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Wo Schatten ist, ist auch Licht

GeschichteRomance, Fantasy / P16 / Gen
Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
13.01.2018
17.04.2021
19
63.772
38
Alle Kapitel
55 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
08.04.2021 3.609
 
Moin,

hier kommt nun Kapitel 17. Es fiel mir sehr schwer, es zu schreiben, aus persönlichen Gründen.

Aber ich hoffe, ihr kommt auf eure Kosten.

Vielen Dank für die tollen Reviews, die neuen Favoriteneinträge und die Empfehlungen.
Dafür gibt es einen Teller voll mit Keksen. :)

Nun aber möchte ich euch nicht vom Vergnügen abhalten.

Eure Queenslayer

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Elternliebe



Severus hatte mit allem gerechnet. Mit allem. Außer dem rauschenden Gartenfest, welches Hermines Eltern Jane und Richard Granger gerade gaben, als sie in Hermines Zimmer hinein apparierten.

„Ach, verflucht“, schimpfte Hermine und schaute ihn schon halb panisch an, als lautes Gelächter durch das auf Kipp stehende Fenster an ihre Ohren gelangte.

„Ich nehme nicht an, dass Sie davon gewusst haben?“, fragte Severus sie und hob eine Augenbraue.

Hermine schüttelte den Kopf und seufzte.

„Ich fürchte, wir sollten unsere Kleidung ein wenig modifizieren“, sagte sie und nahm etwas unbehaglich seine Roben in Augenschein.

Severus hob einen Mundwinkel. „Uns bleibt wohl nichts anderes übrig.“

Schon hatte er seinen Zauberstab gezückt und tippte dreimal damit auf Hermines lockigen Kopf. Staunend sog sie die Luft ein, als sie in einem leichten, sonnengelben  Kleid vor ihm stand. Der Rock bedeckte noch ihre Knie und erinnerte stark an ein Petticoat vom Schnitt.

Während Hermine noch sein Werk bewunderte, hatte Severus sich seine Kleidung in bequeme Jeans und ein schwarzes Hemd verwandelt. Seine Haare schlug er in ein Zopfband nach hinten. Als er fertig war, bemerkte er, wie Hermine ihn atemlos musterte.

Amüsiert schenkte er ihr ein schmales Lächeln.

„Irgendetwas Interessantes entdeckt, Miss Granger?“, hauchte er ihr samtig entgegen und Hermine blinzelte. Eine feine Röte kroch ihr ins Gesicht, welche Severus höchst interessiert registrierte und schnell wandte sie den Blick ab.

„Ähm… nichts, Sir“, murmelte sie beschämt.

Severus grinste leicht, etwas, was sie zum Glück nicht sah. Er würde zu gerne Mäuschen in ihren hübschen Kopf spielen. Aber halt? Was dachte er denn da?

Sie ist deine Schülerin, Severus, mahnte er sich still. Sie ist tabu.

„Nun, wollen wir uns in die Schlacht begeben?“, fragte Hermine ihn und riss ihn aus seinen Gedanken.

Severus nickte und folgte ihr, als sie aus der Tür schlüpfte.



Hermine versuchte verzweifelt, das Bild ihres Professors aus ihrem Gedächtnis zu verbannen. Wer konnte denn auch ahnen, was er unter seinen Roben versteckte? Und dass Jeans an ihn irgendwie verdammt anziehend wirkten?

Aber noch mehr gefiel ihr der Zopf, welcher die Haare aus seinem Gesicht entfernt hielt.

Endlich konnte man sein komplettes Gesicht sehen.

Ja, er war keine Schönheit, aber die strengen Züge verliehen ihn auch irgendwie etwas aristokratisches Aussehen. Auch, wenn seine Nase ziemlich groß war, so schmückte sie sein Gesicht auf eine passende Art und Weise.

Er erinnerte Hermine an einen stolzen Raben. Fehlte nur noch das Gefieder.

Reiß dich zusammen, Hermine, dachte sie und konzentrierte sich auf die Treppenstufen, welche sie gerade hinunter tapste, gefolgt von ihrem Professor.

