich plötzlich daran, dass Skipper, wann immer sie ihn berührt hatte, immer ziemlich warm gewesen war. Sie dachte, dass läge daran, dass er immer so ein Hitzkopf war. Jetzt glaubte sie langsam, dass bei Vögeln die Temperatur normalerweise viel höher war, als bei Säugetieren. Dann musste der Wärmeverlust also bedeuten, dass er Fieber, pardon, Unterkühlung hatte. Marlene schaute kurz nach, ob Skipper schon schlief, aber so wirkte es nicht.
„Skipper?“, sie flüsterte trotzdem, nur zur Sicherheit, „Kann es sein, dass du statt Fieber unterkühlt bist?“
Er sah sie müde an und war völlig mit der Frage überfordert. Woher sollte er das denn auch wissen? Hieß er jetzt plötzlich Kowalski?
„Weil du normalerweise immer so warm bist und jetzt so kalt.“, fügte sie noch hinzu und streichelte ihm wieder etwas den Kopf.
„Kann sein.“, murmelte Skipper erschöpft und kuschelte sich zurück in Marlenes weiches Fell, welches warm und kuschelig war, „Oder es war doch Dr. Seltsam.“
„Ich glaube ersteres passt besser.“, meinte sie schmunzelnd und ließ ihn kuscheln. Sie wusste, dass er wahrscheinlich einfach nur Wärme brauchte und dass sie, wie auch immer, ein lebender Wärmespender war.
„Marlene, man gibt immer dem Feind die Schuld!“, krätzte Skipper schmunzelnd und hustete, „Oberstes Gesetz.“
Er schloss sanft die Augen, schniefte laut und wurde vom Husten so durchschüttelt, dass er gezwungen wurde wieder die Augen zu öffnen. Zugleich wurde er aber auch immer müde und er schlief friedlich ein. Marlene legte ihn ruhig in ihr Bett, deckte ihn warm zu und blieb bei ihm sitzen. Der Frieden hielt jedoch nicht lange an, denn der kranke Pinguin wurde von fürchterlichen Alpträumen geplagt. Schon fing er an zu zucken, windete sich und rollte sich von der einen Seite zur Anderen. Die Otterdame wollte ihn mit Streicheln beruhigen, aber er hob schützend seine Flossen vor sich und ließ es nicht zu. Und da sie ihn nicht wecken wollte, blieb ihr nichts anderes übrig, als zuzuhören wie er seine nur im Traum existierenden Feinde beschimpfte.

Nach nur wenigen Stunden hatte sich Skippers Zustand weiter verschlechtert. Der Pinguin war panisch aus seinem Alptraum erwacht und die Paranoia war ihn ihm zurückgekehrt. Schlimmer als am Morgen.
„Skipper, leg dich wieder hin!“, bat Marlene leicht verzweifelt, als der erschöpfte, zitternde Skipper versuchte sich auf den Watschlern zu halten. Er hatte die Flossen kampfbereit vor sich und sein kampfeslustiger Blick benötigte keine weiteren Worte. Seine Augen waren mittlerweile blutunterlaufen, einerseits vom Schlafmangel, andererseits vom Schnupfen.
„Das willst du doch nur! Sicher arbeitest du mit Dr. Seltsam zusammen! Du willst mich hier gefangen halten, während dieser verrückte Delfin mein Team entführt!“, zischte Skipper wütend.
„Erstens…“, Sie wusste gar nicht, wo sie überhaupt anfangen sollte, „Ich will nur das Beste für dich.“
„Das Beste ja?“, unterbrach der Pinguin sie und sah sie wütend an, „Nur deinetwegen bin ich so krank!“
„Du gibst also endlich zu, dass du krank bist?“, wunderte sich die Otterdame mit erhobener Augenbraue.
