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Wo Schatten ist, ist auch Licht

GeschichteRomance, Fantasy / P16 / Gen
Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
13.01.2018
04.05.2021
20
67.197
49
Alle Kapitel
67 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
14.04.2021 4.135
 
Hallöchen,

Hier bin ich mit einem neuen Kapitel.

Puh, so viele Reviews. Ich muss die noch fleißig beantworten. Ich danke euch aber dafür.
Genauso wie für die neuen Empfehlungen und den neuen Favoriteneinträgen.

Momentan bin ich echt langsam, was das Schreiben angeht, allerdings ist die Stelle, wo wir uns jetzt befinden, schwer umzusetzen irgendwie. :D

Ich bin viel am hin und her überlegen. Wie gehe ich den nächsten Schritt an und so weiter. :D

Aber jetzt habe ich ein neues Kapitel fertiggestellt und will es euch nicht vorenthalten.

Viel Spaß :)

Eure Queenslayer :)



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Das Blut des Einhorns



Den Trank der sieben heilenden Hände herzustellen erwies sich als weitaus kniffliger, als Hermine es sich hätte träumen lassen. Nicht nur, dass der Trank einige wertvolle Ingredienzien brauchte, sondern auch solche, die äußerst schwer zu bekommen waren.

Zum Glück hatte Hermine aber einen durchaus fähigen Tränkemeister an ihrer Seite, der ihr versprach, die Zutaten zu besorgen.

Stirnrunzelnd ging Hermine noch einmal die Zutaten des Tranks durch.

3 Phönixtränen,
2 cl Einhornblut,
Blitze des Donnervogels,
10 g Sternenkraut,
die Träne einer Nymphe,
1 Zerriebene Kralle eines Mantikors
und Knochen eines heiligen Mannes.

Zutaten, die Hermine einen eisigen Schauer verpassten. So waren Phönixtränen und Sternenkraut, sowie die Träne einer Nymphe schon eher zu bekommen, und auch die zerriebene Kralle eines Mantikors. Allerdings stellten Einhornblut, Blitze eines Donnervogels und die Knochen eines heiligen Mannes ein anderes Problem dar.

Einhornblut galt als verflucht, wenn es nicht freiwillig von einem Einhorn gegeben wurde.

Blitze eines Donnervogels konnte man in einem magischen Gefäß zwar einfangen, aber diese Vögel kamen in der Britischen Hemisphäre ausgesprochen selten vor.

Seltener als Drachen.

Und was die Knochen eines heiligen Mannes anging… Hermine war nicht sehr erbaut von dem Gedanken, ein Grab zu schänden.

Zwar hatte Snape ihr versichert, sich um die fehlenden Zutaten zu kümmern, aber sie hatte keine Ahnung, wie er dieses anstellen wollte.

So war sie zum Warten verdammt und versuchte, möglichst viel über Kristallmagie zu lernen. Immerhin musste sie ja irgendwie an ihre Magie in dem Kristall heran kommen.

Es stellte sich als ein schwieriges Unterfangen heraus.

Dazu kam, dass mittlerweile die Osterferien vorbei waren und sie wieder in Hogwarts war.

So geschah es, dass in einer Verwandlungsstunde bei Professor McGonagall ihr Medaillon auf der Brust warm wurde und sie für den Rest der Stunde auf glühenden Kohlen saß. Sie fragte sich, was Snape von ihr wollte und stürzte rasch hinaus auf die Mädchentoilette, kaum hatte McGonagall den Unterricht beendet.

In einer Kabine eingeschlossen zog sie hastig die Kette hervor und las die Nachricht.
„Kommen Sie nach dem Unterricht hinunter zum Verbotenen Wald“, stand dort und Hermine wunderte sich, was er am Verbotenen Wald wollte.

