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The Prince of silver fountains (2)

GeschichteFantasy, Suspense / P18 / Gen
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2018
01.04.2021
96
443.675
63
Alle Kapitel
203 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
21.02.2021 4.450
 
Hallo zusammen :)

Ist das Wetter nicht traumhaft? So sonnig und warm. Wahnsinn.
Ich habe also vollstes Verständnis, wenn ihr dieses Kapitel erst heute Nacht lest, weil ihr den Tag über Sonne tanken ward :D

Tja, mit diesem Kapitel sind es noch insgesamt sechs, bis dieser zweite Teil enden wird :o Ging nun am Ende aber ganz fix, ich bin selbst überrascht.
(Aber natürlich lasse ich es nochmal etwas... prekär werden ;) )

Auf jeden Fall vielen Dank für eure Revis und noch einen schönen Restsonntag.
Eure CasseyCass *-*

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Thorin
Er strich ihr mit dem Finger über die Stirn, die Wange und den Nasenrücken hinunter. Ihre Atmung ging ruhig und sie schlief noch tief und fest. Eigentlich hatte er noch etwas arbeiten wollen, doch als Judy während seiner Geschichte eingeschlafen war, hatte Thorin sich nicht rühren können. Stattdessen hatte er sie einfach nur beobachtet, wie damals in ihrer ersten Nacht zusammen. Seine schöne, schöne Frau. Seine Frau. Thorin streichelte über die weichen Haare. Wenn es ihr nachher genauso gut ging, wie heute Nacht, würde er sie hinauf bringen ins Zimmer. Wo es Licht und frische Luft gäbe und wo sie fremden Personen nicht ihr Schlafgemach raubten. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als Judy tiefer einatmete und ihre Wange in seine Hand drückte. Ihre Augenlider drückten sich fest zu und schlugen dann auf. “Guten Morgen, Mylady Schlafmütze”, flüsterte Thorin. Judy spitzte amüsiert die Lippen. “Hallo”, gab sie ebenso zurück. Er griff nach ihrer Hand, die bis eben die Decke festgehalten hatte und führte sie an seine Lippen. Sie streckte den Zeigefinger aus und fuhr mit der Spitze über seine Wange. “Wie geht es dir?”, fragte Thorin. “Ganz okay. Und selbst?” “Ähnlich.” “Warst du die ganze Zeit wach?” “Hm.”

“Und die ganze Zeit hier?” “Fast, ja.” Er gab einen weiteren Kuss auf die kühlen Finger. “Bist du bereit nach dem Frühstück hoch zu gehen?” “Ich denke schon, ja. Hast du es satt hier unten zu hocken, ja?” “Ein wenig.” Sie lächelte breit, ihre Zähne blitzten im Kerzenlicht auf. Eine Welle der Zuneigung überrollte Thorin bei diesem Lächeln, dass seine Adern brannten. Weder bei Breeda noch bei einer seiner anderen Geliebten hatte er jemals so gefühlt. Es ängstigte ihn genauso wie es Judy ängstigte - Liebe. Das war ein großes Wort, ein… unberechenbares Wort. Im einen Moment war es Freude und Zärtlichkeit, dann wieder Schmerz und Frustration und in vielen kleinen Augenblicken dazwischen Leidenschaft und etwas Furcht. So viel Wucht in nur zwei Silben. “Was?”, fragte Judy leise. “Du denkst nach.” Thorin schluckte hart. Wollte ihr sagen, was er ihr schon in seinem Arbeitszimmer gesagt hatte und brachte es nicht über die Lippen. Als hätten die Tage, die sie geschlafen hatte, diese Situation ausradiert oder zumindest abgeändert. “E amrâl mê”, wisperte er daher, etwas in der Hoffnung, dass sie es nicht verstand. Doch Judy lächelte, ganz dünn und in ihren Augen blitzte Verständnis auf. “Ich liebe dich auch”, wisperte sie zurück.