„Nein. Ich bin nicht krank!“, protestierte Skipper, „Aber wenn ich es wäre, dann würde es deine Schuld sein!“
„Zweitens, ich arbeite sicherlich nicht mit diesem Größenwahnsinnigen zusammen und das solltest du langsam wissen. Mensch, Skipper, wir sind Freunde!“
„F-Freunde oder F-Feinde?“, langsam geriet der sich bisher wacker schlagende Pinguin ins Schwanken. Doch auch wenn sein Körper gegen den enormen Kraftaufwand protestierte, wollte er diesen Kampf nicht verlieren. Sogar seine Sicht wurde langsam schwammig und verschwommen.
„Freunde.“, beruhigte Marlene ihn und nahm sanft seine Flosse. Er zuckte weg und wich leicht nach hinten aus, wobei er Probleme hatte sein Gleichgewicht zu halten, „Du musst runterkommen. Du denkst nicht klar.“
„I-Ich denke klar genug…“, Skipper musste schlucken, ihm war ganz komisch zumute, „Marlene, wie konntest du uns nur so in den Rücken fallen! Ich habe dir vertraut!“
Nun wurde es der Otterdame aber wirklich zu viel. Leicht wütend nahm sie wieder Skippers Flosse und sorgte dafür, dass er ihr in die Augen schaute. Augen, die nicht Lügen konnten. „Skipper, du bist krank und deswegen siehst du mich als Feindin an. Ich tue dir nichts. Das weißt du doch.“ Ihre Lippen formten ein weiches Lächeln.
„U-Und warum sollte i-i-ich d-dir g-glaub-„, Er konnte seinen Satz nicht mehr zu ende bringen, denn die tiefe Schwärze hatte Besitz von ihm ergriffen. Ihm nächsten Moment sackte er in Marlenes Armen zusammen und sie legte ihn sanft zurück ins Bett.
„Oh, Skipper…“, sie klang völlig besorgt und deckt ihn wieder zu, „Wieso konntest du nicht liegen bleiben?“
Doch natürlich antwortete ihr der Bewusstlose nicht. Sie verzweifelte fast, denn sie mochte ihn doch so sehr und konnte es nicht ertragen, ihn stark leiden zu sehen. Dann hörte sie das leise Schnarchen und schöpfte Hoffnungen.
Als sie dann sichergehen konnte, dass er auch wirklich nur schlief, suchte sie in ihren Büchern nach Rat. Dann wurde sie glücklicherweise in einem Lexikon fündig und sie las es sich leise vor: „Damit sie ihre Körpertemperatur von 39°C auch in kalten Gebieten konstant halten können, kuscheln sich die Pinguine aneinander. Sinkt jedoch die Körpertemperatur zu sehr, dann plustern sie auch schon mal ihre dicken Federn auf, um der Kälte zu trotzen.“
Auch wenn Marlene nicht alles genau verstanden hatte, verstand sie einiges davon.
Ach, deswegen plustert sich Skipper so auf… Und ich hatte Recht mit dem Kuscheln!“, dachte sich die Otterdame und warf einen kurzen Blick auf ihren schlafenden Freund, „Awww
Dann widmete sie sich wieder dem Lexikon zu und las weiter: „Sollte ein Pinguin erkranken ist es wichtig, dass er in einer ruhigen, warmen Umgebung untergebracht wird. Besonders auf viel Schlaf sollte geachtet werden und Aufregung vermieden werden.“
Das war alles, was sie fand. So schloss sie das Buch leise und brachte es zurück an seinen Platz. Dann wendete sie sich wieder dem Pinguin zu. Sie streichelte ihn liebevoll über den Kopf, der als einziger nicht von der Decke bekleidet war. Da hob Skipper plötzlich müde den Kopf, schien aber nicht aufgewacht zu sein. Entspannt rieb er sein gefiedertes Köpfchen an Marlenes Pfote.
„Aww, also das ist jetzt wirklich zu niedlich.“, schwärmte Marlene und ließ es sich gefallen. Sie hatte nie wirklich diese… weiche, gefühlvolle Seite an ihm gesehen. Irgendwie erwärmte sich ihr Herz dabei ganz plötzlich.
