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The Prince of silver fountains (2)

GeschichteFantasy, Suspense / P18 / Gen
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2018
01.04.2021
96
443.675
63
Alle Kapitel
203 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.03.2021 5.329
 
Ciao ihr lieben - spät wie es ist :D

Ich sitze hier in der Spätschicht, es passiert REIN gar nichts und daher dachte ich, beglücke ich euch immerhin mit einem neuen Kapitel, da das am Wochenende nicht funktioniert hat. Aber die Sonne und das tolle Wetter haben mich eher nach draußen als an den PC gelockt (plus ich musste arbeiten...).

Jetzt geht es also weiter mit der Fete, die Lord Obian angezettelt hat - ob er sich da nicht etwas verzettelte...?
(Nein, das war kein guter Wortwitz, ignoriert ihn :D)

Ich wünsche euch einen schönen Abend,
CasseyCass *-*

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Judy
Das Wochenende verging im Schlaf. Wortwörtlich. Ich schlief und schlief und schlief, mal im Bett, mal auf dem Balkon und mal auf der Couch. Zugegeben, letzteres passierte nur, weil Visi zu Besuch kam, er mir etwas vorlas und mich mit seiner kindlichen Stimme in den Schlaf sang. Bis Cain kam und mich ins Bett schob. Ich versuchte kleinere Ausflüge zum Frühstück zu unternehmen und einen Abend verbrachten wir mit Kartenspielen, aber ich brauchte einfach noch lange Pausen dazwischen. Immerhin nahm Thorin sich ebenso eine Pause übers Wochenende. Er saß mit mir auf dem Balkon und arbeitete von da aus ein paar Anfragen durch, doch ansonsten schlief er ebenso aus und setzte sich zu mir aufs Sofa, wenn ich etwas las. Beinahe schien es mir, als wolle er das Jahr, indem wir nichts auf die Reihe bekommen hatten, mit möglichst viel Nähe wieder wett machen. Zugegeben - mit sehr keuscher Nähe. Natürlich konnte ich nicht einschätzen, wie ich reagieren würde, wenn wir versuchen würden miteinander zu schlafen. Aber ich spürte auch, wie mir das morgendliche Kuscheln und die kleinen, keuschen Küsse langsam auf den Zeiger gingen.

Ich genoss seine Zuneigung, keine Frage, aber ich wollte mehr davon. Ich wollte ihn berühren und wollte, dass er mich berührte, doch sobald ich micht etwas fordernder unter seine Tunika schob, schob Thorin mich wiederum fort und schüttelte den Kopf. Es war wirklich schwierig. Entweder war ich naiv mehr zu wollen oder aber ich traute mir mehr zu als Thorin. Keine Ahnung, was besser war. Diesen Morgen war er gar nicht neben mir gewesen. Heute Abend würde Obians komisches Fest stattfinden und Thorin war früh ins Arbeitszimmer gegangen. Auf meinem Nachttisch stand nur eine Karte, wo ich ihn finden würde. Allerdings ging es mir den Tag über nur halb so gut, wie ich es den anderen zeigte. Das Fest setzte mich unter Druck und ich fürchtete mich etwas vor den Reaktionen der Zwerge. Keine Ahnung, ob ich fit genug war, ihnen Paroli zu geben. Cain merkte mir meine Nervosität natürlich an, sagte jedoch schwindend gering. Vermutlich wusste er, dass ich keinen Rückzieher machen würde und was würde es uns helfen, über die Situation zu lamentieren? Also zog ich mich gegen Nachmittag um, in ein dunkelblaues, leichtes Kleid ohne Träger. Meine Haare würden bis zum Fest eh nicht trocknen, weshalb ich sie mit etwas Haaröl zurückkämmte.

Ich zog gerade meinen Lippenstift nach, als Thorin zurückkam und an die Schlafzimmertür klopfte. “Hey”, lächelte ich dünn. “Hallo. Wie geht es dir?” “Ich bin okay.” “Ehrlich? Ich war den ganzen Tag über mit allerlei… Kram beschäftigt und es tat mir Leid, dass wir uns auf diese Eskapade nicht vorbereiten konnten.” “Mach dir keine Sorgen, ich packe das.” Thorin trat ein und schloss die Tür hinter sich. “Ich, Amrâlimé, mache mir immer Sorgen um dich.” Ich drehte mich auf dem Schminkhocker zu ihm und er ging vor mir in die Hocke. Sofort, wie von einem Magneten angezogen, streckte ich die Hand aus und fuhr über seine Wange. Er fing sie ab und hauchte mir auf jeden meiner Finger einen Kuss. “Ich frage dich jetzt noch einmal”, brummte er, “bist du dir sicher, bereit dafür?” Besorgnis lagerte in seiner Stimme. Nein, ich war nicht bereit. Allein der Gedanke an eine Feierlichkeit, umgeben von dutzenden fremden Zwergen, die mich berühren würden- Ich schauderte innerlich. Aber das würde ich ihm erst nach dem Fest sagen.