Schließlich blieb sie unten vor einem Raum stehen, welcher abgeschlossen war.

„Wir sollten als erstes den Kristall suchen“, sagte sie und warf Snape einen kurzen Blick zu. „Vielleicht schaffen wir es sonst später nicht.“

Sie zog ihren Zauberstab.

„Alohomora.“

Das Klicken des Schlosses sagte ihr, dass der Spruch funktioniert hatte und sie öffnete die Tür.

Nachdem auch Snape hinter ihr eingetreten war, verschloss sie die Tür wieder und schaute sich um.

Snape pfiff anerkennend, als er sich umsah. Im Grunde war der Raum nichts anderes als ein Sammelsurium an verschiedenen Mineralien.

Mehrere Vitrinen standen in dem ansonsten dunklen Raum. Und in jeder Vitrine waren Borten eingezogen, wo verschiedene Steine und Kristalle auf eigene Sockel standen.
Zielstrebig lief Hermine auf die Vitrine gegenüber von der Tür zu und öffnete diese. Sie wusste genau, was sie suchte und holte einen weißen Kristall heraus.

Snape warf einen Blick auf den Kristall und sog scharf die Luft ein.

„Das könnte durchaus reichen“, sagte er leicht angespannt.

Auch Hermine hatte unlängst die Macht gespürt, welche von dem Kristall ausging.

Sie wusste zwar, dass ihr über einen langen Zeitraum die Magie abgezapft worden war, aber dass es so viel war? Nun, damit hatte sie nicht gerechnet.

„Wie kann ein einzelner Kristall nur so eine Kraft halten?“, fragte sie langsam.
Snape zuckte mit den Schultern.

„Kristallmagie war schon immer sehr speziell“, meinte er. „Aber ich denke, es liegt an der kristallinen Struktur. Einfache Steine funktionieren nämlich nicht, wenn man Magie speichern möchte.“

„Hm“, machte Hermine. Für sie war die Erklärung mehr als unbefriedigend. Gerne hätte sie jetzt ein Buch zu dem Thema gelesen, aber das war unter den gegebenen Umständen gerade nicht möglich.

Snape hatte in der Zwischenzeit einen kleinen Lederbeutel aus Drachenhaut zu Tage befördert.

„Stecken Sie den Kristall hier rein. Die Drachenhaut schirmt die Kraft etwas ab.“

Hermine nickte und ließ den Kristall ohne zu zögern hinein fallen.

„Wieso laden wir eigentlich generell keine Kristalle auf, um die gespeicherte Energie zum Schutz gegen die Todesser einzusetzen?“, fragte sie nachdenklich. Es war ihr schleierhaft, wieso Kristallmagie nicht in Hogwarts gelehrt wurde.

Snape rollte mit den Augen. „Denken Sie weiter, Miss Granger“, sagte er leicht genervt.

„Was würde wohl passieren, wenn jeder Schüler sich einen Kristall aufladen würde?“

Hermine dachte darüber nach. Was würde passieren?

Zögernd fing sie an, die Frage zu beantworten.

„Ich denke mal, dass die Schüler die zusätzliche Kraft dafür nutzen würden, um sich gegenseitig zu bekämpfen“, sagte sie nachdenklich. „Aber ich glaube, das ist nicht alles?“

Fragend schaute sie nun zu Snape hoch, der höchst zufrieden wirkte.

„Schön, dass man Ihnen doch noch etwas beibringen kann, was Sie noch nicht in irgendeinen Buch gelesen haben“, sagte er und seine schwarzen Augen funkelten amüsiert. „Aber ich werde es Ihnen erklären.“

Hermine rollte mit ihren Augen und grinste Snape verwegen an. „Ich bin mir sicher,
das werden Sie, Sir“, sagte sie belustigt. „Das ist sehr großzügig von Ihnen.“

„Nicht wahr?“, Snape lächelte sie belustigt an. Ein Umstand, der Hermine nun doch etwas schockierte. Snape lächelte nie!

Nachdem sie sich von dem Schock einigermaßen erholt hatte, kehrte auch ihre Neugierde zurück und sie wartete, bis er fort fuhr.

