All we are

von ninagac
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
12.01.2018
21.05.2019
22
26.950
4
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
12.01.2018 1.417
 
,,Einen angenehmen Aufenthalt in Kanada wünscht Ihnen Ihr Kapitän und die Crew." verabschiedete sich eine Stewardess durch einen Lautsprecher, der eine sehr sehr schlechte Klangqualität hatte.

Schon strömten Leute los, um vor dem großen Anstrom aus dem Flugzeug raus zu sein.

Ich zückte mein Smartphone aus meinem schwarzen Rucksack, den ich als Handgepäck mit hatte, und schrieb meiner Mutter eine SMS, dass wir gelandet sind.

Mit wir meinte ich meine Schwester, Entschuldigung, Halbschwester Gina, die gerade ihre, in meinen Augen, leberwurstfarbenen-gefärbten Haare analysierte.

,,Bist Du aufgeregt?" fragte ich Gina. Als Antwort bekam ich nur ein Kopfschütteln. ,,Ich schon." meinte ich und schnappte mir meine durchgelesene BRAVO aus dem Netz vor meinen Beinen. Die Menge neben meinem Sitz wurde langsam weniger, also packte ich alles in meinen Rucksack.

Gina hatte mittlerweile ihre Haaranalyse fertiggestellt und wir beide gingen am Cockpit entlang in den Flughafen.

Während ich den Leuten vor mir folgte, versuchte ich den Gurt meines Rucksacks auf die gleiche Höhe von dem Anderen zu stellen. Ich verlängerte ihn, kürzte ihn und so weiter- Im Endeffekt machte ich es noch schlimmer.

Eine meiner dunkelbraunen Strähnen fiel mir ins Gesicht und ich pustete sie schnell weg. Wenigstens klappte das.

Beim Kofferband angekommen, wollte ich mich gerade hinter einen kleinen Jungen stellen, um meinen Koffer zu sehen, geschweige denn vom Band zu holen, da machte mir ein glatzköpfiger Mann einen Strich durch die Rechnung indem er meinen, ich betone meinen, zukünftigen Platz hinter dem Jungen einnahm.

Innerlich verfluchte ich ihn ging dann aber ein paar Meter von dem Fließband weg. Weiter rechts sah ich meine Schwester, die tatsächlich einen Platz am Band hatte.

Als eine Truppe Seniorinnen an an mir vorbei ging, blickte ich hoffnungsvoll zum Band.

Und da! Eine kleine Lücke zwischen mehreren Menschen, endlich... Ich steuerte auf sie zu und wartete noch ungefähr zwei Minuten bis ich meinen schwarzen Gitarrenkoffer in der Hand hatte und kurz darauf auch meinen normalen Koffer.

Gina stand... Gina stand nirgends. Eine Welle von Panik überkam mich. Ich drehte mich suchend um meine eigene Achse. Vielleicht war sie ja schon vorgegangen? Kurz orientierte ich mich und ging dann vollgepackt zur Ausgangshalle, wo schon viele Leute warteten. Ich bin wirklich kein Angsthase, aber es wäre nicht das erste Mal, dass ich in einem Flughafen verloren gegangen wäre und als 16 Jährige per Durchsage von seinen Eltern abgeholt zu werden ist wirklich mehr als peinlich.

Gottseidank sah ich den knallpinken Koffer meiner Schwester und steuerte auf sie zu. Mitten auf dem Weg tippte mir jemand auf meine Schulter. Ich drehte mich erschrocken um.

Ein Mädchen, ungefähr 2-3 Jahre jünger als ich, sah mich peinlich berührt an.

,,Tut mir leid, aber ich glaube wir haben unsere Koffer vertauscht." sagte sie mit roten Wangen.

,,Ähh", ich schaute verwirrt auf meinen Koffer. ,,Nein, ich meine den Gitarrenkoffer." lächelte sie mich höflich an. ,,Achso" lachte ich leise.

Erst jetzt viel mir der identisch aussehende Koffer auf, den sie in der Hand hielt.

,,Ich glaube da liegst du falsch, deiner ist blauer und meiner hier, nicht. Und ich hab' ein Band mit Plektren dran." lächelte ich sie an und deutete dabei auf den Koffer in meiner rechten Hand.

Sie guckte erstaunt zwischen den beiden Koffern hin und her, bis sie ihre Augenbrauen zusammenzog und ihre Nase kräuselte. Das sah echt niedlich aus.

,,Shit!" fluchte sie kaum hörbar und sah mich dann mit einem peinlich berührtem Blick an, ,,Sorry".

Ich grinste sie dann an und sagte: ,,Glaub mir, sowas hab ich auch schon mal gebracht.". Dabei heiterte sich ihr Blick leicht auf, bis sich ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht abzeichnete.

,,Ich müsste dann auch wieder." sagte ich und deutete hinter mich.

,,Nochmal 'tschuldigung.". Ich zwinkerte ihr zu und drehte mich dann wieder um, um zu meiner Schwester zu gehen.

Bei Gina angekommen, beschwerte ich mich erstmal. ,,Du bist doch jetzt hier, beruhig dich!" zischte sie mir zu. ,,Ich geh' kurz zu Starbucks. Das ist da drüben, falls du es noch nicht bemerkt hast." sagte sie arrogant und setzte sich in Bewegung.

