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The Prince of silver fountains (2)

GeschichteFantasy, Suspense / P18 / Gen
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2018
01.04.2021
96
443.675
63
Alle Kapitel
203 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
10.01.2021 3.924
 
Halli Hallo zusammen :)
Ich hoffe ihr habt die ersten Tage des Jahres 2021 gut überstanden. Falls nicht - dafür gibt's jetzt das nächste Kapitel.
Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag, auf dass ihr viel Spaß beim Rodeln haben werdet.
Fühlt euch gedrückt,
CasseyCass *-*

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Judy
“GUTEN MORGEN!” Ich fuhr zusammen. Nicht nur wegen des Schreis, der mich weckte, sondern auch, weil jemand mir die Decke wegzog. In Annahme es sei Tess, wollte ich irgendetwas Biestiges sagen, doch die Worte blieben stecken, als ich sah, dass es nicht Tess war. Eine mir völlig unbekannte Zwergin mit blonden Haaren, die hoch aufgetürmt auf einem strahlenden Gesicht trohnten, stand direkt vor meinem Bett. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich nur im Bademantel im Bett lag und dieser auch noch verrutscht war. Ich schlug den Stoff über meine nackten Beine. “Keine Sorge, Eure Hoheit, ich habe genug Frauen gedient, um zu wissen, was sich gehört und was nicht.” “Wer sind SIE?!”, fragte ich und schaffte es endlich meine Gedanken und meinen Körper zu koordinieren. Die Uhr zeigte Neun an und Thorins Bett war kalt und leer. Er hatte meinen Wecker ausgestellt, dieses Biest! “Ich bin Vicki”, sagte die Zwergin. “Und was, Vicki, tun Sie in meinem Schlafzimmer?!”, grollte ich. “Ich bin Ihre neue Zofe, Eure Hoheit. Hat Sie Seine Majestät nicht aufgeklärt?” Meine Verwirrung wich Fassungslosigkeit. Nein, das hatte er nicht getan. Oh Thorin, ich werde dir die Krone übers Gesicht fegen, du Aas!

“Und wie ich sehe, komme ich gerade noch rechtzeitig”, ließ Vicki verlauten. Sie stemmte die Hände in die Hüften und drehte sich einmal um sich selbst. “Seine Majestät hatte Recht, hier sieht es aus, wie im Saustall. Wann wurden die Vorhänge das letzte mal gewaschen?”, fragte sie. “Eh-” “Und das Bett? Sieht aus wie drei Wochen, das ist unhygienisch, Eure Hoheit. Ein Bett muss einmal die Woche frisch bezogen werden. Aber darum müssen Sie sich nun nicht mehr kümmern. Ich habe in der Küche bereits etwas aufgeräumt und wollte erst etwas Staub wischen, dachte dann aber, in den Kommoden selbst aufzuräumen, wäre sinnvoller. Ich habe Eure Wäsche einmal komplett aussortiert, Eure Hoheit. Viel konnte ich nicht mehr retten, aber einen Teil und der ist bei der Wäsche. Und diese komischen… Bänder habe ich entsorgt, ich kann mir nicht vorstellen, dass das gesund für die Brust ist. Am Ende schädigt es irgendetwas nachhaltig und dann können Sie Ihre Babys nicht stillen. Das wäre dramatisch. Ich habe Ihnen gerade ein Bad eingelassen und habe etwas Karamell von mir hineingetan, das macht die Haut ganz weich, ich verspreche es Euch. In der Zeit, wo Ihr badet, ziehe ich das Bett ab. Was wollt Ihr tragen, Eure Hoheit? Eher etwas Zeremonielles für die Ankündigung heute Morgen oder vorerst etwas Gedecktes für die Ratssitzung? Ihr könnt Euch ja umziehen, wann immer Ihr wollt-”

