Unter dem Eis

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
OC (Own Character)
13.01.2018
30.08.2020
64
266.239
32
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19.05.2020 3.764
 
Es war seltsam, wie schnell er sich an etwas derart Fremdes wie eine Teleportation gewöhnen konnte. Seine Desorientierung hielt nur für einen kurzen Moment an, bis er tief durchatmen und den Geruch seiner Umgebung inhalieren konnte. Finn. Der Geruch des Heilers lag über allem und verbreitete jene wohlige Sicherheit, welche das Heim eines Heilers immer schenkte. Sicherheit im Herzen des Rudels. Finns Baumhaus lag noch zentraler als Remis eigenes und jeder der Leoparden kannte diesen großen weiten Raum der im Gegensatz zum Rest des Hauses ebenerdig erreichbar war. Katzen sprangen gerne, aber niemand wollte ein verletztes Rudelmitglied erst in ein Baumhaus schleifen.
Bee fand als erstes ihre Sprache wieder.
"Wirklich, Jandro? Das ist der Ort an den es dich zieht?"
Remi löste den Griff von seinem Gefährten und sah sich in dem ordentlichen Raum um. Obgleich ihm der sehr schwache Geruch nach Blut in die Nase stieg, kehrten keine Erinnerungen an die kurzen Minuten hier zurück. Sie hatten ihm erzählt, was passiert war, aber da war nur Schwärze in seiner Erinnerung. Und anscheinend hatte hier jemand gründlich geputzt um auch ja jegliche Erinnerung fern zu halten.
"Es ist ein sicherer Ort und ich habe ein klares Bild von hier. Die Baustelle war nicht mein erstes Ziel da sich dort zu schnell zu viel verändern kann."
Finn war der erste, der die praktischen Dinge in Angriff nahm, seinen Rucksack in Richtung des Sofas warf - dieses verfehlte - und sein Handy zückte. Ohne viel Erklärung wählte er eine Nummer auf dem Display aus und kurz darauf hörten alle im Raum - außer Jandro - Larks ruhige Stimme. Die Wächterin sprach nie sehr viel, daher vergaß man gerne, wie melodisch ihre Stimme klang.
"Finn? Was gibt es neues?"
"Wir sind angekommen. Jandro hat uns bei mir abgesetzt."
"Oh!" Freude sprach aus diesem einen Wort und Remi hörte bereits eine Tür ins Schloss fallen. "Wir kommen sofort!" Doch Finn unterbrach sie lächelnd.
"Besser wir treffen uns am Gemeindebaum in der Küche - zum einen hat Remi noch nichts gegessen…"
"… hey! Wir hatten es eilig!" protestierte das Alphatier
"… und zum anderen haben wir dort mehr Platz. Ich will nicht das ganze wild gewordene Rudel gleichzeitig in meinen Räumen haben."
"Gut - beeilt euch!"

Beeilen. Ja, seine Instinkte schrien regelrecht danach sein Rudel wieder um sich zu spüren und er hatte sich wirklich keine Zeit genommen mehr zu frühstücken. Zum einen, weil er in den letzten Tagen genug Zeit in Krankenhäusern verbracht hatte, weil er zu seinen Katzen wollte und zum anderen …, weil ihn Dr. Clarks Worte und Jandros Reaktion darauf zusätzlich zur Eile angetrieben hatten. Er hatte keine Ahnung, was das Problem des medialen Heilers war, dennoch hatte selbst er ihm angesehen, wie scheiße er aussah. Er kannte solche Zustände von Gestaltwandlerheilern, welche sich zu sehr verausgabt hatten und wenn Remi nun für sich versuchte zu übersetzen, wie schlecht der Mann aussah, dann hatte es ihn mehr als nur ein bisschen Kraft gekostet erst ihn und dann Jandro zu versorgen. Und wirklich bedanken konnten sie sich nicht - nicht in einer Form, welche wirklich angemessen gewesen wäre. Außer sich zurückzuziehen, wie Dr. Clark es verlangt hatte. Also hatten sie dies getan.
