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The Prince of silver fountains (2)

GeschichteFantasy, Suspense / P18 / Gen
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2018
01.04.2021
96
443.675
63
Alle Kapitel
203 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
15.03.2021 4.124
 
Hallo zusammen aus der Nachtschicht :)

Ich beantworte eure Revis, wenn ich etwas wacher bin :D Ich danke euch aber für die vielen, netten Rückmeldungen!
Genießt das Kapitel, es geht auf's Ende zu, wie ihr merken werdet.

Fühlt euch umarmt,
CasseyCass *-*

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Judy  
Ich hatte mir den Abend schlimm vorgestellt, aber so schlimm, dass er mit einem Toten enden würde, nun doch nicht. Die Feier war, wie bei Zwergen so üblich noch weit in die Morgenstunde gegangen, auch wenn Obian, der Initiator, nicht mehr unter uns geweilt hatte. Offenbar hatte der Mann zwar viele Verbündete aber nicht zwangsläufig Freunde gehabt und nach Thorins Verkündigung, war der Leichnam stumm verschwunden und niemand hatte weiter Fragen gestellt. Ich sah in den Spiegel im Bad und kämmte mir die letzten, nächtlichen Kutzeln aus den Haaren. Thorin litt unter dem Misstrauen seines Volkes, er sprach es nur nicht aus. Aber er hatte sehr intensiv in seine Beziehung zu seinen Leuten investiert, nachdem Smaug den Berg gestohlen hatte, er hatte über Jahrzehnte seine eigenen Bedürfnisse zurückgesteckt und dennoch wurde ihm nun Verrat vorgeworfen, weil er sich für mich entschieden hatte. Vielleicht war das Zwergenvolk auch einfach zu stolz und verwöhnt, als mit einem Mal weniger Aufmerksamkeit von seinem König zu bekommen als noch vor einem Jahr. Natürlich hatte ich überlegt, mit Thorin das Thema anzusprechen und einen Kompromiss zu finden. Womöglich wäre eine… lose Beziehung erstmal besser, als eine offizielle Partnerschaft.

Ich wollte es nicht, es wäre nur eine Idee gewesen und diese war, nach Thorins Ankündigung gestern, sowieso gestorben. Aber ich hätte es getan. Ich hatte den Leuten hier viel Trubel bereitet, das Mindeste wäre es gewesen, ihnen etwas entgegen zu kommen. Ich legte die Bürste zur Seite und lächelte meinem Spiegelbild etwas zu, ehe ich aus dem Bad heraus ging. Thorin döste noch, den Arm im Nacken, dass seine Armmuskeln sich spannten. Ein kleines Lächeln erschien auf meinem Gesicht. Ich blieb einfach kurz stehen, um ihn anzusehen. Er hatte oben ohne geschlafen und so wie er da lag, hatte er etwas von einem Armani-Model. Leise schlich ich mich an seine Seite, hockte mich neben ihn und schob mich langsam über seinen Oberkörper. Gab ihm einen kleinen Kuss und fuhr ihm über die Wange, bis er sich unter mir zu regen begann und seinen freien Arm in meinen Rücken legte. “Guten Morgen”, wisperte ich und lächelte bei dem verpennten Gesichtsausdruck. “Hallo Amrâlimé”, murmelte er zurück. Ich küsste ihn ein weiteres Mal und stützte mich dann neben seinem Kopf ab. “Du bist schon länger wach, hm?”, fragte er und zupfte an meinen feuchten Haaren. “Ja. Bin ja auch früher ins Bett als du.” “Nun, ich konnte nach der Verkündigung nicht einfach verschwinden-” “Natürlich nicht. Ich mache dir auch keine Vorwürfe, ich war so geschlaucht, ich weiß nicht mal, wie ich ins Bett gekommen bin.”