Nun, vielleicht wollte er einfach mit ihr Zutaten sammeln oder sowas in der Art. Natürlich führte er ihren privaten Unterricht trotz allem, was sonst noch passierte, ohne Pause durch. Auch wenn es für Hermine immer noch ein wenig seltsam war, ihren Professor nach Unterricht zu sehen und auch mit ihm ganz normal reden zu können, so wusste sie, dass sie die Stunden bei ihm arg vermissen würde, sollte er beschließen, den Unterricht auszusetzen.

Ganz entspannt und mit einer gewissen Vorfreude trat Hermine aus der Mädchentoilette und machte sich auf die Suche nach Harry und Ron, um sie noch vor Zauberkunst abfangen zu können.




Severus hielt stirnrunzelnd das Glas gegens Licht und schaute sich die Blitze an, die angeblich von einem Donnervogel stammten.

Sein Kontaktmann schob ihn eine Feder als Beweis hin, die das für einen Donnervogel typische Muster aufwies.

Es war gut, dass diese Feder da war, denn so konnte Severus ganz leicht überprüfen, ob die Blitze wirklich von dem besagten Vogel kamen.

Vorsichtig nahm er die Feder in die Hand und hielt sie an das Glas. Sofort reagierten die Blitze wie ein Magnet auf die Feder und konzentrierten sich auf den Punkt, wo er das Glas mit der Feder berührte.

Fasziniert schaute sich Severus das einzigartige Spektakel an und schob einige Galleonen über den Tisch zu dem Kontaktmann.
Dieser steckte das Gold ein und nickte ihm zu.

Beide waren keine Männer zum viele Worte wechseln.
Es ging hier einzig alleine nur um das Geschäft.

Severus wickelte das Glas in ein Ledertuch und steckte es in seine Tasche.

Es wurde Zeit, dass er nach Hogwarts zurückkehrte, bevor irgendjemand bemerkte, dass er für kurze Zeit verschwunden war.



Lord Voldemort starrte mit Abscheu auf Wurmschwanz hinunter, der sich winselnd und um Gnade bettelnd im Dreck warf. Er hatte nichts für jämmerliche Idioten übrig und der einzige Grund, wieso er diesen Wicht noch am Leben ließ, war, dass Wurmschwanz sich gut für niedere Arbeiten eignete.

„Scher dich weg, du Gewürm“, zischte er und seine Augen leuchteten bedrohlich auf. „Und schick mir Lucius rein.“

Mit unbewegtem Gesicht beobachtete er Wurmschwanz, wie dieser sich schluchzend zurück zog und durch die große, dunkle Tür huschte.

Er hörte Wurmschwanz, wie er irgendetwas zu jemanden sagte. Nagini schlängelte sich zwischen seinen Füßen hindurch und zischelte leise, bevor sie sich zusammen rollte und ihre Augen auf die Tür richtete.

Voldemort strich Nagini über den dreieckigen Kopf und erinnerte sich daran, wie er die Schlange kennen gelernt hatte.

Es war im Weisenhaus gewesen, noch bevor er nach Hogwarts gekommen war. Damals war Nagini noch eine wunderschöne Frau gewesen, die im Weisenhaus sich um die Kinder kümmerte. Der Blutfluch, wie er später erfahren hatte, zwang sie dazu, sich in eine Schlange zu verwandeln.

Und diese Schlange kam zu ihn, sprach mit ihm und er konnte sie verstehen.

Seitdem hatte er ein unzertrennliches Band zu ihr geknüpft.

Wenn er so etwas wie Liebe empfinden konnte, dann zu der Schlange, die ihn überall hin begleitete.

Das war einer der Gründe, wieso er sie in einen Horkrux verwandelt hatte.

„Mein Herr“, riss ihn die leise, zögerliche Stimme von Lucius Malfoy aus den Gedanken und er warf dem blonden Mann einen verächtlichen Blick zu, welcher vor ihm kniete, das Haupt gesenkt.

„Berichte“, zischte Voldemort und strich über seinen Zauberstab. Zwar hatte er gerade erst Wurmschwanz gefoltert, aber er hätte nichts gegen eine weitere Runde einzuwenden. Wenn Lucius keine gute Nachrichten hatte, nun… er könnte sich durchaus hinreißen lassen.

