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The Prince of silver fountains (2)

GeschichteFantasy, Suspense / P18 / Gen
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2018
01.04.2021
96
443.675
63
Alle Kapitel
203 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
28.03.2021 5.479
 
So ihr Lieben,

ihr habt es vielleicht schon gesehen - ich habe mein Profilbild geändert, denn... Heute kommt das letzte Kapitel zum zweiten Teil :o Es folgt dann nur noch die Danksagung und der Teil ist abgeschlossen. Wie die Zeit verfliegt.

Aber heute noch einmal zu Judy und den anderen, die letzten Abschiede stehen an und wir dürfen ein einigermaßen ruhiges Ende erwarten, bevor es im dritten Teil mit einem kleinen Zeitsprung weitergeht - aber dazu briefe ich euch dann wenn es so weit ist.

Nun auf jeden Fall viel Spaß beim letzten Kapitel und vielen Dank für eure Rückmeldungen!
Genießt euren Sonntag,
CasseyCass *-*

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Thorin
Er packte die Sachen weg und lächelte etwas. Der Tag war super verlaufen, er konnte früher Schluss machen und den Abend mit Judy genießen. Sie wollten Tess und Kili verabschieden und dann auf dem Balkon etwas trinken und anschließend mit den anderen zusammen Abendessen. Das tat Judy sicher auch gut. Sie war zwar sehr fröhlich die vergangenen Tage gewesen, aber er wusste auch, dass sie Cain vermisste. Nicht, dass er etwas dagegen tun konnte. Der Zwerg hatte ihr durch eine sehr schwere Zeit verholfen und dabei war ein Band zwischen ihnen entstanden, dass man nicht mehr kitten konnte. Klar, die beiden hatten schon vorher eine intime Beziehung gehabt, aber die emotionale Bindung war deutlich stärker geworden. Judy hatte allein in der vergangenen Woche drei Briefe aus den Eisenbergen bekommen und jedes Mal ein Dauergrinsen auf den Lippen gehabt. Thorin widerstand jedes Mal dem Drang, sie nach dem Inhalt zu fragen oder selbst einmal durch die Papiere zu sehen. Das gehörte sich nicht und er vertraute seiner Frau. Hätte sie mit Cain gehen wollen, hätte sie die Möglichkeit dazu gehabt. Doch sie war hier geblieben und das war alles, was es dazu zu sagen gab.

Thorin erhob sich und schob die letzten Papiere zusammen, als es zögerlich an der Tür klopfte. Uff. Er hatte Feierabend! Wollte er wirklich noch- Ja. Es könnte wichtig sein. “Herein.” Zu seiner Freude kam nicht einer seiner Soldaten sondern Judy hinein. “Du musst nicht klopfen, Amrâlimé, das weißt du doch”, sagte er sanft und bekam ein Lächeln geschenkt. “Ich bin sehr höflich erzogen worden, weißt du?”, erwiderte sie neckend. “Willst du mich zur Verabschiedung abholen, ja?” “Ja, ich habe befürchtet, du würdest es vergessen oder verschieben wollen, wegen zu viel Arbeit.” “Nun, ich bin tatsächlich heute gut durchgekommen und war gerade am zusammenpacken.” “Sehr vorbildlich.” Thorin musterte Judy, die nach ihrer Arbeit immer in Hose und Hemd schlüpfte. “Was?” Sie legte den Kopf schief. “Was siehst du mich so an?” “Hm, ich weiß nicht”, meinte Thorin nachdenklich, “ich glaube, Hose und Hemd stehen dir besser als Kleider und zurückgebundene Haare.” “Ja?” “Ja. So habe ich dich kennen und lieben gelernt. Mit offenen zerzausten Haaren und Dreckstreifen im Gesicht. Und ja, ich wollte dich immer in Seide und Brokat wickeln, aber nun, wo ich es gesehen habe, habe ich das Gefühl eine komplett fremde Person als Partnerin zu haben.”

Judy ging auf ihn zu und schlang die Arme um seinen Bauch. Sie roch sogar anders, wenn Thorin sich nicht täuschte. Er drückte seine Lippen gegen ihre Stirn. “Ich habe dich un-königlich auch lieber”, murmelte Judy. “Vielleicht sollten wir auch eine Pause einlegen”, schlug Thorin vor. “Wir können nicht alle gleichzeitig eine Pause einlegen, Thorin.” “Nein, natürlich nicht, aber wenn Kili und Tess wieder da sind. Wir haben ein kleines Seehäuschen, nichts Großes, nicht weit weg, aber sehr gemütlich und zurückgezogen.” “Ein Seehaus für Zwerge?” “Ja, es ist etwas.. ungewöhnlich, aber in jedem anderen Zwergenkönigreich bist du von anderen Zwergen umgeben, weshalb wir uns zwangsläufig… ausgesiedelt haben.” “Verstehe-” “Wir können uns komplett selbst versorgen, im Wald gibt’s genug Wild und Fische im See und das Haus ist an den Brunnen vorm Haus gebunden-” “Thorin, Liebling, das klingt fantastisch”, unterbrach Judy ihn sanft, “aber wollen wir darüber reden, wenn wir es ernsthaft planen? Denn sonst ziehst du mir nur die Nase lang und lässt mich verzweifeln.” “Verzweifeln?”, wiederholte Thorin amüsiert. “Ja, verzweifeln. Ich meine… Du und ich und ein Seehaus und ich wette ein grandioses Schlafzimmer mit Kamin-” “Darauf kannst du wetten, Amrâlimé”, wisperte Thorin und gab ihr einen liebevollen Kuss.

