Unter dem Eis

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
OC (Own Character)
13.01.2018
22.02.2020
60
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25
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Zum zweiten Mal pflückte er sich einen kleinen Leoparden vom Oberschenkel, doch statt ihn wie zuvor wieder auf den Boden zu setzten klemmte er ihn sich gemütlich unter den linken Arm, während er sich erneut über den Tisch und die dort ausgebreiteten Pläne lehnte. Ebenholzschwarze Finger glitten zielsicher über die Zeichnung, während Lark ihm erklärte, welche Schwerpunkte der neue Gemeinschaftsbaum im östlichen Teil der Wohnbäume besitzen würde. Nachdem sein Rudel in den letzten Monaten beträchtlichen Zuwachs erhalten hatte und mit den Familien auch Handwerker, Lehrer, Techniker und vor allem Kinder dazu gekommen waren, reichte der bisherige Aufenthaltsbaum nicht mehr aus. Bereits als er dieses Gebiet als Herzstück seines neuen Rudels erkoren hatte, hatte er diesen speziellen Baum für etwas Besonderes im Blick gehabt, aber das gewendelte, flexible und doch derart stabile Gebäude, welches einer der DarkRiver-Architekten für sie entworfen hatte, war einzigartig. Dabei hatte er sich Anregungen aus verschiedenen Rudeln geholt - zum einen die luftige Höhe des Baumes ausnutzend um den Katzen in ihnen ihren Bewegungsdrang zu lassen, hin zu der Verbindung in die Felswand, welche ihren Stein tief in den Boden der Smoky-Mountains versenkte. Das dort angelegte Höhlensystem war nicht derart verzweigt und riesig wie jenes der SnowDancer Wölfe, aber es hatte einige positive Eigenschaften von diesen übernommen. Es gab Fluchttunnel, welche jenseits ihres Wohngebietes führten, zusätzlichen Stauraum, welcher in Baumhäusern öfter knapp bemessen war und so gut ihre Wohnstätten in den hohen Bäumen auch gesichert waren, so boten die Höhlen einen sicheren Rückzugsort. Und nachdem nun die Höhlen bereit waren, würden sie die Krönung - den neuen Gemeinschaftsbaum - angehen.

Ein protestierendes Miauen erinnerte ihn an die pelzige Geisel unter seinem Arm und er hob den Raufbold hoch, bis ihm der kleine Kater in die Augen blicken konnte. "Ab mit dir zu deinen Eltern und zieh dir was an. Ich nehme keinen nackten Jungen mit zur Spielgruppe. Wir werden in einer Stunde abgeholt und wer dann nicht etwas anhat, kommt nicht mit." Die grünen Augen des Jungen weiteten sich und er stieß ein klägliches Maunzen aus, bevor er zu strampeln anfing und Remi ihn absetzte. Ein schwarz gefleckter gelber Blitz flitzte zwischen den Tischbeinen davon in Richtung des Kindergartens, wo seine Eltern sich gerade mit der diensthabenden Betreuung unterhielten. Ihm war langweilig gewesen, daher hatte er die Nähe seines Alphatiers gesucht, wie es alle Rudelgefährten in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen taten. Selbst eine Wächterin wie Lark ließ es sich nicht nehmen, sich gegen ihn zu lehnen, während sie Anmerkungen auf der Blaupause verzeichnete und sie schnurrte sogar ganz leise, wenn er ihr die Hand auf den Rücken, oder gar in den Nacken legte. Egal wie dominant sie war - es war ein Privileg und Bedürfnis die Nähe und Kraft ihres Alphas zu spüren. So wie sich auch alle immer wieder um den Heiler des Rudels sammelten. Manche Dynamiken waren für das Überleben eines Rudels, vor allem eines so jungen Rudels wie dem seinen, unabdingbar.

Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr und fragte sich, ob sein nächster Termin vielleicht für das Fortbestehen und Gedeihen seines Rudels genauso wichtig war - oder gefährlich. Es war nicht das Treffen mit den Wölflein und Jungen der SnowDancer- und DarkRiverrudel, sondern jene dritte Komponente, die Anwesenheit der Pfeilgardisten, die ihn beschäftigte. Jeder einzelne von ihnen war eine Gefahr allein schon aufgrund seiner Fähigkeiten. Mochten die Medien noch so voll sein von Adens erstaunlicher Fähigkeit, welche mehr als ein Dutzend Menschen vor einem Kugelhagel bewahrt und die Angreifer ausgeschaltet hatte - niemals durfte man vergessen, wie der Mann mit dem markanten Gesicht ausgebildet worden war. Oder die zierliche Gardistin an seiner Seite, welche auf den ersten, ungeschulten Blick mit Unscheinbarkeit täuschen mochte - aber nicht, wenn man ihre Bewegungen studiert und sie einmal die für Katzenkrallen geschaffene Kletterwand hatte erklimmen sehen. Von ihren mentalen Fähigkeiten ganz zu schweigen - dennoch hockte sich Zaira Neve ins Gras und rollte mit Jojo einen alten, abgeliebten Lederball hin und her und manchmal konnte Remi sogar an ihren Mundwinkel den Gedanken eines Lächelns erkennen. Oder in ihren Augen, wenn sie ihren Gefährten anblickte. Silentium hatte wirklich sein Ende gefunden, wenn man die Liebe zwischen zwei Pfeilgardisten öffentlich sehen konnte und durfte. Und wenn diese beiden Gardisten auch noch alles erdenkliche taten um ihrem Nachwuchs ein mit Liebe und Freude erfülltes Leben zu ermöglichen - in den Grenzen, die eben bei solch potentiell gefährlichen Kindern möglich war - dann wollte Remi ein Teil davon sein, mochte er die Gefahr, welche von diesen Leuten ausging auch niemals aus den Augen verlieren.  Dies waren Kinder, genauso wie der Junge eben unter seinem Arm, oder die kleine Nadiya oder seine süße Jojo und die ganze Welt wusste, dass Gestaltwandler nichts über das Wohl von Kindern ging. Manche mochten dies als größte Schwäche ihrer emotionalen Rasse bezeichnen, aber letztendlich war es ihre größte Stärke - und eine Warnung an jeden, der sich mit einem Gestaltwandlerrudel anlegen wollte.

"Vergrößere den Spielplatz in der ersten Etage und erweitere, wenn es die Statik zulässt den Klassenraum um eine Bankreihe. Mir schwant, dass wir ab und an Gäste haben werden und unser Rudel wächst, da will ich nicht in fünf Jahren eine neue Schule bauen müssen." Noch waren sie so klein, dass ihre Kinder in den aktiven und künstlerischen Fächern gemeinsam Unterricht hatten und  sich dann je nach individueller Leistung in Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften zu mehr oder weniger großen Klassen gruppierten.
"Also doch noch zwei, drei Gästebäume und wahlweise Gästezimmer in den Höhlen? Erwartest du auch … medialen Besuch?" Gelbgrüne Katzenaugen blickten ihr entgegen und seine Zähne blitzten weiß auf, als er grinste. "Sie haben sich im Baumhaus doch ganz wohl gefühlt, oder nicht?" Larks Lachen war hell und klar - niemandem in seinem Rudel war die Anziehung zwischen Aden und Zaira entgangen, welche so sehr versucht hatten dies in den Tagen zu verbergen, als sie hier wegen des Sturms festgesessen hatten. Sie diskutierten noch eine Weile kleinere und größere Veränderungen, bevor er sich von Lark verabschiedete um sich zu seiner kleinen Spieltruppe zu gesellen, welche bereits auf ihn - oder noch eher auf ihren Transporter wartete.
Die Kleinen waren die ersten gewesen, welche an einem Transport durch das Nichts Gefallen gefunden hatten und wann immer Vasic oder Judd in der Nähe waren, wurden sie von den Kindern bestürmt und angebettelt. Remi hatte gehört, dass selbst Kaleb Krychek von kleinen Wölfen und Leoparden auf der Feier zur Geburt der drei 'Wolfsleoparden' um Teleportationen hin zu Freunden oder fort von Eltern gebeten worden war. So waren Kinder nun mal - begegnete man ihnen mit Liebe und förderte ihr Vertrauen und Selbstsicherheit, so konnten sie selbst in dem gefährlichsten Mann auf Erden einen Spielpartner sehen. Dieser durfte aber auch nur in ihre Nähe, weil sich die Eltern sicher sein konnten, dass dieser Mann Kindern nichts antun würde.