„Jeder Schüler übt jeden Tag eine gewisse Menge an Zaubern“, erzählte er. „Was bedeutet, ein Schüler lässt in der Schule mehr Magie frei, als es im Normalfall wäre. Sogar ein voll ausgebildeter Zauberer greift nicht so oft zum Zauberstab, wie ein Schüler. Von den Heiler im St. Mungos mal abgesehen.“

Hermine begann, zu verstehen, worauf Snape hinaus wollte.

„Genau“, sagte er, als hätte er soeben ihre Gedanken gelesen. „Ein Schüler würde sich zu sehr erschöpfen, wenn er auch noch Magie in einem Kristall speichern würde. Und diese Erschöpfung kann im Schlimmsten Fall zum Tod führen.“

„Ok, das verstehe ich“, sagte sie und nickte zur Bestätigung. „Aber wieso nutzt der Orden diese Methode nicht?“

Snape starrte sie amüsiert an.

„Ganz ehrlich, Miss Granger. Keiner ist jemals auf den Gedanken gekommen, dieses zu tun. Aber ich werde es beim nächsten Treffen ansprechen. Beim Barte Merlins, das könnte unser Unterfangen vielleicht sogar dienlich sein.“

„Freut mich, dass ich helfen konnte“, sagte Hermine und grinste leicht, bevor sie die Tür wieder öffnete und diese, nachdem sie und Snape ausgetreten waren, mit einem Colloportus verschloss.

„Nun müssen wir nur noch meine Eltern in Angriff nehmen“, sagte Hermine leise und ihr Herz wurde schwer.

Sie hatte sich mit Snape über das Problem unterhalten und sie waren zu dem Schluss gekommen, dass sie Hermines Eltern in Sicherheit bringen mussten.

Aber zuerst musste diese Gartenparty aufgelöst werden.

Denn der Plan, den sie und Snape ausgearbeitet hatten, war nichts für schwache Nerven.

Zu diesen Zweck mussten sie ihre Eltern allerdings erst einmal finden.

Hermine lief zielstrebig durch das Haus in den Garten, gefolgt von Snape, welcher eine nun grimmige Miene aufgesetzt hatte.

„Irgendwo müssten meine Eltern sein“, sagte Hermine, als sie endlich im Garten waren und versuchten, das Ehepaar Granger in der großen Menschengruppe zu
finden.

Aber es war gar nicht nötig, denn ein lautes, erfreutes „Hermine!“ hinter ihnen ließ sie beide herum wirbeln. Kurz darauf war Hermine unter einer heftigen Umarmung begraben.



Severus hob erstaunt die Augenbrauen, als er dem älteren Ebenbild von Hermine gegenüber stand.

„Darf ich vorstellen? Professor Snape, meine Mutter, Jane Granger. Mum? Das ist Professor Snape, welcher mich freundlicherweise hier her begleitet hat“, sagte Hermine und Severus musterte die ältere Frau, Jane Granger, abschätzend.

„Sehr erfreut“, sagte er und verneigte sich galant vor ihr. Sie schaute ihn verzückt an.
„Mensch, Hermine, du hast nie gesagt, wie gut dein Professor aussieht“, sagte Mrs. Granger lächelnd und Hermine lief rosa an.

„Ähm, ja“, sagte sie zerstreut und wagte es nicht, Severus anzusehen.

„Mum, wo ist Dad?“, fragte sie stattdessen und schaute sich suchend um. Mrs. Granger deutete in Richtung der lauten Menschengruppe, welche sich offenbar um eine kleine Zapfanlage gestellt hatten, um frisches Bier zu bekommen.

„Ich denke mal, er zapft gerade Bier für unsere Gäste“, sagte sie und Hermine verdrehte die Augen.

„Mein Dad hat ein Faible für deutsches Bier“, sagte Hermine entschuldigend zu Severus, der bei diesen Worten aufhorchte. Er wollte schon immer mal deutsches Bier trinken. Bisher hatte er nur von gehört, wie gut es sein sollte.

