All we are

von ninagac
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
12.01.2018
21.05.2019
22
26.950
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22.04.2019 1.014
 
,,Sorry. Ich hätte nicht sofort zusagen sollen." sage ich und richte mich auf meinem Schreibtischstuhl auf, während ich vor dem Laptop sitze.

,,Ja. Nein, alles okay. Und du kannst deine Mum auch nicht umstimmen?" antwortet Shawn. Ich kann sehen, wie er sich mit der Hand an die Schläfe fässt. Er sieht gestresst und müde aus. In London ist es wahrscheinlich schon Nacht und so wie ich seinen Zeitplan kenne, hatte er den Tag ziemlich viel zutun.

Ich schüttele darauf den Kopf: ,,Keine Chance." Gott, was soll ich jetzt sagen?

,,Okay. Dann geb' ich dem Manager Bescheid und regle alles." ,,Ja, tu das."

,,Es wäre wahrscheinlich eh nicht die beste Idee gewesen. Der ganze Stress mit den Medien und so weiter.", mein Gesicht fror in kürzester Zeit ein ,,Und wie ich dich kenne hättest du dich auch noch vor den Kameras auf dem roten Teppich hingelegt oder man hält dich für meine Freundin. Jetzt bleibt uns der ganze Ärger erspart."

Autsch.

,,Kannst du dir das vorstellen? Wir zwei ein Paar. Und dann noch im Internet mit irgendwelchen Fanpages und was weiß ich."

Ich finde keine wirklichen Worte, die meine körperlichen Gefühle beschreiben könnten. Ich weiß jedenfalls , dass ich enttäuscht, total verzweifelt, wütend, tobend gleichzeitig war. Und vor allem eins: unfassbar traurig.

,,Versprich mir, dass wir niemals zusammenkommen. Ich würde auch gar nicht wollen, dass du gehatest wirst. Vor allem nicht, dass du den Stress nur wegen mir abbekommst." lachte er in die Kamera.

,,Ja." starre ich den Menschen vor mir im Bildschirm an, der mir soeben meinen ersten Herzschmerz verpasst.  Weinen kann ich zu dem Zeitpunkt nicht.

,,Ja, das würde einfach nicht funktionieren." mit einem gefälschten Lächeln aufgesetzt, welches überzeugender ist, als ich es eigentlich will, rede ich weiter.

Ich rede weiter, damit er nicht weiter redet. Damit nicht noch mehr Wörter über seine Lippen kommen, die mich noch mehr verletzen.

,,Ich hatte heute übrigens mein Casting für die Cheerleader. Ich war glaube ich ganz gut, die Mädchen waren nett und ich gehe bald auf eine Party von einem Jungen. Er ist einer der coolsten Schüler bei uns und das kann ich mir ja nicht entgehen lassen."

Trotz der Verzögerung von Bild und Ton sehe ich, wie Shawn zum Reden ansetzt und fahre schlagartig fort: ,,Bestimmt sind da auch richtig viele hotte Typen. Mal sehen, vielleicht finde ich ja einen Football-Spieler, der mir gefällt. Wie ist es so in London?"

Total ahnungslos und unbeirrt antwortet er auf meine Frage und erzählt mir von den Interviews und wie er irgendwelche Bohnen um acht Uhr morgens essen musste, die er am liebsten wieder ausgekotzt hätte. Zwischendurch werfe ich ein ,,Aha" oder ,,Ja, stimmt" ein, aber will eigentlich so schnell wie möglich auflegen.

Nach kürzester Zeit bin ich nicht nur verärgert über seine Worte, sondern enttäuscht darüber, wie er es nicht mert, dass ich traurig und nun auch wütend bin. Mich interessiert nicht, wie toll doch eigentlich sein Tag war und dass er wohl ganz viel Spaß mit irgendeiner Frau vom Radio hatte und mit ihr Mittagessen war.

Mitten im Satz über deren Essen reicht es mir dann: ,,So, ich muss jetzt auflegen. Meine Mutter hat mich gerade gerufen. Red' doch einfach mit Jenice- Sie hieß doch so, nicht?- über eure tollen Sushi-Platten. Tschüss."

,,Alles klar. Tschüss!" lächelt mich Shawn leicht verdattert über meinen plötzlichen Ton an.

,,Viel Spaß noch." sage ich schnell und lege auf. Mein Laptop klappe ich zu und schmeiße mich auf mein Bett.

,,SHIT!" brülle ich lautstark in mein Kissen und strample wie ein Kleinkind mit Armen und Beinen. Wütend gehe ich nochmal Shawns Wörter in meinem Kopf durch. Weitere Schimpfwörter werden meinerseits ins Kissen gebrüllt.

Ein Klopfen durch meine Wand, reißt mich dann wieder in die Realität. ,,Halt die Klappe!", höre ich meine Schwester aus ihrem Zimmer rufen ,,Er ist nur ein Junge. Auch wenn er ziemlich heiß ist."

,,Hast du mitgehört?!" schreie ich die Wand an. ,,Naja ich sag's mal so: Diese Jennice war wohl echt scharf, so wie er von ihr geredet hat."

,,Ich hasse dich!" mein Gesicht beginnt zu glühen und ich habe nun einen weiteren Grund wütend zu sein.

Sofort schnappe ich mir meine Kopfhörer, ziehe mir eine Sporthose an und renne die Treppe hinunter. Dort schlüpfe ich in Sportschuhe und mache mir Musik an.

Schnellen Schrittes gehe ich in Richtung Wohnzimmer, um meiner Mutter von meinem kurzentschlossenen Jogging zu erzählen. Ich habe gerade das dringende Bedürfnis mich kaputt zu laufen und Dampf abzulassen.

,,Na Zickie, hast du dich wieder beruhigt?" meine Mutter sitzt auf dem Sofa und macht die Wäsche.

Richtig. Der kleine Streit vorhin wegen dem Event.

Ihr Kommentar lässt mich noch bedrückter werden.

Wow, schon drei Menschen heute, die dich verrückt machten.

,,Ich gehe laufen." sage ich und drehe schnurstracks um und verlasse mit Kopfhörern in den Ohren das Haus.

Der Park mit angrenzendem Waldstück ist mein Ziel und ich renne im Takt der Musik auf schnellstem Wege dorthin.

Eine gute halbe Stunde später sitze ich auf einer Bank inmitten des Waldes und beobachte die verschiedenen Blüten der Bäume und ihre Bewegungen, die vom Wehen des Windes verursacht werden. Es ist sehr beruhigend einfach nur dazusitzen und zu sein, sich über nichts auf zu regen und nicht nachdenken zu müssen.

Doch während dieser eigentlich so friedvollen Stille muss ich wieder an das denken, was Shawn sagte. Wir zusammen als Paar würde nichts als Probleme machen. Probleme und Stress. Und laut Shawn hatte er allein mit seiner Präsenz in der Öffentlichkeit schon genug Stress.

Aber dann kann er doch nie mit jemandem zusammen sein. Jedenfalls wenn die Probleme nur an mir liegen würden. Vielleicht schämt er sich für mich. Ich weiß, dass ich keineswegs perfekt bin, doch im Großen und Ganzen bin ich wirklich ganz okay. Deswegen kann ich mir kein wirklich klares Bild verschaffen, warum ich denn so schlimm in der Öffentlichkeit wäre oder eher warum wir so schlimm zusammen wären.
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