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Moonlight - Wie es hätte weitergehen können...

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Beth Turner Josef Kostan Mick St. John
14.01.2018
17.03.2018
4
7.502
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29.01.2018 2.365
 
Der Wecker, den ich mir mit die Kühltruhe genommen hatte, weckte mich um 13 Uhr. Meine Träume hatten Spuren hinterlassen, denn ich war schon lange nicht mehr mit einer Erektion aufgewacht. Beth stellt mein Gefühlsleben und meine Körpereaktionen komplett auf dem Kopf, dachte ich. Aber es gefällt mir, sehr sogar.

Nach einer erfrischenden, eiskalten Dusche, die auch meine sexuelle Erregung ein bisschen abschwächte, stand ich in meinen Ankleidezimmer und überlegte, was ich anziehen sollte. Meine Beth brachte mich auch dazu, meine Kleiderwahl zu überdenken. Ich wollte etwas neues und frisches, aber in meinen Kleiderschrank gab leider nicht viel mehr her, als der typische Mick St John-Look. Vielleicht sollte ich Beth überreden, mich zu einer Shoppingtour zu begleiten?

Nach langen hin und her entschied ich mich also doch für eine enge schwarze Jeans und ein graues Hemd aus meinem üblichen Repertoire. Ich hoffte, dass ich Beth so gefallen und ich trotzdem vielleicht heute Abend nicht lange vollständig bekleidet sein würde. Bei dem Gedanken, wahrscheinlich heute  erneut Sex mit Beth zuhaben, würde mir wieder ganz anders. Wieder ihren Körper an meinen zu spüren, in ihr zu sein; ich wollte auf einmal nichts anderes mehr.

Während ich meine Möbel und Akten in das andere Zimmer verfrachtete, malte ich mir verschiedene Szenarien, sowohl Gespräche als auch Sexuelles, mit Beth aus: Das Gespräch, über wo wir jetzt standen; Beth, wie sie unter mir lag und stöhnend ihren Kopf in den Nacken warf… Reiß dich zusammen, Mick! Wenn ich nicht noch irgendwann platzen wollte, musste ich dringend an was anderes denken.

Die Türklingel schaffte Abhilfe. Das mussten die Typen mit dem Bett sein. Schon als ich leichtfüßig die Treppe runtersprang, drückte ich auf meine Fernbedienung, um Ihnen die Tür zu öffnen.

Ich begrüßte die beiden Handwerker kurz und gab Ihnen zu Verstehen, wo sie das Bett aufbauen sollten. Sie schafften also alles nach oben und machten sich schnell an die Arbeit.

Nachdem ich mir ein bisschen Blut direkt in meine Vene injiziert hatte, begab ich mich in mein Detektiv-Büro, um am Computer meine Mails abzurufen. Es war noch kein neuer Auftrag reingekommen. Umso besser, dann konnte ich mich voll und ganz auf meine Beth konzentrieren.

Was Beth wohl heute machte? War sie auf der Arbeit? Es gefiel mir ganz und gar nicht, dass sie so viel Zeit mit diesem Talbot verbrachte, er machte sich offensichtlich etwas aus Beth und jetzt da Beth mir gehörte, ging es mir erst recht gegen den Strich. Auch darüber würden Beth und ich zwangsläufig mal reden müssen. Wenn wir heute Abend überhaupt zum Reden kamen, ein Teil von mir wollte nämlich lieber etwas anderes machen.

Mein Handy klingelte wie aufs Stichwort und ich schaute auf den Display: Es war Beth! „Beth!“, begrüßte ich sie freudig.

„Hey!“, hauchte sie ins Telefon und sofort breitete sich ein wohliges Gefühl in meiner Brust aus. „Ich wollte deine Stimme hören. Ist das gestern eigentlich wirklich passiert?“

Ich musste lachen. „Das hoffe ich doch! Ist mein Brief, den ich dir heute morgen geschrieben habe, nicht Beweis genug? Oder hast du ihn gar nicht gelesen?“

„Doch, ich hab ihn gelesen. Aber als ich aus meiner Wohnung gegangen bin, kam mir plötzlich trotzdem alles ganz surreal vor.“

„Du kannst mir ruhig glauben! Das ist alles real und es war wundervoll mit dir gestern Abend. Entschuldige, dass ich gehen musste.“

„Kein Problem, ich verstehe das. Danke für den wundervollen Brief! War dein Angebot ernst gemeint?“

„Dass du zu mir kommen kannst und von mir aus nie wieder gehen musst?“ Oh, Mick! Übertreib’s  nicht!

