Elfen Lied - Bloody Moon

von Harakuma
GeschichteDrama, Romanze / P16
13.01.2018
18.06.2018
27
67698
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Elfen Lied: Bloody Moon, Kapitel 1
„Rubinroter Mond und gedämpfter Seetang

Alles in meinen Kopf war so wirr und durcheinander, alles schien überhaupt nicht zusammen zu passen, vorne und hinten stimmte alles gar nicht, also versuchte ich den ganzen Quatsch zu verdrängen, aber selbst einen Gedanken daran zu verschwenden, schmerzte mit so einer Intensität, das alles verschwamm und in Vergessenheit geriet. Das einzige was sich aus dem Nichts in meine Netzhäute brannte, war ein blutig roter Mond, voll und rund strahlte er am Himmel. Doch selbst das bereitete mir Schmerzen und alles versank in einem Strudel aus Feuer und Finsternis.
Ich schrie, aber nicht weil ich aus einem Albtraum erwachte, sondern weil mir etwas unsagbar schweres auf den Fuß fiel. Ich sprang auf, stolperte über eine Futongmatte, unter der ich begraben war, fiel über meine eigenen Füße und krachte dann mit dem Gesicht voraus gegen eine Türe. Sofort fing meine Nase an zu bluten und ich dachte schon das ich sterbe.  Ein wunderbarer Start in den Tag, kaum aufgewacht, schon hatte ich eine fast gebrochene Nase. Ich warf einen betrübten Blick zu einem kleinen Fenster auf dem eine kleine Figur in Form einer Katze stand auf dessen Rücken japanische Buchstaben geschrieben standen, die ich aber nicht lesen konnte. Draußen war alles weiß und man konnte die Häuser so gut wie gar nicht erkennen, der Himmel war grau. Mein Magen begann zu knurren und es war so heftig das es wehtat. Offensichtlich hatte ich seid längerem nichts mehr gegessen.
Neben meiner Futongmatte, über die ich vorhin so ungestüm gestolpert war, standen ein Eimer Wasser und darin kalte Umschläge.  Außerdem war es hier drinnen recht dunkel. Aber, wo war ich nur? Ich war offensichtlich in einem Haus, das war sicher, aber, wie kam ich hierher und warum war ich hier?
Mein Magen machte mich wahnsinnig, also ging ich auf einen kleinen Korridor, sah mich um und ging dann auf eine Treppe zu, die nach unten führte. Ein köstlicher Geruch stieg zu mir empor.
„Oh, du bist schon wieder auf den Beinen?“, sagte jemand vom Fuß der Treppe aus.
Es war eine ältere Dame, mit ergrauten Haaren und Brille.
„Ist das so ungewöhnlich?“, fragte ich und gähnte.
„Ach nein, du siehst aber noch sehr schlecht aus.“
Wieder meldete sich mein Magen und sofort sank ich zusammen.
„Hunger........Hunger, ich hab Hunger!“, jammerte ich.
„Du armer Kerl. Dann komm mal schnell in die Küche, es gibt gleich Essen.“
Sofort sprang ich wieder auf, rannte an ihr vorbei und setzte mich gleich an den erst besten Platz in der Küche. Die war recht klein für mein Empfinden, aber dafür gemütlich.
„Wie bin ich überhaupt hierher gekommen?“, fragte ich neugierig.
„Ach, das weißt du nicht mehr?“, fragte sie und stellte mir einen Teller hin,“Du bist vor ein paar Tagen in einem Boot angespült worden. Du hattest Glück das Miu dich entdeckt hat. Du hattest kaum etwas an und sahst ziemlich mitgenommen aus.“
„In einem Boot? Wie kam ich denn da rein?“
„Das kann ich dir leider nicht beantworten. Aber ich gebe dir am besten zu erst etwas zu essen, du verhungerst doch sicher schon.“
Mir lief das Wasser im Mund zusammen als sie mir auftischte, doch dann kam mir ein gewisser Reiz, den ich unterdrücken musste. Das Zeug hatte in meinen Augen, einen ungesunden dunkelgrünen Ton und sah recht unappetitlich aus. Aber, war es das was ich zuvor gerochen hatte? „Das kann doch nicht das gleiche sein!“
„Was ist das denn?“, würgte ich.
„Das ist gedämpfter Seetang. Lass es dir gut schmecken.“
Ich schluckte und stocherte mit meinen Essstäbchen im Seetang herum.
„Sie haben nicht zufällig, etwas Reis da?“
Die Antwort darauf sollte ich erst sehr spät bekommen, als jemand zur Türe rein kam und sich verneigte. Es war ein junges Mädchen mit leicht rosafarbenen Haaren und einem sehr merkwürdigen Outfit, sodass es sich mir jeglicher Beschreibung entzog.
„Guten Tag mein Herr, wie ich sehe haben sie sich wieder erholt.“, sagte sie höflich und verneigte sich vor mir.
„Redest du etwa mit mir?“, fragte ich.
„Natürlich.“, sagte sie und setzte sich,“Ich habe sie vor ein paar Tagen aus dem eiskalten Wasser gezogen. Nur eine Decke hatten sie bei sich.“
„Aber.....das ergibt doch keinen Sinn.“, murmelte ich und nahm mir die erste Portion von meinem Seetang,“Wie bin ich denn in diesem Boot gelandet? Und wer bin ich überhaupt, verdammt?!“
„Oh, da fällt mir noch etwas ein.“, sagte das Mädchen und hielt mir einen Brief ohne Umschlag hin,“Der lag noch bei ihnen, aber man konnte nichts entziffern. Mein Kollege hat es aber herstellen können.“
„Danke.“, sagte ich und las mir die Zeilen durch.

„Lieber Rayo,
wenn du das hier liest, hast du den Kampf verloren. Ich habe mit Senkou einiges herausgefunden. Deine Mutter lebt in einen kleinen abgelegenen Teil von Tokyo der nicht so dicht bewohnt ist. Frage die Leute auf der Straße, nach einer Frau namens, Celinè. Wir sind uns sicher, das jemand dir schon den Weg weisen wird. Mehr können wir dir leider nicht sagen, da die Zeit knapp ist. Es wäre besser, wenn du dich für längere Zeit von Kamakura fernhältst und erst auf unser Zeichen wartest, bis die Lage sich hier beruhigt hat. Und sei vorsichtig wenn du dich auf dem Weg machst, gibt acht und reise wenn möglich, in der Nacht durch Tokyo, vorzugsweise unauffällig.