Das Erste, was sie von ihrem Transporter hörten, war das freudige Bellen eines Hundes, dem gar nicht klar war wie klein er war und der sich unter all den Raubkatzen sehr wohl fühlte.
"Rab! Rab!" Mit sonnengelb flatterndem Kleid rannte Jojo an ihm vorbei und stürzte sich auf den kleinen Hund, den Vasic immer mitbrachte, wenn er die Kinder hier besuchte oder abholte. Im Gegensatz zu seinem Hund hörte man den Medialen nur, wenn er es wollte - so wie heute.
"Remi." Grüßte der hochgewachsene Teleporter und schüttelte problemlos die Hand, welche ihm der Rudelführer entgegenstreckte. Das Zusammenleben mit einer Empathin tat dem Gardisten anscheinend gut, denn auch seine Mimik verlor oftmals die Starre, welche für Mediale und insbesondere Pfeilgardisten früher normal gewesen war.
"Vasic. Danke für den Transportservice. Sind du und Ivy heute mit in der Spielgruppe?" Aus dem Augenwinkel beobachtete er die kleine Jojo, welche ungeachtet ihres neuen Kleides mit Rabbit auf dem Boden herum rollte, nun ja, noch hatte sie sich nicht gewandelt, also konnte das Kleid noch gewaschen und somit wiederverwertet werden. Second-Hand-Ware war in Gestaltwandlerrudeln für Kleinkinder sehr gefragt.
"Heute nicht. Später hole ich euch wieder ab, aber Aden und ich müssen zu einem Termin und Ivy ist mit Sahara und Faith… einkaufen."
Das kurze Stocken in der ruhigen Sprache des Teleporters ließ Remi eine Braue hochziehen. Sahara und Faith waren Cousinen und verbrachten gerne Zeit miteinander, während Sahara einen intensiven Kontakt zu den Empathen pflegte, daher war die Gruppierung nicht ungewöhnlich, doch ... Remi begann zu grinsen, als er sich vorstellte, wie ein gewisser  Kardinalmediale in Begleitung der drei Damen durch Reihen an Nachthemden, Badeschaumzusätzen, Dessous und Naschkram schreiten würde. Immer das gleiche starre Gesicht, der aufmerksame Blick um jede Gefahr für die Drei im Keim auszulöschen.
"Haben du und Kaleb Schnick-Schnack-Schnuck gespielt um euch zu einigen wer sie begleiten… darf?" Da zuckte es doch tatsächlich an den Mundwinkeln des Medialen. "Wie gesagt, Aden und ich haben einen Termin und Vaughn begleitet sie natürlich auch, daher ist Ivy in sicheren Händen. Aber selbstverständlich muss dann Krychek mitgehen." Remi konnte sich hierauf ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen und schlug dem Anderen auf die Schulter - herrlicher trockener Humor, von einem Medialen vorgebracht war er noch köstlicher! Köpfe drehten sich in seine Richtung, Neugier in Katzenaugen, als sein Rudel wissen wollte, was ihn derart amüsierte, aber er wedelte nur mit der Hand und holte tief Luft, amüsiert glucksend. "Wunderbar - jetzt ist mein Tag gerettet. Wollen wir dann?" Er wischte sich mit dem Handballen unter den Augen entlang.
"Rabbit!" Rief Vasic den kleinen Hund, welcher munter bellend antwortete und zu seinem Herrchen trabte, gefolgt von drei Kindern im Alter von zwei bis vier. Sehr effizient. Leichter einen Hund anstelle von drei Kindern zu rufen - diese folgten dem Fellknäuel doch sowieso überall hin.  Voller Vertrauen streckte Ava ihre Ärmchen zu dem Teleporter hoch, welcher sich bückte, das Mädchen hochhob und dann in seiner linken Armbeuge positionierte, wo er sie trotz seiner fehlenden Hand sicher halten konnte. Sicher! Remi schmunzelte innerlich bei dem Gedanken -als ob ein TK-Medialer jemals etwas fallen lassen könnte, was er nicht wollte. Er seinerseits zog den kleinen Mason an seine Seite, der mit seinen vier Jahren der älteste und damit größte in der heutigen Gruppe war.