“Ich tippe auf Cain.” “Ja”, lachte ich, “auf den tippe ich auch.” Ein zärtlicher Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. “Ich bin wahnsinnig stolz auf dich”, murmelte Thorin, “du hast dich tapfer geschlagen gestern Abend.” Hm. Na dann. Ich strich ihm über die Wange. “Hast du Hunger?” “Ist es schon Zeit fürs Frühstück, ja?” “Nun, wenn du willst, können wir gerne zu den anderen gehen, aber ich hätte hier oben auch gedeckt.” “Achja?” “Ja. Draußen auf dem Balkon, es ist schön warm. Ich müsste nur die Pfannkuchen holen.” “Du hast Pfannkuchen gemacht?” “Ja..? Isst du keine Pfannkuchen?! Ich habe auch Brot da-” “Nein, Judy, ich… liebe Pfannkuchen.” Ich lächelte erleichtert. “Ich bin nur überrascht, was du heute Morgen nicht schon alles getan hast”, erklärte Thorin, “das ist alles.” “Ich bin motiviert und gut gelaunt.” “Offensichtlich.” Diesmal küsste er mich und schlang dabei fest die Arme um meinen Oberkörper. Warf mich neben sich ins Bett und ich kiekste auf. Lachte, als er über mich schlich wie eine Katze auf der Jagd und mich tief küsste. Ich fingerte nach meinem Kissen und schlug es gegen seinen Kopf. Thorin wiederum entriss es mir und wir balgten wie zwei kleine Kinder um den Stoff. Ich lachte, als ich endlich die Oberhand hatte und das Kissen aus dem Bett pfefferte.

“Spielverderberin”, meinte Thorin kopfschüttelnd. “Nein, du bist nur ein schlechter Verlierer.” Wir grinsten einander an und Thorin senkte den Kopf für einen Kuss. Er lag nicht auf mir, er machte eher eine Liegestütze über mir. Ich erwiderte den sinnlichen Kuss. Meine Hände fuhren seine Wangen herunter über seine Brust und entlang seiner schmalen Hüfte. Ganz leicht bekam ich einen Kuss an den Hals und ich schloss schläfrig die Augen. Das war echt eine Weile her… Ich seufzte in den Kuss und versuchte diesen wahnsinns Mann über mir zu verdrängen. Würde ich nämlich darüber nachdenken wie viel Muskeln und Männlichkeit hier gerade innerhalb meiner Reichweite waren… Boah, es war ECHT EINE WEILE HER! Ich unterdrückte ein Seufzen. “Wollen wir etwas ausprobieren?”, fragte Thorin leise und küsste leicht mein Ohr. Seine Augen wanderten fragend über mein Gesicht. “Was denn zum Beispiel?”, fragte ich. “Hm. Etwas, wo  du dich erst wieder rasieren willst oder so einen Unsinn.” Ich wurde rot und dann ärgerlich. “Das ist kein Unsinn gewesen!” “Also?” “Aber du-” “Ich bin nicht wichtig. Amrâlimé, es geht mir um dich.” Wir küssten uns wieder und eine Gänsehaut breitete sich auf meinem Körper aus.

Ich hatte echt Bock auf die Nummer. Wir würden uns körperlich nie wieder näher kommen, wenn wir immer auf Vorsicht plädierten und davon ausgingen, dass ich uns einen Strich durch die Rechnung machte. Außerdem hatten wir gestern Abend über genau dieses Thema gesprochen und wenn Thorin von sich aus anbot etwas auszuprobieren, würde ich das sicher nicht ausschlagen. “Ja, probieren wir es”, flüsterte ich und grinste. “Ja?” “Ja.” Thorin wich von mir weg und da ich heute morgen nur eine lockere Hose und ein geknotetes T-Shirt trug, war meine Kleidung kein großes Hindernis. Er schob mein Shirt hoch und gab mir einen Kuss auf den Bauch. Seine Pranken schlossen sich um meine Taille, während seine Lippen sich einen kitzelnden Weg zum Bund meiner Hose bahnten. Mit einem kurzen Blick zu mir, schob er Hose samt Slip herunter. Immerhin war ich diesmal tatsächlich rasiert. Warm und stark schoben sich Thorins Hände über meine Beine hinauf, doch als er an der Innenseite meiner Oberschenkel ankam, langte ich ohne nachzudenken nach unten. “Ganz ruhig, ich packe nicht zu”, versprach er. “Siehst du, ich bin ganz vorsichtig.” Tatsächlich. Er streichelte mich nur. Langsam sank ich wieder zurück ins Bett und schauderte, als Thorin mir einen Kuss an meine Beine gab. Und noch einen und noch einen.

