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GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
15.01.2018
07.01.2020
12
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Die Menge jubelte und klatschte, die Bewohner Arendelles tanzten quer durch den großen Ballsaal des Schlosses – es war ein prächtiges Fest, das zur Stimmung des Sommers passte. Königin Iduna und König Agnarr saßen auf ihrem königlichen Thron und verfolgten amüsiert die ausgelassenen, fröhlichen Besucher, die elegant über das Parkett glitten. Ihre jüngste Tochter Anna war währenddessen mit ihren beiden Puppen beschäftigt, sie war in einem Alter wo man sich noch nicht für solche Feste interessierte.
„Mein Schatz, willst du dich nicht auch hier zu uns setzen und den anderen beim tanzen zusehen?“, wandte die Königin das Wort nun an Elsa, doch das kleine Mädchen mit dem platinblonden Haaren schüttelte heftig den Kopf. Sie verbarg im Gegensatz zu ihrer Schwester ein großes Geheimnis – sie war mit Eiskräften geboren und ihre Eltern hielten es für das Beste, wenn sie diese geheim hielt. Je älter sie wurde, desto stärker wurden auch ihre Kräfte, ihre Angst, dass irgendjemand davon etwas mitbekommen könnte, stieg stetig an. „Ich bleibe lieber hier...“, murmelte sie nur und verkroch sich noch mehr hinter den Thron ihres Vaters und musterte besorgt ihre Hände.
Doch ganz unbeobachtet war sie in ihrem Versteck nicht – ein kleiner Junge etwa 3 Jahre älter,  musterte sie neugierig und ging schließlich mit schnellen Schritten auf sie zu. „Suchst du etwas?“, fragte er, als das kleine Mädchen heftig erschrak und ihre Hände hinter dem Rücken versteckte – ihr Gegenüber blickte sie nur verwirrt an.
„Nein und erschrecke mich nicht so! Es ist gemein sich an Leuten heranzuschleichen, wenn sie gerade keine Zeit haben!“, murrte die Prinzessin wütend und hoffte den aufdringlichen Jungen damit losgeworden zu sein, doch dieser lächelte nur. „Ich wusste nicht, dass du keine Zeit hast! Warum sitzt du hier hinten und nicht vorne bei deiner Schwester?“, fragte er nun, Elsa seufzte genervt. „Darum eben und jetzt lass mich in Ruhe!“, fauchte sie nun böse, als hinter dem fremden Jungen ein dickerer Mann auftauchte und die Hand auf dessen Schulter legte. „Jack? Hör gefälligst auf die Prinzessin zu belästigen, du solltest schon längst wieder in der Küche sein, um deinen Eltern zu helfen!“, sprach er streng und zog ihn von Elsa weg, diese streckte ihm zum Abschied die Zunge heraus, doch er grinste nur.
Als die letzten Gäste das Schloss verließen, brachte das Königspaar ihre Töchter in deren Schlafgemach, ehe sie sich selbst zu Bett begaben. Elsa schlief für ihre Verhältnisse schnell ein, während Anna gegen Mitternacht aufwachte, da die Nordlichter hell in ihr Zimmer schienen. Sie nervte ihre ältere Schwester so lange, bis sie letztendlich einwilligte in den großen Ballsaal zurückzukehren und einen Schneemann mit ihr zu bauen.

Stunden später kehrte Elsa allein in ihr Schlafgemach zurück, Anna war zur Beobachtung bei ihren Eltern geblieben – das wovor sich alle gefurchten haben, war schließlich eingetreten, denn das platinblonde Mädchen hatte ihre Schwester mit einem Eisblitz erwischt. Das Königspaar war daraufhin ins Reich der Trolle geritten, der Anführer hatte es geschafft das Mädchen von dem Eis zu befreien – leider musste er auch die Erinnerungen Annas an die magischen Kräfte ihrer Schwester entfernen.
Der scheinbar endlose Gang kam dem jungen Mädchen mit den platinblonden Haaren noch viel länger als sonst vor – sie senkte traurig den Kopf und hielt ihre Tränen tapfer zurück, als sie ein Rascheln vernahm. Jack trat langsam hinter einer großen Topfpflanze hervor und grinste sie an, als er jedoch bemerkte wie niedergeschlagen sie war, verschwand sein Lächeln schnell wieder. „Was machst du hier so allein um diese Uhrzeit?“, fragte er leise, seine braunen Augen glänzten freundlich, doch die Prinzessin hatte keine Lust auf Gesellschaft. „Verschwinde endlich, ich will allein sein!“, brummte sie und versuchte sich an ihm vorbei zu drängen, doch sie hatte keine Chance – Jack hielt sie am Arm fest.