Ich sah die Zwergin vor meinem Bett an, als wäre sie ein Alien mit zwei Köpfen. Wie konnte man so viel reden?! Ich saß einfach nur halb aufgerichtet im Bett und versuchte perplex nachzuvollziehen, was sie mir erzählte. Thorin hatte meine Wohnung als Saustall bezeichnet?! Sie hatte meine BHs weggeworfen? Babys stillen? KARAMELL?! Ich hasste Karamell, davon wurde mir schlecht. Allein der Gedanke- Doch während all dieser Überforderung wuchs langsam aber sicher eine Faust in mir heran, die vor Wut pulsierte. Ich hatte gesagt, ich bräuchte keine Zofe! Und hier stand nun eine. Eine Zofe, die offenbar weder Respekt vor meiner Privatsphäre noch vor meinem Eigentum hatte und kein Interesse an dem, was ich wollte. Ich hasste sowas. Gestern ein wundervoller Abend mit meinem Mann und nun dieser Morgen mit einer Fremden, die mich halb nackt sah. BOAH! “Eure Hoheit?” Meine Augen richteten sich auf Vicki. “Hm?” “Was wollt Ihr frühstücken?” “Weiß ich nicht”, sagte ich kurz angebunden und schwang die Beine aus dem Bett. “Ich lasse mir etwas einfallen”, versprach Vicki, “irgendetwas mit viel Protein, damit Sie mal etwas zulegen. Und vielleicht-” “Wisst Ihr, wo Seine Majestät ist?” “Ja, in seinem Gemach, um die Post durchzusehen. Aber-” Ich stiefelte aus dem Raum. “Eure Hoheit! Sie tragen nichts!”, rief Vicki entsetzt. Selber Schuld, dachte ich, hättest du mal nicht meine Unterwäsche entsorgt. Ich riss die Zimmertür auf und Cain zuckte zusammen. “Guten-” “Thorin ist in seinem Gemach?” “Ja, aber- Judy!” Barfuß und nur im Bademantel schoss ich auf die Zimmertür zu, Cain hinter mir, der offenbar nicht wusste, ob er mich zurückschleifen sollte, bis ich angezogen wäre oder ob er das Debakel nicht einfach genießen sollte.

Thorin stand an seinem Arbeitstisch und sah die Post durch, die ich und die anderen nicht hatten durchgehen können, weil ein königlicher Erlass dafür notwendig gewesen wäre. Seine Augenbrauen waren gerauft und sein Blick konzentriert. Als ich nun in den Raum stürmte wie ein Stier kurz vorm Angriff, sah er mich für zwei Millisekunden irritiert an. “Judy?!”, fragte er und musterte mich kurz. “Was-” “Wie kannst du mir eine ZOFE besorgen?!”, fauchte ich. “Vicki?” “Ja, ja, genau - VICKI! Ich will, dass du sie entlässt.” “Nein.” Er sah wieder auf den Schreibtisch. “Nein?!” Mir klappte kurz der Mund auf. “Ich brauche keine Zofe, Thorin! Ich bin selbst in der Lage mich zu waschen und mich anzukleiden und zu essen!” “Du bist aber auch ab heute Nachmittag mit mir offiziell liiert und das bedeutet, dass du eine Zofe brauchst!”, brummte Thorin gereizt. “Sie hat meine Unterwäsche weggeworfen!” Er hob eine Augenbraue und grinste schief. Das war doch echt die Höhe! Ich griff mir einen der riesigen Atlanten vom Boden und knallte ihn Thorin vor die Nase, direkt auf die Papie. Als er mich nun endlich ansah, war sein Blick deutlich aufgewühlter. Sehr gut, ich hatte seine Aufmerksamkeit. “Ich werde nicht mit ihr zusammenarbeiten”, sagte ich ruhig. “Wer meine Sachen durchwühlt und wegschmeißt, wer mir ein beschissenes Bad mit Karamell einlässt und mir sagt, was ich essen soll, weil ich zu dürr sei, hat keinen Platz in meinen Gemächern.”