Es beruhigte ihn irgendwie, dass sie ihre Nähe nicht verloren hatten. Nach Wochen der Zwangs-Trennung, nach dem Aufstand und dem Übergriff und all den Konflikten, die sich dadurch zwischen ihnen entwickelt hatten… Aber sie hatten wieder zueinander gefunden und Thorin spürte, wie Judy ihm noch immer vertraute. Das war in ihrer ersten Nacht ein wenig überraschend für ihn gewesen, dass sie sich ihm gegenüber so offen und intim gezeigt hatte, obwohl sie erst kurz zuvor ihre Partnerschaft wiedergefunden hatten. Und auch jetzt legte sie sich neben ihn und erlaubte ihm, sie zu berühren, wo jemand sie vor nicht allzu langer Zeit geschlagen und verletzt hatte. Eigentlich… Thorin beendete den Kuss etwas abrupt und runzelte über seine eigenen Gedanken die Stirn. “Was?”, fragte Judy erneut. “Wie erträgst du es, dass ich dich berühre?”, fragte er frei heraus und sah, wie Judy die Frage verblüffte. “Ich meine”, präzisierte Thorin, “woher weiß dein Kopf, dass ich dir nichts tun werde? Dass ich nicht er bin?” Jetzt schien sie zu verstehen. “Erfahrung”, antwortete Judy schlicht und hob etwas die Schultern. “Du entwickelst ein Gespür dafür und dein Hirn speichert viel stärker ab, wer gut zu dir war und wer nicht. Nicht… dass es wasserfest wäre, natürlich kann auch ich mich irren. Aber du und ich-”

“Ist nicht so, dass ich mir nie etwas habe zu Schulden kommen lassen”, murmelte Thorin und ließ Judy los, um seine Papiere zu nehmen. Sie mussten zum Stall. “Belastet dich das noch immer so sehr?”, fragte Judy. “Dass ich meine Frau geschlagen habe? Ja, ziemlich.” Was für eine Frage. “Das warst nicht du-” “War es auch nicht dein Vater, als er betrunken war?” Er sah über die Schulter. Judy schwieg. “Ich habe in dieser Nacht vieles verloren”, redete er leise weiter, “euer Vertrauen, meine Würde, mein Volk… Und meine Ehre. Ich war nie hundertprozentig ehrenvoll, mein moralischer Kompass als junger Zwerg ist einige Male etwas durcheinander geraten, aber in dem Moment, wo du vor mir auf dem Boden lagst und mir bewusst wurde, dass du wegen mir dort liegst und auch noch blutest… Das war mit Abstand mein Tiefpunkt-” “Ja und du weißt es und deshalb hast du etwas an dir geändert und Thorin, du… du bereust es! Verstehst du, mein Dad hat nie bereut, was er getan hat. Er wusste, dass es nicht okay war, aber er hat immer Ausreden vorgeschoben, wieso, weshalb, warum wir ihn irgendwie provoziert haben. Eato hat es auch nicht bereut o-oder Groi oder Sir Ludo. Sie dachten, es sei legitim, was sie tun und du glaubst das nicht.”

Sie kam auf ihn zu und auch wenn Thorin sich dagegen wehrte, zwang sie ihn, sie anzusehen. Ihre Mundwinkel zogen sich etwas zur Seite. “Du bist ein guter Mann, Thorin. Eine schlechte Tat ändert das nicht. Ich vertraue dir, das hat sich nie geändert und ich vertraue dir auch, dass du mich und… uns wieder flickst. Und falls es dich beruhigt… Mein Dad hat mich eines gelehrt, dass ich mich respektieren und lieben muss. Das heißt, ich kenne meinen Wert und ich bleibe nicht bei einem Mann, der mich nicht respektiert. Aber das tust du und deshalb bin ich hier. Hm?” Sie streichelte ihm über die Wange. “Vertrau mir, dass ich weiß, was ich tue.” Thorin nickte, ohne irgendetwas sagen zu können, weil er einerseits zwar beeindruckt von Judys Ansichten war, andererseits nicht komplett mit ihnen übereinstimmte. Er würde sich immer dafür schämen, ihr gegenüber handgreiflich geworden zu sein und es gab in seinen Augen keine Entschuldigung dafür. Er musste all die Zeit, die er mit Judy hatte, eben Wiedergutmachung leisten. “Lass uns los”, murmelte er, “die anderen werden warten.” “Ja. Aber zuerst-”, Judy tippte sich auf die Lippen und Thorin schmunzelte etwas. Gab ihr einen kleinen Kuss, der ein Lächeln provozierte. “Na geht doch, Brummbär.” Thorin verdrehte die Augen. “Du weißt, wenn du mich jemals so vor meinen Männer nennst, werde ich dich zu Breeda sperren.”

