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The Prince of silver fountains (2)

GeschichteFantasy, Suspense / P18 / Gen
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2018
01.04.2021
96
443.675
63
Alle Kapitel
203 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
05.11.2020 5.248
 
Hallo zusammen :)

Der Aufstand ist vorüber und alle müssen nun erst einmal verarbeiten, was da passiert ist. In diesem Sinne geht es also weiter.
Ich danke euch für eure Rückmeldungen, die ich gleich noch beantworten werde. :)

Ich wünsche euch einen guten Start morgen ins Wochenende - bleibt gesund und langweilig euch nicht zu sehr ;)
Drücker,
CasseyCass *-*

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Judy
Ich schlief genau einen Tag, sechs Stunden und vierzehn Minuten. Zumindest sagte Cain das, der die ganze Zeit über mich gewacht hatte. Er sah tatsächlich auch so aus, als hätte er einen Tag, sechs Stunden und vierzehn Minuten lang nicht geschlafen. Als ich endlich wach wurde, die Glieder steif und schmerzten, mein Kopf komplett verneblt, mein Magen ein riesiges, hungriges Loch, galt mein erster Gedanke Tess, dann Thorin und schließlich Fili. Fili war hier. Wie äußerte man einem Zwerg seine Dankbarkeit, der bereits alles besaß? Wie sollte ich mich bei Cain bedanken? Oder bei Tess? Es wurde Zeit, dass Thorin wieder fit wurde, der könnte das sicher besser regeln als ich. “Du legst dich jetzt hin”, sagte ich an Cain gewandt und schwang die Beine aus dem Bett. “Los, es ist noch warm.” “Und wer hat ein Auge auf dich?”, murmelte er schlaftrunken. “Ich selbst.” Ich hob ihn aus dem Sessel an meinem Bett, löste seinen Schwertgürtel und drückte ihn in die Federn. Mit einigen Zerren bekam ich auch die Schuhe herunter und deckte den Zwerg zu. “Oh bei Durins Bart, dieses Bett ist der Hammer”, stöhnte Cain. “Ich weiß. Nun schlaf, solange du willst.” Ich steckte die Bettdecke um ihn herum fest und fuhr ihm über die Wange. “Ich verdanke dir mein Leben, Cain”, murmelte ich, “also gehorche dem Befehl deiner Regentin und schlaf.”

“Hm-Hm.” Ich lächelte und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. Ich vertraute ihm trotz seiner Müdigkeit nicht und blieb bei ihm sitzen, bis er tief und fest schlief und sein Atem ruhig und stet wurde. Dann erst tappte ich aus dem Schlafzimmer in den Wohnraum, um mir Unterwäsche zu suchen. “Humpf-” Ich knallte erschrocken an die Kommode, ehe ich herumfuhr und Dwalin anstarrte, der auf meinem Sofa saß und mich aus zusammengekniffenen Augen heraus ansah. “Bist du komplett irre?”, fauchte ich aufgebracht und zog mein Unterkleid irgendwie an die richtige Stelle. “Ich habe dich schon in Unterwäsche gesehen”, brummte er, “also reg’ dich ab.” “Was tust du hier?” “Ich wollte mit dir reden, aber du hast noch geschlafen. Und dieses Ding hier ist bequem-” Er hüpfte auf dem Sofa hin und her. Ich griff meinen Slip und den BH fester. “Ich gehe jetzt duschen und mich anziehen und dann können wir gerne reden”, flüsterte ich, da ja die Schlafzimmertür aufstand und ich Cain nicht bereits wieder wecken wollte. “Beeilst du dich oder brauchst du auch wie Breeda fünf Stunden im Bad?” Woher wusste er, wie lange Breeda im Bad brauchte?! “Eine halbe Stunde”, knurrte ich, “nicht, dass es dich etwas angehen würde.” Irgendwie war er noch immer der Idiot, der mich nicht leiden konnte.

Ich schlich wieder ins Schlafzimmer, schloss die Tür und holte mir eine Hose und ein T-Shirt aus meiner Kiste. Cain schnaufte zufrieden in meinem Bett. Das hatte er sich echt verdient. Im Bad besah ich mir meine Hämatome. Die Salbe, die Dis mir aufgetragen hatte, hatte meine Muskeln nicht ganz so hart zurückgelassen, wie sie es nach einem solchen Übergriff gewesen wären. Doch meine Beine waren komplett wund. Tiefe Kratze zogen sich an der Innenseite meiner Oberschenkel entlang, bedeckt von Blauen Flecken, die die Form von Fingern hatten. Ganz sachte wusch ich mir darüber, tupfte eher als dass ich rieb und seufzte, als das kalte Wasser die erhitzte Haut kühlte. Dann erst wusch ich mich gründlich ab. Das Blut, der Schweiß, der Dreck - es wanderte alles in den Abfluss. Ich wusste, dass ich eigentlich ein Kleid anziehen sollte. Wer wusste schon, wer mir auf den Fluren heute begegnen würde. Aber ich konnte nicht. Ich wollte nur einen Tag keine Regentin sein. Nur einen Tag. Also umwickelte ich meine Oberschenkel mit Verbänden, die von der Creme getränkt waren und schlüpfte in meine Hose, die nun zwar etwas pepper saß, aber ebenso bequem.