“Ich will dich nicht bestrafen, Judy”, sagte Thorin, “ich will dir helfen. Vicki wurde mir mehrfach weiterempfohlen für Dis, sie kann alles, was eine Zofe können muss. Gut, dann lass dich nicht von ihr anziehen, aber du brauchst jemanden, der deine Gemächer auf Vordermann hält, der kochen und putzen kann-” “Oh! Oh, tut mir Leid, Eure Majestät, dass ich nebst des Regierens keinen Nerv hatte, noch ein fünf Gänge Menü zu kreieren oder das beschissene Bett zu beziehen!” “Deswegen habe ich ja Vicki-” “Weißt du, Thorin, wenn dir meine Gemächer nicht passen, dann schlaf doch am besten hier”, unterbrach ich ihn. Er schwieg. “Ich habe über Wochen alles hier zusammengehalten”, flüsterte ich, “ich habe mich um deine Gesundheit gekümmert, um den Berg und dein Volk, habe einen Aufstand geregelt und nach besten Wissen regiert. Entschuldige, dass ich länger keinen Staub gewischt habe und Wasserflecken auf dem Badspiegel sind und die Asche nicht regelmäßig ausgetauscht wurde. Aber ich war der Annahme, dass dieses Königreich wichtiger wäre als mein Zimmer. MEIN Zimmer, Thorin. In MEIN Zimmer kommen nur Personen, die ich dort haben will und eine Vicki, die mir die Decke wegzieht, gehört nicht dazu. Meine Güte, was wäre gewesen, wenn wir heute Nacht Sex gehabt hätten?! Dann wäre ich nackt gewesen und sie zieht mir die Decke weg?! Sie schmeißt meine Unterwäsche fort, weil sie Angst hat, meine Brüste könnten Schaden nehmen und ich könnte womöglich meine Kinder nicht stillen?!”

Ich war noch immer wie vor den Kopf gestoßen. Diese Szene gehörte in irgendeine RTL Reality-Show, nicht in mein Leben. “Sind wir jetzt komplett im Irrenhaus gelandet oder was?!”, fragte ich. Ehrlich… “Bist du fertig?”, fragte Thorin. “Oh, weiß nicht. Moment… Achja: Tut mir Leid, aber deine Aussage, mein Gemach wäre ein Saustall, hat mich verletzt.” Ich nahm den Atlas vom Tisch und legte ihn wieder an seinen Ursprungsort zurück. “Ich will dir nur unter die Arme greifen, Amrâlimé-” “Du greifst mir nicht unter die Arme, indem du meine Entscheidungen torpedierst”, schnitt ich ihm brüsk das Wort ab. “Ich bin gerne deine Regentin, Thorin. Ich bin gerne mit dir liiert. Aber ich lasse mich nicht in einen Käfig aus Konventionen sperren. Ich bin neben all diesen Dingen nämlich noch immer Judy und entweder du lässt mir die Zeit, bis Judy entscheidet, sich eine Zofe zu holen oder Judy hat kein Interesse mehr an ihrer Rolle an deiner Seite. Du bekommst mich zu 110 ziemlich unperfekten und komplizierten Prozent. Eine andere Version von mir wird es nicht geben. Deine Entscheidung.” “Judy, die Frage ist doch nicht, was ich will!”, sagte Thorin. “Ich zögere nicht heute Nachmittag zu verkündigen, dass wir zusammen sind. Aber damit gehen Verpflichtungen mit her, die nicht einfach an deiner Zimmertür enden!”

“Und genau das verlange ich aber, Thorin. Es ist doch keine Frage, dass bei Problemen oder sonst was bei uns geklopft werden kann und wir dann unser Amt wahrnehmen. Aber ich möchte meine verdammten BHs zurück und ich will in unseren Gemächern Hosen tragen und ungeschminkt sein und morgens so lange schlafen, wie ich möchte. Und ich will, dass man uns innerhalb dieser Räumlichkeiten dennoch Respekt entgegenbringt, weil es unsere Gemächer sind und niemanden sonst.” Meine Gemächer waren mein Zufluchtsort geworden, während er im Koma gelegen hatte. Ich hatte abschließen können und mich einfach in Kleidung ins Bett werfen können - ungewaschen und verschwitzt - und niemanden hatte es interessiert. Würde ich jetzt davon ausgehen müssen, dass morgens eine Fremde meine Bettdecke zurückschlug, würde ich abends baden, mir nachts einen Zopf flechten und darauf achten, nach jeder Zärtlichkeit mit Thorin wieder in meine Schlafsachen zu huschen. “Wie du meinst-” “Ja, meine ich!” “-vielleicht sollten wir dann mit der Ankündigung noch warten.” Was?! DAS war seine Schlussfolgerung daraus? “Also… was?”, fragte ich. “Führst du eine Strichliste? Pro Judy als Partnerin und Contra Judy als Partnerin? Pro: durchsetzungsfähig, ausdauernd und sieht toll in Kleidern aus. Contra: Sie hat einen eigenen Kopf und so verrückte Gedanken wie ein Frauenzentrum und will keine Zofe.”