Ich bemerkte, dass ich mitten in der Eingangs-,oder eher Ausgangshalle, und allen Anderen im Weg stand. Eigentlich stimmte das ja nicht wirklich, die Halle war riesig, wenn man sie mit der "Kleinen" aus Hannover vergleichte. Seufzend drehte ich mich um und stellte mich an die Seite und beobachtete die Leute.

Dabei fiel mein Blick auf das Mädchen, die eine um die 40 jährige Frau, höchstwahrscheinlich ihre Mutter, umarmte. Und da ich das Glück hatte nicht zu weit weg zu stehen konnte ich einige Gesprächsfetzen aufnehmen. Okay, ich konnte alles verstehen.

,,...vermisst Kleines. Wie war das Camp?" fragte ihre Mutter. ,,Super! Wo ist Dad? Und Shawn?" fragte sie glücklich.

,,Dad musste Misses Whalston ins Krankenhaus zu ihrem Bruder bringen. Und Shawn..." Sie blickte leicht ängstlich über ihre Schulter ,,Hier sind zu viele Menschen die ihn erkennen könnten."

War dieser Shawn etwa ein Verbrecher?

Seine Familie sah auf jeden Fall nicht sehr kriminell aus. Aber wie uns sämtliche Mysteryserien lehrten, kann der positive Schein trügen. Okay nein, wir sind hier nicht bei Vampire Diaries oder so.

,,Wer war denn die junge Frau eben bei dir?" fragte die Mutter. Oh Gott sie meinte mich! Blitzschnell drehte ich mich um und tat so, als ob ich die Beiden gar nicht wahrgenommen hatte.

Ich fixierte den kaputten Wasserautomaten. Der war ja auch seeehr interessant. Nicht.

,,Ähm, ein kleines Missverständnis. Nicht weiter wichtig. Können wir jetzt nach Hause?" erklärte die hübsche Dunkelhaarige.

,,Na dann los." die beiden entfernten sich immer weiter und ich versuchte ein Gähnen zu unterdrücken. Man war ich müde, aber nach sieben Stunden Flug musste man mich verstehen. Aus dem Augenwinkel sah ich Gina mit ihrem Frappe-was weiß ich- auf mich zukommen.

,,Mama ist in ca. 10 Minuten da." sagte sie ohne mich anzugucken. ,,Okay."

So verbrachte ich ein paar Minuten, bis ich mir meine Koffer schnappte, Gina Bescheid sagte und zum Ausgang schlenderte.

Hinter den großen Glastüren merkte ich sofort den Temperaturunterschied. Kanada war ja eigentlich kälter als Deutschland.

Das stimmte auch.

Es war eisig.

Richtig eisig.

Sofort drehte ich wieder um, rein in die warme Halle und als Brillenträger beschlugen meine Gläser, sodass ich erstmal halb blind durch die Gegend lief.

Eine harte Säule stoppte mich auf meinem Weg, sodass ich sie umarmte.

Dumm wie ich bin, tat ich so, als ob ich mich extra an ihr abstützte. Ich wischte die Brillengläser umständlich an meiner dicken Winterjacke ab und nahm aus meinem Rucksack meine Mütze, meinen Schal und Handschuhe heraus. Dick eingepackt wagte ich es dann, dem Feind ins Auge zu blicken und so ging ich wieder zurück in die Eiseskälte.

Jetzt stand ich hier, vor den vielen Taxifahrern, die auf Kundschaft warteten und sich von den Heizungen durchbrutzeln ließen.

Am liebsten wäre ich wieder in die große Halle gegangen, aber die Leute, die hier waren (es waren nicht wirklich viele) würden mich bestimmt für, keine Ahnung, komisch halten.

Kurze Zeit später, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, kam dann auch endlich meine Mutter in unserem Auto. Gleichzeitig stolzierte meine liebe Schwester durch die Türen.

Gina und ich packten unser Gepäck in den Kofferraum und stiegen so schnell wie möglich ein. Im Auto begrüßten wir unsere Mutter und erzählten ihr während der Fahrt von unserer letzten Woche in Deutschland.

Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt kamen wir in Pickering, meiner neuen Heimat an. Interessiert guckte ich aus dem Fenster und versuchte mir alles genau einzuprägen. Als ich nach einer schönen Häuserreihe den Pierre sah, war ich schon sehr entzückt von diesem Ort.

Und endlich, nach weiteren fünf Minuten hielten wir an einem typisch Amerikanischem/Kanadischem Haus an. Wir stiegen alle aus dem Auto aus, holten die Koffer und stellten uns vor das Haus.

Mama lächelte.

Ich grinste.

Und Gina... Ja, Gina schoss ein Foto.

Meine Mutter und ich guckten uns mit dem selben Blick an. Dann gingen wir mit Koffern ins Haus.

Es war so eingerichtet wie unser altes Haus in Deutschland. Schnell streifte ich meine Stiefeletten ab und öffnete die nächste Tür. Nachdem uns das ganze Haus gezeigt wurde gingen Gina und ich in unsere jeweiligen Zimmer. Bisher hatte ich das Haus nur auf Bildern gesehen, doch auf den ersten Blick gefällt es mir sehr gut.

Schlapp zog ich meine Sachen aus und legte mich ins Bett wo ich nach ein paar Minuten einschlief.

o0o0o
Review schreiben