Doch dann bewegten sich seine Lippen über mein Becken wieder hinauf, strichen über meinen Bauch und zu meinem Gesicht. Ich erwiderte den zärtlichen Kuss und drückte mein Gesicht in seine Hand an meinem Gesicht. “Ich will nur sicher sein, dass du in Ordnung bist”, murmelte er. Meine Hände wanderten in seinen Nacken und strichen fest über seine Haut. “Bin ich”, wisperte ich zurück. Thorin schluckte hart, als würde er sich selbst überwinden müssen, mich zu berühren- “Hey.” Ich zwang ihn, mich anzusehen. “Nein, nein, du sollst das nicht tun, weil du meinst, mir etwas zu schulden. Hör- Hörst du?! Sieh mich an.” Das war kurios und hatte ich bisher nie erlebt. Dass der Mann sich zu etwas zwang, was er eigentlich nicht tun wollte. “Du wirst mir nicht wehtun. Und ich glaube nicht, dass ich… irgendwo zwischendrin eine Panikattacke oder so bekommen werde. Ich will, dass wir uns wieder berühren und lieben können, ohne dass die Schatten einer Erinnerung uns daran hindern. Aber Thorin, du kennst dich am besten, unabhängig davon, wie sehr ich dir vertraue. Und wenn du glaubst… dass wir noch warten sollten, dann tun wir das.” Die letzten Worte waren nur gewispert gewesen, weil ich seinen Kopf an mich herangezogen hatte.

Er antwortete nicht direkt. Er… war sehr Thorin-like und küsste und liebkoste mich mit seinen Lippen. Jeder Kuss war testend und süß und lockend zugleich. Es war fast wie mit 16, als man mit seinem Schwarm auf der Couch rumgemacht hatte, während im TV Gossip Girl oder so lief. Warm drückte sich sein harter Oberkörper gegen mich und ganz leicht wanderte seine Hand von meiner Wange über meine Seite herunter. Schob sich unter mein Shirt und über meine Brust, zu meinem Rücken und an meiner Taille hinab. Groi hatte mich da unten nie berührt. Das gehörte noch immer mir und dennoch schloss ich kurz die Augen und atmete vor Nervosität bereits deutlich hektischer. Ganz langsam strichen Thorins Finger über meine Mitte. Offenbar hatte er beschlossen, dass etwas zu probieren schon gut und richtig wäre - er mir dabei aber in die Augen schauen wollte, um sofort mitbekommen, wenn etwas nicht stimmte. Und das war insofern vernünftig, weil ich sehr angespannt war, einfach weil er sehr angespannt war. Komisch aber wahr. Hatten wir das schonmal gemacht? Nur kurz oder?! Ich musste ihn etwas anleiten. Ich griff nach seiner Hand und platzierte sie richtig an meiner Mitte. Er machte das sicher nicht zum ersten Mal, aber jede Frau mochte es anders.

“Bleib lieber oben”, murmelte ich. Thorin sah mich an, das Gesicht so nah vor meinem, dass unsere Wimpern sich fast verhederten, wenn wir blinzelten. Ich schluckte mehrfach, als er leicht die Finger bewegte, erst sanft, aber langsam mit etwas mehr Nachdruck. “Hier, Amrâlimé”, wisperte Thorin, “Augen zu mir.” Ich hatte mich so auf die Berührung konzentriert, dass ich starr auf seine Brust gestarrt hatte… Nun ruckten meine Augen wieder hoch. Mit jeder Berührung seinerseits entspannte ich mich, schloss irgendwann die Augen und krallte die Finger in seinen Oberarm. Thorin atmete angespannt an meine Stirn, küsste mich heiß und beförderte mich, wie auch das letzte Mal in den siebten Himmel. Nein. Höher. Viel, viel höher...

