The Deep Dark

GeschichteFantasy / P16 Slash
Nyx OC (Own Character)
15.01.2018
15.01.2018
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1.401
 
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Dunkelheit umgibt mich. Schier endlos erstreckt sie sich, gepaart mit einer allumfassenden Stille. Ich habe das Gefühl zu fallen. Haltlos schwebe ich durch den scheinbar leeren Raum und verliere dabei jedes Gefühl für Zeit und Raum. Doch irgendetwas scheint sich in der Dunkelheit zu regen, wobei meine Augen nicht in der Lage sind, es zu erfassen. Es ist mehr ein Gefühl, eine Ahnung. Etwas nähert sich durch das lichtlose Nichts.
Erst als es direkt vor mir steht, kann ich es erkennen. Als wäre ein Schleier gefallen, kann ich nun deutlich eine Figur erkennen, die sich vor mir auftürmt. Die Gesicht mir zugewandt, zeichnet sich die Silhouette eines Stiers vor der grenzenlosen Leere ab. Obwohl sein Fell so weiß ist wie Schnee, wirkt es fad und dunkel. Sogar noch dunkler als die Schwärze, die uns noch immer in ihrer eisigen Umarmung hält. Auch seine Hörner strahlen diese Finsternis aus, so als wären sie nur verzerrte Schatten.
Dann jedoch blicke ich in seine Augen und das Blut in meinen Adern gefriert. Tiefe Abgründe, erfüllt von einer Finsternis jenseits aller Vorstellungskraft eröffnen sich mir. Mir wird schwindelig und ich fühle einen Sog, eine Anziehungskraft, die mich in jene Abgründe zu zerren versucht. Ich fürchte, von diesen Augen verschlungen zu werden, doch trotz aller Mühe kann ich den Blick nicht abwenden.
„Bald,“ ertönt eine eisige, tote Stimme in meinem Kopf, die meinen Schädel dröhnen und meine tauben Ohren klingeln lässt. Immer tiefer verliere ich mich in der Dunkelheit in die ich blicke und immer stärker wird ihr sog. In Spiralen geht es hinab, als sich alles um mich herum zu drehen beginnt und ich plötzlich gegen eine harte Oberfläche pralle.
„Mister Silver!“ Irritiert blinzele ich gegen die plötzliche Helligkeit und versuche, die Geräusche um mich herum einzuordnen. Was ist gerade passiert? Noch einmal wird meine Name genannt, begleitet von Gemurmel und Gekicher. Doch endlich erkenne ich. Ich sitze auf dem Boden im Klassenzimmer, umgeben von meinen Mitschülern, die mich grinsend betrachten. Frau Springer, unsere Englisch Lehrerin hingegen fixiert mich mit einem mörderischen Blick.
Verdammt, Ich bin eingeschlafen! Sofort schießt mir sämtliches Blut ins Gesicht und ich rappele mich auf. Warum muss mich dieser Traum auch noch in die Schule verfolgen?
„Sie brauchen sich gar nicht erst wieder hin zu setzen. Melden sie sich bitte im Sekretariat, um ihre Strafarbeit abzuholen,“ sagt Frau Springer, noch immer mit diesem mörderischen Blick. Ein leises Seufzen entkommt meiner zugeschnürten Kehle und mit gesenktem Blick bahne ich mir meinen Weg zwischen den Sitzbänken nach draußen.

