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Hartes Schicksal

von Naschi
OneshotDrama, Mystery / P16 / Het
Elijah Mikaelson Kol Mikaelson Niklaus "Klaus" Mikaelson OC (Own Character)
12.01.2018
12.01.2018
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Diese Wichtelgeschichte ist für Simplicity im Wichteln Alles Gute zum Geburtstag 3

An dieser stelle noch mal alles Gute nachträglich zum Geburstag. Es tut mir wirklich sehr leid, dass das Geschenk fast ein Monat Verspätung hat.

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1701 Irgendwo in Europa



Zuhause. Ein Wort, das keine Bedeutung für Kol Mikaelson hatte. Sein Nomadenleben dauerte zu lange an, als dass er noch wusste, wie es war, sich willkommen und heimisch zu fühlen. Der Fluch seiner Familie trieb ihn nun schon zu lange herum, entwurzelt seiner Heimat.
Kol zügelte sein Pferd an der Kuppe des Hügels und warf einen schnellen Blick zurück. Flammen färbten den Horizont taghell. Ein trügerisches Licht. Schreie und das unbändige Rauschen des Feuers drangen an seine guten Ohren. Qualvoll gingen Menschen dort unten zu Grunde. Er wusste, was Elijah sagen würde: Das war sein Verdienst seine Schuld. Zu auffällig war er gewesen, zu habgierig.
Er nannte es Leben und auskosten seiner Fähigkeiten. Wozu war man unsterblich, wenn man die Menschen es nicht wissen lassen sollte? Man hatte sie zur Herrenrasse bestimmt, dazu auserkoren zu herrschen und nicht um gejagt und beherrscht zu werden.
Dabei hätten sie es einfacher haben können. Dieser gezwungene Zusammenhalt Elijahs würde ihnen alle noch den Kopf kosten.
Das Gesicht einer jungen Frau tanzte kurz vor seinem Gesicht und für einen Moment schlich sich Wehmut in sein totes Herz. Sie beide wussten, wie in solch einem Fall zu verfahren war, auch wenn es gegen seine Instinkte ging, die Flucht zu ergreifen.
Mit der Zuversicht eines Unsterblichen wusste er, dass sie es schaffen würde. Den Menschen mimte sie perfekt und sie war so viel genügsamer als er. Und grausamer. Noch immer konnte er die im Mondlicht weiß schimmernden Reißzähne vor sich sehen, bevor sie sie mit einem animalischen Knurren in den Hals der Opfer trieb um von ihnen zu trinken und in die Gedankenwelt der mickrigen Menschen einzutauchen.
Mikael würde sie nicht in die Finger kriegen und ihn auch nicht. Das war sein Schwur an sie. Egal wann, egal wie, sie würden sich finden.
Elijahs Pferd neben ihm wieherte und Kol konnte das Unbehagen des Tiers spüren. Das Blut rauschte wie ein wilder Fluss durch dessen Adern und er wusste, sein Instinkt trieb ihn zur Flucht. Weg von den Flammen und dem Geruch von Tod und Verwesung.
„Los jetzt, Kol.“
Ohne ein Wort der Erwiderung ließ Kol sein Pferd in einen leichten Trab fallen, ehe es in einen wilden Galopp überging. Es war kein Spiel mehr. Schon lange hatte sich das Blatt gewendet und ihr Dasein zum Fluch gemacht. Für immer und ewig. Er konnte es in Elijahs Gesicht lesen.
Doch für ihn gab es das nicht mehr. Würde es nie wieder geben.