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Ich fuhr Thorin über seine noch immer nackte Brust. Mein Herzschlag hatte sich mittlerweile wieder beruhigt und ich fühlte mich angenehm ausgelaugt. “Was ist mit dir?”, fragte ich ihn leise und meine Hand fuhr zu seinen Shorts. “Mach dir keine Gedanken um mich”, brummte der König nur. Nahm meine Hand hoch und hielt sie an seiner Brust. Aber ich hatte vor ein paar Augenblicken, als ich wieder einigermaßen klar denken konnte, natürlich seine Erregung gespürt und es tat mir Leid, dass es mir gerade so wolkig-gut ging und er vermutlich langsam von 100 herunterzählte, um sich wieder zu fangen. Ich beschloss ihn abzulenken. “Woher kommt die?”, fragte ich und tippte auf eine kleine Narbe an seinem Rippenbogen. “Aus Moria.” “Und diese?” “Ebenfalls Moria.” “Diese?” Meine Finger strichen an seinem Schlüsselbein entlang. Thorin räusperte sich. “Eine Kneipenschlägerei.” “Was?!” Ich lachte auf. “Der König Erebors prügelt sich in Kneipen?” “Ja. Für meine Neffen.” Ah. Natürlich. Die Familienehre hatte gewahrt werden müssen. “Kili oder Fili?”

“Fili. Er war das erste Mal richtig betrunken und hatte sich ein paar üble Gestalten zum Kartenspiel geholt. Ich und Dwalin mussten sie daran erinnern, dass selbst ein betrunkener Zwerg, der beim Kartenspiel schummelt nur begrenzt verprügelt werden sollte, wenn er königliches Blut inne hatte.” “Verstehe. Du hast gewonnen, nehme ich an.” “Natürlich.” Ich lachte noch breiter. “Ich habe mich auch mal geprügelt.” Thorin rückte ab und sah mich erstaunt an. “Echt?” “Ja.” “Nun… ich stelle gerade fest, dass es mich nicht überrascht, je länger ich darüber nachdenke.” Das konnte passieren. “Was war dein Grund? Dein Bruder?” “Ja. Ich war 15 und er wurde stark gehänselt, weil… naja, wir trugen ausgeleierte Klamotten, er hatte fettige Haare und hatte Schwierigkeiten beim Sprechen. Das war Grundmaterial für Hänseleien. Als ich dem Anführer der Truppe sagte, dass er die Klappe halten sollte, war das natürlich super für ihn - eine Frau die den kleinen Bruder verteidigt, gegen einen Jungen, der zwar jünger aber bestimmt doppelt so schwer war wie sie.” Ich schüttelte den Kopf bei der Erinnerung. “Hast du gewonnen?”, fragte Thorin.

“Oh und wie. Ein toller Kinnhaken, so viel kann ich dir sagen. Mir tat zwar die Hand noch für Wochen weh, aber das war es wert.” Er lachte etwas. “Ja, ich kann es mir vorstellen.” Ich bekam einen zärtlichen Kuss geschenkt. “Hast du Hunger oder Durst?”, fragte ich. “Beides, ja. Ein Tee wäre schön. Du?” “Auch, ja, aber eher eine Limo.” “Du weißt, dass eine Limo auch nur Tee in kalt ist, richtig?” “Ja, aber es schmeckt immerhin nach etwas mehr als Blättern in kochendem Wasser.” Thorin schüttelte den Kopf. “Du übertreibst.” “Trink einmal eine Tasse Kaffee und du wirst wissen, wie sich Glückseligkeit anfühlt.” “Judy, diese Worte sind nicht weniger übertrieben.” Ich grinste. Da konnte ich ihm nicht widersprechen. “Aber”, schob ich hinterher und schwang mich rittlings auf ihn, “die nächste Runde geht auf mich.” Seine Hände fuhren über meine Oberschenkel hinauf. “Judy-” “Na! Ich will ein Ja, Amrâlimé hören.” Ich fuhr über seine Brust, bis ich meine Hände neben ihm abstützen konnte. “Also: Die nächste Runde geht auf mich”, wiederholte ich fest. Ein Schmunzeln strich über Thorins Gesicht. “Ja, Amrâlimé”, murmelte Thorin und hob eine Augenbraue. “Zufrieden?” “Ja.” Ich gab ihm einen Kuss, dann rutschte ich von ihm herunter und kletterte aus dem Bett.