Doch nun trat der Gedanke an den Arzt in den Hintergrund, als er sich mit den anderen auf den Weg zum Gemeinschaftsbaum machte. Er sog den Duft der Wälder und die Witterungen seiner Raubkatzen tief in die Nase und hatte das Gefühl allein dadurch bereits wieder Kraft zu schöpfen. Sein Gang wurde federnder, schneller, sodass Finn ihn sachte erinnerte, dass sie es nicht eilig hatten. Remi hatte es eilig. Zumindest bis zu dem Moment, als bereits der erste Leopard auf ihn zu gerannt kam. Er musste in der Nähe gewesen sein und ihn gehört oder gerochen haben. Lautlos trafen große Pfoten auf den Waldboden und die Raubkatze schaffte es gerade noch auf ein Fauchen von Bee hin abzubremsen und Remi nicht umzurennen, wie sie es sonst getan hätte. Er ließ sich auf die Knie fallen und zog die Katze, den Mann, den Rudelgefährten fest in seine Arme. Wer hier gerade wen mehr brauchte, war nicht ganz klar aber Remi grub Finger und Gesicht in das Fell, während der Leopard leise grollende Laute der Freude von sich gab.
Und so ging es den restlichen Weg weiter. Es sprach sich herum wie ein Lauffeuer und bald musste Remi alle paar Meter stehenbleiben um ein weiteres Rudelmitglied in die Arme zu schließen, Frauen sachte auf die Wange oder die Lippen zu küssen und Männer rau zu packen. Kleine Leoparden kletterten an ihm hoch und forderten die glühende Aufmerksamkeit ihres Alphatieres. Remi zog das Rudel an sich, wie ein Magnet das Eisen. Wie Blüten die Bienen. Es war der pure Segen für das Alphatier. Die vertrauten, geliebten Gerüche, die Berührungen, lachende Stimmen, Freudentränen, Glückwünsche und Willkommensgrüße. Jeder, der irgendwo in der Nähe war fand den Weg zu ihm, auch wenn sie es letztendlich nicht bis zum Gemeinschaftsbaum geschafft hätten, wenn Bee nicht laut brüllend Ordnung verlangt hätte und alle auf den großen Speisesaal verwiesen hätte. Dies verschaffte Remi genug Luft, dass er mit zwei kleinen Katzen auf dem Arm die Wärme des Saales erreichte. Dass es draußen entsprechend der Jahreszeit frisch geworden war, war ihm nicht aufgefallen. Sein Herz raste vor Freude und er spürte seinen eigenen Leoparden ganz nah unter seiner Haut, in seinen Augen. Für ihn war die Nähe seines Rudels immer selbstverständlich gewesen - noch nie war er derart abgeschnitten gewesen und es war eine ernüchternde Erfahrung festzustellen, dass nicht nur das Rudel ihn so sehr brauchte, sondern er es mindestens genauso!
Im Saal erwartete ihn die nächste große Freude. Fiona saß mit ihrem Gefährten und einem winzigen Bündel im Arm an einem Tisch nahe des Ofens - das Weinen des Neugeborenen drang klar und anklagend durch den Raum. Wie konnte das Alphatiere so lange fortbleiben? Remis Leopard knurrte, ließ die zwei Kätzchen zu Boden gleiten und war dann mit einem Satz über den nächsten Tisch hinweg bei den dreien.
"Remi!" Greyham packte ihn am Arm und drückte diesen, grüßend, Bindung suchend während seine Augen vor Freude und Stolz strahlten.
"Angel hat mir die Bilder gezeigt - Fio, Grey … ich gratuliere euch!" Fiona lächelte ebenso strahlend zu ihm auf, hob das Gesicht sachte, sodass Remi sie küssen konnte.