Ihre Finger klappten um und umschlossen seine Hand. “Kann ich dich etwas fragen?” “Natürlich.” “Etwas Intimes.” Thorin lüpfte eine Augenbraue. “Ja, auch das darfst du.” “Wie viele Frauen hattest du vor mir?” “Eh… Wieso interessiert dich das?” “Als Mensch wärst du schon tot, so alt bist du-” Er verdrehte die Augen. “-und ich… bin neugierig.” Judy wurde etwas Rot. “Wir hatten erst eine gemeinsame Nacht, aber die war nicht schlecht und da habe ich mich gefragt, naja… wo du… all das gelernt hast.” “All das?”, wiederholte Thorin neckend und vertiefte die Röte auf ihren Wangen. Doch dann antwortete er ihr. “Acht. Ich hatte acht Frauen vor dir.” “Acht Frauen in einer sexuellen Beziehung?” “Ja. Lass es… drei mehr gewesen sein, mit denen ich zwar eine Beziehung hatte, aber nicht geschlafen habe oder irgendetwas in die Richtung.” “Kenne ich die Frauen?” “Du kennst Breeda.” “Ja, außer Breeda.” Er überlegte kurz. “Nein, ich… denke nicht. Die meisten von ihnen sind verheiratet und leben im Ered Luin. Nein, ich glaube tatsächlich, dass du hier keine von ihnen über den Weg läufst.” “Versteh mich nicht falsch, ich wäre nicht eifersüchtig oder so”, meinte Judy, “aber deine letzte Flamme hat für eine Menge Ärger gesorgt und ich wäre… beruhigter, wenn ich die anderen nicht auch sicherheitshalber einkerkern muss.” “Musst du nicht.”

Judy sah echt beruhigt aus. “Und du?” “Und ich was?” “Mit wie vielen Männern hast du das Bett geteilt?” “Dreien, dich mitgezählt. Mit vieren war ich einer Beziehung. Wobei Nummer 1 nicht zählt, wir waren 13 und mehr als Händchen halten war nicht drin.” Thorin sah auf ihre verschränkten Finger und Judy grinste. “Bei dir zählt es”, sagte sie. “Also war Nummer 2 dein erstes Mal”, stellte er fest. “Ja. Nichts Besonderes. Eher…”, sie hob die Schultern, “...auf einer Rein-Raus-Fertig-Ebene.” “Verstehe. Wie alt warst du?” “14. Fast 15.” Er überschlug das Alter. “In einem ähnlichen Alter haben auch Zwerge ihre erste sexuelle Erfahrung”, meinte Thorin. “Vielleicht etwas später, aber nicht viel. Die meisten Zwerginnen bekommen mit 100 ihr erstes Kind, das wäre etwa in eurem Alter jetzt.” “Das ist spät. Also- ich dachte, dass Frauen hier eher mit 60 oder so ihre Kinder bekommen.” “Nein. Nein, bei uns braucht alles länger um… auszureifen. Sex geht natürlich, aber Kili und Fili sind jetzt in dem Alter, wo sie Kinder zeugen könnten. Mit 80 beginnt das in etwa.” “Wow. Das ist echt interessant. Zwergische Sexualität-” Thorin grinste schief. “Nun, ich denke auch Menschen könnten schon früher Sex haben, sind aber noch nicht geschlechtsreif, oder?” “Ich muss gestehen, mich damit nie auseinandergesetzt zu haben-”, gestand Judy und lachte auf. “Aber du hast vermutlich recht.”

Sie raufte die Stirn und schien für ein paar Sekunden darüber nachzudenken, ab wann es für Menschen tatsächlich möglich war, Kinder zu bekommen. “Falls es dich beruhigt”, murmelte Thorin, “dort draußen rennen keine unehelichen Kinder von mir herum.” “Oh, naja, solange ich nicht Mama für diese Kinder spielen muss, wäre das okay für mich… Denke ich… Moment, du bist wie alt genau? 160? Und hattest acht Frauen. Und kein einziges Kind?! Nicht, dass ich an deiner Potenz zweifle”, schob sie eilig hinterher, “aber ihr verhütet hier doch nicht, oder?! Wie ist das möglich?” “Ich bin einfach gut in dem, was ich tue”, meinte Thorin trocken und bekam einen von Judys Verarsch-mich-nicht-Blicken zugeworfen, was ihm ein Lachen entlockte. Er zog sie an sich und fuhr in ihren Nacken. “Es gab zwei Frauen, die schwanger waren”, sagte er, “aber sie haben das Kind beide sehr früh verloren. Das geschieht bei uns sehr oft, wie du weißt. Ansonsten gibt es für Frauen durchaus Möglichkeiten Schwangerschaften zu verhindern. Teilweise schmerzhaft, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Es kann demnach möglich sein, dass eine meiner Frauen es verhindert hat, ohne dass ich davon wusste.”