Bis bald,
Rin'ne.“

Ich wusste nicht so recht wie ich darauf reagieren sollte, da ich keinen der im Brief aufgeführten Namen, jemals gehört hatte und.........
„Rayo?“, fragte ich ungläubig,“Ist das mein Name?“
„Da der Brief bei ihnen gelegen hat, würde das wohl zutreffen.“, sagte Miu,“Offensichtlich ist in Kamakura etwas vorgefallen.“
„Aber was? Da ist nichts in meinen Kopf was mir das bestätigen könnte! Was ist da denn bloß passiert......“
„Vielleicht solltet ihr beide mal an die frische Luft gehen, das würde dir gut tun.“, schlug die Dame vor.
Gesagt getan.
Bevor wir allerdings an der frischen und meiner Meinung nach eiskalten Luft spazieren zu gehen konnten, mussten wir noch neue Kleidung für mich kaufen. Es war anstrengend und Miu machte mir die Sache nicht gerade leichter. Sie schleifte mich von einem Geschäft zum nächsten, maßregelte mich ständig und als sie mir die Schuhe zeigte, lagen meine Nerven blank. Dabei hatte ich schon starke Kopfschmerzen und dank ihrer Hilfe, entwickelten die sich zu einer üblen Migräne.
„Ich weiß nicht.“, murmelte sie und sprang von einem Paar Schuhe zum anderen,“Dieses Paar Schuhe ist zwar gut gepolstert, könnten aber zu starkem Schweißausbruch führen. Diese hier sind nur halb so gut, aber deutlich bequemer, werden aber wiederum schneller durchnässt.“
„Miu bitte, können wir uns bitte beeilen?!“, knurrte ich,“Wenn du noch länger hier stehst, werde ich irgendwann zu einem einzigen Eisblock und ehe wir wieder draußen sind, ist der Winter wieder vorbei und der Frühling fängt an!“
„Es tut mir leid mein Herr, aber sie müssen sich noch etwas gedulden.“, sagte sie im strengen Ton.
„Und hör auf mich so zu nennen, wir kennen uns doch kaum!“
„Es ist meine Aufgabe ihnen ein paar Kleider zu besorgen, die für das Wetter geeignet sind. Sonst müssen sich Oma und Opa wieder Sorgen machen.“
Was dachte sie sich nur dabei? Ich wusste rein gar nichts. Weder woher ich kam, noch wer ich wirklich war. Es kam mir fast wie ein Dejavu vor und was hatte dieser rote Mond mit all dem zu tun?
Etwas mürrisch und nachdenklich, spazierte ich wieder nach draußen und stellte mich in die Kälte, in der Hoffnung das die eisige Luft meinen Kopf etwas beruhigte. Ich versuchte nur daran zu denken, nachher wieder in der warmen Wohnung zu sein und hoffentlich etwas vernünftigeres zu essen zu bekommen, als diesen gedämpften Seetang. Aber ich scheitert kläglich, als sich neue, grauenvolle Bilder, durch meinen Schädel bohrten. Ich sah........zerstörte Straßen, die Ruine von einem Haus und ein Wesen mit langen Hörnern, es stand in mitten einer riesigen Feuerwalze die eine Stadt zerstörte und wieder dieser blutig rote Mond. Mein Kopf begann zu schmerzen, ich taumelte nach hinten und ging schließlich in die Knie. Ich nahm mir etwas Schnee und kühlte mir damit meinen Kopf ab, aber es wurde nicht besser. Plötzlich begann ich zu husten. Es fühlte sich rau und trocken an und meine Lungen schmerzten.
„Geht es ihnen nicht gut?“, hörte ich Miu über mir.
„Es....geht schon.....“, krächzte ich und hustete weiter.
Ich war ein schlechter Lügner.
„Ich bringe sie am besten wieder zu Oma und Opa. Ich habe ein paar Sachen besorgt, die sollten sie sich demnächst anziehen, wenn sie vor die Tür gehen.“
Sie legte eine große Einkaufstüte neben mir ab und half mir beim aufstehen. Der Husten hörte für eine kurze Weile auf und ich konnte wieder anfangen ruhig zu atmen.
„Es......tut mir Leid...., das ich dir solche Umstände mache.....“, sagte ich geknickt und hielt mir die Hand vor den Mund, wegen diesen verdammten Husten.
„Aber das muss ihnen doch nicht leid tun. Oma und Opa haben mir gesagt, das ich mich eine Weile darum kümmern soll, dass es ihnen wieder besser geht, wenn sie am Wochenende weg fahren.“
„Was?“, sagte ich rasch und hustete weiter,“Wohin....fahren sie denn....?“
„Sie fahren über das Wochenende zu einem Verwandten und am Sonntagabend sind sie wieder zurück. Und sie........“
Der Husten wurde schlimmer und ich knickte wieder ein, ich konnte nicht einmal kurz Luft holen.
„Können wir......uns bitte beeilen......“, ächzte ich und spuckte den ersten Schleimklumpen aus.
„Sie müssen sich erkältet haben. Am besten gibt ihnen Oma etwas von der Arznei. Nun kommen sie schon. Immer einen Schritt nach den anderen.“

Miu war sehr hilfsbereit, wie ich schnell bemerkte, allerdings war sie etwas pingelig, was ihre Methoden anging, sich dann später um mich zu kümmern. Der Tee den sie mir gekocht hatte, schmeckte grässlich und schien gar nicht zu wirken, denn ich spuckte ihn, kaum hatte ich den ersten Schluck genommen, wieder mit brachialen Husten aus. Ein Glück kam dann später ihre Oma in die  Küche und reichte mir die Arznei.
„Du siehst aber wirklich gar nicht gut aus.“, sagte sie und setzte noch einmal heißes Wasser auf,“Miu, glaubst du denn das ihr alleine zurecht kommt, oder sollen Opa und ich noch ein bisschen hier bleiben?“
„Aber nein Oma, das geht doch nicht.“, sagte Miu und warf mir eine Decke über,“Ihr müsst doch Morgen Abend losfahren.“
„Bist du dir da auch ganz sicher, Kind? Nicht das du dich nachher noch bei ihm ansteckst.“
„Macht euch darum keine Sorgen. Ich werde ihn schon wieder gesund pflegen und aufpassen, das ich nicht auch noch krank werde.“
„Da bin ich aber beruhigt.“, sagte die alte Dame und lächelte,“Wenn du willst, besorge ich nachher noch Zutaten für eine Hühnersuppe, die sollte  dir ein wenig besser helfen als der Tee.“
„Das......wäre wirklich sehr nett.....von ihnen.“, sagte ich, mittlerweile mit heiserer Stimme,“Ich weiß gar nicht was ich.....dazu sagen soll......“
„Das brauchst du doch auch nicht. Ich gehe gleich schon mal mit Opa los.“