"Wir sind so froh, dass du wieder da bist und es dir gut geht!" Remi griff nach dem Saum seines Hemdes und zog es in einer fließenden Bewegung über den Kopf ohne es aufzuknöpfen, bis er mit bloßem Oberkörper dastand.
"Ich wäre schon früher wieder hier gewesen, aber gewisse Heiler erlaubten es mir nicht… na komm her…" raunte er und das Grollen drang tief aus seiner Brust, als er in die Decken griff und das neugeborene Rudelmitglied hochhob.
"Greyham-Patric. Willkommen!" grollte er, sah erst noch in den unfokussierten Blick des Kindes und legte sich den Kleinen dann auf die bloße Brust. Das Weinen verstummte und Remi spürte, wie sich das kleine Gesicht an seine Haut drängte. Er selbst senkte den Kopf und inhalierte den Geruch des Kindes, während seine eigene Signatur sich mit der seinen vermischte. "Willkommen." Wiederholte er kaum verständlich, soweit vorgedrungen war der Leopard in ihm um ebenfalls das neue Mitglied zu begrüßen. Neugeborene Gestaltwandler brauchten die Bindung an ihr Rudel, aber vor allem an ihr Alphatier. Das Versprechen geschützt zu sein, dazugehörig zu sein, willkommen zu sein. Es war keine Bindung wie jene zu seinen Wächtern, mit Blut besiegelt. Es war wie die Bindung zu jedem seiner Rudelmitglieder - nicht greifbar und dennoch intensiv, vorhanden und unbestreitbar. Sie brauchten ihn und er brauchte sie.
Remi hatte die Augen geschlossen und die Wange an den kahlen Kopf gelegt, der Wärme des kleinen Körpers nachspürend, seinem eigenen Bedürfnis nachgebend ihm immer und immer wieder leise seinen Schutz und seine Liebe zu versprechen. Dafür lebte er. Hierfür kämpfte er. Für dieses Gefühl. Für diese Bindungen. Er würde sich eher das Herz herausreißen lassen als zuzulassen, dass einem von ihnen etwas geschah. Er bekam nicht mit, wie sich der Saal füllte und ein zweites, verspätetes Frühstück, welches nahtlos in das Mittagessen übergehen würde aufgetragen wurde. Wie sich sein Rudel um ihn herum verteilte, tratschte und seine Rückkehr sowie die neue Geburt feiert. Er stand einfach da und hielt den kleinen Greyham-Patric schützend im Arm, während der Leopard in seiner Brust grollte und schnurrte.

Stoff legte sich um seine Schultern, gefolgt von einer Hand, welche sich in seinen Nacken schmiegte, wärme spendete, während sich der große Körper an ihn lehnte. Remi brauchte nicht aufzusehen um seinen Gefährten zu erkennen. Das Band hatte ihm längst verraten, dass Jandro sich genähert hatte - auch wenn er nie weit von ihm entfernt gewesen war. Sich an ihn lehnend drehte er sich etwas und präsentierte Jandro den Jungen.
"Sieh nur!" Er flüsterte, obgleich der kleine Leopard selbst bei dem Umgebungslärm zufrieden im Arm seines Alphatieres schlief.
"Hm… da habe ich ja Glück gehabt. Ich bin nicht mehr das neueste Mitglied hier im Rudel!" Als Remi aufblickte, sah er das Schmunzeln rund um die Lippen seines Gefährten und die Freude in seiner Brust wollte überfließen. Sein Gefährte, der scherzte, lachte… und sich bereits selbst zu ihrem Rudel dazugehörig fühlte! Er wandte den Kopf und raunte Jandro ins Ohr, so leise, dass es vielleicht niemand sonst hören konnte. Vielleicht. Und wenn doch - es war ihm egal:
"Ich liebe dich!"
"Hn." Ein Kuss legte sich auf seinen Mundwinkel. "Das weiß ich." Eine weitere sanfte Berührung. "Und vergiss nicht, dass auch ich dich liebe."