„Was ist niedlich?“, wollte Skipper verschlafen wissen und öffnete die Augen. Sofort nahm Marlene verlegen ihre Hand weg und lächelte nervös, „Hehe, ich dachte du schläfst.“
„Selbst im Schlaf bin ich stets wachsam.“, warnte er sie und gähnte einmal lange.
„Oh, achso.“, murmelte die Otterdame immer noch halb verlegen, „Wie wäre es, wenn du weiterschläfst?“
„Damit du wieder Pfote an meinen Körper legen kannst?“, er gab ihr einen skeptischen Blick.
„I-Ich habe dich nur gestreichelt!“, verteidigte sie sich und sprang vom Bett runter, „Mehr nicht!“
„Streicheln? So weit gehst du also schon!“, man merkte, dass Skippers Paranoia stärker geworden war. Er wollte sich wieder aufrichten, doch dieses Mal warf sich Marlene auf ihn und hielt ihn unten.
„Skipper, du bist beim letzten Mal ohnmächtig geworden! Erinnerst du dich nicht mehr?“, die Sorge spiegelte sich in ihren Augen wieder. Für einen Moment verlor sich der Pinguin in den glänzenden Augen. Dann schüttelte er nur langsam den Kopf und schließlich lösten sich die Blicke, da er husten musste. Zudem bekam er nur noch schlechter Luft, auch weil Marlene jetzt auf ihm lag. Als sie bemerkte, in welcher Pose sie sich befanden, sprang sie verlegen von ihm runter, wodurch Skipper leise vor Schmerz aufschrie.
„Tut mir leid! Wirklich!“, entschuldigte sich Marlene hastig.
„Schon gu-„, plötzlich musste Skipper stark husten und konnte seinen Satz nicht beenden. Die Otterdame begab sich zu seiner Seite und rieb ihm sanft und liebevoll den Rücken.
„Skipper, du bist wirklich total krank geworden.“, sagte Marlene besorgt und zugleich traurig.
„Das war Seltsams Werk.“, protestierte Skipper und hielt sich mit seiner Flosse den Kopf. Ihm war so schwindelig und schlecht.
Marlene seufzte laut auf, „Skipper… Ich habe gelesen, dass Pinguine, wenn sie krank sind, kein Fieber bekommen, sondern die Temperatur sinkt. Du bist krank.“
„Schwachsinn.“, krätzte er erschöpft und hustete in seine Flossen. Bevor er fortfuhr, schniefte er nochmal, „Ich war noch nie krank.“
„Dann bist du es jetzt einmal.“, antwortete Marlene nur trocken und ließ nicht mit sich diskutieren. Dann lief sie zu einem ihrer Schränke, „Aber da du so skeptisch bist, können wir gerne auch deine Temperatur messen.“ Sie suchte das Fieberthermometer in ihrer Schublade.
„Ich bestehe darauf.“, sagte Skipper nur mit ruhiger Stimme und setzte sich auf. Schlechte Idee, denn die Bewegungen endete in Schmerzen. Leicht überrascht schaute er auf seinen Körper runter, der voller aufgeplusterter Federn war. Darunter konnte man das zarte, rosa Fleisch erkennen. Schnell nahm er sich die Decke und umwickelte sich darin, zum einen, weil ihm wieder kalt wurde, zum anderen, weil Marlene etwas Bestimmtes nicht sehen sollte. Jedoch hatte sie es gesehen und sie kam mit dem Thermometer langsam zu Skipper.
„Wow, du hast viele Narben.“, bemerkte sie nur überrascht und der Pinguin schaute schweigend nach unten.
„Ach, lass uns erstmal deine Temperatur messen.“, lenkte sie ein und lächelte schwach. Sie merkte, dass Skipper nicht darüber reden wollte und das konnte sie voll und ganz verstehen – und auch akzeptieren. Er nickte nur erschöpft und ließ sich das Plastikding in den Schnabel stecken. Dann versuchte er so gut es ging durch seine Nasenlöcher zu atmen, was sich als schwierig erwies, da diese fast vollständig verstopft waren und er sowieso schon kaum Luft bekam. Zum Glück holte Marlene das Thermometer gerade noch rechtezeitig heraus und das Erste, was Skipper tat, war einen langen Atemzug zu nehmen, der in einer Hustenattacke endete.