“Natürlich, sonst hätte ich nicht zugesagt, richtig?”, erwiderte ich und griff nach meinen Ohrringen. “Du hattest nicht wirklich eine Wahl…” “Ich bin okay, Thorin”, wiederholte ich. “Wenn es mir zu viel wird, ziehe ich mich zurück.” Noch immer skeptisch musterte er mich. “Wie du willst.” “Ja, will ich. Was muss ich tun, damit du mir glaubst?” “Gesünder aussehen als jetzt”, schlug er vor. “Du siehst fantastisch aus, aber du bist wahnsinnig blass und du hast Ringe unter den Augen. Ganz abgesehen davon, dass du wahnsinnig schmal geworden bist-” Seine Finger fuhren über mein Schlüsselbein, das sich in gerader Linie über dem Kleid abhob. “Ich fürchte manchmal, dir etwas zu brechen, wenn ich dich berühre”, meinte Thorin und lächelte schief, beinahe etwas unsicher. “Ist das der Grund, wieso du mich gar nicht berührst?”, fragte ich leise und sah kurz auf meine Finger herunter. Thorin räusperte sich kurz. “Ich bin keine Zwergin, Thorin. Ich werde nie aussehen wie eine von ihnen, mein Körper ist anders gebaut und wenn ich einfach essen würde, würde ich nicht so wunderhübsch kurvig sein wie Dis oder Breeda. Ich wäre ziemlich unförmig-” “Das ist Schwachsinn”, unterbrach er mich knurrend. “Und du weißt, dass mir dein Gewicht diesbezüglich komplett egal ist. Aber Judy… du bist zu dünn!”

Als wolle er es mir beweisen, griff er nach meinem Handgelenk und schlang ohne Probleme die Finger darum. Als würde ich jetzt begreifen, suchte er meinen Blick. “Verstehst du? Ich kann dir wehtun, ohne es zu wollen-” “Du hast mir das letzte Mal auch nicht wehgetan!” “Aber es war auch nicht einfach, richtig?” “Kili und Tess haben die Probleme auch nicht.” Er atmete angestrengt ein, wissend, dass das ein guter Punkt war. Ja, Zwerge und… ich und Tess… waren körperlich ein Unterschied und ich wettete, dass das Tess und Kili auch gemerkt hatten. Wir hatten einfach nicht alles von den Zwergen zu 100% übernommen, wir waren nur… angepasst worden. Thorin war etwas größer und schwerer als Kili, aber ich war auch größer und schwerer als Tess, kurzum: Ich sah seinen Punkt, aber ich glaubte, dass wir diesen Vorwand überwinden sollten. “Ich war krank, das ist alles. Ich lag eine Woche im Bett und konnte nur mühsam essen. Und ja - die Wochen zuvor haben mir zugesetzt, aber ich werde nicht gesund, Thorin, wenn du mir deine Zuneigung entziehst.” “Und was wäre…” Er zögerte. “...Wenn du Fleisch essen würdest?”

Ich runzelte etwas die Stirn. Entzog ihm meine Hand. “Wieso sollte ich das tun?”, fragte ich misstrauisch. “Fleisch enthält eine Menge Mineralien und Proteine, die einem beim Muskelaufbau helfen und-” “Proteine sind auch in anderen tierischen Produkten enthalten-” “Und du isst lieber 20 Eier als ein kleines Stück Fleisch?!” Ich schwieg. “Sieh, es ist nur ein Vorschlag. Aber vielleicht solltest du darüber nachdenken, bis du wieder etwas mehr Gewicht hast. Ein guter Rindereintopf oder Gulasch kann Wunder bewirken. Und dann hörst du nach sechs Wochen wieder auf.” Ich hasste, wenn er Recht hatte. “Ich habe Recht”, stellte er fest und grinste etwas. “Möglich”, knurrte ich. “Einen Kompromiss”, schlug Thorin vor. “Wir schauen, wie du den Abend heute verträgst und dann reden wir morgen früh noch einmal darüber. Wenn wir beide der Ansicht sind, dass du das gut gepackt hast, dann darfst du essen wie du willst. Wenn einer von uns jedoch feststellt, dass du… nach einer Stunde oder so, keine Kraft mehr hattest, überlegen wir uns einen Ernährungsplan. Zusammen. Hm?” Er nahm mein Kinn zwischen die Finger und zwang mich ihn anzusehen. “HM?”, wiederholte er fordernd.