"Wie könnte ich das je?"
"Gut - dann liebst du mich auch immer noch, wenn ich dir jetzt sage, dass du Greyham wieder an seine Mutter zurückgeben solltest, damit du endlich was essen kannst." Remi blickte in das schlafende Gesicht und zögerte.
"Hm… ich bin noch nicht hungrig."
"Ist nicht wahr - ich spüre deinen Hunger. Und es gibt noch mehr Leute, die dich begrüßen wollen."
"Ach komm schon - wer hat dich hergeschickt?" Jandro lächelte verschwörerisch und streckte die Hand nach dem Kleinen aus.
"Darf ich?" Kurz zögerte Remi - nicht, weil er Jandro nicht vertraute, sondern weil er sich nicht von dem weichen Gewicht voller Vertrauen trennen wollte. Dann aber überließ er es ihm und der Mediale nahm das schlafende Kind vorsichtig entgegen. Sein Gesicht zeugte auf einmal von hoher Konzentration als er das winzige Wesen drehte, in seine Armbeuge legte und dabei seinen Kopf stützte, als hätte er dies schon tausendmal gemacht.
"Woher kannst du das?" Fragte Remi und schlüpfte nun in die Ärmel seines Hemdes, welches ihm Jandro umgelegt hatte.
"Ich habe im Medialnet recherchiert, nachdem Angel uns davon erzählt hatte." Der Ausdruck auf seinen Zügen wurde weicher, staunender und Remi konnte die Freude und Faszination seines Gefährten über das Paarungsband spüren.  "Hallo Greyham-Patric. Willkommen - und danke, dass du mir die Position des Neulings so schnell wieder abgenommen hast!" Flüsterte er, bevor er sich dann dem Vater des Kleinen zuwandte, der einen Arm um seine schlafende Frau gelegt hatte und ihnen erklärte:
"Der Kleine hat sie die ganze Nacht wachgehalten." Als müsste er sich für die Erschöpfung seiner Frau entschuldigen.
"Sollen wir ihn noch eine Weile behalten?" Fragte Jandro, zögernd, sich nicht sicher, ob ihm diese Frage überhaupt erlaubt sei, doch Greyham strahlte.
"Würdet ihr? Wenn er wach wird und Hunger bekommt, dann bringt ihn … oder wenn er euch zu viel wird…" Anscheinend hatte auch der Vater nicht viel Schlaf bekommen und Remi grinste.
"Er wird uns nicht zu viel - komm, gib ihn mir wieder, Schatz…"
Doch Jandro drehte sich etwas weg und barg das Bündel an seinem Arm.
"Nein - wir suchen uns jetzt was zu essen. Also DU isst, ich kümmere mich um dieses Prachtstück." Und die Akzeptanz in Greyhams Blick zerschlug jede Frage, welche vielleicht noch über Jandros Status hier im Rudel im Raum gestanden hatte. Der Partner des Alphatieres raunte dem jüngsten Zuwachs leise etwas zu und wanderte bereits in eine Richtung davon, Remi nichts anderes übriglassend, als ihnen zu folgen.

Es wurde kein reguläres Frühstück. Immer wieder blieb Remi auf dem Weg zum Büffet an den Tischen stehen, begrüßte, setzte sich und bekam letztendlich von jedem Teller was angeboten. Er erfuhr von den großen und kleinen Neuigkeiten im Rudel, vom Tratsch, Liebeserklärungen und konnte dabei seine Gefährten berühren, Kinder in allen beiden Gestalten auf dem Schoß haben und sich von ihnen versorgen lassen. Wenn er das angebotene Essen annahm strahlten sie und mit der Zeit legte sich die Aufregung im Rudel. Jeder einzelne konnte sich von Remis Gesundheit überzeugen und er nahm sich Zeit für jeden. Lauschte allen, beantwortete Fragen und erzählte knapp, wenn es jemand wissen wollte, was passiert war. Oder überließ es Jandro dies zu erklären, da er sich an den Großteil sowieso nicht erinnerte. Meistens hielt sich sein Gefährte an die vereinfachte Variante des Autounfalls und die Erzählung von Finns ehemaliger Klinik. Sie brauchten nicht erwähnen wie gefährlich es gewesen war. Und die Zeit verging weiter. Irgendwann wachte ihre kleine Last auf und forderte vehement die Anwesenheit seiner Mutter - damit sie mit etwas aushelfen konnte, was Remi bei aller Liebe nicht leisten konnte. Fiona hatte der Schlaf gutgetan, sie lächelte als sie ihr Junges entgegennahm und sich einen Platz suchte, um ihn zu stillen.