„35,5°C!“, stellte die Otterdame entsetzt fest, „Das ist viel zu niedrig!“
„Das ist nicht normal.“, hustete Skipper laut, „Das muss Seltsam gewesen sein!“
„Nein, Skipper.“ Sie legte das Thermometer zur Seite, falls sie es später noch brauchen würde, „Du bist einfach nur sehr krank.“
„Definiere sehr krank.“, befahl er.
„Wirklich jetzt?“, Sie sah ihn mit einem Nicht-Dein-Ernst Blick an, „Du solltest es am besten wissen.“
Er nickte nur und kuschelte sich tiefer in die Decke. Er verfluchte leise in Gedanken die Schmerzen, die Kälte und seinen miserablen Zustand, besonders aber, dass er seine Jungs auf eine Mission gesendet hatte. Obwohl, wenn er so darüber nachdachte, wollte er nicht, dass sie ihn solch einem schlechten Zustand vorfanden. Die Sorge in ihren Gesichtern würde er nicht ertragen können. Müde schloss er die Augen um sich etwas zu entspannen. Marlene setzte sich zu ihm, aber hielt einen kleinen Abstand von ihm. Dann spürte sie plötzlich etwas weiches, das ihr Fell kitzelte und sie bemerkte, dass Skipper sich an sie gelehnt hatte. Einfach nur, weil er müde war.
„Du kannst ruhig schlafen, Skipper. Ich passe auf dich auf.“, flüsterte sie.
„Ich bin nicht müde.“, murmelte er und ein Gähnen huschte ihm über den Schnabel.
Sie rollte nur schmunzelnd mit den Augen, „Natürlich nicht.“
Mit einem Mal wirkte Skipper wieder etwas wacher. Er schüttelte sein Federkleid und einige Federn flogen ihm aus. Sanft glitten sie zu Boden und Marlene nahm eine in die Hand, „Ist es normal, dass du Federn verlierst?“
„Denkst du, dass weiß ich?“, entgegnete er leise und starrte für ein Moment die einzelnen Federn an, die auf dem Boden verteilt lagen. Sie waren farblos, nur noch blass schwarz und weiß. Zwar zeigte er es nicht deutlich, aber er hatte Angst. Ziemliche Angst. Noch nie hatte er so viele Federn auf einmal verloren. Als Marlene sich zu ihm wendete und ihn direkt ansah, konnte sie den Hauch Panik in seinen Augen erkennen.
„Keine Angst, ich denke, dass ist normal.“, beruhigte sie ihn, doch sie klang nicht völlig überzeugt.
„Normal? Das nennst du normal? Hast du überhaupt Federn?“, fragte Skipper aufgebracht und man konnte nun ganz deutlich die Panik hören.