Ich blieb ungeschminkt und meine nassen Haare band ich einfach zu einem Dutt zusammen. So gut und normal hatte ich mich lange nicht mehr gefühlt. Dennoch… Als ich in den Spiegel sah und mein blasses Gesicht, die tiefen Augenringe und den blaue Fleck am Kinn sah, griff Verunsicherung nach mir. Im Spiegel spielten sich die Szenen von gestern ab und ich sah mir den Übergriff an, als würde ich eine Serie schauen, die mich anwiderte. Jeder, ob nun Dwalin auf der Couch oder Friga oder ein einfacher Kammerdiener, würde erkennen, dass ich nicht okay war. Dass etwas in mir wucherte wie eine schwarze Krankheit, wie Krebs, nur dass sie nicht meinen Körper sondern meinen Geist zersetzte: Angst. Furcht. Panik. Ich biss die Zähne zusammen und wischte über das Gesicht, als wolle ich die ungeweinten Tränen, die mir in der Kehle brannten, bereits im Voraus los werden. Es wussten bereits zu viele von dem, was im Saal geschehen war. Und natürlich - dass Kili und Tess davon erfuhren, war ebenso klar. Aber niemand sonst durfte davon wissen. Ich würde eine bombensichere Mauer um dieses Geheimnis hochziehen, so hoch und dick, dass nicht einmal Nordkorea und die USA zusammen hindurchkämen.

Ich straffte die Schultern und atmete zweimal tief ein, um mich auf das Gespräch mit Dwalin zu fokussieren. Ich setzte ein Lächeln auf, ließ es wieder fallen, weil es unecht wirkte und versuchte es mit einem weniger breiten, vielmehr einem Schmunzeln gleichenden Lächeln. Ja, besser. “Hallo”, sagte ich zu meinem Spiegelbild mit genau dem Lächeln. “Guten Tag. Nein. Gestattet. Das sollten Sie nicht mich fragen. Meine Herren. Auf Wiedersehen.” Dieses Lächeln ging mit allem. Genau sowas brauchte ich. “Auf in den Kampf”, flüsterte ich zuletzt. Mal sehen, was Dwalin mir davon abnahm. Ich sah noch einmal nach Cain, der sich auf den Rücken gedreht hatte und lächelte. Wenn er schlief, sah er aus wie ein rothaariger Welpe. Richtig süß. Ich ließ ihm eine Notiz da, dass ich unsere Kranken besuchen und nach Fili sehen würde und er sich keine Sorgen machen brauchte, ehe ich wieder zu Dwalin stieß. “Und dreißig Minuten oder drunter?”, fragte ich neckend, was nur mit einem Brummen quittiert wurde. Ich griff nach Wasser und einer Scheibe Brot auf dem Tresen und setzte mich neben ihn. “Was gibt’s?”, fragte ich und hob sogleich die Hand. “Moment - willst du mit Judy reden oder mit Ihrer Hoheit der Regentin? Denn letztere hat heute frei.” Dwalin verzog amüsiert die Lippen. “Eine Regentin nimmt sich nicht frei.”

“Hm, doch, diese hier schon. Also? Worum geht es?” Dwalin beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf die Knie. “Wir haben Grund zur Annahme, dass Thorin wieder wird”, sagte er. “Breeda hat gestanden, dass sie ihm eine zweite Portion Gift untergejubelt hat. Ohne ihr Einwirken, sollte er bald aufwachen.” “Wie bald?”, fragte ich. “Eine Woche? Vielleicht zehn Tage. Je nachdem, wie schnell Tess sich erholt und ob sie ihn unterstützen kann.” “Wieso hat Breeda überhaupt Thorin angegriffen?” “Breeda wollte Thorin, Judy. Sie wollte dich aus dem Weg haben, um ihren Verlobten zurückzubekommen. Als ihr erster Giftanschlag fehlschlug und du auch noch den Thron bekamst… Ohne Fili, hätte sie sich als die Retterin in der Not aufspielen können. Thorin vergiftet, du als Eindringling - sie hätte immerhin etwas aus der Lage machen können.” Ich schüttelte den Kopf und biss von meinem Brot ab. “Diese Frau ist krank.” “Diese Frau wird vor allem die erste sein, die hängt.” “Nein.” “Nein?!” “Nein! Wir hängen sie nicht.” “Dann köpfen wir sie?” “Nein- Dwalin! Wir richten niemanden hin!” “Bist du verrückt?! Wir haben fünfzig Zwerge in Zellen gesteckt, willst du sie alle begnadigen?” “Gewiss nicht. Jeder wird sein Urteil bekommen. Aber ich lasse mich nicht auf deren Niveau herunter und bringe Leute um, die mir gegen den Strich gehen.”