Er sollte enttäuscht werden, denn ausnahmsweise kam Lucius mit positiven Nachrichten zu ihm.

„Gute Neuigkeiten, mein Herr. Draco hat es bald geschafft. Er schrieb mir in einem Brief, dass er seinen Plan binnen eines Monats auszuführen gedenke. Er lässt fragen, ob Ihr Eure Gefolgsleute bereithalten mögt, wenn Dumbledore das nächste Mal die Schule verlässt. Er möchte dann zuschlagen. Natürlich nur mit Eurer Erlaubnnis.“

Voldemort ließ ein furchterregendes Grinsen los und stand auf.

„Das klingt fantastisch“, sagte er aufgeregt. „Endlich sind wir den alten Narren bald los. Sag Draco, er bekommt so viele meiner treuen Todesser, wie er braucht.“

„Ja, mein Herr“, sagte Lucius erleichtert und stand auf, um sich zu entfernen.

Nagini zischelte leise.

„Baaaald…bissst du ihn … loooos…ssss.“

Bösartige Freude hörte er aus ihren wenigen Worten heraus. Ein Umstand, der ihn tatsächlich lächeln ließ.

Jeder, der ihn jetzt sehen würde, wäre sofort geflüchtet oder vor Angst erstarrt.
Ein Lord Voldemort lächelte für gewöhnlich nie.



Albus fühlte sich müde. Seit einigen Wochen hatte er sich nicht mehr auf seinen eigentlichen Plan konzentrieren können. Immer wieder versuchte er den brennenden Blick von Miss Granger aus seinen Gedanken zu verbannen.

Er wusste tief im Herzen, er war zu weit gegangen, aber er konnte es nicht zulassen, dass Severus von seinem Weg abkam und somit seinen Plan gefährden würde.

Und dazu war es unabdingbar, dass Harry ihn hasste. Severus durfte unter gar keinen Umständen enttarnt werden.

Nun war aber das Problem der jungen Miss Granger, welches er nicht einkalkuliert hatte. Sie, welche ihn in seine Schranken gewiesen hatte. Sie, die anscheinend Severus auf irgendeine Art und Weise schützen wollte.

Dass sie wohlweislich Okklumentik beherrschte, war ein Umstand, der ihm heftig zu denken gab. Hatte er zuerst angenommen, dass sie es sich selber beigebracht hatte, so war er sich dessen nicht mehr so sicher.

Dazu war sie zu gut. Bisher gab es nur eine Person, die ihm so widerstanden hatte. Und das war Severus selbst.

Konnte es möglich sein, dass er ihr Okklumentik beigebracht hatte?

Albus verwarf den Gedanken wieder. Severus war ein hoffnungsloser Fall, was seine Sozialkompetenz anging. Er hätte niemals Miss Granger diese Art der Magie beigebracht, die absolutes Vertrauen zwischen zwei Personen voraussetzte.

Nun, Severus machte nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber des goldenen Trios, wie er sie immer zynisch nannte.

Albus seufzte und warf einen Blick auf die Gemälde der ehemaligen Schulleiter. Phineas schaute wie immer hochmütig auf ihn hinunter.

Er konnte Phineas nicht ausstehen. Er war immer derjenige, der versuchte, mit ihm zu streiten. Fast schon wie Severus. Nur war Severus weitaus bissiger, dafür hatte Phineas die größere Menschenkenntnis.

Albus beschloss, den ehemaligen Schulleiter zu ignorieren und strich über das Gefieder von Fawkes.

Der Phönix trällerte leise und schüttelte seine Flügel aus.

„Was meinst du, alter Freund?“, fragte Dumbledore und schaute in die dunklen Augen des Vogels. „Sollte ich etwas gegen Miss Granger unternehmen?“

Fawkes gab einen missbilligenden Ton von sich und schwang sich in die Luft, nur, um aus dem offenen Fenster zu fliegen.