Judy begann zu lachen. “Du bist aber empfindlich.” “Ich stehe dazu.” “Du musst etwas lockerer werden, Liebling, du bist noch immer so-” “Wehe du sagst jetzt königlich-langweilig.” Erneut lachte sie und diesmal fiel Thorin in das Lachen ein. Er schloss die Tür zum Arbeitszimmer zu und legte Judy einen Arm um die Schultern. “Da stehe ich nämlich auch zu”, fügte er noch hinzu und drückte ihr einen Kuss auf die Haare. “Großartig, ich mag Männer mit Selbstbewusstsein.” Thorin grinste. Ja, das hatte er gewusst.

Judy
Es war schrecklich Tess zu verabschieden. Selbst als ich im Ausland gewesen war, Dank WhatsApp und Instagram und Skype waren wir nie wirklich getrennt gewesen. Und jetzt? Musste ich einen Raaben schicken, der auf dem Weg zu ihr hoffentlich nicht gefressen wurde oder so. Das waren sehr unzuverlässige Kommunikationswege. Aber ich gönnte ihr den Urlaub.  Sie hatte so viel durch und verdiente sich Zeit mit Kili. Niko, der die Zeit über ja bei mir und Thorin campieren würde - der natürlich wahnsinnig begeistert darüber war - saß zu meinen Füßen und beobachtete sein Herrchen und Frauen dabei, wie sie ihre Satteltaschen festsurrten. Tess gab ihm einen Kuss auf den Kopf, ehe sie mich fest umarmte. “Passt auf euch auf”, flüsterte ich und hielt sie fest. “Ihr auch. Keine Aufstände in der Zeit unserer Abwesenheit.” “Versprochen.” “Ich schreibe dir”, versprach sie und wir lächelten einander an. “Thorin-” “Tess-” “Hab’ ein Auge auf sie”, bat ich Kili, als er nun an der Reihe mit der Umarmung war. “Sie wird vermutlich erst einmal komplett kollabieren, wenn ihr ankommt.” “Davon gehe ich aus, das ist ja Zweck dieser Reise.” Ach, so war das. Ich grinste. Kili gab mir einen Kuss auf die Wange. “Namad, hab ein Auge auf den Berg. Und seine Regenten.” “Ich werde zwei Augen auf beide haben, wann immer möglich”, nickte ich.

Niko fiepte etwas, als Kili und Tess sich auf ihre Ponies schwangen und er ganz offensichtlich zurückbleiben musste. “Wenn wir wiederkommen, verlange ich, dass du Sitz, Platz, die Rolle und Tot-Stellen kannst”, sagte Kili zu dem Hund. Fili raufte die Stirn und auch Tess schüttelte den Kopf. “Der Hund sollte erstmal fest stubenrein werden”, brummte sie. “Tess, wir müssen uns auf die wichtigen Dinge konzentrieren-” “Ja, das tue ich!” Ich grinste und Thorin seufzte leise. “Ich weiß nicht, ob ich erleichtert sein soll, weil wir diese Diskussionen für drei Monate nun nicht mitbekommen oder genervt, weil wir einen nicht-stubenreinen Hund haben.” “Onkel, es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Judy dir einen Welpen anschleppt”, sagte Fili und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. “Wann genau wolltest du nach Moria reiten-?” Wir lachten auf und Kili nahm grinsend die Zügel auf. “Wir melden uns, sobald wir angekommen sind”, sagte er abschließend und hob die Hand. “Bis dann!” “Reitet vorsichtig!” “Tschüss, Mutter-” Ich winkte einfach nur. Sonst würde ich dennoch heulen. Wir standen im Stall und winkten, bis die beiden nicht mehr zu sehen waren. “Fili, ich glaube ich verkrafte noch einen Abschied in so kurzer Zeit nicht”, sagte ich zu dem Blondschopf.

“Ist das der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl, dass ich noch bleiben soll, ja?” “Ja.” Dis lächelte. “Wäre das so einfach, Judy.” Leider wahr. Mit Niko an der Leine gingen wir in die Eingangshalle zurück. “Sehen wir uns beim Abendessen?”, fragte Dis. “Ja, absolut”, nickte ich. “Super. Bis nachher.” “Viel Spaß mit dem Hund”, zwinkerte Fili, was Thorin ein Brummen entlockte. “Er ist so lieb”, murmelte ich zu ihm, als wir die Treppen hinaufstiegen. “Ja… Ich bin mir da nicht so sicher. Kili ist auch lieb und hat es faustdick hinter den Ohren.” “Das ist bei Durin’s nun mal so-” Thorin warf mir einen finsteren Blick zu. Im Zimmer warf ich meine Handschuhe auf die Kommode und ließ Niko von der Leine. Mein Blick fiel auf einen fetten Blumenstrauß auf der Kommode. Rosen. Es waren Rosen. “Was ist das?”, fragte ich Thorin und deutete auf die Blumen. Er selbst grinste mich selbstzufrieden an. “Blumen. Für meine Liebste.” “Hm.” Ich lüpfte eine Augenbraue. “Ich hasse Rosen. Sie sind klischeehaft. Und ein Strauß davon rechtfertigt sich nur, wenn du dich für etwas ziemlich Übles entschuldigen müsstest, dass dein Gewissen schwer belastet.” “Verstehe.” Thorin besah sich die Rosen. “Zu deinem Glück kannte ich diese Ansicht deinerseits natürlich-”, natürlich, “-weshalb-”, er griff sich den Strauß aus der Vase und warf in hohen Bogen in den Mülleimer, “-ich die hier habe.”