Wir wuschen uns und zogen uns an, ehe ich die Pfannkuchen einsammelte und wir auf den Balkon umzogen fürs Frühstück. “Ich denke auch, dass ich die… Kur, in der ich tote Tiere essen muss, machen sollte”, sagte ich, während ich die Teller verteilte. “Die Kur, in der du tote Tiere essen muss”, wiederholte Thorin grinsend. “Verstehe.” “Ich meine… Mein Kreislauf wird irgendwann wieder hochfahren, aber du hast Recht, es geht nicht nur um meine Energie. Es geht insgesamt um mein Gewicht und da würde mir Fleisch helfen.” Ich fand es noch immer ekelhaft. Ich war seit über einer Dekade Vegetarierin, das legte man nicht einfach ab. Ebenso war ich krank. Meinem Körper fehlten Mineralien und in dieser Welt würden Fleischgerichte mir helfen. “Es fällt mir nicht leicht”, meinte ich noch, “und wenn ich alles erbreche, ist es deine Schuld-” “Natürlich ist es das.” “-aber ich probiere es zumindest.” Thorin gab mir einen Kuss auf die Wange. “Das ist alles, was ich will, Liebling.” Ich hielt ihn zurück und gab ihm einen weiteren Kuss, schlang die Arme um seinen Nacken und musste grinsen. Das war so ein klischeehafter Disney-Prinzessinnen-Kuss, den ich eigentlich verabscheuen sollte. Stattdessen genoss ich ihn, wie möglicherweise keinen anderen Kuss zuvor.

Cain
Er wuchtete den zweiten Koffer auf den ersten und zog nochmal an den Lederbändern, die die Truhen umschlossen. Der Weg in die Eisenberge waren immer sehr holprig und er wollte nicht, dass eine der Truhen aufsprang. In der einen ruhten seine Rüstung und ein paar Waffen - sie war nur halb voll aber schwer genug für drei Männer zu tragen. In der zweiten Truhe hatte er all die Kleidung gepackt, sowie Kleinigkeiten, die er sich in seiner Zeit im Erebor angesammelt hatte. Das königliche Schreiben zum Beispiel, das ihn für seinen Einsatz beim Aufstand lobte, zusammen mit dem Orden, den er dazu bekommen hatte. Oder die kleine Zeichnung, die ihm die Zwergin angefertigt hatte. Es war nur eine Blume, aber es hatte gepasst. Sie liebte Blumen. Er hatte wegen ihr nach Blumen gerochen, so stark, dass es selbst Judy aufgefallen war- Cain grinse bei der Erinnerung. Viel Krimskrams besaß er nicht, vor allem hier nicht. Aber das Bisschen wollte er sicher nach Hause bringen. Nun blieb nur noch die kleinste Tasche, wo er die letzten Habseligkeiten hineingedrückt hatte. Wortwörtlich hineingedrückt. Wie viel Zeug konnten für zwei Tage noch übrig geblieben sein?