“Wie willst du sie dann bestrafen?” “Das werde ich noch herausfinden.” Dafür musste ich mich erst einmal mit meinem Rechtsexperten beraten… Dwalin schüttelte noch immer den Kopf, Unverständnis auf seinen Gesichtszügen. “Was noch?”, fragte ich kauend. “Fili hat eine Putzkolonne antreten lassen, die den Berg säubert. Er sieht heute die wichtigsten Papiere durch und berät sich kurz mit dem Rat, mehr wird heute nicht geschehen. Er möchte sich erst mit dir absprechen.” “Alles klar. Gibt es Zahlen zum Übergriff?” “In etwa. Wie gesagt, fünfzig Inhaftierungen, weitere 35 Tote, mehrere dutzend Verletzte. Schätze, die Dunkelziffern sind noch höher. Wir durchleuchten alle Kontakte von Breeda und ihrer Sippe und laden jeden einmal vor. Wer verdächtig erscheint wird unter Stubenarrest gestellt.” Ich nickte. Sehr gut. Wir mussten einen Überblick bekommen, wer welche Rolle in diesem Aufstand gespielt hat. “Kili ist bei Tess, er bittet dich bei ihm vorbeizuschauen-” “Natürlich.” “Und ich schätze, du möchtest nach Thorin sehen. Er liegt in Filis Zimmer.” “Danke.” “Jeder, der verletzt wurde und am Aufstand beteiligt war, liegt im Krankensaal und ist ans Bett gefesselt worden, damit keiner türmen kann.”

“Wie sieht’s mit unseren Soldaten aus? Verluste?” “Drei tote Soldaten, fünf Verletzte. Geringe Zahlen im Vergleich mit den Aufständischen.” Dennoch traurig. “In Ordnung”, murmelte ich, “ich will, dass die Leute sich heute ruhig verhalten. Lass Wort durchsickern, dass es Thorin besser geht und Tess verletzt wurde, das schürt das schlechte Gewissen und macht uns ab morgen die Arbeit leichter. Schick Wort an Fili, dass ich in zwei Stunden bei ihm sein werde, sobald ich bei Tess und Thorin war. Ich möchte mich mit ihm bereden, was mögliche Belohnungen angeht. Cain verdient eine, ebenso Friga und Tatjanah, ganz abgesehen von Tess. Und wenn ich Monumente in den Berg schlagen werde, die Welt soll wissen, was sie getan haben. Außerdem möchte ich Anschläge an den Sälen haben. Die Leute sollen wissen, was Verrätern und deren Unterstützern droht-” “Offenbar ja keine Hinrichtung.” “-aber achtet darauf, dass alle Ausgänge verschlossen bleiben und bewacht sind.” Ich ignorierte seinen Einwurf einfach. “Ich will niemanden verschwinden sehen. Wir wollen hart durchgreifen, aber ebenso Gnade signalisieren. Vielleicht werden uns noch ein paar Maulwürfe ausgeliefert.” Dwalin nickte.

“Die Verletzten”, redete ich weiter, “sollen normal behandelt werden. Essen, Trinken, Medikamente, es soll an nichts fehlen. Wir kümmern uns auch um die schwarzen Schafe. Der Rat soll ab morgen wieder tagen, ich stelle eine Themenliste auf, die wir zusammen mit Fili abklappern müssen. Ich brauche alle Hilfe, die ich bekommen kann.” Noch etwas? Ich ging in meinem Kopf schnell die wichtigsten Punkt durch. “Das zum Thema, die Regentin hätte heute frei”, brummte Dwalin. Hm. Ich riss ein Stück Brot mit den Fingern ab und schob es mir in den Mund. “Vielleicht bin ich schon so sehr Regentin, dass ich es nicht mehr abstellen kann.” “Nein, ich denke nicht, dass das Amt dich geformt hat, Judy. Du formst das Amt. Auch ohne den Titel hättest du diese Befehle gegeben, bloß hätte ich nicht auf dich gehört.” Ich grinste schief. “Gut zu wissen.” Stumm aß ich mein Brot fertig, trank etwas und lehnte mich dann neben Dwalin ans Sofa. Für eine Weile starrten wir meine Kommode an. “Jetzt, wo Fili wieder da ist”, brummte Dwalin, “bleibst du Regentin?” “Ich dachte, er kann mich nicht befreien?” “Nein, kann er auch nicht. Aber du kannst dich zurückziehen.” “Das wäre nicht gerecht. Thorin hat mich nicht ohne Grund in das Amt gesteckt und ich würde Fili so oder so unterstützen wollen. Mit dem Titel fällt mir das leichter. Ich werde als Regentin arbeiten, bis Thorin stark genug ist, den Thron alleine weiter zu bedienen.”

