Unter dem Eis

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
OC (Own Character)
13.01.2018
01.08.2020
63
263.473
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Dieses Kapitel
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01.08.2020 3.754
 
Der Tag war in einem wahren Taumel an Emotionen und Berührungen vergangen. Doch diese hatten nicht nur dem Alphatier gegolten, sondern auch ihm. Umarmungen und Küsse, welche noch vor wenigen Wochen seinen Verstand gesprengt hätten und die er nun warm und ehrlich erwidern konnte. Auch wenn er kaum fassen konnte, dass diese Nähe wirklich ihm galt. Ihm, Alejandro, dem gebrochenen Medialen.
Oh bei allem was ihm kostbar war - er war nicht mehr gebrochen. Er musste aufhören so von sich zu denken! Da waren noch viele schmerzhafte Splitter, aber sein Innerstes war heil. Seine neuen Barrieren mächtig und undurchdringlich, wie es sich für die Barrieren eines Pfeilgardisten gehörte. Und sie schützten das Band, welches jenseits des Medialnet verschwand um dann in dem funkelnden bunten Netzwerk der RainFire-Leoparden zu 'enden'. An Remis strahlendem Stern, welcher der Mittelpunkt des Rudels war. Wie er heute wieder bewies. Aus ihrer Rückkehr war ein spontanes Fest geworden welches sich irgendwann aus dem Speisesaal in einen der Versammlungs- und Veranstaltungsräume verlagert hatte. Als schließlich sogar jemand Musikinstrumente heranschaffte,0 hatte Remi sie daran erinnert, dass die offizielle Paarungsfeier noch stattfinden würde - aber das Rudel hatte nur gelacht, sich gefreut und weiter gefeiert.
Es war herrlich - und es war viel.
Jandro stellte fest, dass er etwas genießen konnte, obgleich es anstrengend war. Er hielt sich mit seinem zerstörten Silentium inzwischen schon für sehr flexibel und anpassungsfähig und konnte mit Berührungen und Emotionen besser umgehen - aber dies war wirklich eine Feuertaufe. So viele Personen. Berührungen. Irgendwann, als Remi gerade mitten unter ein paar Kindern saß und Karten und kleine Geschenke annahm trat er hinter ihn - vorsichtig um auf keinen Leopardenschwanz zu treten - beugte sich zu ihm um ihm mit einem Kuss auf die Wange auch ein paar Worte zuzuhauchen.
"Ich bin kurz an der frischen Luft." Augenblicklich wollte Remi aufstehen, doch Jandro drückte ihm die Hände auf die Schultern. "Bleib nur, ich bin gleich wieder da." Topasfarbene Augen mit diesen faszinierenden Streifen darin trafen die seinen und das zärtliche Lächeln darin spürte Jandro über das Band zwischen ihnen vibrieren. Remi nickte, drückte einen Kuss auf die Hand an seiner Schulter.