Hermine blinzelte ihn an und Verständnis breitete sich auf ihr Gesicht aus.

„Oh, na kommen Sie schon, Sir. Ich bin mir sicher, Dad wird Ihnen auch ein Bier anbieten.“

Severus musste erneut schmunzeln, als Hermine ihn kurzerhand am Ärmel seines Hemdes packte und ihn zu der Menschengruppe zog.

In der Mitte der Traube stand ein grauhaariger, schlanker Mann mit Brille, welcher blitzschnell einen Glaskrug nach dem nächsten unter dem Zapfhahn hielt und diese füllte, bis eine hohe Schaumkrone entstand.

Hermine ließ ihn wieder los und drückte ihn ein Glas in die Hand.

„Hallo Dad“, sagte sie laut und munter und ihr Vater schaute überrascht auf.

„Minchen“, rief er freudestrahlend aus und stellte das letzte Glas zur Seite, um seine Tochter zu umarmen.

„Was machst du hier? Ich dachte, du wärst auf deinem Internat?“

„Das war ich auch, Dad“, antwortete Hermine und grinste ihn an. „Allerdings wollte ich euch gerne sehen und habe Professor Snape gebeten, mich zu begleiten.“

Mit diesen Worten wandte sie sich zu Severus um, welcher gerade genießerisch einen Schluck von dem goldenen Getränk nahm. Als er sein Glas absetzte, fing Hermine an, zu kichern und er hob fragend die Augenbraue.

„Sie haben da etwas Schaum an der Oberlippe, Sir“, prustete Hermine los und auch ihr Vater fing an zu lachen.

Severus schaute sie irritiert an. Schon fast ein wenig beleidigt wischte er sich den Schaum vom Mund und schenkte ihr einen vernichtenden Blick.

Hermine hob nur abwehrend die Hände in die Höhe und schob ihren Vater in seine Richtung.

Seit wann war die kleine Löwin so frech ihm gegenüber?

Obwohl Severus versuchte, eine ernste Miene auf zu setzen, war ihm doch deutlich bewusst, dass er Hermine nicht mehr allzu viel entgegen zu setzen hatte.

Er wusste nicht, wie sie es angestellt hatte, diese Hexe, aber er brachte es einfach nicht mehr übers Herz, ihr wie der strenge, zynische Lehrer gegenüber zu treten, der er eigentlich war.

Jetzt stand er ihrem Vater gegenüber, welcher wohlwollend auf das Bierglas in seiner Hand schaute.

„Ich sehe, Sie mögen deutsches Bier“, fing Richard Granger das Gespräch an. Er hatte eine verdammt ruhige, einlullende Stimme. Etwas, was Severus so gar nicht gefiel, war er doch eigentlich ein Künstler der Stimme.

„Nun“, entgegnete er in seinem seidigsten Timbre, welches er aufbringen konnte, „ich habe schon immer einen guten Tropfen geschätzt. Und ich muss sagen, Ihr Bier gefällt mir außerordentlich gut.“

Es sprach der Slytherin so ein wenig aus ihm, als er versuchte, Mr. Granger so zu umschmeicheln.

Severus wusste nicht, wieso, aber irgendwie war es ihm in diesen Moment wichtig, dass Hermines Eltern ihn mochten.

Mr. Granger fing an, lauthals zu lachen und schlug Severus daraufhin auf die Schulter, was der Tränkemeister ärgerlich zu Kenntnis nahm.

Allerdings konnte ihn nichts und Niemand darauf vorbereiten, als Mr. Granger seinen Arm um seine Schultern legte und ihn in die Menschentraube zog, um ihn erschreckenderweise den Muggeln vorzustellen.

„Darf ich vorstellen?“, dröhnte die laute Stimme von Hermines Vater und Severus wurde in die Mitte gedrängt. „Minchens Professor, welcher sie freundlicherweise begleitet hat.“

Mit verzweifelter Miene suchte Severus kurz darauf Hermines Blick, während er in der Menschentraube quasi unterging und von Fragen bombardiert wurde.



