Wenn Liebe die Zeit überdauert

GeschichteRomanze, Übernatürlich / P12 Slash
14.01.2018
09.06.2019
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Ich fühle mich matschig. Von oben bis unten durch die Mangel gedreht. Ich habe mein Leben umgekrempelt und nun ist es wie eins dieser Oberteile, die total verdreht irgendwo in der Ecke rumlungern. Die Ärmel sind innen, die Nähte außen und alles ist irgendwie zerknittert.

Die Veränderung war wichtig und richtig, aber von gut anfühlen bin ich weit entfernt. Nur wegen Karsten, diesem Arschloch, hänge ich nun in einer fremden Stadt herum und an allen Ecken meiner Welt gibt es Baustellen. Drei Jahre waren wir zusammen und ich hatte mir eingebildet, dass wir eine gute Beziehung geführt haben. Bis Karsten mich eines Besseren belehrte und mich aus der gemeinsamen Wohnung schmiss. Ich war damals zu ihm gezogen und nun stand ich ganz schön doof da, denn alles – inkl. der Wohnung – gehörte Karsten.

Als ob das noch nicht reichen würde, ging plötzlich die Firma Konkurs, für die ich gearbeitet hatte und vollkommen unerwartet war ich ganz unten angelangt. Zeit für eine echte Veränderung.

Familie habe ich keine mehr und in der Stadt war ich sowieso nur wegen Karsten. Sehr schnell merkte ich auch, dass ich gar keine Freunde dort hatte, eigentlich waren das nämlich alles Karstens Freunde. Nichts hielt mich dort. Ein neues Ziel musste her und so bin ich, ganz puristisch fast ohne Gepäck, hier gelandet.

Zum Glück bin ich ein sparsamer Mensch, so dass ich ein gutes finanzielles Polster auf dem Sparbuch habe. Aber auf Dauer ist das Leben im Hotel trotzdem zu teuer, schließlich heiße ich nicht Udo Lindenberg. Eine Wohnung muss her. Möbliert muss sie sein, denn Möbel besitze ich dank Karsten auch nicht mehr. Ich Glückspilz.

Wenigstens habe ich schnell eine neue Arbeit gefunden. Das ist immerhin ein Anfang. Man soll auch für die kleinen Dinge dankbar sein! Und es ist nicht einmal der schlechteste Job, obwohl ich gerade nicht wählerisch bin. Hauptsache, wieder auf die Beine kommen.

Einen Luxus hat so ein Hotelleben wenigstens. Frühstück bekommt man sozusagen geliefert. Ich habe mir am Büffet so richtig den Teller voll gelegt, so spare ich schon einmal am Mittag. Beim Essen arbeite ich mich durch die Wohnungsanzeigen. Leider ist mal wieder nichts dabei. Frustriert will ich gerade die Zeitung zufalten, da fällt mir im Augenwinkel eine Anzeige auf. ‚Mitbewohner gesucht’. Hm, eigentlich nichts für mich. Aber die bieten ein möbliertes Zimmer an. Mit eigenem Bad. Klingt doch eigentlich ganz gut. Das ist wohl meine Chance. Anders komme ich anscheinend in dieser Stadt nicht ins buchstäblich gemachte Bett.