Der Plan war schwieriger als er es sich gedachte hatte. Auf dem Weg nach draußen kam er an so vielen Rudelgefährten vorbei - da Remi im Zentrum von allem gesessen hatte - welche ihn berührten, ansprachen und auch dankten. Dabei brauchte Jandro keinen Dank. Wofür? ER war dankbar - hier zu sein. Bei seinem Gefährten und dessen Rudel. Nur jetzt brauchte er einen Moment der Ruhe und nachdem er sich von den letzten Leoparden gelöst hatte rief er sich die Stelle vor dem alten Gemeindebaum in welchem sie gerade feierten ins Gedächtnis und teleportierte. Bevor ihn noch jemand aufhalten konnte - so freundlich es auch gemeint war. Die Luft war kalt und frisch, ohne diese beißende Nuance, welche sie gestern noch in Kanada besessen hatte und die hohen Bäume brachen den Wind. Tief durchatmend machte Jandro ein paar Schritte in das Dämmerlicht, welches auf der Lichtung vor dem Baum herrschte - die Katzen besaßen eine ausgezeichnete Nachtsicht und die Menschen welche hier lebten waren daran gewöhnt, trugen ihre eigenen kleinen Lampen mit sich. Denn keiner wollte das Herz ihres Rudels Beleuchten wie einen Weihnachtsbaum und somit angreifbar machen. Jandro besaß weder das eine noch das andere, aber das wenige Licht reichte ihm um seinen Weg zu den Bäumen zu finden. Auf halber Strecke nahm er eine andere Anwesenheit wahr. Sie näherte sich, auch wenn er nichts hören konnte. Mit seinen nicht sehr starken telepathischen Kräften scannte er die Umgebung, wie man sich sonst umschauen würde und spürte den animalischen Geist mit dem intelligenten Kern, wie ihn nur Gestaltwandler in ihrer tierischen Form besaßen. Er spürte, dass sich ihm das Raubtier näherte, doch in dem Licht hatte er keine Chance es zu erkennen. Ihn. Die mentale Signatur war eindeutig männlich. Erst als sich Katzenaugen auf ihn richteten, das Licht in hellen Spiegeln reflektierten, konnte er den Schemen wenige Schritte vor sich ausmachen. Erahnen, aber gewiss nicht zuordnen. Noch konnte Jandro die einzelnen Raubkatzen nicht auseinanderhalten, hoffte aber es bald gelernt zu haben, doch bei diesem Licht war es ihm nicht möglich den Wandler zu identifizieren.
Und doch - es war nicht wie das Band welches er zu Remi besaß, aber da war ein mentales Zupfen an seinem Geist und einem Instinkt folgend warf er einen Blick in das winzige Netzwerk, welches sein neues Rudel darstellte. Ah, es war wie ein erkennen. Einer der Wächter, über Remi mit ihm verbunden.
Jandro senkte den Blick in die Katzenaugen, als sich das Raubtier weiter näherte und nickte.
"Theo." Grüßte er ihn leise - mehr brauchten die Katzenohren nicht. Der Kater hielt in seinem Schritt nicht inne, änderte jedoch etwas den Winkel und stieß ihn im Vorbeigehen mit der Schulter an, nur um dann in Richtung des Gemeindebaums zu sprinten. Tatsächlich fiel ihm jetzt auf, dass er den Wächter heute noch nicht gesehen hatte - seine Cousine zwar schon, aber jenen Mann, der ihm damals das Gefühl der Eifersucht nahegebracht hatte noch nicht. Jandro musste schmunzeln, als er sich zurückerinnerte und weiter ging. Eifersüchtig, weil Remi Zeit mit dem Wächter verbracht hatte. Obwohl er das Gefühl noch nicht gekannt und auch damals das Prinzip des Rudels noch nicht begriffen hatte. Nun, in seiner Bindung zu Remi brauchte er weniger Erklärungen, da er es spüren konnte. Genauso wie er es in den letzten Stunden gesehen hatte. In den letzten Tagen. So unähnlich seinem eigenen 'Rudel' der Pfeilgarde waren die Leoparden gar nicht. Zumindest nun, da die Pfeilgardisten ihre eigenen Emotionen entdeckten und ihre Struktur anpassten. Wie sehr freuten sich die jüngeren Jahrgänge, wenn Aden oder Zaira den Unterricht oder das Training besuchten? Wie wichtig war es aber auch für Vasic sich mit seinem Freund und Vorgesetzen besprechen zu können? Ob sich Aden diese Struktur von Remis Rudel abgeschaut hatte? Oder war es schlicht in ihnen allen auf rudimentäre Weise verankert?