Er griff hinter meinen Mehltopf und zog einen schlanken Becher hervor. Mit einem kleinen Schmunzeln hielt Thorin mir die Blume entgegen. Nur eine einzelne, noch geschlossene Sonnenblume. “Sie haben zugehört, Eure Majestät”, flüsterte ich und nahm sie ihm ab. “Nun, eine der wichtigsten Eigenschaften eines Königs ist das Zuhören.” “Und andere Eigenschaften?” “Hm… Da wäre das Wohlergehen meiner Untergebenen, um das ich mich persönlich kümmere.” Sein Zeigefinger glitt meinen Hals hinauf zu meiner Wange. “Persönlich? Wie weit geht dieses persönlich?” “Kommt auf die Ansprüche der Person an.” “Und wenn sie sehr anspruchsvoll wäre?” “Nun dann… würde ich auch für sie alles tun, damit es ihr gut geht. Selbst unter Gefahr meines Lebens eine noch geschlossene Sonnenblume aus dem königlichen Garten zu klauen.” Ich lachte und gab ihm einen Kuss. “Die wird leider nicht aufgehen, selbst wenn ich sie ins Wasser stelle”, murmelte ich und fuhr mit dem Daumen über die Knospe. “Vermutlich nicht, nein. Aber die anderen werden aufgehen in ein paar Wochen und dann werde ich dir höchstpersönlich das Zimmer mit ihnen dekorieren.” “Du schleimst dich im Voraus ein?” “Man weiß ja nie…” Ich grinste und küsste ihn ein weiteres Mal. Die Blume wanderte auf meine Kommode, damit ich die Hand frei hatte, um ihm fest zu umarmen.

“Du kannst dich noch weiter einschleimen”, wisperte ich und krauste etwas die Nase, als Thorin mir einen Kuss auf die Nase gab und sein Bart mich kitzelte. “Und wie?”, fragte er leise. Ich nickte hinter mich. “Unter der Dusche.” Zögern glitt über sein Gesicht. “Ich weiß nicht-” “Vertrau mir”, wiederholte ich meine Forderung aus seinem Arbeitszimmer. “Komm.” Ich nahm ihn an die Hand und da Niko sich bereits müde in sein Körbchen gelegt hatte, wurden wir auch nicht aufgehalten. Als Thorin mir endlich freiwillig folgte, zog ich meine Bluse im Gehen aus und warf sie aufs Bett, was Thorin ein angespanntes Schnaufen hinter mir entlockte. Ich spielte hier nicht unbedingt auf Sex, aber auf etwas Intimität, die mich von Tess’ Abreise ablenken würde. Und unsere letzte Intimssession hatte bewiesen, dass ausprobieren das A und O war. Hinter mir polterten Schuhe auf den Boden, Thorins Wams raschelte. Als ich im Bad meine Hose wegtrat und nur noch in Unterwäsche da stand, packte er mich an der Hüfte und zog mich für einen heißen Kuss an sich heran. Ungeduldig zerrte ich seine Tunika über seinen Kopf. Thorin fingerte nach der Tür und schlug sie zu. “Ruhig, Amrâlimé”, flüsterte er, “uns rennt nichts davon.”

Meine Hände ruhten an seinen Wangen. “Ich will aber all die Zeit wieder gut machen, die wir verloren haben.” “Wir haben nichts verloren. Und Hektik bringt sie uns auch nicht wieder.” Er beugte sich zu mir herunter und gab mir einen Kuss kurz hinter mein Ohr. “Ich würde es eher Lust als Hektik nennen”, entgegnete ich. “Das ist auch gut, aber ich will, dass diese Lust über Stunden hinweg glüht und nicht innerhalb von zehn Minuten verbrennt. Außerdem, und darauf bestehe ich, müssen wir vorsichtig sein.” “Vorsichtig?”, wiederholte ich verdutzt. “Ja. Wir wissen nicht, was Erinnerungen in dir frei setzen könnte und so sehr ich deine Leidenschaft spüren will, sie könnte uns genauso unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückführen-” Thorins Lippen wanderten wie ein Windhauch über mein Ohr. “Ruhig und vorsichtig.” Ich atmete tief ein und wieder aus. “Okay.” “Gut. Dann komm her-” Thorin schloss seine Arme um meinen Oberkörper und zog mich auf seine Hüfte hoch.