„Nie wieder? Ich dachte, wir fangen mit ein paar Tagen an?“ Sie machte eine Pause. „Hast du überhaupt ein Bett?“

„Lass dich überraschen, Liebes! Wann kommst du denn zu mir? Ich warte sehnsüchtig auf dich!“ Ich hoffte, dass das nicht zu verzweifelt klang.

Ich konnte spüren, wie sie am anderen Ende grinste. „Ich bin sozusagen schon auf dem Weg zu dir, ich bin gerade aus dem Büro raus! Es klingt ja fast so, als würdest du es nicht mehr abwarten können mich zu sehen…“

So war es auch. „Bitte komm einfach schnell zu mir! Ich freue mich schon auf dich! Bis gleich!“

„Okay, ich beeile mich! Tschüss Mick!“ Sie legte auf.


Die Handwerker waren fertig und verabschiedeten sich. Ein paar Minuten später klopfte es an der Tür.
Beth ist da! Sofort kribbelte mein ganzer Körper und ich ließ sie schnell hinein.

Dann stand sie vor mir, einen Augenblick sahen wir uns nur in die Augen. Sie trug ein gelbes Kleid, das perfekt an ihren Körper hinunterfloss. Sie war wunderschön! Wir berührten uns noch nicht, aber das Knistern zwischen uns war nicht zu übersehen. Sie sah mich lächelnd an und ich schmolz unter ihrem Blick dahin. Ich konnte es nun nicht mehr aushalten, ich musste sie berühren.

Als hätte sie meine Gedanken gelesen, ließ sie ihre Taschen fallen und trat noch ein Stück auf mich zu. Ich schloss sie in meine Arme, hielt sie ganz fest. Sie bettete ihr Gesicht an meiner Brust und atmete tief ein. Ich strich über ihr Haar, sodass es sich bewegte und den Blick auf ihre Kehle freigab. Die Male, die meine Zähne hinterlassen hatten, waren deutlich zu sehen. Ich fuhr vorsichtig mit meinen Fingern darüber, sie zu sehen, versetzte mir einen tiefen Stich ins Herz.

Wieder schien sie zu wissen, was in mir vorging. „Es tut nicht weh, Mick! Du brauchst dich nicht zu sorgen, es hat mir sehr gefallen!“, flüsterte sie in meine Brust.

Ich löste mich von ihr, aber nur um ihr Gesicht in meine Hände zu nehmen. Dann trafen meine Lippen auf ihre.

Und mit einem Mal waren alle Gefühle, Eindrücke und Begierden von gestern wieder da – nur ins unermessliche verstärkt. Ich wollte alles für sie sein, ihr alles geben, was sie wollte. Beth presste sich mit dem ganzen Körper gegen mich und öffnete mit einem Stöhnen ihre Lippen, um mir meiner Zunge Zugang zu verschaffen. Ich erkundete ihren Mund, schmeckte sie. Unsere Zungen umkreisten einander, während wir zur Couch hinüber taumelten.

Mit einer schnellen Bewegung befreite ich sie aus ihrer Jacke und bettete sie vorsichtig unter mir auf der Couch, ohne mich von ihr zu lösen. Wir wurden eins miteinander, Lippen auf Lippen verschmolzen wir miteinander und gaben uns ganz einander hin.

Ich war erstaunt, wie gut wir einander ergänzten und uns komplett machten. Wie hatte ich jemals daran zweifeln können, dass wir zusammen gehörten? Wenn wir uns so nah waren, waren meine Zweifel, die ich mir um unsere Beziehung gemacht hatte, völlig unbegründet und überflüssig. Es war mir, als hätten wir schon immer zusammen gehört, als wäre ich nun mit ihr wirklich komplett.

In gewisser Weise waren wir ja auch für einander bestimmt gewesen, seit jener Nacht, als ich das kleine Mädchen wieder nach Hause zurückgebracht hatte. Natürlich waren da damals keine romantischen Gefühle gewesen, aber ich hatte mich seit jeher mit ihr verbunden gefühlt. Über die Jahre auf sie aufzupassen und im Schatten zu beobachten war nicht nur eine stupide Verpflichtung gewesen, sondern vielmehr ein tiefes Bedürfnis ihr nah zu sein.