Jandro blieb stehen, als er Schritte hinter sich hörte. Schritte, die er nur hören konnte, weil der Verursacher es ihm erlaubte und ihn somit quasi um Aufmerksamkeit bat. Den Blick auf die Bäume gerichtet wartete er, bis er die Berührung eines anderen Armes an seinem spürte und die Hitze, welche der Körper ausstrahlte. Ein kurzer Blick zur Seite zeigte, dass Theo sich eine Hose besorgt hatte, ansonsten war seine dunkle Haut kaum gegen die zunehmende Dämmerung abzugrenzen.
"Du hättest meinetwegen nichts anziehen müssen." Eröffnet er das Gespräch entspannt.
"Es ist höflich - und ich tue es wegen Remi. Er ist noch nicht so weit dich häufiger als nötig mit anderen nackten Männern zu teilen."
"Ich bin nicht zum Teilen da." Doch seine Worte entlockten dem Wächter ein leises Lachen.
"Ach nein? Er wird dich mit dem ganzen Rudel teilen müssen - so wie du ihn. Da kommt ihr nicht drum rum. Aber um es ihm leichter zu machen, lass ich meine Hosen an."
"Okay, mit dem Rudel teile ich ihn gerne. Es geht gar nicht anders. Der eine ohne das andere." Jandro konnte sich das nicht vorstellen.
"Du hast es begriffen."
Jandro nickte und bewegte sich leicht, sodass er erneut den Arm des Leoparden streifte, was sich nicht unangenehm, sondern … richtig anfühlte.
"Du anscheinend auch." Theo stieß ein Seufzen aus und fuhr sich mit der freien Hand durch das krause schwarze Haar.
"Ein Paarungstanz, Jandro! Etwas elementareres gibt es für uns Gestaltwandler nicht. Aber dass dies mit einem Medialen geschieht, auch hier, bei uns - das musste ich erst begreifen. Aber ich weiß, was du für ihn und damit für uns getan hast." Die Entschuldigung schwang in seiner Stimme und seinen Worten mit und Jandro verlagerte sein Gewicht so, dass er nun anhaltend an dem Wächter lehnte.
"Ich habe dich heute noch nicht gesehen." Wechselte er das Thema, zu welchem es wahrlich nichts mehr zu sagen gab.
"War mit Angel auf Patrouille - wir wurden gerade erst abgelöst." Jandro hob eine Braue und sah den Mann nun doch von der Seite an. Und er kam erst zu ihm, bevor er zu Remi ging?
"Angel hat nicht viel Ruhe gehabt in den letzten Tagen."
"Keiner von uns - seit du hier aufgetaucht bist und alles aufgewirbelt hast."
"Hm - ich übernehme eine gewisse Teilschuld dafür. Aber nicht die Ganze." Sein Grinsen verblasste, als er sich an diesen Punkt erinnerte und ein kühler Ton legte sich auf seine Stimme. "Ist sie aufgetaucht?" Er war sich sicher, dass Angel den anderen Wächtern ihre Vermutungen erzählt hatte. Die Stimmung des Leoparden änderte sich auch abrupt und das Knurren dröhnte in dessen Brust.
"Nein. Sie ist nicht zu erreichen." Jandro rief sich das Gesicht der Leopardin ins Gedächtnis, welche er bei INNY gesehen hatte, auch wenn seine Aufmerksamkeit mehr seinem Gefährten denn ihr gegolten hatten. Da - in der Konzentration spürte er das diskrete, ferne Kribbeln welches seine telekinetischen Sinne kitzelte, die Bestätigung, dass er eine Teleportation wagen konnte ohne großes körperliches Risiko. Ob andere Teleporter dies auch so spürten war er sich nicht sicher - über so etwas wie ein 'Gespür' war in der Garde nie gesprochen worden, aber er hatte gelernt, dass bei diesem 'Kribbeln' sein Ziel erreichbar war.
"Sie wird uns nicht entkommen."
"Wird sie nicht - sie wird Remi Rede und Antwort stehen."
"Und dann?"
Theo kratzte sich über die bloße Brust, den leuchtenden Katzenblick in den Wald gerichtet.