Besorgnis huschte über Judys Gesicht. “Meinst du… Tess benutzt sowas?” “Tess?!” Thorin runzelte die Stirn. Er konnte sich kaum vorstellen, dass Tess sich irgendwann nachts ins Bad schlich und versuchte, sich mit Essig auszuspülen- “Nein, ich denke nicht”, sagte er. “Vielleicht kennt sie Kräuter oder ähnliches, die ein Kind verhindern, aber auch das… Sie kommt mir nicht vor wie jemand, der solch gefährliche Praktiken anwendet.” “Mir auch nicht, aber stupide fruchtbare Tage abzuzählen, ist anstrengend und kann daneben gehen. Sieh, ich war eine Woche zu früh, weil ich in dem Chaos durcheinander gekommen bin. Ich will nur nicht, dass sie sich verletzt-” “Keine Sorge, Liebste, Tess ist eine intelligente Frau und sie würde nichts tun, was ihrem Körper derart schadet. Sie wird, wie du und die meiste Frauen in diesem Berg, zählen.” Judy schüttelte leicht den Kopf. “Ihr braucht dringend eine Kondom-Abfertigung.” “Oh, wir haben Kondome.” “Was?!” “Ja-” “Nein! Wieso haben wir die nicht?! Wo kann man die bestellen?!” Thorin lachte. “Amrâlimé, ich bezweifle, dass unsere Art der Kondome denen aus deiner Welt gleichen. Sie sind aus Leder, nicht sehr angenehm weder für den Mann noch für die Frau und recht… hart. Der Mann spürt nicht viel…”

Sie seufzte. “Gut. Ich zähle weiter.” “Tut mir Leid, ich würde dir diese Aufgabe gerne abnehmen.” “Lügner.” “Ja.” Sie beide lachten und Thorin beugte sich endlich für einen Guten-Morgen-Kuss vor. “Das war ein sehr schräges Gespräch für den frühen Morgen”, murmelte Judy. “Hm, du hast damit angefangen.” “Ja, das stimmt allerdings. Keine Sorge, kommt so bald nicht mehr vor.” Judy küsste ihn, drückte warm und zärtlich ihre Lippen gegen seine. Zögerlich öffnete Thorin etwas den Mund, doch als Judy sofort mitging, wurde er direkter. Ihre Hände wanderten an seiner Brust hinunter und unter seinen frischen Überwurf. Wie gern würde er einfach die störende Decke zwischen ihnen fortziehen und ihr zeigen, wie sehr er sie wirklich liebte. Und begehrte. Und vermisste. Ja, er vermisste sie schrecklich. Wenn ihm eines brennend in Erinnerung geblieben war, dann wie warm und angenehm sie sich unter ihm angefühlt hatte. Thorin griff nach ihrer Hand an seiner Hüfte und schob sie fort. “Nicht, Judy”, bat er leise und versuchte ein klägliches Lächeln. “Aber, ich-” “Nein.” Mehr sagte er nicht. Bitternis strich über ihr Gesicht.

“Wir müssen irgendwann irgendetwas ausprobieren”, murmelte Thorin, “aber nicht hier und noch nicht jetzt. Ich… muss mich auch erstmal darauf einlassen und mich darauf vorbereiten, zurückgewiesen zu werden. Das bin ich gerade nicht und es wäre nicht gerecht, wenn du mich in eine Situation bringst, in der ich dir entweder Angst mache oder mich in Verlegenheit bringe.” “Ich will dich nicht zurückweisen”, flüsterte Judy. “Ich weiß. Und doch wird es passieren, mehrfach vielleicht. Und das ist in Ordnung, solange ich vorbereitet bin und ich mich dementsprechend kontrollieren kann. Momentan will ich dich jedoch selbst so sehr, dass ich es nicht garantieren könnte und das darf nicht sein. Unter anderen Umständen, von mir aus. Aber nicht jetzt.” Sie schluckte hart, biss die Zähne zusammen und nickte. “Okay.” “Okay”, wiederholte er und schmeckte dieses komische Wort, was sie und Tess laufend benutzten. Zart hauchte er ihr einen letzten Kuss auf. “Los, wir sollten frühstücken und dann hinaufgehen. Lady Meve und Sir Gallii verdienen ihr Gemach zurück.” “Ja, das tun sie.” Thorin rollte sich zur Seite und anschließend aus dem Bett. Er hatte sich vor einer Stunde ausgiebig geduscht und umgezogen, doch Judy brauchte ein Bad und frische Kleidung.