“Du hast definitiv falsch gepackt.” Cain warf Judy einen dunklen Blick zu, den sie grinsend erwiderte.  “Ich musste nie selbst packen, weißt du? Zuhause tun das mein Kammerdiener-” “Oh natürlich! Ich bin Cain, Sohn des Lords der Eisenberge, ich packe meine Taschen nicht selbst. Das ist unter meiner Würde.” Judy verdrehte übertrieben die Augen und Cain grinste. “Wie macht man es denn richtig?”, fragte er spitz. “Nun, du teilst dir deine Taschen auf. Schwere und weiche oder leichte Sache immer gemischt, niemals das eine in eine Tasche und das andere in eine andere. Und du sparst Platz, indem du die Sachen rollst, nicht einfach nur faltest. Da kannst du dann auch zerbrechliche Sachen einrollen. Außerdem knittern die Sachen dann nicht so schnell.” Nun, für heute waren die Taschen gepackt aber das nächste Mal würde er die Tipps beherzigen. Rein aus Neugier natürlich, nicht weil er sich eingestand, blöd gepackt zu haben- “Da hat jemand schon oft seine Taschen selbst packen müssen”, stellte Cain stattdessen fest. “und das immer allein”, fügte Judy hinzu. “Ich denke Vicky ist dir demnächst gerne behilflich-” Judy seufzte. “Ist sie nochmal aufgetaucht?”, fragte Cain. “Nicht, während ich da war.” “Meinst du nicht, du schuldest ihr eine Entschuldigung?”

Judy schwieg. Sie setzte sich auf einen der Küchenstühle und nahm einen seiner Handschuhe in die Hand, stützte die Ellbogen auf die Knie. “Ich weiß.” “Sie meinte es nicht böse.” “Nein. Es war trotzdem unangebracht.” “Du warst wütend auf Thorin und nur halb auf Vicky. Du musst sie ja nicht wieder einstellen, aber du solltest dich entschuldigen.” Judy nickte. “Werde ich.” Ihre Augen flogen über sein Gesicht. “Was tue ich nur ohne dich, Cain?”, flüsterte sie. “Nun, was auch immer du tust, mit mir”, schlug er vor. “Du regierst, du lebst, du führst deine Beziehung- Sowas.” “Aber mein Lebensberater ist dutzende Meilen von mir entfernt-” “Lebensberater?”, schmunzelte Cain. “Ich denke du hast genug andere Berater zur Seite.” “Aber keine davon sind wirklich meine Freunde.” Cain lächelte. “Ich nehme das als Kompliment.” Judy hob nur eine Augenbraue. Dann wedelte sie mit dem Handschuh umher. “Was ist das eigentlich? Das sind nicht deine Reiterhandschuhe.” “Nein, das sind Axthandschuhe.” “Dwalin hat auch so welche-” “Genau. Sie stabilisieren den Handrücken, wenn du die Axt schwingst. Und hier die Ösen- Da kannst du noch Bänder oder eine Unterarmschiene befestigen für mehr Halt.” “Oh! Also ein Hand-BH.”

Judy zog sich den Handschuh über, der natürlich viel zu groß war. “Ein Hand-BH?”, wiederholte Cain amüsiert. Sie grinsten einander an und sie legte den Handschuh wieder zurück. “Pack fertig”, murmelte Judy, “du musst los. Ich bin nur hier, weil es deine letzten Minuten im Berg sind.” “Sei nicht so melodramatisch, ich bin nicht aus der Welt. Du und Thorin verdient etwas langweilige Regenten-Zeit ohne mich als dein Schatten. Plus: Du kannst mir jederzeit einen Raben schicken.” “Ja, nur blöd, wenn sie auf dem Weg gefressen werden.” Cain lachte. Aber sie hatte Recht, er musste fertig werden… “Verwertest du die restlichen Lebensmittel?”, fragte er, als er die Schränke durchging. “Klar. Was ist denn noch da, irgendetwas Verderbliches?” “Nein. Nur noch Mehl und Zucker, ich glaube irgendwo liegen noch Kartoffeln herum. Aber das meiste habe ich aufgebraucht oder gestern an Dis gegeben.” “Ich finde schon was.” Cain streckte den Kopf aus der Zimmertür und winkte einen Soldaten heran. “Gebt Wort, dass meine Kisten abgeholt werden können.” “Sir-” Der Soldat neigte den Kopf und verschwand. Cains Augen glitten über die verbliebenen vier. “Deine Soldaten vermehren sich exponentiell”, stellte Cain fest, als er die Tür wieder schloss.