„Dein Professor scheint mir ein wenig eigen zu sein“, sagte Mrs. Granger zu Hermine und deutete auf die Szenerie vor ihr, als Snape gerade eine blonde, ältere Dame abwimmelte, welche sich mit sehr deutlichen Absichten an ihn gehängt hatte und eindringlich auf ihn einredete.

„Mag sein“, sagte Hermine und legte leicht verärgert die Stirn in Falten, als sie sah, wie die besagte Dame ihren Professor belästigte. Irgendwie versetzte es ihr einen Stich.

Aber das war etwas, was sie energisch versuchte, beiseite zu schieben.

Ok, sie mochte ihn. Das konnte sie sich eingestehen. Aber damit war es auch genug.

Oder etwa nicht?

Hermine schüttelte ärgerlich den Kopf.

„Entschuldige mich, Mum“, sagte sie leise und richtete ihre Schritte in Richtung Snape.
„Aber ich glaube, ich sollte ihn retten.“

Sie tat es nur, weil nicht einmal Snape so eine Schrulle an Frau verdient hatte, sagte Hermine sich innerlich. Sie tat es nur deswegen und nicht, weil sie ihn mochte.

Nun, vielleicht war es auch mehr als das, flüsterte eine kleine boshafte Stimme ihr zu.

Vielleicht magst du ihn mehr als das.

Halt die Klappe, dachte Hermine kurz angebunden und schob jeglichen Gedanken an irgendwelchen höheren Gefühlen beiseite.

Relativ schnell hatte sie Snape erreicht und stellte sich zwischen der aufdringlichen Frau und ihn.

„Entschuldigen Sie uns, Miss Harper?“, fragte sie mit lieblicher Stimme, „aber ich würde gerne mit meinem Professor noch etwas Schulisches bereden.“

Miss Harper schaute sie mit einem Schmollmund an.

„Aber, aber Herminchen“, sagte sie mit schleimiger Stimme. „Ich bin mir sicher, du möchtest deinem Professorchen ein wenig Spaß gönnen?“

Hermine starrte Snape schon fast entsetzt an. Professorchen?

Wenn sie ihn so nennen würde, sie wäre definitiv tot. Das wusste sie mit ziemlicher Sicherheit.



Hermines flehender Blick brachte Severus dazu, jetzt nicht aus zu ticken.

Er versuchte es, so gut es ging, indem er tief ein und ausatmete.

Was zum Teufel hielt ihn nur davon ab, diese Frau in die nächste Dimension zu hexen?

Ein Blick auf die junge Hexe mit dem buschigen braunen Haar genügte ihm, um ihn den Grund deutlich vor Augen zu zeigen.

Anstatt die Alte ins Jenseits zu Hexen, richtete Severus sich also zu seiner vollen Größe auf und schenkte der besagten Dame einen wütenden Blick. Wie sehr wünschte er sich jetzt seine schwarzen Roben zurück. Er war sich sicher, dass der Effekt durch seine Roben verstärkt wurde.

„Ich wüsste nicht, wieso Sie sich das Recht heraus nehmen, mich Professorchen zu nennen“, zischte er in bester Slytherin Manier. „Und dass Sie meinen, mein Zeit zu verplanen, wenn ich so absolut kein Interesse an Ihnen habe.“

Das Gesicht der Blonden fiel unter seiner Ansprache immer mehr in sich zusammen und sie ging ein paar Schritte von ihm zurück, um ihn bestürzt zu mustern.

Hermine grinste leicht, was er mit Genugtuung bemerkte. Genüsslich fuhr er also fort.

„Suchen Sie sich einen anderen Deppen, welcher auf Ihre nicht vorhandenen Reize anspringt.“

Das war der Todessatz. Mit Tränen in den Augen stammelte die Blonde „Sie unsensibler Trampel“ und verschwand aus seiner Sicht.

Erleichtert atmete Severus auf und wandte sich Hermine zu.

Wieso nannte er sie eigentlich neuerdings in Gedanken immer Hermine?

Ärgerlich schüttelte er den verräterischen Gedanken ab.