Dieser Gedanke erinnerte mich daran, dass wir viel zu bereden hatte, auch wenn es mir durchaus gefallen würde, meine Lippen den ganzen Abend nicht mehr von ihren lösen zu müssen. Ich musste mich regelrecht zwingen, mich von ihr zu lösen. Schwer atmend stütze ich mich über ihr auf meine Ellenbogen um ihr ein wenig mehr Raum zu geben.

Beth sah mich mit einem scheuen Blick an, ihre Lippen waren auf höchst köstliche Weise geschwollen. „Was ist Mick? Hab ich was falsch gemacht?“ Sie klang entrüstet.

Ich sah ihr tief in die Augen. „Nein, ganz im Gegenteil! Ich bin verrückt nach deinem Körper.“ Ich küsste sie kurz, sie stöhnte. „Aber wir sollten uns dennoch mal darüber unterhalten, wo genau das hier mit uns hinführen soll…“

„Hmm…“, gab sie mit einem koketten Lächeln zurück und spielte mit dem obersten Knopf meines Hemdes. „Ich bin mit unserer nonverbalen Konversation vorerst auch sehr zufrieden.“

Ich grinste dümmlich, während ich darüber nachdachte, wie sehr sie mir doch verfallen war – nicht nur auf der Gefühlsschiene, auf der sie wohl schon seit unserem ersten Wiedertreffen irgendwie gewesen war, sondern auch körperlich. Es war so befriedigend zu wissen, dass sie mich begehrte und mir offensichtlich auch nach unserer ersten gemeinsamen Nacht noch auf diese Weise nah sein wollte. „Glaub mir Beth! Ich sehne mich auch danach, mich erneut in dir zu verlieren, aber es gibt so viele Fragen in meinen Kopf über das was wir nun sind.“ Ich beugte mich zu ihr hinab, gab ihr einen schnellen Kuss und befahl meinem nicht ganz so unwilligen Körper von ihr herunter zu gleiten.

Als Beth sich ihrerseits aufsetzte, ließ ich mich neben sie auf die Couch sinken. Beth sah mich eindringlich an: „Mick! Ich hab dir gesagt, dass ich dir gehöre, und ich habe es ernst gemeint. Ich gehöre dir – unbewusst, seit mein Engel mich damals aus den Fängen seiner Ex-Frau gerettet hat und dafür sogar bereit war sie zu töten. Ich gehöre dir, seit ich damals mit nackten Füßen vor dir stand und wusste, dass ich dich kennen muss. Ich gehöre dir, seit mein Blut das einzige war, das dich von der Schwelle des Todes zurückgebracht hat. Und schließlich gehöre ich dir, seit du mir offenbart hast, dass du mich liebst.“

In meinem Kopf ließ ich Momente mit Beth Revue passieren. Es waren auch schmerzliche Erfahrungen gewesen, aber die schönen überwogen. Ich nahm Beths Hand und schwieg eine Weile, als die Erinnerungen mich überschwemmten. Schließlich zwang ich mich, etwas zu sagen und brachte ein leises „Ich liebe dich!“ heraus. Die Worte aus meinem Mund zu hören, war mir so fremd, aber es fühlte sich so schön an.

Beth drückte meine Hand. „Mir ist aufgefallen,“ flüsterte sie und lächelte liebevoll. „dass ich gestern gar keine Gelegenheit hatte, dein Geständnis zu erwidern. Ich liebe dich, Mick St. John! Und ich habe dich wohl schon immer geliebt!“

Die Worte aus ihrem Mund zu hören, war noch tausend mal schöner als aus meinem. „Aber du hast es erwidert. Gestern hast du mir alles von dir gegeben.  Deine Hingabe war mehr… mehr als ich mir jemals erträumt und von dir erwartet habe. Du hast mir alles von dir gegeben und uns auf jegliche Weise miteinander verbunden. Dein Blut zu trinken, es zu schmecken – in der Wüste war es so eine Notwendigkeit gewesen, dass ich gar keine Zeit gehabt habe es zu genießen – und dir dabei so nah zu sein in dem Wissen, dass du es mir geben möchtest, war in nicht blutrünstiger Weise das leidenschaftlichste und befriedigendste Gefühl in meinem Leben. Bevor dies passierte, war ich voller Sorge dir wehzutun und ich war über deine Aufforderung im ersten Moment gar nicht glücklich. Aber dann verstand ich, was du möchtest. Und du hast dich mir bereitwillig geschenkt.“ Ich wusste irgendwann nicht mehr, ob ich zu ihr oder mehr zu mir gesprochen hatte. Meine Gedanken auszusprechen war befreiend und ich fühlte mich nun auf eine sehr angenehme Art erschöpft.