“Gut, von mir aus.” Ein Lächeln erschien auf Thorins Gesicht und er beugte sich für einen Kuss vor. Zart strichen unsere Lippen übereinander und ich genoss seine weichen Haare unter meinen Fingerspitzen. “Du siehst übrigens wirklich fantastisch aus”, murmelte er. “Danke.” Er stand wieder auf. “Ich warte draußen.” Er gab mir noch einen Kuss auf die geölten Haare, dann zog Thorin sich wieder zurück. Viel fehlte nicht mehr, nur noch die Armreife und Schuhe, doch je länger ich hier saß, desto weniger wollte ich dort raus. Das Gespräch hatte es mir nicht leichter gemacht. Natürlich wollte ich Thorin heute Abend unterstützen und ich wollte ihm beweisen, dass ich als seine Partnerin etwas taugte. Aber ich war gestern Abend um Acht ins Bett gefallen und heute Morgen um 11 wieder auf und irgendwie ahnte ich bereits, zur gegebener Stunde nicht mehr ganz so fit zu sein. Nein, ganz im gegenteil. Ich wusste, dass ich dafür noch nicht bereit war, ich konnte es tief in meinen Knochen spüren. Shit. Shit, Shit, Shit. Ich biss mir auf die Unterlippe und atmete zitternd ein, um die Panikattacke zurückzudrängen. Griff nach den Armbändchen und riss die Schatulle mit um. “Oh man-” Das hatte mir noch gefehlt-

Da fiel mein Blick auf die Phiole von Tess. Das Schmerzmittel gegen meine Unterleibsschmerzen. Die hatte ich da einfach hingestellt, weil sie aussah wie ein Parfüm-Flakon. Was hatte Tess gesagt? Zwei bis drei Tropfen bei akuten Schmerzen, es würde wirken wie Ibuprofen versetzt mit etwas Opium. Oder so. Gut, mit letzterem hatte ich keine Erfahrung, aber Ibu… Und es war doch nur für heute Abend, richtig? In einer Halle voll Adliger eine Panikattacke zu bekommen wäre eine akute Notsituation. Ich beugte ihr vor. So wie ich einer Migräne vorbeugte oder Erbrechen. Doch ich konnte mich nicht durchringen nach der Phiole zu greifen. Es wäre wie ein Verrat. Ich hatte allen versprochen, es zu versuchen, würde ich mich jetzt unter Drogen setzen, wäre das nicht fair. Ich sah zu meinem Spiegelbild. Tja, das Leben war nun nicht mal fair, richtig? Das hatten wir zu genüge gelernt. Ich räumte die Armbändchen fort, zog meine Schuhe an und ging endlich hinaus zu Thorin, der auf dem Sofa gesessen und gedöst hatte. Als er mich hörte, setzte er sich auf und lächelte. “Bereit, Eure Majestät?”, fragte ich und lächelte. “Mit Euch an der Seite immer, Mylady.” Er nahm meine Hand und gab mir einen Handkuss. Was ein Charmeur. Hm. Vielleicht brauchte ich keinen Sirup. Nicht, wenn ich Thorin hatte.

Tess
Ich beobachtete Judy kritisch, die in einer Menge von Männern mit ihren Frauen stand und mit ihnen umging, als wären sie seit Jahren Best Friends und hätten sich bereits gegenseitig ins Poesiealbum geschrieben. So geschockt wie sie vor ein paar Tagen ausgesehen hatte, als Lord Obian das Fest erwähnt hatte, so souverän händelte sie nun die Situation. Ich hatte erwartet, dass sie sich stumm an Thorin halten würde, doch nach gut einer Stunde hatte sie sich langsam von dem König gelöst und war erst zu bekannten Gesichtern des Rates gezogen und anschließend von Grüppchen zu Grüppchen. Thorin beobachtete sie mit Adleraugen, hatte aber offenbar entschieden, dass Judy gut allein zurecht kam. Nun lachte sie laut auf und berührte den Mann neben ihr am Unterarm. Was in Durins Namen- “Liebling, du hast deutlich weniger Spaß, als du haben solltest-” Kili legte mir einen Arm in die Taille und gab mir einen Kuss auf die Wange. “Ja, entschuldige, ich… Siehst du Judy dort?” “Ja, natürlich. Sie amüsiert sich.” “Amüsieren? Ich finde ihr Verhalten äußerst komisch. Ich mache mir Sorgen…”

“Sie macht das Beste aus der Situation”, meinte Kili, “wie immer. Und sie ist doch die ganze Zeit in Thorins Nähe, richtig?” “Ja-” Trotzdem. Judy hatte die vergangenen Tage am Abgrund getanzt und selbst mit Thorin wieder wach, hatte es sich nur bedingt gebessert. “Komm, tanz mit mir.” Kili riss mich aus meinen Gedanken, als er meine Hand nahm und mich auf die Tanzfläche führte. “Es ist seltsam, wenn Judy mehr Spaß bei einem Tanzabend hast als du”, stellte er fest und entlockte mir ein Augenrollen. “Ich mache mir nur Sorgen um sie.” “Ich weiß. Aber sieh - Thorin hat ein Auge auf sie, Cain erst Recht, ich und du, und… dort hinten ist Fili. Ihr geschieht nichts. Selbst wenn sie stockbesoffen wäre. Was natürlich nicht geschieht. Eine Person, die ihr Leben lang nüchtern war, gibt sich nicht plötzlich die Kante.” Nein. Aber womöglich eine Person, die traumatische Erfahrungen gemacht hatte. Und ich wollte echt nicht fies sein, aber ihre Familie hatte diesbezüglich eine Vorgeschichte… Kili wirbelte mich über die Tanzfläche, machte kleine, fiese Kommentare über die Kleidung der Anwesenden und brachte mich innerhalb von Sekunden auf andere Gedanken. Ich drehte mich um mich selbst, sank zurück in seine Arme und erwiderte das tiefe Lächeln auf seinem Gesicht.