Remi betrachtete gerade noch das Familienglück, als sich mit einem Mal Hände von hinten über seine Augen legten. Er hatte das Rudelmitglied zwar in der Annäherung gespürt, aber der Versuch war so leise ausgeführt, dass er einen überraschten Laut ausstieß und nach den schmalen Handgelenken griff.
"Rrrrrate… .werrrr hierrrrr ist!" Verlangte eine verstellt tiefe Stimme mit gespieltem Piraten-akzent zu wissen, während gleichzeitig mühsam ein Kichern unterdrückt wurde.
"Hmmm…" machte Remi nachdenklich, tastete über die Unterarme, spürte runde Perlen an einem Armkettchen links und klimpernde, kühle metallene Anhänger an einem weiteren Armband rechts. Die Finger waren lang und schlank. Er drehte den Kopf um eine Winzigkeit und atmete tief den warmen Duft an der Innenseite des Handgelenks ein. Stockte.
"Was machst DU denn hier? Ich dachte du seist in Island?!"
Anscheinend war dies Erkennen genug, denn mit einem Lachen löste die Frau hinter ihm den Griff und erlaubte Remi sich umzudrehen, sodass sie ihm richtig den Hals fallen konnten.
"Da muss erst das Alphatier heimkommen, bis endlich jemand auf Anhieb weiß wo ich sein sollte und nicht die Hälfte der Kontinente aufzählen und raten muss! Tse - was ich hier mache. Ich komme nach Hause, weil zu Hause am besten ist und du lauter komische Sachen machst, wenn ich nicht da bin! Man kann dich einfach nicht alleine lassen, wobei du jetzt ja nicht mehr alleine bist. Du bist ja auch nicht schlecht rumgekommen in den letzten Wochen. Moskau, Kanada… sonst noch wo? Und angelst dir zwischendrin noch einen Gefährten und dazu noch die Pfeilgarde. Tse, was du machst, machst du richtig!"
Der so charakteristische Wörterstrom brach über Remi herein als er die kleine Frau fest in die Arme schloss und noch einmal ihren Duft inhalierte. Ihre schwarzroten Haare, welche an Zairas Haarpracht erinnerten, waren im Nacken zu einem Zopf gebändigt, dennoch kitzelten einzelne Strähnen seine Nase.
"Ich habe noch nie halbe Sachen gemacht, Luisa." Erinnerte er die Leopardin schmunzelnd, welche normalerweise jetzt als Erste Geige in einem internationalen Orchester spielte, das gerade auf Welttournee war. "Seit wann bist du hier?" Noch immer hielt sie ihn fest.