Nachdenklich schaute Dumbledore dem Phönix hinterher und rieb sich die Stirn. Seit einigen Wochen plagten ihn unnatürlich starke Kopfschmerzen und er hatte ab und zu das Gefühl, als ob ihn gewisse Etappen vom Tag fehlten.

Bisher war er allerdings nicht damit zu Madam Pomfrey gegangen. Er hatte ohnehin nicht mehr viel Zeit.

Er spürte, dass sich sein Leben zu Ende neigte. Und es wurde an der Zeit, seinen Plan endlich durchzuführen.



Hermine und Harry schauten Ron zu, wie dieser sich mit seinen unsichtbaren Gegner im Schach duellierte. Um Ron lagen etliche Schachbücher aufgeschlagen und er probierte einen Zug nach dem nächsten aus.

„Man, wer auch immer da spielt, der spielt Schach, wie ein Dämon“, sagte Harry grinsend und deutete auf das Schachbrett, wo ein schwarzer Turm gerade einen weißen Springer von Ron vom Feld schleppte.

Hermine lächelte leicht. Es überraschte sie nicht, dass Snape gut Schach spielen konnte, aber dass Ron sich die Mühe machte, Bücher über Strategie beim Schach zu lesen, nur um ihn zu schlagen, war weitaus besser, als sie gehofft hatte.

Sie selber aber hatte andere Dinge zu erledigen und packte gerade ihre Tasche neu.

„Hast du wieder ein Date im Kerker?“, fragte Harry und schaute sie leicht besorgt an.

„Ein Date? Klar, Harry, allerdings nicht im Kerker. Diesmal treffen wir uns ganz romantisch bei Mondschein am Verbotenen Wald“, sagte sie mit süßlicher Stimme und blinzelte Harry spöttisch an.

Harry wurde leicht grün im Gesicht.

„Bitte setz mir nicht solche Bilder in den Kopf, Mine“, sagte er und schüttelte sich.

„Dann fang nicht damit an.“

Hermine hängte sich die Tasche um die Schulter, die nun um einiges leichter war und ließ einen Stapel Bücher auf den Tisch fallen.

„Wenn du so lieb bist und meine Sachen Parvati geben würdest? Ich habe leider keine Zeit mehr und muss los.“

Mit diesen Worten verabschiedete sie sich und hastete durch das Loch.

Sie war für ihre Verhältnisse spät dran und beeilte sich, aus dem Schloss zu kommen. Dabei musste sie Peeves, dem Poltergeist ausweichen, welcher es als höchst amüsant betrachtete, Erdnüsse auf vorbei laufende Schüler zu werfen.

Zwanzig Minuten später hatte sie endlich den Rand des verbotenen Waldes erreicht und schaute sich heftig keuchend nach Snape um, welcher gerade aus dem Schatten der Bäume trat.

„Professor“, grüßte sie ihn kurz und er warf ihr einen kurzen, neutralen Blick zu. Er schien schlecht gelaunt zu sein.

„Kommen Sie mit. Und bleiben Sie dicht hinter mir“, schnarrte er in seinem Befehlston schlechthin und Hermine beeilte sich, ihm Folge zu leisten.

Glänzend, er hatte einer dieser Launen, dachte sie grimmig und hielt ihren Blick auf seinen Rücken gerichtet. Dabei versuchte sie zu ignorieren, dass er sie in den Wald führte.

Auch hatte er mit keiner Silbe gesagt, was sie eigentlich hier sollte.

Aber sie wusste, er würde ihr in dieser Stimmung nicht antworten, also sparte sie sich die Frage, welche ihr schon auf der Zunge lag.

Als es um sie immer dunkler wurde, je tiefer sie sich in den Wald hinein wagten, desto mehr geriet ihr Entschluss allerdings ins Wanken und sie drängte sich dicht hinter Snape.

Soviel zum berühmten Löwenmut, dachte sie kläglich, als sein schwarzer Umhang ihre Knie streifte, während sie fest ihren Zauberstab umklammerte.