„Na Lui, gut geschlafen?“ fragt Julie mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, als sie auf dem Pausenhof auf mich zukommt. Zur Antwort rolle ich mit den Augen.
„Ich muss gleich noch zum Hausmeister und soll die Abstellkammer für ihn aufräumen,“ erkläre ich und verziehe den Mund, als hätte ich einen schlechten Geschmack im Mund. Ich hätte es natürlich schlechter treffen können, besonders da Mrs. Spring davon absehen würde, meinen Eltern darüber Bescheid zu geben. Dennoch ist mir das ganze unglaublich peinlich. Nicht nur, dass ich im Unterricht eingeschlafen bin, ich habe es sogar fertig gebracht, dabei vom Stuhl zu fallen. Und dann war da schon wieder dieser Traum…
„Na dann beeile dich mal. Wir wollen noch zum Pizza Express und lange warten wir auf dich nicht,“ bringt sie unter Kichern hervor und macht auf dem Absatz kehrt. Auf dem Weg zum Schultor gesellt sich auch Paul zu ihr und winkt mir kur zu. Dass sie auch ohne mich Pizza essen gehen würden, sieht meinen so genannten Freunden mal wieder ähnlich. Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich mir sowas antue.
Julie mit ihrem ununterbrochen gehenden Wortwasserfall und Paul mit seiner stillen, fast unnahbaren Art. Zwei Extreme und ich bin mittendrin, was nicht selten wirklich anstrengend ist. Aber nicht nur von der Art her sind die beiden ein starker Kontrast. Julie ist ein recht kleines, blondes Mädchen, das eine natürliche Wärme ausstrahlt und besonders im Sommer ganz in ihrem Element ist. Paul dagegen ist groß und dürr, mit dunklen Haaren und ebenso dunklen Augen. Böse Zungen würden behaupten, er sähe aus wie ein Skelett mit Haut, aber Julie und mir macht das nichts aus.
Außerdem bin ich selbst keine Schönheit. Ich bin ein kleines bisschen größer als Julie, wobei ich dennoch zu den Kleinsten unseres Jahrganges zähle. Meine Haare sind auch ebenfalls blond, jedoch um einiges heller als ihre. Noch dazu bin ich ziemlich dünn, ohne dabei muskulös oder sportlich zu sein. Dann wäre da natürlich noch mein fehlender Sinn für Mode, der allerdings aus fehlender Interesse resultiert.
Das Einzige das ich selbst an mir mag sind meine Augen. Sie haben eine hellblaue Farbe, die zum Rand der Iris dunkler wird und es so erscheinen lässt, als würden sie stets leuchten.
Mit einem Kopfschütteln befreie ich mich aus meinen Gedanken, um zurück ins Schulgebäude zu gehen und meine Strafarbeit anzutreten. Die Schule ist bereits wie leer gefegt und sowohl auf dem Hof als auch in den Gängen herrscht eine gespenstische Stille. Nach dem Unterricht noch im Schulhaus zu sein verursacht bei mir ein seltsam beklemmendes Gefühl.
Nach kurzem Suchen finde ich den Hausmeister, einen stets grimmig dreinschauenden Mann, dessen bereits ergraute Haare in einem strengen Zopf zusammengezurrt sind. Ohne viele Worte zu verlieren, schließt er die Abstellkammer für mich auf, erklärt mir noch einmal was ich zu tun habe und lässt mich schließlich alleine.
Mit einem verzweifelten Seufzen betrachte ich die Aufgabe, die mir da aufgehalst wurde. Noch nie zuvor habe ich so viele Besen und Eimer auf einem Haufen gesehen. Die meisten Besen sind schon reichlich ausgefranst, einige der Stiele bereits angebrochen und auch die Eimer haben schon bessere Tage gesehen. Das wirklich erschreckende sind aber die unzähligen Wischlappen. Nicht nur die schiere Anzahl macht mir Angst, sondern der Fakt, dass sie unglaublich verdreckt sind.
Und das soll meine Strafarbeit sein? Lappen sauber machen? Genervt sehe ich auf den Wasser gefüllten Eimer zu meinen Füßen. Na dann mal los.
Gefühlte Stunden vergehen, als ich in mies gelaunter Einsamkeit einen Lappen nach dem anderen aus der Kammer hole, ihn mühevoll mit Wasser und Waschmittel von seinem Unrat befreie und wieder zurück in die Kammer zum Trocknen bringe. Zumindest habe ich auf diese Weise genügend Zeit, um über meinen Traum nachzudenken. Schon seit Wochen verfolgt er mich und es ist immer wieder das Selbe. Immer diese Dunkelheit und immer dieser Stier.
Aber nein, diesmal war da etwas Neues. Der Stier hatte diesmal etwas gesagt. Bald. Was soll das bedeuten?
Schritte werden laut und hallen in den leeren Gängen wieder, was ihnen eine unnatürliche Bedrohlichkeit verleiht. Ich vermute, dass es sich um den Hausmeister handelt, der nach dem Rechten sehen will und spähe aus der Kammer. Doch unerwarteter Weise ist es ein fremdartiger Mann, der sich eilig auf mich zubewegt. Ganz in Schwarz gekleidet und blass, steht der Typ jetzt vor mir. Seine Augen sind ebenso dunkel wie seine Klamotten und bieten einen starken Kontrast zu seinem fahlen Gesicht. So seltsam das alles auch ist, das Sonderbarste an seiner Erscheinung ist das Tattoo auf seiner Stirn. Es ist eine blaue Mondsichel, umgeben von exotischen Ornamenten, die sich bis zu seinen Wangen hinziehen.
Bevor ich jedoch etwas sagen kann, beginnt die merkwürdige Gestalt zu reden: „Louis Richter! Sie wurden von der Nacht; Ihr Tot wird ihre Geburt sein. Die Nacht ruft sie; hören und gehorchen sie ihrer lieblichen Stimme. Das Schicksal erwartet sie im House of Night.“ Der Mann hebt seinen Arm und deutet mit seinen Fingern auf mich, als mich plötzlich ein brennender Schmerz erfasst.
Ich keuche und krümme mich zusammen, die Hand gegen meine glühende Stirn gepresst. Tränen schießen mir in die Augen und der Schmerz breitet sich über mein ganzes Gesicht und dann auch über den Rest meines Körpers aus. Scheiße, was war das grade? Ächzend richte ich mich auf und sehe mich nach dem Mann um, doch er ist verschwunden, ohne auch nur eine Spur oder ein Geräusch zu hinterlassen.
House of Night? Schlagartig fällt es mir wieder ein. Das ist diese Vampyr Schule. Dann muss das gerade ein Vampyr gewesen sein. Bisher habe ich nur aus Erzählungen davon gehört, jedoch noch nie einen persönlich gesehen. Dann muss das gerade die Zeichnung gewesen. Panik über diese Erkenntnis breitet sich in mir aus und kalter Schweiß lief über mein erhitztes Gesicht.
Was soll ich jetzt machen? Ohne weiter darüber nachzudenken, renne ich los und lasse meine halb erledigte Arbeit zurück. Ich muss hier raus.