"Seit heute früh. Also hier im Rudel. Angekommen bin ich gestern und war erst bei Mom in Knoxville und hab ihr in der Küche ausgeholfen. Du hättest sehen müssen, was sie Mica zu essen vorsetzen wollte. Der arme Kerl hätte echt nichts essen können davon, auch wenn sie es gut gemeint hat. Du weißt ja… gut ist nicht gut gemeint und sie hat noch nie für Mediale gekochte. Das ist der Vorteil, wenn man soweit rum kommt wie ich. Also nicht, dass ich für Mediale gekocht hätte, aber man trifft doch ab und an auf welche und muss sich zwangsläufig mit ihnen auseinandersetzen und ich habe ja auch hier schon gekocht, wenn Zaira oder Aden da waren, aber Mom bekommst du bei INNY ja nicht aus der Küche. Sie meint, diese würde nicht funktionieren, wenn sie nicht da wäre. Aber zu eurer Paarungsfeier wird sie kommen. Es wird doch eine Paarungsfeier geben oder?" Bei dieser Frage ließ sie ihn los. "Oh, wie unhöflich von mir!" Wandte sich von ihm ab und viel Jandro, der neben ihm gestanden hatte ohne Vorwarnung ebenso um den Hals. "Du musst Jandro sein! Ich darf doch Jandro sagen - oder? Ich bin Luisa und bin so froh, dass Remi endlich sesshaft wird! Dann können sich endlich alle ungebundenen Leoparden im Rudel beruhigen und auf sich selbst konzentrieren als auf diesen unausgelasteten Hormon-Vulkan!" Sie küsste Jandro auf die Wange, der gerademal ein: "Ja natürlich. … ähm... Und freut mich auch…?" hervorbrachte, bevor sich die quirlige Luisa wieder Remi zuwandte. Ihr Blick wanderte an ihm auf und ab und blieb schließlich an seiner kahlgeschorenen linken Schädelhälfte hängen. Skeptisch verzog sie die Lippen.
"Hat dir schon jemand gesagt, dass das furchtbar aussieht?"
"Ähm… Angel und ich dachten, es könnte Mode werden?"
"Tse… Männer, wirklich. Nein, so kann das nicht bleiben. Das müssen wir ändern. Das sieht so … krank aus. So nach der Art: schaut alle her, mein Schädel war kaputt und jetzt habe ich einen Hirnschaden und kann mich nicht mehr ordentlich frisieren. Nene. Vorher war ja schon schlimm genug mit deiner 'sieht doch ordentlich aus'-Frisur, aber das war gerade mal erträglich. Jetzt bist du ein ehrbarerer Gefährte und musst was hermachen. Vor allem bei deinen internationalen Verbindungen. Schau dir Lucas Hunter an! DER achtet auf sein Äußeres."
"Ähm..." versuchte Remi zu protestieren, während er von Jandro pulsierende Freude und Humor empfing. "… ich achte auf mein äußeres!"
"Klar… mit Holzfällerhemden und zerrissenen Hosen…" sie griff sein Kinn und drehte seinen Kopf hin und her, dann hob sie die Stimme. "Ramira? Komm doch mal her…"
Jojos Mutter war nicht weit entfernt und gesellte sich nun zu Luisa, welche immer noch kritisch ihr Alphatier musterte, der sich fragte, ob sie ihm gleich noch in den Mund schauen und seinen Zahnstatus prüfen würden?
"Ja Liebes?""Ich muss ihm die Haare ordentlich schneiden, so geht das nicht. Kannst du mir Kamm und Schere leihen? Meine sind noch nicht ausgepackt. Und am besten noch einen Rasierer …" Dann begannen die beiden Frauen zu fachsimpeln, während Ramira ihren Sohn nach Hause schickte um alles zu holen. Hilflos blickte Remi zu Jandro, doch dieser grinste nur und folgte, als die Leopardinnen ihn nach draußen brachten - 'keine Haare im Speisesaal'.
"Das wird gut aussehen, Kater, vertrau deinem Rudel." Meinte Jandro kichernd.
"Aber sehe ich so schlimm aus?"
"Sagtest du nicht, sie würden es brauchen?"
"Ja aber ich dachte ich hätte noch Zeit..."
Luisa setzte ihn auf einen mitgebrachten Stuhl.
"Beschwer dich nicht, Remi - ich schneide nicht jedem die Haare." Damit grinste sie Jandro an. "Möchtest du auch?"