"Wenn sie schuldig ist, wird Remi sie richten." Dann seufzte er. "Ich bete für ihn und das ganze Rudel, dass sie unschuldig ist."
Jandro nickte - er besaß wahrlich keine lange Erfahrung mit Emotionen, aber er hatte Remis aufgebrachtes Gefühlschaos wahrgenommen bei dem Gedanken, dass eine seines Rudels versucht hatte ihn zu töten.
"Ich hatte nicht gedacht, dass es solche Taten auch unter Gestaltwandlern gibt. Ich meine, Mord ist natürlich auch unter Medialen strafbar - aber wenn man sich nicht erwischen ließ, erntete man eher Respekt dafür. Aber bei euch?"
"Auch wir sind keine Heiligen, Jandro. Unter uns gibt es ebenso schwarze Schafe wie bei den Menschen oder … weiße Schafe bei den Medialen." Er zuckte mit den Schultern und grinste, um seinem Scherz die Schärfe zu nehmen. "Aber mit solchen Dingen gehen wir nicht hausieren. Richtet sich jemand gegen das Rudel - egal in welcher Form, erhält derjenige seine Strafe. Kleine Vergehen werden gerügt und sanktioniert, größere ziehen den Ausschluss aus dem Rudel mit sich. Und manche sind unverzeihlich und verlangen eine Hinrichtung. Aber das erfolgt Rudelintern. Außenstehende bekommen davon meist nichts mit und andere Rudel - vor allem Raubtiergestaltwandler - akzeptieren die Hoheitsrechte jedes einzelnen Rudels. Menschen oder Mediale geht es nichts an." Dennoch warf er ihm einen Blick aus spiegelnden Katzenaugen zu. "Bis auf gewisse Mediale inzwischen."
"Lassen wir Remi heute noch feiern und ausruhen. Morgen ist noch genug Zeit sie zurückzuholen."

In dem Moment wandte sich Theo um und gleichzeitig spürte Jandro es, ein sachtes Vibrieren auf ihrem Band, begleitet von dem Wissen, wer sich ihnen lautlos näherte. Zumindest eine der Personen erkannte er sofort und er brauchte sich nicht umsehen, als sich Hände um seine Hüfte und ein Kinn auf seine Schulter legten.
"Du sagtest 'nur kurz'. Das war viel zu lang." Brummte Remi und drückte sein Gesicht an Jandros Hals um hörbar zu Schnuppern.
"Dann habe ich dich ja erfolgreich von der Menge fortgelockt - aber wie es scheint nicht ohne Begleitschutz?" Er lächelte Angel jedoch zu, welcher sich ebenfalls zu ihnen gesellt hatte, während Remis Hände sich vor seinem Bauch verschränkten.
"Du wärst der Erste, der mir den Kopf abreißt, wenn er auf dem Weg hierher verloren geht." Jandro hob eine Hand und legte sie an Remis Wange, während er weiter den Tiger anblickte. Als könnte ihm dieser Mann je wieder verloren gehen! Aber er schmunzelte.
"Vermutlich." Den Kopf an Remi lehnend meinte er mit etwas gedämpfter Stimme, was natürlich keinerlei Relevanz für die Raubkatzen hatte, aber andeuten sollte, dass seine Worte seinem Gefährten galten.
"Was hältst du davon, wenn du mir zeigst wo wir wohnen?" Der Tag war lang genug gewesen. Vor allem für Remi, der vor wenigen Tagen noch um sein Leben gekämpft hatte. Den ganzen Tag über hatte das Rudeltier spürbar Kraft aus der Nähe und dem Kontakt zu seinem Rudel gezogen, aber Jandro nahm die durchgehende Erschöpfung in seinem Kater wahr. Genauso wie dessen Stolz und daher ergänzte er. "Ich habe inzwischen eine grenzwertige Überdosis an Emotionen und Nähe abbekommen und ein paar Stunden Ruhe wären gut für mich."