“Was ist, wenn er das nicht möchte?” Ich drehte den Kopf zu ihm. “Wie meinst du das?” Dwalin zuckte mit den Schultern. “Wenn er dich zur Partnerin macht, hast du beschränkte Befehlsgewalt. Heiratet er dich, wirst du Königin. Wieso die Zeit nicht mit dem Regenten-Titel überbrücken?” “Überbrücken?”, wiederholte ich. “Dwalin, was hat Thorin dir erzählt?” “Nichts. Aber denkst du ehrlich, er löst eine jahrzehntelange Bindung mit Breeda, nur um dich ein paar Nächte in deinem Bett zu besuchen?” Das war schon wieder eines dieser Gespräche, das Thorin nicht gefallen würde. “Früher oder später wird er dich fragen”, sagte Dwalin, “vielleicht nicht in dem Moment, wo er aufwacht, aber in einem Jahr? In zwei Jahren? Ganz sicher.” “Dann habe ich ja glücklicherweise noch zwei Jahre, um mir über meine Antwort Gedanken zu machen”, erwiderte ich, ehe ich aufsprang und mein Glas abstellte. “Ich gehe zu Kili. Sag Fili, ich treffe ihn in zwei Stunden in Thorins Arbeitszimmer.” Dwalin nickte knapp und ich sah das Gespräch als beendet an. Ich griff mir noch einen Apfel, um meinen Zuckerhaushalt aufzupeppeln, ehe ich das Zimmer verließ. Wie erwartet wurden all unsere Türen mit Soldaten bewacht. “Eure Hoheit-” Salia neigte kurz den Kopf.

“Salia, seid Ihr okay?”, fragte ich besorgt. “Ihr habt tapfer gekämpft und ich möchte nicht, dass irgendeiner meiner Soldaten krank wird, nur weil ich für eine Menge Ärger sorge.” “Mir geht es gut, Eure Hoheit”, erwiderte Salia und lächelte knapp. “Im Gegensatz zu Sir Cain hatte ich bereits etwas Schlaf.” “Sehr gut. Ich bespreche mich kurz mit Prinz Kili und werde anschließend nach Seiner Majestät sehen. Anschließend muss ich dringend mit Fili reden. Ich wäre für Eure Begleitung dankbar.” “Natürlich.” “Sehr gut. Ich gebe Ihnen Bescheid.” Salia nickte. Innerlich gab ich mir einen High Five. Sah mich nochmal kurz über die Schulter um, ehe ich bei Kili anklopfte. Der Soldat lehnte einfach weiterhin neben meiner Zimmertür und schien nicht darüber erstaunt, dass ich kein Kleid trug oder irgendwie… anders aussah. Er agierte, als sei nichts geschehen. Und genau das wollte ich.

Kili
Er starrte auf Tess herunter und zum ersten Mal spürte er nichts bei ihrem Anblick. Keine Freude oder Zärtlichkeit oder gar Liebe. Keine Furcht, keinen Stolz. Nur maßlose Erschöpfung. Um ihretwillen, nicht seinetwillen. Kili bekam die Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Sie waren wie ein Albtraum, für den er nicht die Augen schließen musste…

Sein Schwert glitt durch einen der Zwerge vor ihm und Kili kämpfte sich weiter durch den Gang. Dwalin und ein paar seiner Soldaten würden hinter ihm aufräumen. Kilis oberste Priorität war zu Tess und seinem Onkel zu kommen. Obwohl er breit und hoch genug war, um sich gut darin bewegen zu können, war es eng von all den Zwergen, die hier kämpften und den Leichen am Boden. Verzweifelt stieg er über die Körper und versuchte irgendwo die Fackel auszumachen, die er Tess vorhin mitgegeben hatte. Wie weit waren sie zurückgewichen? Etwas schlug vor ihm in der Dunkelheit an die Wand und Kili duckte sich im letzten Augenblick, um dem Schwert auszuweichen, das aus dem Schwarz herausgeschossen kam. Er packte den Zwerg am Kragen und schlug ihn mit Wucht gegen die steinerne Wand. Er wollte nicht töten, wenn er nicht musste. Das waren seine Männer, seine Leute. Nur weil ihr Kopf von Breedas Lügen vergiftet worden war, hieß das nicht, dass sie per se böse und schlecht waren. Ein erleichtertes Seufzen glitt über Kilis Lippen, als hinter einer Biegung orangenes Licht aufflackerte. Zeitgleich ertönten laute Kampfgeräusche - mindestens fünf Zwerge. Kili packte sein Schwert fester und stob um die Ecke.