1702 Spanien



„Du bringst mir jetzt den besten Wein aus deinem Keller. Und er wird aufs Haus gehen.“ Kol spürte, wie der Geist des Wirtes brach. Gleich einem Stock, den man mit einem kräftigen Ruck in zwei Hälften teilte. Er liebte das. Stück für Stück die Mauern abzubauen, um dann nichts als Ruinen übrig zu lassen. Der menschliche Verstand war so fragil, es war schon zu leicht, sie wie Marionetten tanzen zu lassen.
Es bereitete ihm kindliche Freude, die Fähigkeiten seines Fluchs auszureizen, zu sehen, wie weit er gehen konnte und zu erkennen, dass es für einen Ursprünglichen wie ihn keine Grenzen gab.
Die Wangen des Mannes fielen schlaff nach unten, jeder Muskel schien dem Wirt seinen Dienst zu versagen. Wie ein Puppenspieler ließ Kol ihn tanzen. Die anderen Sterblichen um ihn herum gackerten, schon deutlich angetrunken, angesichts des belämmerten Ausdrucks ihres Gastgebers.
Aus dem Hauptraum der Schenke drang Gelächter und Gegröle. Es wurde gefeiert, das, was zu entbehren war, wurde ausgeschenkt und in Ermangelung an gutem Essen stieg der Alkohol schnell zu Kopf.
Kol trank aus Gewohnheit. Der Geschmack, oftmals beißend, wenn das Gesöff stümperhaft gebraut wurde, war etwas, das ihn daran erinnerte, wie er als Mensch gewesen war. Doch mehr als dieser Eindruck war ihm nicht mehr geblieben. Nur noch Blut konnte ihn in den Rausch versetzen, nach den er sich oftmals sehnte.
Zu seinen Füßen lagen drei Männer. Die Kehlen zerfetzt. Sie hatten schon getrunken, weswegen sie nicht mehr so gut geschmeckt hatten, aber Kol war nicht wählerisch. Es war eher eine Machtdemonstration gewesen, kein echter Hunger, der ihn hatte töten lassen. Die Menschen glaubten erst, wenn sie sahen. Also musste er ihnen zeigen, dass er keine Gnade hatte und über ihnen stand.
Zwei zarte Arme, hell weiß wie Alabaster, schoben sich in sein Sichtfeld und dann um seine Hüfte. Den zierliche Körper Eánnas auf seinen Schoß ziehend versank er in ihre haselnussbraunen Augen. Sie wirkte wie ein Engel. Unschuldig und rein.
Doch er wusste, wie grausam sie war. Wenn der Blutdurst über sie kam und sie ihn mit Lust verhangenen Augen ansah, verlor er jedes Mal die Beherrschung. Mit ihr gemeinsam zu trinken, den Geschmack des pulsierenden Blutes in seinen Mund war das, was er als Leben empfand. Trotz der Verdammnis zu diesem Dasein.
Sie roch frisch und anhand ihrer flatterhaften Bewegungen wusste er, dass sie Hunger hatte. Und bei Gott, wenn sie getrunken hatte, würde er sie sich nehmen und ihr danken, dass sie ihn wieder gefunden hatte. Kols Kehle wurde eng, allein die Vorstellung reichte aus, um ihn erregt werden zu lassen.
Eánna kicherte und nur er konnte den lauernden, lustvollen Unterton daraus hören. Für die Sterblichen um sie herum war sie einfach nur das schönste Wesen, das sie gesehen hatten. Zum Anbeten. Kol beugte sich vor und biss sie leicht in die Halsbeuge, was sie mit einem leichten Seufzen quittierte. Die Geräusche um sie herum verebbten, machten etwas anderem Platz, dass ihn ganz allein auf Eánna fokussieren ließ.
Es war klar, sie würde ihn immer finden – und er sie.
„Ich besorge uns etwas zu Essen“, wisperte sie in sein Ohr und erhob sich elegant. Auch sie hatte von den Männern getrunken, aber wie auch er brauchte sie noch etwas Gehaltvolles. Schon jetzt lief Kol das Wasser im Mund zusammen, der metallische Geschmack von Blut reizte seine Geschmacksnerven und sie forderten Nachschub.
Eánna folgten die Blicke der Männer, bewundernd und lüstern. Ein bösartiges Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. Die Männer taten gut daran, nur zu schauen; Eánna war nicht zimperlich. Nur zu gern tötete sie ihre Opfer, anstatt sie vergessen zu lassen. Und auch wenn sie sagte, dass das Blut von solchen Widerlingen nach Pest und Hölle schmeckte, schreckte sie dennoch nicht zurück, es ihnen zu nehmen und sie ausbluten zu lassen.
Ihre schlanke Gestalt verschwand und Kol nahm einen Schluck aus der Flasche Wein, die langsam zur Neige ging. Wo zur Hölle blieb der Wirt mit dem Nachschub?