Auf diese Worte hin richtete sich Remi auf und knurrte.
"Wieso hast du das denn nicht gesagt? Wir hätten längst gehen können!" Dass Jandro keine Anstalten machte den sachten Kontakt zu Angel an seiner Seite zu lösen schien dem erschöpften Alphatier nicht aufzufallen.
"Nicht doch - der Tag war so schön. Ich will keinen Moment davon missen. Aber so langsam…" Remi konnte nicht sehen, wie Theo hinter ihm Schmunzelte, aber Jandro war sich sehr wohl bewusst, dass er von dem Wächter für seine 'Bring-den-Leoparden-nach-Hause-Strategie' Anerkennung erntete.
"Ich kann euch ein Stück mitnehmen." Bat sich Angel prompt an, als habe er nur auf Stichwort gewartet. Jandro strich über die Hände vor seinem Bauch und meinte dann zu Remi:
"Wäre das in Ordnung für dich, Kater?"
"Aber natürlich! Wir holen noch unser Gepäck und dann zeig ich dir unser Baumhaus."
"Gepäck? Ach - du meinst dieses Gepäck?" Schmunzelnd schnippte er mit dem Finger - obgleich es dieser demonstrativen Geste gar nicht bedurfte - und ihre beiden Taschen erschienen vor ihnen im Gras. Welche dort aber nicht lange blieben, da Angel sie sich schnappte.
"Wirklich praktisch. Bald sind wir verwöhnt von deinen Fähigkeiten, Jandro und wir werden fett und faul." Kommentierte der Tiger, während er in Richtung seines Gefährts davon stapfte, erwartend, dass sie ihm folgten.
"Fette und faule Raubkatzen? Das glaube ich kaum. Komm mein fauler Kater, bring mich nach Hause." Dabei drehte er sich, legte den Arm um Remi und zog ihn an sich, doch bevor sie Angel folgen konnte trat Theo noch einmal auf sie beide zu und umarmte sie gleichzeitig.
"Gut, dass ihr wieder hier seid."
"Danke, dass ihr auf das Rudel aufgepasst habt."
"Das Rudel kam gut ohne dich zurecht, aber du anscheinend nicht ohne uns."
Remi lachte und schüttelte den Kopf.
"Nein, so überhaupt nicht!"
"Gut, dass du das begriffen hast, mein Freund. Also - dann ab mit euch!" Befahl ihnen der Dunkelhäutige und gab sie frei, Angel zu folgen.

Anscheinend wusste Remi wo Angel welchen Wagen geparkt hatte, oder er konnte seine Fährte vielleicht auch einfach riechen, denn er führte Jandro zielstrebig auf eine Stelle im Wald zu, wo Jandro schließlich mehrere geparkte Autos entdeckte.
"Eure Nachtsicht ist wirklich praktisch. Ehrlich gesagt hatten wir selten eine Chance Raubtiergestaltwandler in ihren Territorien zu finden. Oder zu beobachten. Ihr seid wirklich gut getarnt und aus meiner neuen Perspektive finde ich dies immer besser."
"Ihr habt uns ausspioniert?" Fragte Angel, schloss den Kofferraum des Geländewagens und umrundete das Fahrzeug um den Fahrersitz zu beanspruchen.
"Nunja, nicht speziell euch - immerhin war Aden euch einiges schuldig. Aber der Rat hat vor allem nach Sascha Duncans Abkehr vom Medialnet Versuche gestartet die DarkRiver-Leoparden zu … erforschen. Es war meist nicht von Erfolg gekrönt. Wo ich nun aber weiß, wie ihr lebt, verstehe ich besser wieso."
"Wieso?" Remi rutschte auf die Rückbank und Jandro gesellte sich zu ihm, lehnte sich zufrieden an ihn, als sein Kater den Arm einladend hob.