Zu seinem maßlosen Erstaunen war es nicht nur Bofur der mit seinem Hammer um sich schlug, sondern auch Tess. Ihr Kleid war gesprenkelt vom Blut, ihre Haare hingen verschwitzt in ihr erschöpftes Gesicht. Nori saß, die Hand gegen den Bauch gepresst an die Wand gelehnt da und holte nur mit seiner Axt aus, wenn einer dem König zu nahe kam, an dessen Kopf seine Mutter hockte. Kili rempelte den ersten Zwerg von hinten mit der Schulter um, drehte sich einmal und schlug mit drei Streichen zwei Waffen der Gegner fort. Hinter ihm ertönte ein Zischen und Kili spürte, wie eine Schwertspitze direkt an seiner Schulter hielt. Er fuhr herum. Tess zog ihr Schwert aus dem Bauch des Zwerges und die Klinge krachte auf den Boden. Ein zweihändiges Breitschwert. Das Ding musste so viel wiegen, wie die Heilerin selbst! Bofur preschte vor und nahm sich den letzten Angreifer vor, während Kili seine Waffe ablegte und vor Tess in die Hocke ging. “Shhht-”, machte er nur, löste ihre kalten, bebenden Fingerspitzen von der Waffe und zog Tess dann in seine Arme. Sie kippte einfach nur gegen und gab einen Laut in einer Mischung aus Schluchzen und Schrei von sich. “Es ist vorbei, Tess”, flüsterte Kili und drückte sie fest an sich. “Es ist vorbei, hab keine Angst mehr, Givashel… Keine Angst…” Doch ihr Körper von so tiefen Schluchzern geschüttelt, dass es Kili selbst fast umhaute.

“Könnt ihr die Trage nehmen?”, fragte er Bofur, der wieder zurückkam. “Ja. Nicht wahr?” Er blickte zu Nori, der ebenfalls grimmig nickte und sich aufraffte. Schwertwunde unter den rechten Rippen. Hoffentlich waren keine Organe beschädigt. Mit einem Arm um Tess’ Schulter und dem Schwert in der anderen Hand, führte Kili den Trupp aus dem Gang. Er half seiner Freundin über die toten Zwerge, die bei Tess erneut viele Tränen auslösten, die über ihr unnatürlich blasses Gesicht liefen. Ihre Hand krallte sich um seine, als sie über zwei Leichen kletterte und Kili bewahrte sie vor einen Sturz. Schritte wurden laut und Kili hob das Schwert, schob Tess hinter sich, doch es waren nur Dwalin und zwei seiner Soldaten. “Alles gesichert”, sagte der Krieger. “Sehr gut.” Dwalin schob auf den letzten Metern die Zwerge auf dem Boden einfach zur Seite, damit auch Bofur und Nori es einfacher mit der Trage und seinem Onkel hatten. Draußen kniff er gegen das helle Licht die Augen zusammen. Tess löste sich von seinem Arm und lehnte sich gegen die Wand neben der eingeschlagenen Tür, drückte die Stirn schwer atmend gegen den kühlen Stein. Kili half Bofur mit der Trage, sah kurz über die Schulter zu ihr. “Tess-?” Sie machte eine Handbewegung, die vermutlich beruhigend hatte wirken sollen, aber eher so schien, als wäre sie betrunken.

“Wir gehen zu unseren Gemächern”, sagte Kili, “der Krankensaal wird komplett überfüllt sein.” Dis kletterte, begleitet von den Soldaten aus dem Gang und lächelte ihren Sohn an. Nur eine Frau wie seine Mutter konnte dem Tod von der Schippe springen und so lächeln. Er drückte sie kurz und gab ihr einen Kuss auf die Haare. Er wollte gerade etwas Flapsiges sagen, um die Stimmung aufzulockern und seiner Erleichterung Luft zu machen, als Bofur einen erschrockenen Laut ausstieß: “-Tess!” Kili schnellte herum, kam aber eine Millisekunde zu spät. Tess hatte sich von der Wand gelöst, kalkweiß, einen Schritt getan und sank nun zusammen. Kili schaffte es noch, dass ihr Kopf nicht auf den Boden aufschlug. “Tess?! Tess!” Er tätschelte ihre Wangen. Die Blondine war komplett weggetreten. Nicht nur benommen sondern bewusstlos. “Thorin hatte einen Schock”, murmelte Dis hinter ihm. “Sie muss sich komplett verausgabt haben und dann der Kampf-” “Sie braucht schnellstens ein Bett und Wasser”, sagte Kili. Er hätte sie gar nicht erst los lassen dürfen. Er schob die Arme unter den zitternden Körper der Weltenwandlerin und hob sie hoch. Wie eine leblose Puppe hing Tess in seinen Armen und Kili musste mehrfach nachgreifen, dass ihr Kopf nicht nach hinten schlagen konnte. Dann schob er sich an den anderen vorbei und eilte auf die Treppe zu.