Sie wusste nicht mehr, wie lange sie schon unterwegs waren, als Snape plötzlich stehen blieb und sie gegen ihn lief.

Mit einem verärgerten Schnauben griff er nach ihrem Handgelenk und zog sie neben sich.

„Aufpassen, Miss Granger“, sagte er missbilligend, schaute aber geradeaus. Etwas schien seine Aufmerksam zu fesseln.

Hermine folgte seinem Blick und schaute in dieselbe Richtung.

Ein sanfter, silbriger Schein schien sich zwischen den Bäumen zu bewegen und plötzlich war da ein zaghaftes Glücksgefühl in ihrem Herzen.

„Sir, ist das… ist das ein Einhorn?“, fragte sie erfürchtig und Snape nickte.

„Deswegen sind wir hier, Miss Granger“, sagte er leise. „Wir brauchen Einhornblut und das ist der Grund, wieso ich Sie mitgenommen habe. Ich nehme mal an, Sie sind noch Jungfrau?“

Hermine spürte, wie ihr Gesicht flammenrot anlief.

Es war schon ziemlich dreist von ihrem Lehrer, sie so unverfroren darauf anzusprechen.

„Natürlich bin ich das noch, Sir“, gab sie piepsig zurück und mied seinen Blick.

Snape atmete hörbar aus.

„Verzeihen Sie mir, Miss Granger, aber es ist wichtig hierfür. Um nicht den Einhornfluch auf uns zu ziehen, ist es wichtig, wenn das Blut freiwillig gegeben wird.“

Hermine schluckte. „Wieso muss ich dafür noch Jungfrau sein, Sir?“, fragte sie langsam.

Das ganze Gespräch war an einem Punkt gelangt, der an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten war.

Snape deutete auf das Schimmern zwischen den Bäumen.

„Sie werden sich dem Einhorn nähern und es um sein Blut bitten. Einhörner vertrauen Jungfrauen eher als anderen Menschen. Da Sie auch noch das Mal des Lichts tragen, sollten Sie meiner Meinung nach auch eher das Vertrauen des Einhorns gewinnen können.“

Hermine seufzte. Sie war nie der große Pferdefan gewesen. Zwar war ein Einhorn kein Pferd, aber allzu großer Unterschied gab es da ihrer Meinung nach auch nicht.

„Na schön“, sagte sie und straffte die Schultern. Snape förderte eine kleine Phiole zutage und ein silbernes Messer, welches sie ihm zögernd abnahm.

„Sie schaffen es schon“, sagte er.

Hermine versuchte ein klägliches Lächeln zustande zu bringen und schritt vorsichtig in Richtung Bäume, wo sie das sanfte Licht gesehen hatte.




Severus schaute ihr leicht besorgt nach und lehnte sich mit dem Rücken gegen einen dicken Baumstamm. Jetzt hieß es warten.

Er hoffte nur, das Einhorn würde die junge Frau nicht als Bedrohung sehen.

An Einhornblut, freiwillig gegeben, heran zu kommen, war eine kostbare, seltene Zutat und womöglich die am schwersten zu beschaffende.

Wenn Hermine das schaffte, dann wäre es ein kleines Wunder. Und ein Vermögen durchaus wert.

Er hoffte, dass sie mit etwas mehr als sie brauchten zurückkam. Es wäre nicht verkehrt, Einhornblut auf Vorrat zu haben. Besonders, da der Krieg bevorstand.

Vielleicht konnte er auf der Basis von Einhornblut einen völlig neuen Trank kreieren, welcher genügend Kraft hatte, einen quasi fast Toten zurück zu holen.

Einhornblut hatte die Eigenschaft, ein Leben zu verlängern. Doch wenn man ein Einhorn dafür tötete, dann war derjenige verflucht. Und Severus war sich nicht sicher, was gewaltsam entrissenes Blut mit demjenigen anstellen konnte, der es dem Tier einfach so nahm.

Und wenn er ehrlich war, so wollte er es auch nicht raus finden.

Der Trank der sieben heilenden Hände. Severus musste unwillkürlich lächeln.