"Oh, ich schau erstmal, was du bei ihm fabrizierst." Und schmunzelte, als Remi sich seufzend seinem Schicksal ergab. In kürzester Zeit war Wasser herbeigeschafft worden, dem Alphatier wurden die Haare gewässert und bald stand Luisa hinter ihm, schwang Kamm und Schere um ihn für seinen Gefährten präsentabel zu machen. Und während sie 'arbeitete' stand ihr Mund niemals still. Erzählte den Tratsch, den sie auf der Tournee von geschwätzigen Bären erfahren hatte, welche anscheinend Verwandte auf der ganzen Welt besaßen und allein mit dem Bärenklatsch konnte man die wichtigsten Ereignisse der letzten Wochen erfahren. Zwischendrin wechselten die Zuschauer des Ereignisses, wobei Remi beobachten konnte, wie sich nun auch immer wieder Rudelgefährten Jandro näherten, ihn ansprachen, berührten oder sogar in den Arm nahmen. Sein Gefährte stand nie allein und kein einziges Mal spürte Remi negative Gefühle von ihm über das Paarungsband. Der Leopard in ihm kam zur Ruhe. Das Alphatier entspannte sich. Sein Rudel war hier. Sein Rudel war gesund und auch, wenn ein Gedanke ihn immer wieder peinigen wollte, verschob er diesen auf später. Darum würde er sich kümmern. Aber nicht jetzt. Jetzt brauchte er seine Leoparden und sie brauchten ihn.
Dann waren Luisa und Ramira zufrieden mit dem, was sie kreiert hatten und woher auch immer zauberten die Damen zwei Spiegel her, damit er ganz wie im Frisörsalon seine Frisur bestaunen konnte.
Entlang der oberen Kante der rasierten Stelle hatte sie rund herum um seinen Schädel die Haare auf wenige Millimeter gekürzt, sodass die kahle Stelle mit den bereits wieder mutig nachwachsenden Haaren rund um die sichelförmige Narbe nicht mehr derart hervorstach. Die restlichen Haare oberhalb davon hatte sie auf möglichst eine Länge gebracht und sie nun oberhalb des Undercut zu einem Zopf an seinem Hinterkopf zusammengebunden. Dass sie hierfür ein lila-glitzerndes Haargummi, welches Jojo ihr angeboten hatte, verwandte, tat dem ganzen keinen Abbruch.
Trotz ihres Enthusiasmus beim Schneiden, sah Luisa nun doch etwas verunsichert drein, als sie sein Urteil erwartete. Und weil sie ihn so überfallen hatte, ließ er sie noch etwas schmoren, wandte den Kopf hin und her und betrachtete gespielt kritisch den erstaunlich professionell bearbeiteten Haarschnitt.
"Und?" Hielt die auf einmal so wortkarge Luisa es nicht mehr aus.
Remi reichte den Spiegel an Jandro weiter und stand von dem Stuhl auf, auf welchem er zuletzt rittlings gesessen hatte, trat zu Luisa und rahmte ihr Gesicht mit den Händen ein.
"Es ist perfekt. Ich danke dir." Dann küsste er sie zart auf die Lippen, welche sich zu einem strahlenden Lächeln verzogen.
"Gerne!" Hauchte sie und die junge, unterwürfige Leopardin, welche sich mit großen Schritten zu einer der Mütter des Rudels entwickelte warf sich ihm erneut an den Hals.
"Schön, dass du wieder zu Hause bist." Raunte Remi und hielt sie fest, während er über ihre Schulter hinweg Jandro anblickte.
Schön, dass wir alle endlich zu Hause sind!

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Und hier ein großer Dank an BiMo für die wunderbare Leihgabe von ‚Luisa‘, welche ihrer kreativen Feder entsprungen ist und nicht meiner. Es war mir eine besondere Freude diese quirlige Leopardin in Remis Rudel zu integrieren! Danke vielmals!!
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