Thorin
Judys Fingerspitzen drückten sich in seinen Rücken und ihr Seufzen perlte an seinen Lippen ab. Das Wasser tröpfelte nur noch langsam an ihnen herab, nachdem sie aufgehört hatten, die Pumpe zu bedienen. Er konnte sie verstehen. Das Brennen und die Ungeduld in der Brust waren ihm wohl bekannt. Thorin empfand es jedes Mal, wenn er sie sah. Aber er glaubte, wenn sie es ruhiger angingen, würden sie weiterkommen, als wenn sie einander verzehrten und am Ende hart auf die Nase knallten. Judy küsste ihn leicht auf den Mund. Sie schmeckte etwas nach Salz. Er hielt in seinen Bewegungen inne und strich mit der Hand über ihren Rücken. Spürte die Narben unter seinen Fingerspitzen. “Nicht-”, flüsterte Judy und griff an seinen Arm. Ihr ganzer Körper verspannte sich. “Das ist ein Teil von dir”, erwiderte Thorin leise. Sein Daumen zog kleine Kreise über ihren Rücken. “Sollte es aber nicht.” “Das war nicht deine Entscheidung. Und-”, er gab ihr einen Kuss auf die Wange, “-es ändert nichts. Nichts an der Tatsache, dass du hübsch bist, nichts an meinen Gefühlen für dich. Nichts an der Art und Weise, wie ich dich sehe.” “Wie siehst du mich denn?”

Thorin küsste sie und atmete ihren Duft ein. “Als das Kostbarste, was ich je in meinem Leben haben durfte.” Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht, ganz zart, aber umso leuchtender. Sie zog ihn fester an sich heran und während der noch leichte Kuss tiefer und leidenschaftlicher wurde, flüsterte Judy: “Ich will dich spüren.” Sie hatten sich erneut nur berührt und geküsst. Ihre Finger glitten über seine Wange und sie nickte bekräftigend. “Bitte. Nimm mich hoch und lass mich dich spüren. Nur kurz-” Kurz? Als würde er sich so einfach wieder aus ihr zurückziehen können. Sie rechnete ihm mehr Standhaftigkeit zu, als er eigentlich besaß. Aber Thorin kam ihrer Bitte nach, fasste sie vorsichtig an den Oberschenkeln und schob sie die nasse Wand hinauf. “Denk dran, ich bin-” “Eng, ja. Hab’ ich ihm Blick, Amrâlimé.” Was die Sache nicht unbedingt vereinfachte. Es funktionierte zwar besser als bei ihrem ersten Mal aber noch immer recht holprig und Thorin konnte ihr ansehen, dass es nicht sehr angenehm für sie gewesen war. Vielleicht wäre das Bett tatsächlich besser gewesen statt die Dusche- Vorsichtig begann Thorin sich zu bewegen und lehnte keuchend die Stirn an ihre Schulter.

In stetem Rhythmus spürte er ihre Wärme und ihr Muskelspiel und auch wenn sie nichts sagte, es machte keinen Spaß. Vermutlich auch wegen seiner eigenen Anspannung. Für ein paar sehr anstrengende Minuten versuchte Thorin einen Rhythmus zu finden, der Judy gefiel und ihm endlich Erleichterung verschaffte, aber das war in der Theorie einfacher als in der Praxis. Ein angespanntes Grollen löste sich in seiner Brust und Thorin hielt inne. “Sieh mich an”, bat Judy leise und Thorins Blick richteten sich widerwillig auf ihre Augen. “Wir haben es versucht”, sagte sie, “um mehr ging es doch nicht-” “Ich bin doppelt so alt wie du, ich sollte wissen, wie man eine Frau befriedigt”, knurrte er. “Aber es geht noch nicht um reine Befriedigung oder?” Sie lüpfte eine Augenbraue. Zog die Waden in seinem Rücken an und drückte Thorin fester in sich hinein. Beinahe wäre er wütend geworden. Fand sie das auch noch lustig?! “In dem Moment, wo du beinahe gestorben wärst, Thorin, habe ich diese Schallmauer um mich errichtet, weil ich all diese Emotionen nicht verarbeiten konnte. Und ich habe mich an dieses… Gedämpfte gewöhnt und ich brauche dich und deine Berührungen, um wieder herauszufinden-”

Sie küsste ihn und langsam entspannte Thorin sich. Empfand sie weniger steif und angenehmer wie damals in ihrer ersten Nacht. Als wäre er nur für diese Frau gemacht worden, wie zwei Puzzleteile, so… richtig. Thorin vertiefte den Kuss etwas und auch wenn Judy vermutlich erwartet hatte, dass er sich zurückzog, nahm er noch einmal den Rhythmus auf und diesmal funktionierte es besser. Es war noch immer nicht perfekt, aber deutlich entspannender. Judy schnappte nach Luft und keuchte an seine Lippen. “Besser?”, fragte er leise. “Ja. Ja, viel bess-” Sie brach ab und er grinste gewinnend bei ihrem unterdrückten Stöhnen. Ging doch. Er wusste aber auch, dass er nicht durchhalten würde, bis Judy auch so weit war. Dafür hatten sie sich im Vorspiel schon zu sehr hochgewiegelt. “Lass es los”, sagte Judy leise, als hätte sie seine Gedanken gelesen. “Du bist noch nicht so weit, Amrâlimé.” “Danke, das weiß ich”, lachte sie, “aber das ist nicht wichtig. Du darfst es wieder gut machen.” Thorin griff sie etwas zu fest am Oberschenkel. Er wollte ihr nicht den Spaß verderben, aber er konnte sich wahrlich nicht noch länger zurückhalten… Keuchend barg Thorin das Gesicht an ihrer Schulter und atmete mehrfach heftig aus und ein.