Es passte zu Hermine, sich gleich einen der schwierigsten Heiltränke heraus zu suchen und diesen auch noch modifizieren zu wollen.

Sollte sie es schaffen, diesen Trank fehlerfrei mit seiner Hilfe zu brauen, dann würde er ihr für die Zukunft ein Empfehlungsschreiben aufsetzen, damit sie die Chance hatte, vielleicht eine Trankmeisterin zu werden.

Talent hatte sie, das war unbestreitbar. Aber war sie auch gut genug, einen Trank zu brauen, der die Erfahrung und Kenntnisse eines Meisters benötigte?

Nun, es würde sich zeigen.

Allerdings war sie nicht so gut wie er es in ihrem Alter gewesen war. Aber sie hatte auch nicht wie er die Chance gehabt, schon vor der Zeit in Hogwarts den Schulstoff zu lernen. Er aber hatte als Halbblut im jungen Alter von sechs Jahren angefangen, alle Schulbücher seiner Mutter zu verschlingen. Seine Mutter selber hatte ihm einige Tricks noch beigebracht.

Es stimmte, das Gerücht, demnach er mehr Flüche im zarten Alter von elf Jahren beherrschte als der siebte Jahrgang. Auch er war ein Streber gewesen, immer mit der Nase in einem Buch verkrochen. Und bis heute hatte sich dieses nicht geändert.

Hermine aber… nun… sie war begabt, wurde aber von dem Kampf gegen den dunklen Lord ziemlich eingenommen.

Eine unleugbare Tatsache.

Severus folgte dem Gedanken weiter. Was wäre wohl passiert, wenn sie nicht von Potter in den Kampf hineingezogen wäre? Wie hätte sich das auf ihr Leben ausgewirkt? Hätte sie bereits eine Affinität zu einem Bereich in der Magie gezeigt, der sie im späteren Leben folgen würde?

Er schätzte sie nicht als Kämpferin ein. Ja, sie war mutig, ohne Zweifel. Aber auch viel zu weichherzig. Also schloss er eine Berufslaufbahn zur Aurorin aus.

Tatsächlich sah er sie als Forscherin. Eine Frau, die ihren Wissensdurst befriedigte.
Severus schüttelte den Kopf. Wer war er, dass er sich solche Gedanken über eine Schülerin machte?

Bisher hatte ihn das auch nie interessiert.

Wieso sollte es jetzt anders sein?

Du magst sie, flüsterte eine kleine boshafte Stimme zu.

Ja, gut, er mochte die Nervensäge. Aber trotzdem sollte ihn ihre Zukunft nicht so interessieren.

Ärgerlich schob er die aufkeimenden, warmen Gefühle beiseite. Anscheinend erreichten ihn die positiven Schwingungen des Einhorns. Anders konnte er sich solche Gedankengänge nicht erklären.

Er schaute wieder zu den Bäumen.

Und er hatte jetzt schon die Nase voll.



Hermine stand ehrfürchtig vor dem Einhorn und hielt ihre Hände hin. Sie wagte es nicht, auch nur einen Ton von sich zu geben.

Das Einhorn schaute sie aus ruhigen Augen an und wieherte leise. Dann kam es langsam näher.

Die Nüstern bewegten sich. Es nahm Hermines Geruch in sich auf und beschloss nach kurzer Zeit, dass sie keine Gefahr darstellte.

Hermine stieß die Luft aus, die sie die ganze Zeit schon angehalten hatte und berührte zaghaft das schneeweiße Fell des Tieres.

Es war unnatürlich weich und strahlte eine angenehme Wärme aus.

Das Einhorn schnaubte leise und stupste ihre Schulter an.

„Ich muss dich um etwas bitten“, sagte Hermine mit zitternder Stimme. „Und ich weiß nicht, ob dir diese Bitte gefallen wird.“

Sie holte das kleine Fläschchen und das Messer heraus und zeigte es dem Einhorn.
„Ich benötige dein Blut. Nicht viel, nur ein wenig. Ich würde nicht darum bitten, wenn es nicht wirklich wichtig wäre.“

Das Einhorn schritt auf sie zu und senkte sein Haupt.