Die Musik wurde langsamer und Kili zog mich näher an sich heran. “Heute in einer Woche verbringen wir den Abend schon an einem komplett anderen Ort”, murmelte er. “Ohja. Ich freue mich tierisch.” “Ja?” “Ja. Auf die Reise und die Blauen Berge und deine Freunde dort. Auf unsere gemeinsame, hoffentlich stressfreie Zeit.” Kili lachte etwas. “Ich denke kaum dass ein Prinz des Erebor und eine Weltenwandlerin jemals eine stressfreie Zeit haben werden.” “Vielleicht sollten wir inkognito reisen?”, schlug ich vor. “Als Orks oder so?” “Eh- mir würde tatsächlich schon ein anderer Name und eine Perücke reichen, wir müssen nicht gleich die komplette Spezies ändern…” Erneut lachten wir und Kili gab mir einen zärtlichen Kuss, den ich ebenso erwiderte. “Vielleicht können wir die anderen bei unserer Rückreise überraschen”, wisperte er. “Und wie?” “Hm. Mit… einem Versprechen unsererseits… zueinander.” Oh nicht schon wieder. “Kili!” “Heirate mich”, flüsterte er an meinen Lippen und nur der neckende Unterton zeigte mir, dass er es nicht komplett ernst meinte. “Nein.” “Ghivashel, wie lange willst du mein Herz brechen, hm? Ich leide-” “Ja, pass nur auf. Das Wort Leid wird eine komplett neue Ebene erreichen, wenn du dich nicht an unsere Abmachung hältst.”

“Tess-” “Nein.” “Tessilein-!” “KILI!” Er küsste mich schnell, bevor ich ihm eine Szene machen konnte und brachte mich zum Lachen. “Ein Jahr mindestens!”, sagte ich und hielt ihm einen Zeigefinger vor die Lippen, bevor er mich wieder ablenken konnte. “Wiederhol es.” Ich nahm den Finger weg. “Ein Jahr mindestens”, nörgelte er. “Gut-” “Wobei wir uns ja schon länger als ein Jahr kennen, richtig?” “Kili-” Ich sah ihn finster an. “Schon klar. Ein Jahr in einer Beziehung.” “Genau.” Nun gab ich ihm einen festen Kuss. “Ich liebe dich, Chaoszwerg”, sage ich, “aber eine Heirat ist… echt ein Ding. Ein großes Ding. Und darauf muss ich innerlich vorbereitet sein, es würde mich jetzt komplett fertig machen. Okay?” “Ja.” Kili nickte leicht. Dann sah er sich um und runzelte die Stirn… “Hey, wo ist Judy hin?” Sofort ließ ich Kilis Hand los und sah mich um. Thorin war von Lord Obian so gefangen genommen worden, dass er kaum nach Judy blicken konnte und Cain… war am Flirten mit einer jungen Köchin. Man, man, man. “Ich schaue nach ihr”, sagte ich. “Soll ich mitkommen?”, bot Kili an, doch ich schüttelte den Kopf. “Nein, wenn sie gegangen ist, dann will sie allein sein. Ich will nur sehen, dass es ihr gut geht-” “Alles klar. Ich warte hier, wenn etwas ist, zögere nicht, nach mir zu rufen.” “Wie du wünscht, Liebling…” Ich gab Kili noch einen kurzen Kuss, ehe ich ihn auf der Tanzfläche zurückließ.

Ich ahnte bereits, wo ich Judy finden würde. Während Kili trainieren ging, wenn er nachdenken musste, brauchte Judy frische Luft. Und da sie hier gebraucht wurde, würde sie nicht weit gehen. Ich schlüpfte aus dem Saal und vorbei an den vielen Soldaten und in die Eingangshalle. Auf die Aussichtsplattform über dem Eingangstor kam man noch immer durch die kleine Tür in der Wand, ähnlich wie bei einem Wachturm. Es gefiel mir besser als die provisorische Treppe zu Kriegszeiten. Nicht, dass ich an der Baukunst der Zwerge zweifelte. Nur… an ihrer Stabilität… Auf der Plattform standen neben zwei Wachposten auch Judy, dick eingemummelt in einem Umhang, die Arme um den Oberkörper geschlungen. Sie bemerkte meine Anwesenheit und drehte den Kopf etwas. Seufzte. “Ich bin seit genau zwei Minuten hier”, sagte Judy, “die kann man mir doch wohl zustehen oder nicht?” “Ich wollte nur sicher gehen, dass du okay bist.” “Bin ich.” Judy sah wieder geradeaus und nun seufzte ich. “Hör auf damit”, murmelte ich und griff nach ihren Händen. Ihre Innenflächen waren ganz rot, so fest hatte sie ihre Nägel hinein gedrückt. Das hatte sie immer schon gemacht, wenn es ihr nicht gut ging. Schon damals im Gerichtssaal, als sie gegen ihren Vater aussagen musste, hatte sie das getan…