„Nun, Sir, Sie haben Miss Harper ziemlich zerstört“, sagte Hermine vorsichtig, doch ihre Augen funkelten vergnügt.

Severus zuckte mit den Schultern.

„Ich halte nichts von Frauen, die sich so offensichtlich an einen Mann ranschmeißen und nach zehn Minuten schon meinen, man würde das Leben zusammen verbringen“, sagte er nur hart. „Aber eigentlich sind wir auch wegen was Anderem hier, Miss Granger. Ich würde es gerne hinter mich bringen, ich habe heute auch noch etwas anderes vor.“

„Entschuldigung, Sir“, gab Hermine zurück und zog den Kopf ein wenig ein. „Sie haben natürlich Recht.“

Sie schaute ihn ein wenig unglücklich an. Severus legte ihr eine Hand auf die Schulter.

„Ich bin bei Ihnen, Miss Granger. Sie müssen das nicht alleine tun.“



Es dauerte noch zwei Stunden, bis sich die Gäste alle verzogen hatten und Hermine mit ihren Professor und ihren Eltern alleine waren.

Mit einem „Ratzeputz“ half Hermine ihren Eltern, die Überreste der Party zu beseitigen.

Kurze Zeit später saßen sie im Wohnzimmer der Grangers. Jetzt kam der schwierigste Teil.

Hermine atmete tief durch und versuchte, sich zu sammeln.

„Mum, Dad… ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll“, fing sie nervös an, wurde aber von Mrs. Granger unterbrochen.

„Liebes, bist du etwa mit deinem Professor zusammen?“

„Ich… äh, was?“, fragte sie völlig aus dem Konzept gebracht. Snape selber schaute sie an wie von Donner gerührt.

„Mrs. Granger“, fing er seidig an. „Ich kann Ihnen versichern, dass Ihre Tochter und ich ein reines Schüler- Lehrer – Verhältnis zueinander haben. Nicht mehr und nicht weniger.“

„Oh… nun, dann fahr fort, Liebes.“ Mrs. Granger schaute sie um Verzeihung bittend an, was Hermine die Augen verdrehen ließ.

Also fing sie an, ihren Eltern von der Bedrohung durch Voldemort zu erzählen und von der Gefahr, in denen sie sich nun befanden.

Ihrer Mutter stockte hin und wieder der Atem und ihre Hand umklammerte krampfhaft die Hand ihres Vaters.

„Minchen, was willst du uns damit jetzt sagen?“, fragte Mr. Granger stirnrunzelnd.

Hermine sackte in dem bequemen Sessel, den sie bezogen hatte, in sich zusammen
und Professor Snape ergriff das Wort.

„Wir haben einen effektiven Plan ausgearbeitet, um Sie zu schützen“, begann er mit seiner Ausführung. „Wir werden Sie nach Australien schicken. Ursprünglich hatte Ihre Tochter vor, Ihre beiden Gedächtnisse zu verändern und Ihnen neue Namen zu geben. Doch das ist nicht nötig.“

„Unser Gedächtnis nehmen?“, fragte Mrs. Granger reichlich verwirrt.

„Nicht mehr, Mum“, sagte Hermine. „Wir haben uns etwas anderes überlegt. Wir täuschen euren Tod vor.“

„Zwecks dazu haben wir Puppen soweit verwandelt, dass sie wie Sie aussehen“, fuhr Snape fort. Er schwang seinen Zauberstab und zwei lebensgroße Puppen erschienen auf dem weichen Teppichboden, die genauso aussahen wie Hermines Eltern.

Hermine schluckte, als sie die entsetzten Blicke ihrer Eltern wahrnahm, welche mit großen Augen die Puppen anschauten.

„Oh mein Gott“, flüsterte Mrs. Granger und schlug sich die Hände vor dem Mund.

„Es tut mir leid, Mum und Dad“, sagte Hermine leise. In ihrer Kehle hatte sich ein Kloß gebildet. „Aber ich möchte nicht, dass die Todesser euch finden und töten. Oder foltern. Ich könnte es nicht ertragen, euch zu verlieren.“

Tränen bahnten sich unaufhaltsam ihren Weg nach draußen und Mrs. Granger sprang auf und zog ihre Tochter an sich, um ihr Trost zu spenden. Auch ihr liefen mittlerweile die Tränen übers Gesicht.