Nervös schaute Hermine auf das lange Horn, welches plötzlich ihren Unterarm berührte. Und sie verstand.

Seufzend schlug sie ihren Ärmel zurück und offenbarte ihr Mal. Das Einhorn stieß einen erfreuten Laut aus und plötzlich hatte Hermine das Gefühl, als ob eine mächtige, aber freundliche Präsenz in ihren Gedanken wäre.

Es waren nur Gefühle und Bilder, die ihr übermittelt wurden, aber diese waren so stark, dass Hermine taumelte und einen leichten Schrei ausstieß, bevor sie hart auf den Boden landete.

Vor ihrem inneren Auge sah sie hunderte von Bildern vorbei ziehen. Es waren ihre Erlebnisse, wie sie an das Mal gekommen war. Und ihre Aufgaben, die sie zu bewältigen versuchte. Sehnsüchte und Ängste, aber auch Liebe und Freundschaft. Das alles zog an ihr vorbei, begleitet von einer unglaublichen Wärme.

Es war eine Art Legillimentik, aber anders. Es ging keinerlei Bedrohung von dem Geschöpf aus, welches seine Präsenz in ihre Gedanken geschickt hatte. Es war eher so, als ob es in ihr Herz schauen wollte. Und sie verstand, dass das Einhorn nichts anderes wollte, als zu wissen, ob es ihr das Blut geben konnte.

Und Frieden überkam sie.



Severus hatte Hermines leisen Schrei durchaus vernommen und war direkt in ihre Richtung gestürzt.

Nur um zu sehen, wie Hermine sich aufrichtete, das Messer an dem Hals vom Einhorn legte und einen kleinen Schnitt machte.

Silbernes Blut, rein wie aus einer Bergquelle, quoll aus der Wunde und Hermine hielt das Fläschchen, welches sie von ihm bekommen hatte, unter den Schnitt und fing das Blut auf. Dann heilte sie die Wunde mit einem einfachen Heilzauber und trat einen Schritt vom Einhorn zurück, welches leise wieherte.

„Ich danke dir“, sagte sie leise und streichelte dem Einhorn über den Hals, wo noch eben die Wunde war.

Dann drehte sie sich zu Severus um und kam mit einem nachdenklichen Blick auf ihn zu. Irgendetwas schien sie zu beschäftigen, denn sie ging einfach an ihm vorbei, als ob er gar nicht da wäre.

Das Einhorn schnaubte und verschwand zwischen den Bäumen.

Severus folgte Hermine, die in aller Seelenruhe das Blut in ihre Tasche verstaute und plötzlich stehen blieb.

„Oh“, machte sie und drehte sich um. „Da sind Sie ja, Professor.“

Severus zog die Augenbraue hoch.

„Sie sind an mir vorbei gelaufen, Miss Granger“, sagte er und schaute sie prüfend an.

„Wirklich?“

„Miss Granger, ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, fragte er nun leicht besorgt.

„Ja, Sir, mir geht es gut. Es war nur eine äußerst seltsame Erfahrung. Ich glaube, mein Kopf hat das noch nicht so auf die Reihe bekommen. Sir, seit wann können Einhörner Legillimentik?“

Anerkennend pfiff Severus durch die Zähne, als er begriff, was eigentlich los war.

„Sieh mal einer an“, sagte er beeindruckt. „Sie sind einem Alpha begegnet. Einen der Ureinhörner.“

Hermine schaute ihn verdutzt an.

„Ein Ureinhorn? So etwas gibt es noch?“

„Nun, es gab schon immer gewisse Gerüchte, dass es hier ein Ureinhorn gibt. Aber es wurde immer nur als Gerücht abgetan. Aber bisher wurde der verbotene Wald auch nie erforscht“, sagte Severus. „Dass es Legillimentik beherrscht, ist ein Anzeichen für ein Ureinhorn.“

„Sir, ich habe noch nie von einem Ureinhorn gelesen, geschweige denn gehört“, sagte Hermine zögernd.