“Das ist Unsinn und das weißt du auch!”, knurrte Thorin, der ganz offensichtlich langsam die Geduld verlor. “Ja? Denn gerade wirkt es so, dass ich, solange ich einen positiven Einfluss auf den Thron habe, als Partnerin geeignet bin und sobald ICH etwas für mich beanspruche, das plötzlich nicht mehr der Fall zu sein scheint.” Thorin massierte sich die Nasenwurzel. “Ich will”, sagte er betont, “dass du dir sicher bist, Judy.” “Ich bin mir sicher, dass ich dich will, Thorin. Du mit allem drum und dran, was damit einhergeht, aber hauptsächlich dich. Ich denke eher, dass du dir nicht sicher bist, ob ich gut genug bin.” Diesmal ging ich. Mich fror und bis in einer Stunde die Versammlung begann, hatte ich noch eine Menge Arbeit vor mir. “Alles in Ordnung?”, fragte Cain mich draußen. Ich schüttelte den Kopf. “Nein”, murmelte ich. “Was ist passiert?” Ich hielt kurz inne. Wurde mir jetzt erst bewusst, was hier gerade geschehen war. Wie war das passiert? Ich wollte keine Zofe und plötzlich flog mir unsere Beziehung um die Ohren? Das… Das war wie 4+4=38. Komplett Banane. “Es wird keine Ankündigung über mich und Thorin geben.” Cain klappte der Mund auf. “Was?!” “Ja-”, ich schüttelte leicht den Kopf, “-ich habe auch keine Ahnung, was hier gerade geschieht. Es scheint, als würde er plötzlich komplett daran zweifeln, mich in diese Position zu stecken.”

“Habt ihr euch gestern Abend gestritten?” “Nein, überhaupt nicht, das Gegenteil war der Fall. Ich… Ich bin wegen meiner Zofe ausgerastet. Thorin ist der Ansicht, dass ich eine haben muss, wenn ich seine Partnerin werde, weil das von mir erwartet wird.” Cain seufzte. “Und wenn du eines nicht ausstehen kannst, dann auferzwungene Erwartungen”, murmelte er. Ich zuckte nur mit den Schultern. “Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wie ich gerade in diese Situation gekommen bin.” “Lass es erst einmal ruhen”, meinte Cain. “Zieh dich an, iss was und in einer Stunde bei der Versammlung, wird die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Vielleicht hat er bloß schlecht geschlafen oder hatte ein Danke deinerseits erwartet, weil er dich unterstützen will.” Ja, vielleicht. Cain öffnete meine Zimmertür und zwinkerte mir zu. Vicki hatte offenbar geschnallt, dass ich sie nicht wollte und war gegangen. Aber im Schlafzimmer fehlten die Vorhänge und das Bettzeug. Das hieß auch, dass sie wiederkommen würde. Großartig. Ich schmierte schnell eine Stulle und mit der zwischen Zähnen schlüpfte ich in meinen letzten verblieben Slip und in mein Unterkleid. Ich schnürte mir mein Korsett, tauchte in den gold-roten Brokat und zuppelte mir alles zurecht. Meine Ärmel waren aus Gaze und mit feiner Spitze ans Kleid genäht. Wie gestern auch ließ ich meine Haare offen und flocht mir nur einzelne Strähnen ein.

Pah. Eine Zofe. Wer brauchte schon eine Zofe. Ich drehte mich zufrieden vor dem Spiegel hin und her. Und ich war sogar in der Zeit geblieben. Ich sollte zu Wetten dass…? gehen. Cain wartete vor meiner Tür und lächelte. “Eure Hoheit - eine Augenweide. Wie immer.” Er gab mir sogar einen Handkuss. “Spinner”, brummte ich, musste aber lachen. Thorin trat aus seinem Gemach. “Seid ihr so weit?”, fragte er und zupfte sich die Ärmel des Überwurfs zurecht. Ich nickte kurz. Mein Diadem kratze und ich wollte es abnehmen und neu aufsetzen, doch es hing irgendwo fest. Shit. Das war mir noch nie passiert. “Warte-” Cain griff nach der Krone. “Da hat sich eine Strähne um einen der Steinchen gewickelt…” “Au, Cain!” “Entschuldige.” Ich verzog mehrfach das Gesicht. Thorin beobachtete uns ruhig aber distanziert. Nach ein paar Sekunden waren Krone und Strähne getrennt und ich rieb mir über die Kopfhaut. Cain strich die Strähne wieder glatt und setzte mir das Diadem wieder auf. “Besser?” “Ja. Irgendwie war das komisch, sie hat gekratzt.” Ich lächelte ihn dankbar an. Mit Cain im Rücken und Thorin wie immer neben mir machten wir uns auf den Weg. Zum ersten Mal seit er wieder wach war, versuchte Thorin nicht, meinen Arm zu nehmen. Er nahm lieber das Geländer zu Hilfe. Wie auch bei dem Prozess gegen Eato und Kravagh steuerten wir zuerst den kleinen Raum an, um uns mit den anderen zu besprechen.