Zum Glück war er so vorausschauend gewesen und hatte ihr etwas von oben mitgebracht. Während Judy sich wusch, lugte Thorin in die Küche. “Eure Majestät-” Cain schob sich von der Küchenzeile herunter. “Guten Morgen, Cain”, begrüßte Thorin ihn. “Wann hast du Milic abgelöst?” “Um sechs, also vor… etwas mehr als zwei Stunden. Wie geht es Judy?” “Besser. Wir würden heute nach oben ziehen.” “In Ordnung. Meve ist fürs Frühstück auf den Markt, sie sollte aber bald wieder hier sein. Gallii ist bei Karen und.. Tess hat Wort gesendet, sie würde später vorbeischauen.” Thorin nickte knapp. “Wir sind gleich da.” “Alles klar…” Cain senkte den Blick. Seit ihrem kleinen Gespräch vor ein paar Tagen, verhielt er sich echt verkrampft ihm gegenüber. Thorin zog sich zurück ins Zimmer. “Wer ist dort?”, fragte Judy, die sich den Gürtel zuzog. “Cain.” “Oh, ich habe ihn vermisst-” Hm. Thorin verkniff sich ein Kommentar. “Hey, Brummbär-” Seine Augen richteten sich auf Judy, die den Kopf schief gelegt hatte und ihn zärtlich musterte. “Machst du mir die Haare?” Die nassen Strähnen hinterließen dunkle Flecken auf ihrem blauen Shirt und Thorin musste wider Willen lächeln. “Natürlich. Setz dich.”

Ihre Haare waren ein Traum, wenn auch sehr nass - eigentlich zu nass zum Flechten. Doch Thorin, wohl wissend, dass Judy es sowieso am liebsten unkompliziert hatte, unterteilte die tropfenden Haare in drei große Strähnen und flocht sie zu einem hübschen Zopf herunter. Er zog ihr zwei Strähnen um die Schläfen herum heraus und gab ihr einen Kuss auf die Haare. “Danke.” “Eine Freude, Mylady.” Judy schüttelte den Kopf. “Du lässt mich Rot werden.” Ja, das sah er. Judy schlug die Decke zurück und klopfte die Kissen auf, dann zogen sie zusammen in die Küche. “Oh Judy!” Cain, der tatsächlich den Tisch gedeckt hatte, warf die paar Holzteller auf die Tischplatte und eilte auf sie zu. Ehe Thorin ihn hindern konnte, hatte Cain Judy fest umarmt. Diese sah tatsächlich überrumpelt aus, bis Cain sie erschrocken los ließ. “Tut mir Leid-”, stammelte er, “ich… wollte nicht… Mahal, ich-” Thorin verdrehte die Augen. “Eh, Cain-” Judy hob die Hände. “Sei still.” Er keuchte. “Ja.” “Gut. Hey-” Sie lächelte und umarmte ihn diesmal, bloß ruhiger. “Wie geht es dir?” “Gut, aber… du warst krank, also-” “Mir geht’s deutlich besser, keine Sorge. Ein großes Frühstück und alles wird gut werden.”

“Was bedeutet, dass du dich jetzt hinsetzt”, sagte Thorin und drückte sie auf die Bank. “Ich und Cain decken den Tisch.” “Kannst du das?”, fragte Judy perplex und Thorin sah sie pikiert an. “Ja, das kann ich.” Cain schob die Teller an die richtigen Orte und Thorin suchte Trinkbecher und Besteck heraus. “Judy, ich muss dir auch was sagen-”, murmelte Cain. Thorin sah ihn warnend an. Wehe er plauderte irgendetwas über Liebe oder sowas heraus- “Ich weiß es schon längst”, sagte Judy. “Ach echt?” Acht echt? Thorin kramte etwas länger, um besser lauschen zu können.“Du solltest solche Dinge nicht Milic sagen, er kann den Mund nicht halten.” Er hatte MILIC davon erzählt?! Cain fiel ihr gegenüber auf den Stuhl und grinste. “Nun, es war kein Geheimnis.” “Nein”, lachte Judy, “das war es nicht. Und ich selbst habe dir schon vor Wochen davon erzählt…” Langsam ahnte Thorin, dass sie nicht über das gleiche Thema sprachen und er entspannte sich etwas. Drehte sich mit einer Menge Besteck wieder um. “Ich habe schon alles gepackt”, murmelte Cain, “und jetzt, wo du wieder wach bist, würden wir recht zügig abreisen. Insofern Thorin uns nicht noch benötigt.”