“Wo sind deine Handschuhe?”, fragte ich sie. “Unten. Irgendwo unten im Saal.” Hm. Judy schloss kurz die Augen. “Ich will da nicht wieder rein”, flüsterte sie. “Ich habe keine Kraft mehr für die Gespräche oder für Lord Obian. Oder dort zu stehen und so zu tun als würde es mir gut gehen. Weil das tut es nicht-” Ich strich ihr fest über den Rücken. “Ich weiß, Jiji, ich weiß. Aber wieso bist du dann überhaupt hier?” “Weil die Leute mich als starke Regentin an Thorins Seite brauchen.” “Du bist krank! Du lagst bis vor wenigen Tagen fast bewusstlos im Bett und nun erwartest du von dir selbst, einhundert Prozent zu geben?!” “Ja.” “Das ist bescheuert und das weißt du auch. Es ist keine Schwäche krank umzuliegen und sich zu ruhen-” “Doch, Tess, für uns ist es das. Weil wir nicht nur Menschen sind sondern weil wir auch noch Männer in der Königsfamilie haben. In dem Moment, wo wir uns in Kili und Thorin verliebt haben, wussten wir, dass wir ein anderes Leben führen würden. In der Öffentlichkeit, egal wann, egal wo. Und da Zwerge selten krank werden, sollte ich nicht im Bett liegen. Nicht mit Obian dort unten.” Ja. Ja, da hatte sie recht.

“Und noch etwas-” Judy reckte das Kinn etwas nach vorn. “Du solltest die Phiole wieder mitnehmen.” “Was? Wieso das denn?” “Weil ich… ich befürchte etwas nehmen zu können, wenn ich es nicht bräuchte.” Wow, das war ein Geständnis. Ich schluckte ein paar Mal hart, ehe ich nickte. “Okay. Natürlich, ich nehme sie nachher gleich mit.” Judy nickte selbst, etwas abgehackt. “Ich gehe jetzt zurück”, wisperte sie und fuhr sich über die Wange, “bevor ich gar nicht mehr runtergehe-” “Ich komme mit dir. Ich wette Cain wird schon alle aufgeschreckt haben.” Erneut nickte sie nur. Ich wollte es mir nicht vorstellen. Krank und voller Schmerzen und dann mit Obian in diesem Raum… Es musste schrecklich sein. “Komm. Lass uns gehen.” Ich geleitete Judy von der Plattform herunter zurück in den Saal. Kurz bevor wir bei dem Tor ankamen, straffte sie die Schulter und setzte ein Lächeln auf, das Konkurrenz mit den Kronleuchtern im Saal hatte. Sie gehörte ans Theater mit dieser Maskerade. Wie erwartet stürmte uns Cain bereits entgegen, kaum dass wir wieder im Saal waren. “Wo wart ihr?”, fauchte er ungehalten. “Einfach zu… ver… verschwinden… Geht es dir gut?” Seine Augen waren mehrfach über Judy geglitten und nun sah er nicht mehr wütend sondern besorgt aus.

“Ging mir nie besser”, erwiderte Judy leise aber bestimmt. Lächelte lieb. “Mach dir um mich keine Sorgen, Cain.” Sie strich ihm kurz über den Arm und steuerte Thorin an. “Muss ich mir wirklich keine Sorgen machen?”, raunte Cain mir zu. “Im Gegenteil”, gab ich ebenso leise zurück, “wir müssen uns die größten Sorgen machen.” Wir folgten Judy zum König, der zusammen mit Fili und ein paar Adligen zusammen stand, jeweils einen Bierkrug in der Hand. Als Judy in den Kreis trat, deuteten alle ein Verbeugung an, nur Thorin streckte die Hand nach ihr aus und zog sie an seine Seite. “Sie sehen fantastisch aus, Eure Hoheit”, sagte Lord Alrik und lächelte breit, wenn auch kühl. Er, Obian und Tabris hatten es Judy am Meisten nachgetragen, dass sie sie aus dem Rat geworfen hatten. “Ich danke euch”, entgegnete Judy jovial, die Hand weiter fest in Thorins Pranke. Dieser beugte sich vor und gab ihr einen kleinen Kuss ans Ohr, flüsterte leise etwas und Judy nickte. Lord Horar lächelte etwas. “Ich denke, ich spreche im Namen aller hier”, sagte er, “dass wir sehr erfreut sind, Sie in dieser Zweisamkeit zu sehen, Eure Majestät, Eure Hoheit. Unser Königreich ist gesegnet mit einem solchen Königspaar.”