Kili zuckte zusammen, als Niko aus seinem Körbchen am Bettende sprang und in seiner Baby-Stimme die Tür anbellte. Judy trat ein und lächelte irritiert. “Hallo kleiner Kerl”, sagte sie leise und hockte sich hin, die Hand ausgestreckt. Der Welpe schnüffelte daran und, wie Welpen so waren, leckte kurze Zeit später darüber, ehe er versuchte auf Judys Beine zu klettern. Streckte die Nase in Richtung des Apfels in ihrer anderen Hand. “Seit wann habt ihr einen Hund?”, fragte sie und nahm Niko auf den Arm, um sich neben Kili auf den zweiten Stuhl zu setzen. “Seit ein paar Tagen”, murmelte Kili. “Tess wollte die ganze Zeit schon einen haben und da ich kaum Zeit für sie hatte… Ich wollte ihr etwas Gesellschaft schenken.” “Eine tolle Idee. Wie heißt er?” “Niko.” “Niko. Hübsch. Ein hübscher Name für einen hübschen Hund.” Ihre Finger kraulten den Hund unter der Kehle. “Wie geht es ihr?”, fragte Judy leise, den Blick besorgt auf Tess gerichtet. Kili hob die Schultern. “Sie hat sich nicht geregt, seitdem sie zusammengeklappt ist. Ich denke sie schläft, zumindest meinte Oin, dass ein Koma unwahrscheinlich wäre..” Judy streckte die Hand nach ihm aus und drückte seine Finger. Kili erwiderte die Geste fest. Schluckte hart. “Was ist, wenn sie nicht wieder aufwacht?”, fragte er mit belegter Stimme. “Sie hat ihre Macht überzogen, was ist…”

“Was wäre wenn hilft uns nicht weiter”, unterbrach Judy ihn sanft. “Tess ist eine Kämpferin. Mittelerde hat uns nicht hergeholt, würden wir einfach so aufgeben. Sie ist nur erschöpft. Wie wir alle.” “Wenn das hier vorbei ist, werde ich mit ihr den Berg verlassen”, sagte Kili und sah zum ersten Mal richtig zu Judy. “Zwei Monate, egal wohin sie möchte. Das schulde ich ihr.” “Und das wird sie auch brauchen”, stimmte Judy ihm zu. “Tess liebt Mittelerde, sie würde sicher gerne Bree oder das Auenland oder die Blauen Berge sehen. Das wird ihr helfen, das alles hier zu verarbeiten.” Ja. Kili musste sie aus dieser vergifteten Atmosphäre herausholen, musste sie auf andere Gedanken bringen. Diese ganze Situation raubte ihm jedes positive Gefühl, alles was Kili empfand war Besorgnis und Wut und Trauer und endlose Erschöpfung. Er würde Tess hier nicht helfen können. Nie im Leben würde er genug Zärtlichkeit für sie aufbringen können, nicht jetzt, nicht in diesem Moment. Es änderte nichts daran, dass er sie liebte. Kili wusste nur nicht, wie er diese Liebe unter all den anderen, niederschmetternden Emotionen finden und nutzen konnte. Sein Inneres fühlte sich wie die verschütteten Minen im Berg an. Geröll über Geröll über Geröll und irgendwo, ganz tief unten, die reichen Adern von Edelsteinen und Gold.

Niko sprang von Judys Schoß und stürzte sich stattdessen auf die Puppe, die Tess ihm zum Nagen mitgebracht hatte. Die paar Tage hatten bereits ausgereicht, dass dem Kuscheltier ein Auge fehlte, was Kili dem Welpen genervt und fluchend aus dem kleinen Mund gefischt hatte, bevor Niko es verschluckt hätte. “Wie geht es dir, namad?”, fragte Kili. Er und Judy waren sich weitgehend aus dem Weg gegangen, seit Tess Thorin wiederbeleben musste, aber er hatte noch genau vor Augen, wie Judy in die Knie gegangen war. Sie waren nur einen Millimeter davon entfernt gewesen, Thorin zu verlieren und das Ereignis, ebenso wie der Aufstand, hatten etwas an Judy verändert. Als hätte sie gegenüber dem Gedanken kapituliert, dass Thorin jeden Augenblick sterben könnte. Dennoch lächelte sie ihn nun an. Verzog die Lippen zu einem dünnen Lächeln, das ihre Augen nicht einmal ansatzweise erreichte. “Ich bin okay, mach dir um mich keine Sorgen”, sagte sie und drückte ein weiteres Mal seine Hand. “Ich brauche noch etwas Schlaf und Essen und ab Morgen geht alles seinen gewohnten Gang.” “Man hat dir ein Schwert an die Kehle gelegt”, brummte Kili, “und das macht gar nichts mit dir? Das kannst du mir nicht weismachen.” Selbst Judy musste so etwas wie Furcht empfunden haben. Niedergeschlagenheit. Bitternis. Irgendetwas!