“Nun, wir haben eine Menge Arbeit vor uns, das streite ich nicht ab”, sagte dieser und warf das Besteckt auf den Tisch, das Judy sofort verteilte, “aber die ist nicht abhängig von Soldaten. Sie ist abhängiger aller Zwerge in diesem Berg und unserer Organisation.” “Das sehe ich ähnlich”, nickte Judy. “Cain, du und deine Männer haben hier so viel geleistet, ihr verdient es, zurückzukehren. Milic Frau ist schwanger, er soll die Schwangerschaft miterleben.” “Echt?! Wieso weiß ich das nicht?” Cain sah empört aus. “Das dürft ihr unter euch ausmachen…” Die Tür ging auf und Meve, vollbepackt mit Essen, begleitet von Tess sowie ihrem Ehemann und einer jungen Zwergin, die Thorin nicht einordnen konnte, kamen in die Küche. Sie unterhielten sich lautstark und schienen die drei Zwerge am Küchentisch erst gar nicht wahrzunehmen. Es war Tess, die Judy schließlich erkannte und erleichtert aufseufzte. Judy wiederum rutschte von der Bank, eilte an Thorin vorbei und fiel ihrer besten Freundin um den Hals. “So kenn’ wir die kleene Miss”, grinste Gallii und nickte Thorin zu. Stumm drückten Tess und Judy sich. “Tut mir so Leid”, flüsterte Judy. “Das hättest du nicht spüren dürfen-” “Nein, Judy, das ist nicht dein Fehler gewesen. Alles gut, ich bin stärker als ich aussehe, hm?” Tess nahm Judys Kopf in die Hände und strich ihr über die blassen Wangen.

“Meve, Gallii-” Judy löste sich von Tess und reichte beiden Zwergen die Hand. “Danke für alles. Ich stehe tief in eurer Schuld.” “Ach was”, winkte Meve ab, “das war ein Abenteuer, wie wir es lange nicht mehr hatten.” “Hallo, Karen-” Judy ging auf die Zwergin zu und umarmte diese, weniger wie eine Freundin wie bei Tess und mehr wie eine Mitstreiterin. “Hallo”, murmelte Karen. “Wie geht es dir?” “Nun, ich bin noch hier-” Judy nickte leicht. “Karen, dies ist Seine Majestät und dort sitzt Sir Cain, aber den kennst du ja bereits.” Karen knickste, hielt den Blick jedoch auf dem Boden und erwiderte Cains Lächeln nur vage. Auf Thorin wirkte sie etwas verloren, obwohl sie mit den hübschen Zöpfen und dem leichten Bartflaum an den Wangen recht hübsch war. Es war wohl eher das Dumpfe in ihren Augen. Er kannte es von anderen Zwerginnen, die ihre Kinder verloren hatten- “Magst du auf die Bank rücken?”, fragte Judy sie. “Ich und Tess setzten uns neben dich.” “Gerne, ja.” Die Frauen rückten auf die Bank, während Thorin sich vor Kopf und neben Judy setzte, neben ihm Gallii und Cain. Letzterer half Meve die Lebensmittel aufzudecken. Bald schon roch es nach frischen Brot, Käse und Wurst und Judys Magen knurrte fordernd.