Mr. Granger, welcher ziemlich blass im Gesicht war, wandte sich an Snape.

„Was müssen wir tun, Professor Snape?“, fragte er.

Snape, dessen Blick auf den beiden Frauen ruhte, riss sich von dem Anblick los und zückte erneut seinen Zauberstab.

Plötzlich standen zwei große Koffer vor ihnen, fertig gepackt. Ein erneutes Wedeln mit dem Zauberstab und Snape hielt einen Teller in der Hand.

„Ich werde diesen Teller in einen Portschlüssel verwandeln. Unautorisiert natürlich, damit niemand Sie finden kann.“

Hermine löste sich von ihrer Mutter und wischte sich die Tränen weg. Nun war der Moment also gekommen.

„Wir werden uns wieder sehen“, sagte sie mit fester Stimme und versuchte ein kleines Lächeln, womit sie allerdings kläglich versagte.

Erneut wurde sie in eine Umarmung gezogen, diesmal von ihren Vater.

Nachdem sie sich so von ihren Eltern verabschiedet hatte, erklärte Snape dem Ehepaar Granger geduldig, wie der Portschlüssel funktionierte.

Dann griffen ihre Eltern mit einem letzten Blick auf Hermine gleichzeitig nach den Teller, ihre Koffer fest in der Hand und wurden vom Portschlüssel mitgerissen.
Hermine blinzelte.

Erneut brannten Tränen in ihren Augen.

Snape kam schweigend auf sie zu und zog sie in seine Arme. Schweigend hielt er sie, als alle Dämme brachen und sie los heulte wie ein Schlosshund.



Severus ließ die beiden Puppen in das Auto schweben und setzte sie dort hin.

Sein Plan war einfach. Er würde einen Unfall simulieren, sodass die Körper zur Unkenntlichkeit verbrannten.

Hermine schaute ihm dabei zu. Nachdem sie sich an seiner Brust gepresst und ihre ganze Trauer heraus gelassen hatte, war sie nun ruhig und gefasst.

Nachdem er fertig war, ließ er das Auto magisch anspringen und mit voller Wucht gegen einen Baum fahren. Dann setzte er es in Brand.

Sie hatten beschlossen, das Auto auf einer Landstraße in der Nähe vom elterlichen Haus gegen einen Baum fahren zu lassen, um es möglichst echt wirken zu lassen. Der Vorteil bestand hier, dass die Todesser keinen Verdacht schöpfen würden.

Morgen würde in der Zeitung der Unfall der Grangers in einer Anzeige stehen, dafür hatte Severus gesorgt.

Er stellte sich neben Hermine und schaute zu, wie die Flammen ihre Arbeit taten und das Auto mitsamt der Puppen verbrannte.

Er schaute zu Hermine hinunter, die mit unbewegtem Gesicht dem Schauspiel beiwohnte.

„Wir sollten gehen, Miss Granger“, sagte er sanft und bot ihr einen Arm.
Sie ergriff ihn und er apparierte sie von dem Ort weg.



Am nächsten Tag wurde Hermine  von Molly in eine tröstende Umarmung gezogen.

„Es tut mir so leid, mein Kind“, sagte sie mitfühlend. „Deine armen Eltern… ein Autounfall.“

Hermine ließ es mit stoischer Geduld über sich ergehen und setzte eine trauernde Miene auf. Sie und Snape waren sich einig gewesen. Niemand durfte davon erfahren, dass alles nur gestellt war. Zu groß war die Gefahr, dass ihre Eltern doch entdeckt wurden.

Und obwohl sie es verabscheute, ihre Freunde anlügen zu müssen, so war sie Snape doch unendlich dankbar, dass er ihr so geholfen hatte.

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Hermines Eltern sind erstmal in Sicherheit. Und den Kristall haben sie auch.

Na, wenn das mal kein Erfolg ist.  :)
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