Judy drückte ihre Lippen an seine Haare und umschlang seinen Rücken mit den Armen. “Das war gut”, wisperte sie in die dunkle Mähne hinein. “Du lügst”, brummte Thorin. “Oh, denkst du ich kann nicht befriedigt sein ohne einen Orgasmus? Es ist noch immer mein Körper, Eure Majestät-” “Das weiß ich”, grinste Thorin und hob endlich wieder den Kopf. Er hatte auch eher auf den echt beschissenen Anfang angespielt. Vorsichtig ließ er Judy herunter. Sie sah tatsächlich befriedigt aus, die Wangen rot und die Augen glänzend. “Danke, dass du das gemacht hast”, sagte sie und fuhr ihm über die feuchte Brust. “Ich wollte dir nicht wehtun-” “Hast du nicht, es war etwas unangenehm, das ist alles. Aber ich brauche diese Gefühle. Ich muss mich trauen sie zu fühlen und ich vertraue dir, dass du auch damit umgehen kannst, wenn es nichts wird oder nicht so geil oder-” Er unterbrach sie mit einem Kuss und presste Judy gegen die Wand. Spürte ihre Brüste und ihren nassen Körper und den leicht salzigen Geschmack ihrer Haut. “Ich liebe dich”, wisperte er. “Das ist alles, was wir diesbezüglich wissen müssen und sagen brauchen.” Judy lächelte etwas. “Ja, da hast du Recht.”

Ein weiterer, kleinerer Kuss folgte, dann schob Judy ihn etwas von sich weg und griff, ohne den Blick von ihm abzuwenden, den Waschlappen. Sie betätigte die Wasserpumpe und ließ das Wasser über Thorins Kopf prasseln. Dann verrieb sie die Seife auf dem Lappen und fuhr damit über seinen Oberkörper. Augenblicklich roch es nach Orange. “Das ist doch nicht unsere oder?”, fragte er. “Nein, das sind meine Reste aus dem Waldlandreich. Rauf nicht so die Stirn! Ich kaufe demnächst bei euch ein, aber du musst zugeben-”, sie hob die Seife, “-sie riecht verdammt gut.” “Hm. Eben wie Orangen.” Judy schlug ihn leicht mit dem Lappen, grinsend. Dann fuhr sie damit jedoch über seinen Bauch zwischen seine Beine und er zuckte zusammen. Ganz ausführlich, jeden Millimeter seines Körpers, erkundete sie mit dem Waschlappen, fuhr über seine Schultern, seinen Rücken, die Unterarme entlang. Küsste seine Fingerspitzen, bevor der Lappen über seinen Bauch strich, nach hinten zu seinem Hintern und Judy sich hinhockte, um seine Beine zu waschen. Es war etwas komisch. Nie hatte ihn eine Frau derart präzise gewaschen, er fühlte sich wie auf einem Präsentierteller. Fehlte nur der Apfel in seinem Mund.

Thorin schloss die Augen, als Judy sich die Haarkur schnappte, in den Händen verrieb und dann in seine Haare einmassierte. Als hätte sie nie etwas anderes getan, begann sie am Haaransatz, massierte über seine Stirn, über seine Ohren und hinein in die Haare, bis in seinen Nacken. Erst dann rieb sie über die Haarsträhnen und die kleinen Zöpfchen. “Lass es einwirken”, bat er und schnappte sich seinerseits den Waschlappen. “Jetzt bist du erstmal dran.” Thorin legte Judys lange, braune Haare auf ihren Rücken. Sie reckte das Gesicht in den Wasserstrahl. Er ließ ihren Rücken aus, eine zweite Berührung würde sie nicht zulassen, trotz seiner Worte vorhin. Mit einem etwas bitteren Blick auf das Mal an ihrem Bauch, wischte Thorin über das Auge. Er musste nur den Daumen darüber legen und es war nicht mehr sichtbar. Bei Durins Bart, wie konnte ein so kleines Zeichen so böse Wirkung haben? Seine Hände wanderten wie von selbst weiter, legten sich an Judys Kehrseite und zogen sie so schnell an sich heran, dass sie etwas aufjapste. Mit größter Zärtlichkeit küsste Thorin Judy, spürte ihre weiche Haut an seiner. Ohne hinzusehen betätigte er ein paar Mal die Pumpe, wusch die Seife von ihren Körpern und seine Haare aus.