Die anderen waren bereits dort, jeder von ihnen mit etwas Rotem in der Kleidung. Ich und Thorin als Regentenpaar komplett rot, Fili und Kili mit einem roten Überwurf, Tess in einem weiß-roten Kleid. “Wie geht es Amira?”, fragte ich Tess und umarmte sie fest. “Sie ist stabil. Sehr schwach, aber stabil. Penelope hingegen würde am liebsten sofort laufen lernen. Die Strampelt und quietscht und blubbert ohne Unterlass.” “Und sie isst die ganze Zeit”, fügte Kili hinzu. “Du könntest ihr einen Schlauch in den Mund hängen und sie würde daran nuckeln, bis sie platzt!” Ich lachte auf. Was ein Vergleich. “Wie ist der Plan?”, fragte Fili da, der mit verschränkten Armen an der Wand lehnte. “Irgendwelche Änderungen?” Thorin und ich wechselten einen kurzen Blick. “Los”, sagte ich spitz, “schließlich war es deine Entscheidung.” “Meine- Judy, ich habe bloß einen Vorschlag gemacht! Das ist keine leichtfertige Entscheidung und ich will, dass du alles durchdenkst, bevor-” “ICH habe alles durchdacht, aber das scheint nicht mehr zu genügen!” “Oh großartig”, seufzte Tess. “Musstet ihr euch gerade heute streiten?”, fragte auch Kili. Tja, das war die Frage, nicht wahr? Wäre es besser gewesen diesen Streit in einer Woche zu führen, wenn wir bereits in einer offiziellen Beziehung wären, aus der niemand von uns mehr rauskäme? Oder wäre der Streit dann gar nicht so groß geworden, weil nichts auf dem Spiel stand und wir beide keinen Druck mehr hatten, unsere Beziehung öffentlich zu machen?

Fili atmete angestrengt ein und aus. “Wird es, nach den Rechtsprechungen, zu einer Verkündigung eurerseits kommen oder nicht?” Ich schluckte hart. “Ich bin noch immer bereit dazu”, sagte ich leise ohne zu Thorin zu blicken. “Und ich denke, dass wir nichts überstürzen sollten.” Tja. “Da habt ihr eure Antwort”, sagte ich ruhig und drängte meine Enttäuschung zurück. “Judy-” “Wir sollten los”, unterbrach ich Thorin. “Die anderen werden warten.”

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Es war eine verdammte Farce. Ich saß neben Thorin auf dem Thron rechts von ihm, Fili hatte links Platz genommen. Tess und Kili saßen wiederum links von Fili, da Kili direkt mit Thorin verwandt war. Was mich im Grunde zum fünften Rad am Wagen machte. Der Thronsaal war übervoll, die Zwerge erstaunlich ruhig und angespannt. Natürlich, die erwarteten hier den größten Skandal der Geschichte. Im Grunde kein Wunder, dass Thorin einen Rückzieher machte. Wer wusste schon, ob sein Platz auf dem Thron, so kurz nach seiner Genesung, gefestigt genug war. Andererseits - ringsherum standen Soldaten, die sicher keinen zweiten Aufstand hinnehmen würden, während der rechtmäßige König auf dem Stuhl saß. Ich lächelte süßlich vor mich hin, während Thorin eine Ansprache hielt und aufzählte, wie dankbar er für die Loyalität seiner Untergebenen war und wieso daher die Aufständigen so hart und gleichzeitig individuell bestraft werden mussten. Niemand zeigte auch nur ansatzweise Interesse an mir und was ich von dieser Rechtsprechung hielt. Wieso auch. War ja nur die gewesen, die fast geköpft worden wäre. Die Gefangenen hatten wir in mehrere Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe, zu der auch Rocko gehörte, waren Aufständige, die keine Waffe getragen und zu 99,9% auch niemanden verletzt hatten. Sie würden ein Jahr im Kerker bekommen.