Am nächsten Morgen, schleppte mich Miu doch tatsächlich wieder nach draußen, da mir frische Luft offenbar gut tun sollte. „Warum kann ich ihr das nicht glauben?“ Das alles war aber nur ein Vorwand, um mich einer Bekannten von ihr vorzustellen. Die wohnte zum Glück nicht weit weg und ich musste mir bis dahin auch nicht unbedingt die Füße abfrieren. Ich wurde das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden, oder setzte bei mir schon das Fieber-Delirium ein? Miu trug einen Beutel mit sich aus dem es so köstlich duftete.
Als wir dann vor der Haustür standen, hörte ich meinen Magen knurren. Das war ja auch kein Wunder, denn alles was Miu mir vorhin gegeben hatte, waren ein Zwieback und noch eine Tasse von diesem grässlichen Tee. Ich versuchte diese laute Klingel der Türe zu überhören und lehnte mich gegen das Geländer was sich hinter mir befand.
„Und sie ist wirklich damit einverstanden?“, fragte ich.
„Aber natürlich, deswegen habe ich sie ja auch vorher um Erlaubnis gefragt.“, bestätigte sie mir.
Die Türe wurde aufgezogen und herauskam, ein junge Mädchen mit Brille und dunklen, zerzaustem Haar. Sie war sehr blass und ihre Nase schien zu glühen. Sie trug einen Schlafanzug, im Mundwinkel hing ein Thermometer und sie hatte sich eine Decke umgewickelt.
„Oh Miu.....“, sagte sie mit offenbar verschnupfter Nase,“Du kommst aber früh. Dabei habe ich noch keine Zeit gefunden mich um zu ziehen.“
„Guten Tag Frau Mizumi. Ich wollte ihnen jemanden vorstellen. Er ist vor ein paar Tagen in einem kleinen Boot angespült worden, also hab ich ihn gleich mit nach Hause genommen.“
„Stimmt ja, du hast ihn mal kurz erwähnt.“, sagte sie tonlos und putzte sich die Nase,“Dann kommt mal rein ihr beide.“
Wir traten ein und sofort, kam mir eine Hitzewelle entgegen. Die Wohnung war sehr klein, zumindest sah es für mich danach aus.
„Setzt euch erst mal, ich muss mir noch einen Tee machen, sonst schlafe ich gleich wieder ein.“
„Haben sie sich auch so schlimm erkältet, Frau Izumi?“, fragte Miu.
„Natürlich, das sieht man doch oder?“, sie grinste etwas schief und nieste,“Und ihm geht es offenbar auch nicht so gut.“
„Nein, ganz und gar nicht.“, sagte ich genau so undeutlich wie sie.
„Wie ist denn sein Name?“, fragte sie.
„Rayo.“, nickte ich,“Mein Name ist Rayo......und ich bin hungrig. Und wer bist du wenn ich fragen darf?“
„So so.......Rayo........ein komischer Name. Ich heiße Neneko. Aber Miu, jetzt verrate mir doch erst mal, warum du überhaupt herkommen wolltest. Sicher nicht nur um ihn mir vorzustellen.“
„Nein, nein. Oma und Opa wollten, das ich ihnen etwas bringe, weil sie mich bei ihren Ski-Ausflug mitgenommen haben. Außerdem sollte ich ihn nicht alleine zu Hause lassen.“
Sie gab ihr den Beutel.
„Oh, das ist aber nett, das wäre doch nicht nötig gewesen.....“, sagte Neneko und stieß ein zufriedenes Seufzen aus, als sie die Hühnersuppe betrachtete.
„Ich hoffe die Suppe hilft gegen ihre Erkältung.“, sagte Miu.
„Das wird sie ganz sicher Miu.“, sie wandte sich an mich und hob verdutzt die Augenbrauen an,“Nanu? Ist er etwa eingeschlafen?“
Kaum zu glauben aber ja, ich war wirklich eingenickt und fing sogar an zu schnarchen. Das komische war aber, das ich es nicht einmal bemerkt hatte. Ich saß aber noch am Tisch und lag mir den Topf auf meinen Armen.
„Herr Rayo? Geht es ihnen nicht gut?“, fragte Miu besorgt und rüttelte an meiner Schulter.
„Lass ihn ruhig schlafen.“, sagte Neneko sanft,“Ich hol mal schnell meine Futongmatte, damit er nicht hier am Tisch schlafen muss. Von mir aus könnt ihr beide gerne bis morgen hier bleiben, ich bin sowieso alleine hier, da tut ein bisschen Gesellschaft ganz gut.“
„Ja aber........Oma und Opa sagten mir, das ich aufpassen und mich nicht anstecken soll.......“
„Nur keine Sorge, ich bin schon seid gestern nicht mehr ansteckend. Und um ihn brauchst du dir auch keine Sorgen zu machen. Wir lassen ihn einfach so lange schlafen, wie es nötig ist.“
Nach einer halben Stunde, lag ich auch schon, dick eingepackt wie eine Frühlingsrolle in der Futongmatte und vergaß alles um mich herum, merkte noch nicht einmal wie ich in Träumen schwelkte und die beiden zu Schwatzen begannen.
„Weißt du denn wo das Boot so plötzlich herkam, mit dem er angespült wurde?“, fragte Neneko und schenkte sich einen Tee ein.
„Nun ja, dem Brief nach zu urteilen der bei ihm lag, würde ich sagen, das er aus Kamakura kommt. Dort muss scheinbar etwas vorgefallen sein.“
„Das ist schon sehr merkwürdig.“, sagte Neneko und warf einen Blick über die Schulter, direkt zu mir.
„Und was?“
„Na überlege doch mal. Vor fast zwei Jahren seid ihr hier aufgetaucht und habt unser Leben ganz schön in Wirbel versetzt. Es ist viel passiert in der Zeit und jetzt, wird dieser Junge so plötzlich in einem Boot angespült und das auch noch im Winter.“
„Und was glauben sie woran das liegen könnte?“
„Ich weiß es nicht Miu und ehrlich gesagt, sollten wir uns darum keinen Kopf machen.“, sie zuckte die Schultern und trank ihren Tee aus,“Das wichtigste ist, das er wieder gesund wird.“
„Im Brief stand, das er nach Tokyo gehen soll um dort nach seiner Mutter zu suchen.“
„Nach Tokyo? Wenn das so ist, sollten wir ihn noch eine Reise dorthin vorbereiten, sobald er wieder fit ist. Aber wir machen das am besten unter uns. Wenn Takeya da wieder mit hineingezogen wird, regt er sich nur wieder auf und er hat momentan schon genug Probleme.“
„Was meinen sie?“, fragte Miu verblüfft.
„Ja, hast du es denn nicht mit bekommen? Takeya hat sich, kurz vor unserer Heimreise ein Bein gebrochen und liegt seid dem leicht gereizt zu Hause und wird von Ren die ganze Zeit versorgt.“
„Oh, das tut mir aber leid für Herrn Ikuhara.“, sagte Miu geknickt.
„Mach dir darum keinen Kopf. Immerhin haben wir ihn doch dazu gebracht Ski laufen zu gehen, obwohl er sich nach seinen ersten Fehlschlägen geweigert hat, noch weiter Spaß zu haben.“
Miu sah sich um und blickte dann zu mir.
„Und es ist auch wirklich in Ordnung das wir für heute Nacht hier bleiben?“, fragte sie besorgt.
„Natürlich. Wenn du willst kannst du mir nachher noch bei ein paar Zeichnungen helfen. Ich muss meine Kreativität etwas ausweiten.“
„Das würde mich sehr freuen!“, rief Miu begeistert.