“‘Tschuldigung”, grinste sie und die Leute lachten auf. Thorin streckte die Hand aus und fuhr ihr über die Wange. “Ich muss dir auch etwas gestehen.” “Oh nein, was hast du getan?!” “Noch gar nichts”, brummte Thorin. “Aber ich habe etwas vorbereitet-” Er griff in die Innentasche seines Übwurfes und zog einen Zettel raus. “Von denen existieren bestimmt einhundert Stück. Wenn du willst, lasse ich sie aufhängen.” Misstrauisch nahm Judy den Zettel ab und klappte ihn auseinander. Während sie ihn las, erschien eine steile Falte auf der Stirn. “Aber-” “Wir bekommen nie im Leben eine Ankündigung auf die Reihe, richtig?”, sagte Thorin vielsagend. “Wir hatten schon drei Anläufe und sie sind jedes Mal gescheitert. Erst wurde ich vergiftet, dann wurde ein Baby geboren und dann-” “Meintest du, mir eine Zofe zu bescheren.” Er grinste. “Ja. Also, wenn du zustimmst, lasse ich diese Dinger aufhängen. Die Zwerge wüssten Bescheid, es wäre offiziell und sobald du fit bist, machen wir eine Ankündigung. Aber bis dahin haben wir keinen Druck. Nichts.” “Und wenn es keine Ankündigung gebe, wäre es auch egal”, meinte Tess leise. Judy biss sich auf die Unterlippe und sah Thorin an. “Sicher?” “Es wäre mir eine Ehre, Amrâlimé”, sagte er, die Augen fest auf ihr Gesicht gerichtet. “Ich wollte dich dieses Mal bloß erst fragen-”

Sie lachte auf und nickte dann. “Okay, häng sie auf-” “Nein, Nein, Judy, du hast ihn falsch verstanden”, meinte Cain, “er lässt sie aufhängen!” Sie lachten erneut auf, doch als Judys und Thorins Blicke sich kreuzten, sah er ihr an, dass sie ihm dankbar für die Entscheidung war. Sie war psychisch für eine große Ankündigung und die Fragereien und alles, nicht gewappnet. Aber sie brauchte ihn und das ging nur, wenn sie offiziell in einer Verbindung waren. Und jeder der 100 Zettel trug sein Sigel. Es hatte ihn Stunden gekostet. Judy drückte seine Hand und Thorin spürte, wie gern sie sich kurz an ihn gedrückt hätte. Aber sie würde es hierbei belassen, weil alle anderen am Tisch so überaus guter Laune waren. “Okay, Cain-”, sagte Judy laut und riss sich von Thorin los, “reichst du mir bitte das Brot? Ich brauche die Hälfte davon bestimmt für mich allein-”

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Sie frühstückten ganze drei Stunden. Judy aß und aß und aß, dass Cain zwischendurch neckte, sie sei schwanger, was Judy so leichenblass werden ließ, dass Tess sich einschaltete und beruhigend meinte, bei ihrem Scan sei ihr nichts aufgefallen. Was insgesamt für Thorin kurios war, denn wenn einer der dreien auch nur kurzzeitig nachgedacht hätte, wäre ihnen wieder eingefallen, dass Judy krank geworden war, während sie Salbe für ihre Unterleibsschmerzen benötigt hatte. Aber er sagte nichts und schüttelte innerlich nur den Kopf über die junge Rasselbande. Außerdem war es gut zu sehen, wie Judy aß und wie wohl sie sich hier fühlte. Sie hatte ein Bein unter sich zusammengeschlagen, das andere aufgestellt und rupfte dicke Brocken Brot ab, die sich zusammen mit etwas Käse in den Mund schob. “Dasch is’ dasch beschte Brot ever!”, grunzte sie anfangs und brachte Tess zum Lachen. “Du Backenhörnchen!” Mittlerweile, fünf Scheiben, drei Tassen Tee, einen Apfel und drei Möhren später, schob sie nur noch die Krümel über ihren Teller. Tess hatte gerade von ihren Schießübungen mit Kili erzählt. Judy nickte wissend. “Ja, diese Bögen sind ‘ne Heidenarbeit.” “Kili brauchte Jahre”, beruhigte Thorin Tess. “Gib dir etwas Zeit.”