“WUAH!” Judy kniff die Augen zusammen und auch Thorin schauderte. “Das warme Wasser ist leer”, stellte er fest. “Ja, das wundert mich nicht”, meinte Judy. Sie sahen einander an und begannen dann gleichzeitig zu lachen. “Zeit fürs Abendessen”, seufzte Judy. “Jetzt haben wir gar nicht auf dem Balkon gesessen und entspannt”, sagte Thorin. “Hättest du lieber getauscht, ja?”, neckte sie. “Da beide Tätigkeiten fest mit dir verbunden gewesen wären, ist es mir tatsächlich einerlei, Amrâlimé.” “Meine Güte, du bist so charmant, dass es schon wieder unheimlich ist.” Thorin grinste nur. Dann zog er mit einem Ruck den Vorhang zur Seite und griff sich einen der Bademäntel. Er half Judy in den weichen Stoff, bevor er sich selbst noch fix die Haare auswusch und sich seinerseits einwickelte. Die beiden Spiegel im Bad waren beschlagen und es roch nach einer schiefen Mischung aus Orange, Wasserdampf und Schweiß. “Kann ich dich eigentlich mal was fragen?” Judy rubbelte sich die Haare trocken und musterte ihn eingehend. “Natürlich, Liebling.” Er schnappte sich ihr Handtuch. Ein einfacher, seitlicher Zopf stand ihr immer großartig-

Geschickt teilten seine Finger ihre Haare im Nacken. “Ist es… okay… Wenn wir uns lieben, ist es okay für dich?” Die Frage war so kurios, dass Thorin mit flechten inne hielt und Judy perplex anblinzelte. “Was?”, fragte er ziemlich doof. “Wir beide sind nicht unerfahren. Du hattest deine Frauen und ich hatte meine Männer, aber jeder ist anders und ich… ich bin nur neugierig, ob ich alles richtig mache oder ob es irgendetwas gibt, was du richtig gerne magst-” “Das hat man mich noch nie gefragt”, stellte Thorin überrascht fest. “Habe ich dir Anlass gegeben zu glauben, ich sei nicht zufrieden?” “Oh, überhaupt nicht-”, ihre Hand zupfte an dem Band seines Bademantels. “Also?” Sie hob eine Augenbraue. “Wenn du all die verzehrende Leidenschaft ausblendest und die Tatsache, dass wir bisher nur anderthalb Mal Sex hatten…” Anderthalb Mal Sex?! “...Ist es okay?” Thorin ließ die Haare los, um stattdessen Judys Gesicht in seine Hände zu nehmen. “Ja, ist es Amrâlimé”, versicherte er ihr. “Mehr als das. Es… Es ist ein Unterschied, ob du mit jemanden das Bett teilst, einfach weil du Lust empfindest. Die ist wichtig, aber der entscheidende Unterschied, Judy, zwischen dir und Breeda oder… anderen Frauen, ist nicht, dass ich nichts für sie empfinde. Sondern dass ich für dich etwas fundamental anderes empfinde. So viel und so… durcheinander gewirbelt… Du brauchst mich nur ansehen und es ist vollkommen irrelevant, was weiteres passiert.”

Judy nickte leicht, als würde sie das verstehen. “Wieso fragst du das?” “Hm.” Judy seufzte. “Ich weiß es tatsächlich selbst nicht. Der Gedanke schwirrte mir nur so im Kopf herum und ich dachte, bevor jemand von uns auf Dauer… unbefriedigt ist… Das kann einer Beziehung zusetzen.” Thorin lachte warm und gab ihr einen Kuss auf die Haare. “Nicht der unsrigen, sei unbesorgt.” Judy grinste, fuhr über seine Brust und sah hinauf. “Dann denke ich doch, sind wir auf einem guten Weg, hm?”, flüsterte sie. “Ja, sind wir”, stimmte Thorin zu. Gab ihr einen Kuss, in den er all seine Liebe für sie legte. Sie waren auf dem besten Weg.

Fili
Er packte den letzten Packen an Wolle auf den Wagen und klopfte sich die Hände ab. Sah nach links und rechts und zählte fix die Wagen durch. Sehr gut, alle 20 Wagen hier und vollständig bepackt. Sie konnten rechtzeitig los. “Ich finde es unfassbar, dass du einfach gehst”, ließ Judy hinter ihm verlauten. “Ich werde eingehen wie eine vertrocknete Primel.” Fili lachte leise und klopfte sich den Staub von den Händen. “Du übertreibst, namad.” “Niemals. Alle haben mich verlassen-” “Nicht alle. Thorin ist noch an deiner Seite und er wird dich so schnell auch nicht verlassen.” Er legte einen Arm um ihre Schulter und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. “Es tut mir Leid, wie… Dinge zwischen uns abgelaufen sind, zwischenzeitlich”, murmelte er. “Der Aufstand war auch für mich nicht einfach und ich wollte nur eines - keinen zweiten provozieren. Und da war es mir sogar egal, wie es dir eigentlich geht und was du nicht gebraucht hättest, um alles zu verarbeiten.” “Und ich war stur”, erwiderte Judy seufzend. Löste sich vorsichtig aus seiner Umarmung. “Ich wollte keine Sekunde über den Aufstand oder Thorin nachdenken, dass ich mich komplett in Arbeit einmauern wollte und als du mir in den Weg gesprungen bist, musste ich stehen bleiben. Ich hatte Angst-”