"Wo wir euch unterschätzt haben, habt ihr euch weiterentwickelt. Eure eigenen Gaben und moderne Technik, gepaart mit eurem Bedürfnis die Euren zu schützen - egal zu welchem Preis - ergibt eine sehr aggressive, blutige und erfolgreiche Mischung." Zwei Paar Katzenaugen richteten sich funkelnd auf ihn und Fangzähne blitzten, als die Raubtiere ihn angrinsten.
"Das hast du schön zusammengefasst. Treffend. Und nun haben wir noch eine Option mehr zum Schutz unseres Rudels. Dich."
Jandro schloss die Augen, sich an Remi lehnend, als Angel den Wagen startete und sich seinen Weg durch den Wald suchte.
"Und die Pfeilgarde. Wir gehören nun zusammen." Mental machte er sich eine Notiz, dass er sich bald bei Aden melden musste. Sich bedanken und die neue Situation besprechen. Und über Cajetan sollte er mit ihm reden - immerhin hatte er ein Versprechen gegeben. Aber nicht mehr heute. Nicht heute Nacht. Wenn sie endlich allein sein würden. Keine Ärzte, kein Vasic, kein Finn oder Bee. Er wollte mit seinem Gefährten endlich ungestörte Ruhe haben und all die Schrecken abfallen lassen. Ihn endlich wahrnehmen können ohne dass sich ein Parasit in seinem Schädel zwischen sie drängte. Ohne Silentium. Wie lange wollte er dies schon? Vermutlich länger, als er es sich eingestehen würde. Vielleicht hatte er es bereits dort oben auf dem Berg begonnen, als die Reste seines Stolzes und seiner Sturheit, nicht einfach aufzugeben, auf den Kater getroffen waren, der ihn nicht hatte gehen lassen. Der ihm nicht erlaubt hatte zu gehen. Hatte er sich damals schon für seinen Kater entschieden? Vermutlich.
Lippen berührten die seinen und er lächelte verträumt. Ziemlich sicher.
"Wir sind da, mein Träumer."
"Mediale träumen nicht…" korrigierte er Remi raunend, haschte noch einmal nach diesen Lippen, öffnete die Augen und sah an Remi vorbei, dabei entdeckte er nur in dem hellen Kegel der Scheinwerfer weitere Bäume in einiger Entfernung.
"Es war wirklich nicht weit."
"Ich wohne relativ im Herzen des Rudels - damit ich gut erreichbar bin."
"Oder gut geschützt?" Brummend schob sich der Kater rückwärts aus dem Wagen.
"Ich brauche keinen Schutz - wenn nicht gerade mein Auto explodiert. Aber ja, vielleicht ist dies auch ein strategischer Grund."
Das Gepäck war noch schneller raus denn rein geräumt, während Jandro sich vergebens umblickte um ein Haus oder ähnliches zu erkennen. Remi, der anscheinend seine Verwirrung bemerkte, deutete auf den größten der nahen Bäume. "Dort geht es hoch." Aber in der Dunkelheit konnte Jandro in dem tiefhängenden Geäst nichts erkennen.
"Bist du sicher?"
"Ganz sicher." Meinte Angel und klopfte ihm auf die Schulter. "Soll ich euch die Taschen noch...?""Nein, das schaffen wir allein. Danke dir."
"Dann erholt euch gut." Und kurz darauf standen sie in der Dunkelheit allein vor dem Baum - dennoch konnte er das Grinsen seines Gefährten spüren.

"Sollen wir?"
"Hn - sag mir wie!"
Remi schnappte sich eine Tasche, schlang sie sich um eine Schulter, machte ein paar Schritte - und sprang. Kein Mensch sprang so hoch und obwohl er zuletzt viel Zeit mit den Katzen verbracht hatte, hatte er das noch nicht gesehen. Der Körper seines Geliebten ging minimal in die Hocke, dann streckte er sich und es wirkte, als sei die Schwerkraft aufgehoben als er nach oben schnellte, die Arme hoch gereckt - und im Dunkel über ihren Köpfen etwas zu greifen bekam. Kurz hing Remi dort, dann schwang er sich in die Höhe und entblößte so die Plattform auf niedrigen dreieinhalb Metern Höhe.