Die zweite Gruppe waren bewaffnete Aufständige, die bewaffnet gewesen waren, aber die Waffen recht schnell niedergelegt hatten oder geflohen waren - anderthalb Jahre Knast. Die dritte Gruppe waren Bewaffnete gewesen, die auch verletzt hatten - 2,5 Jahre Knast. Dann diejenigen, die auch getötet hatten - fünf Jahre mit anschließender Verbannung aus allen Fürstentümern. Die paar Zwerge, die von der Gruppe übrig geblieben waren, die den Ostgang gestürmt hatte - zehn Jahre plus anschließende Verbannung. Dann gab’s die paar Zwerge, die mich und Cain zur Hinrichtung gerissen hatten - drei Jahre Zwangsarbeit plus Verbannung. Dann kamen die Zwerge, die Breeda bei der Organisation geholfen hatten - mehrere Zofen, die Küchenmagd, die das vergiftete Essen serviert hatte, Soldaten, die das Militär unterwanderten, Spitzel und was weiß ich nicht alles. Ihnen wurde ihr Besitz und Status genommen, sie durften keinen Kontakt zu jemanden aus Breedas Familie haben und wurden verbannt. Verstießen sie gegen irgendetwas davon, würden sie gehängt. Das klang seicht für Mitorganisatoren, aber wir konnten sie nicht einfach hinrichten. Dass wir die Hinrichtungen komplett aus den Bestrafungen gestrichen hatten, wurde sowieso wahrgenommen. Wir versuchten hart zu urteilen, den Leuten aber auch Perspektiven zu bieten - Hoffnung.

Dann kamen Breeda und der Zwerg, der versucht hatte, mich zu vergewaltigen. Letzteren hatte man geknebelt - vermutlich um zu verhindern, dass er den ganzen Erebor von seinem Angriff auf mich erzählte. Wie auch im Gefängnis winselte er bei meinem Anblick und seine Augen begannen zu glänzen. Cain hinter mir legte warnend die Hand auf den Schwertknauf. Beide wurden auf die Knie gezwungen und Thorin stand auf. Ich sah nicht auf, schließlich hatte ich bisher nichts zu sagen gehabt. Warum sollte sich das nun ändern? “Diese beiden Zwerge werden die Höchststrafen beziehen”, sagte Thorin ruhig. “Miss Breeda, die den Aufstand plante und mehrere Mordversuche an mir und Ihrer Hoheit versuchte. Und Sir Groi, dem ebenfalls ein Mordversuch auf Ihre Hoheit nachgewiesen wurde.” Thorin stieg die Treppen hinab und zu meiner Überraschung folgte ihm Friga. Ich sah zu Fili, der jedoch nur leicht mit den Schultern zuckte. Was hatte Thorin vor? “Miss Breeda, viele Eurer Familienmitglieder haben bei mir vorgesprochen, um Gnade Euch gegenüber walten zu lassen-” Sie sagte nichts, war aber ganz und gar die demütige, leicht verängstigte Frau, die die Leute sehen wollten. “Als meine ehemalige Verlobte und bis vor kurzem treue Untertanin, waren ich und Ihre Hoheit gewillt, Euer Leben zu verschonen.”

Breeda atmete tief ein und lachte erleichtert auf. Ein Raunen ging durch den Raum. “Ihr werdet bis zum Rest Eures Lebens in einer Zelle im Erebor hausen. Jeglicher Verstoß gegen die Gefängnis-Regeln und ich lasse Euch hinrichten.” Breeda nickte und schluchzte auf. “Ich danke Euch, Eure Majestät”, weinte sie und schluchzte herzzerreißend auf. “Ich danke Euch.” Jaja. Thorin hatte ihr sicher bereits von der Strafe erzählt, sie spielte nur. Ich verdrehte die Augen. Dann drehte Thorin sich zu Sir Groi um. “Für Sie, Sir, hat niemand vorgesprochen”, sagte Thorin. Seine Stimmfarbe änderte sich, wurde dunkler und gefährlicher. “Während ich mein Leben nach all den Jahrzehnten als sehr erfüllt ansehe, so  sehr hat es mich getroffen, dass das Leben Ihrer Hoheit beinahe beendet wurde - durch Euch. Dennoch hat Ihre Hoheit plädiert, Euch das gleiche Schicksal zukommen zu lassen, wie Miss Breeda.” Der Zwerg schien was sagen zu wollen, aber niemand nahm ihm den Knebel aus dem Mund. Es hatte einiges an Überredungskunst gekostet, dass Thorin meine Strafe akzeptiert hatte. Aber: Er durfte Breeda, die den ganzen Kram erst begonnen hatte, begnadigen und Sir Groi sollte sterben, weil er mich angefasst hatte? Gut, vielleicht hätte er mich auch umgebracht, das wusste niemand. Aber ich hätte es unverhältnismäßig gefunden.