"Heute keine neue Prothese?" Wagte sich der Alpha zu fragen. Sie waren gewiss noch keine Freunde, dafür kannte er Vasic zu wenig, aber er vertraute ihm die Sicherheit seiner Jungen an und dies alleine war eine gute Basis um darauf vielleicht sogar eine persönliche Freundschaft entstehen zu lassen. Immerhin besaß der Mann Sinn für Humor und war der beste Freund von Aden Kai, den Remi sehr wohl inzwischen zu seinen Freunden zählte. Also war die Frage nach den wechselnden Prothesen am Arm des Teleporters oder deren Abwesenheit heute ein gutes Gesprächsthema.
Vasic bedeutete Jojo, sich an seiner Hose fest zu halten, auch wenn dies für einen TK-R in der Teleportation nicht nötig gewesen wäre und schüttelte den Kopf. "Der letzte Versuch ging daneben und hat Samuel in einen Tobsuchtanfall gestürzt, welcher einen weiteren Prototypen das Leben gekostet hat, daher habe ich vermutlich eine Woche Pause." Dabei klang er nicht so, als würde es ihn stören, dass ihm eine Hand fehlte und nein, man merkte es dem Mann auch nicht an, wenn er sich im Alltag bewegte. Vermutlich auch nicht im Kampf. "Sind wir alle? Zaira meinte, du hättest heute vier Junge dabei."

"Wir sind schon hier." Es war Theo, der sich mit der kleinen Leo auf dem Arm zu ihnen gesellte. Das ganze Rudel amüsierte sich köstlich über das ungleiche Paar - Theo und Leo - während den weiblichen Rudelmitgliedern immer wieder das Herz aufging, seit der Wächter die Patenschaft für die kleine Leonie übernommen hatte. Theo hatte schon immer ein weiches Herz für den Nachwuchs des Rudels gehabt und als dessen bester Freund Ethan Vater geworden war, war nicht lange nach einem Paten gesucht worden. Leonie würde heute das erste Mal die kleinen Wölfe und Leopardenjungen der anderen Rudel treffen, genauso wie die jüngsten Mitglieder der Pfeilgarde, sodass sein Wächter sich bereit erklärt hatte die zweite Aufsichtsperson für ihre Gruppe zu spielen. Natürlich wachte Remi über jedes einzelne seiner Rudelmitglieder aber er konnte nicht überall gleichzeitig sein und so war er dankbar für die freiwillige Unterstützung.
Vielleicht würde er dann auch einen Moment Zeit haben mit Dorian zu sprechen, der mit seinem Sohn Keenan und dessen Freundin Noor auch hatte teilnehmen wollen - nicht explizit wegen der Gestaltwandlerkinder, sondern aufgrund der jungen Medialen. Für die beiden war es wichtig mit Kindern ihrer Gattung zu spielen um ihre mentalen Kräfte zu testen, ihre Grenzen kennenzulernen - auch wenn Noor zu den Vergessenen gehörte und niemand wirklich begriff, welcher Art ihre Kräfte wirklich waren oder sein würden. Und während die Kleinen spielten müsste er Dorian - der einen Flugschein besaß - noch einmal Fragen, wie schwierig es sein würde hier oben in den Smokys entweder eine Landebahn anzulegen ohne in das Gleichgewicht der Natur einzugreifen, oder ob ein Hubschrauber eine alternative war. Und wie sich sowas finanzieren lassen würde. Nach dem Sturm im letzten Frühjahr waren manche Straßen gesperrt gewesen und für das tief im Wald lebende Rudel sollte trotz allem immer noch eine Möglichkeit bestehen die Außenwelt zu erreichen, wenn es nötig war. Abgesehen davon flog ein Hubschrauber schneller als ein Auto durch die gewundenen Bergstraßen fahren konnte, wenn Not am Mann war. Remi blickte zu dem Medialen mit den grauen Augen hinüber - ein Teleporter war wirklich eine praktische Angelegenheit und hatte in der Vergangenheit Leben gerettet. Nur dass Remi sich trotz seiner Freundschaft mit Aden keiner ständigen Verfügbarkeit dieser kostbaren Personen sicher konnte. Er würde seinen eigenen Weg finden müssen.  
"Dann können wir ja - bereit?" Dies fragte der Teleporter nicht die Erwachsenen, sondern die Kinder und er blickte jedem einzelnen von ihnen direkt in die Augen, während er ein sachte und dennoch sehr ergreifendes Lächeln lächelte. Erst alles alle Vier mit einem Nicken ihre Zustimmung signalisiert hatte - Leo, die kleinste erst nach einem sichernden Blick zu ihrem Paten - sah Vasic zu Remi und die kleine Gruppe samt Rabbit verschwand.