“Nun, Lord Obian wurde geköpft, wer weiß,  was seine… Freunde darüber denken. Thorin hält es für nötig.” Natürlich tat er das. Wenn es nach Thorin ginge, würde er Judy nirgendwo mehr allein hingehen lassen. Er konnte seine Vorsicht verstehen. Aber Judy war keine Frau, die sich einsperren ließ. Sie würde rebellieren, wenn Thorin es übertrieb. Hoffte Cain zumindest. “Kommst du mit zu den Stallungen?”, fragte er Judy und griff nach seinem Schwertgürtel. “Natürlich. Ich muss sicher gehen dass du auch wirklich den Berg verlässt und nicht heimlich hier bleibst und vor meinen Gemächern herumlungerst-” “Du mich auch, Jiji.” Sie hängte sich grinsend an seinen dargebotenen Arm und sie schlugen den Weg zu den Ställen ein. Mit den Satteltaschen über der Schulter hatte Cain das Gefühl etwas schief zu laufen, zu sehr zu Judy geneigt, um das Gewicht auszugleichen. “Ich werde demnächst wieder trainiert werden”, sagte sie da. “Im Schwertkampf?” “Ja. Es war alles etwas in Vergessenheit geraten, aber ich möchte am Ende gern geprüft werden-” Cain sah sie überrascht an. “Eine Schwertprüfung? Wieso das denn? Du bist von Soldaten wortwörtlich eingekreist, wie bei einer Belagerung.” Lachen ihrerseits. “So schlimm ist es auch nicht. Davon abgesehen, war ich recht gut im Kampf und wenn ich geprüft wurde, könnte ich mich theoretisch auch selbst verteidigen.”

“Auf so eine Idee kommst auch nur du. Wer wird dich trainieren?” “Thorin. Vorerst. Bis er jemanden genug vertraut, der ihm das abnehmen kann.” Das würde nie geschehen. “Das klingt fast, als würdest du ihn als zu alt erachten”, grinste Cain. “Nein. Nein, ich weiß, dass Thorin zu den besten Schwertkämpfern dieses Berges zählt, trotz seines Alters. Er hält sich gesund und fit und prügelt sich regelmäßig mit Dwalin- Thorin ist vieles, aber nicht zu alt für einen Kampf.” “Wenn er dich trainiert, darf er sich nicht in der Prüfung mit dir messen”, hob Cain an. “Auch das wissen wir. Er spekuliert auf Kili, aber die beiden sind verwandt, das würde nicht gut geheißen werden. Ich wiederum setze auf Dwalin.” “Dwalin?! Willst du zu Apfelmus verarbeitet werden?” “Nein, so schlimm ist es nicht…” Bei Dwalin? Doch. Er würde sie nicht verletzten, aber Judy musste schon verflucht gut sein, dass sie ihn schlug. Und das wäre die Voraussetzung für einen guten Abschluss. Man konnte auch bestehen, wenn man verlor solange man die Technik beherrschte und sich nicht wie ein Vollidiot anstellte. Aber tief im Innern wusste jeder, der professionell trainierte und eine Schwertprüfung ablegte, dass ein Sieg gewünscht war.