Judy sah Niko zu, wie er die Puppe hin und her schüttelte und nahm schließlich ihre Hand wieder zu sich, um sich kurz über die Unterlippe zu fahren. “Sagen wir so”, sagte Judy, “ich bräuchte auch zwei Monate außerhalb des Berges, um wieder auf die Beine zu kommen.” Also doch. Kili wollte schon wieder zu Tess blicken, als Judy endlich in ihren Apfel biss. Sie hob den Arm, ihr Ärmel verrutschte und entblößte ein paar ausgeprägte Blaue Flecken. Kili runzelte misstrauisch die Stirn und musterte seine Schwester. Sie hatte die Beine nicht überschlagen, wie sie es sonst tat und er meinte, dass die Hose an den Oberschenkeln etwas spannte - als hätte Stoff um die Beine gewickelt. Er schluckte angespannt und sah wieder geradeaus. Er hatte Fili seit dem Aufstand nur kurz gesehen, weil er sich weigerte Tess’ Seite zu verlassen, doch hätte ihm sein Bruder doch gesagt, wenn Judy etwas geschehen wäre? Ihr Daumen fuhr über die Schale des Apfels, als würde sie ihn massieren wollen. Sie war nicht nur müde, wie der Rest der Familie und vermutlich des ganzen Berges. Sie war komplett in sich gekehrt und machte irgendetwas mit sich selbst aus.

“Geh dich duschen”, sagte Judy da und blickte von ihrem Apfel zu Kili. “Du siehst miserabel aus. Ich bleibe solange bei Tess. Aber sie würde es mir nie verzeihen, wenn du komplett verwahrlost aussiehst, wenn sie aufwacht.” Das zauberte Kili tatsächlich ein schiefes Lächeln aufs Gesicht. Da hatte sie Recht. Tess steckte ihn deutlich öfter in die Wanne als irgendein anderer Zwerg es tun würde, sie schnitt seine Haare und wollte ihn letztens sogar rasieren - was Kili ihr erfolgreich ausreden konnte. Haare waren das eine. Aber an seinen Bart, der sowieso nur dünn wuchs, würde er sie nicht heranlassen. Am Ende besaß er gar keinen mehr. “Und du bist wirklich in Ordnung?”, hakte Kili noch einmal nach. “Ja. Ich werde jetzt mit Niko spielen, er wird mich aufmuntern.” Der Hund sah, samt Puppe im Maul zu Judy, als könnte er seinen Namen bereits verstehen und ahnte, dass die Weltenwandlerin an sein Spielzeug wollte. “Gut. Bis gleich, namad.” Kili fuhr Judy einmal kurz über die Haare. An der Badtür drehte er sich noch einmal um, doch sie saß bloß da und starrte auf den Boden, den einmal angebissenen Apfel regungslos in der Hand. Irgendetwas stimmte hier nicht. Thorin musste aufwachen. Judy machte irgendetwas mit sich selbst aus und Kili ahnte, dass nur ihr Onkel ihr helfen könnte, damit fertig zu werden. Was auch immer es war.

Judy
Kili schlief in der Badewanne ein und zehrte damit meine zwei Stunden auf, bis ich bei Fili antreten musste. Es machte mir nichts, er brauchte die Ruhe und ich wusste, dass er an Tess’ Seite nicht ruhen würde. Außerdem hielt Niko mich beschäftigt. Nachdem wir mit der Puppe gespielt hatten, war er unters Bett gekrabbelt und hatte sich geweigert wieder heraus zu kommen, weshalb ich kurzer Hand selbst auf die Knie gefallen war. Immerhin lagen weder Pornohefte noch alte Pizzaschachteln unter der Matratze. Und da Kili durchaus eine Zofe eingestellt hatte, die Tess zwar nicht beim Anziehen aber beim Putzen half, war auch kein Staubfilm auf dem Boden. Ich hätte noch ewig mit dem Welpen spielen können. Er lenkte mich ab und er ließ mein Leben plötzlich so normal erscheinen. Für zwei Stunden war ich keine Regentin, deren Königreich einen Aufstand angezettelt hatte und deren König todkrank im Bett lag. Ich war einfach nur Judy, eine junge Frau, die Hunde liebte und zu faul war, sich ihrer Arbeit zu widmen. Doch als Kili schlaftrunken und viel sauberer und fitter aus dem Bad kam, musste ich das Feld räumen. Und Niko war von dem vielen Spielen müde. Statt Thorin zu besuchen, schnappte ich mir also gleich Salia und ging zu Fili, der verzweifelt versuchte in Thorins Arbeitszimmer eine Ordnung zu erahnen.

Kili und Dis arbeitete beide unterschiedlich chaotisch - ich hatte mich erst gar nicht eingemischt, meine Unterlagen lagen allesamt in der Holztruhe.  Daher war ich tatsächlich etwas hilfreich gewesen, als ich Fili erklärt hatte, was wir in den vergangenen Tagen getrieben hatten, was ich mit dem Rat andachte und welche Projekte ich geplant hatte. Wir würden morgen mit dem Rat alles weitere besprechen, aber so hatte Fili immerhin einen Überblick und konnte vor allem einschätzen, wie ich arbeitete. Im Grunde vertraute ich den Ratsmitgliedern und ihrer Expertise, weshalb ich vieles einfach abnickte. Aber es hatte natürlich Diskussionen gegeben - wie die Gehaltsabrechnungen - und meine Projekte würden weitere Diskussionen schüren. Fili musste nicht komplett hinter mir stehen, aber wenn er mich hier und da unterstützen würde, wäre mir schon viel geholfen. Das war auch unsere Agenda für die Bekanntgabe morgen. Mit Fili als direkten Thronfolger und mir als Regentin, hielten wir es für sinnvoll die Zwerge zusammen zu trommeln und im Thronsaal eine Ankündigung zu machen - welchen Schaden hatte der Aufstand verursacht, was würde mit den Gefangenen geschehen, wie würden ich und Fili zusammenarbeiten, was planten wir, wie ging es Thorin und so weiter.