Der Spielplatz befand sich heute auf einer kleinen Lichtung, halbe Strecke zwischen den DarkRiver-Katzen und den Wölfen, wodurch die beiden Rudel es nicht so weit hatten, während die Gardisten sowieso teleportieren würden.  Einzig Remis kleine Spielkinder, er und Theo brauchten eine fremde Eskorte hier her, aber da er und Aden diese erstaunliche Freundschaft pflegten und die Spielgruppen erst ins Leben gerufen hatten, war Vasic nur zu gerne bereit, ihnen diesen Service zur Verfügung zu stellen. Am Anfang waren Zaira und Aden ja noch bei ihnen vorbeigekommen und hatten Pip und die Kleinen mitgebracht, immerhin kannte Vasic das Herz seines Rudels und könnte jederzeit zu ihnen kommen. Mit der Zeit jedoch war das Interesse von anderen Rudeln ebenfalls gewachsen und sie brauchten neue Orte für die Spielgruppen. Dieser Platz hier lag geschützt im Herzen der Territorien und war mit bunten Stoffbahnen markiert, wodurch er in Form eines Bildes dem Teleporter als Ziel dienen konnte. Ein Ziel, welches wieder durch Abnahme der Stoffe unkenntlich gemacht werden würde. So blind vertrauten Wölfe und Leoparden den Medialen wohl doch noch nicht.
Rabbit war der erste, der bellend davonsprang, seine überbordende Freude direkt auf alle anwesenden Kinder übertragend. Mit wedelndem Schwanz hüpfte der kleine Hund zu einer gemischten Gruppe, welche mit einem Ball spielten, der Rabbit anscheinend sehr begeisterte. Sie waren anscheinend die letzten, denn das Leben pulsierte bereits unter den Bäumen in Form von hellem Kinderlachen, dem Geruch nach frischen Muffins und flatternden, farbenfrohen Kleidungsstücken.

"Bis später Remi!" Trällerte Mason noch fröhlich, dann wand er sich aus dem Griff des Erwachsenen und rannte zu dem Zwillingspärchen, welches gewiss wieder Unsinn im Kopf hatte aber bis jetzt noch ganz artig UND noch vollständig bekleidet abwechselnd ein Kind auf einer Schaukel anstießen. Erst glaubte Remi, es sei gewiss die kleine Nadiya Hunter, denn dieses besondere Kind war der Liebling der Zwillinge, aber dann erkannte er einen der kleinen Wolfswelpen in dem Mädchen und schmunzelte. Die Beiden würden reihenweise Herzen brechen und diese gewiss nicht nur bei Leopardenmädchen. Gewiss würde die ein oder andere Wölfin dabei sein … oder Menschenfrau oder Mediale. Dieser Gedanke wärmte sein Innerstes und er ließ langsam den Blick über die Versammlung schweifen, während er sich etwas abgelenkt bei Vasic bedankte, der erklärte, dass er weitermusste.
Dort gesellte sich gerade Theo mit seiner kleinen Begleitung zu Sasha, zu deren Füßen ihre Tochter herumtollte, grüne Schleifchen in dem schwarzen Haar. Hier stand Zaira mit Walker, der heute wohl auch als Aufsichtsperson für die Wölflinge hier war und unterhielt sich angeregt, während sie mit scharfen Blick ihre eigenen Zöglinge im Auge hatte, von denen gerade Zwei voller Begeisterung telekinetisch Erdbrocken aus dem Boden rupften. Vermutlich imitierten sie den kleinen Wolf, der mit seinen Vorderpfoten um einiges effektiver in der Erde grub. Sein Leopard rieb sich zufrieden im Inneren an seiner Haut, als er all die Freude witterte, ließ seinen Blick weiterwandern und strich über einen Schatten am Rande der Lichtung, den er beinahe übersehen hätte, weil er fast mit der Dunkelheit zwischen den Stämmen verschwand in seiner schwarzen Kleidung und mit dem schwarzen kurzen Haar. Vielleicht auch weil er nicht gesehen wollte? Natürlich identifizierte Remi ihn direkt als einen der Pfeilgardisten und vermutete, dass er Zairas Begleitung war, da Aden ja mit Vasic unterwegs war, aber den Mann hatte er noch nie gesehen. Nun, auch die Erwachsenen brauchten ihre 'Spielkontakte' um sich an neue Gegebenheiten zu gewöhnen, nicht wahr?

