"Denkst du sie haben noch ne Chance?"

OneshotRomanze / P12 Slash
16.01.2018
16.01.2018
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Der rote Schatten war abgedreht. Richy und Felix hatten sich ihrer Kostüme entledigt und standen nun etwas abseits im Garten des SWR Gebäudes. Der Kleinere trug endlich wieder seinen gemütlichen Pulli, den ganzen Tag ein Hemd tragen zu müssen, war dann doch etwas unangenehm, aber bei Felix war das auch außerhalb von Sebastian Bootz Alltag. Wie hielt er das bloß aus? "Denkst du, sie haben noch ne Chance?", fragte Felix unvermittelt. Richy sah verständnislos zu  ihm auf. Sie hatten sich gerade darüber unterhalten, was der Größere seiner Frau zum Geburtstag schenken konnte und da war diese Frage doch reichlich fehl am Platz. "Wer?". "Na Lannert und Bootz", erwiderte Felix wie selbstverständlich. "Wie kommst du denn jetzt darauf?", fragte Richy um Zeit zu gewinnen.

Er hatte sich diese Frage schon oft gestellt und er hatte sich oft ein klares "ja" auf diese Antwort gewünscht. Bisher war sich der SWR noch unschlüssig darüber. Aber was wäre wenn? Richy hatte sich schon oft vorgestellt wie es wäre Felix zu küssen. Der Mann war attraktiv, intelligent und diese Lippen. Jedes Mal musste er sich am Riemen reißen und sich ins Gedächtnis rufen, dass er verheiratet war und Kinder hatte. Felix war verheiratet und hatte Kinder. Er hatte Zora, Richy hatte Christl. Also was war es, das ihn unbedingt Felix küssen lassen wollte und wenn es nur für seine Rolle als Kommissar war?

Es gefiel ihm nicht, dass er so dachte und dass dieses Begehren nach seinem Kollegen so stark in ihm gewachsen war. Ja, er wollte, dass Lannert und Bootz sich irgendwann ihre Liebe gestehen würden, aber nicht der Figuren wegen. "Hans Jürgen, ich rede mit dir!". Richy zuckte zusammen. Wenn Felix ihn mit seinem richtigen Namen ansprach, dann meistens nur, wenn er sauer auf ihn war. "Ja, was? Hab ich was schlimmes gemacht?". Der Größere verdrehte die Augen und knuffte ihn in die Seite.

"Du hörst am ehesten, wenn du denkst, dass ich sauer bin", gab Felix zu bedenken und grinste. Er lehnte sich an den Baum, neben dem sie standen. Dieser strotzte vor dichtem, vollem grün. Ebenso wie die Wiese, die sich vor ihnen erstreckte. "Also." Felix hatte seine Hände in die Hosen gesteckt. Sein blaues Sebastian Hemd, normalerweise war es ein rotes, hatte er in ein weißes Felix Hemd eingetauscht. "Wie fändest du das?". "Ähm, also." Richy traktierte einen Grasbüschel mit seinem Schuh. Irgendwas musste er sagen. "Ja, wieso nicht?".

Felix hob seine linke Braue. Er tat das so oft und sie bedeutete, dass er genau wusste, dass Richy eigentlich etwas ganz anderes dachte. "Hast du Angst mich zu küssen?", fragte Felix gerade heraus und der Andere zuckte zusammen ob dieser gnadenlosen Direktheit. "Ich." Richy spürte wie er rot wurde. Verdammt, na toll. "Nein, also", stotterte er. "Ich hab da noch nicht so drüber nachgedacht." "Aha", machte Felix und grinste breiter. Er legte seine Hand auf Richys Schulter. Dieser wagte es nicht ihm in die Augen zu schauen. "Dafür, dass du angeblich noch nicht drüber nachgedacht hast, wirkst du viel zu schüchtern, mein Lieber."

"Ja, ich bin sehr schüchtern", sagte der Kleinere ironisch, was Felix zum Lachen brachte. "Ja, genau", schnaubte er. "Jetzt mal Klartext, wollen wir nicht mal üben?". Völlig entgeistert riss Richy seinen Kopf so schnell wieder hoch, dass er sich den Hals verrenkte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb er sich den Nacken und blickte dem Anderen in die grünen Augen. "Was? Wieso sollten wir? Ich, also du bist verheiratet, ich bin verheiratet." Der Dunkelhaarige schnalzte mit der  Zunge und stieß sich von dem Baumstamm ab und stand plötzlich sehr nah vor dem Kleineren. Wirklich sehr nah.

"Ich sag doch, nur zum Üben." Er besaß die Frechheit immer noch zu grinsen. Richy konnte nicht klar denken. Was sollte das hier?! Warum wollte er das hier?! Er liebte seine Frau, aber er wollte auch Felix küssen, schon so lange. "Wenn Lannert und Bootz eine Beziehung anfangen, werden wir uns stundenlang küssen, das ist dir doch klar oder?". Richys Augen wurden groß. Schnell wandte er den Blick ab, sodass sein Freund und Kollege nicht sah, was diese Worte in ihm auslösten, Ja, verdammt. Wie würde er diese Tage überleben? Aber da war immer noch ein großes 'WENN'. Oder falls, vielleicht, möglicherweise.

Bevor Richy antworten konnte, legte Felix seinen Zeigefinger unter sein Kinn und drückte es sanft nach oben. "Dir scheint der Gedanke wirklich zu gefallen und hiervon werden unsere Familien nie etwas erfahren." Richy schluckte. "Herr Lannert." Richy erstarrte. "Zwei Kommissare, die sich lieben." Richy kapitulierte. "Herr Bootz", sagte er schwach. "Na geht doch", murmelte Felix und küsste den Anderen vorsichtig, falls er sich dem Kuss noch entziehen sollte. Doch er tat es nicht.

Eine Sekunde lang stand Richy steif da, doch dann erwiderte er den Kuss. Erst ebenso vorsichtig, doch dann fordernder. Das war etwas so neues. Richy hatte noch nie einen Mann geküsst, wie es bei Felix aussah, wusste er nicht. Der Kuss war großartig, wie fühlte sich wohl sein stoppeliger Bart für den Anderen an? Sein Herz klopfte wie wahnsinnig. Felix Hände lagen an seiner Hüfte, während seine auf dessen Schultern ruhten. Der Kuss war so anders, als alles, was Richy je erlebt hatte Er wusste, dass es falsch war, aber Felix hatte recht. Irgendwann würden die zwei Kommissare mit Sicherheit ein Liebesleben führen und was war so falsch daran, davor noch ein bisschen üben zu wollen?
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