Thorin sah kurz zu mir und ich runzelte die Stirn. Sein Gesichtsausdruck trug irgendwie eine entschuldigende Mimik. Als würde er etwas tun, was wir nicht abgesprochen hatten. Oh nein. Nein! “Thorin!” Er ignorierte mich, als er sich wieder Sir Groi zuwandte. “Ich stimme Ihrer Hoheit in diese Hinsicht nicht zu”, redete Thorin weiter, “ich kann nicht zulassen, dass Ihr die gleiche Bestrafung bekommt, wie Miss Breeda. Sie haben sie nicht verdient.” Nein. Nein, bitte Thorin, nicht! “Sir Groi, Sie sind hiermit zum Tode verurteilt-” Ich sprang auf. “Thorin!” “Sir Friga, bitte-” Thorin machte eine kleine Handbewegung. Ich sprang die Stufen herunter, eilte auf Thorin und Friga zu, der einfach das Schwert zog und sich neben Sir Groi stellte. “THORIN!” Doch ehe ich auch nur ansatzweise in seiner Nähe war, hatte Friga das Schwert gehoben und ließ es hinuntersausen. Ich stoppte abrupt und spürte, wie mir mein Frühstück hochkam. Breeda hatte ebenfalls aufgeschrien, Blut sprenkelte ihr Kleid und ihr Gesicht. Der Kopf des Zwerges kullerte zur Seite vor ihre Knie und sie wurde so blass, dass ich befürchtete, sie würde kollabieren. Ich jedoch biss die Zähne zusammen. Dutzende Augen lagen auf mir - Männer, Frauen, Adel wie Gesinde. Ich durfte meinen Emotionen nicht hier und jetzt erliegen.

Friga wischte sein Schwert an Sir Groi ab und steckte es weg, ehe er sich in Thorins Richtung verbeugte. “Ich danke Euch, Hauptmann.” Thorin wollte erneut zu mir sehen, bemerkte, dass ich nicht mehr auf dem Thron sah, sondern in unmittelbarer Nähe zu ihm und verzog kurz irritiert die Brauen. “Ich danke allen Anwesenden für Ihr Erscheinen”, sagte Thorin ruhig. “Sollte jemand mit dem Strafmaß nicht zufrieden sein, darf er ab morgen bei mir vorstellig werden. Ansonsten-” Er stockte kurz. Jetzt wäre eigentlich der Moment gekommen, unsere Verbindung offiziell zu machen. Breeda und Sir Groi wären in die Zellen zurückgekehrt, Thorin auf den Thron neben mir und wir hätten der Welt gesagt, dass dieser Aufstand nicht umsonst durchgestanden worden war, sondern dass wir als Paar gestärkt daraus hervorgegangen waren. Was gelogen wäre. Denn momentan kam mir der Graben, den dieser beschissene Aufstand gerissen hatte, unüberwindbar vor. Breeda hob abwartend eine Augenbraue und auch die anderen Zwerge wurden unruhig. Sie alle erwarteten es. Sie alle wollten uns feiern oder begaffen oder was auch immer. Doch genauso wie ich es wusste, wusste es auch Breeda, dir mir, trotz Blut im Gesicht einen Blick zuwarf, der sehr eindeutig war. Sie sagten: Ich habe gewonnen.

Und sie hatte Recht. “Ansonsten”, sagte Thorin leise, “ist die Versammlung hiermit beendet. Ich danke Euch.” Er wandte sich zum Thron um, doch ich wartete keine Sekunde ab und rauschte an ihm vorbei, bevor er mich zurückhalten konnte. Ich stieg über Sir Grois Leiche und wirbelte durch den Gang, den die Leute mir freihielten. Hinter mir konnte ich Cain hören, der mir hektisch folgte. Ich sagte doch. Es war eine beschissene Farce gewesen.
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