“Naja, ich will ja kein Profi werden”, warf sie ein, “aber es sieht toll aus und schaden tut’s sicher nicht.” “Du übst Bogenschießen, weil es gut aussieht?”, fragte Cain, der so lässig auf seinem Stuhl kippelte, dass Thorin nicht einmal etwas dagegen sagen konnte. Wie er es hasste auf jüngere Zwerge neidisch zu sein. Auf jüngere Zwerge, die offenbar ein so viel unkomplizierteres Leben lebten, als er in ihrem Alter. “Ich kann das schon verstehen”, sagte Judy. “Wenn Fili mit Thorin oder Dwalin trainiert, ist das auch immer ein Augenschmaus. Also - rein vom Können natürlich.” Tess lachte auf. “Genau. Um die Praxis geht es uns.” Thorin sah Judy schmunzelnd an, die seinen Blick erwiderte und ihm zuzwinkerte. “Karen, wie geht es dir eigentlich?”, fragte Tess da. “Ich habe dich das letzte Mal vor einer Woche gesehen…” “Nun, mein Körper hat sich von der Fehlgeburt gut erholt, es ist… der Kopf, der Probleme macht. Ich schlafe dementsprechend viel.” Karen lächelte sie scheu an, starrte auf die Tischplatte und fummelte an ihren Nägeln herum. “Du bist immer noch in dem Gemach, was ich auf die Schnelle aufgetrieben hatte, richtig?”, fragte Judy. “Ja, Eure Hoheit- ich meine Judy…” “Hm, mir gefiel es nicht, es ist viel zu klein und dunkel… Wieso nimmst du nicht Cains Zimmer? Das wird Zimmer frei, wenn er abreist.”

“Genau”, nickte dieser und lächelte aufrichtig, “nimm mein Gemach. Ist alles da, was du brauchst-” “Ich wette, du kannst auch was mit den Blumen auf seinem Balkon anfangen-” “Judy…!” Judy feixte. “Nein, Eure Hoheit - Judy - Miss… Miss Judy, das geht nicht.” Karen schüttelte den Kopf. “Aber es steht frei!”, sagte Tess. “Aber es ist mir sehr unangenehm in Gemächern zu schlafen, die ich mir selbst nie leisten könnte und zudem in dem Bett zu nächtigen, das einem Eurer besten Krieger gehört.” Cain wollte etwas einwerfen, doch Judy hob den Zeigefinger von ihrem Teller und er verstummte. Thorin hatte das Zeichen schon öfter bei den beiden gesehen, vermutlich eine Kommunikation, die keinen Blickkontakt benötigte… Judy musterte Karen und nickte langsam. “Natürlich, Karen, wie du willst. Aber ehrlich: Wenn du etwas benötigst, kannst du mir immer gerne Bescheid geben. Ich bin für dich da, Regentin hin oder her.” “Ich danke Euch, Miss.” Judy lächelte sie an und schloss dann kurz die Augen. Gallii, der die vergangenen Minuten die Lebensmittel abgeräumt hatte und nun mit den Tellern begann, musterte Judy sorgenvoll. “Kleene Miss, Sie seh’n jar nich’ jut aus. ‘Nen bisschen viel auf einmal jewesen, was?” “Oh, ich… bin erschöpft, das ist alles”, murmelte Judy, ehe sie Augen wieder aufmachte.

Doch Thorin musste Gallii Recht geben. Sie sah mit einem Mal sehr blass aus. Judy wischte sich über das Gesicht. “Ich gehe einmal kurz ins Bad”, murmelte sie und schob sich von der Bank. Er hatte es kommen sehen… Noch bevor Judy sich auf die Beine stellen konnte, sank sie zusammen und Thorin fing sie auf. “Whoa, ganz langsam, hm?”, murmelte er und hielt sie fest. Erst an den Armen, bis er sie am Rücken umfing und hochzog. “Ich brauch’ kurz ‘ne Minute”, murmelte Judy. “Leg’ sie mal ins Bett und die Beine hoch”, befahl Tess, die sich bereits an Cain vorbei schob. “Cain, holst du uns mal feuchte Tücher?” “Natürlich.” “Entschuldigt, irgendwie…” Judy brach ab. “Mir ist echt schlecht-” “Ja, ja, das dachte ich mir fast”, nörgelte Tess, “springst hier herum, isst wie eine Irre und regst dich auf. Dumme Nuss.” “Hmm…”, machte Judy nur. Sie hatte die Augen wieder geschlossen und Thorin lotste sie sicher zum Bett. Griff nach einer der Waschschüsseln, falls sie sich übergeben musste und faltete eine der Tagesdecken so zusammen, dass er sie bequem unter ihre Kniekehlen schieben konnte. Cain kam mit ein paar feuchten Tüchern, die Thorin ihm abnahm und Judy in den Nacken legte. “Und die Handgelenke”, bat Tess. Sie hockte bei Judys Füßen und drückte Zeige- und Mittelfinger unter ihren Knöchel.