Eine erdrückende Hitze riss mich aus dem Schlaf, wahrscheinlich war das  die dicke Futongmatte die mich geradezu erdrückte, oder es war das Fieber das sich anschlich und meine ganze Wahrnehmung in einen Hochofen verwandelte. Jedenfalls schmerzte mein Kopf, was wohl die vorhergesagte Migräne war. Oder........war es etwas ganz anderes? Die dicke Decke schnürte mir die Kehle zu, ich riss mich hoch und kroch daraus hervor. Es war eine furchtbar schlecht Luft, die im Raum lag, zu erst meinte ich alles nur schwarz und weiß zu sehen, alles doppelt und verschwommen, doch das war nur eine Erscheinung. Ich richtete mich auf, alles drehte sich um mich herum und als ich endlich wieder zu mir kam, zuckte ich zusammen, denn alles war in einen düsteren, roten Ton gehüllt. Ich drehte mich um, um nach Miu zu sehen, doch sie war nicht da. Dann ging ich in die Küche, doch weder Neneko noch Miu waren zu sehen. Meine Schritten hallten von allen Seiten wieder, jedes kleine Knacksen, fühlte sich an, als ob ein Baum zu Boden stürzte und das Holz zu splittern begann. Ich begab mich auf den Gang, und suchte den Lichtschalter, fand ihn wenige Sekunden später und schaltete das Licht ein, damit ich wenigstens etwas erkennen konnte. Doch mein Vorhaben, lies mich aufschreien, denn überall an den Wänden klebte Blut, ich schreckte zurück und griff in einen noch frischen Fleck der sich auf meiner Haut niederlegte. Erst als ich verängstigt wieder hinauskam, bemerkte ich, das die Haustüre halb in ihren Angeln hing, tiefe Kratzspuren zeichneten sich an der Außenseite ab. „Was ist hier nur geschehen? Und vor allem........wann?“ Ich wandte mich der Außenwelt zu und schrie entsetzt auf. „Miu!“ Sie lag dort, bewegungslos am Boden mit dem Gesicht nach unten. Rasch, rannte ich zu ihr, fiel neben ihr auf die Knie und drehte sie um. Ihre Augen waren nur halboffen, ganz glasig und leer, sie war blass und an der Stirn war sie verletzt.
„Miu, nun sag doch bitte was! Miu!“, schrie ich verzweifelt,“Wach auf, wach auf! Miu!“
Ich legte ein Ohr auf ihre Brust, wurde jedoch bitte enttäuscht, denn sie schlief nicht. Ich presste sie an mich, der Damm brach und meine Tränen, rannen mir die Wanden herunter und benetzten ihr Gesicht. Um mich herum, sah ich die zerstörte und verwüstete Gegend, verlassen, aber nicht unbewohnt. Was war hier nur passiert? Ich trug sie wieder zurück in Nenekos Wohnung, stolperte bei der letzten Stufe und lies sie fallen, schrie voller Angst auf und bette sie wieder auf meinen Schoß. Ich stieß krampfhafte Atemzüge der Verzweiflung aus, als ich sie auf meinen Schlafplatz legte, kauerte mich zusammen und weinte nur noch. Ein Bild, blitzte in mir auf. Ich stand, über einem Mädchen, meine Zähne gefletscht und ein dämonisch rotes Glühen in den Augen, meine Pupillen hatten sich zu Schlitzen zusammengezogen. Sie war überall mit Blut besudelt, sie weinte und schien mich an zu flehen und sie.......hatte Hörner......aber, was sollte mir das sagen?  Mein Greinen und Klagen wurde immer lauter. „Miu........warum sie? Sie hatte mich doch erst gefunden, mich bei sich zu Hause aufgenommen.........womit hatte sie das nur verdient?!“
Ein schmerzhafter Druck breitete sich auf meinen Schläfen aus, und ich torkelte, meinen Kopf haltend wieder nach draußen, hielt mich mit einer Hand am Geländer der Treppe fest, ein Krampf breitete sich in meinen Fuß aus, ich fiel hinunter und lag dann mit blutender Nase und aufgeplatzter Wange im Dreck, der sofort in meiner Wunde zu brennen begann. Es.......tauchten Menschen auf, alle bleich und geistesabwesend und........sie hatten Hörner, jedoch ragten sie mit einem Stumpf aus ihren Köpfen. Alle hatten sie ihre Arme und Köpfe gesenkt, teilweise lange und kurze, verschlissene Haare, Jungen und Mädchen, torkelten gleichermaßen in allen Altersstufen durch die zerstörte Straße, ziellos in eine Richtung. Ich taumelte zu ihnen ,versuchte mit einen zu sprechen.
„Ähm...hallo?“, rief ich,“Könnt ihr mir sagen was hier los ist?! Hey!“
Aber sie antworteten nicht, reagierten nicht einmal auf mich. Als ich wiederum einen von ihnen an der Schulter packte, schlug er mich recht wuchtig und schmerzvoll zurück, sodass ich wieder im Dreck landete und dann, schlurfte er einfach mit den anderen weiter, als wäre nichts gewesen. Auf der einen Seite, wollte ich im Haus bleiben und versuchen Neneko irgendwo zu finden, auf der anderen Seite, wollte ich herausfinden was eigentlich los war und wohin diese geistesschwachen Gestalten hinwollten. Ich schritt ihren Weg entlang, humpelte hin und wieder ein paar Meter, weil meine Knie fürchterlich brannten. Der Himmel über mir, erstreckte sich ebenfalls in einen roten Schleier, doch weiter hinten, am Ende dieser Herde aus stummen Gestalten, bildete sich etwas dunkles. Ich begann zu rennen, so gut mich meine Knie tragen konnten, schubste diese Gestalten zu Boden, bis nach vorne zu der letzten Traube die sich dort in einem Kreis versammelte und genau da, blieb ich stehen. Mir stockte der Atem, als ich sah was ihr Ziel war.
Denn hier am Ende der Straße, war ein Berg aus Leichen, aus eben jenen, die noch hinter mir waren. Einige von ihnen, schienen noch zu leben und hoben ihre Arme an, als würden sie etwas anbeten. Der Druck auf meinen Schläfen wurde größer und schmerzhafter, ich ging in die Knie, die bleichen Gestalten versammelten sich um mich, wurden aufdringlicher streckten ihre Arme nach mir aus und rissen mich zu Boden. Einer von ihnen, stach ganz deutlich daraus hervor. Er stellte sich über mich, in das  blutig rote Licht, lange Haare, ausgebleicht, scharfe Reißzähne, seine Hände waren Krallen besetzt, er stieß ein verzerrtes Knurren aus. Er rammte seine Krallen in meine Schultern , ich schrie vor Schmerzen auf, er kam mir ganz ekelhaft nahe, der Sabber tropfte mir aufs Gesicht und schien sogar zu brennen. Doch plötzlich, verwandelte sich sein Gesicht. Ein Mädchen, ebenso kurze Hörner wie bei den anderen, flammend rotes Haar, sie schien zu lächeln. Aber wieso fühlte ich mich noch nicht sicher? Sie kam mir so vertraut vor.
„Mein liebster Rayo.....“, flüsterte sie und leckte sich mit der Zunge über die Lippen.
Ich wagte mich an ihr vorbei zu sehen, nach oben zu dem, was diese Gestalten anbeteten. Und da war es wieder, dieses Wesen mit den langen und verdrehten Hörnern. Um uns herum, baute sich die Feuerwalze auf, die Gehörnten wurden zahlreicher, stellten sich in einem Kreis auf und schienen das Wesen nun auch an zu beten. Das Mädchen sank zu mir, legte ihr Hände auf meine Schultern, ihr Lächeln wurde breiter und verwandelte sich dann in ein dämonisches Grinsen. Sie zeigte mir nun auch Reißzähne, die alle samt Blutunterlaufen waren.
„Du...hättest sie töten sollen.......“, krächzte sie und Blut rann aus ihrem Maul.
„Was redest du denn da.......!“, schrie ich,“Wer bist du überhaupt?!“
Sie packte blitzschnell zu und begann mich zu würgen.
„Erkennst du denn nicht, das sie dir nur Leid zufügen will?! Sie ist an allem Schuld! Sie ist der Grund dafür, warum du so leidest!“
„Halts Maul! Sag mir lieber was hier los ist!“
Sie drückte fester zu und schlug mich immer wieder zu Boden, während die Gestalten um uns herum wieder aufdringlicher wurden und alles um mich herum immer dunkler wurde.
„Gehe wieder zurück und töte sie! Töte sie........zerstöre die Bindung!“
Und als alles an meinem inneren Auge vorbeizog, zerfielen sie alle zu Staub und ich konnte wieder atmen. Das hielt jedoch nicht lange an, denn das Wesen, tauchte hinter mir auf, mein Herz raste wie verrückt und krampfte sich in dem Moment zusammen, als ich mich umdrehte und ihm direkt in sein Gesicht sah. Das war........ich. Ich war dieses ominöse Geschöpf, was diese Gestalten, voller Hingebung angebetet hatten.
„Nein.......das ist nicht wahr......ich bin das nicht!“, schrie ich ihm entgegen.
Ich wich vor ihm zurück, wollte davon rennen, versagte aber, als er mir den Weg versperrte, mit seiner Pranke ausholte und mit einem Schlag meine Brust durchbohrte. Ich fiel leblos zu Boden. Er setzte einen Fuß auf meinen Kopf, drückte ihn in den Dreck und lies ein markantes Brüllen hören, was mit einem dumpfen, dunklen Grollen endete.