Severus erkannte die unausgesprochene Frage.

„Ureinhörner gelten als ausgestorben. Niemand weiß, wie alt sie wirklich werden können. Und dass sie eine Art von Legillimentik beherrschten. Es sind heute nur noch Legenden drüber bekannt. Viel mehr kann ich Ihnen dazu auch nicht sagen. Aber was Sie da bekommen haben, ist weitaus wertvoller, als Sie sich vorstellen können.“

Hermine nickte. Severus sah ihr die Ehrfurcht vor dem Geschöpf immer noch an und beschloss, dass es an der Zeit wäre, zurück ins Schloss zu gehen.

Während des Rückweges schien Hermine wieder etwas gefestigter zu sein, denn plötzlich schaute sie zu ihm hoch, eine etwas unbehagliche Miene aufgesetzt.

„Sir, wegen des Trankes. Ich muss Ihnen da noch etwas erzählen.“

Severus hörte das Zögern aus ihrer Stimme heraus und lief langsamer.

Und er war froh, dass er es tat, denn bei dem, was ihm die junge Frau als nächstes erzählte, wäre er fast gegen einen Baum gelaufen.

„Phineas Nigellus Black hat mich vor Dumbledore gewarnt. Er vermutet, der Fluch hat sein Gehirn erreicht und macht ihn wahnsinnig.“

Severus blieb stehen.

„Wie wahnsinnig?“, fragte er vollkommen unprofessionell und Hermine seufzte.

„Ich wollte Ihnen es eigentlich schon eher erzählen, doch irgendwie habe ich es zeitweilig vergessen. Es fiel mir gerade wieder ein.“

Und dann erzählte sie ihm von ihrem Gespräch, welches sie mitten in der Nacht mit Phineas gehabt hatte. Und auch der Bedrohung durch Dumbledore ihr gegenüber.

„Fuck, verdammt“, rief Severus aus, seine Beherrschung verlierend, als sie geendet hatte. „Das wirft alles über den Haufen.“

Er strich sich heftig nachdenkend die schwarzen Strähnen aus dem Gesicht und wandte sich wieder Hermine zu.

„Wer weiß noch davon?“, fragte er um Ruhe bemüht.

„Keiner, Sir. Ich glaube, es wäre… unklug gewesen, es irgendjemand anderen zu erzählen.“

Severus nickte. Da hatte sie womöglich Recht. Alle im Orden vertrauten Dumbledore natürlich.

„Ich fürchte, wir werden den Trank schneller fertigstellen müssen“, sagte er und schaute zu den Baumkronen hoch. Er konnte ein wenig Licht ausmachen, also war es erst später Abend. Zeit genug, um noch einmal die Schule zu verlassen und die Knochen eines Heiligen zu besorgen.

Zum Glück für sie beide hatte er bereits die anderen Zutaten schon auf Vorrat oder besorgt gehabt.

Aber wenn die Lage so war, wie Hermine es ihm gesagt hatte, dann hatten sie keine Zeit mehr.

„Ich werde die Knochen eines Heiligen besorgen“, sagte er und schob Hermine vorwärts. „Sie gehen zurück zur Schule. Und kein Wort zu niemanden.“

Sie hatten fast den Waldrand erreicht.

„Sir, was soll ich mit dem Blut machen?“

„Bringen Sie es in mein privates Labor. Und werfen sie einen Anti-Gerinnungszauber drauf. Es darf nicht gerinnen.“

Hermine nickte und machte sich auf den Weg Richtung Schule.

Severus schaute ihr noch lange nach, bis sie hinter einem Hügel verschwand und machte sich schließlich auf zum Rand der Ländereien von Hogwarts, wo er hinter der Grenze verschwand.


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Wir nähern uns den Punkt, wo der Trank endlich gebraut wird. Das sechste Schuljahr ist fast vorbei und die Zeit wird knapp.
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