Thorin lächelte. “Da kann ich nicht widersprechen, Mein Lord.” Ich blickte über die Schulter zu Kili, der in bester Manier mit einem seiner Mienen-Kumpel Armdrücken machte. “Wobei-” Obian räusperte sich. “Ich habe… unglaubliche Dinge gehört, als ich das letzte Mal in den Zellen zu Besuch war.” “Achja?”, fragte Fili. “Die da wären?” “Nun, dort unten gehen Gerüchte um, Eure Majestät. Gerüchte, die besagen, dass der Zwerg, der auf solch theatralische Weise hingerichtet wurde, nicht etwa ein Anführer des Aufstands gewesen sei sondern… aus anderen Gründen hingerichtet wurde.” Oh nein. Meine Augen huschten zu Judy, deren Augenlider leicht flackerten und deren Finger ganz weiß waren, so fest krallte sie sich an Thorins Arm. “Aus welchen Gründen, Lord Obian?”, hakte Horar verdutzt nach. “Nun, aus den gleichen Gründen, wieso man Sir Eato die Hand einst abschlug. Er hat sich an eine Frau vergriffen, die nicht ihm gehörte-” Judys Augen blitzten wütend auf und ehe sie sich selbst dran hindern konnte, machte sie den Mund auf. “Bis auf die Tatsache, Lord Obian, dass eine Frau niemanden gehört außer sich selbst, richtig?”, sagte sie eiskalt. Obian grinste dreckig. “Wollen Sie wissen, wie die Gerüchte weitergehen?”

Nein, dachte ich. Ich wollte einen Schritt zurückgehen, aber hinter mir hatten sich weitere Neugierige eingefunden und ich kam nicht weit. Stattdessen tastete ich nach Cains Arm, der ohne zu zögern zugriff und mich hinter sich platzierte. Die Stimmung kippte, ich konnte es spüren. Um uns herum wurde weiterhin gelacht und getrunken und gegrölt, aber über uns senkte sich eine Glocke der Stille. Als würden alle Anwesenden hier die Luft anhalten. Thorins Augen hatten einen gefährlichen Glanz angenommen, den Obian nicht wahrzunehmen schien. Als ich jetzt über die Schulter sah, konnte ich Kili nicht mehr erkennen. Er war hinter den Schaulustigen verschwunden. “Die Gerüchte besagen, dass Ihre Hoheit während des Aufstand für mehrere Minuten wie vom Erdboden verschluckt war”, sagte Obian und nahm einen Schluck von seinem Bier. “Sie wurde im Kleinen Saal gesehen. Zusammen mit einem Mann, der weder Ihr, Eure Majestät, war, noch ihr Leibwächter oder einer der Prinzen-” Judy wurde blasser und blasser und ich sah, wie Fili seinen Dolch lockerte. “Wollen Sie aussprechen, was Sie denken, Lord Obian?”, fragte Thorin leise. In seiner tiefen Stimme klang eine so deutliche Warnung heraus, dass ich eine Gänsehaut bekam.

“Wenn ich sage duck dich, duckst du dich”, flüsterte Cain mir zu und ich nickte. “Wir… sollten nicht vorschnell handeln”, schaltete sich Alrik ein. “Gerüchte aus den Zellen sind zumeist nur das - Gerüchte.” “Zumeist”, betonte Obian. “Nun sprechen Sie Ihre Bedenken aus”, forderte Thorin erneut. “Ich denke doch, wenn es nur Gerüchte sind, wie Sie behaupten, sollten sie keinerlei Konsequenzen fürchten. Wobei ich Sie natürlich darauf aufmerksam machen muss, dass auch eine mündliche… rein theoretische Denunzierung der Königin Folgen hat. Womöglich schlimmere Folgen als ein Gerücht, das sich als wahr ausgeben würde.” “Ich muss gestehen, Eure Majestät, dass ich etwas verdutzt bin… Ich persönlich weiß nichts von einer Königin-” Die Schwerter waren schneller gezückt als ich reagieren konnte und nicht nur Cains Schwert oder Filis Dolch. Als hätten sie auf diese Situation spekuliert, hatten dutzende von Obians Nachfolgern ihre Waffen dabei. Als würden wir in einen zweiten Aufstand schlittern. “Lord Obian, Sie machen sich gerade des Verrats schuldig”, sagte Thorin. Fili legte seinen geschwungenen Dolch offensiv an Obians Kehle. “Wie viele Eurer Leute würden sich noch gegen Seine Majestät stellen, wenn ich Euch die Kehle aufschlitze?”, knurrte er. “Genug, um Schaden anzurichten”, knurrte Obian.

“Nein… Nein!” Judy schob sich hinter Thorin hervor und stellte sich vor ihn, als hätte sie Sorge, er würde erneut Anschlagsziel werden. “Eure Waffen sind nicht von Nöten”, sagte sie an die Soldaten und Männer gewandt, egal ob auf Seiten Thorins oder Obians. Ein verzweifelter Gesichtsausdruck erschien auf ihrem Gesicht. “Wir haben genug Blut vergossen, oder nicht? Tut das gar nichts mit euch? Eure Nachbarn und… Bekannte abzuschlachten? Für was? Mich? Ist euch das ehrlich wert, denkt ihr… irgendetwas würde sich ändern, wenn ich sterbe? Wenn Ihr Euren eigenen König in die Verzweiflung stürzt?!” Judy sah in die Runde und auch hinter sich zu Thorin. “Kein Töten mehr. Kein… Misstrauen und keine üble Nachrede. Ich verstehe, dass ihr mir misstrauisch gegenüber seid, aber wieso seid ihr es Eurem König gegenüber? Haben er oder die anderen der Königsfamilie euch jemals enttäuscht über all die Jahre hinweg, wo ihr Ihnen dient? Wieso ihnen jetzt misstrauen?” “Weil Ihr eine Hexe seid”, spuckte Obian aus. “Nein. Bin ich nicht. Ja, ich mag anders sein, weil ich aus einem anderen Land komme, aber ich habe keinen hier verhext. Und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob das irgendjemand wirklich glaubt.”