Am nächsten Morgen, wachte ich an einen sehr merkwürdigen Ort auf. Der Boden unter mir war eiskalt und es roch stark nach Räucherstäbchen.  Ein erschrecktes Kreischen riss mich aus meinem Schlaf, doch aufspringen konnte ich nicht, denn dafür war ich zu schwach.
„Herr Rayo, was ist denn nur mit ihnen  passiert?!“, rief Miu verzweifelt von der Türe aus und wusste scheinbar nicht was sie tun sollte.
Glücklicher Weise kam Neneko wenige Augenblicke danach herein und stieß ein langgezogenes „Oh“ aus und runzelte die Stirn.
„Geh mal schnell in die Küche und hol mir ein paar Handtücher Miu.“, sagte sie und kam zu mir.
Ich wusste immer noch nicht wo ich war, aber....mir war furchtbar schlecht. Miu rannte währenddessen, panisch in die Küche.
„Was.......ist.....denn.....los....“, röchelte ich und ein Rölpser entfuhr mir.
Neneko klopfte mir auf den Rücken und besah sich mein Gesicht genauer.
„Du bist scheinbar schlafgewandelt und im Badezimmer gelandet. So wie es aussieht, hängst du schon seid ein paar Stunden über der Schüssel.“
Zur Bestätigung, folgte darauf das Erbrechen was mich erzittern lies und mir die Kräfte raubte. „Etwas widerlicheres gibt es nicht, oder?!“

Den ganzen Morgen, bis zum Vormittag hing ich noch über der Schüssel und wurde mit jedem Brechreiz schwächer und lag dann schließlich mit brennenden Eingeweiden auf den Fußboden. Danach schleifte Neneko mich mit umgewickelter Decke zurück isn Wohnzimmer.
„Hier.“, sagte Neneko und reichte mir eine Schüssel von ihrer Hühnersuppe.
„Aber......nein, ich kann doch nicht deine......ich kann doch nicht einfach deine Suppe essen.......“, krächzte ich und meine Unterlippe zitterte.
„Nun rede mal keinen Unsinn.“, sagte sie lächelnd und schob mir die Schüssel direkt unter die Nase,“Du hast nichts mehr im Magen, also musst du was essen.“
„Aber Miu hat dir doch die Suppe gebracht........“, jammerte ich.
„Mach dir darum keine Gedanken. Ich habe noch fast zwei Kessel davon. Ich weiß mich eben zu helfen.“
„Aber......“, begann ich wieder doch wieder unterbrach sie mich.
„Nichts aber. Essen.“
Mit einem simplen Handgriff, zog sie meine Kiefer auseinander und legte mir den ersten Löffel mit der Suppe in den Mund. Ein paar Tränen entrannen mir, als die Suppe meine Zunge berührte und sich der Geschmack, wenn auch leicht geschwächt entfaltete.
„Mir ist so.....“
„Was ist denn los? Ist sie noch zu heiß?“, fragte sie.
„Ja.....ja...sie ist noch viel zu heiß....und ich hab mir auf die Zunge gebissen.....“, log ich.

Den ganzen Tag über zog Miu irgendwelche komischen bunten Kleider an und Neneko saß einfach da und zeichnete sie in verschiedenen Posen. Ich durfte währenddessen Fernsehen aber es lief nichts gutes. Nach Nenekos Diagnose, hatte ich mir eine gemeine Grippe eingefangen. Ich langweilte mich zu Tode und rausgehen konnte und wollte ich auch nicht. Den beiden hatte ich noch nichts über meine Albträume erzählt. Dafür durfte ich aber in Nenekos DVD-Sammlung stöbern, aber selbst da fand ich nichts ansprechendes. „Nur Science-Fiction Filme.......wie langweilig.....“. Doch Neneko die die ganze Zeit mit Miu beschäftigt war, bemerkte langsam meine schlechte Laune und kam zu mir.
„Ist wohl nichts für dich dabei, hm?“, fragte sie und legte die Filme zurück.
„Nicht wirklich.“, nuschelte ich und legte mich auf den Rücken.
„Du könntest mir ja auch ein wenig assistieren.“, grinste sie und rückte ihre Brille zurecht, sodass das Glas blitzte,“Ich müsste sogar noch ein paar Kleider in deiner Größe haben.“
Sie hielt mir eins davon vor die Nase.
„Was?!“, brüllte ich und sprang auf,“Sag mal spinnst du?! So einen bescheuerten Fummel ziehe ich doch nicht an!“
„Wie wärs denn damit?“, jetzt hielt sie mir ein schwarzes Kleid hin.
„Machst du das mit Absicht oder träume ich schon wieder?!“
„Denk ruhig was du willst.“, sagte sie, immer noch grinsend.
„So langsam wirst du mir unheimlich!“, knurrte ich und bewegte mich langsam von ihr weg.
„Jetzt spiel doch nicht gleich die Prinzessin auf der Erbse, ich ärgere dich doch nur ein bisschen.“, lachte sie,“Seid Tagen bin ich alleine hier und du bist jemand den man halt gut ärgern kann.“
„Jetzt reichts aber! Hör auf, so frech zu mir zu sein! Ich bin doch kein kleines Kind mehr!“, rief ich und fletschte die Zähne.
„Siehst du. Du gehst mir schon wieder auf den Leim.“, erwiderte sie und grinste noch breiter.
Ich seufzte schwer und zwang mich dann doch endlich dazu mir eine von ihren DVDs an zu sehen. Ich verzog das Gesicht und hielt ihr die Dinger hin.
„Welcher davon ist erträglicher und dauert nicht so lange?“, maulte ich und gähnte.
„Wenn du mich schon so fragst, kommen wir auch nicht weiter.“, sagte sie wieder und überlegte.
Es gab ein merkwürdiges Rumpeln. Miu hatte sich wohl etwas übernommen und war umgefallen, aber sie behielt ihre Pose.
„Also, Hingabe hat sie ja, das muss man ihr lassen.“, sagte ich beiläufig.
Neneko drängte mich kurz zur Seite und zog eine zweite Box aus der Kommode hervor, auf der der Fernseher stand.
„Kein Wunder das du so schlecht gelaunt bist. Du hast nicht genau genug nachgesehen. Hier sind noch mehr Filme.“
Sie zeigte mir die ersten davon und komischer Weise sagten diese mir deutlich mehr zu als die davor, aber ich konnte die Titel nicht lesen, da alles in japanischen Buchstaben geschrieben war. Aber überall war dieser riesige Dinosaurier abgebildet, meist mit weit aufgerissenem Maul.
„Was steht denn auf dem hier?“, fragte ich sie, als sie sich wieder mit Miu beschäftigte.
„Hm? Oh, da hast du gleich einen der besten rausgesucht.“, sagte sie und nahm die Hülle an sich.
„Also was steht denn da nun?“, fragte ich wieder.
„Mal sehen, das müsste........“Gojira tai Desutoroia“ sein.“, erklärte sie mir und reichte mir wieder die Hülle.
„Du sagtest es wäre einer der besten Filme. Worum geht es da genau?“, hackte ich nach.
„Nun ja, die Handlung in jedem der Filme ist eigentlich, fast gleich. Das Monster Gojira kämpft gegen das andere Monster, was durch einen Reaktorunfall entstanden ist. Selbst die Armee kann keinen der beiden wirklich Stoppen.“
„Irgendwie klingt das alles ziemlich weither geholt.“, sagte ich mit durchgezogener Augenbraue,“Wenn alle Filme die gleiche Handlung haben.......waren die wohl nicht so erfolgreich.“
„Na ja, es sind eben schon etwas ältere Filme. Damals hat man so ziemlich alles genommen um einen Film daraus zu machen. Einmal kämpft er gegen eine Pflanze, dann gegen einen dreiköpfigen Drachen, einmal sogar gegen eine riesige Motte.“, sagte sie und stellte die Box wieder zurück,“Aber sie sind auch heute immer noch gut. Guck ihn dir ruhig an. Ich glaube der dürfte dir sogar gefallen.“
Dabei hatte sie gar nicht mal so unrecht.
Der Film dauerte, für meine Verhältnisse recht lange, er hatte seine spannenden Momente, es gab viele Explosionen und die ganze Stadt Tokyo ist dabei zerstört worden. Ich wusste nicht genau wen von den beiden Viechern ich nun anfeuern sollte. Gegen Ende, sah ich nur noch eine riesige Staubwolke in dieser, „Geisterstadt“ wie sie im Film genannt wurde, und alles was danach geschah, verwirrte mich ein wenig.  