"Oh, na dann." Mit einem Sprung gab sich Jandro nicht ab, sondern er nutzte Remi als Teleportationspunkt und im nächsten Moment standen er mit der Tasche zwischen den Ästen des Baumes.
"Angeber!"
"Muss der Kater sagen, der laut seinem Arzt noch nicht springen soll."
"Tse - er meinte gewiss 'runter' springen, nicht hoch." Argumentierte er nuschelnd und führte ihn wenige Schritte hin zu dem Baumhaus, welches Jandro nun auch ausmachen konnte. Remi schien gut genug zu sehen - oder sich auch im Dunkeln auszukennen - denn er fand den Öffnungsmechanismus und eine Tür glitt lautlos beiseite. Schwaches Licht flammte der Nachtzeit angemessen in dem Raum auf und enthüllte Jandro den offenen Raum, welcher auf der einen Seite eine Küchenzeile enthielt und auf der anderen Seite von einer Sitzecke dominiert wurde. Alles schlicht und fast auf mediale Art minimalistisch und dennoch persönlich. Auf jeder in das Holz eingefügten Regalfläche befanden sich augenscheinlich selbstgebastelte Geschenke von unterschiedlichen Kindern.
"Also ich dachte als Alphatier kannst du dir zumindest ein Bett leisten?" Obwohl es Jandro wirklich nicht störte - dieser Raum allein war dreimal so groß wie das Zimmer, welches er bei der Pfeilgarde zugeteilt bekommen hatte. Hände trafen ihn am Rücken und schoben weiter hin zu dem einzigen abgeteilten Raum in dem Haus, in welchem Jandro das Bad vermutete.
"Schuhe aus und hoch mit dir!"
"Hoch?" Sein Kopf klappte in den Nacken und da erst bemerkte er das Viereck in der Decke, welches wohl eine Falltür sein musste - und auf den zweiten Blick hin erkannte er die Trittstufen zwischen den Regalen. "Oh… ich verstehe." So schnell war er vermutlich nicht einmal in einem Einsatz aus seinen Schuhen raus gewesen. Das würde er sich nicht zweimal sagen lassen und in Windeseile war er oben, die Falltür aufklappend. Die obere Etage war nicht ansatzweise so groß wie der Wohnraum, aber das brauchte er auch gar nicht so sein. Das flache Bett erinnerte sogar an die Liegewiese unten, war aber deutlich größer und praktisch in die Rundung des Raumes eingefügt, sodass man unter der durchsichtigen Kuppel direkt unter dem Blätterdach und dem Himmel liegen würde.
Arme legten sich um ihn und warmer Atem strich über seinen Nacken bevor sich Lippen auf seinen Hals legten.
"Wie müde bist du?"
"Hmm…" hinter sich greifend berührte er die kurz geschorene Schläfe seines Gefährten und tat so, als müsste er über diese Frage wirklich nachdenken. "… als könnte ich den ganzen Tag durchschlafen."
Der Mund verharrte in seinen Küssen, welche dem Medialen eine Gänsehaut über den Körper jagten.
"Oh. Das ist sehr müde, schätze ich." Die leise Enttäuschung in der Stimme brauchte Jandro nicht zu hören, spürte sie auch auf ihrer Verbindung und machte es ihm immer schwerer seine Stimmung ruhig zu halten.
"Ja, sehr müde." Bestätigte er nur um sich dann im nächsten Moment hinter Remi zu teleportieren und ihn aufs Bett zu stoßen, ihm sofort zu folgend und ihn unter sich in die Matratze zu pressen. "Aber erst, nachdem ich von dir gekostet habe, Kater. Ausgiebig."
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