Vermutlich weniger. Cain sah über die Schulter zu mir. Stumm fragte er, ob ich okay war, aber das konnte ich ihm schlecht beantworten. Ich fühlte mich irgendwo zwischen akuter Panikattacke, dem Vertrauen, dass sich die Sache schon regeln würde und kompletter Machtlosigkeit, gefangen in einer Blase. Ich würde mich mit Kili an der Seite deutlich besser fühlen. “Bitte”, appellierte Judy ein letztes Mal. “Wir sind ein Volk. Wir sind eine Familie. Wir töten uns nicht gegenseitig.” Sie sah zu Fili und zu Friga. “Nehmt die Waffen runter.” Fili klappte der Mund auf und auch Cain grummelte irgendwo tief in seiner Brust. “Runter mit den Waffen!”, wiederholte sie fest. “Wenn man mich los werden will, wird es sowieso geschehen, also bitte - gleich hier gleich jetzt vor aller Augen. Es wird niemand aufgehalten werden.” Zögerlich steckten die Männer Thorins ihre Waffen fort und Obians Leute wechselten unsichere Blicke. Gegen unbewaffnete Zwerge zu kämpfen, wäre eine Schande. Es wäre die Tat eines Feiglings und niemand hier würde sich damit brüsten können. “Tötet sie”, keifte Obian in die Runde, doch niemand rührte einen Muskel. “SOFORT!” “Tut mir Leid, mein Lord”, sagte einer seiner Männer, “aber ich richte meine Klinge nicht gegen eine unbewaffnete Frau.”

“Sie ist eine Hexe!”, kreischte Obian. “Sie hat bei mehreren Männern gelegen, sie hat die Beine breit gemacht für das Gesindel in den Zellen! Sie ist unser UNWÜRDIG!” Seine Soldaten fühlten sich nicht wohl, sie schienen sich jedoch einig, nicht gegen Judy vorzugehen, wenn niemand etwas tat. “Feiglinge”, keuchte Obian nun und sah fast schon wahnsinnig aus, wie er mit irrem Blick seine Männer fixierte. “FEIGLINGE!” Mit einem schnellen Griff, grabschte er sich eines der Schwerter und fuhr dann zu Judy herum. Cain stieß mich zur Seite, weil Obian derart ausholte, dass die Klinge in unsere Reihe zischte. Ich taumelte, blieb auf meinem Kleid hängen und stürzte. Cain wiederum machte einen beherzten Satz nach vorn und riss sein eigenes Schwert in die Höhe. Für zwei Sekunden pulsierte die Welt langsamer. Thorin griff nach Judy, um sie außer Reichweite zu ziehen, Cain streckte sich nach vorn, genauso wie Friga von der anderen Seite. Dann durchtrennte Cains Klinge Obians Schwerthand, nur einen Millimeter bevor die Klinge Judy traf. Der Soldat wirbelte herum und rammte sein Schwert frontal in Obians Hals, der ein ersticktes Gurgeln von sich gab. Schmatzend zog Cain die Klinge heraus und der Lord stürzte erst auf die Knie, die unversehrte Hand am Hals, ehe er nach vorn kippte und nur noch röchelte.

Das Blut, was aus seinem Hals und dem Armstumpf tröpfelte lief langsam aber kontinuierlich auf mich zu. “Miss, kommen Sie hoch-” Ein Zwerg half mir auf die Beine und stabilisierte mich etwas. “Haben Sie sich etwas getan?” “Nein… ich… denke nicht”, wisperte ich. Endlich kam wieder Leben in die Anwesenden. Als wäre die kleine Blase um uns herum geplatzt wandte sich die Hälfte der Zwerge erstmal an Judy und Thorin, während ich mir den Staub von dem hübschen Kleid klopfte. “Bist du in Ordnung?” Cain kam auf mich zu. “Tut mir Leid, ich habe dich einfach gestoßen-” “Ich bin okay”, wisperte ich. “Wir haben Schlimmeres durch.” “Was ist hier los?!” Endlich endlich kam auch Kili mal in den Ring der Schaulustigen, die sich bereits wieder zerstreuten oder peinlich berührt zurückzogen. “Was ist passiert-?” Er strich mir über die Staubflecken und sah geschockt auf den toten Obian. “Wir haben einen kleinen Aufstand niedergeschlagen, während du Armdrücken gemacht hast”, knurrte Fili wütend. “Was?!” Komplett überfordert schüttelte Kili den Kopf. “Ghivashel, ich… es tut mir Leid, ich habe nicht gesehen, was hier abging und-” Kili nahm mich in den Arm. “Tut mir Leid”, wisperte er. Er roch nach einer etwas harten Mischung aus Wein und Bier und Tabak…