Im Laufe des Tages, zeigte mir Neneko wie man schnell und einfach eine Hühnersuppe zubereitete. Hin und wieder verbrannte ich mir arg die Finger, aber es ärgerte mich nicht im geringsten, so als ob ich diese Erfahrung schon einmal gemacht hatte. Später dann, als es ans Schneiden von Zwiebeln ging, übertrumpfte mich nicht nur Miu in allem Maße, nein, ich schnitt mir sogar noch in alle meine zehn Finger und damit hatten wir eindeutig festgestellt, das ich in der Küche zu nichts zu gebrauchen war, aber auch das überraschte mich nicht.
„Das ist wirklich mal Pech.“, sagte Neneko und rückte ihre Brille zurecht,“Dabei dachte ich das Takeya schon tollpatschig in der Küche ist, aber du schießt dabei endgültig den Vogel ab, Rayo.“
„Ja.“, schmollte ich,“Hack noch auf mir rum.“
„Sei nicht gleich eingeschnappt.“, lächelte sie,“Wie wärs wenn wir erst mal an die frische Luft gehen? Den ganzen Tag in der Bude hocken, ist auch nicht viel gesünder.“
Ohne Einwände willigte ich ein und wenige Augenblicke später, stapften wir auch schon durch den Schnee. Doch kaum waren wir um eine Ecke gebogen, änderten sich unsere Pläne.
„Da fällt mir etwas ein. Ich muss schnell nach Hause und noch etwas erledigen.“, sagte Miu.
„Ist gut.“, sagte Neneko,“Wir gehen schon mal vor.“
„Moment mal, wo wollen wir denn überhaupt hin?“, fragte ich.
„Ich habe mir gedacht, das ich dir mal die Gegend zeige.“, sagte sie.
„Ich, würde viel lieber mal zu dem Boot in dem ich angespült wurde.“, sagte ich.
„Auch gut.“
Unsere Wege trennten sich und ich und Neneko, gingen weiter in Richtung Brücke, denn dort sollte irgendwo dieses verdammte Boot liegen. Aber wieder, war da dieses Gefühl, als ob mich jemand beobachten würde. Es war so, als würde ich eine Präsenz fühlen, wie ein siebter Sinn, der mich dazu verleitete, mich ständig  um zu sehen. Natürlich hatte das auch Neneko bemerkt.
„Sag mal, ist dir wieder schlecht? Du guckst die ganze Zeit, als müsstest du dir gleich den nächsten Mülleimer suchen.“, fragte sie.
„Nein, nein, alles in Ordnung.“, nickte ich,“Ich bin nur, ein wenig nervös.“
„Kein Grund die Nerven zu verlieren. Das ist die Grippe die dich so durcheinander bringt.“
„Hoffen wir es.“
Das Boot lag tatsächlich unter einer Brücke und als wir uns näherten, wurde mir ganz komisch. Jeder Schritt, brachte mich näher, mein Kopf begann wieder zu schmerzen und je näher ich kam, wurde es schlimmer und ich hörte wieder Stimmen. „Du bist nicht Rayo! Du bist erbärmlich! Du bist ein Monster, hörst du?! Du bist ein Nichts!“ „Zerstöre die Bindung!“ „Nein Rayo....bitte nicht.....aufhören.....“ „Ich kann das nicht tun.....ich kann das nicht tun......dieses ganze Töten! Ich kann das auf keinen Fall noch einmal tun!“ „Nur Tod.....nur Zerstörung....und Leid! Das ist alles was du kennst, nicht wahr Katsubou?!“ „Tu was ich dir sage, mach sofort das du hier wegkommst, so lange ich noch klar denken kann!“
„Rayo? Hey, alles klar bei dir? Du schwitzt.“, sagte Neneko neben mir,“Rayo!“
Ich erwachte aus meiner Trance und sah mich um.
„Entschuldige ich........war kurz weggetreten....“, sagte ich.
„Du bist immer noch etwas angeschlagen. Darfst dich halt nicht so schnell bewegen, sonst bekommst du wieder Kreislaufprobleme.“, riet sie mir und legte mir eine Hand auf die Schulter.
„Ist gut. Aber.......da waren wieder......Fetzen.....ja genau.“, ich lies den Kopf hängen und runzelte die Stirn,“Irgendetwas furchtbares muss in Kamakura passiert sein und ich bin daran Schuld!“
„Jetzt übertreibst du aber. Ganz gleich was da auch passiert sein mag, du bist an nichts Schuld.“, beruhigte sie mich.
„Aber.....warum sehe ich dann......“, nuschelte ich und biss mir auf den Finger.
Ich wurde nervös , mein Herz schlug plötzlich unregelmäßig und ich bekam Angst. Angst vor mir selbst und vor den Dingen die sich immer weiter in meinen Schädel hineinfraßen.
„Hey, nun beruhige dich doch erst mal.“, sagte sie sanft und umarmte mich,“Es ist alles gut.“
„Aber....warum bin ich dann überhaupt hier.....wie bin ich hierher gekommen.......und warum sehe ich ständig diese Bilder an die ich mich nicht erinnern kann....“, hauchte ich.
„Vielleicht war es doch keine so gute Idee nach hier zu kommen.“, sagte sie und sah mich wieder direkt an.
„Nein.....ist schon gut.“, schluckte ich und ging wieder in Richtung Boot.
Vom Boden, ging ein seltsamer Geruch aus, nur eine Decke lag dort. Aber meinem Auge entging nichts, denn weiter hinten, lag etwas metallisches. Vorsichtig zog ich es heraus und betrachtete es. Ich konnte nicht genau erkennen was es war, denn hier und da fehlten ein paar Stücke, an manchen Stellen war es ziemlich zerbeult und irgendetwas klebte im inneren, aber ich konnte nicht erkennen was es war. Ich beschloss also das Ding mit zu nehmen und Miu zu zeigen. Zwar zweifelte ich ein wenig daran das sie mir weiterhelfen konnte, aber immerhin hatte sie mich doch aus dem Boot herausgeholt. Sonst war dort nichts zu finden. Hinter uns, hörten wir lautes Stapfen.
„Herr Rayo, Frau Mizumi!“, hörten wir Miu.
„Da warst du aber lange weg Miu.“, sagte Neneko.
„Bitte entschuldigen sie meine Verspätung.“, sagte sie und verneigte sich,“Aber ich musste noch die Sachen von Herrn Rayo aus der Waschmaschine holen.“
„Gut, dann können wir ja wieder gehen.“, sagte ich und hob das merkwürdige Ding hoch und ging voraus.
„Warte bitte noch einen Moment Rayo.“, rief Neneko.
„Hm?“
„Ich wollte dir noch etwas mitgeben, bevor du wieder gehst.“
„Ach und was?“