Fest stand vor allem eines: Der Aufstand hatte nichts geändert. Ich war Regentin und Fili Thronerbe und wem das nicht passte sollte sich verziehen. Weitere Unruhen würde es nicht geben. “Und du willst dich wirklich nicht zurückziehen?”, hatte Fili gefragt, relaxt zurückgelehnt in dem Stuhl hinter Thorins Schreibtisch. “Nein. Das wäre weder dir noch Thorin gegenüber gerecht.” “Wir beide würden es verstehen. Er hat dich in dieses Amt getrieben, was hält dich noch?” Die Antwort war: Keine Ahnung. Der Thron hatte mir bisher nur Ärger bereitet und das würde nicht besser werden, bis Thorin wieder wohlauf war. Vermutlich war genau das der Punkt. Ich wusste nicht, ob er wieder wurde. Oin konnte nur raten, Tess war nicht wach und konnte keinen Scan vornehmen. Wir spekulierten, anhand seines Pulses, dass Thorin stabil war. Aber wussten wir es? Niemand konnte sagen, ob das Gift nicht irgendwelche bleibenden Organschäden verursacht hatte. Wir mussten warten. Und wie ich mich kannte, würde ich wahnsinnig werden ohne eine Aufgabe. Also blieb ich weiterhin Regentin und tat, als wäre nichts geschehen, weil alles andere eine noch beschissenere Option wäre.

Gegen Abend, nachdem alle wichtigen Punkt abgehakt waren, fand ich endlich Zeit zu Thorin zu gehen. Salia folgte mir bis zur Schlafzimmertür und nahm dort Stellung ein, während ich in das abgedunkelte Zimmer schlüpfte. Für ein paar Sekunden stand ich reglos vor dem Bett. Thorin atmete ruhig, seine Gesichtsfarbe sah besser aus, als noch vor ein paar Tagen. Aber er hatte abgenommen - die Wangenknochen stachen stark hervor und das bisschen Brust, was im Ausschnitt der Tunika zu erkennen war, war knochiger als ich es aus unserer Nacht erinnerte. Auf dem Kriegsfeld hatte Thorin immer gewirkt, als würde ihn nichts besiegen können, obwohl der Tod direkt vor seiner Schwertspitze getanzt hatte. Nun, in diesem großen Bett und so blass und dünn, wirkte er keineswegs unbesiegbar. Im Gegenteil. Er sah aus, als wäre er besiegt. Ich spürte, wie mir eine Träne über die Wange lief und wischte sich langsam fort. Dann trat ich mir die Schuhe von den Füßen und kletterte vorsichtig in das Bett neben ihn. Das war schonmal bequemer als im Krankensaal. Ich legte meinen Kopf an Thorins Arm und spürte seinen Atem über meinen Kopf streichen. Wenn ich die Augen schloss und mich anstrengte, würde es fast so scheinen, als würde er nur schlafen. Wie in unserer ersten Nacht zusammen…

Er hatte gedacht, ich hätte nur geschlafen, aber das stimmte nicht. Ich hatte zeitweise einfach neben ihm gelegen, seine Anwesenheit neben mir genossen und in mich hineingelächelt. Ich konnte mich an seinen Geruch erinnern und wie weich seine Haut am Bauch unter meinen Fingern gewesen war. Und nur etwas weiter oben härter und unnachgiebiger, wo Muskeln unter meinen Berührungen gezuckt hatten. Alles an ihm war in dieser Nacht so… neu gewesen. Er hatte gelacht und gelächelt und mich geneckt, wo er sonst zurückhaltend und ernst war. Seine Hände, die mit tödlicher Wucht ein Schwert führen konnten, waren nur liebkosend und zärtlich gewesen und sein Körper, sonst unnahbar und in seinen königlichen Gewändern ein Schild, hatte gebebt und sich meinen Bewegungen angepasst, wie zwei Magnete, die einander anzogen und wieder abstießen. Kein König, kein Krieger, nur ein normaler Mann, der seine Frau geliebt hatte. Ich atmete zitternd ein und schlug meine Augen wieder auf. Legte meine Hand an seine Wange und streichelte leicht mit dem Daumen über die Haut. “Wach auf”, flüsterte ich und konnte nicht verhindern, dass Tränen über mein Gesicht flossen. “Wach auf. Ich brauche dich, Thorin, bitte wach auf.” Bitte, bitte, wach auf.
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