Thorin umwickelte Judys Handgelenke. “Dein Puls ist komplett im Arsch”, sagte Tess, “keine Chance, dass das bisschen Essen und Ausruhen es besser macht.” “Ich will aber hoch”, flüsterte Judy, “in mein Bett.” “Da bringen wir dich auch hin”, versprach Thorin. “Ich lasse nach Fili schicken, der hilft uns.” “Dreht es sich noch?”, fragte Tess. “Wird besser.” “Hm.” “Soll ich etwas gezuckerten Tee machen?”, fragte Karen, die in der Tür stand. “Das hilft mir immer, wenn mein Kreislauf wackelt.” “Gute Idee!”, sagte Tess über die Schulter. “Habt ihr auch Nüsse da?” “Salzkörner”, murmelte Judy. “Ja! Salz! Oh man, was würde ich für etwas Cola und Dextro geben.” “Dextro?”, wiederholte Cain verwirrt. “Ja, wenn du so willst gepresster Zucker, der leicht auf der Zunge aufgeht. Wenn du Kreislaufprobleme hast, stabilisiert das.” “Hatte ich immer in der Handtasche”, lächelte Judy. “Gut, wenn das Partytief kam.” Tess löste ihre Finger von ihren Knöcheln und rieb Judy fest über die Waden. “Ich würde dir am liebsten ein Cocktail an solchen Sachen verschreiben”, sagte sie. “Dein Magnesiumhaushalt ist unten, dein Eisen ebenso. Ganz zu schweigen von deinen Vitaminen.” “Hm. Was soll ich machen, ins nächste Rossmann gehen?”

“Du wirst dich erstmal ruhen”, schaltete Thorin sich ein, der das Gespräch stumm ertragen hatte, während er Judys Hand hielt. Ihre Augen legten sich auf sein Gesicht. “Ich will hoch.” “Ja, in zwei oder drei Stunden, nicht sofort.” “Thorin-” “Keine Widerrede. Du warst fast eine Woche hier, das bisschen überlebst du nun auch noch.” Sie sagte nichts. “Sieh”, murmelte er und fuhr ihr über die Haare, “ich will nur, dass du sicher oben ankommst. Wenn du auf halben Weg kollabierst, hilft uns das nicht. Ich bleibe auch hier. Ich sitze genau hier, zeichne Briefe ab und lese dir die besonders wirren Anfragen vor. Ja?” Sie nickte kurz. “Gut.” Karen kam mit einem kleinen Tablett wieder hinein. “So, hier sind die Sachen”, sagte sie lächelnd. “Nicht alles auf einmal, wir wollen den Kreislauf ja langfristig festigen.” “Was soll sie denn zuerst nehmen?”, fragte Cain. “Ehm… Das Salz bitte”, sagte Tess. “Dann kotzt sie nicht ihr Frühstück aus. Und dann den Tee.” Thorin griff nach den kleinen Salzkörnern und legte sie Judy auf die Zunge. Brav lutschte sie auf dem Mineral herum. “Ich warte draußen”, sagte Cain. “Helfe beim Abwasch.” “Mach das. Ich muss gleich hoch in den Krankensaal-” Tess musterte Judy. “Bist du okay?” “Ja.” “Wenn etwas ist, schick nach mir.” “Hm.” Tess beugte sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange. “Du bist ‘ne Heidenarbeit, Kind.” “Hab’ dich auch lieb, Kind.”

“Danke, Tess”, schmunzelte Thorin. Die Blondine drückte ihm die Schulter. “Bis nachher, Großer. Sei tapfer.” “Pff”, machte Judy nur. “Naja, sie hat Recht”, neckte Thorin, “du bist ‘ne Heidenarbeit.” “Du auch, Mister Ich-lass-mich-vergiften.” Ja, da hatte sie Recht. Er beugte sich vor und gab ihr einen Kuss. Sie schmeckte nach Salz. “Ruh dich etwas. Wenn wir nachher losgehen, sollst du fit sein.” “Hm.” “Ich meine es ernst. Ich habe nämlich noch eine Überraschung für dich.” “Noch eine?” “Noch eine. Aber nur, wenn du jetzt-” “Ja, schon gut, ich ruhe mich. Siehst du-”, sie deutete auf ihre geschlossenen Augenlider, “-die Ruhe selbst.” Karen gab einen amüsierten Laut von sich, den Thorin ebenso erwiderte. Was das Wort Überraschung nicht alles bewirken konnte…
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