Wir trafen uns wieder bei ihrer Wohnung und wieder musste ich in der Kälte stehen. „Wir das langsam zur Gewohnheit?“ .
„Und sie wollen, das ich mir diesen Gegenstand genauer ansehe?“, fragte Miu und nahm das metallische Etwas an sich.
„Naja......es lag im Boot und ich will wissen was es ist und wieso es bei mir lag.“, antwortete ich.
„Das sollte kein Problem sein, das heraus zu finden.“, nickte sie,“Mein Kollege Khi wollte nachher noch kurz vorbei kommen und nach ihnen sehen.“
„Was? Wer will nach mir sehen? Und wozu?“
„Ja haben sie mir gestern nicht zugehört, als wir herkamen?“
Verdutzt neigte ich den Kopf.
„Ach, du hast mit mir geredet? Ich dachte du führst wieder mal Selbstgespräche.“
Plötzlich sprang sie im Dreieck und fauchte mich jetzt mit drohenden Zeigefinger an.
„Oh nein, oh nein, oh nein! Das ist unhöflich, wenn man jemanden in einem Gespräch nicht zuhört!“
„Warum schreist du denn jetzt so herum?“, fragte ich und gähnte.
„Weil ich mich über ihre fehlende Auffassungsgabe ärgere.“, erwiderte sie,“So etwas nennt man auch unsozial, wenn man den Gesprächspartner ignoriert.“
„Unsozial sagst du?“, fragte ich wieder und bohrte mir in der Nase herum.
„Ja ganz richtig. „UN-SO-ZIAL“!“
Die ganze Zeit schon knurrte mein Magen und ich konnte das einfach nicht mehr überhören.
„Hast du gerade wieder mit mir geredet? Ich konnte dich wegen meinen Magen nicht hören.“
„Nein, Schluss damit jetzt!“, kreischte sie wieder,“Ich habe sie in Verdacht das alles mit Absicht zu tun!“
„Zu aller erst mal, kann ich nichts dafür das ich Hunger habe und zweitens, habe ich dir schon mal gesagt, das du mich auch gerne direkt beim Namen nennen kannst, anstatt mich dauernd mit „Herr“ oder „Sie“ anzusprechen.“
Jetzt schien ich sie damit überfordert zu haben. Ihr Kopf begann zu rauchen und wenige Sekunden später stand Neneko wieder vor uns.
„Gut ihr seid noch da. Dachte schon ich hätte euch zu lange warten lassen.“, sagte sie.
„Nein, nein.“, wieder knurrte mein Magen,“Oh man hab ich Hunger.
„Du kannst gerne noch etwas Suppe mitnehmen wenn du willst. Aber ich wollte dir noch etwas geben. Hier.“
Sie reichte mir den Film den ich mir vorhin angesehen hatte. Verwirrt starrte ich sie an.
„Aber warum das denn?“, fragte ich.
„Na hör mal, als du vorhin davor gesessen hast, hast du doch fast Freudensprünge gemacht. Und da dir der Film so gefallen hat, dachte ich mir, das du ihn dir vielleicht noch öfters ansehen willst.“
„Aber, willst du ihn denn nicht auch noch mal sehen? Schließlich ist das dein Film und.......“
„Ach was. Ich hab die Dinger schon so oft gesehen. Mittlerweile kenne ich alle auswendig. Wenn du willst kannst du die anderen auch noch haben. Selbst mein kleiner Bruder findet sie schon langweilig.“
„Aber.....nein, das.....das kann ich doch nicht annehmen ich eh......“
„Du musst wirklich lernen, was eine freundschaftliche Geste ist, Rayo.“, erwiderte sie und rückte ihre Brille wieder zurecht.
„Aber, wir kennen uns doch erst seid gestern!“, merkte ich etwas griesgrämig an.
„Ja und? Du hast etwas sympathisches an dir, vor allem weil man dich so schön ärgern kann.“, jetzt grinste sie wieder.
„Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt freuen oder mich ärgern soll.“
„Und schon wieder gehst du mir auf den Leim.“, sie streckte sich,“Du kannst gerne die nächsten Tage wieder herkommen, solange du noch hier bist.“
„Ich überlege es mir noch. Zu erst, will ich aber herausfinden wer ich wirklich bin und warum ich hier gelandet bin.“, antwortete ich.
„Du wirst das schon schaffen.“, versicherte sie mir.
Als ich und Miu wieder zu Hause waren, musste ich mich kurz hinlegen, wenn dieser kleine Spaziergang war wohl wieder zu viel des guten gewesen. Mir war schwindlig und mein Magen fühlte sich an als würde er sich dauernd aufblähen und dann so eine Zeit lang verweilen. Miu sagte, das eine Wärmflasche mir gut helfen könnte, also nahm ich ihren Rat dankend an und musste sogar schmunzeln, als sie über das ganze Gesicht strahlte, nachdem sie mir geholfen hatte. Ich nickte kurz ein und bemerkte nicht wie schnell die Zeit verging. Momentan waren wir nun alleine hier.
Draußen wurde es wieder dunkler und ein lautes Klingeln riss mich aus dem Schlaf. Dieses mal, sah ich mich erst einmal gründlich um. Nichts schimmerte in einen dunkelroten Ton, es klebte kein Blut an der Wand und Miu rannte zur Haustüre. Erleichtert atmete ich aus und ging ihr hinter her.
„Guten Abend Khi.“, sagte sie höflich,“Wolltest du nicht etwas früher kommen?“
„Ja, wollte ich. Bitte verzeih die Verspätung.“
Die beiden gingen in die Küche und ich torkelte neugierig hinter ihnen her.
„Miu?“, sagte ich und ging vorsichtig in die Küche.
„Guten Abend Herr Rayo. Haben sie gut geschlafen?“, fragte sie.
„Ja, hab ich.“, nickte ich,“Kannst du mir einen Gefallen tun und mir noch etwas von der Hühnersuppe machen?“
Wieder strahlte sie als sie meine Bitte annahm und sich sofort an die Arbeit machte.
„Verzeihung, ich glaube wir wurden einander noch nicht vorgestellt.“, sagte Khi und reichte mir die Hand,“Dürfte, ich wohl ihren Namen erfahren?“
„Rayo.“, nickte ich.
„Ah.“, antwortete er,“Dann musst du wohl Mius Gast sein. Ich habe gehört, das du etwas durcheinander bist und nicht weißt warum du eigentlich hier bist.“
„Man mag es so ausdrücken.“, nickte ich.
„Gut. Also, sie kommen aus Kamakura und sind mit einem Boot angespült worden. Sehr seltsam. Und sie, können sich wirklich an nichts erinnern? Auch nicht, warum sie dort im Boot gelegen haben?“
„Absolut nichts.“, sagte ich Achsel zuckend,“Ich, habe aber das Gefühl, das irgendetwas in Kamakura passiert sein muss.........“
Ich zeigte ihm das metallische Stück, was ich beim Boot gefunden habe und legte es auf dem Tisch.
„Herr Rayo wollte, das du dir dieses Ding mal ansiehst.“, sagte Miu.
„Hmm.......“, sagte er und klopfte dagegen,“Das ist äußerst robustes Material und sie sagen, es sei bei ihnen gewesen?“
„Ja. Aber ich weiß nicht was es sein soll.“
„Ich vermute mal, dass es zu einer Art......Helm oder so etwas gehört. Und innen drin scheint auch etwas zu kleben.“
„Glaubst du denn, dass du es analysieren könntest?“, fragte Miu.
„Ich denke schon. Allerdings wird das etwas Zeit in Anspruch nehmen. Wie lange, haben sie denn noch vor hier zu bleiben?“
„Ich weiß nicht.“, sagte ich geknickt,“Ich müsste nach Tokio um nach meiner Mutter zu suchen. Laut des Briefs, müsste sie sich dort niedergelassen haben.“
„Dann überlassen sie mir die Reste vom Helm. Ich werde ihnen so schnell wie möglich die Ergebnisse liefern.“
„Danke.“, nickte ich.

Die Nacht verlief wiederum etwas unruhiger, jedoch waren es diesmal keine Albträume.
Ich lag wach und war fast schon dazu verleitet mir noch mal etwas Hühnersuppe zu holen. Aber meine Unruhe wurde von etwas anderem verursacht. Ein trübes Licht schien durch das Fenster, rot und dunkel. Langsam schlich ich zur Scheibe und blickte gen Himmel. Dort oben stand doch tatsächlich ein blutig roter Mond. Es war schon recht merkwürdig, denn ich hatte noch nie einen roten Mond gesehen, dabei dachte ich das er nur hell und weiß war. Auf der einen Seite, faszinierte er mich, aber andererseits, machte er mir Angst, verunsicherte mich und schien mich zu beobachten.