“Mach dir keine Gedanken”, murmelte ich, “je öfter man in Lebensgefahr gerät, desto eher gewöhnt man sich dran.” Kili raufte die Stirn und umschlang mich erneut fest. “Das hat jetzt ein Ende.” Thorin packte Judy an der Hand und zerrte sie mehr mit sich, als sie vorsichtig an der nun recht großen Blutlache vorbei zu führen. “Eh, Thorin-” “Wenn Aushänge nicht reichen, machen wir es nun so”, knurrte er. “Und wenn es nur einer wagt mir zu widersprechen, knüpfe ich denjenigen an der Plattform auf.” “O-Okay… Ich sagte kein Blutvergießen mehr!” “Wenn jemand erhängt wird, gibt’s kein Blut.” Judy machte ihr Das-ist-nicht-der-Punkt-Gesicht, folgte ihm jedoch auf die Bühne. Die Zwerge im Saal hatten spätestens jetzt begriffen, dass irgendetwas nicht richtig lief und bis auf etwas Getuschel hier und da, wurde es stiller. “Nein, ich will hier bleiben”, bat ich Kili, der seinem Bruder und Cain folgen wollte. Seine Hand legte sich in meinen Nacken. “Willst du hoch ins Zimmer?”, fragte er leise. Fuhr mir über die Wange, als könnte er die Tränen bereits sehen, obwohl sie noch in meiner Kehle feststeckten. Jetzt wo das Adrenalin nachließ, kam einerseits die Erleichterung, dass wir kein zweites Mal einen blutigen Aufstand hatten niederschlagen müssen und andererseits die Angst, die von mir abfiel.

Dennoch schüttelte ich den Kopf. Ich wollte wissen, was Thorin vorhatte und es live miterleben. Kili zog seinen Überwurf aus und legte ihn mir um die Schultern. Thorin wiederum erklomm mit Judy die Empore und stellte sich hin, als würde er zum Krieg rufen. Grimmig blickte er in die Menge. Grimmig und… ja was noch?! “Ich bin enttäuscht.” Ja, das passte. “Ich bin enttäuscht von so viel Missgunst, Misstrauen und Illoyalität. Zum wiederholte Male wurde gerade versucht Judy zu ermorden, weder ich noch meine Soldaten haben auch nur annähernd abschreckend gewirkt und langsam frage ich mich, wieso. Ja, Judy kommt aus einer anderen Welt und ich behaupte nicht, dass der Weg hierher einfach war. Aber sie ist keine Hexe. Sie ist keine Verräterin und sie keine Hure. Sie ist meine Partnerin, meine Frau und ich habe sie Euch zur Regentin gegeben. Und das einzige, was Euch einfällt ist, diese Entscheidung zu hintergehen und meine Familie in Lebensgefahr zu bringen.” Er sah zu Judy und streckte die Hand nach ihr aus, die sie zögerlich ergriff. “Ich vertraue ihr”, sagte Thorin und lächelte leicht. “Sie ist die Frau meines Lebens, meine Regentin und meine Partnerin, meine Freundin und mein Gewissen-”

Seine Stimme wankte etwas und zum ersten Mal spürte ich förmlich, was die beiden einander bedeuteten. Ich hatte die Beziehung zwischen Thorin und Judy nie auf der gleichen Ebene wie mit meiner zu Kili gesehen, doch genau da waren sie. Vermutlich noch viel, viel weiter, weil sie eine so schwierige Beziehung hatten, so widrig und beide tiefe Narben trugen, die eine solche Beziehung kompliziert machten. “Ich liebe dich, Amralime”, sagte Thorin, “und selbst wenn unsere Beziehung falsch wäre, ich würde dennoch alles geben, um mit dir zusammen zu sein.” Seine Augen schwebten über die Anwesenden. “Judy ist meine offizielle Partnerin. Wer etwas gegen sie sagt und sei es auch in den tiefsten Zellen des Kerkers, richtet sein Wort auch gegen mich und wird mit Konsequenzen rechnen müssen. Sie hat absolut Recht: Das Blutvergießen muss ein Ende haben. Wir sind ein Volk und ich verlange, dass wir wieder zu diesem Volk werden. Zu einer Familie, die… einfach nur etwas gewachsen ist-” Thorin nahm Judys Hand und legte sie an seine Brust. Meine Freundin schien nicht zu wissen, ob die lachen oder weinen sollte und legte bloß ihre andere Hand über seine. “AUF DEN KÖNIG!”, rief Dwalin da aus irgendeiner Ecke des Saales und reckte sein Bierglas. “AUF DEN KÖNIG!”, schallte es dutzendfach wieder. Fast schon erschöpft sank ich etwas gegen Kili. Vielleicht würde ja jetzt endlich alles gut werden...
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