“Du darfst Angst haben. Es ist ja eigentlich nur ein Zeichen deines Körpers, der nicht sterben möchte, sich in Sicherheit zu bringen.” “Trotzdem. Ich hätte dir und deiner Erfahrung vertrauen sollen, statt dich als borniert, konservativ und feige darzustellen. Ich meine… borniert bist du noch immer ein wenig, aber das Wenige ist vertretbar.” “Wie gütig von dir.” “Seid ihr so weit?” Thorin und Dis kamen in  den Stall marschiert und umarmten Fili gleichzeitig. “Ich danke dir für deine Hilfe, Neffe”, sagte Thorin aufrichtig. “Ohne dich würde der Berg nicht mehr stehen.” “Der Berg womöglich schon, aber nicht die Leute darin oder unser liebstes Königspaar”, entgegnete Fili mit einem Zwinkern. Judy lachte etwas und schlang die Arme um Thorins Bauch. “Das nächste Mal will ich erst wieder für eine Hochzeit oder ein Baby hier sein”, warnte Fili, wie bei seiner ersten Abreise. Und genauso wie bei dieser, schüttelten Thorin und Judy auch jetzt den Kopf. “Wir werden ihn für eine lange Zeit nicht wiedersehen”, murmelte letztere gespielt niedergeschlagen. “Nun, ich gehe stark davon aus, dass du zu meinem Geburtstag kommst”, warf Dis etwas pikiert ein. “Mann wird nur einmal 160 Jahre alt.” “Natürlich werde ich da sein, Mutter”, meinte Fili liebevoll. Gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Dann wandte er sich seinem Pony zu und schwang sich in den Sattel. “Bis dann, ich schicke einen Raben, sobald ich in Moria angekommen bin”, versprach er und winkte. Thorin sah zu seiner Schwester und zog diese auch noch an sich, dass er nun mit beiden Frauen im Arm dastand. Tja, Thorin wusste, wie man’s machte. Fili grinste etwas, dann gab er seinem Pony die Schenkel und setzte sich an die Spitze des Zuges. Es war kühl, aber sonnig und die Ausläufer des Erebor stachen spitz gegen den blauen Himmel ab. So sehr Fili den Berg auch liebte, er hatte sich hier nie so zu Hause gefühlt wie Thorin, der hier geboren war. Fili wiederum war in den Blauen Bergen geboren und nun war es an ihm ein neues Leben in Moria aufzubauen. Er musste sein eigenes Zuhause finden, ein Königreich, dass er irgendwann vererben konnte… Fili ritt den Zug einmal ab, um das ganze Gepäck zu begutachten und seine Wagenführer zu fragen, ob alles in Ordnung war. Sie hatten bei ihrem ersten Ritt nach Moria nur das Nötigste mitgenommen und nahmen jetzt den nächsten Teil mit. “Haben wir noch jemanden vergessen, Eure Majestät?”, fragte einer seiner Soldaten und nickte gen Berg zurück. Tatsächlich, ein Pony näherte sich, darauf eine Person in hellblauen Umhang.

“Reitet weiter, ich schließe auf”, sagte Fili, wendete und kam der Person entgegen. Zu seiner Überraschung war es Tatjanah. Sie strich sich eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht und blinzelte gegen die Sonne. “Ich wollte fragen, ob du eine ausgebildete und vom König geehrte Schneiderin in den Mienen brauchst”, sagte sie und räusperte sich etwas. Sah Fili recht unsicher an, als würde sie selbst nicht verstehen, was sie gerade tat. “Wieso?”, fragte er. “Weil… Weil du Recht hattest. Joyclan wäre die sichere Wahl gewesen, keine Frage. Er kennt mich, er kennt meine Vergangenheit und er ist so anspruchslos, dass ich vermutlich das ruhigste Leben führen werde, was eine Zwergin haben könnte. Und ich dachte das würde ich wollen. Es fühlte sich gut an.” “Aber?”, murmelte Fili. “Nur weil sich etwas gut anfühlt, muss es nicht richtig sein.” “Mit mir zu reiten wäre es?” Sie hob die Schultern. “Vielleicht? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich Joyclan eben seinen Zimmerschlüssel zurückgegeben habe und ich nicht plane zurückzukehren. Also selbst, wenn du mich nicht in Moria haben willst, irgendwo finde ich schon ein Plätzchen-”

Fili lachte leise. “Eine ausgebildete, vom König geehrte Schneiderin fehlt uns tatsächlich noch in Moria-”, Tatjanah lächelte etwas, “-aber vor allem”, betonte Fili, “fehlt mir noch eine gute Freundin. Wenn du dafür Zeit findest, ich weiß tatsächlich nicht, wie zeitintensiv schneidern ist…” “Nun, für deine Familie schrecklich zeitintensiv. Nie musste ich zehn Kleider in einer Nacht ändern-” “Du sagtest gerade, ein ruhiges, langweiliges Leben wäre nicht dein Fall-” “Jaja, ich merke schon, es war ein Fehler herzukommen-” Tatjanah verdrehte die Augen, ehe sie in Filis Lachen einfiel. Zusammen ritten sie zum Zug zurück und Fili musste tief grinsen. Lachte sogar etwas. Vielleicht würde das mit dem neuen Zuhause aufbauen, besser funktionieren, als anfangs gedacht.
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