Beth hatte mir aufmerksam mein Ausbruch verfolgt und streichelte nun mein Gesicht. „Zu spüren, wie du mein Blut trankst, hat mich zu Höhen hinaufgetrieben, die ich ohne dich nie hätte erklimmen können. Und ich weiß, es hat dir und deinem Vampir-Ich Vergnügen bereitet, und ich werde es dir von nun immer wieder anbieten wollen. Diese Nacht hat so vieles über meine Einstellung zu dem was du bist geändert und..“ Sie verstummte, als sie mein entrüstetes Gesicht sah.

Ich nutze die Chance um das Wort zu ergreifen. „Ich möchte aber nicht, dass du mein Freshie bist!“

„Das bin ich ja auch nicht! Nur weil ich dir mein Blut anbiete, bin ich ja nicht automatisch nur ein lebender Blutbeutel. Ich dachte, ich wäre mehr für dich!“

Meine Züge verzogen sich unwillkürlich zu einem kleinen Lächeln. „Was möchtest du denn sein?“

„Erst dachte ich, dass eher nach der letzten Nacht…“ Sie stockte kurz und zog scharf die Luft ein. „…und meinen Gefühlen für dich, der Begriff Freundin für mich treffend sein könnte. Aber heute auf der Arbeit habe ich gemerkt, wie plump das doch klingt. Ich habe verzweifelt nach einer anderer Bezeichnung für das gesucht, was ich gerne für dich sein würde. Aber ich habe nichts gefunden, was meine Gefühle und meine Bindung zu dir nur annähernd widerspiegeln.“

Darüber dachte ich einen Moment nach, wenn sie eine Definition wollte, sollte sie die beste bekommen. „Ich würde auch nicht das Wort Freundin verwenden. Was du für mich bist, schon immer gewesen bist, geht weit darüber hinaus. Du bist meine Beth und, wenn du so möchtest, meine Gefährtin in jeglicher Hinsicht.“

Plötzlich sah Beth leicht panisch aus. „In jeglicher Hinsicht? Ich finde Gefährtin klingt wunderschön, aber hört sich so an… nun ja… als wäre es so eine Bindung für die Ewigkeit.“

„Du hast gesagt, dass die letzte Nacht viele Ansichten über mich geändert haben. Und bevor du eingeschlafen bist, hast du angedeutet, dass ich dich in meine Welt lassen muss.“ Ein sonderbarer, schmerzhafter Stich durchzog meinen Körper. „Aber wenn das nur so dahin gesagt war, wenn du nicht bereit bist, dann versteh ich das. Wir müssen auch nicht jetzt darüber reden, das hat alle Zeit der Welt.“

„Die hast du vielleicht, aber meine Zeit hier ist begrenzt. Das gestern war durchaus ernst gemeint und es stimmt, ich denke jetzt ein wenig anders darüber. Die Verlockung, diese Gefühle jede Nacht zu spüren, ist sehr groß. Aber ich weiß nicht, wann ich bereit sein werde dir in deine Welt zu folgen; vielleicht heute Nacht, aber vielleicht auch erst in zehn Jahren. Ich werde dich wissen lassen, wenn es soweit ist.“

Die Vorstellung, sie schon bald für immer an meiner Seite zu haben, erfüllte mich mit so viel Liebe. Ich hielt es nicht mehr aus, schlang ihr die Arme um die Hüften und wir küssten uns voller Leidenschaft. Doch gerade als, ich sie erneut auf die Couch drücken wollte, würden wir von einem forschen Klopfen unterbrochen.

Wieder löste ich mich seufzend von ihr und Beth sah mich fragend an.

„Das wird dein Essen sein!“, sagte ich und sprang mit einer fließenden Bewegung direkt von der Couch an der Tür. Nach einem kurzen Blick auf den Display, der meinen Verdacht bestätigte, öffnete ich dem Lieferanten mit einem gezwungenen Lächeln.
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