“Du denkst, ich verliere.” “Nein! Nein, ich..” Cain brach ab. “Sagen wir, es könnte schwieriger werden, als du es dir vorstellst.” “Achja?” “Ja. Viele junge Zwerge haben Dwalin als Gegner ausgewählt, um ihn zu besiegen. Um allen zu zeigen, dass seine besten Jahre vorbei waren und auch der große Dwalin besiegt werden kann. Sie alle sind gescheitert. Kein Mann hat Dwalin bisher schlagen können.” “Was waren das für Zwerge?” “Oh, du weißt schon- Junge Zwerge mit großen Namen, aufgewachsen mit der Klinge.” “Hm.” Cain warf ihr einen kurzen Blick zu. “Ich will dir die Sache nicht ausreden, Judy, ich will aber auch nicht, dass du etwas zu blauäugig in die Geschichte taumelst und am Ende enttäuscht wirst.” “Du redest mir die Sache nicht aus, Cain, keine Sorge. Im Gegenteil, deine Worte bestärken mich nur.” “Ach? Wie das?” Judy grinste. “Ich bin kein Zwerg, zumindest nicht zu 100 Prozent. Ein wenig Menschenblut habe ich aber noch übrig. Davon abgesehen-”, nun hob sie noch provozierend eine Augenbraue, “-bin ich kein Mann. Ich denke es wäre an der Zeit, dass Dwalin sich mal mit einer Zwergin misst, oder nicht?” Widerwillig musste Cain lachen. “Du hast auf jeden Fall mehr Mumm als so mancher Zwerg, den ich kenne-” Sie blieben stehen und besahen sich den Zug an Wagen und Reitern, der sich vor dem Stall aufgebaut hatte.

“Und ich dachte schon, du würdest deine eigene Abreise verpassen.” Kili, mit Tess an der Hand und Niko an der Leine, gesellten sich neben sie und Cain schlug in die dargebotene Hand ein. “Und mir das Wehklagen der Frauen entgehen lassen? Niemals.” “Das ist ein gutes Argument-” “Ihr seid schrecklich”, sagten Judy und Tess gleichzeitig. Ein Stallbursche führte Cains Pony heran und er surrte die Satteltaschen fest. “Cain.” Thorin erschien und hielt ihm die Hand hin. “Dis lässt sich entschuldigen, aber ich soll dir eine gute Heimreise wünschen und Liebe Grüße an deine Mutter ausrichten.” “Natürlich, Eure Majestät.” “Ohne dich wäre dieser Berg verloren gewesen. Und meine Frau dazu. Wir sind dir auf ewig dankbar und wann immer du oder die Eisenberge etwas benötigt, lasst es mich wissen-” “Oder mich”, warf Judy ein. Thorin lächelte ihr zu. “Werde ich”, nickte Cain. Blickte erneut zu den Reihen an Wagen und Reitern. “Momentan scheine ich tatsächlich mehr als genug zu haben…” “Das ist der Krux mit reisen”, sagte Tess. “Du kommst immer mit mehr zurück als du mitgenommen hast.” “Ganz offensichtlich…” Judy löste sich von Tess’ Seite und umarmte ihn fest. “Du schreibst, wenn du angekommen bist, ja?”, bat sie leise. “Natürlich.” Ihre Umarmung wurde fester. “Danke dir für alles, Cain. Ohne dich wäre ich nicht hier.”

“Du bist eine der stärksten Frauen, die ich kenne”, gab er zurück. “Du wärst hier.” Sie stieß eine Laut aus Lachen und Weinen aus, doch als sie wieder vor ihm zurückwich, sah Cain keine Tränen. Vermutlich weigerte sie sich zu weinen, weil so viele Soldaten und Stallburschen anwesend waren- “Das Gleiche gilt natürlich auch für euch”, sagte Cain ernst. “Wenn ihr etwas von uns benötigt, sagt es. Die Eisenberge sind dem Erebor treu ergeben.” “Das wissen wir. Danke, Cain.” Thorin nickte ihm zu. Als Cain sich in den Sattel schwang und auf die Truppe herunterblickte, wusste er innerlich, dass dieser Abschied richtig war. Er war den Bergen lang genug fern geblieben, seiner Mutter und seinen Verpflichtungen. Cain lächelte. Er wollte nach Hause.
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