Kol kam nicht dazu, über diesen Umstand weiter zu grübeln. Die Präsenz von Ärger füllte den kleinen Nebenraum der Schenke. Wie Gift, das langsam durch Venen fließt, breitete sich die Anwesenheit seiner Brüder aus.
Kol seufzte. Nun kamen sie also zu zweit. Mit einem gewinnenden Lächeln begrüßte er seine Geschwister, die wenig begeistert aussahen. Elijah wirkte seltsam reserviert und wütend. Und Niklaus hatte gepaart mit seiner arroganten Haltung, ein verschlagenes Lächeln aufgesetzt. So, als wäre es ihm zuwider, hier unter normalen Menschen zu stehen.
Mit einem Ruck stelle Kol die Flasche ab und machte eine einladende Geste mit den Armen.
„Brüder, schön euch zu sehen. Darf ich euch zu meinem bescheidenen Gelage einladen? Oder ist dieser Ort eurer nicht würdig?“ Dass sein Gehabe seine Brüder reizen würde, war ihm klar und einer boshaften Ader in ihm geschuldet. Wohin würden sie ihn dieses Mal schleppen?
„Wir müssen mit dir reden.“ Elijahs Stimme troff nur von unterdrückter Gefährlichkeit. Mit einem Blick fasste er Kols Saufkumpane ins Auge.
„Verschwindet. Und vergesst, was hier vorgefallen ist.“
„Eh, wir haben uns doch gerade so schön amüsiert!“, protestierte Kol spielerisch. Elijahs Blick wanderte zu der blutleeren Leiche auf dem Boden.
„Das sehe ich.“
Die Männer erhoben sich mechanisch und mit leerem Gesichtsausdruck, der grenzenlose Dämlichkeit preis trug. Einer nach dem anderen trotteten sie aus dem Raum.
Kol wollte gerade dazu ansetzen und seine Brüder weiter triezen, doch er bekam gerade so den Mund auf, da wurde er von Niklaus gepackt und gegen die Wand gedrückt.
Beschwichtigen hielt Kol still und lachte leise.
„Kommt schon, warum seid ihr so schlecht gelaunt?“
„Du bist zu auffällig. Schon wieder. Warum schreibst du Vater nicht gleich einen Brief und erklärst, wo du dich aufhältst?“
„Oh Elijah, warum so sarkastisch? Entspann dich, es ist nichts passiert.“
„Fünfzehn Leichen, zerfetzt und blutleer. Das spricht sich herum. Wir sind alle in Gefahr wegen dir.“
„Dann geht, bringt euch in Sicherheit! Ich habe es schon einmal gesagt, es ist besser sich zu trennen. Unser Vater kann uns nicht alle verfolgen.“
Elijahs Blick wurde hart und Kol hatte alle Mühe nicht die Augen zu verdrehen.
Für immer und ewig.
„Niklaus“, sagte sein Bruder gefährlich ruhig. Verwirrt sah Kol die beiden an. Es lief für gewöhnlich so, dass sie ihn irgendwo aufgabelten, mitnahmen und er sich dann absetzte, damit Eánna ihn finden konnte. Doch dieses Mal schienen sie etwas anderes vorzuhaben.
Niklaus zog aus seiner Brusttasche einen Dolch und Kol durchlief es heiß und kalt.
„Nein!“, krächzte er. Gleichzeitig schämte er sich für diese Schwäche und Angst. Das Wissen, dass er ihnen ausgeliefert war und nicht wusste, wie lange sie ihn wegsperren würde, ließ ihn seine letzten Kraftreserven mobilisieren.
Elijah aber sah dies kommen, packte seine Hände und hielt ihn fest, während Niklaus, noch immer mit diesem grimmigen Lächeln in Höhe seines toten Herzens brachte.
„Dazu habt ihr kein Recht.“
„Wir sind Familie, Kol. Und die lasse ich nicht durch Vater und deinen Leichtsinn zerstören“, zischte Elijah nah an seinem Ohr.
Kols Blick fiel auf die angelehnte Tür. Zwei haselnussbraune Augen sahen ihn erschrocken an. In diesen Tiefen der Farbe hielt er fest und versuchte Eánna stumm zu vermitteln, dass sie fliehen wollte.
Ein leichtes Nicken war die Antwort. Er wusste, sie würde ihn finden, auch wenn es dieses Mal schwerer werden würde.
Dann war sie innerhalb eines Wimpernschlags weg.
Keine Sekunde später rammte Niklaus ihm den verdammten Dolch ins Herz. Das tat weh. Schlimmer als der Verlust Eánnas und seines selbstbestimmten Lebens. Bevor es schwarz um ihn wurde, schwor er Rache. An Niklaus, der nur das Resultat einer Affäre seiner Mutter war und dessen Blut unrein war. Und an Elijah, der diese kaputte Familie auf Brechen und Biegen zusammenhalten wollte.
Das war sein verfluchtes Leben und er würde dafür kämpfen es so zu verbringen, wie er es bevorzugte.