Remi löste sich schließlich von seinem Platz, genau wissend wo sich seine Jungen gerade aufhielten, nickte dem jugendlichen Wolf zu, der anscheinend als Aufsichtsperson engagiert worden war und ging hinüber zu dem Tisch mit der sonnengelben Decke und der 'Verpflegung'. Hier schnitzte der gefährliche Scharfschütze Dorian gerade aus Apfelschnitzen kleine Mäuse, welche er an die Kinder um sich herum verteilte, darunter auch sein Ziehsohn Keenan und dessen Freundin Noor, die bei solchen Treffen meist unzertrennlich waren. Dass er hierfür ein nicht gerade kleines Jagdmesser benutzte, wirkte dennoch nicht seltsam, sondern passte zu dem blonden Mann mit den strahlend blauen Augen.
"Bekomm ich auch eine? Ich habe schon lange keine Maus mehr gefressen!" Dabei stieß er ein 'bedrohliches' Knurren aus und beugte sich über die Schulter von Ava, welche quietschte und ihre Maus außer Reichweite hielt. "Meins!" Kichernd entkam sie seinem nicht allzu ernsten Versuch und zog einen der kleinen Medialen hinter sich her, so selbstverständlich dessen Hand haltend, als hätte es zwischen ihren Gattungen nie Unstimmigkeiten gegeben.
Eine bereits angebissene Maus wurde in sein Sichtfeld gehalten und er blickte in Jojos ernstes Gesicht, aus dieser Nähe waren die Male auf ihrer Wange deutlich sichtbar. "Maus - nich traurig!" Remi ließ sich in die Hocke sinken, sodass er auf Augenhöhe mit dem Kind war, betrachtete erst die Maus, dann das Junge und lächelte. "Danke Jojo." streichelte ihr über den Kopf, drehte die Hand und dann mit der Rückseite der Finger über die Wange. "Ich bin nicht traurig - Dorian hat gewiss noch eine Maus für mich." Spontan kam ihm eine Idee und er zog sie sanft an seine Seite und drehte sich mit ihr um, bis sie beide quer über die Lichtung zu dem allein dastehenden Gardisten blickten. "Aber ER hat noch keine Maus. Bring ihm doch eine, er wird sich freuen." Wie aufs Stichwort reichte Dorian ihr noch eine fertige Apfelmaus, welche Jojo mit leuchtenden Augen entgegennahm und dann auf flinken Füßen hinübereilte um ihr Geschenk zu überreichen.

Grinsend erhob sich Remi und begegnete Dorians ebenso grinsendem Blick: "Pass nur auf, dass du sie nicht überforderst."
"Jojo? Ach was, sie hat ein Händchen für mürrische Mediale…" Dabei erinnerte sich Remi nur zu gern an Zarias Gesichtsausdruck, als die Kleine sich auf ihrem Schoß gewandelt hatte.
"Oh, ich meinte nicht das Kind - sondern die Medialen. " Obgleich er sich wirklich keine Sorgen um die kleine Katze machte, ruckte sein Blick kurz hinüber zu dem stillen Mann, bevor er sich bewusst dem Wächter des anderen Rudels zuwandte und die Schultern zuckte. "Zaira würde ihn nicht mitbringen, wenn sie glaubte er wäre nicht so weit." Dankend nahm er schließlich die Maus entgegen, welche als erste nicht an gierige Kinderhände gegangen war, betrachtete den Apfelschnitzen und biss dann den stilisierten Kopf ab, dem Spieltrieb seines Tieres kurz nachgebend. Ihn würde es schon interessieren, welche Wirkung die quirlige, vor Leben und Gefühlen sprühende Jojo auf den Gardisten haben würde, aber er verkniff es sich bewusst, die beiden zu genau im Auge zu behalten. Kinder brauchten ihre Freiheiten – und Gardisten vermutlich genauso.
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