„Nein, habe ich nicht.“, warf Marlene ein, aber war zuversichtlich: „Das kommt nur vom Ausplustern, welches im Übrigen auch völlig unbedenklich ist. Es ist die Methode, wie sich dein Körper versucht warm zu halten.“
Sie schaute sich Skippers aufgeplustertes Federkleid und ihr Blick blieb auf einer großen Narbe stehen. Vielleicht hatte sie diese zu lange angestarrt, denn der Pinguin fing an zu reden: „Diese Narben haben alle verschiedenen Gründe. Meistens aber aus Kämpfen.“
Sie nickte nur und wollte lieber zuhören, anstatt zu reden, aber Skipper machte keine Anstalten weiterzureden. Stattdessen hustete er und legte sich zurück. Marlene deckte ihn wieder zu und sie wusste genau, dass es ihm teilweise weh tat darüber zu sprechen, dass er hauptsächlich müde war und dass er Schlaf nötig hatte. Was sie dagegen nicht wusste, war, wie schlimm die Krankheit wirklich war. Schließlich konnte sie sich ja kaum in Skipper hineinfühlen und er redete ja nicht über sein Leid. Doch sie kannte nur erahnen, dass der Pinguin nicht schwach vor Freunden wirken wollte und deswegen schwieg. In Wirklichkeit wollte Skipper sogar jammern, wimmern, ja, vielleicht sogar weinen. Mal abgesehen von der Todesangst, die ihn seit Beginn der Krankheit plagte, war ihm auch noch bitterkalt, sodass sein kleiner Körper vor Kälte bibberte. Nicht einmal die Decke oder das Aufplustern seines Gefieders konnten sich gegen die eisige Kälte stämmen. Dann kamen noch die Schmerzen hinzu, welche sich von Kopf bis zur Zehenspitze ausbreiteten. Vor allem der Schädel dröhnte ihm stark und am liebsten hätte er den Stimmen, die teilweise von seiner Paranoia kamen und durch die Krankheit verstärkt wurden, den Hals umgedreht, damit sie mit dem wirren Gebrabbel aufhörten. Doch stattdessen wurden sie mit jeder Stunde lauter. Wie hielt er das nur so lange aus ohne daran kaputt zu gehen? Vielleicht deswegen, weil er innerlich schon so benebelt war, dass er nicht mehr geradeaus denken konnte. Langsam schlich sich die Müdigkeit bei ihm ein: Die Erlösung seiner Qualen. Noch versuchte er sich dagegen zu wehren, erfolglos, denn er gab langsam den Willen auf. Vielleicht sollte er endlich aufgeben, sich dem Feind in die Arme werfen. So benommen von der Krankheit nahm er selbst seine beste -und einzige- Freundin als Feind wahr. Die Todesangst nahm wieder zu und sein Atem beschleunigte sich. Keine gute Kombi für seine Lungen und so musste er fürchterlich husten. Der Husten durchschüttelte seinen sowieso schon geschwächten Körper und er stöhnte leise auf. Nun wurde Marlene hellhörig und sprang zu seiner Seite. Ihre Miene verriet nur, dass sie zutiefst besorgt war.
„Skipper…“, flüsterte sie leise und hob etwas seinen Kopf, damit er besser atmen konnte, „Du musst schlafen. Dein Körper will sich erholen.“
„A-Aber… der Feind.“, murmelte Skipper verwirrt und schloss wieder die Augen.
„Der Feind ist nicht hier und ich passe auf dich auf.“, sagte sie leise und legte sich zu ihm, „Schlaf bitte.“
Doch den letzten Satz hätte sie sich ruhig sparen können, denn der Pinguin war schon eingeschlafen. Ruhig und entspannt wurde seine Atmung, die Federn stellten sich etwas zurück, aber wehten noch im Takt der Atmung mit. Auf und ab, wie ein Ahorn-Blatt im Wind. Die Otterdame lächelte leicht, bis das Lächeln von ihren Lippen wich. Plötzlich spürte sie kalte Flossen an ihrem Rücken, welche sie langsam zu dem schlafenden Körper zogen. Ihre Augen weiteten sich, als sie merkte, dass es Skippers Flügel waren. Dann spürte sie wie weiche Federn ihr Fell kitzelten und das Lächeln kehrte in ihrem Gesicht zurück.
„Awww, Skipper.“, machte sie nur und wollte sich an ihm kuscheln, da kam ihr genanntes Tier zuvor. Zufrieden rieb Skipper seinen Kopf an ihrem Bauch und flüsterte: „Du bist nicht mein Feind, Marlene, sondern meine Freundin.“
„Awww…“, freute sie sich und sagte liebevoll, während sie ihm den Kopf streichelte: „Ich liebe dich, Skipper.“
„Ich liebe dich auch, Marlene.“, murmelte Skipper im Halbschlaf und glitt glücklich in den Tiefschlaf.
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