„Ich habe so viel Magie kennengelernt, die verschiedensten Praktiken, es wird eine Möglichkeit geben und dann befreie ich mich. Uns. Du wirst sehen.“
Schwärmerisch verlor Kol sich in der Vorstellung, kein Gejagter mehr zu sein. Befreit von den Fesseln seiner Familie und dem Fluch. Dann würden er und Eánna über den Menschen stehen. Eánna gab ein zufriedenes Brummen von sich und schmiegte sich enger an ihn. Ihr weicher Körper war noch erhitzt vom Liebesspiel und sie unterbrach ihn nicht, wenn er von seinen Jahren in Afrika erzählte. Seine Finger tänzelten über ihre Haut und er wusste, dass sie alles sehr viel intensiver wahrnahm. Sie beugte sich zu ihm, stahl sich einen Kuss und Kol lächelte.
„Ich werde dich immer finden, Kol.“ Dieses Versprechen, so ernsthaft vorgetragen, so ehrlich und voll Zuneigung würde er in seinem toten Herzen verwahren. Es war etwas, für das es sich lohnte zu fliehen, weiterzumachen, bis sie irgendwann belohnt werden würden.


1903 New Orleans



Kol wahrte nur den Schein. Den Schein, den Elijah gerne sehen wollte, der es ihm erlaubte, unerkannt und unbehelligt zu den Hexen zu gehen. Kemyia und dunkle Objekten füllten nun sein Leben. Das Leben ohne Eánna.
Es hatte Jahrzehnte gebraucht, bis er herausgefunden hatte, dass Niklaus sie töten ließ, kurz nachdem sie es hier her geschafft hatte. 80 Jahre hatten sie ihn schlafen lassen, in dem Glauben, sie würde ihn seit 200 Jahren suchen. Das Gefühl zu wissen, dass er nie wieder in ihre Augen schauen, ihren Körper spüren und ihre Stimme hören würde hatte den Hass in ihm geschürt. Es war nicht an Niklaus zu entscheiden wen er brauchte und wen nicht. Ob sie seiner würdig war oder nicht. Sein Bruder hatte wieder bewiesen, dass sie keine Familie waren, dass sie Distanz zwischen ihnen immer größer wurde. Irgendwann würden sie den Abgrund nicht mehr überwinden können und mit jeder Tat seiner Geschwister wurde er breiter.
Kols Hand ballte sich zur Faust. Das würde Niklaus ihm büßen. Eánnas Versprechen galt nun nicht mehr, er hatte es in dem Moment erneuert, als sein Bruder ihn unbedarft von dem Mord erzählt hatte. Er würde Niklaus nicht nur vernichten, zuvor würde er ihm noch zeigen wie einfach es ihm gelungen war, zur Lösung seines Problems zu kommen. Dass auch sein Leben ein Verfallsdatum hatte.
Er brauchte nur eine Hexe die stark genug war, die Magie nach seiner Anleitung zu praktizieren. Und wenn er 100 Jahre warten müsste. Sein Tag würde kommen.


Fragmente der gemeinsamen Zeit mit Eánna flogen vor seinem inneren Auge vorbei. Glückliche Momente in Zeiten der Flucht und der Kriege. Wenn sie gemeinsam auf Jagd gingen und sie wussten, dass zwar die Welt gegen sie war, es sie aber nicht juckte. Wo sich nur Idioten Sorgen machten, so als wären sie immer auf der Hut. Kol war nicht auf der Hut, er würde nehmen was kam und das Beste daraus machen. Er würde nicht mit einem Regenschirm an einem sonnigen Tag das Haus verlassen.
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