„Hör zu, ich weiß nicht warum du so traurig bist, aber wenn du möchtest kannst du jederzeit mit mir reden oder wir machen etwas ganz lustiges zusammen! Ich bin oft bei meinem Papa in der Küche und helfe ihm, aber wenn ich nicht dort sein sollte, dann findest du mich in meinem Geheimversteck auf dem Dachboden. Komm mit!“, antwortete er und zog sie an der Hand mit, als ihnen eine der Bediensteten entgegen kam. Blitzschnell versteckten sie sich hinter einer Bank, die in einem Zimmer voller Gemälde an der Wand stand, zu ihrem Glück wurden sie nicht entdeckt. „Ich sagte doch, dass ich allein sein will!“, wiederholte sie, als sie es endlich geschafft hatte sich aus seinem Griff zu befreien.
„Schau mal, ich zeig dir den geheimen Raum und dann kannst du immer noch entscheiden, ob du ihn irgendwann aufsuchen willst oder nicht, einverstanden?“, fragte er nun, Elsa gab sich schließlich geschlagen.
Als sie endlich im gewünschten Gang ankamen, stieß Jack mit seinem Ellbogen gegen die Wand, worauf eine Leiter von der Decke schoss, die auf den Dachboden führte – er hielt ihr die Hand hin und half ihr bei den ersten Stufen.
Oben angekommen, blickte sich Elsa unsicher um, der Raum hatte eine gruselige Atmosphäre, sie krallte sich an Jacks Shirt, dieser blickte sie überrascht an. „Du kennst nicht viele Orte in dem Schloss kann das sein?“, fragte er belustigt und nahm ein Streichholz aus seiner Hosentasche womit er eine kleine Kerze entzündete, die er in die vorhandene Laterne stellte. Es befanden sich viele Truhen und anderer Ramsch in diesem Raum, doch Jack ging weiter – an seinem Arm hing die ängstliche Prinzessin. „Und wohin genau führst du mich jetzt? Wir sind doch schon auf dem Dachboden...“, murmelte sie und zuckte zusammen, als eine Spinne genau vor ihrer Nase an ihrem Netz herunterkletterte. „Nun nicht ganz, ich hab einen Geheimraum, sonst würde man mich hier sofort entdecken – die Angestellten des Königs kommen nämlich vor großen Festen oft hier nach oben.“, erklärte er und stellte sich vor eine Wand, die eine kleine Schiebetür hatte – diese schob er sachte zur Seite.
Ein kleines Fenster spendete ein wenig Licht und ließ den kleinen, abgetrennten Raum ein wenig freundlicher wirken – überall waren zerrissene Decken und eine kaputte kleine Bank zu sehen, ebenso wie eine Truhe, die Jacks ganzer Stolz war. „Du kannst gerne hier Platz nehmen...“, sagte er schließlich und entfernte schnell den Staub von der Bank, Elsa tat wie ihr geheißen wurde – sie blickte sich neugierig um. „Und hier spielst du immer?“, fragte sie nun, Jack nickte und öffnete seine Truhe, er holte einen selbst gehäkelten Pinguin heraus, der einen großen Knopf als Auge besaß - er drehte sich wieder zu Elsa und überreichte ihr diesen, das kleine Mädchen sah ihn überrascht an. „Den möchte ich dir gerne schenken, ich hab ihn selbst gemacht und hier aufbewahrt für den Moment, wo ich mich endlich traue dich hierher zu bringen...“, murmelte er schon fast flüsternd, die Prinzessin begutachtete das schöne Werk und strich mit ihren kleinen Fingern über die feine Wolle. „Vielen Dank, Jack...“, antwortete sie nun, ihr Gegenüber lächelte und setzte sich neben sie. „Er soll dir wann immer du dich einsam fühlst Trost spenden, vor allem dann, wenn ich gerade aushelfen muss und nicht mit dir reden kann.“, erklärte er und rutschte etwas näher, Elsas blaue Augen funkelten vor Freude – bis auf Anna hatte sie hier niemanden zum spielen oder reden gehabt.

Kurz bevor die Sonne aufging, schlichen beide Kinder wieder die klapprige Treppe hinab - Jack half Elsa bei den letzten Treppen und hob sie auf den Boden, als ein Wachmann plötzlich vor ihnen stand. „Kannst du mir mal erklären was das zu bedeuten hat? Warum bist du nicht bei deinen Eltern und wie oft muss man dir sagen, dass du dich von den Prinzessinnen fernzuhalten hast?“, der Ton des älteren Mannes war streng, das blondhaarige Mädchen versteckte sich hinter ihrem neuen Freund, doch der Wachmann packte ihn unsanft an der Hand und zerrte ihn von ihr weg.
Die beiden konnten sich nicht mal „auf Wiedersehen“ sagen, bevor Jack hinter der nächsten Ecke verschwand, so blieb sie wieder allein zurück.
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