Die Tage vergingen, was sich rasch in zwei Wochen verwandelte, meine Haare wurden länger und hingen mir teilweise schon bis zu den Schultern und ich dachte gar nicht erst  daran, sie mir von Miu oder Neneko schneiden zu lassen.  Miu wartete darauf das ich sie wieder um einen Gefallen bitten würde und ich wartete gespannt auf Khis Ergebnisse. Allerdings kam Miu an diesen Morgen etwas verdutzt ins Gästezimmer.
„Herr Rayo? Geht es ihnen nicht gut?“, fragte sie und setzte sich neben mir auf den Boden.
Ich meditierte gerade, jedoch nicht wegen des roten Mondes, sondern.....weil ich glaubte, mich an etwas zu erinnern.
„Mach dir um mich keine Sorgen Miu.“, sagte ich ruhig,“Ich.......glaube die ersten Fetzen von Erinnerungen, tauchen langsam wieder auf.“
„Das heißt sie wissen wieder warum......“
„Ja. Ich habe in Kamakura gelebt, ich habe gekämpft und.......mehr hat sich noch nicht offenbart.“
„Aber das ist doch gut. Jetzt wissen sie zumindest was im groben passiert ist.“
„So kann man es ausdrücken. Und ich glaube, ich bin bereit, aufzubrechen.“
„Jetzt sofort?“, fragte sie,“Aber wissen sie denn wie sie ihre Mutter finden?“
„Das wird das geringste Problem sein.“, nickte ich,“Nicht mein Ziel bereitet mir Sorgen, sondern der Weg.“
Später am Tag, kam dann endlich Khi mit den Ergebnissen wieder und ich dankte ihm dafür. Endlich bekam ich noch mehr antworten. Die ganze Nacht, saß ich mit gekreuzten Beinen auf den Boden, habe nachgedacht und meditiert und sollten diese Ergebnisse mir keine neuen Antworten liefern, so wäre ich in meinem Stolz gekränkt und vom Schicksal erschlagen, auf ewig als naives Wesen durch die Welt zu streifen mit keinerlei Kenntnis darüber wer ich war und woher ich überhaupt kam.
„Also Khi, was hast du gefunden?“, fragte ich als ich den zerstören Helm wieder an mich nahm.
„Nun, ich weiß nicht wie ich es ihnen sagen soll aber......das was innerhalb des Helms an der Scheitelseite klebte......., war Blut. Es war Ihr Blut.“
„Meins?“, fragte ich verwundert,“Komisch. Aber egal.......ich muss wirklich los. Sagen wir noch schnell Neneko Bescheid......“

Dies lies aber auf sich warten, da ich Müde war und ohne übertreiben zu wollen, bis zum nächsten Morgen, den ganzen Tag über geschlafen habe. Zwar hatte ich nur einen Bruchteil meiner Erinnerungen wieder Erlangt, aber davon wollte ich mich nicht zu Boden reißen lassen, denn darauf wartete das Schicksal nur......mich heulend und jammernd im Dreck kriechen zu sehen, denn dann......hätte es gewonnen, mich gebrochen und zerstört, aber so leicht, gab ich mich nicht geschlagen.
Dies sollte mein letzter Besuch bei Neneko werden, was ich auf der einen Seite doch recht Schade fand.......aber.....wie hieß es doch: „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist.“ Ich wollte ihr noch einmal danken, für ihre Gesten und für ihre Bereitschaft. Miu bestand natürlich darauf mich zu begleiten und ich konnte ihr das nicht abschlagen.
„Nicht nur Oma und Opa sind froh darüber, das es ihnen wieder besser geht, Herr Rayo.“, sagte sie lächelnd.
„Sag ihnen noch einmal Danke von mir, dass sie mich für die kurze Zeit bei euch aufgenommen haben. Und dir, muss ich auch noch einmal danken.“
Ich zeigte mit den Daumen nach oben und klopfte an Nenekos Türe an. Dieses mal, lies sie uns nicht warten.
„Ich hätte es mir fast schon denken können.“, sagte sie grinsend,“Und du willst dir wirklich nicht die Haare schneiden lassen? Irgendwie.......steht dir das überhaupt nicht, Rayo.“
Dabei fuhr sie mir durch meine Mähne und zupfte darin herum.
„Vergiss es.“, sagte ich mit falschen Grinsen,“Nachher bindest du mir noch Zöpfe oder streifst mir ungehindert eins deiner Kleider über! Aber nicht mit mir!“
„Dabei hättest du so süß darin ausgesehen.“, erwiderte sie,“Trotzdem, bin ich froh das es dir wieder besser geht und das du deine Erinnerungen ein wenig aufgefrischt hast.“
„Das habe ich nur euch zu verdanken.“, sagte ich und verneigte mich,“Wäre Miu nicht gewesen, würde ich jetzt nicht hier stehen und ohne deine Gastfreundschaft, wäre es wohl auch nicht anders verlaufen.“
„Das sagst du doch nur, weil du nicht nur meine Küche in ein Schlachtfeld verwandelt, sondern auch noch einen Kessel meiner Hühnersuppe in einem Zug verputzt hast.“
„Kann ich was dafür das du deine Küche nicht abschließt?“, sagte ich kleinlaut und rölpste.
Dafür bekam ich eine Kopfnuss von ihr, sie nahm mich in den Schwitzkasten und zog an meinen Haaren.
„Dafür hätte ich dich eigentlich an den Küchentisch ketten  und dich zwingen sollen alles wieder sauber zu machen.“
„Ja ja.....ist ja gut....lass mich los!“, krächzte ich.
„Na gut.“, antwortete sie und lies mich wieder frei.
Nach langem Gezanke, machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Dort besorgten mir die beiden noch eine Fahrkarte und einen Stadtplan.
„Also, bis wohin muss ich fahren?“, fragte ich und suchte meine Station auf dem Plan.
Neneko seufzte und hielt mir meine Karte unter die Nase.
„Da steht alles drauf du Holzkopf. Wo du hin musst, wie lange du fährst und wie lange die Karte gültig ist, also verliere sie nicht.“
„Danke ihr beiden.“, nickte ich.
Beide umarmten mich noch einmal und schickten mich dann nach oben zu meinem Zug.
„Und lass mal wieder von dir hören!“, rief Neneko mir noch hinterher.
„Grüßen sie ihre Mutter von uns!“, erwiderte Miu.
Alles was ich darauf nur noch antwortete war eine kurze Geste meiner Hand, die ihnen zum Abschied noch zuwinkte, während ich die Treppen hinaufstieg. Beide hatten mir für die Reise einen recht großen Rucksack besorgt, auf dem vorne ein roter Smiley aufgestickt war, mit schwarzen Zähnen, ebenso schwarzen Augen und Hörnern und darunter waren die Worte „Kleiner Teufel“ in japanischen Buchstaben aufgestickt. „Warum kommt mir das auch so merkwürdig vertraut vor und warum gefällt mir dieser Smiley nicht? Na ja, so lange dort nicht „Kleiner Engel“ geschrieben steht, soll es mir egal sein, denn das wäre wohl zu viel des guten!“  Endlich hatte ich im Zug meinen Platz gefunden und winkte den beiden noch einmal zu, denn sie waren mir doch noch bis hierher nachgekommen. Er fuhr los und alles was ich hier erlebt habe.......sollte nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Ich öffnete den Rucksack und betrachtete den zerstörten Helm und das getrocknete Blut was noch darin klebte. Ich legte ihn wieder zurück und staunte nicht schlecht als ich dort ein kleines Lunchpaket entdeckte, was mir sicherlich Mius Großeltern gegeben hatten. Ich grinste breit und wickelte es mit knurrenden Magen aus. Doch mein Grinsen verwandelte sich rasend schnell in eine unbehagliche Mine, denn statt einer nahrhaften Mahlzeit, lag dort nur dieser widerliche gedämpfte Seetang, eingewickelt in Alufolie und daneben noch ein paar Reisbällchen.
„Na wunderbar.....“, jammerte ich und legte meinen Rucksack neben mir ab,“Dabei dachte ich, dass ich es deutlich genug gemacht habe, das ich dieses Zeug nicht ausstehen kann! Ich glaube......, das wird mich noch bis in mein Grab verfolgen, dieser.....verdammte....gedämpfte Seetang!“
Review schreiben
 
'